Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Öffentlich-rechtliche Abteilung 1P.271/2002
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1P.271/2002 /sta

Urteil vom 13. Juni 2002

I. Öffentlichrechtliche Abteilung

Bundesgerichtsvizepräsident Aemisegger, Präsident,
Bundesrichter Aeschlimann, Catenazzi,
Gerichtsschreiberin Leuthold.

X. ________, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Hans
Baumgartner, Sihlporte 3 / Talstrasse, Postfach, 8022 Zürich, substituiert
durch Rechtsanwältin lic.iur. Tanja Knodel, c/o Baumgartner Brianza Mächler,
Sihlporte 3 / Talstrasse, Postfach, 8022 Zürich,

gegen

Bezirksanwaltschaft II für den Kanton Zürich, Büro OK-3, Neue Börse Selnau,
Postfach, 8039 Zürich,
Bezirksgericht Zürich, Haftrichter, Kasernenstrasse 49, Postfach, 8026
Zürich.

Art. 10 Abs. 2, Art. 29 Abs. 1 und Art. 31 Abs. 3 BV
(Fortsetzung der Untersuchungshaft)

Staatsrechtliche Beschwerde gegen die Verfügung des Bezirksgerichts Zürich,
Haftrichter, vom 19. April 2002
Sachverhalt:

A.
Die Bezirksanwaltschaft II für den Kanton Zürich liess im Rahmen der gegen
den organisierten Drogenhandel geführten sog. Aktion "C.________" einen
grösseren Personenkreis telefonisch überwachen. Am 17. Oktober 2000 wurden
mehrere Personen festgenommen, darunter X.________ und seine Ehefrau. Die
Bezirksanwaltschaft beantragte dem Haftrichter des Bezirkes Zürich mit
Eingabe vom 19. Oktober 2000, es sei gegen X.________ die Untersuchungshaft
anzuordnen. Zur Begründung führte sie aus, D.A.________, der Schwager von
X.________, sei am 17. Oktober 2000 beim Ausbau von 10 kg Heroin aus einem
Personenwagen ertappt worden. Gleichzeitig sei aus dem Fahrzeug der Ehefrau
von D.A.________ am selben Ort eine Million Schweizer Franken sichergestellt
worden. Das Geld sei professionell im Fahrzeug eingebaut und für den
Transport zum Vater der Geschwister A.________ nach Montenegro bereit
gewesen. X.________ werde verdächtigt, zusammen mit seiner Frau zumindest
Teile des gewaltigen Drogenerlöses von D.A.________ und Konsorten, so auch
die sichergestellte Million, zeitweise in der Wohnung seiner Eltern oder an
seinem Wohnort oder auf Bankkonti aufbewahrt und mitverwaltet zu haben. Da
der Angeschuldigte nicht geständig und der Sachverhalt im Detail nicht
geklärt sei, bestehe bis zum Abschluss der Untersuchung Kollusionsgefahr.

Der Haftrichter des Bezirksgerichts Zürich versetzte X.________ mit Verfügung
vom 20. Oktober 2000 in Untersuchungshaft. Diese wurde in der Folge
wiederholt verlängert. Mit Verfügung vom 19. April 2002 wies der Haftrichter
das Haftentlassungsgesuch des Angeschuldigten vom 10. April 2002 ab und
erstreckte die Untersuchungshaft bis zum 30. Juli 2002.

B.
Gegen diesen Entscheid reichte X.________ am 16. Mai 2002 beim Bundesgericht
staatsrechtliche Beschwerde ein. Er beantragt, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und es sei seine sofortige Entlassung aus der Haft anzuordnen.
Ausserdem stellt er das Gesuch, es sei ihm für das bundesgerichtliche
Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren.

C.
Die Bezirksanwaltschaft beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 28. Mai 2002,
die Beschwerde sei abzuweisen. Der Haftrichter verzichtete auf eine
Vernehmlassung.

D.
In einer Replik vom 5. Juni 2002 nahm X.________ zur Beschwerdeantwort der
Bezirksanwaltschaft Stellung.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Abgesehen von hier nicht zutreffenden Ausnahmen sind im Verfahren der
staatsrechtlichen Beschwerde neue Behauptungen und Beweismittel unzulässig,
sofern sie sich auf Veränderungen des Sachverhalts nach Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehen (BGE 107 Ia 187 E. 2b S. 191; 102 Ia 76 E.
2f S. 79). Die Bezirksanwaltschaft beruft sich in ihrer Vernehmlassung zur
staatsrechtlichen Beschwerde bei den Ausführungen zum Tatverdacht und zur
Kollusionsgefahr auf neue Tatsachen und Beweismittel (Aktennotiz vom 21. Mai
2002; Bericht der Verwaltung des Bezirksgefängnisses Dielsdorf vom 27. Mai
2002), die bei Ausfällung der angefochtenen Verfügung des Haftrichters noch
nicht existierten. Auf die betreffenden Vorbringen in der Beschwerdeantwort
und die dazu angebrachten Gegenbemerkungen in der Replik ist nach der
erwähnten Rechtsprechung nicht einzutreten.

2.
Der Beschwerdeführer macht geltend, die Abweisung seines Gesuchs um
Entlassung aus der Haft verletze das Recht auf persönliche Freiheit nach Art.
10 Abs. 2 BV.

2.1 Bei staatsrechtlichen Beschwerden, die gestützt auf das
verfassungsmässige Recht der persönlichen Freiheit wegen Fortdauer der Haft
oder Ablehnung eines Haftentlassungsgesuchs erhoben werden, prüft das
Bundesgericht im Hinblick auf die Schwere des Eingriffs die Auslegung und
Anwendung des entsprechenden kantonalen Rechts frei. Soweit jedoch reine
Sachverhaltsfeststellungen und damit Fragen der Beweiswürdigung zu beurteilen
sind, greift das Bundesgericht grundsätzlich nur ein, wenn die tatsächlichen
Feststellungen der kantonalen Instanz willkürlich sind (BGE 123 I 31 E. 3a S.
35, 268 E. 2d S. 271, je mit Hinweisen).

2.2 Nach § 58 Abs. 1 Ziff. 1-3 der Strafprozessordnung des Kantons Zürich
(StPO) ist die Anordnung oder Aufrechterhaltung der Untersuchungshaft
zulässig, wenn der Angeschuldigte eines Verbrechens oder Vergehens dringend
verdächtigt wird und überdies Flucht-, Kollusions- oder Fortsetzungsgefahr
besteht. Ausserdem darf die Haft nicht länger dauern als die zu erwartende
Freiheitsstrafe (§ 58 Abs. 3 StPO).

Der Haftrichter war der Auffassung, im vorliegenden Fall seien der dringende
Tatverdacht sowie Kollusions- und Fluchtgefahr gegeben; zudem sei die
Fortdauer der Haft nicht unverhältnismässig.

Der Beschwerdeführer hält diese Ansicht in verschiedener Hinsicht für
verfassungswidrig.

2.3 Der Haftrichter verwies in der Begründung seines Entscheids vorab auf die
Erwägungen in der Haftverlängerungsverfügung vom 1. Februar 2002. Er
erklärte, die in dieser Verfügung gemachten Ausführungen zum Tatverdacht
sowie zur Kollusions- und Fluchtgefahr könnten auch dem heutigen Entscheid
zugrunde gelegt werden, soweit sich seither nichts ergeben habe, das eine
ergänzende Prüfung erfordere.

In der staatsrechtlichen Beschwerde wird zu Unrecht eingewendet, es gehe
nicht an, dass der Haftrichter zur Begründung des Tatverdachts und der
Kollusionsgefahr auf die frühere Verfügung verweise. Unter dem Gesichtspunkt
der sich aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV
ergebenden Begründungspflicht ist es zulässig, dass die Behörde zur
Begründung ihres Entscheids auf die Erwägungen in einem früheren Urteil
verweist (BGE 123 I 31 E. 2c S. 34). Es ist daher nicht zu beanstanden, wenn
der Haftrichter in der Begründung des angefochtenen Entscheids zwecks
Vermeidung von Wiederholungen vorab auf die Ausführungen in der Verfügung vom
1. Februar 2002 verwies.

2.4 In dieser Verfügung war ausführlich dargelegt worden, dass aufgrund der
bisherigen Untersuchungsergebnisse ein dringender Tatverdacht bezüglich
Beteiligung an einer kriminellen Organisation, Geldwäscherei und
bandenmässigen Drogenhandels vorliege. Dabei wurde vor allem Folgendes
festgehalten: Bei D.A.________ (und dessen Ehefrau G.A.________) - dem
Schwager des Beschwerdeführers - seien rund 10 kg Heroin und Fr. 1'010'000.--
sichergestellt worden. Die aufgezeichneten Telefongespräche würden auf
erhebliche Differenzen zwischen der Familie A.________ und dem
Beschwerdeführer hinsichtlich der Abrechnung hoher Geldbeträge hinweisen. In
der Wohnung des Beschwerdeführers seien handschriftliche Abrechnungen über
hohe Geldbeträge - darunter eine über exakt den Betrag von Fr. 1'010'000.--
sowie Geldverpackungsmaterial sichergestellt worden, das demjenigen im
Fahrzeug von D.A.________ bzw. G.A.________ in Art und Beschriftung
entspreche. Aufgrund von Telefonüberwachungen bestünden Hinweise auf Kontakte
des Beschwerdeführers zum Mitbeteiligten B.________, in dessen Wohnung unter
anderem Drogen und Drogenpressen sichergestellt worden seien. Im Weiteren
wurde auf Bankgeschäfte betreffend Geldsummen hingewiesen, deren Höhe mit
legaler Tätigkeit des Beschwerdeführers nicht erklärbar sei. Alle diese
Umstände würden - wie in der Haftverfügung vom 1. Februar 2002 gesagt wurde -
hinreichend konkret den dringenden Tatverdacht bezüglich der dem
Beschwerdeführer vorgeworfenen Straftaten begründen.

Der Haftrichter führte im angefochtenen Entscheid aus, entgegen den
Unschuldsbeteuerungen des Beschwerdeführers bestehe ein dringender
Tatverdacht nicht nur bezüglich Geldwäscherei, sondern auch hinsichtlich
Beteiligung an einer kriminellen Organisation und an bandenmässigem
Drogenhandel. Seit der Haftprüfung vom 1. Februar 2002 hätten sich keine den
Beschwerdeführer entlastenden Hinweise ergeben.
In der staatsrechtlichen Beschwerde wird vorgebracht, zur Aufrechterhaltung
des dringenden Tatverdachts sei es notwendig, dass die Untersuchungsbehörde
im Verlaufe der Strafuntersuchung neue belastende Momente anführen könne "und
nicht, dass der Angeschuldigte Entlastendes vorzubringen hätte". Die
Argumentation des Haftrichters stelle eine "unzulässige rechtswidrige
Beweislastumkehr dar" und sei mit dem Prinzip der Unschuldsvermutung nicht
vereinbar.

Im angefochtenen Entscheid wurde, wie erwähnt, zunächst auf die in der
Haftverfügung vom 1. Februar 2002 enthaltenen Überlegungen betreffend das
Vorliegen des Tatverdachts verwiesen. Sodann wurde festgehalten, seit der
Haftprüfung vom 1. Februar 2002 hätten sich keine den Beschwerdeführer
entlastenden Hinweise ergeben. Mit dieser Feststellung wurde keine
Beweislastumkehr vorgenommen. Die Rüge der Verletzung der Unschuldsvermutung
geht deshalb fehl. Mit der beanstandeten Argumentation wurde zum Ausdruck
gebracht, dass sich seit der letzten Haftprüfung keine den Tatverdacht
entkräftenden Umstände ergeben hätten. Diese Auffassung ist sachlich
vertretbar. Ebenfalls unbegründet ist der Vorwurf des Beschwerdeführers, der
Tatverdacht sei hinsichtlich der Beteiligung an einer kriminellen
Organisation nie hinreichend konkret begründet worden. Eine hinreichende
Begründung ergibt sich aus den Erwägungen in der Verfügung vom 1. Februar
2002. Der Haftrichter konnte demnach ohne Verletzung der Verfassung annehmen,
es bestehe nach wie vor ein dringender Tatverdacht in Bezug auf alle dem
Beschwerdeführer vorgeworfenen Delikte.

2.5 Zur Frage der Kollusionsgefahr war in der Verfügung vom 1. Februar 2002
ausgeführt worden, es bestünden konkrete Anhaltspunkte dafür, dass Absprachen
zwischen den Beteiligten das Strafverfahren erheblich verzögern und
erschweren könnten. Der Beschwerdeführer habe ein Interesse daran, die
unbedenkliche Herkunft der mit ihm in Verbindung gebrachten hohen Geldbeträge
zu erklären. Angesichts des dringenden Tatverdachts, der auf eine
arbeitsteilige, professionell organisierte und mit beträchtlichen
finanziellen Mitteln ausgestattete Drogenhändlerorganisation hinweise,
entspreche es einer begründeten Erwartung, dass die Angeschuldigten und die
weiteren Beteiligten im Falle einer Haftentlassung aufeinander abgestimmte
(wahrheitswidrige) Erklärungen zur Herkunft des Geldes machen und dazu
entsprechende "Belege" vorweisen könnten. Da die Angeschuldigten bisher alle
wesentlichen Aussagen verweigert hätten, wären die Strafverfolgungsbehörden
gehalten, die durch Kollusion erwirkten Erklärungen und Belege im Einzelnen
zu widerlegen. Aus diesen Gründen sei die Kollusionsgefahr trotz der zu einem
grossen Teil abgeschlossenen Untersuchung weiterhin zu bejahen.

Im angefochtenen Entscheid wird erklärt, der Beschwerdeführer bringe nichts
vor, was diese Überlegungen entkräften könnte. Untauglich sei sein Argument,
die Anklagebehörde habe Absprachen unter den Angeschuldigten nach Erhebung
der Beweise nicht zu befürchten. Im Haftprüfungsentscheid vom 1. Februar 2002
sei überzeugend dargetan worden, dass bei Angeschuldigten, die sich in der
Untersuchung ausgeschwiegen hätten, sehr wohl eine hohe Kollusionsgefahr
bestehe, da die Angeschuldigten im Falle einer Haftentlassung "völlig neue
Legenden erfinden und die Untersuchungsbehörden dadurch zum Beweis von deren
Unwahrheit zwingen könnten". Dass die Untersuchungsbehörde inzwischen
offenbar einige Mitangeschuldigte aus der Untersuchungshaft entlassen habe,
ändere daran nichts, da die Hauptbeteiligten nach wie vor inhaftiert seien.

Diese Feststellungen lassen sich mit guten Gründen vertreten. In der
staatsrechtlichen Beschwerde wird nichts vorgebracht, was geeignet wäre, sie
als verfassungswidrig erscheinen zu lassen. Der Haftgrund der
Kollusionsgefahr konnte ohne Verletzung des Grundrechts der persönlichen
Freiheit bejaht werden.

2.6 Der Haftrichter hielt dafür, es bestehe ausserdem Fluchtgefahr. Auch in
diesem Punkt verwies er zunächst auf die Feststellungen in der Verfügung vom
1. Februar 2002. Sodann führte er aus, die vom Beschwerdeführer in dessen
Stellungnahme vom 17. April 2002 (zum Haftverlängerungsantrag der
Bezirksanwaltschaft) beschriebenen Bindungen zur Schweiz seien im
Haftprüfungsentscheid vom 1. Februar 2002 umfassend gewürdigt worden. An der
heutigen Verhandlung habe der Beschwerdeführer noch speziell darauf
hingewiesen, dass er perfekt Schweizerdeutsch spreche. Dies treffe zwar zu,
ändere aber nichts an den Indizien, die für eine Fluchtgefahr sprächen.

Der Beschwerdeführer, welcher jugoslawischer Staatsangehöriger ist,
bestreitet das Vorliegen von Fluchtgefahr, wobei er vor allem auf seine
Bindungen zur Schweiz hinweist. Er macht geltend, er sei in der Schweiz
geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen; er habe hier zahlreiche
Freunde, seine Eltern lebten hier, und er habe hier seinen Wohnsitz. Auch
beherrsche er die schweizerische Mundart perfekt. Der Umstand, dass seine
einzige Tochter zurzeit in Montenegro weile, dürfe für die Begründung der
Fluchtgefahr nicht herangezogen werden. Die Tochter befinde sich nur deshalb
bei seinen Schwiegereltern in Montenegro, weil sich auch seine Ehefrau in
Untersuchungshaft befinde und ein längerer Aufenthalt der damals erst sechs
Monate alten Tochter in einer Untersuchungszelle mit dem Kindeswohl nicht
vereinbar gewesen wäre.

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts braucht es für die Annahme der
Fluchtgefahr eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sich der Angeschuldigte,
wenn er in Freiheit wäre, der Strafverfolgung und dem Vollzug der Strafe
durch Flucht entziehen würde. Die Schwere der drohenden Strafe darf als ein
Indiz für Fluchtgefahr gewertet werden. Sie genügt jedoch für sich allein
nicht, um den Haftgrund zu bejahen. Vielmehr müssen die konkreten Umstände
des betreffenden Falles, insbesondere die gesamten Verhältnisse des
Angeschuldigten, in Betracht gezogen werden (BGE 125 I 60 E. 3a S. 62; 117 Ia
69 E. 4a S. 70, je mit Hinweisen).

Dem Beschwerdeführer wird Beteiligung an einer kriminellen Organisation
gemäss Art. 260ter StGB, Geldwäscherei nach Art. 305bis Ziff. 1 und 2 StGB
sowie bandenmässiger Drogenhandel im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3-7 des
Betäubungsmittelgesetzes (BetmG) in Verbindung mit Art. 19 Ziff. 2 lit. b
BetmG zur Last gelegt. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, so hätte er
mit einer empfindlichen Freiheitsstrafe zu rechnen. Es lässt sich ohne
weiteres annehmen, schon mit Rücksicht auf die Schwere der drohenden Strafe
bestehe ein erheblicher Anreiz zur Flucht. Die kantonalen Instanzen haben -
entsprechend der dargelegten Rechtsprechung des Bundesgerichts - nicht bloss
diesen Umstand berücksichtigt, sondern die gesamten Verhältnisse des
Beschwerdeführers in Betracht gezogen. In der Haftverfügung vom 1. Februar
2002 wurde ausgeführt, gegen die Annahme von Fluchtgefahr spreche, dass der
Beschwerdeführer in der Schweiz geboren und aufgewachsen sei und hier über
einen festen Wohnsitz verfüge. Auf der anderen Seite fänden sich gewichtige
Indizien, die für eine Fluchtgefahr sprächen. So müsse die berufliche
Integration des Beschwerdeführers in der Schweiz als nahezu inexistent
bezeichnet werden. Er habe zwar die Handelsschule absolviert, sei aber bisher
kaum einer festen Arbeit nachgegangen. Als entscheidende Umstände für das
Vorliegen einer Fluchtgefahr würden jedoch die persönlichen und finanziellen
Bindungen des Beschwerdeführers zu Montenegro ins Gewicht fallen. Es stehe
fest, dass die Schwiegereltern des Beschwerdeführers in Montenegro lebten,
dass der Beschwerdeführer in Montenegro seine von dort stammende Ehefrau
geheiratet und dass der Schwiegervater den Beschwerdeführer und dessen
Ehefrau in der Vergangenheit erheblich finanziell unterstützt habe. Ferner
belege die Tatsache, dass sich die Tochter des Beschwerdeführers bei dessen
Schwiegereltern in Montenegro befinde, immerhin das intakte Verhältnis
zwischen der Ehefrau des Beschwerdeführers und deren Eltern. Im Weiteren
lasse auch der begründete dringende Verdacht, wonach der Beschwerdeführer
mutmasslich Teil einer Drogenhändlerorganisation der Familie A.________ in
Montenegro sei, erkennen, dass er über sämtliche für eine Flucht nach
Montenegro oder in ein Drittland erforderlichen Beziehungen und Kontakte
verfüge. Es ist sachlich vertretbar, wenn die kantonalen Instanzen die
Beziehungen des Beschwerdeführers zu Montenegro als gewichtige Indizien für
eine Fluchtgefahr werteten. Werden die gesamten Verhältnisse des
Beschwerdeführers in Betracht gezogen, so verletzte der Haftrichter die
Verfassung nicht, wenn er den Haftgrund der Fluchtgefahr bejahte.

2.7 Der Beschwerdeführer rügt sodann "die Unverhältnismässigkeit der
Haftdauer und die Verletzung des Beschleunigungsgebots (Art. 29 Abs. 1 und
Art. 31 Abs. 3 BV)". Da es hier um einen Haftfall geht, kommt die
Spezialvorschrift von Art. 31 Abs. 3 BV und nicht die allgemeine Vorschrift
von Art. 29 Abs. 1 BV zur Anwendung.

Gemäss Art. 31 Abs. 3 BV hat eine in Haft gehaltene Person Anspruch darauf,
innerhalb einer angemessenen Frist abgeurteilt oder während des
Strafverfahrens aus der Haft entlassen zu werden. Eine übermässige Haftdauer
stellt eine unverhältnismässige Beschränkung des Grundrechts der persönlichen
Freiheit dar. Sie liegt dann vor, wenn die Haftdauer die mutmassliche Dauer
der zu erwartenden Freiheitsstrafe übersteigt. Der Haftrichter darf die Haft
nur so lange erstrecken, als sie nicht in grosse Nähe der konkret zu
erwartenden Strafe rückt. Im Weiteren kann eine Haft die zulässige Dauer auch
dann überschreiten, wenn das Strafverfahren nicht genügend vorangetrieben
wird, wobei sowohl das Verhalten der Justizbehörden als auch dasjenige des
Inhaftierten in Betracht gezogen werden müssen. Ob eine Haftdauer als
übermässig bezeichnet werden muss, ist aufgrund der konkreten Verhältnisse
des einzelnen Falles zu beurteilen (BGE 126 I 172 E. 5a S. 176 f.; 124 I 208
E. 6 S. 215, je mit Hinweisen).

Der Beschwerdeführer befindet sich seit dem 17. Oktober 2000, mithin seit
rund 20 Monaten, in Haft. Er bringt in der staatsrechtlichen Beschwerde vor,
falls er wegen Geldwäscherei verurteilt würde, drohe ihm - da er ein
Ersttäter sei und keine Strafschärfungsgründe vorlägen - eine Strafe von
maximal einem Jahr Gefängnis. Er befinde sich somit schon seit einigen
Monaten in Überhaft. Selbst bei Annahme, er würde wegen Geldwäscherei und
Beteiligung an einer kriminellen Organisation verurteilt, wäre die Haftdauer
unverhältnismässig, denn auch in diesem "worst case" müsse er nicht mit einer
höheren Strafe als einem Jahr und acht Monaten rechnen.

Diese Berechnungsmethoden sind unbehelflich, denn sie lassen den Umstand
ausser Acht, dass dem Beschwerdeführer nicht nur Geldwäscherei und
Beteiligung an einer kriminellen Organisation, sondern auch bandenmässiger
Drogenhandel im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3-7 in Verbindung mit Art. 19
Ziff. 2 lit. b BetmG zur Last gelegt wird. Im angefochtenen Entscheid wird
mit Grund ausgeführt, bei der Prüfung der Verhältnismässigkeit der Haftdauer
müsse man korrekterweise als Massstab eine Verurteilung wegen Beteiligung an
einer kriminellen Organisation und bandenmässigem Drogenhandel und nicht nur
wegen Geldwäscherei heranziehen. Wird von einem Schuldspruch im Sinne der dem
Beschwerdeführer vorgeworfenen Straftaten ausgegangen, so kann nicht gesagt
werden, die Haftdauer sei bereits in grosse Nähe der konkret zu erwartenden
Strafe gerückt. Die Rüge, die Fortdauer der Haft sei unverhältnismässig,
dringt daher nicht durch.

In Bezug auf den Vorwurf der Verletzung des Beschleunigungsgebots wird nicht
dargelegt, inwiefern die Behörden das Gebot der Beschleunigung missachtet
hätten (Art. 90 Abs. 1 lit. b OG). Auf diese Rüge kann mangels hinreichender
Begründung nicht eingetreten werden.

Nach dem Gesagten hält der angefochtene Entscheid des Haftrichters vor der
Verfassung stand. Die staatsrechtliche Beschwerde ist daher abzuweisen,
soweit darauf eingetreten werden kann.

3.
Dem Begehren des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege im Sinne von Art. 152 Abs. 1 und 2 OG kann mit Rücksicht auf die
gesamten Umstände des Falles entsprochen werden.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die staatsrechtliche Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten
werden kann.

2.
Dem Beschwerdeführer wird die unentgeltliche Rechtspflege gewährt:
2.1Es werden keine Kosten erhoben.

2.2 Rechtsanwältin Tanja Knodel, Zürich, wird als amtliche Anwältin des
Beschwerdeführers bezeichnet und für das bundesgerichtliche Verfahren aus der
Bundesgerichtskasse mit Fr. 1'800.-- entschädigt.

3.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer sowie der Bezirksanwaltschaft II für
den Kanton Zürich, Büro OK-3, und dem Bezirksgericht Zürich, Haftrichter,
schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 13. Juni 2002

Im Namen der I. öffentlichrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin:
i.V.