Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Öffentlich-rechtliche Abteilung 1P.528/2002
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1P.528/2002 /mks

Urteil vom 3. Februar 2003

I. Öffentlichrechtliche Abteilung

Bundesgerichtspräsident Aemisegger, Präsident,
Bundesgerichtsvizepräsident Nay, Bundesrichter Fonjallaz
sowie Gerichtsschreiber Störi.

A. ________,
Beschwerdeführer, vertreten durch Fürsprecher Marcel Grass, Effingerstrasse
16, Postfach 6417, 3001 Bern,

gegen

B.________,
C.________,
Beschwerdegegner,
beide vertreten durch Rechtsanwalt lic.iur. Marco Unternährer, Postfach 2070,
6002 Luzern,
Kriminalgericht des Kantons Luzern, Hirschengraben 16, 6002 Luzern,
Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern, Staatsanwalt Peter Bühlmann,
Zentralstrasse 28, 6002 Luzern,
Obergericht des Kantons Luzern, II. Kammer, Postfach, 6002 Luzern.

Art. 30 Abs. 1 BV, Art. 6 Ziff. 1 EMRK (Ausstand),

Staatsrechtliche Beschwerde gegen den Entscheid des Obergerichts des Kantons
Luzern, II. Kammer, vom 27. August 2002.

Sachverhalt:

A.
Peter Bühlmann, Staatsanwalt des Kantons Luzern, erhob am 12. März 2001
Anklage gegen A.________ wegen mehrfacher vorsätzlicher Tötung im Sinne von
Art. 111 StGB sowie mehrfacher grober Verkehrsregelverletzungen und
beantragte, ihn mit 6 Jahren Zuchthaus sowie 5 Jahren Landesverweisung zu
bestrafen und eine 14-tägige bedingte Gefängnisstrafe des Bezirksamtes Kulm
vom 10. August 1999 zu widerrufen. Laut Anklage lieferte sich A.________ am
3. September 1999 mit dem Mitangeklagten D.________ ein spontanes Autorennen
im 130 km/h-Tempo, wobei Letzterer nach einem Überholmanöver die Herrschaft
über sein Fahrzeug verlor und in Gerlafingen zwei sich auf einem Trottoir
aufhaltende jugendliche Fussgänger überfuhr und tötete.

A.a An der Hauptverhandlung vom 15. März 2002 vor dem Kriminalgericht des
Kantons Luzern stellte A.________ folgende Anträge zum Verfahren:
"1.Herr Staatsanwalt P. Bühlmann sei als Staatsanwalt im vorliegenden
Strafverfahren als befangen zu erklären und es wird dessen Ausstand im Sinne
von § 30 Abs. 1 Ziff. 2 und 4 StPO beantragt.

2. Die gesamten Strafakten seien dem Obergericht des Kantons Luzern zur
Beurteilung des Ablehnungsgesuches gemäss § 31 Abs. 1 Ziff. 4 StPO zu
überweisen und die vorliegende Verhandlung sei bis zum oberinstanzlichen
Entscheid auszusetzen.

3. Die Verfahrenskosten seien dem Kanton Luzern aufzuerlegen."
A.bDas Kriminalgericht erwog, zufolge Rechtsmissbrauchs sei der Anspruch auf
eine materielle Beurteilung des Ausstandsbegehrens verwirkt, weshalb auf den
Antrag auf Ablehnung des Staatsanwaltes nicht eingetreten werde.

A.c Nach der mündlichen Eröffnung dieses Entscheides lehnte A.________ das
Kriminalgericht wegen Befangenheit ab. Dieses setzte die Verhandlung fort,
ohne über den Antrag formell zu entscheiden, und sprach A.________ im Sinne
der Anklage schuldig und verurteilte ihn zu 6 ½ Jahren Zuchthaus und 5 Jahren
Landesverweisung.

A.d A.________ appellierte gegen dieses Urteil beim Obergericht des Kantons
Luzern und stellte zum Verfahren folgende Anträge:
"1.Es sei oberinstanzlich das von der Verteidigung beantragte
Ablehnungsverfahren gegen den Staatsanwalt, Herrn Peter Bühlmann, gestützt
auf § 31 Abs. 1 Ziff. 4 StPO durchzuführen.

2. Herr Staatsanwalt Peter Bühlmann sei als Staatsanwalt im vorliegenden
Strafverfahren als befangen zu erklären und er habe im Sinne von § 30 Abs. 1
Ziff. 2 und 4 StPO in den Ausstand zu treten.

3. Es sei oberinstanzlich gegen die Kriminalrichter Bachmann, Tanner, Hess,
Lang, Braun Kesselring sowie die Gerichtsschreiberin Hürlimann das von der
Verteidigung beantragte Ablehnungsverfahren gestützt auf § 30 Abs. 1 Ziff. 4
StPO durchzuführen.

4. Die Kriminalrichter Bachmann, Tanner, Hess, Lang, Braun Kesselring sowie
die Gerichtsschreiberin Hürlimann seien im vorliegenden Verfahren als
befangen zu erklären und haben im Sinne von § 30 Abs. 1 Ziff. 4 StPO in den
Ausstand zu treten.

5. Das erstinstanzliche Urteil sei aufzuheben und das Verfahren sei an ein
neu zu besetzendes Kriminalgericht zur erstinstanzlichen Beurteilung
zurückzuweisen.

6.  8. ... (Kosten. und Entschädigungsfolgen).
Im Eventualstandpunkt stellte A.________ Anträge zur Sache und beantragte
namentlich, ihn vom Vorwurf der eventualvorsätzlichen Tötung freizusprechen.

A.e Im Entscheid vom 27. August 2002 erwog das Obergericht des Kantons
Luzern, es rechtfertige sich im vorliegenden Fall, vor einer materiellen
Prüfung des angefochtenen Urteils vorfrageweise über die Beteiligung von
Staatsanwalt Bühlmann und die Besetzung des Kriminalgerichts zu entscheiden,
und wies die Ausstandsbegehren ab.

B.
Mit staatsrechtlicher Beschwerde vom 3. Oktober 2002 wegen Verletzung von
Art. 30 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK beantragt A.________, diesen
obergerichtlichen Entscheid aufzuheben. Ausserdem ersucht er, seiner
Beschwerde aufschiebende Wirkung zuzuerkennen und ihm unentgeltliche
Rechtspflege und Verbeiständung zu gewähren.

C.
Mit Verfügung vom 6. November 2002 erkannte der Präsident der I.
öffentlichrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts der Beschwerde
aufschiebende Wirkung zu.

D.
Das Obergericht und der Staatsanwalt beantragen, die Beschwerde abzuweisen,
soweit darauf einzutreten sei.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Der angefochtene Entscheid schliesst das Strafverfahren gegen den
Beschwerdeführer nicht ab. Es handelt sich um einen kantonal
letztinstanzlichen selbständigen Zwischenentscheid über ein Ausstandsbegehren
im Sinne von Art. 87 Abs. 1 OG, gegen den die staatsrechtliche Beschwerde
zulässig ist. Der Beschwerdeführer, dessen Ablehnungsbegehren gegen den
Staatsanwalt und die Kriminalrichter abgewiesen wurden, ist zur Beschwerde
befugt (Art. 88 OG). Die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen sind erfüllt,
sodass auf die Beschwerde, unter dem Vorbehalt gehörig begründeter Rügen
(Art. 90 Abs. 1 lit. b OG; BGE 125 I 492 E. 1b; 122 I 70 E. 1c; 121 I 334 E.
1c), einzutreten ist.

2.
Der Beschwerdeführer wirft dem Obergericht vor, es habe den angefochtenen
Entscheid des Kriminalgerichts geschützt, obwohl dieser wegen schwerwiegender
Verfahrensfehler absolut nichtig sei. Dieses habe die von ihm erhobenen
Befangenheitseinreden gegen den Staatsanwalt und die am Entscheid beteiligten
Richter und die Gerichtsschreiberin selber beurteilt, obwohl es dafür nicht
zuständig gewesen sei.

2.1 Nach der materiell unverändert von Art. 58 aBV in 30 Abs. 1 BV
überführten, ebenfalls in Art. 6 Ziff. 1 EMRK enthaltenen Garantie des
verfassungsmässigen Richters hat der Einzelne Anspruch darauf, dass seine
Sache von einem unparteiischen, unvoreingenommenen und unbefangenen Richter
ohne Einwirken sachfremder Umstände entschieden wird. Liegen bei objektiver
Betrachtungsweise Gegebenheiten vor, die den Anschein der Befangenheit und
die Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen vermögen, so ist die Garantie
verletzt (BGE 125 I 219 E. 3a; 120 Ia 184 E. 2b). Verfahrens- oder andere
Rechtsfehler, die einem Gericht unterlaufen, können nach der Rechtsprechung
den Anschein der Befangenheit allerdings nur begründen, wenn sie wiederholt
begangen wurden oder so schwer wiegen, dass sie Amtspflichtverletzungen
darstellen (BGE 116 Ia 14 E. 5; 135 E. 3a).

2.2 Wird mit einer staatsrechtlichen Beschwerde eine Verletzung des Anspruchs
auf den verfassungs- und konventionsmässigen Richter geltend gemacht, so
überprüft das Bundesgericht die Auslegung und Anwendung des kantonalen
Verfahrensrechts nur unter dem Gesichtswinkel der Willkür. Mit freier
Kognition prüft es dagegen, ob die als vertretbar erkannte Auslegung des
kantonalen Prozessrechts mit den Garantien von Art. 30 Abs. 1 BV (Art. 58
Abs. 1 aBV) und Art. 6 Ziff. 1 EMRK vereinbar ist (BGE 117 Ia 170 E. 1; 116
Ia 14 E. 3; 114 Ia 50 E. 2b).

3.
3.1 Der Beschwerdeführer lehnte an der kriminalgerichtlichen Hauptverhandlung
Staatsanwalt Bühlmann als befangen ab, da er sich noch unmittelbar vor dem
Prozess in verschiedenen Presseerzeugnissen vorverurteilend und
disqualifizierend über ihn geäussert habe, was zu einer öffentlichen Hetze
gegen ihn geführt habe. Zudem habe er die Verletzung des Amtsgeheimnisses und
seiner Verteidigungsrechte durch den Amtsstatthalter, welcher die
Untersuchung geführt habe, ausdrücklich gebilligt, obwohl er aufgrund seines
Weisungsrechtes dagegen hätte intervenieren müssen.

3.2 Das Kriminalgericht erwog (E. 2.2.1 S. 11), die Zuständigkeit für die
Beurteilung eines Ablehnungsgesuches gegen den Staatsanwalt liege nach Art.
30 Abs. 1 der Strafprozessordnung des Kantons Luzern vom 3. Juni 1957 (StPO)
beim Obergericht. Nach der Praxis des Bundesgerichts sei es indessen
berechtigt, auf ein rechtsmissbräuchliches Ablehnungsbegehren ohne
Durchführung eines Ausstandsverfahrens nicht einzutreten.
Rechtsmissbräuchlich sei ein Ablehnungsbegehren namentlich dann, wenn es
nicht unmittelbar nach Kenntnisnahme des Ablehnungsgrundes erhoben werde,
sondern in einem späteren Zeitpunkt mit dem Ziel, das Verfahren in die Länge
zu ziehen. Die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Ausstandsgründe bezögen
sich allesamt auf das Verhalten des Amtsstatthalters und des Staatsanwaltes
im Untersuchungsverfahren und hätten daher zu einem früheren Zeitpunkt
vorgebracht werden müssen. Das an der Hauptverhandlung erhobene
Ablehnungsbegehren sei somit rechtsmissbräuchlich, weshalb darauf ohne
Durchführung eines Ausstandsverfahrens nicht eingetreten werden könne.

3.3 Nach der mündlichen Verkündung dieses Verdikts stellte der
Beschwerdeführer einen Ablehnungsantrag gegen die daran beteiligten Richter
und die Gerichtsschreiberin. Das Kriminalgericht setzte die Verhandlung fort,
ohne den Antrag formell zu behandeln. In seinem Entscheid vom 15. März 2002
führt es dazu aus (E. 2.3 S. 12), dieses sachfremde Ausstandsbegehren richte
sich nicht gegen einzelne Gerichtsmitglieder, sondern pauschal gegen das
Gesamtgericht und sei daher unzulässig. Im Übrigen handle es sich auch dabei
um einen trölerischen prozessualen Antrag, der auf die Lahmlegung der Justiz
gerichtet sei. Auch auf dieses rechtsmissbräuchliche Gesuch sei daher nicht
einzutreten.

3.4 Das Obergericht führt im angefochtenen Entscheid dazu aus, das
Kriminalgericht habe in Bezug auf die Behandlung des Ablehnungsbegehrens
gegen den Staatsanwalt einen Verfahrensfehler begangen, da es dafür nicht
zuständig gewesen sei. Inhaltlich treffe zudem nicht zu, dass das
Ablehnungsbegehren rechtsmissbräuchlich gewesen sei, stütze es sich doch auch
auf Umstände, welche sich kurz vor der erstinstanzlichen Hauptverhandlung
ereignet hätten. So sei Staatsanwalt Bühlmann am 9. März 2002 in der Neuen
Luzerner Zeitung mit den Worten zitiert worden, das Verhalten des Angeklagten
sei äusserst egoistisch gewesen, er habe nur seine fahrerische Stärke
beweisen wollen. Entgegen den Ausführungen des Kriminalgerichts sei das
Ausstandsbegehren in diesem Punkt nicht verspätet und damit nicht
rechtsmissbräuchlich gewesen. Das Obergericht prüfte daraufhin das
Ausstandsbegehren gegen Staatsanwalt Bühlmann, soweit es nicht verspätet war,
materiell und kam zum Schluss, dass es unbegründet gewesen sei.
In Bezug auf das Ausstandsbegehren gegen das Kriminalgericht führte das
Obergericht aus, dass es zwar entgegen dessen Auffassung nicht schon deswegen
unzulässig gewesen sei, weil es sich gegen das Kriminalgericht insgesamt
gerichtet habe: da er das Ausstandsbegehren damit begründet habe, dass dieses
die Strafprozessordnung verletzt habe, habe er naturgemäss nicht bloss den
Ausstand einzelner Richter verlangen können. Indessen habe er den Ausstand
wegen eines einzigen Verfahrensfehlers des Gerichts beantragt. Solche Fehler
- hier die kompetenzwidrige Beurteilung des Ausstandsgesuchs gegen
Staatsanwalt Bühlmann - könnten indessen die Befangenheit nur begründen, wenn
sie wiederholt begangen würden oder so schwer wögen, dass sie eine
Amtspflichtverletzung darstellen würden. Beides sei hier nicht der Fall,
weshalb das Kriminalgericht davon habe ausgehen dürfen, dass das
Ausstandsbegehren des Beschwerdeführers trölerisch gewesen sei.

4.
Das Obergericht hat im angefochtenen Entscheid das Ausstandsbegehren gegen
Staatsanwalt Bühlmann materiell geprüft und als unbegründet beurteilt. Damit
ist dieses Gesuch vom nach Art. 31 Abs. 1 Ziff. 4 StPO zuständigen Gericht
beurteilt worden. Ist dieser Entscheid verfassungsrechtlich haltbar, spielt
es für den Ausgang des Verfahrens keine Rolle, dass zunächst mit dem
Kriminalgericht ein unzuständiges Gericht darüber befand. Es ist somit zu
prüfen, ob das Obergericht die Verfassung verletzte, indem es das
Ausstandsbegehren als unbegründet abwies.

4.1 Ablehnungsgründe sind nach Treu und Glauben ohne Verzug geltend zu machen
(BGE 124 I 121 E.2; 119 Ia 221 E. 5a;0 118 Ia 282 E. 3a). Das Obergericht
hielt im angefochtenen Entscheid dafür, dass der Beschwerdeführer an der
Hauptverhandlung vom 15. März 2002 sein Ausstandsbegehren gegen Staatsanwalt
Bühlmann mit einem Zeitungsartikel vom 9. März 2002 hatte begründen dürfen,
dass indessen die Beanstandungen, die sich auf die Verfahrensführung
Bühlmanns (zum Teil lange) vor diesem Zeitpunkt bezogen, verspätet waren. Der
Beschwerdeführer ficht Letzteres - zu Recht - nicht als verfassungswidrig an.
Soweit er in der staatsrechtlichen Beschwerde die (angebliche) Befangenheit
Bühlmanns trotzdem mit Begebenheiten begründet, die sich vor dem 9. März 2002
zutrugen, ist darauf nicht einzutreten. Zu prüfen bleibt somit einzig, ob
Staatsanwalt Bühlmann durch folgende, am 9. März 2002 in der Neuen Luzerner
Zeitung erschienene Stellungnahme befangen erscheint:
"Eine solche Anklage gab es in der Schweiz noch nie. Die Raser nahmen in
Kauf, dass es zu einem tödlichen Ausgang kommen könnte... Sie waren nur auf
ihre private Auseinandersetzung fixiert. Das Verhalten der beiden war
äusserst egoistisch, wollten sie doch ihre fahrerische Stärke beweisen."

Da Staatsanwalt Bühlmann nie bestritten hat, die zitierte Aussage gegenüber
der Neuen Luzerner Zeitung gemacht zu haben, ist sie ihm ohne weiteres
zuzurechnen.

4.2 Gerichtsverhandlungen sind öffentlich (Art. 30 Abs. 3 BV, Art. 6 Ziff. 1
EMRK), weshalb es durchaus im Sinne dieser Bestimmungen liegt, dass die
Öffentlichkeit über die Medien in geeigneter Form über bevorstehende
Gerichtsverhandlungen informiert wird. Dass dies je nach dem Gegenstand des
Verfahrens und/oder der Prominenz der beteiligten Personen in der
Öffentlichkeit Aufsehen erregt, ist eine notwendige Folge des konventions-
und verfassungsrechtlich festgeschriebenen Öffentlichkeitsprinzips, die vom
Angeklagten hinzunehmen ist. Es ist daher nicht grundsätzlich zu beanstanden,
dass Staatsanwalt Bühlmann die Medien über die bevorstehende
Gerichtsverhandlung informierte. Fraglich kann nur sein, ob er dies unnötig
verletzend oder gar inhaltlich fehlerhaft tat und den Beschwerdeführer
vorverurteilte. Dabei fällt in Betracht, worauf das Obergericht im
angefochtenen Entscheid zu Recht hingewiesen hat, dass der Staatsanwalt zwar
zu einer sachlichen und objektiven Amtsführung verpflichtet ist, indessen als
Partei am Verfahren teilnimmt (§ 32 Abs. 2 StPO) und damit seinen
Parteistandpunkt als Ankläger vertreten kann und muss. Er ist dementsprechend
in seinen Äusserungen gegenüber der Presse freier als etwa ein Richter oder
ein Untersuchungsrichter (jedenfalls vor Abschluss der Untersuchung, BGE 127
I 196 E. 2), die zu strikter Unparteilichkeit verpflichtet sind.

4.3 Das Verfahren gegen den Beschwerdeführer und seinen Mitangeklagten ist
für die Öffentlichkeit nicht nur wegen des spektakulären Sachverhaltes von
besonderem Interesse, sondern weil der Staatsanwalt den beiden Autofahrern
vorwirft, den Tod der Unfallopfer nicht fahrlässig, sondern
eventualvorsätzlich verursacht zu haben. Es ist daher verfassungsrechtlich
nicht zu beanstanden, dass der Staatsanwalt die Presse auch über die schweren
Vorwürfe informierte, die er ihnen an der Hauptverhandlung zur Last legen
würde. Man kann sich zwar durchaus fragen, ob er sich, gerade bei einem
Prozess, der in besonderem Masse geeignet ist, öffentliche Emotionen zu
wecken, bei seiner Pressemitteilung nicht besser auf den äusseren Ablauf des
Unfallgeschehens und die seiner Auffassung nach zur Anwendung kommenden
Strafbestimmungen beschränkt und sich die naturgemäss mit schweren
persönlichen Vorwürfen an die Adresse der Angeklagten verbundene rechtliche
Würdigung für sein Plädoyer aufgespart hätte. Auch wenn aber Staatsanwalt
Bühlmann bei der Information der Presse eher weit gegangen ist, hat er
jedenfalls die Unschuldsvermutung respektiert, indem er in seiner Aussage
klargemacht hat, dass er diese Vorwürfe in der Anklage zu erheben gedenkt,
diese somit noch nicht als erwiesen gelten können, vielmehr vom zuständigen
Gericht erst noch beurteilt werden müssen. Der Vorwurf, Staatsanwalt Bühlmann
habe den Beschwerdeführer vorverurteilt, geht damit fehl. Selbst wenn dieser
somit wohl besser etwas mehr Zurückhaltung geübt hätte, so liegt in der
umstrittenen Pressemitteilung jedenfalls kein schwerer Verfahrensfehler,
aufgrund dessen ihn der Beschwerdeführer ablehnen könnte. Es ist daher nicht
zu beanstanden, dass das Obergericht die Befangenheitsrüge gegen Staatsanwalt
Bühlmann ablehnte, soweit es darauf eintrat.

5.
Das Ausstandsbegehren gegen das Kriminalgericht begründete der
Beschwerdeführer damit, dass es unzuständigerweise über das
Ablehnungsbegehren gegen Staatsanwalt Bühlmann entschieden habe bzw. darauf
nicht eingetreten sei und das Verfahren ungeachtet des anschliessend auch
gegen das Kriminalgericht selber gerichteten Ablehnungsbegehrens fortgeführt
habe.

5.1 Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist es zulässig, dass ein
Gericht auf ein Ablehnungsbegehren nicht eintritt, wenn dieses
rechtsmissbräuchlich erscheint und einzig auf die Behinderung und Verzögerung
des Verfahrens oder die Lahmlegung der Justiz gerichtet ist. Dies gilt auch
dann, wenn es für die Behandlung des Ablehnungsbegehrens an sich nicht
zuständig wäre oder wenn es sich gegen die mit dem Verfahren befassten
Gerichtspersonen selber richtet, sodass diese ein gegen sie selbst
gerichtetes Ablehnungsbegehren prüfen und damit in eigener Sache urteilen
(BGE 114 Ia 278; 105 Ib 303).

5.2 Wie sich herausgestellt hat, war das Ablehnungsbegehren des
Beschwerdeführers gegen Staatsanwalt Bühlmann in einem Punkt nicht
rechtsmissbräuchlich. Die gegenteilige Auffassung des Kriminalgerichts ist
unzutreffend: dementsprechend hat es einen Verfahrensfehler begangen, indem
es das Ablehnungsbegehren behandelte, ohne dafür zuständig zu sein. Logische
Konsequenz der unzutreffenden Einschätzung des Begehrens als gänzlich
rechtsmissbräuchlich war indessen, dass das Kriminalgericht auch das zweite,
gegen sich selber gerichtete Ablehnungsbgehren als rechtsmissbräuchlich
beurteilte und die Hauptverhandlung zu Ende führte, ohne es formell zu
behandeln. Dem Kriminalgericht ist somit eine Fehleinschätzung anzulasten,
indem es das Ablehnungsbegehren gegen Staatsanwalt Bühlmann und als
Konsequenz daraus auch das Ablehnungsbegehren gegen sich selber als
rechtsmissbräuchlich beurteilte und darauf in eigener Kompetenz nicht
eintrat. Ein derartiger einmaliger Verfahrensfehler ist indessen nach der
Rechtsprechung (oben E. 2.1) von vornherein kein Grund, um die Richter, die
ihn zu verantworten haben, befangen erscheinen zu lassen. Es ist somit nicht
zu beanstanden, dass es das Obergericht im angefochtenen Entscheid ablehnte,
ein Ausstandsverfahren gegen die Mitglieder des Kriminalgerichts einzuleiten.
Die Rüge ist unbegründet.

6.
Die Beschwerde ist somit abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Bei
diesem Ausgang des Verfahrens trägt der Beschwerdeführer die Kosten (Art. 156
OG). Er hat indessen ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und
Verbeiständung gestellt, welches gutzuheissen ist, da seine Bedürftigkeit
gegeben erscheint und die Beschwerde nicht von vornherein aussichtslos war
(Art. 152 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung wird
gutgeheissen:
2.1 Es werden keine Kosten erhoben.

2.2 Fürsprecher Marcel Grass, Bern, wird mit Fr. 1'500.-- aus der
Gerichtskasse entschädigt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien sowie dem Kriminalgericht, der
Staatsanwaltschaft, Staatsanwalt Peter Bühlmann, und dem Obergericht, II.
Kammer, des Kantons Luzern, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 3. Februar 2003

Im Namen der I. öffentlichrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: