Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Öffentlich-rechtliche Abteilung 1P.58/2002
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1P.58/2002 /sta

Urteil vom 8. Juli 2002

I. Öffentlichrechtliche Abteilung

Bundesgerichtsvizepräsident Aemisegger, Präsident,
Bundesrichter Aeschlimann, Reeb,
Gerichtsschreiber Steiner.

Gemeinde Sils i.E./Segl, 7514 Sils/Segl Maria, Beschwerdeführerin, vertreten
durch Rechtsanwalt
Dr. Otmar Bänziger, Bahnhofstrasse 7, Postfach 101, 7001 Chur,

gegen

A.X.________ und B.X.________, Beschwerdegegner, vertreten durch Rechtsanwalt
Luis A. Wieser, Wieser & Wieser, 7524 Zuoz,
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden, 4. Kammer, Villa Brunnengarten,
Obere Plessurstrasse 1, 7001 Chur.

Art. 50 BV (Baugesuch, Wiederherstellung)

Staatsrechtliche Beschwerde gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts des
Kantons Graubünden, 4. Kammer, vom 12. September 2001

Sachverhalt:

A.
B. X.________ und A.X.________ sind Eigentümer der Chesa Y.________ in Sils
Baselgia. Dieses Gebäude erstreckt sich über zwei Parzellen, welche in der
Zone für Wohnquartiere liegen. Das mit Steinplatten eingedeckte Dach wies
ursprünglich verschiedene Dachausbrüche in Form von so genannten
Schlepplukarnen auf. Im Jahre 1999 ersuchte das Ehepaar X.________ um eine
Baubewilligung, um mittels einer anderen Konstruktion von fünf dieser
Lukarnen (Rund- bzw. Bogenlukarnen statt Schlepplukarnen) den Lichteinfall in
den Dachraum zu verbessern. Am 16. April 1999 erteilte der Gemeindevorstand
die Bewilligung, wobei diese mit der Auflage versehen wurde, die
bogenförmigen Lukarnen seien nach den Detailplänen 1:20 auszuführen.
Allfällige Änderungen bei der Ausführung des Bauvorhabens bedurften gemäss
kommunalem Baurecht sowie der Baubewilligung auf jeden Fall im Voraus der
Genehmigung durch den Gemeindevorstand.

B.
Die Ehegatten X.________ vollendeten die Umbauarbeiten nach ihren eigenen
Angaben unmittelbar nach Rechtskraft der Bewilligung, jedenfalls aber vor
Wintereinbruch. Am 8. Dezember 1999 erfolgte die Bauabnahme durch den
Baufachchef und den Bauberater der Gemeinde. Dabei wurde festgestellt, dass
die fünf Bogenlukarnen die bewilligten Masse überschritten. Daraufhin
ersuchte der Gemeindevorstand B.X.________ und A.X.________ mit Schreiben vom
12. Januar 2000, im Hinblick auf eine allfällige Abbruchverfügung zu den
Feststellungen des Bauabnahmerapports Stellung zu nehmen. Der
Gemeindevorstand habe zur Kenntnis genommen, dass die fünf Bogenlukarnen
entgegen den ausdrücklich  festgelegten und in einem separat unterzeichneten
Detailplan bewilligten Massen (einer Breite von 170 cm und einer Höhe von 150
cm) in einer Höhe von 180 cm und in einer Breite von 195 cm erstellt worden
seien.
Mit Stellungnahme vom 20. Januar 2000 führte der Architekt D.________ namens
der Ehegatten X.________ aus, es sei richtig, dass die fünf Lukarnen 1.96
statt 1.70 m breit seien, dafür betrage die Höhe lediglich 1 cm mehr als
bewilligt. Die Mehrbreite sei dadurch entstanden, dass man die neue Lukarne
als Auflager auf den alten Lukarnenunterbau gesetzt habe. Dies sei nicht in
der Absicht einer Verbreiterung geschehen, sondern man habe sich lediglich
auf die bestehende Unterkonstruktion gestützt. Er bedaure die Ungenauigkeit
bei der Festlegung des Breitenmasses von 1.70 m sehr, ebenso den Umstand,
dass am Bau die Unterkonstruktion des Daches bzw. der alten Dachlukarnen
nicht genau überprüft worden sei.
Am 26. September 2000 erfolgte die Publikation des nachträglichen Baugesuchs
für die fünf strittigen Lukarnen. Mit Schreiben vom 9. Februar 2001
unterbreitete der Gemeindevorstand den Ehegatten X.________ im Hinblick auf
die in Aussicht genommene Wiederherstellungsverfügung einen auf dem
überarbeiteten Plan vom 19. März 1999 basierenden Sanierungsvorschlag,
datierend vom 19. Januar 2001.
Mit Verfügung vom 2. April 2001 wies der Gemeindevorstand das nachträgliche
Baugesuch von B.X.________ und A.X.________ ab. Die fünf Lukarnen seien so
umzubauen, dass sie den Vorgaben der Baubewilligung vom 16. April 1999 bzw.
dem Sanierungsvorschlag der Gemeinde vom 19. Januar 2001 entsprechen. Zur
Begründung führte der Gemeindevorstand namentlich aus, die Regelung bezüglich
der Dachausbrüche sei mit dem an Gemeindeversammlungen vom 22./23. April, 4.
Mai sowie 4. Juni 1999 verabschiedeten neuen Baugesetz verschärft worden.
Art. 69 Abs. 3 dieses von der Regierung am 21. März 2000 genehmigten Gesetzes
sehe eine Beschränkung der Dachausbrüche auf max. 15 Prozent der Dachfläche
des entsprechenden Dachflügels vor. Da die Ausführung der Lukarnen zwischen
Gemeinde und Bauherrschaft abgesprochen gewesen sei und die von den Plänen
abweichende Ausführung offensichtlich darauf ausgelegt gewesen sei, fertige
Tatsachen zu schaffen, müsse das neue Baugesetz angewendet werden.

C.
Gegen die Verfügung des Gemeindevorstands gelangten die Ehegatten X.________
mit Rekurs vom 18. Juni 2001 an das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden. Sie stellten den Antrag, der angefochtene Entscheid sei
aufzuheben und die Baubewilligung sei zu erteilen. Da das Bauvorhaben im
Sommer 1999, also noch vor Genehmigung von Art. 69 des neuen Baugesetzes
durch den Regierungsrat, ausgeführt worden sei, müsse das nachträgliche
Baugesuch nach altem Recht, also nach dem Baugesetz der Gemeinde Sils i.E.
vom 19. März 1990, beurteilt werden. Die geringfügige Verbreiterung sei
aufgrund der Sparrenlage vorgenommen worden, ohne jegliche Vorteile für den
Bauherrn.

Am 12. September 2001 hiess das Verwaltungsgericht den Rekurs von
B.X.________ und A.X.________ teilweise gut und wies die Sache zur
Neubeurteilung an die Gemeinde Sils i.E. zurück. Zur Begründung des
Entscheids wurde ausgeführt, es sei verfehlt, den Ehegatten X.________ ohne
jeglichen Beweis unlautere Absichten zu unterstellen. Das nachträgliche
Baugesuch sei demzufolge nach altem Recht zu beurteilen.

D.
Mit Eingabe vom 12. September 2001 erhebt die Gemeinde Sils i.E.
staatsrechtliche Beschwerde gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts vom 12.
September 2001 wegen Verletzung der Gemeindeautonomie. Sie beantragt, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben, und macht insbesondere geltend, das
Verwaltungsgericht sei in Willkür verfallen indem es festgestellt habe, dass
es der Gemeinde nicht gelungen sei, die Bösgläubigkeit der Bauherrschaft bzw.
deren Absicht, die verschärfte Regelung von Art. 69 BauG zu umgehen,
nachzuweisen.
Das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden sowie B.X.________ und
A.X.________ beantragen, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf
eingetreten werden könne. Das Verwaltungsgericht verzichtet im Übrigen auf
eine Vernehmlassung und verweist auf den angefochtenen Entscheid. Die
Beschwerdegegner führen namentlich aus, zur Zeit der Bauarbeiten sei zwar
wohl eine Rechtsänderung, nicht aber eine flächenmässige Beschränkung der
Dachausbrüche absehbar gewesen. Somit sei an ihrem guten Glauben nicht zu
zweifeln.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Mit dem angefochtenen Urteil hat das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden den gegen eine Wiederherstellungsverfügung der Gemeinde Sils i.E.
gerichteten Rekurs der Beschwerdegegner gutgeheissen. Dieser Entscheid
berührt die Gemeinde in ihrer Eigenschaft als Trägerin hoheitlicher Gewalt,
weshalb sie zur Beschwerde wegen Verletzung der Gemeindeautonomie (Art. 189
Abs. 1 lit. b BV) legitimiert ist. Ob ihr im in Frage stehenden Bereich
tatsächlich Autonomie zusteht, ist nicht eine Frage des Eintretens, sondern
bildet Gegenstand der materiellrechtlichen Beurteilung (BGE 128 I 3 E. 1c S.
7; 124 I 223 E. 16 S. 226, je mit Hinweisen).

1.2 Indem das Verwaltungsgericht die Streitsache "im Sinne der Erwägungen zu
neuer Beurteilung an die Gemeinde" zurückgewiesen hat, hat es einen
Zwischenentscheid gefällt, der das kantonale Verfahren nicht abschliesst. Die
staatsrechtliche Beschwerde ist gemäss Art. 87 Abs. 2 OG (in der Fassung vom
8. Oktober 1999, in Kraft seit dem 1. März 2000; AS 2000 417) gegen
Zwischenentscheide nur zulässig, wenn diese einen nicht wiedergutzumachenden
Nachteil bewirken können. Eine Ausnahme gilt lediglich für Zwischenentscheide
über gerichtsorganisatorische Fragen, die ihrer Natur nach endgültig zu
entscheiden sind, bevor das Verfahren weitergeführt werden kann (87 Abs. 1
OG). Ein nicht wiedergutzumachender Nachteil liegt nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung unter anderem vor, wenn eine Gemeinde -
wie hier - gezwungen wird, entgegen ihrer Auffassung eine neue Anordnung zu
erlassen; ihr ist nicht zuzumuten, einer als falsch erachteten Weisung Folge
zu leisten, um alsdann ihren eigenen Entscheid anzufechten (BGE 128 I 3 E. 1b
S. 7.; 116 Ia 41 E. 1b S. 44, je mit Hinweisen).

1.3 Die Beschwerdegegner beantragen, auf die Beschwerde sei wegen
ungenügender Begründung nicht einzutreten. Die Gemeinde Sils i.E. habe nicht
dargelegt, weshalb die Gemeindeautonomie verletzt sein soll.

Gemäss Art. 90 Abs. 1 lit. b OG muss die Beschwerdeschrift die wesentlichen
Tatsachen und eine kurz gefasste Darlegung darüber enthalten, welche
verfassungsmässigen Rechte bzw. welche Rechtssätze und inwiefern sie durch
den angefochtenen Erlass oder Entscheid verletzt worden sind. Das
Bundesgericht prüft deshalb im staatsrechtlichen Beschwerdeverfahren nur klar
und detailliert erhobene und, soweit möglich, belegte Rügen. Auf ungenügend
begründete Rügen und rein appellatorische Kritik am angefochtenen Entscheid
tritt es nicht ein (BGE 125 I 492 E. 1b S. 495 mit Hinweisen). Es genügt
nicht, dass die Gemeinde nur ihre Autonomie im fraglichen Sachbereich dartut
und die nach ihrer Ansicht richtige Rechtsanwendung nennt. Sie muss
substantiiert darlegen, inwieweit das Recht im angefochtenen Entscheid
unrichtig angewendet worden sei (BGE 114 Ia 315 E. 1b S. 316).
Im vorliegenden Fall legt die Gemeinde Sils i.E. zunächst
unbestrittenermassen genügend substantiiert dar, dass ihr im fraglichen
Bereich Autonomie zukomme. Die Beschwerdeführerin hält weiter fest, eine
Gemeinde könne sich mit staatsrechtlicher Beschwerde namentlich dagegen zur
Wehr setzen, dass die kantonale Behörde bei der Anwendung der kommunalen,
kantonalen und bundesrechtlichen Normen, die den betreffenden Sachbereich
ordnen, gegen das Willkürverbot verstösst. Im Sinne einer Schlussfolgerung
führt die Gemeinde Sils i.E. aus, die willkürliche Anwendung der
einschlägigen Normen des kommunalen und kantonalen Baugesetzes laufe auf eine
Verletzung der Gemeindeautonomie hinaus. Ferner wird geltend gemacht, das
Verwaltungsgericht sei dadurch in Willkür verfallen, dass es der
Bauherrschaft und ihrem Architekten trotz eindeutiger Fakten Gutgläubigkeit
attestiert und die Absicht, das neue Recht zu umgehen, verneint habe. Es sei
unhaltbar, wenn im angefochtenen Entscheid festgehalten werde, es sei der
Gemeinde nicht gelungen, die Bösgläubigkeit bzw. die Absicht der Umgehung der
verschärften Regelung von Art. 69 BauG nachzuweisen. Damit macht die
Beschwerdeführerin Willkür in der Feststellung des prozessrelevanten
Sachverhalts geltend, die - wie die willkürliche Anwendung der einschlägigen
Normen - ihrer Ansicht nach im Ergebnis zur Verletzung der Gemeindeautonomie
geführt hat. Demnach ist auf die Beschwerde auch mit Blick auf Art. 90 Abs. 1
lit. b OG einzutreten.

2.
2.1 Art. 50 Abs. 1 BV gewährleistet die Gemeindeautonomie nach Massgabe des
kantonalen Rechts. Auch nach der neuen Bundesverfassung bleibt es Sache der
Kantone zu bestimmen, ob und in welchem Umfang den Gemeinden Autonomie
eingeräumt wird. Anzuknüpfen ist am Begriff der Autonomie gemäss ständiger
Rechtsprechung des Bundesgerichts. Danach ist eine Gemeinde in einem
Sachbereich autonom, wenn das kantonale Recht diesen nicht abschliessend
ordnet, sondern ihn ganz oder teilweise der Gemeinde zur Regelung überlässt
und ihr dabei eine relativ erhebliche Entscheidungsfreiheit einräumt (BGE 128
I 3 E. 2a S. 7 f. mit Hinweisen).

2.2 Ausgangspunkt des Rechtsstreits bildet im vorliegenden Fall die
Wiederherstellungsverfügung der Gemeinde Sils i.E. vom 2. April 2001. Wie das
Bundesgericht schon mehrfach festgehalten hat, sind die Bündner Gemeinden in
weiten Bereichen der Raumplanung und des Bauwesens autonom (BGE 128 I 3 E. 2a
S. 8; 118 Ia 446 E. 3c S. 454 mit Hinweisen). Nach der Konzeption des
Raumplanungsgesetzes für den Kanton Graubünden vom 20. Mai 1973 (KRG; AGS
801.100) sind die Gemeinden nicht nur Baubewilligungsbehörde (Art. 5 KRG),
sondern erlassen auch Vorschriften über die Ausführung von Bauten und Anlagen
(Art. 12 KRG). Zudem sind sie gemäss Art. 60 Abs. 1 KRG für den Erlass von
Wiederherstellungsverfügungen zuständig. Auch im Bereich der Sanktionen bei
Verletzung kommunaler Baubewilligungen kommt den Bündner Gemeinden
erheblicher Entscheidungsspielraum zu (vgl. zur Baubusse BGE 115 Ia 406,
nicht publizierte E. 1). Somit ist die Beschwerdeführerin im in Frage
stehenden Bereich autonom.

3.
Ist über eine Wiederherstellungsverfügung zu befinden, so ist grundsätzlich
nicht das zur Zeit der Entscheidung gültige Recht anwendbar, sondern
dasjenige, das während der Bauarbeiten in Kraft gestanden hat. Eine Ausnahme
ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung einerseits zu machen, wenn
das neue Recht für den Eigentümer der Baute günstiger ist. Andererseits kommt
bei einer Rechtsänderung zuungunsten des Bauherrn das neue Recht zur
Anwendung, wenn dieser die Bewilligung nicht einholt, weil er weiss, dass vor
der Erteilung der Bewilligung neues, strengeres Recht in Kraft stehen wird
(BGE 104 Ib 301 E. 5c S. 304). Dieser Rechtsprechung hat sich das kantonale
Verwaltungsgericht angeschlossen (Gerichts- und Verwaltungspraxis des Kantons
Graubünden [GVP] 1983, Nr. 28; angefochtener Entscheid, E. 1a). Im
vorliegenden Fall bedeutet dies, dass das neue, für die Beschwerdegegner
ungünstigere Baugesetz der Gemeinde Sils i.E. nur dann im Sinne einer
Ausnahme anzuwenden ist, wenn die Ehegatten X.________ wegen ihrer Kenntnis
der kommunalen Gesetzgebungsarbeiten keine nachträgliche Baubewilligung für
den von den Plänen abweichenden Umbau eingeholt haben.

4.
4.1 Die Gemeinde Sils i.E. wirft dem Verwaltungsgericht in der Hauptsache vor,
es sei in Willkür verfallen, indem es festgehalten habe, es sei der Gemeinde
nicht gelungen, die Bösgläubigkeit der Bauherrschaft bzw. deren Absicht
nachzuweisen, das neue Recht zu umgehen. Damit macht sie eine willkürliche
Feststellung derjenigen Sachverhaltselemente geltend, mit welchen im
vorliegenden Fall die Anwendbarkeit des für den Bauherrn günstigeren alten
Rechts, d.h. des Baugesetzes der Gemeinde Sils i.E. vom 19. März 1990,
begründet worden ist.

4.2 Willkürlich ist ein Entscheid nicht schon dann, wenn eine andere Lösung
ebenfalls vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen wäre, sondern erst dann,
wenn er offensichtlich unhaltbar ist, zur tatsächlichen Situation in klarem
Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass
verletzt oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft
(BGE 127 I 60 E. 5a S. 70 mit Hinweisen). Willkür in der
Tatsachenfeststellung ist nicht nur gegeben, wenn entscheiderhebliche
tatsächliche Feststellungen offensichtlich falsch sind. Ebenso unhaltbar ist
es, wenn eine Behörde Sachverhaltselementen Rechnung trägt, die keinerlei
Bedeutung haben, oder entscheidende Tatsachen ausser Acht lässt (BGE 100 Ia
305 E. 3b S. 307). Weitere Hinweise lassen sich aus den Regeln zur Bindung
des Bundesgerichts an die Sachverhaltsfeststellungen der kantonalen Behörden
im Rahmen der staatsrechtlichen Beschwerde gewinnen. Demnach prüft das
Bundesgericht den Sachverhalt betreffende Rügen darauf hin, ob die Vorinstanz
diesen in Verletzung der rechtsstaatlichen Mindestanforderungen
offensichtlich unvollständig oder unrichtig, somit willkürlich festgestellt
hat (BGE 118 Ia 394 E. 2c S. 397).

4.3 Das Verwaltungsgericht hat zur Wiederherstellungsverfügung der Gemeinde
Sils i.E. ausgeführt, es bestehe nicht der geringste Anhaltspunkt dafür, dass
die Bauherrschaft in der Absicht gehandelt habe, das neue Recht zu umgehen.
Die Gemeinde habe diesbezüglich keinerlei Beweis angeboten. Nach Ansicht des
Verwaltungsgerichts haben die Ehegatten X.________ vielmehr glaubwürdig
dargelegt, dass die Lukarnen aufgrund der Lage der Dachsparren etwas
verbreitert worden sind. Zwar wäre auch eine Lösung durch den Einzug so
genannter Holzwechsel möglich gewesen. Die vom Architekten der Bauherrschaft
gewählte Lösung habe sich jedoch offenbar als die einfachste Möglichkeit
erwiesen. Es sei daher verfehlt, den Ehegatten X.________ ohne jeglichen
Beweis unlautere Absichten zu unterstellen.
Indem das Verwaltungsgericht festhält, die Lukarnen seien wegen der Lage der
Dachsparren breiter ausgeführt worden, beantwortet es die Frage, warum die
Bauherrschaft von den bewilligten Plänen abgewichen ist. Damit soll belegt
werden, dass die Ehegatten X.________ nicht in der Absicht gehandelt haben,
das neue Recht zu umgehen. Durch dieses Vorgehen setzt sich das
Verwaltungsgericht indessen in Widerspruch zu den eigenen rechtlichen
Ausführungen. Die Frage, weswegen bzw. mit welcher Absicht die Lukarnen
breiter ausgeführt worden sind, ist nicht entscheiderheblich. Zu prüfen ist
vielmehr, warum die Ehegatten X.________, nachdem sie entdeckt hatten, dass
die Dachsparren anders lagen als in den bewilligten Plänen vermerkt, keine
behördliche Genehmigung für die von diesen Plänen abweichende Ausführung
eingeholt haben. In diesem Zusammenhang muss - wenn nicht angenommen werden
kann, die Bauherrschaft sei sich der Planabweichung gar nicht bewusst gewesen
- von Amtes wegen geklärt werden, wann der Umbau bei welchem Kenntnisstand
bezüglich der Neuordnung des kommunalen Baurechts ausgeführt worden ist. Dazu
ist aber keine Feststellung getroffen worden, womit eine entscheidende
Tatsache unberücksichtigt geblieben ist. Der Vorwurf der willkürlichen
Sachverhaltsfeststellung ist begründet. Der angefochtene Entscheid hebt
aufgrund mangelhafter Sachverhaltsabklärung eine kommunale Verfügung auf, was
mit der Gemeindeautonomie nicht vereinbar ist (vgl. dazu BGE 112 Ia 275 E. 5c
S. 278 f.; Alfred Kuttler, Zum Schutz der Gemeindeautonomie in der neueren
bundesgerichtlichen Rechtsprechung, in: Verfassungsrechtsprechung und
Verwaltungsrechtsprechung, Zürich 1992, S. 45 ff., insb. S. 55).

4.4 Angesichts dieser Erwägungen erscheint es folgerichtig, dass die
Rechtsschriften beider Parteien Ausführungen zur Frage enthalten, wann die
Dachlukarnen der Chesa Y.________ umgebaut worden sind. Ebenso äussern sich
sowohl die Gemeinde als auch die Bauherrschaft zum zeitlichen Ablauf der
Revision des kommunalen Baugesetzes.
Die Beschwerdegegner führen mit Rekurs vom 18. Juni 2001 aus, der Umbau sei
im Sommer 1999, also noch vor Genehmigung des neuen Baugesetzes durch die
Regierung des Kantons Graubünden, an die Hand genommen und fertiggestellt
worden. Im Rahmen der Vernehmlassung ans Bundesgericht behaupten die
Beschwerdegegner, die Bauausführung sei unmittelbar nach erteilter
Baubewilligung erfolgt. So seien Dach und Lukarnen zuerst ausgeführt worden,
"was etwa im Mai 1999 der Fall gewesen sein dürfte". Weiter machen die
Ehegatten X.________ unter Beilage von Materialien zur Neuordnung des
kommunalen Baurechts geltend, die flächenmässige Beschränkung im Sinne von
Art. 69 Abs. 3 des heute geltenden Baugesetzes der Gemeinde Sils i.E. sei
erst anlässlich der dritten Gemeindeversammlung vom 4. Juni 1999 ins
Baugesetz aufgenommen worden. Zu diesem Zeitpunkt seien die Rundlukarnen
bereits fertiggestellt gewesen.
Die Beschwerdeführerin behauptet, die neue, verschärfte Regelung sei im
Zeitpunkt, als die zur Diskussion stehenden Lukarnen ausgeführt worden seien,
bereits zuhanden der Regierung des Kantons Graubünden verabschiedet gewesen.
Demnach habe die Bauherrschaft damit rechnen müssen, dass die Regelung nach
der regierungsrätlichen Genehmigung in Kraft treten würde, zumal es sich beim
heute geltenden Art. 69 BauG um eine in genehmigungsrechtlicher Hinsicht
unproblematische Bestimmung handle. Nach Ansicht der Beschwerdeführerin haben
die Ehegatten X.________ sowie ihr Architekt genau gewusst, dass eine
Bewilligung für die abweichende Bauausführung "nie und nimmer erhältlich"
gewesen wäre.
Damit steht fest, dass den Akten mehrere Sachverhaltsdarstellungen zu
entnehmen sind. Ohne weitere Abklärungen kann nicht festgestellt werden,
welche Darstellung den Tatsachen entspricht. Es ist nicht Aufgabe des
Bundesgerichts, diese Abklärungen im staatsrechtlichen Beschwerdeverfahren zu
treffen.

4.5 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde der Gemeinde Sils i.E.
gutzuheissen und der Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden
vom 12. September 2001 aufzuheben ist. Im Rahmen der Neubeurteilung wird
nebst den erwähnten sachverhaltlichen Abklärungen auch zu prüfen sein, ob und
inwieweit den Beschwerdegegnern das Wissen ihres Architekten zuzurechnen ist.
Bei diesem Ausgang kann offen bleiben, ob die nach Auffassung der
Beschwerdeführerin nicht begründete Aufhebung der Ziffer 1 der Verfügung der
Gemeinde Sils i.E. vom 2. April 2001 verfassungsrechtlicher Prüfung
standhält. Mit besagter Verfügung ist in Ziffer 1 - nebst der Anordnung der
Wiederherstellung gemäss Ziffer 2 - das nachträgliche Baugesuch der
Beschwerdegegner vom 26. Juli 2000 abgewiesen worden.

5.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die Verfahrenskosten den privaten
Beschwerdegegnern, welche Antrag auf Abweisung der Beschwerde gestellt haben,
aufzuerlegen (Art. 156 Abs. 1 OG). Diese haben ausserdem die
Beschwerdeführerin, welche als kleinere Gemeinde ohne eigenen Rechtsdienst
auf den Beizug eines Anwalts angewiesen war, angemessen zu entschädigen (Art.
159 Abs. 2 OG). Der Umstand, dass der gerügte Fehler dem Verwaltungsgericht
des Kantons Graubünden zuzurechnen ist, rechtfertigt es indessen, da den
involvierten Gemeinwesen grundsätzlich keine Gerichtskosten auferlegt werden
dürfen (Art. 156 Abs. 2 OG), eine reduzierte Spruchgebühr zu erheben.
Dasselbe gilt auch für die Parteientschädigung angesichts der Tatsache, dass
die materiellen Fragen, die sich stellen, nach wie vor offen sind (vgl. BGE
112 Ia 275, nicht publizierte E. 7).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die staatsrechtliche Beschwerde wird gutgeheissen, und das Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden vom 12. September 2001 wird
aufgehoben.

2.
Die reduzierte Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- wird den Beschwerdegegnern
auferlegt.

3.
Die Beschwerdegegner haben die Beschwerdeführerin für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 1'000.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden, 4. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 8. Juli 2002

Im Namen der I. öffentlichrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber: