Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilabteilung 5P.371/2003
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5P.371/2003 /zga

Urteil vom 17. November 2003
II. Zivilabteilung

Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichter Meyer, Marazzi,
Gerichtsschreiber von Roten.

B. ________,
Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwältin Heike Canonica, Tüfwisweg
6, 8185 Winkel,

gegen

Verwaltungsgericht des Kantons Zug, Fürsorge-rechtliche Kammer, Postfach 760,
6301 Zug.

Art. 9 und Art. 29 BV (fürsorgerische Freiheitsentziehung,
Parteientschädigung im kantonalen Verfahren),

Staatsrechtliche Beschwerde gegen das Urteil
des Verwaltungsgerichts des Kantons Zug,
Fürsorgerechtliche Kammer, vom 5. September 2003.

Sachverhalt:

A.
B. ________ hielt sich vom 7. Januar bis 21. Februar 2003 freiwillig in der
psychiatrisch-psychotherapeutischen Klinik Meisenberg auf. Die Diagnose
lautete auf "mittelgradige depressive Episode". Im Rahmen einer
fürsorgerischen Freiheitsentziehung wurde sie am 18. August 2003 in die
Psychiatrische Klinik Oberwil eingewiesen. Die Ärzte diagnostizierten eine
"Bipolare affektive Störung, gegenwärtig manische Episode". B.________ erhob
gegen die Hospitalisierung Beschwerde (Postaufgabe am 19. August 2003). Sie
bevollmächtigte am 21. August 2003 ihre heutige Rechtsvertreterin, die mit
Schreiben vom gleichen Tag erneut die sofortige Entlassung ihrer Klientin
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen beantragte.

B.
Das Verwaltungsgericht des Kantons Zug hiess die Beschwerde von B.________
gut und hob die fürsorgerische Freiheitsentziehung auf (Dispositiv-Ziffer 1).
Es auferlegte keine Kosten (Dispositiv-Ziffer 2) und sprach keine
Parteientschädigung zu (Dispositiv-Ziffer 3 des Urteils vom 5. September
2003).

C.
Mit staatsrechtlicher Beschwerde wegen formeller und materieller
Rechtsverweigerung beantragt B.________, Dispositiv-Ziffer 3 des
verwaltungsgerichtlichen Urteils betreffend Parteientschädigung aufzuheben
und festzustellen, dass das Verfahren der Vorinstanz das
Superbeschleunigungsgebot gemäss Art. 5 Ziff. 4 EMRK verletze. Es sind die
Akten, aber keine Vernehmlassungen eingeholt worden.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Gemäss Art. 88 OG steht das Recht zur Beschwerdeführung Bürgern (Privaten)
und Korporationen bezüglich solcher Rechtsverletzungen zu, die sie durch
allgemein verbindliche oder sie persönlich treffende Erlasse oder Verfügungen
erlitten haben.

1.1 Nach der Rechtsprechung zu Art. 88 OG muss die Beschwerdeführerin ein
aktuelles praktisches Interesse an der Aufhebung des angefochtenen Entscheids
bzw. an der Überprüfung der von ihr erhobenen Rügen haben, damit auf die
Beschwerde eingetreten werden kann (BGE 127 III 41 E. 2b S. 42 und 429 E. 1b
S. 431). Von diesem Erfordernis sieht das Bundesgericht ab und lässt ein
bloss virtuelles Interesse genügen, wenn sich die mit der Beschwerde
aufgeworfene Frage jederzeit und unter gleichen oder ähnlichen Umständen
wieder stellen könnte, an ihrer Beantwortung wegen ihrer grundsätzlichen
Bedeutung ein hinreichendes öffentliches Interesse besteht und eine
rechtzeitige verfassungsgerichtliche Überprüfung im Einzelfall kaum je
möglich wäre (BGE 127 I 164 E. 1a S. 166).

1.2 Das Verwaltungsgericht hat die fürsorgerische Freiheitsentziehung
aufgehoben. Damit ist das aktuelle praktische Interesse an der Beurteilung
der in der Sache erhobenen Rügen entfallen.

Nach der Rechtsprechung fehlt es an den Voraussetzungen für die Annahme eines
bloss virtuellen Interesses bei der Mehrzahl der Beschwerden, mit denen die
Verfassungs- und Konventionswidrigkeit der Anordnung oder Erstreckung einer
inzwischen dahingefallenen Untersuchungshaft gerügt wird. Die damit
aufgeworfenen Fragen können sich in der Regel nicht mehr unter gleichen oder
ähnlichen Umständen stellen, und es ist vielmehr im Einzelfall das Vorliegen
von Haftgründen zu prüfen (BGE 125 I 394 E. 4b S. 397). Weitergehendes
gewährleistet im Übrigen selbst das Recht auf gerichtliche Haftkontrolle nach
Art. 5 Ziff. 4 EMRK nicht. Dieses Recht entfällt mit der unbedingten
Haftentlassung (Haefliger/Schürmann, Die Europäische Menschenrechtskonvention
und die Schweiz, 2.A. Bern 1999, S. 119; Frowein/Peukert, Europäische
Menschenrechtskonvention. EMRK-Kommentar, 2.A. Kehl am Rhein 1996, N. 133 zu
Art. 5 EMRK). Diese Grundsätze gelten auch im Bereich der fürsorgerischen
Freiheitsentziehung. Auf Beschwerden nach Aufhebung der Massnahme bzw.
Entlassung aus der Anstalt tritt das Bundesgericht in der Regel nicht ein
(BGE 109 Ia 169 Nr. 30; Urteil 5P.293/1996 vom 12. August 1996, E. 2, zum
Beschleunigungsgebot, und Urteil 5P.363/2002 vom 5. Dezember 2002, E. 1.2,
zur Verweigerung des rechtlichen Gehörs).

Dass die Bedingungen für eine Ausnahme erfüllt wären, wird in der
Beschwerdeschrift nicht dargelegt (Art. 88 i.V.m. Art. 90 Abs. 1 lit. b OG;
BGE 125 I 173 E. 1b S. 175; 120 Ia 227 E. 1 S. 229 und 369 E. 1a S. 371) und
ist nicht ersichtlich. Es hat sich hier um die erstmalige Anordnung einer
fürsorgerischen Freiheitsentziehung gehandelt, ohne dass Anhaltspunkte dafür
bestünden (Krankheitsbild u.ä.), es könnten unter gleichen oder ähnlichen
Umständen erneut Klinikeinweisungen in naher Zukunft notwendig werden (für
den umgekehrten Fall: Urteil 5P.103/1997 vom 7. Mai 1997, E. 2b). Auf die
staatsrechtliche Beschwerde kann deshalb nicht eingetreten werden, soweit
Rügen gegen das angefochtene Urteil in der Sache erhoben werden (vorab S. 8
f. Ziff. IV und S. 9 ff. Ziff. V der Beschwerdeschrift) und die Feststellung
beantragt wird, das verwaltungsgerichtliche Verfahren habe das
Beschleunigungsverbot verletzt (vgl. im Übrigen zur kassatorischen Natur der
staatsrechtlichen Beschwerde: BGE 124 I 327 E. 4 S. 332 ff.; 129 I 173 E. 1.5
S. 176).

1.3 Die Beschwerdelegitimation ist gegeben, was die Verweigerung der
Parteientschädigung für das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht anbetrifft
(BGE 117 Ia 251 E. 1b S. 255). Auf die staatsrechtliche Beschwerde mit dem
Antrag, die Dispositiv-Ziffer 3 des Urteils betreffend Parteientschädigung
aufzuheben, kann eingetreten werden.

2.
Das Bundesrecht regelt in den Art. 397a ff. ZGB die materiellen
Voraussetzungen der fürsorgerischen Freiheitsentziehung abschliessend,
während es für das Verfahren lediglich die zur Verwirklichung der materiellen
Bestimmungen unentbehrlichen Vorschriften aufstellt, und zwar in Art. 397e
ZGB für das ganze Verfahren und in Art. 397f ZGB für die gerichtliche
Beurteilung der fürsorgerischen Freiheitsentziehung. Namentlich im Bereich
des Verfahrens sind kantonale Ausführungsbestimmungen notwendig, und es
bleibt Raum für ergänzendes kantonales Recht. Dazu gehört die Regelung der
Kosten- und Entschädigungsfolgen im Verfahren der gerichtlichen Beurteilung
(vgl. BGE 122 I 18 E. 2b/aa S. 21/22 und E. 2e S. 34 f.).

Das kantonale Einführungsgesetz zum Bundesgesetz über die Änderung des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fürsorgerische Freiheitsentziehung) vom
28. Januar 1982 (BGS 213.11, EGzZGB) verweist für das Verfahren auf die
Bestimmungen des Gesetzes über den Rechtsschutz in Verwaltungssachen
(Verwaltungsrechtspflegegesetz) vom 1. April 1976 (BGS 162.1, VRG) und
erklärt das Verwaltungsgericht für zuständig, als einzige kantonale Instanz
eine Beschwerde gegen eine fürsorgerische Freiheitsentziehung oder die
Abweisung eines Entlassungsgesuchs zu beurteilen (§ 13 und § 14 EGzZGB; § 79a
VRG). In diesen Beschwerdefällen darf ein Kostenvorschuss nicht verlangt
werden und wird auf die Erhebung von Verfahrenskosten ganz oder teilweise
verzichtet, wenn die Beschwerde nicht mutwillig erfolgte (§ 79g VRG). Im
Übrigen sind die Vorschriften über die Verwaltungsgerichtsbeschwerde
sinngemäss anzuwenden (§ 79h VRG). Gemäss § 28 Abs. 2 VRG ist der ganz oder
teilweise obsiegenden Partei eine Parteientschädigung nach Massgabe ihres
Obsiegens zuzusprechen (Abs. 2), und zwar zu Lasten der unterliegenden
Partei, wenn Parteien mit gegensätzlichen Interessen beteiligt sind (Ziff.
1), bzw. zu Lasten des Gemeinwesens, wenn dessen Behörde als Vorinstanz einen
Verfahrensfehler oder eine offenbare Rechtsverletzung begangen hat (Ziff. 2).

In Anwendung von § 28 Abs. 2 VRG hat das Verwaltungsgericht ausgeführt, die
Klinikleitung habe obrigkeitlich gehandelt, indem sie die Entlassung der
Beschwerdeführerin abgelehnt habe. Sie sei damit eine Behörde des
Gemeinwesens und habe weder Verfahrensfehler noch offenbare
Rechtsverletzungen begangen (E. 5 S. 10). Die Begründung - in Verbindung mit
den Urteilserwägungen in der Sache - genügt den verfassungsrechtlichen
Anforderungen (Art. 29 Abs. 2 BV; BGE 129 I 232 E. 3.2 S. 236). Der
Begründung lässt sich entnehmen, wie das Verwaltungsgericht § 28 Abs. 2 VRG
ausgelegt hat (Anwendung von Ziff. 2 statt Ziff. 1), und die Erwägungen zur
Sache (E. 2-4 S. 3 ff.) machen deutlich, weshalb das Verwaltungsgericht keine
Verfahrens-fehler gesehen und zumindest eine offenbare Rechtsverletzung
verneint hat. Die Rüge der Verweigerung des rechtlichen Gehörs (S. 8 Ziff.
III der Beschwerdeschrift) ist daher unbegründet. Eine andere Frage ist, ob
das Urteil der Willkürprüfung standhält (E. 3 und 4) und wie es sich in
diesem Zusammenhang mit der Verfassungsmässigkeit der kantonalen Regelung
verhält (E. 4.1 hiernach).

3.
In § 28 Abs. 2 VRG werden voneinander unterschieden die Zusprechung einer
Parteientschädigung zu Lasten der Partei (Ziff. 1) und zu Lasten des
Gemeinwesens (Ziff. 2). Zu Lasten der Partei wird eine Entschädigung
zuerkannt, "wenn Parteien mit gegensätzlichen Interessen am Verfahren
beteiligt sind". Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Klinik sei im
Verfahren der fürsorgerischen Freiheitsentziehung Partei und nicht Behörde
des Gemeinwesens. Die gegen-teilige Annahme des Verwaltungsgerichts sei
willkürlich (S. 4 Ziff. II/2 der Beschwerdeschrift). Für die Beantwortung der
Streitfrage von vornherein nicht ausschlaggebend ist die Bezeichnung der
Klinik als "Beschwerdegegnerin" im Rubrum des angefochtenen Urteils. Denn
nach ausdrücklicher Gesetzesvorschrift gelten als Parteien auch "die
Behörden, deren Entscheid angefochten wird" (§ 5 VRG). Für die
Parteientschädigungspflicht entscheidend ist einzig, ob die Klinik als
private Gegenpartei (§ 28 Abs. 2 Ziff. 1 VRG: "Parteien mit gegensätzlichen
Interessen") oder als verfügende Behörde (§ 28 Abs. 2 Ziff. 2 VRG:
"Gemeinwesen") zu qualifizieren ist (vgl. dazu GVP-ZG 1981/82 S. 114 und S. 3
Ziff. II/1 der Beschwerdeschrift).
Die Beschwerdeführerin wurde von einem frei praktizierenden Arzt
notfallmässig in die Klinik eingewiesen, so dass die Klinik in den ersten
vier Wochen über das Verbleiben der Beschwerdeführerin daselbst zu
entscheiden hatte. Diese Zuständigkeiten für die Einweisung, wenn Gefahr im
Verzuge ist, und für die Entlassung aus der Klinik ergeben sich unstreitig
aus § 2 EGzZGB. Der Arzt, der eine notfallmässige Unterbringung anordnen
darf, erfüllt eine öffentliche Aufgabe und handelt in dem ihm übertragenen
Bereich hoheitlich (vgl. etwa D. Piotet, Ergänzendes kantonales Recht, SPR
I/2, Basel 2001, S. 136 N. 484). Dasselbe gilt für die Klinik, die die
fürsorgerische Freiheitsentziehung an der Beschwerdeführerin vollzogen hat
und sie zurückbehalten hat, obwohl ihr Zustand angeblich die Entlassung
erlaubt hätte und von der Klinik vorliegend hätte angeordnet werden können.
In Durchführung der fürsorgerischen Freiheitsentziehung hat die Klinik
öffentliche Aufgaben wahrgenommen (vgl. etwa Gross, Haftung für medizinische
Behandlung, Bern 1987, S. 257). Einweisung und Behandlung in der Klinik sind
insoweit nicht auf Grund privatrechtlicher Auftragsverhältnisse erfolgt. Die
damit befassten Ärzte haben vielmehr in amtlicher Eigenschaft und in
Verrichtung hoheitlicher Befugnisse gehandelt (BGE 118 II 254 E. 1b S. 257).

Auf die zitierten Autoren und das erwähnte Bundesgerichtsurteil lässt sich
die Ansicht stützen, die Klinik habe obrigkeitlich gehandelt und sei damit
als Behörde des Gemeinwesens zu qualifizieren. Hoheitliches Handeln schliesst
eine Zugehörigkeit zu den "Parteien mit gegensätzlichen Interessen" (§ 28
Abs. 2 Ziff. 1 VRG) aus. Bei dieser Rechtslage durfte das Verwaltungsgericht
§ 28 Abs. 2 Ziff. 2 VRG anwenden, ohne in Willkür zu verfallen (Art. 9 BV;
vgl. zum Begriff: BGE 128 III 4 E. 4b S. 7; 117 III 76 E. 7c S. 83 und 113
III 94 E. 10c S. 101/102).

4.
Gemäss § 28 Abs. 2 Ziff. 2 VRG ist eine Parteientschädigung an die ganz oder
teilweise obsiegende Partei zu Lasten des Gemeinwesens zuzusprechen, wenn
dessen Behörde als Vorinstanz einen Verfahrensfehler oder eine offenbare
Rechtsverletzung begangen hat. Die Auffassung des Verwaltungsgerichts, dass
der Klinik weder ein Verfahrensfehler noch eine offenbare Rechtsverletzung
vorwerfbar sein soll, rügt die Beschwerdeführerin als willkürlich (S. 5 ff.
Ziff. II/3-5 und S. 12 ff. Ziff. VII und VIII der Beschwerdeschrift). Sie
versucht ferner, die gesetzliche Regelung insgesamt als verfassungswidrig
darzustellen (S. 11 f. Ziff. VI der Beschwerdeschrift).

4.1 Mit § 28 Abs. 2 Ziff. 2 VRG wird die Entschädigungspflicht des
Gemeinwesens erheblich eingeschränkt, selbst wenn die Praxis die Begriffe
"Verfahrensfehler" und "offenbare Rechtsverletzung" nicht im Sinne besonderer
Willkür, Fahrlässigkeit oder Leichtfertigkeit versteht und selbst wenn eine
Parteientschädigung praxisgemäss nicht abgelehnt wird, wo deren Verweigerung
überaus stossend wäre (GVP-ZG 1995/96 S. 193; 1991/92 S. 345; 1985/1986 S.
195 und S. 205, jeweilen unter Hinweis auf Weiss, Verfahren der
Verwaltungsrechtspflege im Kanton Zug, Diss. Zürich 1983, S. 187). Eine
Ausnahme zu Gunsten des unterliegenden Gemeinwesens davon, der obsiegenden
Partei vorbehaltlos eine Prozessentschädigung zu bezahlen, erscheint eher
kleinlich (vgl. Bernet, Die Parteientschädigung in der schweizerischen
Verwaltungsrechtspflege, Diss. Zürich 1986, S. 104 ff.). Unmittelbar aus der
Verfassung ergibt sich für die obsiegende Partei indessen kein Anspruch auf
Parteientschädigung. Die Beschwerdeführerin weist die einschlägigen
Bundesgerichtsurteile selber nach, ohne dagegen Einwände zu erheben, die zu
einer Überprüfung dieser bis jüngst bestätigten Praxis Anlass geben könnten
(BGE 104 Ia 9 E. 1 S. 10; zuletzt: Urteile B 63/2002 vom 5. Februar 2003, E.
2.2, und 2P.76/2002 vom 11. Juli 2002, E. 2, in: Praxis 2002 Nr. 186 S. 999).
Im Übrigen lässt sich auch aus Art. 6 EMRK grundsätzlich kein Anspruch der
obsiegenden Partei auf Erstattung der Prozesskosten ableiten
(Frowein/Peukert, N. 63 zu Art. 6 EMRK, S. 206 bei Anm. 308). Unter diesen
Umständen kann es vorliegend allein um die Frage gehen, ob das
Verwaltungsgericht § 28 Abs. 2 Ziff. 2 VRG willkürlich angewendet hat (Art. 9
BV; vgl. zum Begriff: BGE 129 I 8 E. 2.1 S. 9).

4.2 Die Beschwerdeführerin lastet der Klinik mehrere Verfahrensfehler an. Im
Einzelnen ergibt die Willkürprüfung, was folgt:
4.2.1Gemäss Art. 397e Ziff. 1 ZGB muss der Betroffene über die Gründe der
Einweisung oder der Zurückbehaltung unterrichtet werden, und zwar
grundsätzlich sofort und in einer verständlichen Sprache. Die Vorschrift soll
es dem Betroffenen ermöglichen, die Rechtmässigkeit der Massnahme zu
beurteilen und die Massnahme gegebenenfalls sachgerecht anzufechten (vgl.
etwa Geiser, Basler Kommentar, 2002, N. 4 zu Art. 397e ZGB). Nach Angaben der
Beschwerdeführerin hat die Klinik sie lediglich mit einer medizinischen
Diagnose über die Gründe der Einweisung unterrichtet, die sie nicht
verstanden habe. Erst vier Tage nach der Einweisung sei sie durch ihre
Rechtsvertreterin umfassend informiert worden. Es trifft zu, dass die Klinik
verpflichtet ist, über die Gründe der Einweisung zu unterrichten (Spirig,
Zürcher Kommentar, 1995, N. 68 zu Art. 397e ZGB). Soll die Information ihren
Zweck erreichen, muss der Betroffene deren Inhalt verstehen können, was
naturgemäss auch vom Krankheitsbild abhängt (vgl. Spirig, N. 60 zu Art. 397e
ZGB). Nach der Darstellung des einweisenden Arztes befand sich die
Beschwerdeführerin bei der Einweisung in einem sehr verwirrten Zustand, und
die Klinikärzte schildern sie in jenem Zeitpunkt als stark zerfahren und
inkohärent, so dass ein geordnetes Gespräch nicht möglich gewesen sei (S. 4
des angefochtenen Urteils). In Anbetracht dessen erscheint es nicht als
willkürlich, dass die Klinik der Beschwerdeführerin in der ersten Phase
lediglich einen Zettel mit der medizinischen Diagnose abgegeben hat. Im
Übrigen durfte von einer späteren Information abgesehen werden, da die
Beschwerdeführerin wenig später schon in der Lage gewesen ist, die Beschwerde
zu erheben, die nachmals zum Erfolg geführt hat.

4.2.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Klinik habe bei ihr
Zwangsmassnahmen (Isolation) durchgeführt, ohne dass ihr die
Zwangsbehandlungsverfügungen vom 22. und 23. August 2003 ausgehändigt worden
wären. Auch eine Vorprüfung der Zwangsmassnahmen habe nicht stattgefunden.
Die angerufenen Vorschriften finden sich in § 37bis und in § 37ter des
Gesetzes über das Gesundheitswesen im Kanton Zug vom 21. Mai 1970 (BSG 821.1,
GG). Danach hat das Dokument über die Anordnung einer Zwangsmassnahme den
Hinweis zu enthalten, dass der Patient oder eine von ihm bezeichnete
Vertrauensperson den Richter anrufen kann und dass die Anordnung vom
Kantonsarzt überprüft wird (§ 37bis Abs. 2 GG). Nach ihren eigenen Angaben
hat die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin indessen bereits am 21.
August 2003 davon gewusst, dass die Beschwerdeführerin angeblich gegen ihren
Willen Medikamente einnehmen musste und im Isolationsbereich eingeschlossen
war. Sie hat damit über die notwendigen Informationen zu einer allfälligen
Anfechtung von Zwangsmassnahmen verfügt, ohne dass sie auf eine förmliche
Mitteilung in einem Anordnungsdokument gemäss § 37bis GG angewiesen gewesen
wäre. Es kommt hinzu, dass die mündliche Befragung durch das Gericht am 25.
August 2003 stattgefunden hat und dort die angeblichen Zwangsmassnahmen zur
Sprache gebracht werden konnten und - mit entsprechenden Anträgen - auch
beanstandet wurden (S. 9 ff. und S. 18 des Protokolls). Mit Blick auf die
zeitlichen Abläufe erscheint es nicht als willkürlich, dass die Dokumentation
der Klinik (noch) unvollständig gewesen und nicht sofort nachgeführt worden
ist. Desgleichen bleibt unerfindlich, weshalb sich der Kantonsarzt mit der
Zulässigkeit der Massnahme (§ 37ter GG) noch befassen soll, die bereits
Gegenstand des Beschwerdeverfahrens vor Verwaltungsgericht bildet. Der
Beschwerdeschrift lässt sich diesbezüglich nichts entnehmen (Art. 90 Abs. 1
lit. b OG).

4.2.3 Schliesslich behauptet die Beschwerdeführerin, die Klinik habe ihr
Recht auf Verteidigung im Sinne von Art. 6 Ziff. 3 lit. b und c EMRK
verletzt. Die angerufenen Verfahrensrechte betreffen unmittelbar den
strafrechtlich Angeklagten. Die Beschwerdeführerin legt nun aber nicht dar,
ob und inwieweit diese Garantien im Rahmen der Vollziehung einer
fürsorgerischen Freiheitsentziehung anwendbar sein sollen (Art. 90 Abs. 1
lit. b OG). Es ist zudem nicht ersichtlich und wird in der Beschwerdeschrift
ebenso wenig aufgezeigt, dass Art. 6 Ziff. 3 lit. b und c EMRK bereits
deswegen verletzt sein könnte, weil die Klinik die Telephonleitung der
Beschwerdeführerin - wegen Nichtbezahlens der Kosten - vorübergehend
unterbrochen und den Besuch ihrer Rechtsvertreterin vom 1. September 2003 -
aus medizinischen Gründen - auf zehn Minuten eingeschränkt haben soll (vgl.
etwa Frowein/Peukert, N. 183 zu Art. 6 EMRK). Von einer willkürlichen
Verneinung der behaupteten Verfahrensfehler kann insgesamt nicht ausgegangen
werden, womit dahingestellt bleiben kann, ob gewisse Vorbringen in der
Beschwerdeschrift als neu und unzulässig zu gelten hätten.

4.3 In verschiedenen Punkten rügt die Beschwerdeführerin offenbare
Rechtsverletzungen durch die Klinik. Unter dem eingeschränkten Blickwinkel
der Willkür ist dazu Folgendes zu sagen:
4.3.1Das unterliegende Gemeinwesen wird entschädigungspflichtig, wenn dessen
Behörde eine "offenbare" Rechtsverletzung begangen hat. Die blosse Tatsache,
dass eine Beschwerde gutgeheissen wird, bedeutet nicht zwingend, dass eine
"offenbare" Rechtsverletzung vorgelegen hat. Der Wortlaut von § 28 Abs. 2
Ziff. 2 VRG ist klar. Voraussetzung der Entschädigungspflicht ist nicht
einfach eine Rechtsverletzung, sondern eine "offenbare". Die Auslegung, dass
blosse Unrechtmässigkeit oder Gesetzeswidrigkeit nicht genügt, hält der
Willkürprüfung stand (GVP-ZG 1981/82 S. 116 unter Verweis auf ein
unveröffentlichtes Urteil des Bundesgerichts vom 29. April 1981).

4.3.2 Die Beschwerdeführerin rügt, die Klinik habe die Selbst- und/ oder
Fremdgefährung und die Notwendigkeit einer stationären Behandlung unrichtig
beurteilt. Das Verwaltungsgericht hat die beiden Fragen eingehend geprüft mit
dem Ergebnis, dass bei der Beschwerdeführerin weder eine akute erhebliche
Selbst- noch eine Fremdgefährung vorliege (E. 3 S. 5 ff.) und eine
Zurückbehaltung in der Klinik nicht mehr gerechtfertigt werden könne (E. 4 S.
7 ff.). Die ausführlichen Erwägungen belegen, dass von einer eindeutigen
Fehlbeurteilung durch die Klinik unter Willkürgesichtspunkten nicht
ausgegangen werden kann. Ein gewisses Selbstgefährdungspotenzial ist nach
Ansicht des Verwaltungsgerichts heute noch vorhanden (E. 4d S. 9), und das
festgestellte Verhalten der Beschwerdeführerin legt nahe, dass ein
Zurückbehalten in der Klinik nicht als offensichtlich falsch bezeichnet
werden kann (E. 3a S. 6 f.: Äusserung von Selbstmorddrohungen vor und während
des Klinikaufenthaltes, Versuch, sich mit einem T-Shirt zu erdrosseln,
Selbstverletzung am Handgelenk u.ä.). Dass die Umstände des konkreten
Einzelfalls auch anders gewürdigt werden können, belegt noch keine
"offenbare" Rechtsverletzung.

4.3.3 Schliesslich erblickt die Beschwerdeführerin eine gravierende
Rechtsverletzung in der Anordnung von Zwangsmassnahmen (hier: Isolation). Die
Beschwerde ist auch in diesem Punkt unbegründet. Gemäss § 37 GG darf die
Zwangsmassnahme der Isolation durch eine Arztperson und/oder durch
diplomierte Pflegepersonen im Rahmen fürsorgerischer Freiheitsentziehung
angeordnet werden (Abs. 1 und 2), wenn sie notwendig ist, um eine
unmittelbare und schwere Gefährdung des Lebens oder der Gesundheit des
Patienten abzuwenden beziehungsweise um eine akute schwerwiegende Störung des
Zusammenlebens zu beseitigen (Abs. 3). Der Einwand der Beschwerdeführerin mag
zutreffen, dass sich bei Verhaltensweisen während des Klinikaufenthalts
Ursache und Wirkung einer Isolation nicht immer genau unterscheiden lassen.
Entscheidend ist indessen der Gesundheitszustand zur Zeit der Einweisung, der
die Klinik zur Anordnung der Isolation bewogen hat. Danach soll sich die
Beschwerdeführerin in einer akuten Unruhe und extrem labilen Stimmungslage
mit Aggressivität, Weinen, Suiziddrohungen und keiner Krankheits- oder
Behandlungseinsicht befunden haben (vgl. E. 2b S. 3 f. des angefochtenen
Urteils). In Anbetracht dieses Krankheitsbildes erscheint es als vertretbar,
auch die Anordnung der Isolation nicht als "offenbare" Rechtsverletzung zu
qualifizieren. Damit kann offen bleiben, ob gewisse Vorbringen in der
Beschwerdeschrift als neu und unzulässig zu gelten hätten.

5.
Aus den dargelegten Gründen muss die staatsrechtliche Beschwerde abgewiesen
werden, soweit darauf eingetreten werden kann. Die Beschwerdeführerin wird
damit kostenpflichtig (Art. 156 Abs. 1 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die staatsrechtliche Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten
ist.

2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- wird der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird der Beschwerdeführerin und dem Verwaltungsgericht des
Kantons Zug, Fürsorgerechtliche Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 17. November 2003

Im Namen der II. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: