Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilabteilung 5P.209/2003
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5P.209/2003 /bnm

Urteil vom 9. September 2003
II. Zivilabteilung

Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichter Meyer, Marazzi,
Gerichtsschreiber von Roten.

S. ________,
Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt Reto Diggelmann, Neugasse
14, 9401 Rorschach,

gegen

W.________,
Beschwerdegegner,
Kantonsgericht St. Gallen, Einzelrichter für Rekurse im Personen-, Erb- und
Sachenrecht, Klosterhof 1, 9001 St. Gallen.

Art. 9 und Art. 29 Abs. 1 und 2 BV sowie Art. 6 EMRK (Amtsführung des
Willensvollstreckers),

Staatsrechtliche Beschwerde gegen den Entscheid des Kantonsgerichts St.
Gallen, Einzelrichter für Rekurse im Personen-, Erb- und Sachenrecht, vom 7.
April 2003.

Sachverhalt:

A.
W. ________ ist Willensvollstrecker in den Nachlässen seiner Eltern. Seine
Schwester und Miterbin S.________ beschwerte sich über die Amtsführung des
Willensvollstreckers mehrfach bei der zuständigen Aufsichtsbehörde und
verlangte dessen Abberufung. Das Amtsnotariat B.________ wies die Beschwerden
ab (Entscheid vom 11. Januar 2001). S.________ erneuerte ihre Begehren vor
dem Justiz- und Polizeidepartement des Kantons St. Gallen, das ihren Rekurs
wiederum abwies (Entscheid vom 23. August 2002).

B.
S.________ focht den Rekursentscheid vom 23. August 2002 beim Einzelrichter
des Kantonsgerichts St. Gallen an. Der Einzelrichter für Rekurse im
Personen-, Erb- und Sachenrecht beschränkte das Verfahren auf die
Eintretensfrage, ob Entscheide betreffend Aufsicht über den
Willensvollstrecker dem Rekurs an den Einzelrichter unterliegen (Schreiben
vom 11. September 2002). Innert angesetzter und erstreckter Frist liess sich
S.________ zur Zulässigkeit des Rekurses an den Einzelrichter vernehmen, ohne
weitere Anträge zu stellen (Eingabe vom 8. November 2002). Der Einzelrichter
trat auf den Rekurs nicht ein (Entscheid vom 7. April 2003). Nach Erhalt des
Nichteintretensentscheids stellte S.________ dem Einzelrichter einen Antrag
auf Prozessüberweisung an das Verwaltungsgericht. Der Einzelrichter wies den
Antrag ab (Einschreibebrief vom 20. Mai 2003).

C.
Mit staatsrechtlicher Beschwerde wegen formeller und materieller
Rechtsverweigerung (Art. 9 und Art. 29 Abs. 1 und 2 BV) und wegen Verletzung
von Art. 6 EMRK beantragt S.________ dem Bundesgericht, den
Nichteintretensentscheid des Einzelrichters aufzuheben, eventualiter den
Einzelrichter anzuweisen, den Prozess an das Verwaltungsgericht zu
überweisen, und subeventualiter den Kanton St. Gallen anzuweisen, eine
gerichtliche Beschwerdeinstanz zur Verfügung zu stellen. Es sind keine
Vernehmlassungen eingeholt worden.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Die staatsrechtliche Beschwerde ist kassatorischer Natur. Es kann
grundsätzlich nur die Aufhebung des angefochtenen Entscheids verlangt werden,
so dass positive Anordnungen auch in Form von Eventualanträgen in der Regel
unzulässig sind. Weiter wurde diesbezüglich der kantonale Instanzenzug nicht
ausgeschöpft (Art. 86 Abs. 1 OG; vgl. dazu Haefliger/Schürmann, Die
Europäische Menschenrechtskonvention und die Schweiz, 2. Aufl., Bern 1999, S.
372 f.). Die Beschwerdeführerin hat nämlich weder in ihrem Rekurs an den
Einzelrichter noch in ihrer Eingabe zur Frage der Zulässigkeit des
eingereichten Rechtsmittels - wo es sich nachgerade aufgedrängt hätte -
entsprechende Anträge gestellt. Schliesslich hat der Einzelrichter nach
Abschluss des Rekursverfahrens die Frage einer Prozessüberweisung geprüft und
mit Einschreibebrief vom 20. Mai 2003 die Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts verneint. Diesen Entscheid hat die Beschwerdeführerin
nicht angefochten. Sie stellt heute insbesondere keinen formellen
Beschwerdeantrag, die Abweisung ihres Antrags auf Prozessüberweisung
aufzuheben (Art. 90 Abs. 1 lit. a OG). Auf die Eventualanträge, dem
Einzelrichter bzw. dem Kanton Anweisungen zu erteilen, kann damit nicht
eingetreten werden.

2.
Unter dem Titel "Administrative Behörden und Verfahren" regelt das kantonale
Einführungsgesetz zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch (sGS 911.1, EGzZGB) in
den Art. 2-10 die Zuständigkeit von Verwaltungsbehörden im Zivilrecht und in
den Art. 11-14 das entsprechende Verfahren und den Rechtsschutz. Strittig
ist, ob gegen Entscheide der Aufsichtsbehörde über den Willensvollstrecker
der Rekurs an den Einzelrichter des Kantonsgerichts gegeben ist.
Im Rahmen der vorliegenden staatsrechtlichen Beschwerde kann das
Bundesgericht die Anwendung und Auslegung des kantonalen Rechts nur unter dem
Gesichtswinkel der Willkür prüfen (Art. 9 BV; vgl. zum Begriff allgemein: BGE
128 I 177 E. 2.1 S. 182; 117 Ia 97 E. 5b S. 106). Eine kantonale Behörde
verfällt nicht in Willkür, wenn sie sich an den klaren und unzweideutigen
Wortlaut einer Gesetzesbestimmung hält (z.B. BGE 125 I 161 E. 3c S. 164).
Umgekehrt darf sie ohne Willkür vom Gesetzeswortlaut abweichen, wenn triftige
Gründe dafür bestehen, dass er nicht den wahren Sinn der Bestimmung
wiedergibt. Solche Gründe können sich aus der Entstehungsgeschichte, aus Sinn
und Zweck der Vorschrift und aus dem Zusammenhang mit anderen
Gesetzesbestimmungen ergeben (BGE 87 I 10 E. 3 S. 16 und die seitherige
Rechtsprechung).

Die Beschwerdeführerin unterstreicht die hervorragende Stellung der
historischen Betrachtungsweise, weil der Inhalt der auszulegenden
organisatorischen Vorschriften weit weniger der Änderung der
gesellschaftlichen Vorstellungen unterworfen sei als der Inhalt
materiellrechtlicher Normen (unter Verweis auf BGE 128 I 34 E. 3b S. 41). Der
Grundsatz ist bei der Auslegung organisatorischer Normen auf Verfassungsstufe
richtig, für die er aufgestellt worden ist (BGE 112 Ia 208 E. 2a S. 213; 128
I 327 E. 2.1 S. 330). Die Auslegung des Prozessrechts folgt hingegen den
allgemeinen Regeln (BGE 122 I 253 E. 6a S. 254), so dass keinem der
Auslegungselemente eine vorrangige Bedeutung zukommt (BGE 127 III 318 E. 2b
S. 323 und 415 E. 2 S. 416). Aus Sinn und Zweck des Prozessrechts ergibt sich
lediglich, dass im Zweifel eine Auslegung zu bevorzugen ist, die die
Durchsetzung des materiellen Rechts erleichtert und die es dem Gericht
ermöglicht, auf einfachstem und kürzestem Weg zu einem der materiellen
Rechtslage entsprechenden Urteil zu gelangen (Guldener, Schweizerisches
Zivilprozessrecht, 3. Aufl., Zürich 1979, S. 52 f.).

3.
Nach Art. 12 EGzZGB entscheidet das zuständige Departement über Rekurse und
Beschwerden gegen Verfügungen und Entscheide des Gemeindeammanns, des
Gemeinderates, der Vormundschaftsbehörde und des Amtsnotariates, soweit
dieses Gesetz keine abweichenden Vorschriften enthält (Abs. 1). Gegen
Verfügungen und Entscheide des zuständigen Departementes ist zulässig die
Berufung an das Kantonsgericht für Streitigkeiten betreffend Entstehung und
Wirkungen des Kindesverhältnisses sowie damit zusammenhängende
vormundschaftsrechtliche Massnahmen (Abs. 2 lit. a) und der Rekurs an den
Einzelrichter des Kantonsgerichtes in den übrigen Fällen (Abs. 2 lit. b).

Dem Verfahren liegt ein Entscheid des Amtsnotariats zugrunde, über den das
Departement als Beschwerdeinstanz entschieden hat. Den Departementsentscheid
hat die Beschwerdeführerin mit Rekurs beim Einzelrichter angefochten. Ihre
Behauptung, der Rekurs sei das zulässige Rechtsmittel, hat den Wortlaut von
Art. 12 EGzZGB für sich. Das Abweichen vom Gesetzestext muss sich deshalb auf
triftige Gründe stützen können, soll es nicht willkürlich sein (E. 2). Diese
Frage ist hiernach zu prüfen (E. 4-6).

Dass sich das Departement an den Wortlaut von Art. 12 EGzZGB gehalten hat und
in seiner Rechtsmittelbelehrung auf den Rekurs an den Einzelrichter verwiesen
hat, ist für die Beurteilung der Zulässigkeit des Rekurses nicht
entscheidend. Zum einen vermag eine allenfalls irrtümliche
Rechtsmittelbelehrung der Beschwerdeführerin nicht zu einem in der
Rechtsordnung nicht vorgesehenen Rechtsmittel zu verhelfen (BGE 92 I 73 E. 2a
S. 77; 129 III 88 E. 2.1 S. 89; 129 IV 197 E. 1.5 S. 200/201). Zum anderen
ist der Einzelrichter befugt, von Amtes wegen die formellen
Gültigkeitsvoraussetzungen zu prüfen, insbesondere auch die Frage, ob die
Vorinstanz zu Recht auf die Beschwerde eingetreten ist. Dass das Departement
seine eigene Zuständigkeit auf Art. 12 Abs. 1 EGzZGB gestützt hat, bindet den
Einzelrichter deshalb nicht (BGE 104 Ib 275 E. 2 S. 278; 128 V 89 E. 2a). Die
gegenteilige Auffassung der Beschwerdeführerin in diesen beiden Punkten
trifft nicht zu.

4.
Sein Abweichen vom Gesetzeswortlaut hat der Einzelrichter auf die
Gesetzessystematik gestützt. Unter der Marginalie "Verfahren und
Rechtsschutz" werden in Art. 11 EGzZGB die Bestimmungen des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, VRP) für anwendbar erklärt, soweit
eidgenössische Erlasse oder dieses Gesetz nicht abweichende Vorschriften
enthalten. In Übereinstimmung mit dem Grundsatz in Art. 43bis VRP sieht Art.
12 Abs. 1 EGzZGB - abweichende Vorschriften vorbehalten - die Weiterziehung
von Verfügungen und Entscheiden der unteren Verwaltungsbehörden an das
Departement vor. Gegen Entscheide des Departements ist - von Ausnahmen
abgesehen - die Beschwerde an das Verwaltungsgericht zulässig (Art. 59bis
VRP), soweit nicht eidgenössische Erlasse oder kantonale Gesetze abweichende
Vorschriften enthalten (Art. 2 Abs. 1 VRP). Eine solche Abweichung findet
sich in Art. 12 Abs. 2 EGzZGB, wonach Verfügungen und Entscheide des
Departementes in bestimmten, hier nicht interessierenden Fällen der Berufung
an das Kantonsgericht (lit. a) und in allen übrigen Fällen dem Rekurs an den
Einzelrichter unterliegen (lit. b). Schliesslich sind in Art. 13 EGzZGB die
Beschwerden gegen den Erbschaftsverwalter und den Willensvollstrecker
geregelt, die beim Amtsnotariat erhoben werden können.

Allein von der Gesetzessystematik her kann eine Sonderregelung der Beschwerde
gegen den Willensvollstrecker unter Willkürgesichtspunkten bejaht werden,
zumal Art. 13 EGzZGB nicht in den allgemeinen Beschwerdeweg über das
Departement an das Kantonsgericht oder den Einzelrichter gemäss Art. 12 EGZGB
integriert ist. Es fällt zudem auf, dass sich in den Bestimmungen über die
Zuständigkeit (Art. 2-10 EGzZGB) weder für den Willensvollstrecker noch für
den Erbschaftsverwalter oder den Erbenvertreter eine ausdrückliche Regelung
darüber findet, welche Verwaltungsbehörde sie beaufsichtigt, obwohl die
Aufsicht - jedenfalls in krassen Fällen von Pflichtverletzungen - von Amtes
wegen und nicht bloss auf Beschwerde hin wahrgenommen wird (Basler Kommentar,
2003: Karrer, N. 98 zu Art. 518, N. 62 zu Art. 554 und N. 23 zu Art. 595
sowie Schaufelberger, N. 51 zu Art. 602 ZGB). Im Gegensatz zu anderen
Rechtsbereichen (z.B. Stiftungsaufsicht, Aufsicht in Familien- und
Grundbuchsachen) ergibt sich die Zuständigkeit des Amtsnotariats direkt aus
der Beschwerdezuständigkeit, was auch als Hervorhebung des besonderen
Charakters der Regelung angesehen werden kann.

Aus dem Zusammenhang mit anderen Gesetzesbestimmungen durfte der
Einzelrichter insoweit willkürfrei den Schluss ziehen, dass für die
Willensvollstreckerbeschwerde eine Spezialregelung vorliegt.

5.
Die Beschwerdeführerin will die Stellung von Art. 13 EGzZGB im Gesetz von der
Entstehungsgeschichte her erklären. Mit dem IV. Nachtragsgesetz zum EGzZGB
vom 20. Juni 1974 wurden die bisherigen Art. 11-14 (Marginalie
"Rechtsmittel") umgestaltet, indem Art. 11 für das Verfahren neu auf die
Bestimmungen des VRP verwies und Art. 13 neu die Beschwerde gegen den
Erbschaftsverwalter und den Willensvollstrecker regelte, die bisher als Fall
der aufgehobenen Rechtsverweigerungsbeschwerde erfasst war (aArt. 14).
Rekursinstanz blieb für alle Verfügungen und Entscheide allerdings wie bis
anhin der Regierungsrat (Art. 12 und Art. 13; nGS 9, 671). Erst mit dem VII.
Nachtragsgesetz zum EGzZGB vom 11. Januar 1996 wurde diese
Rechtsmittelordnung geändert. Während Art. 12 die Beschwerde an das
Departement und anschliessend die Berufung an das Kantonsgericht oder den
Rekurs an den Einzelrichter vorsieht, hat Art. 13 insoweit geändert, als die
Weiterziehung von Entscheiden über Beschwerden gegen den Erbschaftsverwalter
und den Willensvoll-strecker an den Regierungsrat ersatzlos weggefallen ist.

Auf die Darstellung der Entstehungsgeschichte zur heutigen Regelung im
angefochtenen Entscheid (E. 2c S. 6 ff.) und in der Beschwerdeschrift (S. 7
ff.) kann verwiesen werden. Für den Standpunkt der Beschwerdeführerin spricht
der erläuternde Bericht des Departements, in dem darauf hingewiesen wird,
dass nach Art. 12 und Art. 13 EGzZGB neu das zuständige Departement und das
Kantonsgericht als Rechtsmittelinstanzen in Zivilsachen vorgesehen seien. An
den von der Beschwerdeführerin zitierten Stellen der übrigen Materialien
finden sich dagegen keine klaren Anhaltspunkte dafür, dass der Gesetzgeber
die letztinstanzliche Überprüfung von Aufsichtsentscheiden gemäss Art. 13
EGzZGB durch den Einzelrichter gewollt hat. Die Botschaft erwähnt - von der
Beschwerdeführerin unwidersprochen - nicht mehr, dass das in Art. 12 EGzZGB
neu vorgesehene Rechtsmittelverfahren auch für den Entscheid über die
Willensvollstreckerbeschwerde gelten soll. In der grossrätlichen Kommission
wie auch im Parlament wurde die neu vorgeschlagene Rechtsmittelordnung zwar
diskutiert, aber ohne dass auf die Willensvollstreckerbeschwerde ausdrücklich
Bezug genommen worden wäre. Die Beschwerdeführerin kann sich denn auch nur
auf eine bloss sinngemässe Bestätigung ihres Standpunkts durch die
Materialien berufen.

Auf Grund der Entstehungsgeschichte vermag die Beschwerdeführerin nicht
zwingend darzutun, dass der Gesetzgeber mit Art. 12 EGzZGB eine allgemeine
Rechtsmittelnorm schaffen wollte, die sämtliche Sachverhalte, insbesondere
die in Art. 13 EGzZGB vorgesehenen Entscheide über
Willensvollstreckerbeschwerden erfasst. Unter dem Blickwinkel der Willkür
kann umgekehrt die Ansicht des Einzelrichters nicht beanstandet werden, dass
es sich bei der Willensvollstrecker-beschwerde - wie bis anhin - um ein
eigenes, separates Verfahren handelt. Wenn der Gesetzgeber einen eindeutigen
Willen im Sinne der Beschwerdeführerin gehabt haben sollte, drängte sich
zudem die Frage auf, weshalb er die Aufsicht über den Willensvollstrecker
nicht in den Bestimmungen über die Zuständigkeit der Verwaltungsbehörden
geregelt hat (Art. 2-10 EGzZGB). Diesfalls hätte Art. 13 EGzZGB ersatzlos
gestrichen werden können und bestünden keine Zweifel, dass Entscheide über
Beschwerden gegen den Willensvollstrecker an das Departement und
anschliessend an den Einzelrichter weitergezogen werden können.

6.
In Berücksichtigung von Sinn und Zweck der Regelung hat der Einzelrichter
dafürgehalten, dass Art. 12 EGzZGB eingeführt worden sei, um die
Anforderungen von Art. 6 Ziff. 1 EMRK zu erfüllen, wonach zivilrechtliche
Ansprüche und Verpflichtungen ohne Einschränkung zumindest letztinstanzlich
durch ein Gericht zu beurteilen seien. Nach Auffassung der Beschwerdeführerin
hat die Gesetzesrevision auch andere Beweggründe gehabt. Sie bestreitet
jedoch nicht, dass es ein Anliegen des kantonalen Gesetzgebers war, die
Regelung den Vorgaben der EMRK anzupassen.
Die Zuständigkeit von Verwaltungsbehörden im Zivilrecht kann unter dem
Blickwinkel von Art. 6 Ziff. 1 EMRK zu Problemen führen. Nach dieser
Bestimmung hat jedermann Anspruch darauf, dass seine Sache unter anderem von
einem unabhängigen und unparteiischen, auf Gesetz beruhenden Gericht gehört
wird, d.h. dass zivilrechtliche Ansprüche und Verpflichtungen oder eine gegen
die betroffene Person erhobene strafrechtliche Anklage durch ein Gericht in
tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend überprüft werden. Die
Begriffe der zivilrechtlichen Streitigkeit und der strafrechtlichen Anklage
sind staatsvertragsautonom und damit unabhängig vom innerstaatlichen Recht
auszulegen. Das Kantonsgericht weist mit Grund darauf hin, dass das
Aufsichtsverfahren kein zivilprozessuales Erkenntnisverfahren zur Regelung
von Zivilrechtsstreitigkeiten, sondern ein verwaltungsrechtliches
Untersuchungsverfahren ist. Die Aufsichtsbehörde ist nur zuständig, das
formelle Vorgehen des Willensvollstreckers und die Angemessenheit seiner
Massregeln oder einer ihm vorgeworfenen Unterlassung oder Verschleppung zu
überprüfen. Das Zivilgericht bleibt demgegenüber allein zuständig für die
Entscheidung aller zivilrechtlichen Rechtsfragen zwischen den privaten
Parteien (Karrer, N. 98 zu Art. 518 und N. 22 zu Art. 595 ZGB). Insofern
werden im Aufsichtsverfahren keine zivilrechtlichen Ansprüche und
Verpflichtungen behandelt (vgl. dazu Villiger, Probleme der Anwendung von
Art. 6 Abs. 1 EMRK auf verwaltungs- und sozialgerichtliche Verfahren, AJP
1995 S. 164 f. mit Hinweisen). Dagegen kann das Aufsichtsverfahren einen
disziplinarischen Aspekt haben. Es fallen nämlich als Aufsichtsmittel nicht
nur präventive Massnahmen, wie Empfehlungen, Weisungen oder auch die
Absetzung, sondern auch disziplinarische Massregeln, wie ein Verweis, eine
Ermahnung oder auch eine Absetzung in Betracht (Karrer, N. 102 ff. zu Art.
518 und N. 28 ff. zu Art. 595 ZGB). In diesem Zusammenhang stellt sich die
Frage, ob es sich bei Aufsichts- bzw. Disziplinarbeschwerden um
strafrechtliche Anklagen handelt, für die Art. 6 Ziff. 1 EMRK anwendbar ist.
Nach der Lehre und Rechtsprechung gilt diese Konventionsbestimmung
grundsätzlich nicht für Disziplinarverfahren (Villiger, Handbuch der
Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK), 2. Aufl., Zürich 1999, N. 400
S. 254; Frowein/Peukert, Europäische Menschenrechtskonvention,
EMRK-Kommentar, 2. Aufl., Kehl am Rhein 1996, N. 35 zu Art. 6 EMRK; Herzog,
Art. 6 EMRK und kantonale Verwaltungsrechtspflege, Diss. Bern 1995, S. 34 f.
und S. 202 ff., je mit zahlreichen Hinweisen). Da weder das
Aufsichtsverfahren im Allgemeinen noch das Disziplinarverfahren im Besonderen
im Regelfall zivilrechtliche Ansprüche oder eine strafrechtliche Anklage
betreffen, durfte das Obergericht ohne Willkür annehmen, im Verfahren der
Willensvollstreckerbeschwerde erfordere der Sinn und Zweck von Art. 12 und
Art. 13 EGzZGB, nämlich das kantonale Verfahren in Übereinstimmung mit Art. 6
EMRK zu bringen, nicht zwingend eine gerichtliche Überprüfung durch den
Einzelrichter. Dies schliesst nicht aus, dass ausnahmsweise gleichwohl Art. 6
EMRK anwendbar ist, dann nämlich, wenn die Aufsichtssache die Intensität
einer "strafrechtlichen Anklage" annimmt. Dies kann vorab der Fall sein, wenn
es - wie hier - um die Absetzung des Willensvollstreckers geht. In diesem
Fall stellt sich auch die Frage, ob das Mandat des Willensvollstreckers und
damit ein Zivilrecht zur Diskussion steht (vgl. Breitschmid, in: AJP 1996 S.
82 ff., S. 87; D. Piotet, Ergänzendes kantonales Recht, SPR I/2, Basel, 2001,
N. 93 S. 26; Kley-Struller, Kantonales Privatrecht, St. Gallen 1992, S. 49
und S. 51).

Ob vorliegend die Aufsicht über den Willensvollstrecker von Art. 6 Ziff. 1
EMRK erfasst wird, kann indessen dahingestellt bleiben. Die
Beschwerdeführerin hat weder den Entscheid des Departements in der
vorliegenden Beschwerdesache an das Verwaltungsgericht weitergezogen noch die
Ablehnung ihres Antrags an den Einzelrichter, den Prozess an das
Verwaltungsgericht zu überweisen, mit staatsrechtlicher Beschwerde
angefochten. Es bleibt damit offen, ob vorliegend eine
verwaltungsgerichtliche Überprüfung zur Verfügung steht. Denn unter dem
Blickwinkel von Art. 6 Ziff. 1 EMRK ist nicht entscheidend, ob ein Zivil-
oder Verwaltungsgericht urteilt, solange es sich um ein Gericht mit freier
Prüfungsbefugnis handelt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 5P.345/2000 vom 23.
November 2000, E. 2b, betreffend die Eröffnung letztwilliger Verfügungen nach
EGzZGB/SG).

7.
Insgesamt erweist sich die Auslegung des Einzelrichters aus keinem der
Gründe, die die Beschwerdeführerin angeführt hat, als willkürlich. Die
staatsrechtliche Beschwerde bleibt ohne Erfolg. Die Beschwerdeführerin wird
damit kostenpflichtig (Art. 156 Abs. 1 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die staatsrechtliche Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten
werden kann.

2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht St. Gallen,
Einzelrichter für Rekurse im Personen-, Erb- und Sachenrecht, schriftlich
mitgeteilt.

Lausanne, 9. September 2003

Im Namen der II. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: