Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilabteilung 4C.331/2004
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4C.331/2004 /lma

Urteil vom 17. März 2005

I. Zivilabteilung

Bundesrichter Corboz, Präsident,
Bundesrichterinnen Klett, Rottenberg Liatowitsch, Bundesrichter Nyffeler,
Bundesrichterin Kiss,
Gerichtsschreiber Huguenin.

A. ________ AG,
Klägerin und Berufungsklägerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Albert Romero,

gegen

B________,
Beklagten und Berufungsbeklagten,
vertreten durch Rechtsanwalt Ervin Deplazes.

Mietvertrag; Ausweisung,

Berufung gegen den Beschluss des Obergerichts des Kantons Zürich, II.
Zivilkammer, vom 22. Juli 2004.

Sachverhalt:

A.
B. ________ schloss am 14. Mai 2002 als Mieter mit der A.________ AG einen
Mietvertrag über einen 5-Zimmer-Hausteil in der Liegenschaft X.________ zu
einem Mietzins von Fr. 2'680.-- brutto pro Monat zur Verwendung zu
Wohnzwecken für drei Personen. In der Folge kam es zu verschiedenen
Unstimmigkeiten zwischen Mieter und Vermieterin, unter anderem wegen der vom
Mieter eingegangenen Untermietverhältnisse sowie eines Wassereinbruchs. Mit
amtlichem Formular vom 30. Oktober 2003 kündigte die Vermieterin das
Mietverhältnis gestützt auf Art. 257f OR (Pflicht des Mieters zur Sorgfalt
und Rücksichtnahme) auf den 30. November 2003. Eine zweite Kündigung der
Vermieterin, die ebenfalls auf Art. 257f OR gestützt wurde, erfolgte am 25.
November 2003 auf den 31. Dezember 2003. Schliesslich sprach die Vermieterin
am 8. Dezember 2003 eine dritte Kündigung auf den 31. Januar 2004 aus. Dieses
Mal stützte sie sich auf Art. 257d OR (Zahlungsrückstand des Mieters).

Der Mieter focht die drei Kündigungen bei der Schlichtungsbehörde an. Die
Vermieterin stellte ihrerseits mit Eingabe vom 9. Januar 2004 beim
Einzelrichter im summarischen Verfahren des Bezirkes Meilen ein
Ausweisungsbegehren gegen den Mieter. Gleichentags überwies die
Schlichtungsbehörde die bei ihr anhängigen Verfahren an den Einzelrichter.
Dieser wies mit Verfügung vom 3. März 2004 die Kündigungsschutzbegehren des
Beklagten ab und erteilte den beantragten Ausweisungsbefehl.

Der Beklagte focht die Verfügung des Einzelrichters mit Rekurs beim
Obergericht des Kantons Zürich an mit den Begehren, diese aufzuheben und die
drei Kündigungen als missbräuchlich bzw. ungültig zu erklären. Mit Beschluss
vom 22. Juli 2004 hiess das Obergericht den Rekurs gut, hob die Verfügung des
Einzelrichters auf und stellte fest, dass die drei Kündigungen der Klägerin
vom 30. Oktober 2003, 25. November 2003 und 8. Dezember 2003 ungültig seien;
das Ausweisungsbegehren der Klägerin wies das Obergericht ab.

Die Klägerin legte gegen den Beschluss des Obergerichts kantonale
Nichtigkeitsbeschwerde ein, auf die das Kassationsgericht des Kantons Zürich
mit Zirkulationsbeschluss vom 26. November 2004 nicht eintrat.

B.
Die Klägerin hat den Beschluss des Obergerichts auch mit Berufung beim
Bundesgericht angefochten. Sie stellt folgende Anträge:
"Es sei in Gutheissung der Berufung der kantonale vorinstanzliche Entscheid
(...) aufzuheben und in Bestätigung des erstkantonalen Entscheides des
Bezirksgerichts Meilen (...):
1.Dem Beklagten unter Androhung von Zwangsvollstreckung im Unterlassungsfall
zu befehlen, den älteren 5-Zimmer-Hausteil mit Garten und Gartensitzplatz
sowie die Kellerräume der Liegenschaft X.________, unverzüglich zu räumen, zu
verlassen und der Klägerin in ordnungsgemässem Zustand zurückzugeben;

das zuständige Gemeindeammannamt sei anzuweisen, den Befehl nach Eintritt der
Rechtskraft auf erstes Verlangen der Klägerin zu vollstrecken;
2.Es sei in Feststellung, dass die Kündigungen vom 30. Oktober 2003, vom 25.
November 2003 und 8. Dezember 2003 gültig sind, die beklagtische
Anfechtungsklage abzuweisen; ..."
Der Beklagte schliesst in seiner Berufungsantwort auf Abweisung der Berufung
und stellt das Gesuch, ihm für das bundesgerichtliche Verfahren die
unentgeltliche Rechtspflege samt Rechtsbeistand zu gewähren.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Nach den Feststellungen des Obergerichts liegt den beiden auf Art. 257f OR
gestützten Kündigungen folgender Sachverhalt zugrunde:

Veranlasst durch eine Anfrage der Einwohnerkontrolle forderte die Klägerin
den Beklagten mit Schreiben vom 26. Juli 2003 auf, ihr die Untermietverträge
seiner Untermieter C.________ und D.________ bis zum 8. August 2003
zuzustellen. In seinem Antwortschreiben vom 29. August 2003 führte der
Beklagte aus, die Untermietverträge seien für die Klägerin gar nicht
relevant, da die Untermieter bereits bei der Einwohnerkontrolle angemeldet
seien. Mit Schreiben vom 25. September 2003 verlangte die nun anwaltlich
vertretene Klägerin vom Beklagten, die Untermietverhältnisse bis spätestens
20. Oktober 2003 zu beenden, weil einerseits ein entsprechendes
Zustimmungsgesuch fehle und andererseits ein Verweigerungsgrund im Sinne von
Art. 262 OR vorliege. Der Anwalt des Beklagten teilte der Klägerin daraufhin
mit Schreiben vom 30. September 2003 mit, die bisherigen Untermieter hätten
ihre Mietverhältnisse per 30. September bzw. 31. Oktober 2003 gekündigt; es
wurde eine Zustellung der Untermietverträge mit den nachfolgenden
Untermietern in Aussicht gestellt. Mit Schreiben vom 27. Oktober 2003
forderte die Klägerin den Beklagten auf, ihr spätestens bis 29. Oktober 2003
die Konditionen der neuen Untermietverhältnisse bekannt zu geben. Am 28.
Oktober 2003 teilte der Beklagte der Klägerin mit, er werde ihr die neuen
Untermietverträge an der Verhandlung vom 31. Oktober 2003 übergeben. Mit
Schreiben vom 29. Oktober 2003 wies die Klägerin darauf hin, dass sie die
Bekanntgabe der Konditionen erst am 31. Oktober 2003 als verspätet erachte,
und am folgenden Tag kündigte sie das Mietverhältnis. Nachdem die
Untermietverträge der Klägerin im Anschluss an die Verhandlung vom 31.
Oktober 2003 vorgelegt worden waren, verweigerte sie mit Schreiben vom 4.
November 2003 ihre Zustimmung dazu und forderte den Beklagten auf, die
Verträge bis zum 20. November 2003 aufzulösen. Da der Beklagte dieser
Aufforderung nicht nachkam, kündigte die Klägerin am 25. November 2003 das
Mietverhältnis erneut.

1.1
1.1.1In rechtlicher Hinsicht wird im angefochtenen Urteil ausgeführt, die
ausserordentliche Kündigung gemäss Art. 257f Abs. 3 OR setze neben einer
Pflichtverletzung, einer Mahnung, einer erneuten oder fortdauernden
Pflichtverletzung die sich daraus ergebende Unzumutbarkeit der Fortsetzung
des Mietverhältnisses voraus. Diese Voraussetzungen seien in Bezug auf die
Kündigung vom 30. Oktober 2003 nicht gegeben. Die Klägerin habe, wie aus dem
Vertrag vom 14. Mai 2002 hervorgehe, eine Untervermietung als zulässig
betrachtet. Es sei davon auszugehen, dass sie sich vor dem 26. Juli 2003
nicht für die Untermietbedingungen interessiert habe. Auch das Schreiben von
diesem Tag, mit dem sie die Zustellung der Untermietverträge verlangte,
erwecke den Eindruck, dass vor allem der Wassereinbruch und eine damit im
Zusammenhang stehende Wohnungsbesichtigung und nicht die
Untermietverhältnisse die Klägerin interessiert habe. Der Beklagte habe in
der Folge zwar nicht prompt reagiert, was aber angesichts des bisher
gezeigten Desinteresses der Klägerin an den Untermietkonditionen nicht als
unverständlich erscheine. Jedenfalls könne aber in der Übergabe der
Untermietverträge im Anschluss an die Verhandlung vom 31. Oktober 2003 statt,
wie von der Klägerin verlangt, am 29. Oktober 2003 keine so schwerwiegende
Pflichtverletzung erblickt werden, dass eine Fortsetzung des
Mietverhältnisses als unzumutbar erscheinen würde, dies umso weniger, als
sich die Klägerin längere Zeit für die Bedingungen der Untermietverhältnisse
gar nicht interessiert habe. Bei diesen Gegebenheiten sei die Kündigung vom
30. Oktober 2003 als ungültig zu qualifizieren.

1.1.2 Mit der Berufung wird vorgebracht, die Vorinstanz begründe ihren
Entscheid zur Hauptsache mit der Haltung der Klägerin, indem sie annehme,
dass diese an den Untermietverhältnissen des Beklagten desinteressiert
gewesen sei. Diese Annahme sei nicht nur unzutreffend, sondern auch
aktenwidrig. Die Klägerin rügt in diesem Zusammenhang, der Vorinstanz sei ein
offensichtliches Versehen unterlaufen. Zudem habe sie auf
Sachverhaltselemente abgestellt, die gar nicht abgeklärt worden seien;
deshalb müsse der Sachverhalt im Sinne von Art. 64 OG ergänzt werden, wobei
über die strittige Frage vorgängig ein Beweisverfahren durchzuführen sei; die
Parteien hätten Anspruch darauf, zum Beweis zugelassen zu werden; indem die
Vorinstanz dies verweigert habe, habe sie auch bundesrechtliche
Beweisvorschriften verletzt.

1.1.3 Im angefochtenen Urteil wird ausgeführt, es sei grundsätzlich davon
auszugehen, dass die Klägerin eine Untervermietung als zulässig erachtet
habe, denn das Mietobjekt sei gemäss Vertrag zur Benützung für drei Personen
vermietet worden. Sodann wird festgehalten, dass die Untermietverhältnisse
vor dem 26. Juli 2003 unbestrittenermassen zwischen den beiden Parteien kein
Thema gewesen seien, so dass angenommen werden könne, die Klägerin habe sich
nicht für die Untermietbedingungen interessiert. Mit dem ersten Teil des
Satzes übernimmt das Obergericht eine Feststellung des erstinstanzlichen
Einzelrichters, der unter Hinweis auf die Vorbringen der Parteien festhielt,
diese gingen übereinstimmend davon aus, dass zwischen dem Vertragsschluss der
Klägerin mit dem Beklagten am 14. Mai 2002 und dem Schreiben der Klägerin vom
26. Juli 2003 die Untermietverhältnisse nie ein Thema gewesen seien. Zu
dieser Feststellung äussert sich die Klägerin mit der Berufung nicht. Sie
macht insbesondere nicht geltend, die Feststellung beruhe auf einem
offensichtlichen Versehen im Sinne von Art. 63 Abs. 2 OG oder sei unter
Verletzung bundesrechtlicher Beweisregeln zustande gekommen. Diese
Feststellung ist indessen allein entscheiderheblich. Beim vom Obergericht
daraus gezogenen Schluss, die Klägerin habe sich bis zu diesem Zeitpunkt
nicht für die Untermietbedingungen interessiert, handelt es sich um ein
obiter dictum. Allein entscheiderheblich ist in diesem Zusammenhang die
Feststellung, dass vor dem 26. Juli 2003 die Untermietverhältnisse kein Thema
gewesen seien, das heisst von der Seite der Klägerin keine Aufforderung bzw.
Mahnung im Sinne von Art. 257f Abs. 3 OR erfolgte. Ob sie vorher an den
Untermietbedingungen interessiert war oder nicht, brauchte deshalb von den
kantonalen Gerichten weder abgeklärt noch festgestellt zu werden. Auf die
diesbezüglich mit der Berufung vorgebrachten Sachverhaltsrügen ist mangels
Erheblichkeit nicht einzutreten.

1.1.4 Anders zu beurteilen ist dagegen der Zeitraum nach dem 26. Juli 2003.
Im Brief von diesem Tag, der an den Anwalt des Beklagten gerichtet war, wurde
dieser unmissverständlich aufgefordert, seinen Mandanten anzuhalten, der
Klägerin die Untermietverträge mit Frau C.________ und Herr D.________ bis am
8. August 2003 zuzustellen. Diese Willenserklärung erfüllt zweifellos die
Anforderungen an eine Mahnung im Sinne von Art. 257f Abs. 3 OR. Dass der
Beklagte der Aufforderung nicht nachkam, genügt jedoch noch nicht als Grund
für eine ausserordentliche Kündigung gestützt auf Art. 257f Abs. 3 OR. Die
Vorinstanz hat vielmehr zutreffend festgehalten, dass diese Bestimmung
zusätzlich eine nach der Mahnung erfolgende erneute oder andauernde
Pflichtverletzung voraussetzt, die eine gewisse objektive Schwere aufweist,
so dass dem Vermieter die Fortsetzung des Mietverhältnisses nicht zuzumuten
ist. Ob dies der Fall ist, entscheidet das Gericht nach seinem Ermessen (Art.
4 ZGB; Urteil des Bundesgerichts 4C.302/2003 vom 26. Mai 2004 E. 3.2; zum
Ganzen: Higi, Zürcher Kommentar, N. 56 ff. zu Art. 257f OR).

Solche Ermessensentscheide überprüft das Bundesgericht gemäss ständiger
Rechtsprechung an sich frei. Es übt dabei aber Zurückhaltung und greift nur
ein, wenn die kantonale Instanz von dem ihr zustehenden Ermessen einen
falschen Gebrauch gemacht hat, das heisst wenn sie grundlos von in Lehre und
Rechtsprechung anerkannten Grundsätzen abgegangen ist, wenn sie
Gesichtspunkte berücksichtigt hat, die keine Rolle hätten spielen dürfen,
oder wenn sie umgekehrt rechtserhebliche Umstände ausser Acht gelassen hat.
Aufzuheben und zu korrigieren sind ausserdem Ermessensentscheide, die sich
als im Ergebnis offensichtlich unbillig, als in stossender Weise ungerecht
erweisen (BGE 130 III 28 E. 4.1; 126 III 223 E. 4a).

Im vorliegenden Fall erweist sich der Ermessensentscheid des Obergerichts im
Ergebnis als haltbar. Der Beklagte hat sich zwar anfänglich geweigert,
Auskunft über die Untermietverhältnisse zu geben; offenbar weil er der
Auffassung war, die Meldung an die Einwohnerkontrolle genüge. Danach aber hat
er seine Haltung geändert. Mit Brief seines Anwalts vom 30. September 2003
hat er sich bereit erklärt, die Untermietverträge der neuen Untermieter, die
voraussichtlich anfangs bzw. Ende Oktober abgeschlossen würden, der Klägerin
zuzustellen. Insoweit lag keine andauernde oder wiederholte Pflichtverletzung
des Mieters vor, da es wenig Sinn gemacht hätte, wenn er die Verträge mit den
bisherigen Untermietern ausgehändigt hätte. Die dann vom Anwalt der Klägerin
mit Brief vom 27. Oktober bis 29. Oktober 2003 gesetzte Frist ist unter den
gegebenen Umständen eindeutig zu kurz bemessen. Das gilt umso mehr angesichts
des Umstandes, dass beide Anwälte am 31. Oktober 2003 an einer
Gerichtsverhandlung in Sachen ihrer Klienten teilzunehmen hatten, so dass es
nahe lag, bei dieser Gelegenheit auch die Untermietverträge zu übergeben, wie
der Anwalt des Beklagten jenem der Klägerin im E-mail vom 28. Oktober 2003
angekündigt hatte und wie es denn auch geschehen ist. Selbst wenn dieses
kurze Hinauszögern der Übergabe der Untermietverträge als erneute oder
andauernde Pflichtverletzung im Sinne von Art. 257f Abs. 3 OR zu
qualifizieren wäre, käme ihr jedenfalls nicht die erforderliche objektive
Schwere zu, welche für die Unzumutbarkeit der Fortsetzung des
Mietverhältnisses notwendig ist. Der Ermessensentscheid erweist sich damit -
wie bereits festgehalten - unter dem Gesichtspunkt von Art. 4 ZGB im Ergebnis
als haltbar, weshalb die Berufung in diesem Punkt abzuweisen ist.

1.2 Gemäss Art. 262 Abs. 2 lit. b OR kann der Vermieter die Zustimmung zur
Untermiete verweigern, wenn die Bedingungen des Untermietverhältnisses im
Vergleich zu jenen des Hauptmietvertrags missbräuchlich sind. Die Vorinstanz
hat die Missbräuchlichkeit mit der Begründung verneint, die beiden
Untermieter zahlten zusammen für die Benützung von zwei von fünf Zimmern
sowie verschiedenen Nebenräumen etwas weniger als die Hälfte des gesamten
Hauptmietzinses; dies bedeute keine erhebliche finanzielle Schlechterstellung
der Untermieter, womit nicht von missbräuchlichen Untermietbedingungen
ausgegangen werden könne.

Mit der Berufung rügt die Klägerin eine Verletzung von Art. 262 Abs. 2 lit. b
OR durch das Obergericht. Sie bringt vor, einerseits gelte nach der Lehre ein
Untermietzins, der wie im vorliegenden Fall mehr als 3 % über dem
Hauptmietzins liege, als missbräuchlich und andererseits dürfe bei teilweiser
Untervermietung nur dann auf das mathematische Verhältnis der Zimmer
abgestellt werden, wenn diese etwa gleich gross sind; sind sie dagegen
unterschiedlich gross, müsse eine differenzierte Berechnung nach
Quadratmetern vorgenommen und im Fall einer Mehrzahl von Untermietern die
Missbräuchlichkeit für jeden von ihnen getrennt geprüft werden.

1.2.1 Nach Lehre und Rechtsprechung bezweckt Art. 262 Abs. 2 lit. b OR in
erster Linie den Schutz der Interessen des Vermieters und nicht des
Untermieters. Der Vermieter soll sich nicht geprellt fühlen müssen, weil der
Mieter ohne Erbringung eigener Leistung deutlich mehr Geld aus der Mietsache
erzielt als er selbst (BGE 119 II 353 E. 6; Higi, a.a.O., N. 42 zu Art. 262;
Peter Heinrich, Die Untermiete, Diss. Zürich 1999, S. 102 f.). Aus dem so
verstandenen Grundzweck der Norm ergibt sich ohne weiteres, dass entgegen der
Auffassung der Klägerin im Fall, wo mehrere Untermietverträge bestehen, die
Prüfung nicht für jeden Untermieter getrennt, sondern für alle Untermieter
zusammen vorgenommen werden muss. Im Übrigen sind sich Rechtsprechung und
Lehre auch einig, dass nicht die Missbräuchlichkeit im Sinne der Art. 269 ff.
OR und damit der Schutz der Interessen des Untermieters den Massstab bilden
kann. Vielmehr sind die Leistung des Vermieters an den Mieter und dessen
Gegenleistung mit den entsprechenden Leistungen und Gegenleistungen von
Mieter und Untermieter bzw. Untermietern zu vergleichen, wobei ein Verhältnis
von Eins zu Eins in keinem Fall als missbräuchlich betrachtet wird (BGE 119
II 353 E. 5; SVIT-Kommentar Mietrecht, 2. Auflage, Zürich 1998, N. 17 zu Art.
262 OR; David Lachat, Le bail à loyer, Lausanne 1997, S. 379; Heinrich,
a.a.O., S. 104; Higi, a.a.O., N. 43 zu Art. 262 OR). Schliesslich gilt nach
Rechtsprechung und Lehre die Regel, dass bei bloss teilweiser Untervermietung
die von Mieter und Untermieter benutzte Anzahl Zimmer der Gesamtzahl der
Zimmer der ganzen Wohnung gegenüber zu stellen ist. Dabei sind gemeinsam
benutzte Räume wie insbesondere die Küche ebenfalls zu berücksichtigen. Von
dieser Regel darf nur abgewichen werden, wenn zwischen den Zimmern grosse
Flächenunterschiede bestehen (BGE 119 II 353 E. 5b; Heinrich, a.a.O., S.
116).

1.2.2 Im vorliegenden Fall weist die gemietete Wohnung zwei vom Mieter und
zwei von den Untermietern benützte Zimmer sowie eine gemeinsam benützte Küche
und Nebenräume auf. Gemäss der erwähnten Regel ist somit ein Verhältnis von
hundert zu fünfzig Prozent zwischen Brutto-Mietzins und Brutto-Untermietzins
in keinem Fall missbräuchlich. Der vom Beklagten bezahlte Brutto-Mietzins
beträgt Fr. 2'680.-- und der von den Untermietern insgesamt bezahlte
Brutto-Untermietzins Fr. 1'250.--. Damit besteht ein Verhältnis zwischen
Mietzins und Untermietzins, das bereits ohne Berücksichtigung der von der
Seite des Mieters anrechenbaren Unkosten oder zusätzlich erbrachten
Leistungen (vgl. dazu Heinrich, a.a.O., S. 108 ff.) die Grenze der
Missbräuchlichkeit eindeutig nicht erreicht. Daran würde sich nichts ändern,
wenn die - von der Vorinstanz im angefochtenen Urteil nicht erwähnte -
Behauptung der Klägerin richtig wäre, dass vom Bruttomietzins Fr. 100.--
abzuziehen sind, weil diese für einen vom Mieter allein benützten Parkplatz
bezahlt werden. Im Übrigen wird im angefochtenen Urteil nicht festgestellt,
wie gross die Grundfläche der einzelnen Zimmer ist. Die Klägerin bringt zwar
mit der Berufung entsprechende Behauptungen vor, formuliert aber keine im
Berufungsverfahren zulässige Sachverhaltsrügen (vgl. dazu BGE 119 II 353 E.
5c/aa S. 357; 115 II 484 E. 2a S. 485 f.), weshalb auf ihre Behauptungen
nicht eingetreten werden kann. Unter diesen Umständen braucht nicht zur Frage
Stellung genommen zu werden, ab welchen Grössenverhältnissen der Grundflächen
der einzelnen Zimmer von der oben erwähnten Regel abzuweichen ist. Nicht
entscheiderheblich und deshalb nicht zu diskutieren ist schliesslich auch die
von der Klägerin angerufene Lehrmeinung, nach der ein Untermietgewinn von
höchstens 3 % des Hauptmietzinses zulässig ist (Heinrich, a.a.O., S. 108).

2.
Die letzte Rüge der Klägerin betrifft die Frage, ob die am 8. Dezember 2003
erklärte, auf Art. 257d OR gestützte Kündigung gültig ist. Der
erstinstanzliche Richter bejahte dies, weil er die vom Beklagten am 16. Juli
2003 veranlasste und mit Entscheid des Mietgerichts Meilen vom 19. März 2004
beendete gerichtliche Hinterlegung des Mietzinses als unwirksam betrachtete.
Die Vorinstanz kam dagegen zum Schluss, der Hinterlegung sei gemäss Art. 259g
Abs. 2 OR befreiende Wirkung zugekommen, weshalb sich der Beklagte im
Zeitpunkt der Kündigung nicht in Zahlungsverzug befunden habe und die
Kündigung ungültig sei.

Die Klägerin macht mit der Berufung geltend, die Beurteilung der Vorinstanz
verletze Art. 259h OR, weil zur Erlangung der Hinterlegungswirkung nicht nur
die in Art. 257g OR formulierten Voraussetzungen gegeben sein müssten,
sondern dazu auch die rechtsgültige Anrufung der Schlichtungsbehörde im Sinne
von Art. 259h OR gehöre.

2.1 Das Gesetz gestattet dem Mieter die Hinterlegung der Mietzinse unter den
Voraussetzungen, dass er dem Vermieter schriftlich eine angemessene Frist zur
Beseitigung des Mangels setzt und ihm androht, dass er bei unbenütztem Ablauf
der Frist Mietzinse, die künftig fällig werden, bei einer vom Kanton
bezeichneten Stelle hinterlegen werde; die Hinterlegung ist dem Vermieter
schriftlich anzukündigen (Art. 259g Abs. 1 OR). Mit der Hinterlegung gilt der
Mietzins als bezahlt (Art. 259g Abs. 2 OR).

Hinterlegte Mietzinse fallen dem Vermieter zu, wenn der Mieter seine
Ansprüche gegenüber dem Vermieter nicht innert dreissig Tagen seit Fälligkeit
des ersten hinterlegten Mietzinses bei der Schlichtungsbehörde geltend
gemacht hat (Art. 259h Abs. 1 OR).

2.2 Nachdem der Beklagte die Mietzinse für die Monate August bis November
2003 hinterlegt und gemäss Art. 259h Abs. 1 OR an die Schlichtungsbehörde in
Mietsachen des Bezirkes Meilen gelangt war, entschied diese Behörde nach
gescheitertem Schlichtungsversuch mit Beschluss vom 3. November 2003, dass
das Hinterlegungsbegehren des Beklagten abgewiesen werde und die bereits
hinterlegten Mietzinse der Klägerin herauszugeben seien. Die
Schlichtungsbehörde begründete ihren Entscheid damit, dass der Beklagte nicht
glaubhaft gemacht habe, dass gegenwärtig ein Mangel im Sinne des Gesetzes
bestehe, weshalb sein Hinterlegungsbegehren abzuweisen sei. Darauf rief der
Beklagte gestützt auf Art. 259i Abs. 2 OR das Mietgericht des Bezirkes Meilen
an, wobei er die Aufhebung des Entscheids der Schlichtungsbehörde beantragte
und im Übrigen sein bereits bei der Schlichtungsbehörde gestelltes
Rechtsbegehren wiederholte.

Bevor das Mietgericht über die Klage entschieden hatte, erging die Verfügung
des Einzelrichters im summarischen Verfahren des Bezirksgerichts Meilen vom
3. März 2004, mit welcher die Kündigungsschutzbegehren des Beklagten
abgewiesen und der von der Klägerin beantragte Ausweisungsbefehl erteilt
wurde. In dieser Verfügung wird festgehalten, der Beklagte habe bei der
Schlichtungsbehörde keinen formellen Antrag auf Beseitigung eines Mangels
gestellt, womit eine der formellen Hinterlegungsvoraussetzungen gemäss Art.
259h Abs. 1 OR nicht erfüllt seien. Da die Klägerin bereits in ihrem
Schreiben vom 4. November 2003 auf diesen Umstand hingewiesen und Frist zur
Bezahlung der fälligen Mieten unter Androhung der Kündigung gesetzt habe, sei
der gute Glaube des Beklagten zu verneinen, zumal dieser anwaltlich vertreten
sei. Vor diesem Hintergrund erscheine die Hinterlegung rechtsmissbräuchlich
im Sinne von Art. 2 Abs. 2 ZGB, weshalb die befreiende Wirkung von Art. 259g
Abs. 2 OR nicht eingetreten sei und die gestützt auf Art. 257d OR
ausgesprochene Kündigung nicht angefochten werden könne.

2.3 Das Obergericht hat die Begründung des Einzelrichters zu Recht als
bundesrechtswidrig verworfen. Es weist zutreffend darauf hin, dass die
formellen Voraussetzungen der Hinterlegung in Art. 259g Abs. 1 OR und nicht -
wie der Einzelrichter anzunehmen scheint - auch in Art. 259h Abs. 1 OR
geregelt sind. Der Begriff der "formellen Hinterlegungsvoraussetzungen" wird
denn auch in Lehre und Rechtsprechung durchwegs im Zusammenhang mit Art. 259g
OR verwendet (BGE 125 III 120 E. 2 S. 121; Urteil des Bundesgerichts
4C.264/2003 vom 3. Dezember 2003, E. 3; Higi, a.a.O., N. 18 f. und N. 33 ff.
zu Art. 259g OR; derselbe in AJP 1999 S. 893). Im Übrigen schreibt Art. 259h
Abs. 1 OR dem Mieter entgegen der Meinung des Einzelrichters nicht vor, wie
er sein Rechtsbegehren vor der Schlichtungsbehörde zu formulieren hat. Wenn
diese Bestimmung anordnet, der Mieter habe "seine Ansprüche gegenüber dem
Vermieter" bei der Schlichtungsbehörde "geltend zu machen", kann daraus keine
Regel darüber abgeleitet werden, welchen Wortlaut ein entsprechendes
Rechtsbegehren haben muss. Und noch weniger ergibt sich daraus, dass der
Mieter rechtsmissbräuchlich handelt, wenn er gegen diese vermeintliche Regel
verstösst, mit der Folge, dass die befreiende Wirkung der Hinterlegung im
Sinne von Art. 259g Abs. 2 OR nicht eintritt. Damit erweist sich die mit der
Berufung vorgebrachte Rüge einer Verletzung von Art. 259h OR durch das
Obergericht als unbegründet.

3.
Aus diesen Gründen ist die Berufung abzuweisen, soweit auf sie eingetreten
werden kann.

Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist die Gerichtsgebühr der Klägerin
aufzuerlegen (Art. 156 Abs. 1 OG). Diese hat den Beklagten für das
bundesgerichtliche Verfahren zu entschädigen (Art. 159 Abs. 1 und 2 OG).

Soweit der Beklagte gestützt auf Art. 152 OG die Befreiung von der Bezahlung
der Gerichtskosten fordert, ist sein Gesuch aufgrund des Verfahrensausgangs
gegenstandslos geworden. Soweit er auch die unentgeltliche Verbeiständung
verlangt, ist dagegen im Hinblick auf eine allfällige Uneinbringlichkeit der
zugesprochenen Parteientschädigung über das Gesuch zu entscheiden. Dieses ist
insoweit gutzuheissen, da die Bedürftigkeit des Beklagten durch die von ihm
eingereichten Urkunden belegt ist, sein mit der Berufungsantwort gestelltes
Rechtsbegehren nicht aussichtslos und der Beizug eines Rechtsanwalts nötig
war. Im Dispositiv dieses Urteils ist deshalb festzuhalten, dass im Fall der
Uneinbringlichkeit der Parteientschädigung dem Anwalt des Beklagten der
entsprechende Betrag von der Bundesgerichtskasse ausbezahlt wird.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Berufung wird abgewiesen, soweit auf sie einzutreten ist.

2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 3'000.-- wird der Klägerin auferlegt.

3.
Die Klägerin hat den Beklagten für das bundesgerichtliche Verfahren mit Fr.
3'500.-- zu entschädigen.

Im Fall der Uneinbringlichkeit wird dieser Betrag dem Rechtsvertreter des
Beklagten zufolge Bewilligung der unentgeltlichen Verbeiständung von der
Bundesgerichtskasse ausgezahlt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Zürich, II.
Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 17. März 2005

Im Namen der I. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: