Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilabteilung 5P.47/2003
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5P.47/2003 /rov

Urteil vom 4. September 2003
II. Zivilabteilung

Bundesrichterin Nordmann, präsidierendes Mitglied,
Bundesrichter Meyer, Marazzi,
Gerichtsschreiber Schett.

Z. ________ AG,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Markus Hünig, Bahnhofstrasse 106, Postfach
7689, 8023 Zürich,

gegen

Y.________,
Beschwerdegegner,
Obergericht des Kantons Aargau, 2. Zivilkammer, Obere Vorstadt 38, 5000
Aarau.

Art. 9 und 29 BV (Persönlichkeitsverletzung),

Staatsrechtliche Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons
Aargau, 2. Zivilkammer, vom 14. November 2002.

Sachverhalt:

A.
Dem angefochtenen Urteil zufolge wurden über die Tätigkeit des Klägers
Y.________, der von 1975 bis Ende 1993 Gemeindeschreiber der Gemeinde
A.________ war, vor allem ab 1992 Gerüchte über Unregelmässigkeiten laut.
Darüber berichtete namentlich der X.________ (in der Folge in W.________ AG
umbenannt und schliesslich mit der Z.________ AG fusioniert) in verschiedenen
Zeitungsartikeln. Der Kläger verklagte die Zeitung ein erstes Mal Ende 1992
wegen des am 2. Juli 1992 unter dem Titel "Bin kein Schweinehund"
erschienenen Artikels, und ein zweites Mal im Jahre 1996 wegen weiterer ihm
missliebiger Zeitungsberichte; in diesem zweiten Verfahren stellte der Kläger
auch Genugtuungs- und Schadenersatzbegehren, die das Obergericht als
teilweise mit dem Prozessthema des ersten Verfahrens in Zusammenhang stehend
behandelt hat. Das erstgenannte Verfahren kam zu seinem Ende mit dem
bezirksgerichtlichen Urteil vom 13. Dezember 1994, worin festgestellt wurde,
dass der Zeitungsbericht vom 2. Juli 1992 die Persönlichkeit des Klägers
verletzt hatte. Im zweiten Verfahren hat das Bezirksgericht Baden die Klage
am 25. November 1999 vollumfänglich abgewiesen. Die dagegen gerichtete
Appellation des Klägers hat hingegen das Obergericht des Kantons Aargau am
14. November 2002 teilweise geschützt:
"1. a) In teilweiser Gutheissung der Appellation des Klägers wird das Urteil
des Bezirksgerichts Baden, 2. Abteilung, vom 25. November 1999 aufgehoben und
wie folgt neu gefasst:
"1.[...]
2.[...]
3.Die Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger Fr. 50'078.-- zuzüglich Zins zu
5 % seit 28. November 1995 zu bezahlen.
4.[...]
5.Die Gerichtskosten, bestehend aus einer Gerichtsgebühr von Fr. 10'000.--,
den Auslagen von Fr. 450.-- und der Kanzleigebühr von Fr. 2'620.--, insgesamt
Fr. 13'070.--, werden dem Kläger zu zwei Drittel mit Fr. 8'713.30 und der
Beklagten zu einem Drittel mit Fr. 4'356.70 auferlegt.
6.Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten deren Parteikosten im
richterlich genehmigten Umfang von Fr. 30'091.80 (inkl. MWSt von Fr.
1'836.60) zu einem Drittel mit Fr. 10'030.60 zu ersetzen."
b) [...]
2.Die obergerichtlichen Verfahrenskosten, bestehend aus einer Gerichtsgebühr
von Fr. 5'000.--, der Kanzleigebühr und den Auslagen von Fr. 1'000.--,
zusammen Fr. 6'000.--, werden dem Kläger zu zwei Drittel mit Fr. 4'000.-- und
der Beklagten zu einem Drittel mit Fr. 2'000.-- auferlegt.
3.Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten die zweitinstanzlichen
Parteikosten im richterlich genehmigten Betrag von Fr. 7'314.65 (inkl. Fr.
516.65 MWSt) zu einem Drittel mit Fr. 2'438.20 zu ersetzen."

B.
Gegen das obergerichtliche Urteil hat die Z.________ AG staatsrechtliche
Beschwerde eingereicht und beantragt, die Ziffern 1a)3, 1a)5 und 1a)6 sowie
die Ziffern 2 und 3 des angefochtenen Urteils aufzuheben, unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beschwerdegegners. Sie rügt eine
Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör, widersprüchliche
Tatsachenfeststellung und Willkür: Der angefochtene Entscheid sei
hinsichtlich des natürlichen und des adäquaten Zusammenhanges zwischen
schädigendem Ereignis und Schaden nicht nur ungenügend begründet, sondern
beruhe diesbezüglich auch auf willkürlichen Sachverhaltsfeststellungen.

Neben der vorliegenden staatsrechtlichen Beschwerde hat die Z.________ AG
auch Berufung wegen Verletzung zahlreicher Bundesrechtsnormen eingereicht.

C.
Mit Schreiben vom 26. Mai 2003 hat der Kläger und Beschwerdegegner
ausdrücklich die Abweisung der staatsrechtlichen Beschwerde beantragt und
dabei auf "die überzeugenden Erwägungen des angefochtenen Urteils des
Obergerichts des Kantons Aargau" verwiesen. Sein Schreiben ist allerdings
erst am 2. Juni 2003 beim Bundesgericht eingetroffen. Es ist weiter
ersichtlich, dass seine Antwort der italienischen Post am 27. Mai 2003
übergeben wurde: Es muss daraus geschlossen werden, dass sie unmöglicherweise
am darauf folgenden Tag - dem letzten Tag der Frist - der schweizerischen
Post übergeben worden sein kann. In Anwendung von Art. 32 Abs. 3 OG ist sie
somit als verspätet zu betrachten.

Das Obergericht hat auf eine Vernehmlassung verzichtet.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 In Anwendung von Art. 57 Abs. 5 OG ist die vorliegende staatsrechtliche
Beschwerde vor der gleichzeitig eingereichten eidgenössischen Berufung zu
entscheiden.

1.2 Vorweg wird darauf hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin die Aufhebung
lediglich jener Dispositiv-Ziffern des angefochtenen Entscheides beantragt,
welche die Zusprechung einer Schadenersatzsumme an den Kläger anordnen, bzw.
derselben folgend die Kosten- und Entschädigungsfolgen des erst- und
zweitinstanzlichen Gerichtsverfahrens regeln. Die Feststellung der teilweise
persönlichkeitsverletzenden Natur des Zeitungsberichtes vom 1. Juli 1993 ist
hingegen unangefochten geblieben. Weil die entsprechenden Dispositiv-Ziffern
auch nicht mit der parallel eingelegten eidgenössischen Berufung angefochten
worden sind, ist das obergerichtliche Urteil in diesen Punkten definitiv.

1.3 Die vorliegende staatsrechtliche Beschwerde, von einer direkt beschwerten
Partei gegen einen letztinstanzlichen kantonalen Entscheid rechtzeitig
eingelegt (Art. 86 OG), stützt sich auf die Verletzung verfassungsmässiger
Rechte, erhebt also Rügen, die durch kein anderes eidgenössisches
Rechtsmittel überprüft werden können. Sie ist deshalb unter allen
Gesichtspunkten zulässig.

2.
Das Bundesgericht untersucht nicht von Amtes wegen, ob ein kantonaler
Hoheitsakt verfassungswidrig ist, sondern prüft auf staatsrechtliche
Beschwerde hin nur rechtsgenügend vorgebrachte, klar erhobene und, soweit
möglich, belegte Rügen (Art. 90 Abs. 1 lit. b OG; BGE 110 Ia 1 E. 2a S. 3/4;
122 I 70 E. 1c S. 73, mit Hinweis). Der Grundsatz der richterlichen
Rechtsanwendung gilt im Bereich der Verfassungsbeschwerde nicht (BGE 125 I 71
E. 1c S. 76). Soweit der Beschwerdeführer der kantonalen Instanz vorwirft,
sie habe das Willkürverbot verletzt, genügt es nicht, wenn er einfach
behauptet, der angefochtene Entscheid sei willkürlich; bei der
Rechtsanwendungsrüge hat der Beschwerdeführer vielmehr die Rechtsnorm, die
qualifiziert unrichtig angewandt bzw. nicht angewandt worden sein soll, zu
bezeichnen und anhand der angefochtenen Subsumtion im Einzelnen zu zeigen,
inwiefern der Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen
Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen
Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem
Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft (zum Willkürbegriff: BGE 128 I 177 E. 2.1
S. 182; 127 I 54 E. 2b S. 56; 125 II 129 E. 5b S. 134, mit Hinweis). Die
letztgenannten Erfordernisse ergeben sich aus der Rechtsnatur der
staatsrechtlichen Beschwerde als ausserordentliches Rechtsmittel, welches
nicht das vorangegangene kantonale Verfahren weiterführt, sondern ein
selbständiges staatsgerichtliches Verfahren darstellt, das der Kontrolle
kantonaler Hoheitsakte unter dem spezifischen Aspekt ihrer
Verfassungsmässigkeit dient (BGE 117 Ia 395 E. 1c). Dem Bundesgericht ist es
demnach im staatsrechtlichen Beschwerdeverfahren verwehrt, generell die
Rechtmässigkeit oder gar die Angemessenheit eines angefochtenen Entscheides
zu überprüfen; es hat sich - wie auch im vorliegenden Fall - auf die Frage zu
beschränken, ob die in der Beschwerdeschrift als verletzt gerügten
verfassungsmässigen Rechte der Bürgerinnen oder Bürger gewahrt wurden oder
nicht (Urteil 1P.569/1992 vom 12. Januar 1993, E. 1c).

3.
3.1 Für die Beschwerdeführerin von entscheidender Bedeutung ist der Umstand,
dass das Aargauer Obergericht sich mit dem ersten bezirksgerichtlichen Urteil
vom 13. Dezember 1994 "in keiner Art und Weise" auseinander gesetzt habe. Das
Obergericht habe deshalb irrtümlich angenommen, das Bezirksgericht hätte den
Zeitungsbericht vom 2. Juli 1992 als Ganzes als persönlichkeitsverletztend
gewürdigt, wogegen nur der Titel beanstandet worden sei. Daraus habe es im
Hinblick auf den angefochtenen Entscheid wiederum irrtümlich den Schluss
gezogen, besagter Bericht stelle eine Teilursache für die Absage der
V.________ AG und somit für den eingeklagten Schaden dar. Diese unterbliebene
Auseinandersetzung mit dem bezirksgerichtlichen Urteil hat nach Meinung der
Beschwerdeführerin einerseits zur Folge, dass aus dem angefochtenen Entscheid
nicht ersichtlich wird, warum der fragliche Zeitungsbericht eine natürliche -
geschweige denn eine adäquate - Ursache für den geltend gemachten Schaden
sei; dies verstosse aber gegen die Begründungspflicht und somit letztlich
gegen den Anspruch auf rechtliches Gehör. Andererseits widerspreche die
Annahme des Obergerichtes, das Bezirksgericht hätte den Zeitungsbericht vom
2. Juli 1992 als Ganzes als persönlichkeitsverletztend gewürdigt, klar der
Wirklichkeit, weshalb Willkür vorliege.

3.2 Ob mit der Beschwerdeführerin gesagt werden kann, dass der angefochtene
Entscheid auf der willkürlichen Annahme beruhe, das Bezirksgericht hätte
seinerzeit den Zeitungsbericht vom 2. Juli 1992 als Ganzes als
persönlichkeitsverletztend gewürdigt, scheint zweifelhaft. Wenn man das
bezirksgerichtliche Urteil vom 13. Dezember 1994 liest, stellt man zunächst
fest, dass die Dispositiv-Ziffer 1 keine Unterscheidung zwischen Titel und
Inhalt macht. Aufgrund der einschlägigen Begründung wird jedoch ersichtlich,
dass das erstinstanzliche Gericht den Titel an sich als reisserisch gewürdigt
hat: Seiner Meinung nach beeinträchtige "ein solcher Titel die Objektivität
des Durchschnittslesers beim Lesen des nachfolgenden Textes [...]. Diese
Titelwahl, auch wenn sie in Anführungszeichen steht und wenn sie vom Kläger
selbst stammt, verletzt nicht für sich alleine, aber im Zusammenhang mit dem
nachfolgenden Text und insbesondere den Aussagen der Zitierten die
Persönlichkeit des Klägers. Der Durchschnittsleser wird nämlich den Text der
Geschichte und die Aussagen der Zitierten immer in Verbindung mit dem
'Schweinehund' setzen. Damit ist klar, dass dem Leser von Beginn weg die
Möglichkeit genommen wird, objektiv zu urteilen."
3.3 Obwohl diese Begründung viel mehr Fragen aufwirft, als sie solche
beantwortet, ist sie in Bezug auf den Titel insofern klar, als sie nicht
lediglich denselben für widerrechtlich erklärt: Vielmehr werden darin Titel
und Text dergestalt zusammenhängend betrachtet (vgl. auch die Überschrift der
entsprechenden Erwägung 1.2.: "Problematik der Gesamtbetrachtung,
insbesondere Titelwahl"), dass der Titel als Schlüssel für die Lektüre des
nachfolgenden Textes, als Brille für die Würdigung der im Text
wiedergegebenen - und als solchen nicht rechtswidrigen - Äusserungen
erscheint. Dem Erstrichter zufolge kann der Titel eben gerade nicht für sich
genommen, aus dem Kontext gerissen, gelesen werden.

Mithin erscheint vertretbar, wenn das Aargauer Obergericht davon ausgegangen
ist, dass die Frage der Rechtswidrigkeit des Zeitungsberichtes vom 2. Juli
1992 durch das bezirksgerichtliche Urteil vom 13. Dezember 1994 im von ihm
angenommenen Sinne definitiv entschieden worden war. Freilich wäre auch eine
andere Auslegung möglich gewesen: Zwar nicht die extreme, die die
Beschwerdeführerin vorschlägt, wohl aber eine solche, welche den einzelnen
Textpassagen ein grösseres, differenzierteres Gewicht beigemessen hätte. Aber
auch das Bezirksgericht Baden war in seinem - seitens der hiesigen
Beschwerdeführerin nicht weitergezogenen - Urteil vom 25. November 1999
ausdrücklich davon ausgegangen, dass der X._______-Artikel vom 2. Juli 1992
gemäss verbindlichem Entscheid vom 13. Dezember 1994 widerrechtlich war; und
dies spricht weiter dafür, dass der Schluss des Obergerichts nicht unhaltbar
war.

Die zweite erhobene Rüge, also jene der willkürlichen  Tatsachenfeststellung
hinsichtlich der Tragweite des bezirksgerichtlichen Urteils vom 13. Dezember
1994, kann im Ergebnis als solche nicht geschützt werden.

3.4 Eine ganz andere Frage ist hingegen, ob das Aargauer Obergericht in
nachvollziehbarer, dem Anspruch auf rechtliches Gehör genügender Weise
dargelegt hat, welche tatsächlichen Feststellungen und rechtlichen
Überlegungen es aus dem bezirksgerichtlichen Entscheid in sein Urteil
übernommen hat, und warum diese Feststellungen und Überlegungen zur
(teilweisen) Gutheissung der Klage führen mussten.

4.
4.1 Das rechtliche Gehör als persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht
verlangt, dass die Behörde die Vorbringen des vom Entscheid in seiner
Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft
prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt. Daraus folgt die
prinzipielle Pflicht der Behörden, ihren Entscheid zu begründen. Infolge
dieses allgemeinen verfassungsrechtlichen Anspruchs lassen sich allerdings
keine generellen Regeln aufstellen, denen eine Begründung zu genügen hätte.
Die Begründung eines Entscheides muss so abgefasst sein, dass der Betroffene
ihn gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Dies ist nur dann möglich,
wenn sowohl er wie auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des
Entscheides ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz
die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde leiten liess, und
auf welche sie ihren Entscheid stützte (BGE 112 Ia 107 E. 2b S. 109; 121 I
108 E. 3a S. 112; 124 I 241 E. 2 S. 242).

4.2 Es wurde bereits vorstehend (E. 3.2 und 3.3) darauf hingewiesen, dass die
erstinstanzliche Begründung für die Rechtswidrigkeit des Zeitungsartikels vom
2. Juli 1992 eine differenzierte und mehrdeutige war. War die
bezirksgerichtliche Begründung jedenfalls im Hinblick auf die damals
gestellten Begehren um Feststellung einer Persönlichkeitsverletzung
überzeugend, fragt sich nun, wie weit das Obergericht sie im Zusammenhang mit
dem später gestellten und ihm unterbreiteten Schadenersatzbegehren unkritisch
übernehmen durfte, bzw. ob das Obergericht im genannten, geänderten
Zusammenhang die verschiedenen Begründungselemente des früheren
bezirksgerichtlichen Urteils - allenfalls mit anderen Argumenten aus dem
unmittelbar angefochtenen Entscheid vom 25. November 1999 angereichert - mit
der gebotenen Sorgfalt differenziert gewürdigt und seine diesbezügliche
Meinung in nachvollziehbarer Weise dargelegt hat.

4.3
4.3.1Das Bezirksgericht Baden hat auf 2 ½ Seiten verschiedene tatbeständliche
Elemente gewürdigt, bevor es zum Schluss gelangt ist, dass der fragliche
Artikel im X.________ für die Absage durch die V.________ AG nicht ursächlich
war: Ausgehend vom Absageschreiben vom 17. August 1992 des Mehrheitsaktionärs
der V.________ AG, U.________, der daselbst auf das Gerede der Leute um den
Kläger herum, auf den Artikel und auf die inzwischen unvorteilhaft gewordene
Wirtschaftslage Bezug nimmt, hat es in der Folge dieselben Argumente vertieft
im Lichte der Zeugenaussage von U.________ analysiert. Diese Zeugenaussage
hat als weiteres, besonders wichtiges Entscheidungselement für die Absage
auch die persönliche Freundschaft des Klägers und Beschwerdegegners zu
T.________ erkennen lassen. Das Absageschreiben präzisierend soll dann der
Zeuge wieder auf die zahlreichen, von verschiedenen Seiten her kommenden
Gerüchte hingewiesen haben, die ihm das Ganze als doch zu riskanten Schritt
habe erscheinen lassen. Der Zeuge ist allerdings angeblich nicht in der Lage
gewesen zu bestätigen, dass das Gerede der Leute durch die erschienenen
Presseerzeugnisse bedingt gewesen sei. Das Bezirksgericht gelangt zum
Ergebnis, dass der fragliche X.________-Artikel für die Absage nicht
adäquat-kausal gewesen sei: Von besonderer Relevanz für diesen Schluss sei
nach Meinung des Bezirksgerichtes gewesen, dass der Nachweis eines
entscheidenden Einflusses der Presse auf die kursierenden Gerüchte nicht in
rechtsgenüglicher Weise erbracht worden sei, was auch daraus erhelle, dass
bis zum Zeitpunkt der Absage nur drei, den Kläger betreffende Artikel
erschienen seien, wovon nur derjenige vom 2. Juli 1992 konkrete
Anschuldigungen an seine Adresse enthalten habe.

Die erste Instanz hat sich nicht damit begnügt, aus dem Urteil vom 13.
Dezember 1994 das sich daraus ergebende Gesamtbild einer
Persönlichkeitsverletzung zu übernehmen, sondern hat aus jenem Urteil die
damals vom Gericht festgestellten einzelnen Sachverhaltselemente
herauskristallisiert und sie dahingehend gewürdigt, ob und allenfalls
inwiefern sie als für den behaupteten Schaden des Klägers ursächlich sein
konnten. Diese Vorgehensweise ist wegen der sich nun neu stellenden Frage der
allfälligen Schadenersatzpflicht der Beschwerdeführerin durchaus angemessen
und verdient prinzipielle Zustimmung.

4.3.2 Diesen Überlegungen der ersten Instanz, wie ausgeführt 2 ½ Seiten
füllend, widmet das Obergericht lediglich 8 ½ Zeilen: Die ersten 5 sind der
natürlichen Kausalität, die folgenden 3 ½ der Adäquanz gewidmet. Und in
diesen 8 ½ Zeilen ist nicht im Ansatz eine Begründung enthalten: Soweit es um
die natürliche Kausalität geht, begnügt sich nämlich das Obergericht mit der
lakonischen Behauptung, auf Grund der - im angefochtenen Entscheid nur sehr
oberflächlich diskutierten - Zeugenaussage U.________ lasse sich "entgegen
der Vorinstanz" nicht sagen, der X.________-Artikel vom 2. Juli 1992 sei für
die Absage nicht ursächlich gewesen; zumindest müsse er als Teilursache
angesehen werden. Und für die Adäquanz genügt dem Obergericht der Hinweis auf
den gewöhnlichen Lauf der Dinge und die allgemeine Lebenserfahrung: Beide
würden zeigen, dass der Artikel für eine solche Absage einer
Zusammenarbeitsvereinbarung sicher geeignet war.

4.3.3 Dies ist keine Begründung, aus welcher die Anspruchsgrundlagen für den
dem Kläger und Beschwerdegegner zugesprochenen Schadenersatz erhellen würden.
Das Obergericht hat überhaupt nicht erläutert, wieso es zu einem anderen
Ergebnis als das Bezirksgericht gelangen musste, obwohl es dessen Begründung
über zwei Seiten wiedergibt: Hatte z.B. das Bezirksgericht in überzeugender
Weise dargelegt, dass nicht hatte bewiesen werden können, dass der
Zeitungsartikel für die Verbreitung der Gerüchte ursächlich gewesen war,
sucht man im obergerichtlichen Urteil vergeblich eine Stellungnahme zu dieser
Schlussfolgerung. Die Lückenhaftigkeit der Begründung fällt vorliegend
besonders schwer ins Gewicht, erweist sich doch die Übernahme der Erwägungen
zur Widerrechtlichkeit des fraglichen Zeitungsartikels, die das
Bezirksgericht Baden im Urteil vom 13. Dezember 1994 formuliert hatte, im
Hinblick auf die Frage einer allfälligen Schadenersatzpflicht der hiesigen
Beschwerdeführerin als äusserst delikat: Denn selbst wenn man im Sinne einer
Gesamtbetrachtung nicht nur den Titel als solchen, sondern die Verbindung von
Titel und Text als rechtswidrig betrachten darf, ohne in Willkür zu verfallen
(s. E. 3.3 vorne), darf mit Fug bemerkt werden, dass für die Würdigung der
Haftpflicht der Beschwerdeführerin eine gesonderte Auseinandersetzung mit den
einzelnen, im fraglichen Zeitungsartikel aufgestellten, vom Bezirksgericht
damals als rechtmässig taxierten Behauptungen absolut unverzichtbar gewesen
wäre.
Ebenso hat das Obergericht nicht auseinander gesetzt, welche Rolle die
Rezession bei der Nichtanstellung des Beschwerdegegners  gespielt haben soll,
wogegen das Bezirksgericht festgestellt hat, nach der Absage an den Kläger
habe die V.________ AG keinen neuen Geschäftsführer eingestellt. Warum diese
Tatsache nicht von Bedeutung sein soll, wird im angefochtenen Entscheid nicht
dargetan. Und das Gleiche gilt für die Freundschaft des Klägers mit
T.________ und im Weiteren für die vom Bezirksgericht angeführten Gründe, die
in der Persönlichkeit des Klägers lägen und welche - nicht aber die
Presseartikel - Anlass für das Gerede in der Gemeinde gegeben hätten. Nach
den Darlegungen des Bezirksgerichts sind die Berichte in der Presse durch das
Gerede der Leute kausal überholt worden. Obwohl im obergerichtlichen Urteil
dieselben Fakten aufgeführt werden wie im Entscheid der ersten Instanz, gibt
das Obergericht keine Erklärung dafür, warum es zu einem anderen Resultat
gelangt ist.

Das Obergericht scheint sich vielmehr mit der Feststellung begnügt zu haben,
da der fragliche Artikel zumindest eine Teilursache für die Absage war, hafte
die Beschwerdeführerin sowieso für den ganzen Schaden. Dieser Rechtssatz, der
auf der zitierten Lehrmeinung beruht, wird dann aber nicht ansatzweise mit
Tatsachen untermauert: Das Obergericht gibt auch hier keine Erklärung dafür,
warum der fragliche Zeitungsartikel überhaupt eine Teilursache für die
unterbliebene Anstellung des Klägers bei der V.________ AG darstellen soll.
Es scheint angenommen zu haben, die vom Bezirksgericht Baden im Dezember 1994
erkannte Widerrechtlichkeit des Zeitungsartikels stelle an sich eine genügend
feste Grundlage dar, um daraus ableiten zu dürfen, weil der Artikel als
solcher widerrechtlich war, sei die Beschwerdeführerin für die
wirtschaftlichen Folgen ohne weiteres haftbar zu machen.

4.3.4 Nach dem soeben Ausgeführten hat das Obergericht mit einer pauschal
anmutenden Begründung auf eine Schadenersatzpflicht der Beschwerdeführerin
erkannt; das aber ist mit dem Grundsatz des rechtlichen Gehörs unvereinbar,
wird doch damit von Anfang an dem Rechtsuchenden ebenso wie der
Rechtsmittelinstanz eine fundierte Auseinandersetzung mit den
entscheidrelevanten Argumenten verunmöglicht. Denn - wie erwähnt - geht es im
hiesigen Verfahren nicht mehr um die blosse Feststellung der
Widerrechtlichkeit eines Zeitungsartikels und um die daraus allenfalls
fliessende Persönlichkeitsverletzung des Klägers, sondern darum, ob der
fragliche Artikel darüber hinaus auch eine geeignete Ursache für eine
materielle Schädigung darstellt, die der Kläger damit in Zusammenhang bringen
will.

4.4 Damit sind die vorstehend (E. 4.1) aufgeführten Erfordernisse an eine dem
rechtlichen Gehör genügende Begründung nicht erfüllt. In Gutheissung der
Beschwerde ist demnach das angefochtene Urteil aufzuheben und die Sache an
das Obergericht des Kantons Aargau zu neuem Entscheid zurückzuweisen. Unter
diesen Umständen erübrigt es sich für das Bundesgericht, auf die weiteren von
der Beschwerdeführerin zur behaupteten willkürlichen Beweiswürdigung und
Sachverhaltsfeststellung erhobenen Rügen näher einzugehen.

5.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Kläger und Beschwerdegegner, der
sich dem Rechtsmittel ausdrücklich widersetzt und somit konkludent zum
Ausdruck gebracht hat, das angefochtene Urteil zu schützen, kosten- und
entschädigungspflichtig (Art. 153a, Art. 156 Abs. 1 und Art. 159 Abs. 2 OG).
Dass er sich verspätet hat vernehmen lassen, hat in Bezug auf die
Kostenfolgen keinen Einfluss. Denn aus seiner nicht innert Frist erfolgten
Antwort kann nicht der Schluss gezogen werden, er habe vom Verfahren Abstand
nehmen wollen - was aber allein genügen würde, um von einer Kostenauflage zu
seinen Lasten abzusehen. Um der besonderen Sachlage Rechnung zu tragen, soll
allerdings eine reduzierte Gerichtsgebühr erhoben werden. Der unterlegene
Kläger und Beschwerdegegner hat darüber hinaus der obsiegenden
Beschwerdeführerin eine angemessene Parteientschädigung zu erbringen.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die staatsrechtliche Beschwerde wird gutgeheissen und die Dispositiv-Ziffern
1.a.3, 1.a.5, 1.a.6, 2 und 3 des Urteils des Obergerichts des Kantons Aargau
vom 14. November 2002 werden aufgehoben.

2.
Die reduzierte Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird dem Beschwerdegegner
auferlegt.

3.
Der Beschwerdegegner wird verpflichtet, die Beschwerdeführerin für das
bundesgerichtliche Verfahren mit Fr. 4'000.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau, 2.
Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 4. September 2003

Im Namen der II. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Das präsidierende Mitglied:  Der Gerichtsschreiber: