Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilabteilung 5P.322/2003
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5P.322/2003 /rov

Sitzung vom 18. Dezember 2003
II. Zivilabteilung

Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichterin Nordmann, Ersatzrichter Hasenböhler,
Gerichtsschreiber Gysel.

Z. ________,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Advokat Dr. Jonas Schweighauser,

gegen

Y.________,
Beschwerdegegner,
vertreten durch Advokat lic. iur. Daniel Levy,
Kantonsgericht Basel-Landschaft (Abteilung Zivil- und Strafrecht),
Bahnhofplatz 16/II, Postfach, 4410 Liestal.

Art. 9 BV etc. (vorsorgliche Massnahmen im Scheidungsprozess; Obhut über die
Kinder),

Staatsrechtliche Beschwerde gegen den Beschluss des Kantonsgerichts
Basel-Landschaft (Abteilung Zivil- und Strafrecht) vom 5. August 2003.

Sachverhalt:

A.
Zwischen den Eheleuten Y.________ und Z.________ ist beim Bezirksgericht
Gelterkinden ein Ehescheidungsverfahren hängig. Im Rahmen vorsorglicher
Massnahmen verfügte der Bezirksgerichtspräsident am 17. August 1999 unter
anderem, dass ihre beiden Kinder X.________, geboren am 25. Juni 1996, und
W.________, geboren am 13. Mai 1998, unter die Obhut der Mutter gestellt
würden und Y.________ ein Besuchsrecht von wöchentlich anderthalb Tagen
eingeräumt werde. Gleichzeitig wurde der Kinder- und Jugendpsychiatrische
Dienst des Kantons Basel-Landschaft (KJPD) beauftragt, die
Kinderzuteilungsfrage und den persönlichen Kontakt zwischen Eltern und
Kindern sowohl für die Dauer des Verfahrens als auch für die Zeit nach einer
allfälligen Scheidung zu begutachten.

In seinem Gutachten vom 22. September 2000 empfahl der KJPD, die Kinder unter
die Obhut der Mutter zu stellen und diese dazu anzuhalten, dem Vater eine
Betreuung der Kinder zu 50 % einzuräumen.

In Abänderung seines Entscheids vom 17. August 1999 verfügte der
Gerichtspräsident am 28. November 2000, dass die Kinder zur alternierenden
Ausübung der Obhut beiden Eltern anvertraut würden und eine
Erziehungsbeistandschaft errichtet werde.

Unter Berufung auf einen Bericht des Erziehungsbeistandes vom 22. Juni 2001,
wonach die Bemühungen zur Behebung des Konflikts der beiden Elternteile über
die Aufteilung der Obhut als gescheitert zu betrachten seien, änderte der
Bezirksgerichtspräsident die Massnahmenverfügung am 5. Juli 2001 ein weiteres
Mal ab; er stellte die Kinder unter die ausschliessliche Obhut des Vaters und
räumte Z.________ ein Besuchs-und Ferienrecht ein.

B.
B.aGegen diese Verfügung erhob Z.________ beim Obergericht (heute
Kantonsgericht) des Kantons Basel-Landschaft Beschwerde und verlangte, die
Kinder mit sofortiger Wirkung unter ihre Obhut zu stellen und dem Vater ein
angemessenes Besuchsrecht zu gewähren. Mit Verfügung des
Obergerichtspräsidiums vom 14. August 2001 wurde der Beschwerde aufschiebende
Wirkung zuerkannt und bei der Kinder- und Jugendpsychiatrischen
Universitätsklinik und -Poliklinik Basel (KJUP) ein neues Gutachten in
Auftrag gegeben.
Die Fachpersonen empfahlen in ihrem am 26. Februar 2002 erstatteten Bericht,
die Kinder - bei einem möglichst grosszügig ausgestalteten Besuchsrecht der
Eltern - in einem Heim unterzubringen.

Mit Beschluss vom 17. Juni 2002 hiess das Kantonsgericht Basel-Landschaft
(Abteilung Zivil- und Strafrecht) die Beschwerde von Z.________ gut und wies
die Sache zu neuer Beurteilung unter Berücksichtigung des Gutachtens vom 26.
Februar 2002 an das Bezirksgericht zurück.

Auf die von Y.________ dagegen eingereichte staatsrechtliche Beschwerde trat
die erkennende Kammer nicht ein (5P.290/2002; Urteil vom 17. September 2002).

B.b Ebenfalls am 17. September 2002 verfügte die Bezirksgerichtspräsidentin
von Gelterkinden, dass die Kinder einstweilen unter der Obhut der Mutter
verblieben und Y.________ ein Besuchs- und Ferienrecht eingeräumt werde.

Ein Begehren Y.________s, die Obhut über die beiden Kinder auf ihn
umzuteilen, wies die Bezirksgerichtspräsidentin am 2. April 2003 ab; sie
stellte ausdrücklich fest, die Kinder verblieben in der Obhut der Mutter.

Y. ________ führte gegen diesen Entscheid Beschwerde an das Kantonsgericht
Basel-Landschaft, das am 5. August 2003 beschloss, seinen Antrag auf
Umteilung der Obhut über die Kinder an ihn abzuweisen. Gleichzeitig entzog es
Z.________ die Obhut und ordnete an, die beiden Kinder in einem Heim zu
platzieren, verbunden mit der Anweisung an die Heimleitung, über die Besuchs-
und Ferienregelung zu entscheiden. Ausserdem beschloss das Kantonsgericht,
dass spätestens in einem Jahr eine Neuevaluation durchzuführen und in
ungefähr sechs Monaten mit der erneuten Abklärung der Kinder zu beginnen sei.

C.
Z.________ führt staatsrechtliche Beschwerde wegen Verletzung der Art. 9, 29
und 30 BV sowie der Art. 9 und 12 der UNO-Kinderrechtekonvention (SR 0.107)
und verlangt die Aufhebung des kantonsgerichtlichen Entscheids vom 5. August
2003. Ausserdem hat sie darum ersucht, der Beschwerde aufschiebende Wirkung
zuzuerkennen.

Durch Verfügung des Präsidenten der erkennenden Abteilung vom 9. September
2003 ist die am 8. September 2003 superprovisorisch angeordnete Erteilung der
aufschiebenden Wirkung widerrufen worden. Mit einer weiteren
Präsidialverfügung vom 29. September 2003 wurde das Gesuch um Zuerkennung der
aufschiebenden Wirkung abgewiesen.

Das Kantonsgericht und der Beschwerdegegner schliessen beide auf Abweisung
der Beschwerde.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Gegen (letztinstanzliche) Entscheide über den Erlass vorsorglicher Massnahmen
im Ehescheidungsverfahren ist nach ständiger Praxis die staatsrechtliche
Beschwerde gegeben (BGE 126 III 261 E. 1 S. 263 mit Hinweisen). Aus dieser
Sicht ist auf die vorliegende Beschwerde demnach ohne weiteres einzutreten.

2.
2.1 Die Beschwerdeführerin erhebt zunächst den Vorwurf der Verletzung ihres
Anspruchs auf rechtliches Gehör. Zur Begründung dieser Rüge bringt sie vor,
die Gerichtspräsidentin habe in der erstinstanzlichen Verhandlung vom 20.
März 2003 klar zum Ausdruck gebracht, dass sie die Kinder nicht in ein Heim
einweisen werde. Sie habe auch nicht damit rechnen müssen, die zweite Instanz
werde eine Heimeinweisung anordnen, zumal das Kantonsgericht anfangs 2002,
dem Zeitpunkt der Erstattung des Gutachtens durch das KJUP, von einem solchen
Entscheid, der in seiner Zuständigkeit gelegen hätte, abgesehen habe und sich
die Verhältnisse für die Kinder seither sogar noch verbessert hätten. Die
Beschwerdeführerin ist der Ansicht, das Kantonsgericht hätte ihr unter den
dargelegten Umständen vor einem Entzug der Obhut über die Kinder die
Möglichkeit einräumen müssen, sich zur Empfehlung der Heimeinweisung zu
äussern, ergänzende Beweisanträge zu stellen oder weitere Beweise dafür
beizubringen, dass sich die Lage für die Kinder entspannt habe. Zu einer
solchen Stellungnahme sei sie jedoch nie aufgefordert worden.

2.2
Aus dem Protokoll der bezirksgerichtlichen Verhandlung vom 20. März 2003 ist
ersichtlich, dass die Gerichtspräsidentin die Parteien zu den Empfehlungen im
Gutachten der KJUP und mithin auch zum Vorschlag der Heimeinweisung befragt
hat und sich damals beide Elternteile zu einer Fremdplatzierung der Kinder
auch geäussert haben. In der im zweitinstanzlichen Verfahren eingereichten
Beschwerdeantwort vom 2. Mai 2003 ist die Beschwerdeführerin ebenfalls auf
die Heimplatzierung der Kinder zu sprechen gekommen. Sie hat sich also vor
beiden Instanzen zu diesem Thema äussern können und hat es auch getan. Ihre
Argumentation, sie habe nicht mit einer plötzlichen Heimeinweisung durch das
Kantonsgericht rechnen müssen, verfängt nicht. Auch wenn die erstinstanzliche
Richterin von einer Heimeinweisung abgesehen hatte, so durfte die
Beschwerdeführerin bzw. ihr Anwalt schon angesichts der in Kinderbelangen
unbeschränkt geltenden Untersuchungsmaxime nicht einfach davon ausgehen, die
zweite Instanz werde gleich entscheiden wie die erste. Nachdem der
Beschwerdegegner im kantonalen Beschwerdeverfahren die Obhut über die Kinder
für sich beansprucht hatte, hatte das Kantonsgericht zu prüfen, ob die erste
Instanz in willkürlicher Weise vom Gutachten der KJUP abgewichen sei. Damit
war die in diesem Gutachten wie übrigens auch im Ergänzungsbericht vom 5.
November 2002 empfohlene Heimeinweisung auch im zweitinstanzlichen Verfahren
thematisiert. Unter den angeführten Umständen durfte von der
Beschwerdeführerin erwartet werden, dass sie sich ohne besondere Aufforderung
durch das Kantonsgericht zu einer solchen äussere. Von einer Verletzung ihres
Gehörsanspruchs kann deshalb keine Rede sein.

3.
Sodann beanstandet die Beschwerdeführerin, dass das Kantonsgericht die beiden
Kinder zur Frage der Heimeinweisung nicht angehört hat. Es habe mit dieser
Unterlassung sowohl gegen Art. 144 Abs. 2 (in Verbindung mit Art. 137 Abs. 2)
ZGB und Art. 314 Abs. 1 ZGB als auch gegen die Art. 9 und 12 der
UNO-Kinderrechtekonvention verstossen. Die Beschwerdeführerin geht selbst
davon aus, dass die beiden Bestimmungen der UNO-Kinderrechtekonvention in
ihrem Gehalt nicht über Art. 144 (Abs. 2) ZGB hinausgehen. Da sich die
Anhörungspflicht jedoch unmittelbar auch aus Staatsvertragsrecht ergibt (dazu
BGE 124 III 90 E. 3a S. 91 f.), unterliegt die strittige Frage der freien
Überprüfung durch das Bundesgericht (BGE 119 II 380 E. 3b S. 382 f.).
3.1 Wie Art. 314 Ziff. 1 ZGB bezüglich Kindesschutzmassnahmen im Allgemeinen
sieht Art. 144 Abs. 2 ZGB für den Fall der Scheidung der Eltern vor, dass
Kinder in geeigneter Weise durch das Gericht oder durch eine beauftragte
Drittperson persönlich zu den sie betreffenden Anordnungen angehört werden,
soweit nicht ihr Alter oder andere gewichtige Gründe dagegen sprechen. Die
Bestimmung gilt auf Grund ihres Zwecks auch im Verfahren über vorsorgliche
Massnahmen für die Dauer des Scheidungsprozesses (Thomas Sutter/Dieter
Freiburghaus, Kommentar zum neuen Scheidungsrecht, Zürich 1999, N 6 zu Art.
144 ZGB; zum Zweck der Anhörung vgl. Verena Bräm, Die Anhörung des Kindes aus
rechtlicher Sicht, in: SJZ 95/1999, S. 310 f.).

Über das Alter, ab welchem ein Kind anzuhören ist, gehen die Meinungen stark
auseinander. Gewisse Autoren erachten eine Anhörung bereits ab einem Alter
von vier bis fünf Jahren, mit andern Worten dem Kindergartenalter, für
möglich (vgl. Peter Breitschmid, Kind und Scheidung der Elternehe, in: Das
neue Scheidungsrecht, 1999, S. 123 f.; Alexandra Rumo-Jungo, Die Anhörung des
Kindes, in: AJP 1999, S. 1582; Thomas Schütt, Die Anhörung des Kindes im
Scheidungsverfahren, Diss. Zürich 2002, S. 71). Andere bemerken, die
sprachliche Differenzierungs- und Abstraktionsfähigkeit als grundlegende
Voraussetzung für die Anhörung sei erst ab einem Alter von ungefähr elf
Jahren entwickelt (so Heinrich Nufer, Die Kommunikationssituation bei der
Anhörung von Kindern, in: SJZ 95/1999, S. 317; Wilhelm Felder/ Heinrich
Nufer, Richtlinien für die Anhörung des Kindes aus
kinderpsychologischer/kinderpsychiatrischer Sicht gemäss Art. 12 der
UNO-Konvention über die Rechte des Kindes, in: SJZ 95/1999, S. 318 f.), oder
halten dafür, dass eine Anhörung jedenfalls vor dem siebten Altersjahr im
Allgemeinen wenig sinnvoll sei (so Ruth Reusser, Die Stellung des Kindes im
neuen Scheidungsrecht, in: Vom alten zum neuen Scheidungsrecht, 1999, Rz
4.79; Heinz Hausheer, Die wesentlichen Neuerungen des neuen Scheidungsrechts,
in: ZBJV 135/1999, S. 29). Wegleitend ist auf alle Fälle stets, ob das
betroffene Kind altersmässig und von seiner Entwicklung her in der Lage ist,
eine stabile Absichtserklärung abzugeben (BGE 122 III 401 E. 3b S. 403). Die
richterliche Anhörung des Kindes ist zu unterlassen, wenn sie beim Kind zu
einer Beeinträchtigung der Gesundheit oder des seelischen Gleichgewichts
führen könnte (Schütt, a.a.O., S. 72; Sutter/Freiburghaus, a.a.O., N 39 zu
Art. 144 ZGB). Schliesslich kann der Richter im Einzelfall vor allem dann auf
die eigene Anhörung verzichten, wenn das Kind bereits im Rahmen einer
Begutachtung befragt wurde und nach den gesamten Umständen nicht zu erwarten
ist, dass sich zusätzliche Erkenntnisse ergeben würden (dazu BGE 127 III 295
E. 2b S. 297), oder auf jeden Fall der erhoffte Nutzen in keinem vernünftigen
Verhältnis zu der durch eine Befragung verursachten Belastung des Kindes
stünde (vgl. Patrizia Levante, Die Wahrung der Kindesinteressen im
Scheidungsverfahren - die Vertretung des Kindes im Besonderen, Diss. St.
Gallen 2000, S. 44). Das Bestreben, das Wohl eines Kindes nicht unnötig durch
wiederholtes Befragen zu beeinträchtigen, kommt beispielsweise auch in Art.
10c Abs. 1 des Opferhilfegesetzes (OHG; SR 312.5) zum Ausdruck, wonach das
Kind als Opfer einer Straftat während des ganzen Verfahrens in der Regel
nicht mehr als zweimal einvernommen werden darf.

3.2 Die beiden Kinder der Parteien sind in die Begutachtungen durch den KJPD
des Kantons Basel-Landschaft und die KJUP Basel einbezogen und dabei
beobachtet und zum Teil auch befragt worden. Dem Kantonsgericht standen neben
den schriftlichen Berichten der Fachpersonen auch Videoaufnahmen zur
Verfügung. Wie die Gutachter und Gutachterinnen in den Berichten der KJUP
festgehalten haben, werden die Kinder von dem durch die chronischen
Auseinandersetzungen zwischen den Eltern verursachten Loyalitätskonflikt
psychisch stark belastet. Im Zeitpunkt der Hängigkeit des kantonalen
Beschwerdeverfahrens waren die Tochter X.________ sieben und der Sohn
W.________ sogar erst fünf Jahre alt. Wenn das Kantonsgericht davon abgesehen
hat, die ohnehin noch recht kleinen Kinder auch selbst anzuhören und dadurch
von neuem mit dem elterlichen Konflikt zu konfrontieren und den für sie damit
verbundenen Loyalitätskonflikt wachzurufen, hat es Art. 144 Abs. 2 ZGB nicht
verletzt.

4.
Die Beschwerdeführerin wirft dem Kantonsgericht schliesslich in verschiedener
Hinsicht einen Verstoss gegen das Willkürverbot vor.

4.1 Willkür im Sinne von Art. 9 BV liegt nach ständiger Rechtsprechung nicht
schon dann vor, wenn eine andere Lösung als die beanstandete ebenfalls
vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen wäre. Das Bundesgericht hebt einen
kantonalen Entscheid wegen materieller Rechtsverweigerung nur dann auf, wenn
er offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen Situation in klarem
Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass
verletzt oder sonst wie in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken
zuwiderläuft (dazu BGE 129 I 8 E. 2.1 S. 9 mit Hinweisen). Wegen
willkürlicher Feststellung von Tatsachen greift das Bundesgericht nur ein,
wenn jene offensichtlich unhaltbar ist, d.h. mit der tatsächlichen Situation
in klarem Widerspruch steht, auf einem offenkundigen Versehen beruht oder
sich sachlich in keiner Weise rechtfertigen lässt (BGE 120 Ia 31 E. 4b S. 40
mit Hinweisen). Von Willkür ist in diesem Bereich insbesondere dann zu
sprechen, wenn der Sachrichter einseitig einzelne Beweise berücksichtigt, auf
ein Gutachten abstellt, obschon gewichtige, zuverlässig begründete Tatsachen
oder Indizien dessen Überzeugungskraft ernstlich erschüttern, oder aus dem
Ergebnis des Beweisverfahrens voreilige Schlüsse zieht (BGE 129 I 8 E. 2.1 S.
9; 118 Ia 28 E. 1b S. 30). Die Aufhebung eines kantonalen Entscheids
rechtfertigt sich in jedem Fall nur dort, wo nicht nur die Begründung,
sondern auch das Ergebnis unhaltbar ist (BGE 129 I 49 E. 4 S. 58; 128 I 81 E.
2 S. 86 mit Hinweis).
Art. 90 Abs. 1 lit. b OG verlangt die Darlegung, inwiefern verfassungsmässige
Rechte und Rechtssätze verletzt worden seien, was appellatorische Kritik, wie
sie allenfalls im Rahmen eines Berufungsverfahrens zulässig ist, ausschliesst
(BGE 128 I 295 E. 7a S. 312; 117 Ia 10 E. 4b S. 11 f.). Wird Willkür gerügt,
ist klar und detailliert aufzuzeigen, inwiefern der kantonale Entscheid
qualifiziert unrichtig sein soll (BGE 122 I 70 E. 1c S. 73 mit Hinweisen;
vgl. auch BGE 129 I 185 E. 1.6 S. 189 mit weiteren Hinweisen).

4.2 Willkür und zugleich eine Verletzung von Art. 30 BV wegen
Kompetenzüberschreitung wirft die Beschwerdeführerin dem Kantonsgericht
deshalb vor, weil es den wohlbegründeten Entscheid der erstinstanzlichen
Richterin einfach aufgehoben und an die Stelle deren Ermessens sein eigenes
gesetzt habe, obschon ihm nur eine Willkürkognition zugekommen sei. Es mag
dahin gestellt bleiben, ob die Beschwerdebegründung in diesem Punkt nicht
bloss appellatorischer Natur ist und den gesetzlichen Anforderungen somit
überhaupt genügt. Die Rüge ist auf jeden Fall unbegründet: Das Kantonsgericht
hat den erstinstanzlichen Entscheid mit der Begründung aufgehoben, es sei
darin von den Empfehlungen der Fachpersonen nur gerade mit dem Argument
abgewichen worden, dass sich zwischenzeitlich die Lage der Kinder etwas
entspannt haben könnte. Wie die Bezirksgerichtspräsidentin selbst festhalte,
bestehe die chronische Konfliktsituation unter den Parteien jedoch noch
immer. Es liege daher kein triftiger Grund vor, vom Gutachten abzuweichen.
Wenn das Kantonsgericht den bezirksgerichtlichen Entscheid als willkürlich im
Sinne von § 233 Abs. 1 lit. c der basel-landschaftlichen Zivilprozessordnung
(ZPO) betrachtet hat, hat es unter den dargelegten Umständen Art. 9 BV nicht
verletzt. Damit stösst die Rüge, die kantonale Instanz habe ihre
Kognitionsbefugnis überschritten und auf diese Weise Art. 30 BV missachtet,
ins Leere, so dass auf sie nicht näher eingegangen zu werden braucht.

4.3
4.3.1Die Beschwerdeführerin erblickt Willkür sodann auch darin, dass das
Kantonsgericht unterlassen habe, vor der Anordnung der Heimeinweisung die
aktuelle Situation für die Kinder, namentlich die Frage einer allfälligen
Gefährdung des Kindeswohls, zu überprüfen. Sie räumt ein, dass es sich im
Februar 2002, als die KJUP ihren Bericht erstattet habe, möglicherweise
gerechtfertigt hätte, im Sinne einer Krisenintervention die Obhut beiden
Elternteilen zu entziehen und die Kinder fremd zu platzieren. Bis zum August
2003 - dem Zeitpunkt, da das Kantonsgericht seinen Entscheid gefällt hat -
sei jedoch eine grundlegende Änderung der Verhältnisse eingetreten. Während
nämlich die Kinder bis Ende 2001 überhaupt keinen und anfangs 2002 höchstens
einen problembeladenen Kontakt zu ihrem Vater gehabt hätten, fänden seither
regelmässige und gute Begegnungen statt; die Kinder gingen gerne zum Vater.

4.3.2 Das Kantonsgericht hat seinen Entscheid nicht nur auf das Gutachten der
KJUP vom 26. Februar 2002 abgestützt, sondern auch auf den ergänzenden
Bericht dieser Stelle vom 5. November 2002, worin an der Empfehlung, die
Kinder in einem Heim unterzubringen, festgehalten worden ist. Der
Ergänzungsbericht wurde etwas mehr als acht Monate nach dem Gutachten
erstattet und war im Zeitpunkt der Fällung des angefochtenen Beschlusses neun
Monate alt. Das Vorbringen der Beschwerdeführerin, im
psychiatrisch-psychologischen System sei die Entwicklung von Kindern in der
Regel jährlich zu überprüfen und das Kantonsgericht habe sich aus dieser
Sicht auf überholte Grundlagen berufen, stösst mithin ins Leere.

Wie aus den beiden Dokumenten der KJUP hervorgeht, waren für die Empfehlung
einer Heimeinweisung der chronische Konflikt, der zwischen den Parteien
bestehe, und die massive Belastung durch den Loyalitätskonflikt, der für die
Kinder daraus resultiere, ausschlaggebend, und nicht der gar nicht oder nur
schlecht funktionierende Vollzug des Besuchsrechts. Die Beschwerdeführerin
vermag nichts vorzubringen, was die Annahme, der von den Fachpersonen
festgehaltene Konflikt zwischen ihr und dem Beschwerdegegner habe im
Zeitpunkt der Fällung der Entscheide der kantonalen Instanzen nach wie vor
angedauert, als willkürlich erscheinen liesse.

Ist nach dem Gesagten davon auszugehen, dass, ungeachtet einer gewissen
Verbesserung beim Vollzug des väterlichen Besuchsrechts, der
Beziehungskonflikt unter den Parteien, der von den Fachpersonen als
Hauptgrund für ihre Empfehlung einer Heimeinweisung genannt wurde, nach wie
vor besteht, ist dem Vorwurf, das Kantonsgericht  habe den Sachverhalt nicht
genügend abgeklärt, die Grundlage entzogen.

4.4
4.4.1Als willkürlich bezeichnet die Beschwerdeführerin schliesslich die
Feststellung des Kantonsgerichts, die Fachpersonen hätten keine andere Lösung
vorschlagen können als die Platzierung der Kinder in ein Heim. Zur Begründung
weist sie auf den Ergänzungsbericht der KJUP hin, worin ausgeführt worden
sei, dass die Heimeinweisung sicher keine optimale Lösung bilde und im
Gutachten vom 26. Februar 2002 andere Möglichkeiten aufgezeigt worden seien.

4.4.2 Im Gutachten der KJUP vom 26. Februar 2002, auf das sich das
Kantonsgericht ausdrücklich beruft, wurde erklärt, dass eine Platzierung der
Kinder bei jedem Elternteil an sich nicht ausgeschlossen wäre. Indessen
wiesen die Fachpersonen darauf hin, dass durch die Zuteilung von Sorgerecht
und Obhut an einen von ihnen die ausserordentlich schwerwiegende, hochgradig
konfliktuelle Beziehung zwischen den Eltern und die sich daraus ergebende
Belastung für die Kinder nicht behoben werden könnten. Ausserdem legten sie
eingehend dar, was gegen eine Platzierung der Kinder beim Vater spreche und
was einer Obhutszuweisung an die Mutter entgegenstehe. In Würdigung der von
ihnen festgestellten Gegebenheiten gelangten die Fachpersonen zum Schluss,
dass die Fremdplatzierung der Kinder die beste Lösung darstelle. Im
Zusatzbericht vom 5. November 2002 haben sie an dieser Auffassung
festgehalten. Die von der Beschwerdeführerin beanstandete Feststellung des
Kantonsgerichts ist in Anbetracht der dargelegten Umstände in keiner Weise
willkürlich.

5.
Die Beschwerde ist nach dem Gesagten in allen Teilen abzuweisen.
Ausgangsgemäss ist die Gerichtsgebühr der Beschwerdeführerin aufzuerlegen
(Art. 156 Abs. 1 OG). Diese ist ausserdem zu verpflichten, den
Beschwerdegegner für seine Umtriebe im bundesgerichtlichen Verfahren zu
entschädigen (Art. 159 Abs. 2 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die staatsrechtliche Beschwerde wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Die Beschwerdeführerin wird verpflichtet, den Beschwerdegegner für seine
Umtriebe im bundesgerichtlichen Verfahren mit Fr. 3'000.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht Basel-Landschaft
(Abteilung Zivil- und Strafrecht) schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 18. Dezember 2003

Im Namen der II. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: