Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Öffentlich-rechtliche Abteilung 1P.378/2002
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1P.378/2002 /zga

Urteil vom 9. September 2002

I. Öffentlichrechtliche Abteilung

Bundesgerichtsvizepräsident Aemisegger, Präsident,
Bundesrichter Nay, Aeschlimann,
Gerichtsschreiberin Leuthold.

X. _________,
Beschwerdeführer,

gegen

Staatsanwaltschaft des Kantons Zug, Staatsanwalt lic.iur. Paul Kuhn,
Aabachstrasse 1, Postfach 760, 6301 Zug,
Strafgericht des Kantons Zug, Berufungskammer, Aabachstrasse 3, Postfach 800,
6301 Zug.

Art. 8, 29, 30 und 32 BV (Diskriminierung; rechtliches Gehör;
Unparteilichkeit; Verteidigungsrechte)

Staatsrechtliche Beschwerde gegen das Urteil des Strafgerichts des Kantons
Zug, Berufungskammer, vom 23. November 2001

Sachverhalt:

A.
Y. ________ und X._________ heirateten am 21. August 1976. Am 18. Februar
1994 wurde die Scheidungsklage beim Kantonsgericht des Kantons Zug anhängig
gemacht. Mit Verfügung des Kantonsgerichtspräsidiums Zug vom 24. Januar 1994
waren der gemeinsame Haushalt der Eheleute aufgehoben und die Folgen des
Getrenntlebens geregelt worden. Gestützt auf eine Vereinbarung der Eheleute
vom 28. Juni 1994 wurde X._________ vom Kantonsgerichtspräsidium am 30. Juni
1994 verpflichtet, Y.________ ab 1. Juli 1994 einen vorläufigen
Unterhaltsbeitrag von Fr. 4'800.-- pro Monat zu bezahlen. Mit Verfügung des
Kantonsgerichtspräsidiums vom 14. November 1994 wurde er zur Bezahlung eines
monatlichen Unterhaltsbeitrags von Fr. 4'250.-- ab 1. Juli 1994 und eines
solchen von Fr. 5'000.-- ab 1. April 1995 verpflichtet. Auf Beschwerden hin
setzte die Justizkommission des Obergerichts des Kantons Zug mit Urteil vom
22. Juni 1995 den monatlichen Beitrag ab 1. Juli 1994 auf Fr. 4'550.-- fest.

Mit Eingabe vom 5. Oktober 1995 stellte X._________ beim
Kantonsgerichtspräsidium den Antrag, der Unterhaltsbeitrag sei aufgrund der
veränderten Verhältnisse neu auf Fr. 2'500.-- pro Monat festzusetzen. Das
Kantonsgerichtspräsidium verfügte am 19. November 1996, X._________ habe an
den Unterhalt von Y.________ ab 1. Oktober 1995 einen monatlichen Beitrag von
Fr. 3'450.-- und ab 1. Mai 1996 einen solchen von Fr. 2'950.-- zu leisten.
Die gegen diese Verfügung erhobenen Beschwerden wies die Justizkommission des
Obergerichts mit Urteil vom 2. Mai 1997 ab. Das Kantonsgericht des Kantons
Zug verpflichtete X._________ im Scheidungsurteil vom 9. September 1998, ab
Rechtskraft dieses Urteils bis zum Eintritt ins gesetzliche AHV-Alter eine
monatliche Unterhaltsersatzrente von Fr. 2'700.-- an Y.________ zu bezahlen,
nachher eine solche in der Höhe von Fr. 1'300.--.

Am 10. November 1995, 26./29. April 1996, 27. November 1998 und 25. August
1999 stellte Y.________ gegen X._________ Strafantrag wegen Vernachlässigung
von Unterhaltspflichten. Das Einzelrichteramt des Kantons Zug sprach
X._________ am 29. Januar 2001 der Vernachlässigung von Unterhaltspflichten
gemäss Art. 217 Abs. 1 StGB schuldig und verurteilte ihn zu einer bedingt
vollziehbaren Gefängnisstrafe von 75 Tagen. Die Berufungskammer des
Strafgerichts des Kantons Zug wies mit Urteil vom 23. November 2001 die vom
Angeklagten eingelegte Berufung ab, bestätigte den Schuldspruch der ersten
Instanz und bestrafte X._________ mit 60 Tagen Gefängnis, unter Gewährung des
bedingten Strafvollzugs.

B.
Gegen dieses Urteil reichte X._________ mit Eingabe vom 15. Juli 2002 beim
Bundesgericht eine von ihm selbst verfasste staatsrechtliche Beschwerde ein.
Er stellt folgende Rechtsbegehren:
"1. Das Urteil der Berufungskammer des Strafgerichts des Kantons Zug vom 23.
November 2001 ist aufzuheben und zur Ergänzung der Strafuntersuchung sowie
für eine Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen, wobei zu prüfen
ist, ob die Vorinstanz anzuweisen sei, das Verfahren wegen nachgewiesener
Parteilichkeit und Befangenheit an eine andere, unabhängige und unparteiische
Gerichtsinstanz zu überweisen.

2.  Die Gerichts- und Verfahrenskosten sind dem Beschwerdegegner
aufzuerlegen.

3.  Dem Beschwerdeführer ist die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren."

C.
Die Berufungskammer des Strafgerichts Zug beantragt unter Verzicht auf
Gegenbemerkungen, die Beschwerde sei abzuweisen. Die Staatsanwaltschaft des
Kantons Zug verzichtete auf eine Vernehmlassung.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Abgesehen von hier nicht zutreffenden Ausnahmen ist die staatsrechtliche
Beschwerde rein kassatorischer Natur, d.h. sie kann nur zur Aufhebung des
angefochtenen Entscheids führen (BGE 127 II 1 E. 2c S. 5; 126 I 213 E. 1c S.
216 f., je mit Hinweisen). Auf die vorliegende Beschwerde ist daher nicht
einzutreten, soweit mit ihr mehr als die Aufhebung des Urteils der
Berufungskammer des Zuger Strafgerichts vom 23. November 2001 verlangt wird.

2.
Die Berufungskammer des Strafgerichts hielt im angefochtenen Urteil fest,
eine Bestrafung wegen Vernachlässigung von Unterhaltspflichten gemäss Art.
217 Abs. 1 StGB setze voraus, dass der Täter über die Mittel zur Erfüllung
der Unterhaltspflicht verfüge oder verfügen könnte. Damit werde auch
derjenige erfasst, welcher zwar einerseits nicht über ausreichende Mittel zur
Pflichterfüllung verfüge, es anderseits aber unterlasse, ihm offen stehende
und zumutbare Möglichkeiten zum Geldverdienen zu ergreifen. Der
Beschwerdeführer habe Y.________ in der Zeit von Dezember 1995 bis September
1998 nie die vollen Unterhaltsbeiträge und von Dezember 1995 bis Dezember
1996 sowie in den Monaten Februar und April 1997 überhaupt keine Beiträge
bezahlt. Die Verteidigung mache geltend, der Beschwerdeführer befinde sich
seit August 1995 in einer prekären finanziellen Situation, lebe seit Dezember
1995 unter dem Existenzminimum und sei daher nicht in der Lage gewesen, die
gerichtlich festgelegten Unterhaltsbeiträge vollumfänglich zu leisten. Die
Berufungskammer hielt diesen Einwänden entgegen, massgebend sei, ob der
Beschwerdeführer bei gutem Willen ein Einkommen hätte erzielen können, mit
dem er seine Unterhaltspflichten hätte erfüllen können. Sie bejahte die
Frage, wobei sie sich auf die Verfügung des Kantonsgerichtspräsidiums vom 19.
November 1996 und das diesen Entscheid bestätigende Urteil des Obergerichts
vom 2. Mai 1997 stützte. Die Berufungskammer führte aus, das
Kantonsgerichtspräsidium und das Obergericht hätten die vom Beschwerdeführer
in der hier zu beurteilenden Zeit zu leistenden Unterhaltsbeiträge nicht nach
dessen effektiven Einkommens- und Vermögensverhältnissen festgelegt, sondern
aufgrund eines hypothetischen Einkommens, welches der Beschwerdeführer in der
damaligen Zeit unter Würdigung seiner Ausbildung und Erfahrung sowie der
damals aktuellen wirtschaftlichen Lage bei gutem Willen hätte erzielen
können. Der Grund für diese Einkommenseinschätzung habe für beide Instanzen
darin bestanden, dass der Beschwerdeführer versucht habe, seine effektiven
Verhältnisse zu verschleiern und sich seiner Unterhaltspflichten zu
entziehen. Wenn der Beschwerdeführer - wie an der Berufungsverhandlung - die
Frage aufwerfe, weshalb seine damaligen Verhältnisse nicht besser abgeklärt
worden seien, müsse er sich entgegenhalten lassen, dass er dies teilweise
selber verhindert habe, indem er die Antwort auf entsprechende Fragen der
Untersuchungsrichterin verweigert habe. Sowohl das Kantonsgerichtspräsidium
als auch das Obergericht hätten die finanziellen Verhältnisse des
Beschwerdeführers in Berücksichtigung aller bekannten und bekannt gegebenen
Umstände gewürdigt. Es bestehe daher kein Grund, nicht auf das hypothetische
Einkommen abzustellen. Daran vermöchten auch die von der Verteidigung
angeführten, offenbar erfolglosen Stellenbewerbungsbemühungen des
Beschwerdeführers nichts zu ändern. Selbst wenn diese Bemühungen im
fraglichen Zeitabschnitt (Dezember 1995 bis September 1998) erfolgt seien,
bekräftige ihre Anzahl (4 in der Schweiz, 2 in Deutschland und 4 in
Österreich) während 2 Jahren und 9 Monaten noch keineswegs ausreichende
Bemühungen, um ein genügendes Einkommen zur Erfüllung der Unterhaltspflichten
zu erzielen. Wie das Kantonsgerichtspräsidium und das Obergericht in ihren
Entscheiden ausgeführt hätten, würden die damaligen Umstände - u.a. die
Tatsache, dass der Beschwerdeführer unentgeltlich für zwei Betriebe seiner
Lebenspartnerin gearbeitet habe - den Schluss zulassen, dass er nicht
genügend unternommen habe, um seine Unterhaltspflichten zu erfüllen. Zudem
sei aus den Kreditkartenabrechnungen aus jener Zeit ersichtlich, dass der
Beschwerdeführer selber einen ziemlich aufwendigen Lebensstil gepflegt habe.
Stelle man - wie die Berufungskammer abschliessend erklärte - auf das vom
Kantonsgerichtspräsidium auf Fr. 7'000.-- pro Monat festgelegte und vom
Obergericht bestätigte Einkommen ab, so wäre der Beschwerdeführer in der Lage
gewesen, die Unterhaltsbeiträge (ab 1. Oktober 1995 einen monatlichen Betrag
von Fr. 3'450.-- und ab 1. Mai 1996 einen solchen von Fr. 2'950.--) zu
bezahlen. Er habe dies unterlassen und damit den Tatbestand von Art. 217 StGB
erfüllt.

3.
Der Beschwerdeführer beklagt sich über eine Verletzung des in Art. 30 Abs. 1
BV gewährleisteten Anspruchs auf ein unabhängiges und unparteiisches Gericht.

3.1 Nach dieser Verfassungsvorschrift hat der Einzelne Anspruch darauf, dass
seine Sache von einem unparteiischen, unvoreingenommenen und unbefangenen
Richter ohne Einwirken sachfremder Umstände entschieden wird. Liegen bei
objektiver Betrachtungsweise Gegebenheiten vor, die den Anschein der
Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen vermögen, so
ist Art. 30 Abs. 1 BV verletzt (BGE 127 I 196 E. 2b S. 198; 126 I 68 E. 3a S.
73, je mit Hinweisen).

3.2  Der Beschwerdeführer bringt vor, die Ursachen für die Parteilichkeit der
Richter des Strafgerichts seien ihm anlässlich der Berufungsverhandlung vom
23. November 2001 offenbar geworden. Während der gesamten Verhandlung sei
Polizei im Gerichtssaal anwesend gewesen. Seine Vermutung, es könnte sich um
eine Folge der Ereignisse vom September 2001 (Anschlag auf das Zuger
Parlament) handeln, sei von seinem Verteidiger widerlegt worden, indem dieser
bestätigt habe, dass er in Absprache mit der Berufungskammer Polizeischutz
beantragt habe. Der Grund habe darin bestanden, dass befürchtet worden sei,
Y.________ könnte "zusammen mit ihrem schlagkräftigen Gefolge" im
Gerichtssaal auftauchen und ihn - den Beschwerdeführer -, seinen Verteidiger
oder die Richter tätlich angreifen. Der Beschwerdeführer macht geltend, in
Anbetracht der "substantiellen Bedrohung" durch Y.________ und deren
Gefolgsleute hätten die Richter der Berufungskammer "in den Ausstand treten
und das Verfahren in eine andere Zuständigkeit übergeben müssen, die den
objektiven und uneingeschränkt neutralen Ablauf der Verfahren hätte
garantieren können".

Diese Ansicht geht fehl. Wenn befürchtet wurde, die Verhandlung vor der
Berufungskammer des Strafgerichts könnte durch Y.________ gestört werden, und
deshalb Polizei aufgeboten wurde, um den geordneten Ablauf der Verhandlung
und die Sicherheit der Verhandlungsteilnehmer zu gewährleisten, so sind diese
Gegebenheiten nicht geeignet, den Anschein zu erwecken, die Richter seien
beim Entscheid über die Berufung des Beschwerdeführers befangen gewesen. Es
kann keine Rede davon sein, dass die Richter wegen der vom Beschwerdeführer
behaupteten "Bedrohung" durch Y.________ hätten in den Ausstand treten
müssen.

3.3 Ebenfalls unzutreffend ist die Auffassung des Beschwerdeführers, die
Richter der Berufungskammer seien deshalb befangen gewesen, weil sie die von
ihm vorgetragenen Argumente bei der Urteilsfindung "ignoriert" hätten bzw.
weil sie seiner Argumentation nicht gefolgt sind und gegen ihn entschieden
haben. Ein Richter verliert seine Unabhängigkeit und Unbefangenheit nicht
deswegen, weil er gegen eine bestimmte Partei entscheidet (BGE 117 Ia 324 E.
2 S. 327 mit Hinweisen). Im Weiteren kann ein Befangenheitsgrund entgegen der
Meinung des Beschwerdeführers auch nicht darin erblickt werden, dass der
Präsident der Berufungskammer am 4. September 2001 das vom amtlichen
Verteidiger gestellte Gesuch um Entbindung vom Verteidigungsmandat abgelehnt
hatte. Die Rüge, es liege eine Verletzung von Art. 30 Abs. 1 BV vor, erweist
sich nach dem Gesagten als unbegründet.

4.
Gegenstand der vorliegenden staatsrechtlichen Beschwerde kann einzig das
Urteil der Berufungskammer des Strafgerichts vom 23. November 2001 bilden.
Auf die Beschwerde ist daher nicht einzutreten, soweit darin die
Strafuntersuchung kritisiert und behauptet wird, die Untersuchungsbehörde
habe Art. 32 Abs. 2 BV (Anspruch auf möglichst rasche und umfassende
Unterrichtung über die Beschuldigungen; Ausübung der Verteidigungsrechte)
missachtet.

Die Behauptung des Beschwerdeführers, er habe sich im Berufungsverfahren
nicht hinreichend verteidigen können, trifft nicht zu.

5.
Der Beschwerdeführer macht wiederholt geltend, die Berufungskammer des
Strafgerichts habe bei der Urteilsfindung die von ihm vorgebrachten Argumente
ignoriert und damit Art. 29 Abs. 1 und 2 BV verletzt.

5.1 Aus dem in Art. 29 Abs. 2 BV gewährleisteten Anspruch auf rechtliches
Gehör ergibt sich die Pflicht der Behörde, die Sache zu prüfen und ihren
Entscheid zu begründen. Diese Pflicht bedeutet jedoch nicht, dass sich die
urteilende Instanz mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander
setzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen müsste. Sie kann
sich auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Es genügt,
wenn sich der Betroffene über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben
und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann.
In diesem Sinn müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von
denen sich die Behörde leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt
(BGE 126 I 97 E. 2b S. 102 f.; 124 V 180 E. 1a S. 181, je mit Hinweisen).

Das angefochtene Urteil der Berufungskammer vom 23. November 2001 genügt
diesen Anforderungen. Es wird darin in hinreichender Weise dargelegt, aus
welchen Gründen die Berufungsinstanz - ebenso wie das Einzelrichteramt - zum
Schluss gelangte, der Beschwerdeführer habe seine Unterhaltspflichten
gegenüber Y.________ vernachlässigt. Dabei hat sich die Berufungskammer
eingehend mit der entscheidenden Frage befasst, ob der Beschwerdeführer in
der zu beurteilenden Zeitspanne finanziell in der Lage gewesen wäre, seine
Unterhaltspflichten zu erfüllen. Aus den Überlegungen, mit denen sie diese
Frage bejahte, ergibt sich mittelbar, dass sie der gegenteiligen Auffassung
des Beschwerdeführers - welche dieser in einer von ihm selbst verfassten und
an der Berufungsverhandlung zu den Akten gegebenen Eingabe dargestellt hatte
- nicht gefolgt ist. Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör
liegt nicht vor.

5.2 Unbegründet ist auch der Vorwurf, die Berufungskammer habe gegen den in
Art. 29 Abs. 1 BV enthaltenen Anspruch auf gleiche und gerechte Behandlung
verstossen. Eine Gerichtsbehörde verletzt diese Vorschrift, wenn sie ein ihr
unterbreitetes Rechtsbegehren nur unzureichend prüft. Im vorliegenden Fall
ist den Erwägungen des angefochtenen Urteils klar zu entnehmen, dass die
Berufungskammer das vom Beschwerdeführer gegen den Schuldspruch der ersten
Instanz eingelegte Rechtsmittel in genügender Weise geprüft hat.

6.
In materieller Hinsicht beklagt sich der Beschwerdeführer über eine
Verletzung von Art. 9 BV (Willkürverbot; Grundsatz von Treu und Glauben)
sowie von Art. 8 Abs. 2 BV (Diskriminierungsverbot). Die Berufung auf das
Prinzip von Treu und Glauben und auf das Verbot der Diskriminierung geht
fehl, denn die Kritik des Beschwerdeführers bezieht sich auf die Würdigung
der Beweise durch die Berufungskammer. Er macht sinngemäss geltend, der
Schuldspruch betreffend Vernachlässigung der Unterhaltspflichten beruhe auf
einer willkürlichen Beweiswürdigung und verstosse daher gegen Art. 9 BV.

6.1 Der Sachrichter verfügt im Bereich der Beweiswürdigung über einen weiten
Ermessensspielraum. Das Bundesgericht kann die Beweiswürdigung nur unter dem
Gesichtswinkel des Willkürverbots prüfen. Willkür liegt nicht schon dann vor,
wenn eine andere Lösung ebenfalls vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen
wäre. Das Bundesgericht hebt einen kantonalen Entscheid wegen Verletzung des
Willkürverbots nur auf, wenn er offensichtlich unhaltbar ist (BGE 127 I 60 E.
5a S. 70 mit Hinweisen).

6.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe als Kind wegen eines
Arztfehlers die Sehkraft des rechten Auges verloren. Er rügt, dass die
Berufungskammer diesen Umstand der "Teilinvalidität" bei der Beurteilung des
hypothetischen Einkommens ignoriert habe.

Diese Rüge kann nicht gehört werden, da der Beschwerdeführer im
Berufungsverfahren nicht vorgebracht hat, er sei wegen fehlender Sehkraft des
einen Auges teilweise invalid.

6.3 Sodann beanstandet er zu Unrecht, dass sich die Berufungskammer auf die
Verfügung des Kantonsgerichtspräsidiums vom 19. November 1996 und das Urteil
des Obergerichts vom 2. Mai 1997 stützte. In diesen Entscheiden waren
aufgrund einer eingehenden Würdigung der finanziellen Verhältnisse des
Beschwerdeführers die monatlichen Unterhaltsbeiträge festgelegt worden,
welche dieser für die Zeit ab 1. Oktober 1995 und ab 1. Mai 1996 (mithin für
die im Strafverfahren betreffend Nichterfüllung der Unterhaltspflicht in
Frage stehende Zeit) an Y.________ zu leisten hatte. Die Berufungskammer hat
sich daher mit Grund auf diese Entscheide gestützt.

6.4 Der Beschwerdeführer wendet vor allem ein, Y.________ habe durch eine
"unvergleichliche Diffamierungs- und Rufmordkampagne" nicht nur seine aus
drei Firmen bestehende wirtschaftliche Basis vernichtet, sondern auch alles
unternommen, um ihn am Aufbau einer neuen, wirtschaftlich tragfähigen
Existenz zu hindern. Er ist der Meinung, wenn die Berufungskammer dieses
Verhalten der Unterhaltsberechtigten gewürdigt hätte, so hätte sie zum
Schluss kommen müssen, dass Y.________ ihm die Erfüllung der
Unterhaltspflichten verunmöglicht habe. Diese Argumentation ist unzutreffend.
Die Berufungskammer legte dar, aus welchen Gründen sie die Auffassung
vertrat, der Beschwerdeführer wäre in der Lage gewesen, seinen
Unterhaltspflichten nachzukommen. Die betreffenden, oben (E. 2) angeführten
Überlegungen sind sachlich vertretbar. In der staatsrechtlichen Beschwerde
wird nichts vorgebracht, was geeignet wäre, sie als verfassungswidrig
erscheinen zu lassen. Bezüglich des Verhaltens von Y.________ hielt die
Berufungskammer fest, die Interventionen der Unterhaltsberechtigten hätten
das wirtschaftliche Fortkommen des Beschwerdeführers sicher erschwert; dieser
Umstand rechtfertige jedoch das hier in Frage stehende Verhalten des
Beschwerdeführers nicht. Auch diese Feststellungen lassen sich mit guten
Gründen vertreten. Die Berufungskammer hat die Beweise nicht willkürlich
gewürdigt, wenn sie zum Schluss gelangte, der Beschwerdeführer hätte bei
gutem Willen ein Einkommen von Fr. 7'000.-- pro Monat erzielen können und
wäre daher in der Lage gewesen, seine Unterhaltspflichten gegenüber
Y.________  zu erfüllen. Das angefochtene Urteil verletzt keine
verfassungsmässigen Rechte des Beschwerdeführers.

Nach dem Gesagten ist die staatsrechtliche Beschwerde abzuweisen, soweit
darauf eingetreten werden kann.

7.
Der Beschwerdeführer ersucht um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
für das bundesgerichtliche Verfahren. Gemäss Art. 152 Abs. 1 OG setzt die
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege voraus, dass der Gesuchsteller
bedürftig ist und sein Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint. Der
Beschwerdeführer behauptet, er lebe unterhalb des Existenzminimums und
verfüge weder über Vermögenswerte noch über ein festes Einkommen. Er legt
jedoch keine Belege für diese Behauptungen vor. Die Bedürftigkeit ist daher
nicht nachgewiesen. Sodann fehlt es auch an der zweiten Voraussetzung, da die
staatsrechtliche Beschwerde keine Aussicht auf Erfolg hatte. Das Begehren um
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege ist deshalb abzuweisen.

Entsprechend dem Ausgang des bundesgerichtlichen Verfahrens sind die Kosten
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 156 Abs. 1 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die staatsrechtliche Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten
werden kann.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abgewiesen.

3.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer sowie der Staatsanwaltschaft und dem
Strafgericht des Kantons Zug, Berufungskammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 9. September 2002

Im Namen der I. öffentlichrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: