Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Öffentlich-rechtliche Abteilung 1P.497/2002
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1P.497/2002 /bie

Urteil vom 11. März 2003

I. Öffentlichrechtliche Abteilung

Bundesgerichtspräsident Aemisegger, Präsident,
Bundesrichter Aeschlimann, Reeb,
Gerichtsschreiberin Tophinke.

X. ________, Beschwerdeführer, vertreten durch
Rechtsanwalt François A. Bernath, Bellerivestrasse 42,
Postfach, 8034 Zürich,

gegen

Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Landschaft, Bahnhofplatz 16, 4410
Liestal,
Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivil- und Strafrecht,
Gerichtsgebäude, 4410 Liestal.

Art. 5, 9, 29 Abs. 1 und Art. 49 Abs. 1 BV
(Verwirkung Parteientschädigung),

Staatsrechtliche Beschwerde gegen das Urteil des Kantonsgerichts
Basel-Landschaft, Abteilung Zivil- und Strafrecht,
vom 19. August 2002.

Sachverhalt:

A.
Das Strafgericht des Kantons Basel-Landschaft sprach X.________ am 14. Januar
2000 vom Vorwurf des Einführens von Gewaltdarstellungen frei. Mit Schreiben
vom 31. Dezember 2001 reichte der Privatverteidiger eine detaillierte
Kostenaufstellung ein und ersuchte das Strafgericht, dem Freigesprochenen
eine Parteientschädigung in der Höhe von Fr. 24'044.50 (inkl. Auslagen und
MWSt) auszurichten. Die Strafgerichtspräsidentin entsprach am 24. Januar 2002
dem Gesuch im Umfang von Fr. 19'305.50. Mit Urteil vom 19. August 2002 hiess
das Kantonsgericht Basel-Landschaft die von der Staatsanwaltschaft hiergegen
erhobene Appellation gut, hob den Beschluss der Strafgerichtspräsidentin im
Hauptpunkt auf und wies das vom Privatverteidiger eingereichte
Entschädigungsbegehren ab, da dieses nicht innert der gesetzlich vorgesehenen
Frist von einem Monat nach Verkündung des freisprechenden Urteils gestellt
worden war.

B.
Gegen das Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft hat X.________ mit
Eingabe vom 25. September 2002 staatsrechtliche Beschwerde an das
Bundesgericht erhoben. Er beantragt, es sei das angefochtene Urteil
aufzuheben und die Sache zur Neuentscheidung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Er beruft sich auf das Verhältnismässigkeitsprinzip (Art. 5
BV), das Willkürverbot (Art. 9 BV), das Verbot des überspitzten Formalismus
(Art. 29 Abs. 1 BV) sowie auf den Grundsatz der derogatorischen Kraft des
Bundesrechts (Art. 49 Abs. 1 BV).

Die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft beantragt, auf die Beschwerde nicht
einzutreten, eventualiter sie abzuweisen. Das Kantonsgericht Basel-Landschaft
verzichtet auf eine Stellungnahme.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Die Sachurteilsvoraussetzungen sind erfüllt. Auf die staatsrechtliche
Beschwerde ist einzutreten.

2.
Es ist unbestritten, dass auf den vorliegenden Fall noch das alte
basel-landschaftliche Gesetz betreffend die Strafprozessordnung vom 30.
Oktober 1941 (aStPO/BL, in Kraft bis 31. Dezember 1999) Anwendung findet. Die
hier massgebenden §§ 38 und 139 aStPO/BL lauten wie folgt:
§ 38    Entschädigung
Ist ein Strafverfahren durchgeführt worden, ohne dass dies der Angeschuldigte
durch sein Verhalten verschuldet oder erschwert hat, kann die
Überweisungsbehörde im Falle der Einstellung oder das Gericht im Falle des
Freispruches eine angemessene Entschädigung für ungerechtfertigte Haft, für
anderweitige Nachteile sowie für Anwaltskosten zusprechen.

§ 139    Entschädigung wegen ungerechtfertigter Strafverfolgung
1Im Falle des Freispruches entscheidet das Gericht gemäss § 38 auch über ein
Entschädigungsbegehren wegen ungerechtfertigter Strafverfolgung. Der
Angeklagte kann ein solches Begehren noch innert einer Frist von einem Monat
nach der Verkündung des freisprechenden Urteils beim urteilenden Gericht
stellen, worauf er bei der Urteilsverkündung aufmerksam zu machen ist.
2Vorbehalten bleiben allfällige Entschädigungsansprüche aus dem
Verantwortlichkeitsgesetz.

3.
Der Beschwerdeführer macht zunächst geltend, das Kantonsgericht habe das
Verbot des überspitzten Formalismus (Art. 29 Abs. 1 BV) verletzt.

3.1 Wie aus dem Protokoll des Strafgerichts hervorgeht, stellte der Vertreter
des Beschwerdeführers an der Hauptverhandlung vom 14. Januar 2000 folgenden
Antrag: "Ich beantrage einen Freispruch. Ich werde die Rechnung nachreichen."
Das Kantonsgericht fasste die Ankündigung, die Rechnung nachzureichen, nicht
als eigentliches Entschädigungsbegehren auf. Ferner erwog es, dass selbst
wenn dem so wäre, dieses Begehren dem Erfordernis der genügenden
Substanziierung nicht genügen würde. Das Gesuch müsste mindestens die Höhe
der beantragten Entschädigung enthalten.

3.2 Nach Auffassung des Beschwerdeführers kann die Aussage, man werde die
Rechnung nachreichen, nur so verstanden werden, dass anlässlich der
Hauptverhandlung für den Fall des Freispruchs eine Umtriebsentschädigung zur
Abdeckung der Verteidigungskosten verlangt worden ist. Die Feststellung des
Kantonsgerichts, wonach das Begehren mindestens die Höhe der verlangten
Entschädigung enthalten müsse, sei als überspitzt formalistisch zu werten. Es
müsse möglich sein, die Höhe der grundsätzlich verlangten Entschädigung auch
nachträglich zu beziffern.

3.3 Das aus Art. 29 Abs. 1 BV fliessende Verbot des überspitzten Formalismus
wendet sich gegen prozessuale Formenstrenge, die als exzessiv erscheint,
durch kein schutzwürdiges Interesse gerechtfertigt ist, zum blossen
Selbstzweck wird und die Verwirklichung des materiellen Rechts in unhaltbarer
Weise erschwert oder gar verhindert. Das Bundesgericht prüft frei, ob eine
solche Rechtsverweigerung vorliegt (BGE 127 I 31 E. 2a/bb S. 34 mit Hinweis).

3.4 Neben der bereits erwähnten Ankündigung, die Rechnung nachzureichen, ist
im Protokoll der Hauptverhandlung vor Strafgericht auch folgender Antrag des
Privatverteidigers vermerkt: "Ich beantrage Freispruch unter Kosten- und
Entschädigungsfolge" (Akten des Strafgerichts Basel-Landschaft, S. 406).
Dieser Antrag kann - verbunden mit der Erklärung, die Rechnung nachzureichen
- in guten Treuen nicht anders verstanden werden, als dass für den Fall eines
Freispruchs auch ein Begehren um Entschädigung für die Anwaltskosten gestellt
worden ist. Indessen ist dem Kantonsgericht beizupflichten, dass dieses
Entschädigungsbegehren nicht genügend substanziiert war. Der
Privatverteidiger stellte zwar an der Hauptverhandlung in Aussicht, eine
Rechnung nachzureichen. Er tat dies jedoch erst fast zwei Jahre später,
verbunden mit einem neuen Entschädigungsbegehren. Nach dem Strafprozessrecht
des Kantons Basel-Landschaft befindet das urteilende Gericht im Falle eines
Freispruchs nicht von Amtes wegen, sondern nur auf Antrag des Angeklagten hin
über eine Entschädigung für die Kosten eines privaten Anwalts (§ 38 in
Verbindung mit § 139 Abs. 1 aStPO/BL; § 33 des basel-landschaftlichen
Gesetzes vom 3. Juni 1999 betreffend die Strafprozessordnung (StPO/BL);
anders bei der Entschädigung für die Bemühungen eines amtlich bestellten
Verteidigers: § 17 Abs. 3 aStPO/BL und § 21 StPO/BL). Der Angeklagte kann
noch innert einer Frist von einem Monat nach der Verkündung des
freisprechenden Urteils beim urteilenden Gericht ein entsprechendes
Entschädigungsbegehren stellen (§ 139 Abs. 1 aStPO; vgl. auch § 33 Abs. 4
StPO/BL). Wie das Bundesgericht bereits festgehalten hat, bedeutet es keine
willkürliche Anwendung des § 139 Abs. 1 aStPO/BL, wenn angenommen wird, diese
Vorschrift lasse nur die Beurteilung liquider Entschädigungsansprüche zu
(nicht publ. Entscheid des Bundesgerichts 1P.77/1993 vom 6. April 1994 in
Sachen B. gegen Staatsanwaltschaft und Obergericht des Kantons
Basel-Landschaft, E. 1c; vgl. auch Urteil des Obergerichts des Kantons
Basel-Landschaft vom 21.5.1985 in Sachen F.H. und P.H. E. 1, BJM 1986, S.
284). Vor diesem Hintergrund ist es nicht als überspitzt formalistisch zu
werten, wenn das Kantonsgericht forderte, ein Entschädigungsgesuch müsse
mindestens die Höhe der beantragten Entschädigung enthalten, und wenn es
davon ausging, dass der Beschwerdeführer bzw. sein Privatverteidiger weder an
der Hauptverhandlung noch innerhalb der von § 139 Abs. 1 aStPO/BL
vorgesehenen Frist von einem Monat nach der Verkündung des freisprechenden
Urteils ein genügend substanziiertes Entschädigungsbegehren gestellt hatte.
Nachdem der Privatverteidiger an der Hauptverhandlung angekündigt hatte, er
werde die Rechnung nachreichen, musste sich das Strafgericht gestützt auf das
Gebot von Treu und Glauben auch nicht veranlasst sehen, den Privatverteidiger
auf das Substanziierungserfordernis hinzuweisen.

3.5 Der Beschwerdeführer macht in diesem Zusammenhang geltend, § 139 Abs. 1
aStPO/BL schreibe vor, dass der Freigesprochene bei der Verkündung des
freisprechenden Urteils darauf aufmerksam zu machen sei, dass er innert einer
Frist von einem Monat ein Begehren um Entschädigung zu stellen habe. Das
urteilende Gericht habe es pflichtwidrig unterlassen, den Beschwerdeführer
ausdrücklich darauf aufmerksam zu machen.

Aus dem Protokoll des Strafgerichts geht zwar hervor, dass eine
Rechtsmittelbelehrung erteilt worden ist. Deren genauer Wortlaut wurde jedoch
nicht protokolliert. Das Kantonsgericht ging davon aus, dass den Akten kein
klarer Hinweis entnommen werden könne, dass der Beschwerdeführer auf die
Monatsfrist aufmerksam gemacht worden sei. Deshalb nahm es zu Gunsten des
Beschwerdeführers an, dass ein ausdrücklicher Hinweis auf diese Frist
unterblieben war. Indessen zog es die bundesgerichtliche Rechtsprechung zur
Frage heran, unter welchen Umständen sich eine Partei gestützt auf das
Prinzip von Treu und Glauben (Art. 9 BV) auf eine unzutreffende
Rechtsmittelbelehrung verlassen darf. Das Kantonsgericht erwog, der
Beschwerdeführer könne sich nicht auf das durch den fehlenden Hinweis auf die
Monatsfrist geschaffene Vertrauen berufen, da sein Privatverteidiger allein
durch die Konsultierung des massgebenden Gesetzestextes (§ 139 Abs. 1
aStPO/BL) hätte erkennen können, dass das Entschädigungsbegehren innert einer
Frist von einem Monat zu stellen gewesen wäre. Neben dem Gesetzestext hätte
weder Literatur noch Rechtsprechung nachgeschlagen werden müssen. Diese
Rechtsauffassung ist aus verfassungsrechtlicher Sicht nicht zu beanstanden
(vgl. BGE 124 I 255 E. 1a/aa S. 258 mit Hinweisen). Auch der Beschwerdeführer
bemängelt weder die Heranziehung der Grundsätze zur fehlerhaften
Rechtsmittelbelehrung noch macht er geltend, diese seien im konkreten Fall
verfassungswidrig angewendet worden. Ferner weist das Kantonsgericht darauf
hin, dass sich der Beschwerdeführer in seinem Gesuch vom 31. Dezember 2001 an
das Strafgericht nicht auf die fehlende Rechtsmittelbelehrung berufen,
sondern mitgeteilt habe, dass die Rechnungsstellung irrtümlich unterlassen
worden sei. Somit sei die fehlende Rechtsmittelbelehrung nicht ursächlich für
die verspätete Eingabe an das Strafgericht gewesen.

3.6 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das Kantonsgericht das
Verbot des überspitzten Formalismus (Art. 29 Abs. 1 BV) nicht verletzt hat.

4.
Der Beschwerdeführer rügt ferner, das Kantonsgericht habe § 139 Abs. 1
aStPO/BL willkürlich ausgelegt, indem es davon ausgegangen sei, bei der in
dieser Bestimmung enthaltenen Frist von einem Monat handle es sich um eine
Verwirkungsfrist. § 139 Abs. 1 aStPO/BL stelle eine Ordnungsvorschrift dar.
Ferner laufe es dem Gerechtigkeitsgedanken in stossender Weise zuwider, einem
vollumfänglich Freigesprochenen die Entschädigung des Verteidigerhonorars
abzusprechen. Dies sei umso mehr der Fall als die opponierende
Staatsanwaltschaft gegen den Freispruch kein Rechtsmittel ergriffen habe.

4.1 Willkürlich ist ein Entscheid nicht schon dann, wenn eine andere Lösung
ebenfalls vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen wäre, sondern erst dann,
wenn er offensichtlich unhaltbar ist, zur tatsächlichen Situation in klarem
Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass
verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft.
Willkür liegt sodann nur vor, wenn nicht bloss die Begründung eines
Entscheides, sondern auch das Ergebnis unhaltbar ist (BGE 125 I 166 E. 2a S.
168; 124 I 247 E. 5 S. 250; 123 I 1 E. 4a S. 5; je mit Hinweisen).

4.2 Das Kantonsgericht äusserte sich nicht ausdrücklich zur Rechtsnatur der
in § 139 Abs. 1 aStPO/BL enthaltenen Frist. Aus dem angefochtenen Urteil geht
nicht eindeutig hervor, ob das Gericht an die Fristversäumnis nur
prozessrechtliche Verwirkungsfolgen knüpfte oder aber den Verlust des
materiellen Anspruchs. Die Tatsache, dass es das Entschädigungsbegehren
abwies und nicht etwa darauf nicht eintrat, kann als Hinweis dafür verstanden
werden, dass es die fragliche Frist - wie der Beschwerdeführer vorbringt -
als eigentliche Verwirkungsfrist auffasste, d.h. davon ausging, dass sich ein
allenfalls aus § 38 in Verbindung mit § 139 Abs. 1 aStPO/BL ergebender
Entschädigungsanspruch untergeht, wenn er nicht innert der entsprechenden
Monatsfrist geltend gemacht wird (zum Begriff der Verwirkung im Privatrecht
vgl. statt vieler Guhl/Koller, Das Schweizerische Obligationenrecht, 9.
Aufl., Zürich 2000, S. 314 ff. § 38 N. 43 ff.). Zur Begründung, dass diese
mutmassliche Auslegung des Kantonsgerichts willkürlich sei und § 139 Abs. 1
aStPO/BL lediglich eine Ordnungsvorschrift darstelle, verweist der
Beschwerdeführer ohne weitere Erläuterungen einzig auf den Wortlaut dieser
Bestimmung. Der Umstand, dass gemäss § 139 Abs. 1 aStPO der Angeklagte auf
die Monatsfrist aufmerksam zu machen ist, legt indessen nahe, dass es sich
bei der fraglichen Frist nicht bloss um eine Ordnungsvorschrift handelt,
deren Missachtung die Wirksamkeit einer Rechtshandlung nicht beeinträchtigt.
Die betreffende Frist ist ausserdem eine gesetzliche Frist, die - im
Gegensatz zu einer richterlichen Frist - in der Regel nicht erstreckbar ist
und bei der die Parteien gehalten sind, innerhalb der vorgeschriebenen Zeit
zu handeln (vgl. Robert Hauser/Erhard Schweri, Schweizerisches
Strafprozessrecht, 4. Aufl., Basel 1999, § 43 N. 23 f. und 29). Das
Vorbringen des Beschwerdeführers ist nicht geeignet, die Rechtsanwendung des
Kantonsgericht als willkürlich erscheinen zu lassen. Ebenso wenig vermag dies
das weitere Argument, es widerspreche in stossender Weise dem
Gerechtigkeitsgedanken, einem vollumfänglich Freigesprochenen die
Entschädigung des Verteidigerhonorars abzusprechen. Das Kantonsgericht wies
das Entschädigungsgesuch nicht ab, weil es das Vorliegen der materiellen
Voraussetzungen für einen Entschädigungsanspruch verneint hätte, sondern
vielmehr wegen Fristversäumnis seitens des Beschwerdeführers bzw. seines
Privatverteidigers. Diese Säumnisfolge erweist sich entgegen der nicht weiter
begründeten Behauptung des Beschwerdeführers auch nicht als
unverhältnismässig.

5.
Schliesslich bringt der Beschwerdeführer vor, die Annahme einer
Verwirkungsfrist im kantonalen Recht bezüglich eines Verteidigerhonorars
stehe im klaren Widerspruch zum Bundesrecht. Dieses regle die Entstehung und
das Erlöschen einer Obligation und damit auch die Frage der Verwirkung einer
solchen abschliessend. Mit dieser Rüge macht der Beschwerdeführer implizit
geltend, das Kantonsgericht habe den in Art. 49 Abs. 1 BV verankerten
Grundsatz der derogatorischen Kraft des Bundesrechts verletzt.

5.1 Der Grundsatz der derogatorischen Kraft des Bundesrechts (Art. 49 Abs. 1
BV) schliesst in Sachgebieten, welche die Bundesgesetzgebung abschliessend
geregelt hat, eine Rechtsetzung durch die Kantone aus. In Sachgebieten, die
das Bundesrecht nicht abschliessend ordnet, dürfen die Kantone nur solche
Vorschriften erlassen, die nicht gegen den Sinn und Geist des Bundesrechts
verstossen und dessen Zweck nicht beeinträchtigen oder vereiteln. Der
Grundsatz der derogatorischen Kraft des Bundesrechts kann auch unter der
Herrschaft der neuen Bundesverfassung als verfassungsmässiges Individualrecht
angerufen werden (BGE 127 I 60 E. 4a S. 68 mit Hinweisen).

5.2 Gemäss Art. 122 Abs. 1 und Art. 123 Abs. 1 BV ist die Gesetzgebung auf
dem Gebiet des Zivilrechts und des Strafrechts Sache des Bundes. Indessen
sind für die Organisation der Gerichte, das gerichtliche Verfahren und die
Rechtsprechung in Zivil- und Strafsachen die Kantone zuständig. Der von Volk
und Ständen am 12. März 2000 im Rahmen der Justizreform angenommene neue Art.
123 BV, der dem Bund die Gesetzgebungskompetenz auch im Bereich des
Strafprozessrechts einräumt, tritt erst am 1. April 2003 in Kraft
(Bundesbeschluss vom 24. September 2002 über das teilweise Inkrafttreten der
Justizreform vom 12. März 2000, AS 2002 3147). Im Hinblick auf Zivilsachen
sind nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung die Kantone verpflichtet,
die Organisation der Gerichte und das Verfahren vor ihnen so zu regeln, dass
das Bundeszivilrecht tatsächlich durchgesetzt werden kann. Dabei dürfen die
Kantone keine Vorschriften aufstellen, die dem Privatrecht oder dem
öffentlichen Recht des Bundes widersprechen. Unter Beachtung dieser Schranken
sind die Kantone jedoch in der Ausgestaltung ihres Prozessrechts frei; sie
können insbesondere geeignete Normen zur Sicherung eines geordneten
Verfahrens erlassen. Dagegen sind sie vom Erlass von Vorschriften
ausgeschlossen, welche die Verwirklichung des Bundeszivilrechts
verunmöglichen oder seinem Sinn und Geist widersprechen. Wenn sie dies
dennoch tun, verstossen sie gegen den Grundsatz der derogatorischen Kraft des
Bundesrechts. Insofern hat das kantonale Zivilprozessrecht eine der
Durchsetzung des Bundesprivatrechts dienende Funktion (BGE 118 II 479 E. 2d
S. 482 f. mit Hinweisen). Die selben Schranken müssen für kantonales
Strafprozessrecht gelten, soweit im Strafverfahren auch Ansprüche aus
Bundeszivilrecht zu beurteilen sind. In BGE 118 II 479 E. 2 erachtete das
Bundesgericht eine kantonale zivilprozessuale Bestimmung, die bei einer
Fristversäumnis vor ergangenem Sachurteil die Verwirkung eines Anspruchs aus
Zivilrecht vorsah, als bundesrechtswidrig und damit nichtig. Es führte dabei
unter anderem aus, dass allein der Zivilgesetzgeber zur Regelung des
Untergangs privater Rechte infolge Zeitablaufs und Untätigseins des
Berechtigten zuständig sei. Die Verjährungs- und Verwirkungsfristen des
materiellen Rechts würden durch das Bundesrecht in Art. 127 ff. OR
abschliessend geregelt. Bei einer vom Berechtigten zu verantwortenden
Fristversäumnis dürfe das kantonale Prozessrecht nur den Verlust des
entsprechenden Verfahrens, nicht aber den Verlust des Anspruchs aus
Zivilrecht vorsehen (BGE 118 II 479 E. 2g und 2j S. 485 f.).

Dem Beschwerdeführer ist zwar beizupflichten, dass sich bei der privaten
Verteidigung die Honorierung des Anwalts zunächst primär nach
Bundeszivilrecht richtet. Gemäss Art. 394 Abs. 3 OR schuldet der Angeklagte
als Auftraggeber dem Privatverteidiger als Beauftragten eine Vergütung für
dessen vertragliche Tätigkeit. Gemäss § 38 in Verbindung mit § 139 aStPO/BL
kann der Staat, hier das urteilende Gericht, im Falle eines Freispruchs dem
Angeklagten auf sein Begehren hin eine angemessene Entschädigung für die
Anwaltskosten zusprechen. Dieser Entschädigungsanspruch stützt sich indessen
nicht mehr auf Bundeszivilrecht, sondern auf kantonales öffentliches Recht.
Der kantonale Gesetzgeber ist grundsätzlich frei, wie er diesen Anspruch und
dessen prozessuale Durchsetzung ausgestalten will. Allgemeine Regeln des
Bundeszivilrechts finden höchstens in analoger Weise Anwendung. Selbst wenn §
139 Abs. 1 aStPO/BL so verstanden wird, dass bei einer Fristversäumnis nicht
nur die prozessuale Handlungsmöglichkeit verwirkt, sondern auch der aus dem
kantonalen Recht folgende materielle Anspruch selber, liegt keine Verletzung
des Grundsatzes der derogatorischen Wirkung des Bundesrechts vor. Der
Beschwerdeführer macht im Übrigen auch nicht geltend, ihm stehe aus
öffentlichem Recht des Bundes, namentlich aus der Bundesverfassung oder der
EMRK, bei einem Freispruch ein Anspruch auf Entschädigung für Anwaltskosten
zu, dessen Zweck durch die Anwendung von § 139 Abs. 1 aStPO beeinträchtigt
oder vereitelt würde.

6.
Nach dem Gesagten erweist sich die staatsrechtliche Beschwerde als
unbegründet und ist deshalb abzuweisen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens
sind die Gerichtskosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 156 Abs. 1
OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die staatsrechtliche Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, der Staatsanwaltschaft des Kantons
Basel-Landschaft und dem Kantonsgericht Basel-Landschaft, Abteilung Zivil-
und Strafrecht, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 11. März 2003

Im Namen der I. öffentlichrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Die Gerichtsschreiberin: