Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Öffentlich-rechtliche Abteilung 1P.353/2002
Zurück zum Index I. Öffentlich-rechtliche Abteilung 2002
Retour à l'indice I. Öffentlich-rechtliche Abteilung 2002


 1P.353/2002 /sta
 Urteil vom 18. Juli 2002
 I. 
ffentlichrechtliche Abteilung
 Bundesgerichtsvizepr
sident Aemisegger, Pr
sident,
 Bundesrichter Aeschlimann, F
raud,
 Gerichtsschreiber Steiner.
 X. ________, Beschwerdef
hrer, vertreten durch Rechtsanwalt Pascal Veuve, c/o
 Habl
tzel Veuve Bl
chlinger, Lutherstrasse 4, Postfach 3176, 8021 Z
rich,
 gegen
 Bezirksamt Lenzburg, Bezirksgeb
ude, Metzgplatz 18, Postfach, 5600 Lenzburg
 Obergericht des Kantons Aargau, Beschwerdekammer in Strafsachen, Pr
sidium,
 Obere Vorstadt 38, 5000 Aarau.
 Art. 10 Abs. 2 BV, Art. 5 Ziff. 1 EMRK 
(Haftentlassung)
 Staatsrechtliche Beschwerde gegen die Verf
gung des Obergerichts des Kantons
 Aargau, Beschwerdekammer in Strafsachen, Pr
sidium, vom 19. Juni 2002
 Sachverhalt:
 Das Bezirksamt Lenzburg ermittelt gegen X.________ wegen Widerhandlungen
 gegen die sexuelle und k
rperliche Integrit
t seiner Ehefrau. Am 9. Mai 2002
 wurde er aufgrund der Anzeige seiner Gattin verhaftet. Mit Verf
gung vom 13.
 Mai 2002 setzte der Bezirksamtmann-Stellvertreter als amtlichen Verteidiger
 Rechtsanwalt Pascal Veuve ein, der den Beschwerdef
hrer auch im
 Eheschutzverfahren vor Bezirksgericht Lenzburg vertreten hat. Am 19. Mai 2002
 waren die polizeilichen Ermittlungen abgeschlossen und der Fall wurde von der
 Kantonspolizei an das Bezirksamt Lenzburg 
berwiesen.
 Mit Fax vom 22. Mai 2002 beantragte der Bezirksamtmann-Stellvertreter die
 Verl
ngerung der Untersuchungshaft. Der Vizepr
sident der Beschwerdekammer
 des Obergerichts des Kantons Aargau verf
gte noch am 22. Mai 2002 die
 Haftverl
ngerung wie beantragt, ohne dem amtlichen Verteidiger Gelegenheit zu
 schriftlicher Stellungnahme gegeben zu haben. X.________ f
hrte hiergegen
 unter anderem wegen Verletzung des rechtlichen Geh
rs staatsrechtliche
 Beschwerde, welche mit Urteil 1P.295/2002 vom 14. Juni 2002 gutgeheissen
 wurde. Daraufhin wurde dem amtlichen Verteidiger Frist angesetzt, um zum
 Haftverl
ngerungsantrag Stellung zu nehmen. Dieser schloss auf Abweisung des
 Antrags sowie sofortige Haftentlassung. Mit Verf
gung vom 19. Juni 2002
 verl
ngerte der Vizepr
sident der Beschwerdekammer die Untersuchungshaft
 antragsgem
ss bis zum Eingang der Anklage beim Gericht.
 Mit staatsrechtlicher Beschwerde vom 25. Mai 2002 gelangt X.________ ans
 Bundesgericht mit den Antr
gen, die Verf
gung der Vorinstanz vom 19. Juni
 2002 sei aufzuheben und der Beschwerdef
hrer sei - allenfalls unter Anordnung
 von Ersatzmassnahmen - unverz
glich aus der Untersuchungshaft zu entlassen.
 Zudem wird beantragt, dem Beschwerdef
hrer sei f
r das vorliegende Verfahren
 die unentgeltliche Prozessf
hrung und Verbeist
ndung zu bewilligen.
 Der Bezirksamtmann-Stellvertreter Lenzburg schliesst mit Vernehmlassung vom
 2. Juli 2002 sinngem
ss auf Abweisung der Beschwerde. Es bestehe nach wie vor
 Kollusionsgefahr. Inzwischen seien zudem drei F
lle bekannt geworden, bei
 welchen der Angeschuldigte aufgrund von DNA-Analysen des Diebstahls von
 Servierportemonnaies 
berf
hrt worden sei. Der Vizepr
sident der
 Beschwerdekammer teilt mit Eingabe vom 3. Juli 2002 mit, er verzichte unter
 Hinweis auf die Ausf
hrungen im angefochtenen Entscheid auf eine
 Vernehmlassung. Der Beschwerdef
hrer macht mit Replik vom 10. Juli 2002
 insbesondere geltend, die vom Bezirksamt Lenzburg angef
hrten Vorw
rfe des
 mehrfachen Diebstahls von Serviceportemonnaies seien neu und nicht zu
 ber
cksichtigen.
 Das Bundesgericht zieht in Erw
gung:
 1.1 Der Beschwerdef
hrer ficht eine Haftverl
ngerungsverf
gung gem
 Abs. 2 des Gesetzes 
ber die Strafrechtspflege des Kantons Aargau vom 11.
 November 1958 (StPO; SR 251.100) an und verlangt nebst der Aufhebung dieser
 Verf
gung die unverz
gliche Entlassung aus der Untersuchungshaft. Obwohl die
 staatsrechtliche Beschwerde grunds
tzlich rein kassatorischer Natur ist, ist
 im Rahmen der Beschwerde wegen Verletzung der pers
nlichen Freiheit das
 Begehren zul
ssig, die kantonalen Beh
rden seien anzuweisen, den
 Beschwerdef
hrer aus der Haft zu entlassen (BGE 124 I 327 E. 4b/aa S. 333;
 115 Ia 293 E. 1a S. 297). Auf die gegen einen kantonal letztinstanzlichen
 Entscheid erhobene und im 
brigen frist- und formgerechte Beschwerde ist
 daher einzutreten.
 1.2 Neue tats
chliche Vorbringen sind im Verfahren der staatsrechtlichen
 Beschwerde grunds
tzlich nicht erlaubt. Das Novenverbot gilt f
r den
 Beschwerdegegner ebenso wie f
r den Beschwerdef
hrer (BGE 118 III 37 E. 2a S.
 38 f.). Ausnahmsweise zul
ssige neue Vorbringen sollen sich auf Tatsachen und
 Beweismittel beziehen, die bereits im Zeitpunkt des letzten kantonalen
 Entscheides gegeben waren (Walter K
lin, Das Verfahren der staatsrechtlichen
 Beschwerde, 2. Auflage, Bern 1994, S. 370). Soweit der
 Bezirksamtmann-Stellvertreter vorbringt, es bestehe neu auch dringender
 Tatverdacht sowie Kollusionsgefahr bez
glich mehrerer Diebst
hle von
 Servierportemonnaies, sind die Ausf
hrungen der Strafverfolgungsbeh
rde nicht
 zu ber
cksichtigen.
 Die Anordnung und Aufrechterhaltung der Haft ist als Eingriff in das Recht
 auf pers
nliche Freiheit (Art. 10 Abs. 2 und 31 BV, Art. 5 EMRK) nur
 zul
ssig, wenn sie auf einer ausreichenden gesetzlichen Grundlage beruht, im
ffentlichen Interesse liegt und verh
ltnism
ssig ist (Art. 10 Abs. 2 i.V.m.
 Art. 36 BV; vgl. BGE 125 I 361 E. 4a; 124 I 80 E. 2c, je mit Hinweisen). Das
 Bundesgericht pr
ft die Auslegung und Anwendung der kantonalen
 Eingriffsnormen mit freier Kognition (BGE 124 I 80 E. 2; 123 I 31 E. 3a). Auf
 eine Willk
fung beschr
nkt es sich, soweit Sachverhaltsfeststellungen
 sowie Fragen der Beweisw
rdigung in die Beurteilung miteinzubeziehen sind
 (BGE 123 I 31 E. 3a und 268 E. 2d; 117 Ia 72 E. 1, je mit Hinweisen).
 Gem
 67 Abs. 1 StPO darf ein Haftbefehl nur erlassen bzw. verl
ngert
 werden, wenn der Angeschuldigte einer mit Freiheitsstrafe bedrohten Handlung
 verd
chtig und ausserdem eine der zus
tzlichen Voraussetzungen der
 Untersuchungshaft gegeben ist.
 3.1 Im Gegensatz zum erkennenden Sachrichter hat das Bundesgericht bei der
berpr
fung des allgemeinen Haftgrundes des dringenden Tatverdachtes keine
 ersch
pfende Abw
gung s
mtlicher belastender und entlastender
 Beweisergebnisse vorzunehmen. Macht ein Inhaftierter geltend, er befinde sich
 ohne ausreichenden Tatverdacht in strafprozessualer Haft, ist vielmehr zu
fen, ob aufgrund der bisherigen Untersuchungsergebnisse gen
gend konkrete
 Anhaltspunkte f
r eine Straftat und eine Beteiligung des Beschwerdef
hrers an
 dieser Tat vorliegen, die kantonalen Beh
rden somit das Bestehen eines
 dringenden Tatverdachts mit vertretbaren Gr
nden bejahen durften. Im
 Haftpr
fungsverfahren gen
gt dabei der Nachweis von konkreten
 Verdachtsmomenten, wonach das inkriminierte Verhalten mit erheblicher
 Wahrscheinlichkeit die fraglichen Tatbestandsmerkmale erf
llen k
nnte (BGE
 116 Ia 143 E. 3c S. 146).
 3.2 Im vorliegenden Fall bestreitet der Beschwerdef
hrer zun
chst den
 dringenden Tatverdacht der mehrfachen Vergewaltigung in der Ehe sowie der
 wiederholten sexuellen N
tigung. Dieser sei einzig bez
glich der von der
 Ehefrau des Beschwerdef
hrers behaupteten sexuellen N
tigung vom 9. Mai 2002
 gegeben. Der ferner erhobene Vorwurf der mehrfachen Vergewaltigung in der Ehe
 sei bis heute in jeder Hinsicht 
usserst vage und unbestimmt geblieben,
 namentlich hinsichtlich der Handlungsweisen, mit denen der Beschwerdef
hrer
 seine Ehefrau zur Duldung des Beischlafs gen
tigt haben soll.
 3.3 Nach dem Gesagten anerkennt der Beschwerdef
hrer jedenfalls den
 dringenden Tatverdacht bez
glich desjenigen Falles von behaupteter sexueller
tigung, welcher zur Strafanzeige der Ehefrau vom 9. Mai 2002 gef
hrt hat.
 Damit ist die Hauptvoraussetzung der Untersuchungshaft grunds
tzlich gegeben.
 Der Vizepr
sident der Beschwerdekammer f
hrt zum Vorwurf der mehrfachen
 Vergewaltigung in der Ehe sowie der wiederholten sexuellen N
tigung aus, alle
 Familienangeh
rigen schilderten nicht nur den Vorfall, welcher Anlass zur
 Anzeige gegeben habe, sondern auch vorausgehende weitere 
bergriffe
bereinstimmend. Auch wenn bez
glich der Handlungsweisen, mit denen der
 Beschwerdef
hrer seine Ehefrau zur Duldung des Beischlafs gen
tigt haben
 soll, noch nicht letzte Klarheit besteht, bedeutet das nicht, dass damit der
 dringende Tatverdacht entf
llt. Denn die erforderliche Intensit
t des Zwangs
 kann auch anders als durch direkte Gewalteinwirkung oder Drohung erreicht
 werden (vgl. beispielsweise zum psychischen Druck BGE 126 IV 124 ff.); dabei
 ist auch der gesundheitlichen Beeintr
chtigung des mutmasslichen Opfers
 Rechnung zu tragen, die die Unterwerfung als verst
ndlich erscheinen lassen
nnte (BGE 119 IV E. 2b f. S. 101). Die Strafverfolgungsbeh
rden werden die
 Untersuchung in diesem Punkt allerdings zu vertiefen haben, da mit
 fortschreitender Dauer der Haft strengere Anforderungen an den Tatverdacht zu
 stellen sind als zu Beginn des Verfahrens (Niklaus Schmid, Strafprozessrecht,
 3. Auflage, Z
rich 1997, Rz. 698).
 67 Abs. 1 Ziff. 2 StPO nennt als Haftgrund unter anderem das Bestehen von
 Kollusionsgefahr. Kollusion bedeutet, dass sich der Beschuldigte mit Zeugen,
 Auskunftspersonen, Sachverst
ndigen oder Mitbeschuldigten ins Einvernehmen
 setzt oder sie zu wahrheitswidrigen Aussagen veranlasst (BGE 123 I 31 E. 3c
 S. 35; 117 Ia 257 E. 4b S. 260 f.). Die entsprechende Umschreibung in der
 kantonalen Strafprozessordnung hat insofern aufgrund der Generalklausel "oder
 sonst den Zweck der Untersuchung gef
hrden" eine Erweiterung erfahren (Felix
 Fischer, Die materiellen Voraussetzungen der ordentlichen Untersuchungshaft
 im rechtsstaatlichen Strafprozess, Diss. Z
rich 1995, S. 92 f.). Jedoch
 gen
gt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts die theoretische
glichkeit, dass der Angeschuldigte in Freiheit kolludieren k
nnte, nicht,
 um die Fortdauer der Haft zu rechtfertigen. Es m
ssen vielmehr konkrete
 Indizien f
r eine solche Gefahr sprechen (BGE 123 I 31 E. 3c S. 35; 117 Ia
 257 E. 4b S. 260 f.).
 Mit Fortschreiten der Strafuntersuchung wird die Kollusionsgefahr regelm
ssig
 vermindert. Die Strafuntersuchung ist, soweit m
glich, derart zu planen und
 durchzuf
hren, dass der Kollusion der Boden entzogen wird, namentlich sind
 Auskunftspersonen unmittelbar nach Einleitung der Strafuntersuchung
 einzuvernehmen (Rudolf Tschumper, Haft und Haft
berpr
fung im aargauischen
 Strafprozess, in: Aargauischer Juristenverein [Hrsg.], Festschrift f
r Dr.
 Kurt Eichenberger, Aarau 1990, S. 211 ff., insb. S. 216). Die Gefahr, dass
 der Beschuldigte kolludiert, kann indessen auch nach Abschluss der
 Untersuchung unter Umst
nden fortbestehen, denn im Strafverfahren des Kantons
 Aargau besteht sowohl im Haupt- als auch im Berufungsverfahren zumindest noch
 teilweise das Prinzip der Unmittelbarkeit; neue tats
chliche Behauptungen und
 Beweismittel wie Zeugen bzw. Zeugenaussagen sind in diesen Verfahren
 vollumf
nglich zul
ssig (
 220 und 222 StPO; BGE 117 Ia 257 E. 4b S. 260
 f.).
 4.1 Nach Auffassung des Vizepr
sidenten der Beschwerdekammer stellt die
 Familiensituation des Beschwerdef
hrers ein konkretes Indiz daf
r dar, dass
 der Angeschuldigte in Freiheit seine Familienangeh
rigen zu beeinflussen
 versuchen k
nnte. Anlass zu dieser konkreten Bef
rchtung bestehe auch wegen
 der gesundheitlichen Beeintr
chtigung der Ehefrau des Angeschuldigten und des
 erheblichen Gewichts der ihm zur Last gelegten, mit einer Mindeststrafe von
 einem Jahr Zuchthaus bedrohten Delikte. Diese Gefahr werde durch den Umstand
 akzentuiert, dass es sich bei der Vergewaltigung in der Ehe um ein
 Antragsdelikt handle.
 Der Beschwerdef
hrer bestreitet das Vorliegen der Kollusionsgefahr; es seien
 keine konkreten Anhaltspunkte gegeben. Der Eheschutzrichter habe ihn mit
 einem strikten Verbot belegt, w
hrend des Getrenntlebens die eheliche Wohnung
 zu betreten. Er habe die entsprechenden Begehren der Ehefrau anerkannt, was
 zeige, dass er gewillt sei, Frau und Kinder in Ruhe zu lassen.
 4.2 Zun
chst ist unstreitig, dass im Falle eines Verfahrens wegen
 Vergewaltigung in der Ehe, wo die Gesch
digte - und im vorliegenden Fall
 zudem die Kinder der Ehegatten - Druckversuchen des Angeschuldigten
 ausgesetzt sein k
nnen, grunds
tzlich ein Kollusionsrisiko bestehen kann
 (Peter Albrecht, Die Kollusionsgefahr als Haftgrund, in: Basler Juristische
 Mitteilungen [BJM] 1999, S. 1 ff., insb. S. 4). Im vorliegenden Fall f
hren
 gem
ss den Feststellungen im angefochtenen Entscheid s
mtliche
 Auskunftspersonen 
bereinstimmend aus, der Beschuldigte wende gegen
ber allen
 Familienangeh
rigen Gewalt an, wenn seine Meinung nicht akzeptiert werde.
 Damit darf grunds
tzlich Kollusionsgefahr angenommen werden, denn zu deren
 Begr
ndung werden auch Umst
nde anerkannt, die in der Person des T
ters
 liegen (Albrecht, a.a.O., S. 9). Der Behauptung des Beschwerdef
hrers, er sei
 gewillt, Frau und Kinder in Ruhe zu lassen, kommt angesichts dieser Umst
 keine entscheidende Bedeutung zu. Soweit im angefochtenen Entscheid indes
 darauf hingewiesen wird, dass es sich bei den in Frage stehenden Straftaten
 um Antragsdelikte handelt, ist allerdings pr
zisierend festzuhalten, dass ein
 Angeschuldigter, falls er hierf
r keine widerrechtlichen Mittel wie Zwang
 oder Drohung anwendet, die Gesch
digte zum R
ckzug ihres Strafantrags oder
 einen Zeugen zum Gebrauch des Zeugnisverweigerungsrechts bewegen darf
 (Albrecht, a.a.O., S. 7).
 4.3 Der Beschwerdef
hrer macht eventualiter zur Frage der
 Verh
ltnism
ssigkeit der Untersuchungshaft geltend, das Verbot des
 Eheschutzrichters, die Familienwohnung zu betreten, sei ein geeignetes
 milderes Mittel, um der Kollusionsgefahr zu begegnen. Ausserdem k
nne er nach
 seiner Entlassung bei einer Drittperson in Z
rich, also in grosser r
umlicher
 Distanz zu seiner Familie, wohnen. Der Vizepr
sident der Beschwerdekammer
hrt dazu aus, auch mit der milderen Massnahme einer Haftentlassung unter
 Auflagen k
nne der Kollusionsgefahr nicht wirksam genug begegnet werden.
 4.4 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist ein mit staatsrechtlicher
 Beschwerde angefochtener Entscheid erst dann aufzuheben, wenn er im Ergebnis
 gegen die Verfassung oder die EMRK verst
sst, nicht schon dann, wenn sich die
 Begr
ndung oder ein Teil derselben als verfassungs- oder konventionswidrig
 erweist. Das Bundesgericht hat somit die M
glichkeit, die Motive des
 umstrittenen Entscheids zu ersetzen (BGE 117 Ia 135 E. 2c S. 139).
 Aufgrund der derzeit einzig aktenkundigen und lediglich polizeilichen
 Einvernahmen erscheinen die Ergebnisse der Untersuchung noch als zu wenig
 konkret, soweit die vor dem Anzeigedatum liegenden Delikte gegen die sexuelle
 Integrit
t in Frage stehen (vgl. dazu das Urteil 1P.650/2000 vom 26. Januar
 2001, publiziert in; Die Praxis 2000 Nr. 93 E. 3d S. 549). Demnach besteht
 die Kollusionsgefahr unter anderem darin, dass der Angeschuldigte beim
 heutigen Stand der Untersuchung auf den Inhalt der Aussagen bzw. im Sinne
 deren Verf
lschung auf die Auskunftspersonen einwirken k
nnte. Dieser Gefahr
 ist durch Beweissicherung, d.h. durch weitere Einvernahmen der
 Auskunftspersonen bzw. Zeugen, beizukommen. Soweit Art. 5 Abs. 5 OHG nicht
 entgegensteht, ist allenfalls sogar eine Konfrontationseinvernahme nicht
 ausgeschlossen (nicht publiziertes Urteil 1P.194/1998 vom 21. April 1998, E.
 4b f.). Allenfalls ergeben sich anl
sslich der Einvernahmen auch Anzeichen
 bez
glich der Beeinflussbarkeit der Auskunftspersonen (vgl. dazu Fischer,
 a.a.O., S. 93). Aufgrund des Ergebnisses der - beschleunigt durchzuf
hrenden
 - Untersuchung wird dann zu beurteilen sein, ob weiterhin eine die
 Untersuchungshaft rechtfertigende Kollusionsgefahr besteht. Dies einerseits
 mit Blick auf die Unmittelbarkeit, andererseits in dem Sinne, dass auf die
 Auskunftspersonen in widerrechtlicher Weise eingewirkt werden k
nnte mit dem
 Ergebnis, dass die Betroffenen von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch
 machen bzw. dass das mutmassliche Opfer den Strafantrag unter diesem Druck
 zur
ckzieht.
 Die Haft erweist sich ohne weiteres als verh
ltnism
ssig, solange die
 Untersuchung zum Vorwurf der mehrfachen Vergewaltigung und der wiederholten
 sexuellen N
tigung, vom detailliert geschilderten mutmasslichen 
bergriff vom
 9. Mai 2002 abgesehen, nicht erg
nzt worden ist. Die dargestellte M
glichkeit
 der Kollusion im Sinne der Beeintr
chtigung des Wahrheitsgehalts der Aussagen
sst eine blosse Ersatzmassnahme als zu riskant erscheinen. Damit kann der
 Angeschuldigte jedenfalls zur Zeit nicht aus der Untersuchungshaft entlassen
 werden. Hingegen durfte der Vizepr
sident angesichts der bisher nicht
 gen
gend vertieften Untersuchung die Haft nicht bis zum Eingang der Anklage
 beim Gericht verl
ngern. Denn es ist denkbar, dass sich der Tatverdacht nur
 mit Bezug auf die behauptete N
tigungshandlung vom 9. Mai 2002, welche zur
 Strafanzeige gef
hrt hat, verdichtet. Damit ist nicht auszuschliessen, dass
 die Aufrechterhaltung der Haft bis zum Eingang der Klage bei Gericht und
 damit faktisch bis zur Hauptverhandlung angesichts des Ergebnisses der
 Untersuchung als unverh
ltnism
ssig erscheint.
 Zusammenfassend ist das Gesuch um sofortige Haftentlassung nach dem Gesagten
 mit Blick auf die noch ausstehende vertiefte Untersuchung abzuweisen.
 Andererseits ist das Dispositiv des angefochtenen Entscheides, mit welchem
 die Untersuchungshaft bis zum Eingang der Anklage bei Gericht bewilligt
 werden sollte, aufzuheben. Somit wird das Pr
sidium der Beschwerdekammer die
 Haft entgegen dem Antrag des Beschwerdef
hrers im Sinne der Erw
gungen
 angemessen zu verl
ngern haben.
 Der Beschwerdef
hrer hat vergeblich die sofortige Haftentlassung verlangt und
 ist demzufolge als im Hauptpunkt unterliegend anzusehen (Art. 156 Abs.1 und
 Art. 159 Abs. 2 OG). Da indessen die Voraussetzungen der unentgeltlichen
 Rechtspflege und Verbeist
ndung gegeben sind (Art. 152 OG), ist auf die
 Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten und der Rechtsvertreter des
 Beschwerdef
hrers aus der Bundesgerichtskasse zu entsch
digen.
 Demnach erkennt das Bundesgericht:
 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verf
gung des
 Vizepr
sidenten der Beschwerdekammer vom 19. Juni 2002 aufgehoben.
 Das Haftentlassungsbegehren wird abgewiesen.
 Dem Beschwerdef
hrer wird die unentgeltliche Rechtspflege und Verbeist
ndung
 gew
hrt:
 3.1Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
 3.2 Rechtsanwalt Pascal Veuve wird als unentgeltlicher Vertreter des
 Beschwerdef
hrers bezeichnet und f
r das bundesgerichtliche Verfahren aus der
 Bundesgerichtskasse mit Fr. 1'500.-- entsch
digt.
 Dieses Urteil wird dem Beschwerdef
hrer, dem Bezirksamt Lenzburg und dem
 Obergericht des Kantons Aargau, Beschwerdekammer in Strafsachen, Pr
sidium,
 schriftlich mitgeteilt.
 Lausanne, 18. Juli 2002
 Im Namen der I. 
ffentlichrechtlichen Abteilung
 des Schweizerischen Bundesgerichts
 Der Pr
sident: Der Gerichtsschreiber: