Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilabteilung 5P.83/2003
Zurück zum Index II. Zivilabteilung 2003
Retour à l'indice II. Zivilabteilung 2003


5P.83/2003 /min

Urteil vom 8. Juli 2003
II. Zivilabteilung

Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichterin Escher, Bundesrichter Meyer, Bundesrichterin Hohl,
Ersatzrichter Zünd,
Gerichtsschreiber Zbinden.

1. A.________,
2.B.________,
Beschwerdeführer,
beide vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Christoph J. Joller, Tivoli 3,
Postfach 768, 1701 Freiburg,

gegen

1.C.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Elmar Perler, Cité Bellevue 6, Postfach 41, 1707
Freiburg 7,
2.D.________,
3.E.________,
4.F.________,
5.G.________,
Beschwerdegegner,
Kantonsgericht Freiburg, I. Appellationshof,
place de l'Hôtel-de-Ville 2a, Postfach 56, 1702 Freiburg.

Art. 9 BV etc. (Aufsicht über Erbenvertreter),

Staatsrechtliche Beschwerde gegen das Urteil des Kantonsgerichts Freiburg, I.
Appellationshof, vom 20. Januar 2003.

Sachverhalt:

A.
Am 21. Februar 2000 verstarb H.________. Der Erbengemeinschaft gehören neben
der Ehefrau D.________, die Kinder A.________ und B.________ sowie
E.________, F.________ und C.________ an. Kurz vor seinem Ableben hatte
H.________ am 14. Februar 2000 die Baubewilligung zum Wiederaufbau des
vollständig abgebrannten Bauernhauses erhalten. Auf Veranlassung von
F.________, E.________ und C.________ sowie deren Lebensgefährten,
I.________, wurde in der Folge mit den Bauarbeiten begonnen, womit A.________
und B.________ jedoch nicht einverstanden waren. Auf deren Begehren
untersagte der Gerichtspräsident des Sensebezirks zunächst superprovisorisch
am 21. März 2000, alsdann definitiv jede Bautätigkeit auf dem fraglichen
Grundstück bis zum Entscheid eines Erbenvertreters, dessen Einsetzung
A.________ und B.________ am 8. Mai 2000 verlangt hatten.

B.
Das Friedensgericht Schmitten entsprach dem Gesuch um Ernennung eines
Erbenvertreters am 21. Juni 2000 und bestimmte Rechtsanwalt L.________ gemäss
Art. 602 Abs. 3 ZGB zum Erbenvertreter. Eine hiergegen gerichtete Berufung
wies das Kantonsgericht Freiburg, I. Appellationshof, am 13. November 2000
ab.

Mit Schreiben vom 13. Juni 2001 liess der Erbenvertreter, L.________, den
Erben einen "Entscheidentwurf" zukommen, wonach das Bauernhaus gemäss der
erteilten Baubewilligung wiederaufgebaut und die K.________ AG mit der
Weiterführung der Planungs- und Architekturarbeiten sowie I.________ mit der
Bauführung beauftragt würden, dies unter Auflagen, namentlich der
Redimensionierung des Bauprojekts auf 1.5 Millionen Franken; es werde Frist
von 20 Tagen zur Beschwerdeführung gegen den beabsichtigten Entscheid beim
Friedensgericht angesetzt.

Hiergegen gelangten einerseits A.________ und B.________, anderseits
C.________ an den Friedensrichter, wobei sich die Erstgenannten gegen die
Fristansetzung sowie gegen den Wiederaufbau wandten, und die Zweitgenannte
den Wiederaufbau gemäss den ursprünglichen Plänen und dem darauf beruhenden
Kostenvoranschlag von 1.715 Millionen Franken verlangte.

Das Friedensgericht Rechthalten, an das die Angelegenheit infolge Ausstands
des Friedensgerichts Schmitten überwiesen wurde, ernannte am 21. März 2002
G.________, Fürsprecher in Bern, zum Nachfolger des als Erbenvertreter
zurückgetretenen L.________. Am 15. Mai 2002 wies es die Beschwerden ab und
bestätigte den Entscheid des Erbenvertreters vom 13. Juni 2001 über den
Wiederaufbau.

C.
Gegen den Entscheid des Friedensgerichts Rechthalten reichten A.________ und
B.________ am 21. Juni 2002 Berufung beim Kantonsgericht Freiburg ein. Sie
verlangten, den Entscheid des Friedensgerichts aufzuheben und den
Erbenvertreter anzuweisen, den in Aussicht gestellten Entscheid über den
Wiederaufbau des Bauernhauses zu unterlassen.

In ihrer Berufungsantwort vom 9. Oktober 2002 beantragte C.________, auf die
Berufung nicht einzutreten, eventuell diese abzuweisen. D.________,
E.________ und F.________ schlossen sich diesen Anträgen an. Der
Erbenvertreter seinerseits beantragte die Abweisung der Berufung.

Mit Entscheid vom 20. Januar 2003 trat das Kantonsgericht Freiburg, I.
Appellationshof, auf die Berufung nicht ein.

D.
Gegen diesen Entscheid reichten A.________ und B.________ mit Eingabe vom 21.
Februar 2003 staatsrechtliche Beschwerde beim Bundesgericht ein. Sie
beantragen, den Entscheid des Kantonsgerichts aufzuheben, eventuell den
Entscheid des Kantonsgerichts insoweit aufzuheben, als ihnen Kosten auferlegt
wurden. Zur Begründung bringen sie vor, das Kantonsgericht habe in einem in
den "Extraits des principaux arrêts du Tribunal cantonal et de décisions du
Conseil d'Etat du canton de Fribourg rendus en 1990" veröffentlichten
Entscheid in Änderung der früheren Rechtsprechung den Rekurs gegen Entscheide
des Friedensgerichts bezüglich der Aufsicht über Erbenvertreter als zulässig
erklärt. Die neuerliche Änderung der Rechtsprechung im hier vorliegenden
Verfahren verletze das Willkürverbot, das Gebot der rechtsgleichen Behandlung
sowie das Gebot von Treu und Glauben.
In ihrer Vernehmlassung vom 23. Mai 2003 beantragt C.________ die Abweisung
der staatsrechtlichen Beschwerde. Dieser Vernehmlassung schliessen sich
D.________, E.________ und F.________ am 5. Juni 2003 ausdrücklich an. Der
Erbenvertreter und das Kantonsgericht haben auf Stellungnahme ausdrücklich
verzichtet.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Nach Art. 602 Abs. 3 ZGB kann die zuständige Behörde auf Begehren eines
Miterben für die Erbengemeinschaft bis zur Teilung eine Vertretung bestellen.
Die Vertretung kann für bestimmte einzelne Handlungen bestellt werden, über
die sich die Erben nicht zu einigen vermögen. Die Behörde kann dem Vertreter
aber auch einen generellen Auftrag geben und ihm die ganze Verwaltung der
Erbschaft anvertrauen, in welchem Fall sich seine Rechtsstellung derjenigen
des amtlichen Erbschaftsverwalters angleicht. Der Erbenvertreter ist im
Rahmen seines Auftrags gesetzlicher Vertreter der Erbengemeinschaft, die er
ohne ihre Zustimmung oder nachträgliche Genehmigung berechtigen und
verpflichten kann, während Liquidation und Erbteilung nicht seine Aufgabe ist
(Escher, Zürcher Kommentar, 1960, N. 78 ff., und Tuor/Picenoni, Berner
Kommentar, 1964, N. 54 ff., je zu Art. 602 ZGB; Piotet, Erbrecht, SPR IV/2,
Basel 1981, § 85/II S. 662 f.).

Der Erbenvertreter steht unter der Aufsicht der ernennenden Behörde. Für den
Erbschaftsverwalter bei der amtlichen Liquidation ist die Aufsicht der
Behörde im Gesetz ausdrücklich vorgesehen (Art. 595 Abs. 3 ZGB), verbunden
mit der Befugnis der Erben, bei der Aufsichtsbehörde gegen die vom
Erbschaftsverwalter "beabsichtigten oder getroffenen Massregeln Beschwerde zu
erheben". In Rechtsprechung und Lehre ist unbestritten, dass dies in gleicher
Weise auch für den Erbschaftsverwalter gemäss Art. 554 ZGB, für den
Willensvollstrecker und für den behördlich bestellten Erbenvertreter gilt
(Schicker, Die Rechtsstellung des nach Art. 602/III ZGB für eine
Erbengemeinschaft ernannten Vertreters, Diss. Zürich 1949, S. 134; Escher,
a.a.O., N. 81 und N. 83, und Tuor/Picenoni, a.a.O., N. 59, je zu Art. 602
ZGB; Piotet, a.a.O., S. 663; aus der Rechtsprechung: BGE 54 II 197 E. 1 S.
200; SJZ 25/1928-29 S. 265 Nr. 183; SJZ 79/1983 S. 111).
Die Bezeichnung der Behörde, welche die Aufsicht ausübt und bei welcher sich
die Erben gegen getroffene oder auch erst beabsichtigte Massregeln beschweren
können, obliegt nach Art. 54 SchlTZGB den Kantonen, welche das Verfahren
ordnen. Im Kanton Freiburg erklärt das Einführungsgesetz zum Zivilgesetzbuch
(EGZGB, SGF 210.1) das Friedensgericht, "unter Vorbehalt der Berufung an das
Kantonsgericht", zuständig, um für die Erbengemeinschaft eine Vertretung im
Sinne von Art. 602 Abs. 3 ZGB zu bestellen (Art. 195 EGZGB). In gleicher
Weise ist auch die Zuständigkeit für die Anordnung der Erbschaftsverwaltung
geregelt (Art. 166 EGZGB), während für die amtliche Liquidation die
Zuständigkeit des Bezirksgerichtspräsidenten vorgesehen ist (Art. 193 EGZGB).

In der Freiburger Praxis ist zunächst unstreitig, dass das Friedensgericht
als zuständige Behörde für die Bestellung einer Vertretung der
Erbengemeinschaft (Art. 195 EGZGB i.V.m. Art. 602 Abs. 3 ZGB) auch die
Aufsicht ausübt und somit das Friedensgericht die Behörde ist, bei der sich
die Erben gegen beabsichtigte oder getroffene Massregeln beschweren können.
Hingegen vertrat das Kantonsgericht zunächst die Auffassung, der Rekurs
(heute die Berufung) sei nur gegen den Entscheid über die Bestellung des
Erbenvertreters zulässig, gegen andere Entscheide über dessen Tätigkeit aber
ausgeschlossen, da die Zivilprozessordnung das Rechtsmittel des Rekurses
(bzw. der Berufung) nur in den gesetzlich besonders vorgesehenen Fällen
zulasse, was zwar für die Bestellung des Erbenvertreters der Fall sei, nicht
aber was seine Tätigkeit betreffe (Extraits 1967 S. 17 f., bestätigt in
Extraits 1986 S. 8 f.). Diese Rechtsprechung unterzog das Kantonsgericht in
einem Entscheid vom 13. November 1990 (Extraits 1990 S. 22 ff.), der die
Festlegung des Vergütungsanspruchs des Erbenvertreters betraf, einer
Überprüfung, wobei es ausführte, es entspreche zwar dem Wortlaut, nicht aber
dem Zweck von Art. 195 EGZGB, den Rekurs nur für die Bestellung, nicht aber
für die Tätigkeit des Erbenvertreters, zuzulassen. Nach Ansicht des
Kantonsgerichts darf sich das Friedensgericht "nicht auf die Ernennung des
Erbenvertreters beschränken, sondern hat als Aufsichtsorgan dessen Tätigkeit
zu überwachen, ihn nötigenfalls abzusetzen und sein Honorar festzulegen. Die
entsprechenden Entscheide hängen sachlich zusammen, so dass der Rekurs auch
gegen sie zulässig sein muss" (S. 25).

Mit dem angefochtenen Entscheid nimmt das Kantonsgericht eine erneute
Rechtsprechungsänderung vor. Art. 195 EGZGB bestimme das Friedensgericht als
zuständig für die Ernennung des Erbenvertreters, wobei gegen solche
Entscheide die Berufung an das Kantonsgericht offen stehe. Hingegen sehe Art.
195 EGZGB weder die Beschwerde gegen Handlungen des Erbenvertreters an das
Friedensgericht vor, noch mithin ein Rechtsmittel gegen entsprechende
Entscheide des Friedensgerichts. Lückenfüllend habe daher das Friedensgericht
als für Beschwerden der Erben zuständige Behörde bezeichnet werden müssen,
woraus aber noch nicht geschlossen werden könne, dass gegen den Entscheid des
Friedensgerichts die Berufung an das Kantonsgericht gegeben sei. Auch die
Berufung zuzulassen, sei umso weniger angezeigt, als Zweck des
Rechtsinstituts des Erbenvertreters sei, die Erbengemeinschaft aktionsfähig
zu machen, was geradezu unterlaufen würde, wenn gegen Beschwerdeentscheide
der Aufsichtsbehörde noch ein Rechtsmittel gegeben wäre. Jedenfalls bestünden
keine triftigen Gründe, entgegen dem Wortlaut von Art. 195 EGZGB die Berufung
zuzulassen gegen Entscheide des Friedensgerichts, die dieses auf Beschwerde
eines Erben gegen einen Entscheid des Erbenvertreters getroffen habe. An der
in Extraits 1990 (S. 25) veröffentlichten Änderung der Rechtsprechung zu
dieser Frage könne nicht festgehalten werden. Soweit der damalige
Zivilgerichtshof den Standpunkt vertreten habe, gegen die Festsetzung des
Honorars des Erbenvertreters durch das Friedensgericht als Aufsichtsbehörde
stehe den Erben ein Rechtsmittel an das Kantonsgericht offen, brauche diese
Frage nicht geprüft zu werden, da in jenem Fall kein Entscheid des
Erbenvertreters vorgelegen habe, der zuvor beim Friedensgericht angefochten
worden sei.

2.
2.1 Lehre und Rechtsprechung verlangen von einer Praxisänderung, dass sie sich
auf ernsthafte, sachliche Gründe stützt, die im Blick auf das Gebot der
Rechtssicherheit umso gewichtiger sein müssen, je länger die als falsch oder
nicht mehr zeitgemäss erkannte Rechtsanwendung für zutreffend erachtet worden
ist. Eine Praxisänderung lässt sich grundsätzlich nur begründen, wenn die
neue Lösung besserer Erkenntnis der ratio legis, veränderten äusseren
Verhältnissen oder gewandelten Rechtsanschauungen entspricht; andernfalls ist
die bisherige Praxis beizubehalten (BGE 127 I 49 E. 3c S. 52; 127 II 289 E.
3a S. 292 f.; 126 I 122 E. 5 S. 129; 125 I 458 E. 4a S. 471).

Die neue Praxis ist grundsätzlich sofort und in allen hängigen Verfahren
anzuwenden. Allerdings kann sich bei verfahrensrechtlichen Änderungen der
Rechtsprechung aus dem Grundsatz des Vertrauensschutzes ergeben, dass die
Praxisänderung im Anlassfall noch nicht angewendet wird, wenn der Betroffene
einen Rechtsverlust erleiden würde, den er hätte vermeiden können, wenn er
die neue Praxis bereits gekannt hätte (BGE 122 I 57 E. 3c/bb S. 59). Das
trifft für Änderungen der Rechtsmittelfristen oder von Formvorschriften für
die Einlegung eines Rechtsmittels zu, nicht aber, wenn die Zulässigkeit des
Rechtsmittels als solche in Frage steht (BGE 122 I 57 E. 3c/bb S. 60, mit
Hinweisen).

2.2 Fehl geht damit von vornherein die Rechtsauffassung der Beschwerdeführer,
das Kantonsgericht hätte die geänderte Rechtsprechung ankündigen und nicht
bereits auf den vorliegenden Fall anwenden dürfen. Der verfassungsrechtliche
Vertrauensschutz kann nicht gebieten, dass ein Rechtsmittel zugelassen wird,
das nach erneuter Prüfung durch die zuständige Behörde gar nicht gegeben ist.
Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass die Beschwerdeführer im Vertrauen auf
das Bestehen des kantonalen Rechtsmittels es unterlassen haben, den Entscheid
des Friedensgerichts unmittelbar mit einem bundesrechtlichem Rechtsbehelf
anzufechten. Der daherige Nachteil kann jedoch durch ein
Wiederherstellungsgesuch für die unverschuldet versäumte Rechtshandlung
behoben werden (BGE 96 II 262 E. 1b S. 265). Ein solches haben die
Beschwerdeführer im Übrigen auch eingereicht, worüber hier aber nicht zu
entscheiden ist.

2.3 Die in Extraits 1990 S. 22 ff. begründete Rechtsprechung über die
Zulässigkeit des Rekurses gegen Aufsichtsentscheide des Friedensgerichts über
den Erbenvertreter ist neueren Datums. Es ist nichts darüber bekannt, ob das
Kantonsgericht in unveröffentlichten Entscheiden diese Praxis bestätigt hat.
Einen veröffentlichten Entscheid scheint es jedenfalls nicht zu geben. Es
lässt sich damit nicht sagen, dass der erneuten Rechtsprechungsänderung eine
langjährige und konstante Praxis entgegengehalten werden könnte, von der aus
Gründen der Rechtssicherheit nur mit der gebotenen Zurückhaltung abgewichen
werden dürfte.

Einzuräumen ist allerdings, dass das Kantonsgericht nicht wirklich triftige
Gründe für die Rückkehr zur früheren Rechtsprechung anzuführen vermag. Die
Argumentation beschränkt sich auf die Überlegung, dass das kantonale Recht
aufgrund der bundesrechtlichen Vorgaben lediglich gezwungen ist, eine
Aufsichtsbehörde vorzusehen, bei welcher sich die Erben beschweren können
müssen. Da das kantonale Recht einer Regelung entbehre, sei lückenfüllend
zwar das Friedensgericht als zuständig zu erklären, während für die
Einführung eines Rechtsmittels gegen dessen Entscheide keine Notwendigkeit
bestehe, eine solche vielmehr im Blick auf beförderliches Wirken des
Erbenvertreters hinderlich wäre. Ausgeblendet wird mit dieser Argumentation
die Überlegung im Entscheid aus dem Jahre 1990, wonach mit der Einsetzung
eines Erbenvertreters, gegen welche die Berufung kraft ausdrücklicher
Vorschrift gegeben sei, sachlich eng die Aufsichtstätigkeit zusammenhängt.
Die Behörde, welche die Befugnisse des Erbenvertreters erteilt, muss die
Handhabung dieser Befugnisse auch überwachen können. Sie kann von Amtes wegen
einschreiten oder auf Beschwerde der dazu Berechtigten hin (Schicker, a.a.O.,
S. 134 f.). In der Beurteilung von Amtsführung und Handlungen des
Erbenvertreters wird sie in der Regel zurückhaltend sein und
Ermessensentscheide nur auf ihre sachliche Vertretbarkeit überprüfen, kann
aber gegen rechtswidrige, willkürliche, offensichtlich sachwidrige
Anordnungen oder gegen eine nachlässige Geschäftsbesorgung einschreiten
(Tuor/Picenoni, a.a.O., N. 59 zu Art. 602 ZGB; Karrer, Basler Kommentar,
2003, N. 22 zu Art. 595 ZGB). Die Behörde ist befugt, schon getroffene
Massnahmen des Vertreters - soweit möglich - rückgängig zu machen; steht eine
erst beabsichtigte Handlung in Frage, so kann sie deren Vornahme verbieten
oder andere Weisungen erteilen; als ultima ratio kommt schliesslich die
Absetzung in Frage (Schicker, a.a.O., S. 136 f.; Tuor/Picenoni, a.a.O., N.
59, und Schaufelberger, Basler Kommentar, 2003, N. 50, je zu Art. 602 ZGB).

In den meisten Kantonen können die Entscheidungen der Aufsichtsbehörde an
eine obere Instanz weitergezogen werden (Escher, a.a.O., N. 18 zu Art. 595
ZGB; Derrer, Die Aufsicht der zuständigen Behörde über den
Willensvollstrecker und den Erbschaftsliquidator, Diss. Zürich 1985, S. 96
f., tabellarische Übersicht S. 114 ff.; Schicker, a.a.O., S. 137 Anm. 17
i.V.m. S. 88 Anm. 10), wobei der letztgenannte Autor davon ausgeht, dass die
im kantonalen Recht vorgesehene Rekursmöglichkeit bei der Bestellung des
Erbenvertreters auch die Aufsichtstätigkeit erfasst. Das erscheint
naheliegend und sachgerecht, zumal die Aufsichtsmassnahmen bis hin zur
Abberufung des Erbenvertreters oder der Aufhebung der Erbenvertretung
reichen, welche von der zur Errichtung zuständigen Behörde ausgehen muss
(Tuor/Picenoni, a.a.O., N. 61, und Escher, a.a.O., N. 85 f., je zu Art. 602
ZGB). Im einen Fall (Errichtung) das Rechtsmittel zuzulassen, es im anderen
Fall (Aufhebung) auszuschliessen, wäre kaum sachgerecht.

2.4 Es braucht vorliegend allerdings nicht beurteilt zu werden, ob eine
kantonale Verfahrensordnung, welche die Rechtsmittel unterschiedlich
ausgestaltet, je nachdem, ob es um die Errichtung der Erbenvertretung oder um
deren Aufhebung bzw. um Aufsichtsentscheide geht, sich sachlich rechtfertigen
lässt. Es kommt nämlich hinzu, dass der angefochtene Entscheid offen lässt,
ob nicht doch die Berufung zulässig ist, wenn (wie im in Extraits 1990 S. 22
ff. publizierten Entscheid) der Honoraranspruch des Erbenvertreters streitig
ist (E. 1k S. 7 des angefochtenen Entscheids). Die in Aussicht genommene
Unterscheidung wird damit begründet, dass in jenem Fall kein Entscheid des
Erbenvertreters vorlag, der zuvor beim Friedensgericht angefochten worden
wäre. Mit anderen Worten will das Kantonsgericht danach unterscheiden, ob der
Entscheid des Friedensgerichts als Aufsichtsbehörde von Amtes wegen oder auf
Beschwerde hin getroffen wurde. Mit dieser Unterscheidung verkennt das
Kantonsgericht allerdings offensichtlich den Charakter der Aufsicht über die
Erbenvertreter. Wie schon ausgeführt, hat die Aufsichtsbehörde die Tätigkeit
der von ihr eingesetzten Erbenvertreter zu überwachen, wobei sie von Amtes
wegen oder auf Begehren eines Betroffenen einschreiten kann. Beschwert sich
ein Erbe bei der Aufsichtsbehörde, so löst er damit eine administrative
Untersuchung kraft Aufsichts- und Disziplinarrecht aus (Karrer, a.a.O., N. 33
zu Art. 595 ZGB). Wenn der Erbenvertreter eine von ihm in Aussicht genommene
Handlung den Betroffenen vorgängig anzeigt, so ermöglicht er ihnen, an die
Aufsichtsbehörde zu gelangen, um diese zu veranlassen, aufsichtsrechtlich
einzuschreiten (Schicker, a.a.O., S. 137; Brückner, Die erbrechtlichen
Klagen, Zürich 1999, S. 66 f.), bevor bereits - vielleicht nicht mehr
rückgängig zu machende - Dispositionen getroffen wurden. Am Charakter des
durch die Aufsichtsbehörde zu treffenden Entscheids ändert sich dadurch
allerdings nichts. Wenn demnach das Kantonsgericht für die Zulässigkeit der
Berufung danach unterscheiden will, ob die Aufsichtsbehörde auf Beschwerde
eines Betroffenen hin tätig geworden ist oder nicht, so trifft sie eine
Unterscheidung, die sich sachlich nicht rechtfertigen lässt und gegen das
Rechtsgleichheitsgebot wie auch das Willkürverbot verstösst. Ist mithin
aufgrund der Ausführungen im angefochtenen Entscheid nicht auszuschliessen,
dass das Kantonsgericht in einem künftigen Fall die Berufung wieder zulassen
könnte, ohne dass ein Unterschied von rechtlichem Belang besteht, so lässt
sich der vorliegende Nichteintretensentscheid verfassungsrechtlich nicht
halten.

3.
Damit aber erweist sich die staatsrechtliche Beschwerde als begründet. Sie
ist gutzuheissen und der Nichteintretensentscheid des Kantonsgerichts
aufzuheben. Entsprechend dem Verfahrensausgang werden die Beschwerdegegner
1-4, die ausdrücklich auf Abweisung der staatsrechtlichen Beschwerde
geschlossen haben, für das bundesgerichtliche Verfahren kosten- und
entschädigungspflichtig (Art. 156 Abs. 1 und Art. 159 Abs. 1 und 2 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die staatsrechtliche Beschwerde wird gutgeheissen und der Entscheid des
Kantonsgerichts Freiburg, I. Appellationshof, vom 20. Januar 2003 aufgehoben.

2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 5'000.-- wird den Beschwerdegegnern 1-4 unter
solidarischer Haftbarkeit auferlegt.

3.
Die Beschwerdegegner 1-4 haben die Beschwerdeführer für das
bundesgerichtliche Verfahren unter solidarischer Haftbarkeit mit Fr. 5'000.--
zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht Freiburg, I.
Appellationshof, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 8. Juli 2003

Im Namen der II. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: