Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilabteilung 5P.142/2003
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5P.142/2003 /min

Urteil vom 9. Juli 2003
II. Zivilabteilung

Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichterin Nordmann, Bundesrichter Meyer,
Gerichtsschreiber von Roten.

F. ________,
Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Martin Kuhn, Mellingerstrasse
1, Postfach 2078, 5402 Baden,

gegen

G.________,
Beschwerdegegnerin, vertreten durch Rechtsanwältin Mirjam Zwald,
Niederlenzerstrasse 27, Geschäftshaus Malaga, Postfach, 5600 Lenzburg 2,
Obergericht des Kantons Aargau, 5. Zivilkammer, Obere Vorstadt 38, 5000
Aarau.

Art. 9 BV (vorsorgliche Massnahmen während des Scheidungsverfahrens;
Unterhalt),

Staatsrechtliche Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons
Aargau, 5. Zivilkammer, vom 24. Februar 2003.

Sachverhalt:

A.
G. ________, Jahrgang 1975, stammt aus der Ukraine und arbeitete als
Cabaret-Tänzerin und Serviceangestellte in der Schweiz, als sie im Jahre 1999
F.________, Jahrgang 1956, kennen lernte. Die beiden heirateten am 22. März
2002. Am 15. Juli 2002 reichte der Ehemann die Scheidungsklage ein und
stellte ein Gesuch um vorsorgliche Massnahmen während des
Scheidungsverfahrens. Am 11. Februar 2003 hat die Ehefrau ein Mädchen
geboren. Der Ehemann hat seine Vaterschaft gerichtlich angefochten.

B.
Während das Gerichtspräsidium Lenzburg im Rahmen vorsorglicher Massnahmen
keine Unterhaltsbeiträge zusprach, verpflichtete das Obergericht (5.
Zivilkammer) des Kantons Aargau den Ehemann zu monatlichen
Unterhaltsbeiträgen an seine Ehefrau von Fr. 1'436.-- für die Zeit vom
September 2002 bis März 2003 und von Fr. 1'756.-- ab April 2003. Es
verpflichtete die Ehefrau, dem Ehemann aus allfälligen rückwirkenden
Lohnzahlungen oder Versicherungsleistungen von August 2002 bis Januar 2003
die Hälfte des Fr. 695.-- übersteigenden Betrags, für Februar bis März 2003
die Hälfte des Fr. 1'005.-- übersteigenden Betrags und ab April 2003 die
Hälfte des Fr. 685.-- übersteigenden Betrags zu bezahlen (Urteil vom 24.
Februar 2003).

C.
Mit staatsrechtlicher Beschwerde beantragt der Ehemann dem Bundesgericht die
Aufhebung des obergerichtlichen Urteils. Er ersucht um unentgeltliche
Rechtspflege. Es sind keine Vernehmlassungen eingeholt worden. Der Ehemann
hat die im Vaterschaftsprozess erhobene DNA-Analyse vom 25. April 2003
nachgereicht.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Der kantonal letztinstanzliche Entscheid über vorsorgliche Massnahmen während
des Scheidungsverfahrens kann mit staatsrechtlicher Beschwerde angefochten
werden (BGE 100 Ia 12 E. 1 S. 14 und die seitherige Rechtsprechung). Im
Verfahren der staatsrechtlichen Beschwerde, namentlich bei
Willkürbeschwerden, gilt ein grundsätzliches Novenverbot, von dem die
Rechtsprechung nur wenige Ausnahmen zulässt (BGE 129 I 49 E. 3 S. 57; 128 I
354 E. 6c S. 357). Von vornherein ausgeschlossen sind sogenannte echte Noven,
d.h. die ausnahmsweise zulässigen neuen Vorbringen dürfen sich in jedem Fall
nur auf Tatsachen und Beweismittel bzw. Rechtsnormen beziehen, die bereits im
Zeitpunkt des letzten kantonalen Entscheids vorhanden waren bzw. in Kraft
standen (Kälin, Das Verfahren der staatsrechtlichen Beschwerde, 2.A. Bern
1994, S. 370 bei/in Anm. 156; Messmer/ Imboden, Die eidgenössischen
Rechtsmittel in Zivilsachen, Zürich 1992, S. 227 Anm. 18). Nicht
berücksichtigt werden kann deshalb die DNA-Analyse, die erst im April 2003
und damit nach Ausfällung des angefochtenen Urteils erstellt worden ist. Im
Übrigen kann auf die staatsrechtliche Beschwerde eingetreten werden.

2.
Der Beschwerdeführer rügt, es sei rechtsmissbräuchlich, dass die
Beschwerdegegnerin Unterhaltsforderungen stelle. Er beruft sich dabei nicht
mehr auf ein Konkubinat, sondern auf eine Scheinehe: Sei die
Beschwerdegegnerin die Ehe nur aus aufenthaltsrechtlichen Gründen
eingegangen, könne sie aus der rechtsmissbräuchlich erschlichenen Ehe keine
Unterhaltsansprüche ableiten.

2.1 Nach Art. 125 Abs. 3 ZGB kann der Unterhaltsbeitrag ausnahmsweise versagt
oder gekürzt werden, wenn er offensichtlich unbillig wäre. In den Ziffern 1-3
werden drei Gründe genannt, die es insbesondere rechtfertigen können, den
Unterhaltsbeitrag ganz oder teilweise zu verweigern. Die Kann-Vorschrift
steht vor dem Hintergrund des Verbots offenbaren Rechtsmissbrauchs (Art. 2
Abs. 2 ZGB) und schliesst mit ihrer Formulierung ("insbesondere") andere als
die ausdrücklich genannten Gründe nicht aus (BGE 127 III 65 Nr. 10). Der
erhobene Rechtsmissbrauchsvorwurf ist im Rahmen vorsorglicher Massnahmen
während des Scheidungsverfahrens zu prüfen, andernfalls eine kantonale
Instanz in Willkür verfällt (BGE 118 II 225 Nr. 44, betreffend Konkubinat).
Das Obergericht ist auf die Einwände des Beschwerdeführers denn auch
eingetreten (E. 3 S. 7 ff.).
2.2 Ein Rechtsmissbrauch kann vorliegen, wenn eine Ehe eingegangen wird, um
dadurch ausländerrechtliche Bestimmungen zu umgehen, namentlich eine
fremdenpolizeiliche Aufenthaltsbewilligung zu erlangen. Diesfalls wird die
Ehe zweckwidrig zur Verwirklichung von Interessen verwendet, die dieses
Rechtsinstitut nicht schützen will (BGE 128 II 145 E. 2.2 S. 151). Trotzdem
ist die Scheinehe eine gültige Ehe mit allen gesetzlichen Rechtswirkungen,
die - mangels Eheungültigkeitsgrundes - nur auf dem Wege der Scheidung wieder
aufgelöst werden kann (BGE 121 III 149 E. 2b S. 150; 126 I 165 E. 3a S. 166;
vgl. zum geltenden Scheidungsrecht: BGE 127 IIII 342 Nr. 57 und 347 Nr. 58).

Liegt eine gültige Ehe vor, kann ein Ehegatte unter den gesetzlichen
Voraussetzungen Unterhalt beanspruchen. Auf die Motive, aus denen er die Ehe
geschlossen hat, kommt es dabei grundsätzlich nicht an (BGE 97 II 7 E. 3 S.
9; 95 II 209 E. 6 S. 215). Zu den Voraussetzungen des Unterhaltsanspruchs
gehört, dass dessen Geltendmachung nicht als rechtsmissbräuchlich erscheint
(E. 2.1 hiervor). Ein Rechtsmissbrauch in Form des widersprüchlichen
Verhaltens kann - allgemein gesagt - darin bestehen, dass sich ein Ehegatte
auf Vorteile aus der Ehe beruft, obwohl er seine Ehe im Sinne einer echten
Lebens- und Schicksalsgemeinschaft gar nie gewollt hat und auch nicht will
oder geradezu ablehnt. Insoweit könnte sich die Geltendmachung von Unterhalt
als rechtsmissbräuchlich erweisen, wenn der ansprechende Ehegatte nur eine
Scheinehe führen wollte (z.B. GVP-SG 2001 Nr. 34 S. 111 unter Hinweis auf
Wacke, Münchener Kommentar, 2000, N. 4 zu § 1361 BGB; vgl. auch
Staudinger/Hübner/Voppel, Kommentar zum BGB, 2000, N. 11 ff. zu § 1361 BGB).
Die obergerichtliche Begründung greift nach dem Gesagten zu kurz: Die
Scheinehe ist zwar eine gültige Ehe mit allen Rechtswirkungen. Daraus folgt
jedoch nicht, dass diese Wirkungen der Ehe unbesehen des Verbots offenbaren
Rechtsmissbrauchs eintreten. Der Rechtsmissbrauch, der in der zweckwidrigen
Verwendung des Instituts der Ehe besteht, ist vielmehr vom Rechtsmissbrauch
zu unterscheiden, der damit begründet wird, dass sich kein Ehegatte auf
Rechtswirkungen einer gütigen Ehe soll berufen können, die er selber von
Beginn an nicht und auch später nie gewollt hat. Das Obergericht hat die
rechtsmissbräuchliche Erhebung von Unterhaltsansprüchen somit nicht einfach
mit der Begründung verneinen dürfen, der Beschwerdeführer habe die
Konsequenzen aus der Eheschliessung zu tragen, auch wenn die Ehe nur zur
Beschaffung des Aufenthaltsrechts der Beschwerdegegnerin oder aus einem
andern Grund eingegangen und faktisch nie gelebt worden wäre (E. 3d S. 8).

2.3 Die Rüge des Beschwerdeführers ist aus den dargelegten Gründen an sich
berechtigt. Indessen hebt das Bundesgericht einen Entscheid im Verfahren der
staatsrechtlichen Beschwerde nur auf, wenn er sich im Ergebnis und nicht
bloss in der Begründung als verfassungswidrig erweist. Es ist immer auch zu
prüfen, ob sich der angefochtene Entscheid allenfalls unter Substituierung
der Motive halten lässt (BGE 124 I 208 E. 4a S. 211). Da die Prüfungsbefugnis
des Bundesgerichts in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht auf Willkür
beschränkt ist, genügt eine willkürfreie Ersatzbegründung, die vom
Obergericht allerdings nicht ausdrücklich verworfen worden sein darf (BGE 128
III 4 E. 4c/aa S. 7). Letzteres ist hier nicht der Fall.

2.3.1 Bereits vor Bezirksgericht hatte der Beschwerdeführer eine Scheinehe
behauptet und der Beschwerdegegnerin Ehewidrigkeiten vorgeworfen. Das
Gerichtspräsidium nahm an, das angebliche Fehlverhalten, das sich die
Ehegatten gegenseitig vorhielten (Fremdbeziehungen, Cabaret-Besuche u.ä.),
könne ein Absehen von Unterhaltsbeiträgen nicht rechtfertigen. Auch liege in
der Geltendmachung eines Unterhaltsbeitrags kein Rechtsmissbrauch. Das
bisherige Verhalten der Beschwerdegegnerin lasse zwar Zweifel daran
aufkommen, ob sie das Institut der Ehe nicht missbraucht habe. Insbesondere
sei nicht zu verkennen, dass sich die aus der Ukraine stammende
Beschwerdegegnerin nur durch die Heirat mit dem Beschwerdeführer ein
dauerndes Aufenthaltsrecht in der Schweiz habe sichern können. Diese
Möglichkeit allein genüge hingegen noch nicht, um einen offenbaren
Rechtsmissbrauch im Sinne von Art. 2 Abs. 2 ZGB anzunehmen. Die Ehegatten
würden sich seit 1997 (recte: 1999) kennen. Es sei denkbar, dass sie sich in
dieser Zeit auch lieben gelernt hätten (E. 3c S. 6). Vor Obergericht hat der
Beschwerdeführer seinen Rechtsmissbrauchsvorwurf mit derselben Begründung
wiederholt (S. 6 f. der Beschwerdeantwort: Arbeit in Cabarets, tage- und
nächtelange Abwesenheit, Verweigerung von Intimitäten, ausserehelicher
Geschlechtsverkehr mit Folgen u.ä.). In seiner Eingabe an das Bundesgericht
beharrt der Beschwerdeführer darauf, die Beschwerdegegnerin habe nur eine
Scheinehe eingehen wollen, was durch ihr Verhalten während der nur wenige
Monate dauernden Ehe belegt werde (S. 11 ff.).
2.3.2 Dass die Ehe nur (noch) formell und ohne Aussicht auf Aufnahme bzw.
Wiederaufnahme einer ehelichen Gemeinschaft besteht, entzieht sich in der
Regel einem direkten Beweis und ist oft bloss auf Grund von Indizien
feststellbar, die in äusseren Gegebenheiten bestehen, aber auch innere
psychische Vorgänge (Ehewille) betreffen können. Die daherigen
Tatsachenfeststellungen müssen in rechtlicher Hinsicht den Schluss gestatten,
die Berufung auf die Ehe sei rechtsmissbräuchlich oder bezwecke die Umgehung
fremdenpolizeilicher Vorschriften (BGE 128 II 145 E. 2.3 S. 152). Der
Nachweis einer Scheinehe ist schwierig zu erbringen (Götz, Berner Kommentar,
1964, N. 14 zu aArt. 107 und N. 21 zu aArt. 120 ZGB; Knapp, Die
Bürgerrechtsehe, ZZW 1984 S. 277 ff., S. 280 f.). Es stellt sich die Frage,
ob das Bestehen des Ehewillens im Massnahmenverfahren überhaupt geklärt
werden kann, in dem nur die rasch greifbaren Beweismittel abgenommen werden
(z.B. Leuenberger, in: Praxiskommentar Scheidungsrecht, Basel 2000, N. 55 zu
Art. 137 ZGB); zur vergleichbaren Beurteilung der Scheidungsschuld ist das
Massnahmengericht nämlich regelmässig ausserstande (BGE 118 II 225 E. 2c/aa
S. 226). Auf der Grundlage der Vorbringen des Beschwerdeführers erscheint es
jedenfalls nicht als willkürlich, das Bestehen einer blossen Scheinehe zu
verneinen. An Indizien steht lediglich fest, dass die Ehe zwar nur kurz
gedauert hat, die Ehegatten sich jedoch bereits Jahre vor der Heirat gekannt
haben, und dass die Beschwerdegegnerin zwar eine aussereheliche sexuelle
Beziehung hatte, alle anderen Ehewidrigkeiten, namentlich eine gefühlsmässige
Abwendung vom Beschwerdeführer, jedoch nur auf dessen - zudem bestrittenen -
Behauptungen beruhen. Die Beweiswürdigung, eine Scheinehe und eine
rechtsmissbräuchliche Erhebung von Unterhaltsansprüchen sei nicht glaubhaft,
kann unter diesen Umständen nicht als willkürlich betrachtet werden (Art. 9
BV; BGE 129 I 8 E. 2.1 S. 9).

2.3.3 Unterhaltsbeiträge ganz oder teilweise zu verweigern, rechtfertigt sich
nicht schon wegen bloss ehewidrigem Verhalten. Dazu genügt auch sexuelle
Untreue nicht (BGE 127 III 65 E. 2b S. 67; Gloor/Spycher, Basler Kommentar,
2002, N. 37 zu Art. 125 ZGB), selbst wenn ein Kind aus der ausserehelichen
Beziehung hervorgegangen ist (Schwenzer, im zit. Praxiskommentar, N. 98 zu
Art. 125 ZGB). Mit Blick darauf hält die Rechtsanwendung der Willkürprüfung
stand (Art. 9 BV; BGE 128 I 177 E. 2.1 S. 182 und 273 E. 2.1 S. 275).

3.
Willkür erblickt der Beschwerdeführer ferner darin, dass das Obergericht eine
Arbeitspflicht der Beschwerdegegnerin verneint habe. Diese hätte während der
Schwangerschaft wie auch nach der Geburt ihrer Tochter sofort - nach Ablauf
des Beschäftigungsverbots - eine Erwerbstätigkeit aufnehmen können und
müssen.

3.1 Der Beschwerdeführer und das Obergericht (E. 2 S. 6 f.) gehen einig, dass
mit einer Wiederaufnahme des gemeinsamen Haushalts nicht mehr ernsthaft zu
rechnen ist und die Parteien unausweichlich die Scheidung ihrer Ehe
anstreben. Unter diesen Umständen sind für die Beantwortung der Frage, ob
eine Erwerbstätigkeit wieder aufzunehmen oder auszudehnen ist, die für den
nachehelichen Unterhalt geltenden Kriterien (Art. 125 ZGB) mit einzubeziehen
(BGE 128 III 65 Nr. 12, für Eheschutzmassnahmen gemäss Art. 176 Abs. 1 Ziffer
1 ZGB; Urteil des Bundesgerichts 5P.189/2002 vom 17. Juli 2002, E. 2,
zusammengefasst in: FamPra.ch 2002 S. 836, für vorsorgliche Massnahmen gemäss
Art. 137 ZGB).

3.2 Das Obergericht hat festgestellt, der Beschwerdegegnerin sei von ihrem
Arbeitgeber am 23. Juli 2002 fristlos gekündigt worden. Seit dem 1. September
2002 beziehe sie Sozialhilfe. Es sei damit erstellt, dass die
Beschwerdegegnerin zur Zeit über kein Erwerbseinkommen verfüge. Ein
hypothetisches Einkommen müsse verneint werden, zumal es der
Beschwerdegegnerin zur Zeit auf Grund ihrer Schwangerschaft unmöglich sein
dürfte, im Gastgewerbe eine neue Anstellung zu finden (E. 4b S. 9 f.).
Entgegen der Darstellung des Beschwerdeführers geht es nicht darum, dass
während der Schwangerschaft gearbeitet werden kann und dass im Gastgewerbe
ein grosser Bedarf an Arbeitskräften besteht, sondern um die Frage, ob es der
im dritten Monat schwangeren Beschwerdegegnerin nach der Kündigung
tatsächlich möglich gewesen wäre, im Gastgewerbe eine neue Anstellung zu
finden (BGE 128 III 4 E. 4a S. 5). Die Frage durfte unter
Willkürgesichtspunkten verneint werden. Zum einen ist die Arbeit im Service
körperlich anstrengend, so dass die Durchführung des Arbeitsvertrags mit
einer Schwangeren unmöglich sein kann (vgl. das Urteil des Bundesgerichts vom
19. Januar 1983, in: JAR 1984 S. 95 f.). Zum anderen bedeutet der
arbeitsrechtliche Schutz bei Schwangerschaft - z.B. Lohnfortzahlungspflicht
(Art. 324a Abs. 3 OR), Kündigungsverbot (Art. 336c Abs. 1 lit. c OR) und
Einschränkungen in der Beschäftigung (Art. 35 ff. des Arbeitsgesetzes, SR
822.11) - eine finanzielle Belastung des Arbeitgebers, die eine Anstellung
bei bestehender Schwangerschaft erfahrungsgemäss erschwert (vgl. etwa die
Botschaft zum Gleichstellungsgesetz, BBl. 1993 I 1248, S. 1296).

3.3 Die Betreuung ihres Kindes dürfte die Beschwerdegegnerin zumindest in der
ersten Zeit nach der Geburt an der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit hindern
(vgl. BGE 115 II 6 E. 3c S. 10; 128 III 65 E. 4a S. 68). Der Beschwerdeführer
anerkennt dies dem Grundsatze nach, macht aber geltend, die verminderte
Leistungsfähigkeit sei hier unbeachtlich, weil es sich um ein aussereheliches
Kind handle. Das Obergericht hat gegenteilig entschieden und ist damit nicht
in Willkür verfallen. Beitragsleistungen des Beschwerdeführers an das
angeblich aussereheliche Kind der Beschwerdegegnerin stehen hier nicht zur
Diskussion. Es stellt sich vielmehr die Frage, ob der Beschwerdeführer
indirekt die - durch die Geburt des Kindes eingetretene - Beeinträchtigung
der Beschwerdegegnerin in ihrer Leistungsfähigkeit auszugleichen hat. Die
Antwort ist in der Lehre umstritten, wie der Beschwerdeführer durch seinen
Hinweis belegt, doch hat das Bundesgericht eine indirekte Beistandspflicht
bejaht, die in Ausnahmefällen auch zur Folge haben kann, dass der Ehegatte
des untreuen Ehepartners eine Erwerbstätigkeit aufnehmen oder eine bestehende
Erwerbstätigkeit ausdehnen muss (BGE 127 III 68 E. 3 S. 71 ff.). Unter
Hinweis darauf hat das Bundesgericht mit - zur Veröffentlichung bestimmtem -
Urteil vom 22. Mai 2003 (5P.470/2002) in einem Eheschutzverfahren
entschieden, es sei nicht willkürlich, den Ehemann für eine gewisse
Übergangszeit zu Unterhaltsleistungen an die Ehefrau zu verpflichten, die
durch die Geburt eines ausserehelich gezeugten Kindes an der Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit gehindert werde (E. 2.2). Im beurteilten Fall war eine
Übergangsfrist von vier Monaten unter Willkürgesichtspunkten nicht zu
beanstanden. Dasselbe kann auch vorliegend gelten, wo es um die
Unterhaltspflicht für die nur kurze Dauer des Scheidungsverfahrens gegangen
ist. Da sich das Obergericht an die bundesgerichtliche Rechtsprechung
gehalten hat, kann von Willkür keine Rede sein (Art. 9 BV; BGE 118 Ia 8 E. 2c
S. 13; 119 II 426 E. 2b S. 429).

4.
Eventualiter erhebt der Beschwerdeführer auch Rügen gegen die
Berücksichtigung allfälliger Ansprüche, die der Beschwerdegegnerin aus der
Kündigung des Arbeitsvertrags zustehen sollen. Das Obergericht hat
diesbezüglich ein bedingtes Leistungsurteil gefällt und die
Beschwerdegegnerin dazu verpflichtet, allfällige Lohnzahlungen oder
Versicherungsleistungen teilweise an den Beschwerdeführer zu bezahlen (E. 4f
S. 11 f.). Vorweg ist festzuhalten, dass das Obergericht nicht angenommen
hat, wie der Beschwerdeführer behauptet, derartige Ansprüche würden die
Beschwerdegegnerin von einer eigenen Erwerbstätigkeit befreien. Das
Obergericht hat aus anderen Gründen dafürgehalten, die Beschwerdegegnerin
müsse sich zur Zeit kein Einkommen anrechnen lassen (E. 3 hiervor).

Der Beschwerdeführer rügt die obergerichtliche Feststellung als aktenwidrig,
dass zum heutigen Zeitpunkt völlig unbekannt sei, ob die Beschwerdegegnerin
von ihrem vormaligen Arbeitgeber einen Anspruch aus Arbeitsvertrag habe und
wie hoch dieser sei (E. 4b S. 10). Die vom Beschwerdeführer angegebenen
Stellen belegen indessen nichts Abweichendes. In der Klageantwort heisst es
dazu lediglich, dass die fristlose Kündigung ungerechtfertigt sei und
entsprechende Schritte eingeleitet worden seien (S. 7), und aus der
Beschwerdeschrift an das Obergericht ergibt sich kein Zugeständnis der
Beschwerdegegnerin, dass ihr Ersatzanspruch Fr. 40'000.-- betrage, sondern
lediglich, dass sie eine Forderung etwa in dieser Höhe im
arbeitsgerichtlichen Verfahren geltend machen wolle (S. 4). Die
Aktenwidrigkeitsrüge des Beschwerdeführers ist unbegründet.

Ob arbeitsvertragliche Ansprüche jemals zuerkannt werden und ob es zu einer
Ausgleichszahlung an den Beschwerdeführer kommen mag, ist unter den gegebenen
Umständen offen. Die obergerichtliche Anordnung einer in diesem Punkt
bedingten Zahlungspflicht der Beschwerdegegnerin erscheint deshalb nicht als
willkürlich. Nicht ersichtlich ist, was der Beschwerdeführer aus der
Subsidiarität der Sozialhilfeleistungen gegenüber seiner eherechtlichen
Unterhaltspflicht ableiten will. Die obergerichtliche Anordnung trägt auch
der Eventualität Rechnung, dass sich die Sozialhilfebehörden aus allfälligen
Lohn- oder Entschädigungsansprüchen für ihre Hilfeleistungen vorweg bezahlt
machen sollten.

5.
Die staatsrechtliche Beschwerde bleibt aus den dargelegten Gründen ohne
Erfolg. Der unterliegende Beschwerdeführer wird kostenpflichtig (Art. 156
Abs. 1 OG). Seinem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege kann entsprochen
werden (Art. 152 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die staatsrechtliche Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten
ist.

2.
Das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege wird
gutgeheissen, und Rechtsanwalt Martin Kuhn, Mellingerstrasse 1, Postfach
2078, 5402 Baden, wird als amtlicher Vertreter des Beschwerdeführers
bestellt.

3.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'500.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt,
indes vorläufig auf die Gerichtskasse genommen.

4.
Rechtsanwalt Martin Kuhn, Mellingerstrasse 1, Postfach 2078, 5402 Baden, wird
aus der Bundesgerichtskasse ein Honorar von Fr. 2'000.-- ausgerichtet.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau, 5.
Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 9. Juli 2003

Im Namen der II. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: