Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilabteilung 5C.171/2004
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5C.171/2004 /rov

Urteil vom 1. November 2004
II. Zivilabteilung

Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichterin Nordmann, Bundesrichter Meyer,
Bundesrichterin Hohl, Bundesrichter Marazzi,
Gerichtsschreiber von Roten.

X. ________,
Berufungsklägerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Tim Walker,

gegen

Verwaltungsgericht des Kantons Zug, Fürsorgerechtliche Kammer, Postfach 760,
6301 Zug.

fürsorgerische Freiheitsentziehung,

Berufung gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Zug,
Fürsorgerechtliche Kammer, vom 18. Juni 2004.

Sachverhalt:

A.
X. ________, geboren 1966, leidet seit ihrer Kindheit an Angst- und
Panikattacken. Nach einem Selbstmordversuch war sie erstmals im Jahre 1985
zunächst in der Psychiatrischen Klinik A.________ und dann in der
Psychiatrischen Klinik B.________ hospitalisiert. Mit Unterbrüchen von
wenigen Wochen weilte X.________ ab 9. Februar 2002 bis heute immer wieder in
Kliniken, Spitälern oder Kurhäusern. Die Klinikeintritte erfolgten teils
freiwillig, teils im Rahmen fürsorgerischer Freiheitsentziehungen, die
manchmal auf ihren Wunsch, mehrheitlich aber gegen ihren Willen behördlich
angeordnet wurden. Nach ihrer jeweiligen Entlassung, die sie unter anderem
zweimal gerichtlich erzwang, kam es vor, dass X.________ freiwillig in der
Klinik blieb, dann aber erneut den Austritt erzwang, um sich gleichentags
wieder mit dem Rettungsdienst einliefern zu lassen. In den Wochen zwischen
den verschiedenen Klinikaufenthalten lebte X.________ in Jugendherbergen oder
Hotels, da sie ihre eigene Wohnung gekündigt hatte. Der behördliche Versuch,
X.________ eine Unterkunft zu besorgen, scheiterte an ihrem Widerstand.

Aus medizinischer Sicht stellten die Klinikärzte und die gerichtlich
beigezogenen Gutachter L.________, I.________ und zuletzt K.________ eine im
Wesentlichen übereinstimmende Diagnose. Danach leidet X.________ an einer
gemischten Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen, histrionischen
und dissozialen Anteilen, an einer Panik- und Angststörung, einer
Zwangsstörung und einer Klaustrophobie.

Seit dem 3. Juli 2003 befindet sich X.________ wieder in der Klinik. Ihr
Gesuch um Entlassung wurde am 27. August 2003 abgewiesen. Die anschliessenden
Rechtsmittelverfahren blieben ohne Erfolg (zuletzt: Urteil des Bundesgerichts
5C.218/2003 vom 4. Dezember 2003).

B.
Am 16. Dezember 2003 verlangte X.________ erneut die sofortige Aufhebung der
fürsorgerischen Freiheitsentziehung. Der Gemeinderat G.________ wies das
Entlassungsgesuch ab und ordnete die weitere Zurückbehaltung in der
Psychiatrischen Klinik A.________ an (Beschluss vom 26. April 2004). Die von
X.________ dagegen erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des
Kantons Zug, Fürsorgerechtliche Kammer, ab, soweit darauf eingetreten werden
konnte (Urteil vom 18. Juni 2004).

C.
Mit eidgenössischer Berufung beantragt X.________ dem Bundesgericht in der
Sache, das Urteil des Verwaltungsgerichts und den Beschluss des Gemeinderats
aufzuheben und den Gemeinderat sofort, superprovisorisch und vorsorglich
anzuweisen, die Freiheitsentziehung mit sofortiger Wirkung aufzuheben,
eventualiter die sofortige Verlegung in die offene Abteilung einer anderen
Anstalt anzuordnen. Die Berufungsklägerin stellt weitere Anträge zum
Verfahren und ersucht um unentgeltliche Rechtspflege im bundesgerichtlichen
Verfahren. Das kantonale Verwaltungsgericht schliesst auf Abweisung der
Berufung. Die Gegenbemerkungen wurden der Berufungsklägerin zur Kenntnisnahme
zugestellt.

D.
Mit Verfügung vom 26. August 2004 ist der Präsident der II. Zivilabteilung
auf das Gesuch der Berufungsklägerin um sofortige Entlassung aus der Klinik
nicht eingetreten.

E.
Die gleichzeitig gegen das Urteil vom 18. Juni 2004 erhobene staatsrechtliche
Beschwerde der Berufungsklägerin hat die II. Zivilabteilung vorweg beurteilt
und mit Urteil vom heutigen Tag abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden
konnte (5P.317/2004).

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht ergibt sich Folgendes:
1.1 Gemäss Art. 44 lit. f OG ist die Berufung in Fällen der fürsorgerischen
Freiheitsentziehung zulässig. Das Recht der Berufung beschränkt sich nicht
auf die Anordnung der fürsorgerischen Freiheitsentziehung, sondern ist
generell zulässig gegen alle gestützt auf Art. 397a-397f ZGB ergangenen
Entscheide. Die Berufung ist demnach zulässig gegen den Entscheid, mit dem
ein unfreiwilliger Freiheitsentzug verlängert wird (zit. Urteil 5C.218/2003,
E. 1.1).
1.2 Mit der Berufung kann geltend gemacht werden, der angefochtene Entscheid
beruhe auf Verletzung des Bundesrechts mit Einschluss der durch den Bund
abgeschlossenen völkerrechtlichen Verträge. Wegen Verletzung
verfassungsmässiger Rechte der Bürger ist die staatsrechtliche Beschwerde
vorbehalten (Art. 43 Abs. 1 OG). Nicht eingetreten werden kann auf die
Beanstandungen betreffend die Art und Durchführung der fürsorgerischen
Freiheitsentziehung und die Behandlung in der Klinik, zumal diese Fragen im
kantonalen Recht geregelt sind (BGE 125 III 169 E. 3 S. 171 ff.; 130 I 16 E.
4.1 S. 18). Nicht eingetreten werden kann auf die gerügten Verletzungen von
Rechten des Bürgers gemäss den Bestimmungen der EMRK, zumal die Verletzung
von Konventionsgarantien in verfahrensrechtlicher Hinsicht der Verletzung von
verfassungsmässigen Rechten gleichgestellt und mit der staatsrechtlichen
Beschwerde geltend zu machen ist (BGE 101 Ia 67 Nr. 13 und die seitherige
Rechtsprechung: z.B. BGE 124 III 1 E. 1b S. 2). Zulässiger Berufungsgrund ist
hingegen, dass die Art. 397a ff. ZGB nicht verfassungs- und
konventionskonform angewendet bzw. ausgelegt worden sein sollen (vgl. dazu E.
4 des Beschwerdeurteils 5P.317/2004).

1.3 Anfechtungsobjekt ist das Urteil des Verwaltungsgerichts als oberer
kantonaler Gerichtsbehörde. Die gesetzlichen Voraussetzungen für eine
Anfechtung des erstinstanzlichen Beschlusses des Gemeinderats sind hier
offenkundig nicht erfüllt, so dass auf den entsprechenden Aufhebungsantrag
nicht eingetreten werden kann (vgl. Art. 48 OG). Der Antrag, das
verwaltungsgerichtliche Urteil aufzuheben, genügt den formellen Anforderungen
an einen Berufungsantrag grundsätzlich nicht (BGE 130 III 136 E. 1.2 S. 139),
doch ist auf Grund der im kantonalen Verfahren gestellten Rechtsbegehren und
der Berufungsbegründung klar, dass zur Hauptsache die Aufhebung der
fürsorgerischen Freiheitsentziehung verlangt wird (Art. 55 Abs. 1 lit. b OG;
BGE 129 III 55 E. 1.2, nicht veröffentlicht). Die weitergehenden Anträge in
Ziff. 1, 4, 5 und 7 begründet die Berufungsklägerin nicht näher, so dass
darauf nicht eingetreten werden kann (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG; vgl. im
Einzelnen zu diesen Anträgen: E. 1.3 des Beschwerdeurteils 5P.317/2004).

1.4 Ausser zur Feststellung der formellen Berufungsvoraussetzungen (z.B. Art.
36 Abs. 2 OG) und in Patentprozessen (Art. 67 OG) darf das Bundesgericht
selber keine Beweismassnahmen treffen. Auf die Beweisanträge der
Berufungsklägerin sowie auf ihren Antrag, sie als Partei anzuhören und zu
befragen, kann deshalb nicht eingetreten werden (zit. Urteil 5C.218/2003, E.
1.2).
1.5 Mit den erwähnten Vorbehalten ist die Berufung zulässig. Auf die
formellen Anforderungen an die Berufungsschrift (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG)
wird im Sachzusammenhang hinzuweisen sein (allgemein: BGE 116 II 745 E. 3 S.
748 f.; 129 III 404 E. 4.4.2 S. 408).

2.
Die Berufungsklägerin wendet sich gegen die verwaltungsgerichtliche
Ermittlung und Feststellung des Sachverhalts und macht eine Verletzung von
Art. 397f Abs. 1 und von Art. 8 ZGB geltend. Sie rügt (vorab in Ziff. 1 bis 3
und Ziff. 18), das Verwaltungsgericht habe sich mit ihren Behauptungen und
Bestreitungen nicht auseinandergesetzt, von ihr beantragte
Beweismittelerhebungen nicht durchgeführt und mehrere Beweisanträge
abgelehnt.

2.1 Im Berufungsverfahren ist das Bundesgericht an die tatsächlichen
Feststellungen der letzten kantonalen Instanz gebunden, ausser sie beruhten
offensichtlich auf Versehen (Art. 63 Abs. 2 OG), wären unter Verletzung
bundesrechtlicher Beweisvorschriften zustande gekommen oder zu ergänzen (Art.
64 OG). Die Beurteilung einer Versehensrüge im Sinne von Art. 63 Abs. 2 OG
setzt voraus, dass die angefochtene Feststellung sowie die Aktenstelle, mit
der sie in Widerspruch stehen soll, genau angegeben werden (Art. 55 Abs. 1
lit. d OG). Wer ein Verfahren nach Art. 64 OG verlangt, hat aufzuzeigen und
mit Aktenhinweisen zu belegen, dass er im kantonalen Verfahren die Tatsachen,
die zu Unrecht für unerheblich erklärt worden sein sollen, wirklich
vorgebracht und zu deren Beweis form- und fristgerecht Anträge gestellt hat
(BGE 119 II 353 E. 5c/aa S. 357). Diesen formellen Anforderungen genügen die
Einwände der Berufungsklägerin gegen die verwaltungsgerichtliche Ermittlung
und Feststellung des Sachverhalts nicht. Sie erweisen sich vielmehr als eine
blosse Kritik an der Beweiswürdigung und beinhalten eine Ergänzung des
Sachverhalts. Derartige Vorbringen sind in der Berufung unzulässig (Art. 55
Abs. 1 lit. c OG; BGE 130 III 102 E. 2.2 S. 106, 136 E. 1.4 S. 140 und 353 E.
2.2.3 S. 361).

2.2 Die Berufungsklägerin hält dafür, die Ablehnung ihrer Anträge auf Beizug
bestimmter Akten verstosse gegen Art. 397f Abs. 1 ZGB, weil das Gericht unter
der Herrschaft der Untersuchungsmaxime verpflichtet sei, die notwendigen
Beweise zu erheben.

2.2.1 Gemäss Art. 397f Abs. 1 ZGB entscheidet das Gericht in einem einfachen
und raschen Verfahren. Zur Untersuchungsmaxime sagt diese Bestimmung - ihrem
Wortlaut nach - nichts, doch nehmen Lehre und Rechtsprechung an, im
kantonalen Verfahren der gerichtlichen Beurteilung gelte von Bundesrechts
wegen die Untersuchungsmaxime, d.h. der Sachverhalt müsse von Amtes wegen
festgestellt werden. Begründet - wenn überhaupt - wird diese Auffassung teils
unter Hinweis auf die Materialien, teils aber auch mit dem Wesen der
fürsorgerischen Freiheitsentziehung (aus der Rechtsprechung: BGE 107 II 314
E. 2 S. 316/317; Urteil 5P.476/2000 vom 30. Januar 2001, E. 3c; aus der
Lehre: Geiser, Basler Kommentar, 2002, N. 2 Abs. 3, und Spirig, Zürcher
Kommentar, 1995, N. 8, je zu Art. 397e ZGB; Raemy, Verfahrensrechtliche
Aspekte der fürsorgerischen Freiheitsentziehung im Kanton Freiburg, FZR/RFJ
1993 S. 256, S. 262; Imhof, Der formelle Rechtsschutz, insbesondere die
gerichtliche Beurteilung, bei der fürsorgerischen Freiheitsentziehung, Diss.
Freiburg i.Ue. 1999, Bern 1999, S. 210, mit Hinweisen).

2.2.2 Die verwiesenen Stellen in der bundesrätlichen Botschaft (BBl 1977 III
1) sind nicht schlüssig: In der Erläuterung der Bestimmung über den
Rechtsbeistand wird das "Offizialprinzip" vorausgesetzt, dessen Geltung aber
nicht begründet (a.a.O., S. 40 Ziff. 243.4), und im Zusammenhang mit dem
einfachen und raschen Verfahren findet sich zwar ein Hinweis auf die
Untersuchungsmaxime in Arbeitsstreitigkeiten (Art. 343 Abs. 4 OR), doch fehlt
eine entsprechende Bestimmung im Gesetzesentwurf (a.a.O., S. 41 Ziff. 243.5).
Die Untersuchungsmaxime ergibt sich dagegen zwanglos aus der Rechtsnatur der
fürsorgerischen Freiheitsentziehung. Sie gehört zum Vormundschaftsrecht und
tritt als vormundschaftliche Massnahme neben die Entmündigung und die
Beistandschaft (vgl. Schnyder, Die fürsorgerische Freiheitsentziehung als
Teil des schweizerischen Vormundschaftsrechtes, ZVW 35/1980 S. 121 ff.). Hier
wie dort bezweckt die Massnahme den staatlichen Schutz von Personen, die für
sich nicht mehr sorgen können. Sie ergeht in einem amtlichen, im Interesse
des Schutzbedürftigen von Amtes wegen oder auf Anzeige hin eingeleiteten
Verfahren, in dem die Handlungsfähigkeit als unverzichtbares
Persönlichkeitsrecht (Art. 27 Abs. 1 ZGB) in Frage steht und die staatlichen
Organe das Interesse des Schutzbedürftigen zu wahren haben (vgl. BGE 38 II
448 E. 2 S. 450; 124 I 40 E. 3d S. 44; Schnyder/Murer, Berner Kommentar,
1984, N. 117 ff. zu Art. 373 ZGB, mit Hinweisen).

2.2.3 Die Untersuchungsmaxime schliesst eine vorweggenommene Beweiswürdigung
nicht aus. Verfügt das Gericht über genügende Grundlagen für eine
sachgerechte Entscheidung, kann es auf weitere Beweiserhebungen verzichten
(z.B. BGE 114 II 200 E. 2b S. 201 sowie BGE 125 III 401 E. 1b und 128 III 161
E. 2b/aa, je nicht veröffentlicht; Urteil 5C.153/2002 vom 16. Oktober 2002,
E. 3.1.1, zusammengefasst in: ZVW 58/2003 S. 153). Die
verwaltungsgerichtliche Abweisung der von der Berufungsklägerin gestellten
Editionsbegehren beruht auf vorweggenommener Beweiswürdigung. Die dagegen
erhobene staatsrechtliche Beschwerde musste abgewiesen werden, soweit darauf
eingetreten werden konnte (vgl. E. 3.3 des Beschwerdeurteils 5P.317/ 2004).
Die Untersuchungsmaxime ist daher nicht verletzt.

2.3 Im gleichen Zusammenhang rügt die Berufungsklägerin eine Verletzung von
Art. 8 ZGB. Der daraus abgeleitete bundesrechtliche Beweisanspruch schliesst
eine vorweggenommene Beweiswürdigung nicht aus, weshalb auf das soeben zur
Untersuchungsmaxime Gesagte verwiesen werden kann (für Art. 8 ZGB: BGE 129
III 18 E. 2.6 S. 24 f.). Die Berufung bleibt insgesamt erfolglos, soweit sie
die Ermittlung und Feststellung des Sachverhalts durch das Verwaltungsgericht
betrifft.

3.
Gegen das Verfahren erhebt die Berufungsklägerin im Wesentlichen drei
Einwände:
3.1 Wie bereits in der staatsrechtlichen Beschwerde macht die
Berufungsklägerin (vorab in Ziff. 4 und 5) eine Verletzung der Prüfungs- und
Begründungspflicht geltend, stützt ihre Rüge im Berufungsverfahren aber statt
auf Art. 29 Abs. 2 BV auf Art. 397e Ziff. 1 ZGB. Danach muss die betroffene
Person bei jedem Entscheid "über die Gründe der Anordnung unterrichtet und
schriftlich darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie das Gericht anrufen
kann". Diese Bestimmung stellt nach ihrem Wortlaut vorab formelle
Anforderungen an den erstinstanzlichen Entscheid und äussert sich
grundsätzlich nicht zur Begründungspflicht von Rechtsmittelinstanzen. Das
Verhältnis der beiden Bestimmungen zueinander kann indessen letztlich
dahingestellt bleiben (vgl. auch Art. 31 BV mit der Marginalie
"Freiheitsentzug"). Es genügt hier die Feststellung, dass Art. 397e Ziff. 1
ZGB - zumindest inhaltlich - nicht über die verfassungsmässigen Garantien
hinausgeht (vgl. Geiser, N. 4 zu Art. 397e ZGB; Urteil des Bundesgerichts
5C.31/1991 vom 26. März 1991, E. 3). Auf das im Urteil 5P.317/2004 über die
staatsrechtliche Beschwerde Gesagte kann deshalb verwiesen werden (E. 2
dortselbst). Das verwaltungsgerichtliche Urteil verletzt Art. 397e Ziff. 1
ZGB nicht.

3.2 Die Berufungsklägerin wendet ein, auf die Begutachtung durch Dr.
L.________ - vom 26. Mai/10. September 2003 - dürfe nicht abgestellt werden
(Ziff. 17). Der Einwand geht an der Sache vorbei. Das Verwaltungsgericht hat
sein Urteil auf ein neu eingeholtes Sachverständigengutachten von Dr.
K.________ gestützt, das am 1. Juni 2004 erstattet und den Parteien
zugestellt wurde. Inwiefern unter diesen Umständen Art. 397e Ziff. 5 ZGB,
wonach bei psychisch Kranken nur unter Beizug von Sachverständigen
entschieden werden darf, verletzt sein könnte, ist nicht ersichtlich (vgl.
dazu im Übrigen: BGE 128 III 12 E. 4 S. 14 ff.).
3.3 Eine Verletzung des Beschleunigungsgebots (Art. 397f Abs. 1 ZGB) erblickt
die Berufungsklägerin darin, dass der Gemeinderat erst nach viereinhalb
Monaten über ihr Entlassungsgesuch entschieden habe (Ziff. 16). Auf die Rüge
kann nicht eingetreten werden, zumal sich die Berufungsklägerin mit der
verwaltungsgerichtlichen Erwägung zur Verfahrensdauer (E. 9 S. 18) nicht
ansatzweise auseinandersetzt (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG). Davon abgesehen kann
eine nach wie vor materiell berechtigte Klinikeinweisung nicht mit dem
Hinweis auf die zu lange Verfahrensdauer erfolgreich angefochten werden (BGE
127 III 385 E. 3b S. 390). Auf die materiellen Voraussetzungen der
fürsorgerischen Freiheitsentziehung ist nachstehend einzugehen.

4.
Gemäss Art. 397a ZGB muss die von der fürsorgerischen Freiheitsentziehung
betroffene Person entlassen werden, sobald ihr Zustand es erlaubt (Abs. 3),
darf aber - unter anderem - wegen Geisteskrankheit in einer geeigneten
Anstalt zurückbehalten werden, wenn ihr die nötige persönliche Fürsorge nicht
anders erwiesen werden kann (Abs. 1). Die Berufungsklägerin bestreitet das
Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen insgesamt (Ziff. 20). Mit
Rücksicht auf die formellen Anforderungen an die Berufungsschrift geht es
namentlich um ihre Fürsorgebedürftigkeit und die Verhältnismässigkeit des
Zurückbehaltens in der Klinik (vorab Ziff. 6 bis 11).

4.1 Entgegen der Darstellung der Berufungsklägerin (vorab in Ziff. 13)
besteht mit Art. 397a Abs. 1 ZGB eine gesetzliche Grundlage für das
Unterbringen und für das Zurückbehalten in einer geeigneten Anstalt, sofern
die gesetzlichen Voraussetzungen - Schwächezustand, Fürsorgebedürftigkeit und
Verhältnismässigkeit - erfüllt sind.

4.2 Das Verwaltungsgericht hat sich mit dem Vorliegen eines Schwächezustandes
eingehend befasst (E. 3 S. 7 ff.). Gestützt auf das neu erhobene
Sachverständigengutachten und in Würdigung der gesamten Krankengeschichte ist
es davon ausgegangen, bei der Berufungsklägerin liege nach wie vor eine
Geisteskrankheit bzw. ein Schwächezustand im Gesetzessinne vor (E. 3c S. 10).
Was die Berufungsklägerin heute dagegenhält (vorab in Ziff. 12 bis 15), ist
nicht geeignet, diese rechtliche Beurteilung in Frage zu stellen. Eine
Auseinandersetzung mit den medizinischen Befunden fehlt vollständig. Die
Berufungsschrift erschöpft sich diesbezüglich in Vorwürfen gegenüber
behandelnden Ärzten und kantonalen Behörden. Auf die Berufung kann insoweit
nicht eingetreten werden (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG). In Anbetracht dessen ist
vom Vorliegen einer Geisteskrankheit auszugehen.

4.3 Zur Selbstgefährdung hat das Verwaltungsgericht ausgeführt, die Gefahr
eines Selbstmords sei gestützt auf die gutachterlichen Angaben derzeit im
geschützten Rahmen weitgehend auszuschliessen, nicht aber für den Fall einer
unvorbereiteten Entlassung der Berufungsklägerin. Entscheidend hat das
Verwaltungsgericht darauf abgestellt, dass bei der Berufungsklägerin - sowohl
im Klinikrahmen als auch im Falle einer sofortigen Entlassung - nach wie vor
eine massive soziale Isolation und eine schwerwiegende seelische und
affektive Verwahrlosung bestehe. Das Selbstgefährdungspotenzial sei als
schwer, akut und erheblich zu qualifizieren (E. 4a S. 10 ff.).

Gegen die angenommene Fürsorgebedürftigkeit wendet die Berufungsklägerin
zunächst ein (vorab in Ziff. 6 f.), sie sei früher bereits zweimal
gerichtlich entlassen worden. Dass diese Entlassungen ihre
Schutzbedürftigkeit nicht zu widerlegen vermögen, zeigt die einleitend
auszugsweise geschilderte Vorgeschichte (Bst. A hiervor). Es muss vielmehr
davon ausgegangen werden, dass der Berufungsklägerin - bedingt durch ihre
Geisteskrankheit - ein einigermassen menschenwürdiges Dasein ausserhalb des
geschützten Rahmens einer geeigneten Anstalt bis auf weiteres nicht möglich
ist. Soweit die Berufungsklägerin geltend macht, es genügte, wenn der
Gemeinderat ihr bei der Wohnungssuche helfen würde, kann ihr nicht gefolgt
werden. Gemäss den verbindlichen Feststellungen des Verwaltungsgerichts sind
behördliche Versuche, sie angemessen unterzubringen, an ihrem Widerstand
gescheitert.

Insgesamt muss von einer Fürsorgebedürftigkeit der Berufungsklägerin
ausgegangen werden, solange sich die Auswirkungen ihrer Geisteskrankheit
nicht zuverlässig kontrollieren lassen.

4.4 Die Verhältnismässigkeit des Klinikaufenthalts hat das Verwaltungsgericht
beurteilt anhand der Kriterien Krankheitseinsicht, Bereitschaft, in eine
medizinisch notwendige Behandlung einzuwilligen, soziale Begleitumstände
(Wohnung/Arbeit/Beziehungsnetz) und Folgen einer sofortigen Entlassung (E. 5
S. 13 ff.). Der Schluss des Verwaltungsgerichts, dass der Berufungsklägerin
derzeit die nötige persönliche Fürsorge noch nicht ausserhalb der Klinik
erwiesen werden könne (E. 5f S. 16 f.), erscheint jedenfalls - auf Grund der
Vorbringen in der Berufung - nicht als bundesrechtswidrig.

Auf zwei Punkte ist kurz einzugehen: Zum einen wehrt sich die
Berufungsklägerin (vorab in Ziff. 7) gegen die gutachterliche Feststellung,
ihre Krankheitseinsicht sei nur ungenügend vorhanden (vgl. E. 5a S. 13 f. des
Urteils). Sie wendet ein, die bisherigen widersprüchlichen Diagnosen hätten
bei ihr kein Vertrauen zu schaffen vermocht, weshalb sich sogar die Frage
gestellt habe, bezüglich welcher Krankheit ihr die Einsicht fehle. Die
Auffassung kann nicht geteilt werden. Gemäss den verbindlichen Feststellungen
im Urteil lautet die Diagnose seit 2002 immer wieder gleich (E. 3b S. 9 f.).
Es muss deshalb von einer ungenügenden Krankheitseinsicht ausgegangen werden.
Zum anderen verweist die Berufungsklägerin auf die Zusicherung eines Arztes,
die Nachbehandlung bzw. eine ambulante Therapie durchzuführen, sowie auf die
Tatsache, dass sie zwischenzeitlich von der geschlossenen auf die offene
Abteilung der Klinik verlegt worden sei (vorab in Ziff. 11). Wie das
Verwaltungsgericht zu Recht hervorgehoben hat, setzt eine ambulante
Behandlung voraus, dass - nebst Krankheitseinsicht und einem tragfähigen
"ambulanten Problemlösungssystem" (E. 5e S. 15 f.) - die Bereitschaft
besteht, in eine ärztliche Behandlung einzuwilligen. Nach den verbindlichen
Feststellungen fehlt es aber auch daran (E. 5b S. 14 des
verwaltungsgerichtlichen Urteils).

Bereits auf Grund der soeben erörterten Kriterien - mangelnde
Krankheitseinsicht und fehlende Behandlungsbereitschaft - kann es nicht als
unverhältnismässig bezeichnet werden, die Berufungsklägerin bis auf weiteres
in der Klinik zurückzubehalten (vgl. dazu Spirig, N. 302 ff. zu Art. 397a
ZGB; Urteil 5C.141/2002 vom 4. Juli 2002, E. 4 und 5, in: Pra 2002 Nr. 211 S.
1124 ff.).
4.5 Aus den dargelegten Gründen bleibt die Berufung ohne Erfolg, was die
gesetzlichen Voraussetzungen dafür angeht, die Berufungsklägerin in einer
geeigneten Anstalt zurückzubehalten. Ob die Psychiatrische Klinik A.________
eine geeignete Anstalt im Gesetzessinne sei, hat das Verwaltungsgericht
abschliessend geprüft und bejaht (E. 6 S. 17). Die Berufungsklägerin
bestreitet dies zwar erneut (vorab in Ziff. 19), bringt aber nichts
Stichhaltiges gegen die angefochtene Beurteilung vor. Entgegen ihrer Annahme
kann nicht verlangt werden, dass geradezu eine ideale Anstalt zur Verfügung
steht. Es muss vielmehr genügen, dass die Anstalt - wie hier - den
wesentlichen Bedürfnissen der Berufungsklägerin nach Betreuung, Therapie und
Beschäftigung entspricht (vgl. Geiser, N. 24 f. zu Art. 397a ZGB).

5.
Insgesamt muss die eidgenössische Berufung abgewiesen werden, soweit darauf
eingetreten werden kann. Die Berufungsklägerin wird damit kostenpflichtig
(Art. 156 Abs. 1 OG). Ihre Vorbringen haben sich zur Hauptsache als
unzulässig und im Übrigen als unbegründet erwiesen, so dass von einer
Berufungseinlegung mit Aussicht auf Erfolg nicht ernsthaft ausgegangen werden
durfte. Das Gesuch der Berufungsklägerin um unentgeltliche Rechtspflege muss
deshalb abgewiesen werden (Art. 152 OG). Aus dem gleichen Grund besteht für
die beantragte Durchführung einer mündlichen Verhandlung vor Bundesgericht
(Rechtsbegehren-Ziff. 6) kein Anlass.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Berufung wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- wird der Berufungsklägerin auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird der Berufungsklägerin und dem Verwaltungsgericht des
Kantons Zug, Fürsorgerechtliche Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 1. November 2004

Im Namen der II. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: