Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilabteilung 5C.203/2004
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5C.203/2004 /blb

Urteil vom 22. April 2005
II. Zivilabteilung

Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichterin Escher, Bundesrichter Marazzi,
Gerichtsschreiberin Scholl.

X. ________,
Beklagter und Berufungskläger,
vertreten durch Fürsprecher Johann Schneider,

gegen

Y.________,
Klägerin und Berufungsbeklagte,
vertreten durch Fürsprecher Martin Bürgi.

Güterrechtlicher Gewinnbeteiligungsanspruch,

Berufung gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Bern, Appellationshof,
1. Zivilkammer, vom 21. Juli 2004.

Sachverhalt:

A.
X. ________ und Y.________ heirateten am xxxx 1970. Ihre Ehe stand unter dem
gesetzlichen Güterstand der Errungenschaftsbeteiligung. Im Jahre 1988 wurde
auf Begehren von Y.________ die Gütertrennung angeordnet, welche jedoch erst
während des Scheidungsverfahrens nach Erstellung des güterrechtlichen
Inventars des Notars N.________ vom 13. September 1991/6. April 1992 mit
Rückwirkung auf den 21. Juli 1988 abgewickelt werden konnte. X.________ hatte
von seinem Vater im Jahre 1979 das landwirtschaftliche Heimwesen "H.________"
zum Anrechnungswert von Fr. 190'000.-- übernommen, wovon der Vater dem Sohn
Fr. 23'000.-- geschenkt hatte. Die im Verlauf des Scheidungsverfahrens
vorgenommene amtliche Schätzung des Heimwesens ergab einen Ertragswert von
Fr. 306'390.--, der Nutzwert des Inventars wurde mit Fr. 207'520.--
ermittelt.
Am 31. Oktober 1995 wurde die Ehe der Parteien geschieden und das Gericht
stellte unter Hinweis auf das güterrechtliche Inventar fest, dass die
Parteien güterrechtlich auseinander gesetzt seien. Dabei wurde gestützt auf
das Inventar von Notar N.________ ein Eigengut von Y.________ von Fr.
2'500.--, ein solches von X.________ von Fr. 23'000.-- und bei der Berechnung
der Vorschläge beidseitig ein Rückschlag festgestellt. Schliesslich wurde das
Heimwesen zum oben erwähnten Anrechnungswert der Errungenschaft von
X.________ zugewiesen.

B.
Am 24. September 1998 verkaufte X.________ sein Heimwesen seinem Cousin und
dessen Sohn zum Preis von Fr. 750'000.--. Zwei Wochen später liess Y.________
die vorläufige Eintragung einer Grundpfandverschreibung vorsorglich
vormerken, und mit Klage vom 21. Mai 1999 forderte sie die gerichtliche
Verurteilung von X.________ zur Bezahlung ihres Gewinnanteils aus dem Verkauf
des Heimwesens.
Erstinstanzlich wurde das Verfahren zunächst auf die Frage beschränkt, ob es
sich beim Heimwesen "H.________" um Eigengut oder Errungenschaft von
X.________ handelte; daraufhin wurde die Klage mit Urteil vom 12. Dezember
2000 abgewiesen. Auf Appellation hob der Appellationshof des Kantons Bern
diesen Entscheid am 3. Juli 2001 auf und stellte fest, dass mit
Ehescheidungsurteil vom 31. Oktober 1995 die Zugehörigkeit des Heimwesens zur
Errungenschaft von X.________ rechtskräftig festgestellt worden sei. Der
erstinstanzliche Richter hiess daraufhin die Klage teilweise gut und
verpflichtete X.________, Y.________ einen Gewinnanteil aus dem Verkauf des
Heimwesens "H.________" von Fr. 41'293.-- zuzüglich Zins zu bezahlen.

C.
Dagegen appellierten beide Parteien an den Appellationshof des Kantons Bern;
Y.________ mit dem Begehren, ihr einen Gewinnanteil von Fr. 163'442.--
zuzusprechen, X.________ mit dem Begehren, die Klage vollumfänglich
abzuweisen. Mit Urteil vom 21. Juli 2004 hiess der Appellationshof die Klage
im Teilbetrag von Fr. 116'954.50 zuzüglich Zins gut.

D.
Gegen dieses Erkenntnis hat X.________ eidgenössische Berufung eingelegt und
die Aufhebung des angefochtenen Urteils sowie die Abweisung der Klage
beantragt.
Es ist keine Vernehmlassung der obersten kantonalen Instanz und keine
Berufungsantwort eingeholt worden.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Im vorliegenden Fall handelt es sich um eine vermögensrechtliche
Zivilrechtsstreitigkeit im Sinne von Art. 46 OG. Der erforderliche Streitwert
für das Berufungsverfahren ist gegeben. Die Berufung ist rechtzeitig erhoben
worden und richtet sich gegen einen Endentscheid eines oberen kantonalen
Gerichts, der nicht mehr durch ein ordentliches kantonales Rechtsmittel
angefochten werden kann (Art. 54 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 OG).

2.
Nach Auffassung des Beklagten hat der Appellationshof den (bundesrechtlichen)
Begriff der abgeurteilten Sache in unzulässiger Weise ausgedehnt und zu
Unrecht angenommen, das Gewerbe "H.________" sei mit dem Ehescheidungsurteil
vom 31. Oktober 1995 rechtskräftig der Errungenschaft des Beklagten
zugewiesen worden. Er fordert daher als Hauptbegehren die Zuweisung des
Heimwesens "H.________" zum  Eigengut. Für den Fall, dass das Bundesgericht
zum Ergebnis kommen sollte, das Gewerbe "H.________" sei der Errungenschaft
zuzuweisen, geht er offenbar davon aus, die Differenz zwischen dem
Anrechnungswert beim Kauf und dem Verkaufserlös sei ihm unentgeltlich
zugefallen, womit gemäss Art. 209 ZGB eine Ersatzforderung seines Eigengutes
gegenüber der Errungenschaft entstanden sei, was wiederum eine
Gewinnbeteiligung der Klägerin ausschliesse. Als Subeventualstandpunkt bringt
der Beklagte gewisse Korrekturen an der Berechnung der vorinstanzlichen neuen
güterrechtlichen Auseinandersetzung an.

3.
Nach Auffassung des Beklagten hat der Appellationshof den (bundesrechtlichen)
Begriff der abgeurteilten Sache in unzulässiger Weise ausgedehnt und zu
Unrecht angenommen, das Gewerbe "H.________" sei mit dem Ehescheidungsurteil
vom 31. Oktober 1995 rechtskräftig der Errungenschaft des Beklagten
zugewiesen worden.

3.1 Der Appellationshof hat die Frage nicht im angefochtenen Urteil vom 21.
Juli 2004 beantwortet, sondern in jenem vom 3. Juli 2001. Der Beklagte
verzichtete auf eine Berufung gegen jenen Entscheid. Dieser selbstständige
Vorentscheid unterliegt indes zusammen mit dem Endentscheid der Berufung
(Art. 48 Abs. 3 OG).

3.2 Die Frage, ob der erneuten Geltendmachung eines Anspruches die materielle
Rechtskraft entgegensteht, wird seit BGE 95 II 639 auch vom Bundesrecht
beherrscht. Mittels Berufung an das Bundesgericht kann sowohl gerügt werden,
der kantonale Richter habe die Einrede der abgeurteilten Sache zu Unrecht
geschützt, als auch, er habe sie zu Unrecht verworfen (BGE 105 II 149 E. 1 S.
151). Die Rüge, Gegenstand - wenn auch nur beiläufig - des vorinstanzlichen
Urteils, ist demnach zulässig.

3.3 In seinem Entscheid vom 3. Juli 2001 hatte der Appellationshof einzig zu
prüfen, ob die Zuordnung des Heimwesens an die Errungenschaft des Beklagten
gestützt auf das güterrechtliche Inventar durch das Scheidungsurteil vom 31.
Oktober 1995 auf den Zeitpunkt der Gütertrennung bereits rechtskräftig
entschieden worden sei: Der Appellationshof hat erwogen, die
Rechtskraftwirkung erfasse nur den gleichen Streitgegenstand.
Anspruchsidentität liege vor, wenn der neue Anspruch aus demselben
Rechtsgrund und gestützt auf denselben Sachverhalt dem Richter erneut zur
Beurteilung unterbreitet werde; somit seien nach dem Grundsatz der
materiellen Rechtskraft Angriffe auf sämtliche Tatsachen ausgeschlossen, die
im Zeitpunkt des ersten Urteils bereits bestanden hätten. Dabei könne nicht
immer auf das Dispositiv abgestellt werden, insbesondere wenn - wie im
Scheidungsurteil üblich - lediglich die güterrechtliche Auseinandersetzung
festgehalten werde, ohne die einzelnen beurteilten Ansprüche im Detail
anzuführen. Dieser Schlussfolgerung würden immer die Schritte gemäss Art. 196
ff. ZGB vorausgehen, weshalb in Bezug auf die Massezuordnung auch
rechtskräftig entschieden werde. Müsse, wie vorliegend, eine neue
güterrechtliche Auseinandersetzung vorgenommen werden, betreffe dies die im
Scheidungsurteil vorgenommene Massezuordnung nicht. Damals sei eine
rechtliche Qualifikation gestützt auf einen bestimmten Sachverhalt
vorgenommen worden, der sich durch den Verkauf des Heimwesens und den damit
erst entstehenden Anspruch der geschiedenen Ehefrau nicht geändert habe.
Dieser in sich abgeschlossene Sachverhalt habe keine Veränderung mehr
erfahren und sei rechtskräftig entschieden worden. An der Rechtskraft des
damaligen Scheidungsurteils nehme nur nicht teil, was Folge des Umstandes
sei, dass das Heimwesen nun nachträglich auf den Zeitpunkt der
güterrechtlichen Auseinandersetzung zum damaligen Verkehrswert statt zum
Ertragswert anzurechnen sei. Folglich sei im Scheidungsurteil vom 31. Oktober
1995 rechtskräftig über die Zuordnung des Heimwesens "H.________" entschieden
worden.

3.4 Dagegen erhebt der Beklagte zahlreiche Einwendungen. Er meint zunächst,
unter Verweis auf BGE 123 III 16, die rechtlichen Erwägungen eines Entscheids
in einer anderen Streitsache hätten keine bindende Wirkung, zumal die
Zuweisung des Heimwesens zur Errungenschaft nicht begründet worden sei, weder
in den Erwägungen des Scheidungsurteils (was ohnehin der Begründungspflicht
widerspreche) noch im notariellen Inventar. Darüber hinaus sei der Beklagte
durch die Urteilsformel in Dispositiv Ziffer 7 (Feststellung, dass Parteien
güterrechtlich auseinander gesetzt sind) nicht beschwert gewesen, weshalb er
dagegen gar nicht hätte appellieren können. Gestützt darauf bestreitet er die
dargelegten Ausführungen des Appellationshofes.

3.5
3.5.1Der vom Appellationshof in seinem Urteil vom 3. Juli 2001 zum Ausdruck
gebrachten Auffassung ist zuzustimmen: Die Rechtskraft eines Urteils
verhindert nicht nur einen neuen Prozess zum identischen Streitgegenstand
(BGE 105 II 149 E. 1 S. 151; 121 III 474 E. 2 S. 477 ), sondern bindet den
Richter auch in einem späteren Prozess, wenn das Urteil in einem früheren
Prozess eine Frage beantwortet hat, die im nachfolgenden Prozess
vorfrageweise entschieden werden muss (BGE 116 II 738 E. 3 S. 744; 121 III
474 E. 4a S. 478). Deshalb sind die Ausführungen des Beklagten zur fehlenden
Anspruchsidentität zwischen dem hier gestellten und den im Scheidungsprozess
geprüften Begehren unbehelflich.

3.5.2 Stehen sich wie hier die identischen Parteien gegenüber (BGE 93 II 329
E. 3b S. 333; 127 III 453 E. 5c S. 456), lautet die Frage somit, ob die
güterrechtliche Auseinandersetzung des Scheidungsprozesses für das hängige
Begehren Vorfragewirkung hat. Dies muss bejaht werden: Wie die Vorinstanz
zutreffend erläutert, beruht das hier durchgeführte Verfahren auf Art. 212
Abs. 3 ZGB und den Art. 28 ff. BGBB. Diese Regelung der Gewinnbeteiligung des
geschiedenen Ehegatten, die ihren Ursprung im bäuerlichen Erbrecht hat,
findet Anwendung, wenn ein landwirtschaftliches Gewerbe zu einem unter dem
Verkehrswert liegenden Wert in die güterrechtliche Auseinandersetzung
einbezogen worden ist und später zu einem höheren Preis veräussert wird. An
Stelle des damaligen Ertragswertes für das landwirtschaftliche Grundstück
tritt neu der erzielte Verkaufserlös, was eine neue güterrechtliche
Auseinandersetzung notwendig macht. Die übrigen Werte aus dem
Scheidungsurteil werden aber übernommen. Sie erfahren im Verfahren um die
Neuberechnung der Gewinnbeteiligung des geschiedenen Ehegatten keine
Überprüfung.

3.5.3 Daran ändert die Feststellung, das Dispositiv des Scheidungsurteils
enthalte keine genaue Angabe zur güterrechtlichen Auseinandersetzung, nichts.
Denn ist einerseits unbestritten, dass die Rechtskraft nur das Dispositiv und
nicht die Erwägungen eines Urteils erfasst, entspricht andererseits
einhelliger Lehre und ständiger Rechtsprechung, dass für die genaue
Ermittlung des Inhaltes und der Tragweite eines Dispositivs oft auf die
Erwägungen abgestellt werden muss (BGE 116 II 738 E. 2a S. 743 f.; 121 III
474 E. 4a S. 478). Dem ist auch hier so.

3.5.4 Nun bemängelt der Beklagte weiter, dass auch die Erwägungen des
Scheidungsurteils keine Erklärung für die Zuweisung des Heimwesens
"H.________" zur Errungenschaft enthalten würden. Es trifft zu, dass dem
Scheidungsurteil keine Angaben zur Zuweisung des Heimwesens zur einen oder
anderen Vermögensmasse zu entnehmen sind. Die ganze güterrechtliche
Auseinandersetzung beruht aber ersichtlich auf den von Notar N.________
erstellten Inventaren: Dort ist, wiederum kommentarlos, das Heimwesen unter
"Errungenschaft des Ehemannes" aufgeführt. Daraus ergibt sich, dass der
Scheidungsrichter zwar stillschweigend, aber bewusst davon ausgegangen ist,
das Heimwesen "H.________" gehöre zur Errungenschaft des Beklagten. Für die
Parteien war dies unmissverständlich erkennbar: Das Scheidungsurteil erklärte
die Parteien für güterrechtlich auseinander gesetzt und hielt fest, die
Auseinandersetzung auf der Grundlage der von Notar N.________ erstellten
güterrechtlichen Inventaren vorgenommen zu haben, namentlich des
rektifizierten Inventars. Aus diesem Inventar ergibt sich klar die Zuordnung
des Grundeigentums zur Errungenschaft des Beklagten. Damit war für die
Parteien zweifelsfrei ersichtlich, dass das Heimwesen der Errungenschaft
zugeordnet wurde.

3.5.5 Dass er das Scheidungsurteil in diesem Punkt mangels Beschwer nicht
hätte anfechten können, begründet der Beklagte lediglich mit dem Hinweis, er
habe im Augenblick der güterrechtlichen Auseinandersetzung im
Scheidungsverfahren keine Geldzahlungen leisten müssen. Dieser Einwand ist
unbehelflich. Erwägungen, deren Tragweite sich nicht im entsprechenden
Dispositiv erschöpfen, sondern - wie hier - darüber hinaus von präjudizieller
Wirkung sein können, sind durchaus geeignet, auf Seiten derjenigen Partei
eine Beschwer zu bewirken, zu Lasten derer sie sich später auswirken können.
Ist die Möglichkeit einer späteren negativen Auswirkung bereits abzusehen,
liegt eine materielle Beschwer vor. Vorliegend wurde im Scheidungsurteil
ausdrücklich auf das Gewinnbeteiligungsrecht bei einem späteren Verkauf des
Hofs hingewiesen.

3.6 Die Rüge des Beklagten, die Vorinstanz habe zu Unrecht die Einrede der
abgeurteilten Sache beachtet, schlägt dementsprechend fehl. Die Berufung muss
in diesem Punkt abgewiesen werden, soweit auf sie überhaupt eingetreten
werden kann.

4.
4.1 Kann wegen der Rechtskraftwirkung des Scheidungsurteils auf die Zuweisung
des Heimwesens "H.________" zur Errungenschaft nicht mehr zurückgekommen
werden, erübrigt sich eine eingehende Prüfung der beklagtischen Ausführungen
zum Thema Zuweisung zum Eigengut. Ohnehin erschöpft sich die Argumentation
des Beklagten in Behauptungen, welche den Sachverhalt betreffen und den Zweck
verfolgen aufzuzeigen, warum rund 81 % des Verkehrswertes per Verkaufstag auf
den unentgeltlichen Erwerb fallen sollen. Da das Bundesgericht an den durch
die Vorinstanz festgestellten Sachverhalt gebunden ist, erweisen sich diese
Vorbringen als unzulässig (Art. 43 Abs. 3 und 63 Abs. 2 OG).

4.2 Weiter beruft sich der Beklagte auf den Erfahrungssatz, dass der
Ertragswert eines landwirtschaftlichen Gewerbes deutlich tiefer liege als
dessen Verkehrswert. Als Erfahrungssatz könne das Bundesgericht dies frei
prüfen. Dem Grundsatz nach mag diese Aussage zutreffen: Der Ertragswert liegt
in aller Regel tiefer als der Verkehrswert. Soweit der Beklagte aber damit
seine Überzeugung untermauern will, das Heimwesen müsse zu seinem Eigengut
gezählt werden, kann - wie gesagt - darauf nicht mehr zurückgekommen werden.
In quantitativer Hinsicht hingegen liessen sich einem solch vagen
Erfahrungssatz  ohnehin keine Rückschlüsse entnehmen: Insbesondere wäre es
unmöglich zu sagen, in welchem Ausmass dem Beklagten die Differenz zwischen
Ertragswert und Verkehrswert im Sinne eines erbrechtlichen Vorbezuges
unentgeltlich zugekommen sei. Darauf wird noch kurz hinten (E. 5) im
Zusammenhang mit der Frage einer Ersatzforderung des Eigengutes des Beklagten
gegenüber der Errungenschaft zurückzukommen sein.

4.3 An diesem Ergebnis vermögen auch die beklagtischen Ausführungen zu Sinn
und Zweck von Art. 212 ZGB nichts zu ändern. Auf die Berufung ist folglich in
diesem Punkte nicht einzutreten.

5.
Für den Fall, dass das Bundesgericht zum Ergebnis kommen sollte, das Gewerbe
"H.________" sei doch der Errungenschaft des Beklagten zuzuweisen, vertritt
dieser offenbar die Auffassung, die Differenz zwischen dem Anrechnungswert
beim Kauf und dem Verkaufserlös sei ihm unentgeltlich zugefallen, womit
gemäss Art. 209 ZGB eine Ersatzforderung seines Eigengutes gegenüber der
Errungenschaft entstanden sei, was wiederum eine Gewinnbeteiligung der
Klägerin ausschliesse.

5.1 Dazu hat der Appellationshof erwogen, der Beklagte versuche die
unterbliebene Zuweisung des Heimwesens zu seinem Eigengut mittels
Konstruktion "Ersatzforderung Eigengut an Errungenschaft" aufzufangen. Eine
Ersatzforderung entstehe gemäss Art. 209 ZGB aber nur, wenn Schulden der
Errungenschaft aus dem Eigengut bezahlt worden seien oder wenn Mittel aus dem
Eigengut zum Erwerb, zur Verbesserung oder zur Erhaltung von Gegenständen aus
der Errungenschaft beigetragen hätten. Der beweisbelastete Beklagte habe eine
solche Beteiligung des Eigengutes - von bescheidenen und unbestrittenen
Beträgen abgesehen - nicht nachweisen können.

5.2 Es geht hier um die Frage, ob und in welchem Ausmass zwischen zwei
Gütermassen im Vermögen des gleichen Eigentümers die Abrechnung eines
Mehrwertes stattfinden muss. Ein solcher Fall ist dann gegeben, wenn Mittel
der einen Gütermasse zum Erwerb, zum Erhalt oder zur Verbesserung von
Gegenständen der andern beigetragen haben und eine Wertveränderung in Gestalt
eines Mehr- oder Minderwertes eingetreten ist. Gestützt auf Art. 209 Abs. 3
ZGB entsteht dann eine Ersatzforderung, die dem Anteil des geleisteten
Beitrages entspricht und nach dem Wert des begünstigten Gegenstandes im
Zeitpunkt der Auseinandersetzung oder der Veräusserung berechnet wird. Sie
gehört in die Gütermasse, die den Beitrag geleistet hat (Roland Müller, Der
Mehrwertanteil im neuen Ehegüterrecht, Diss. Basel 1992, S. 79 mit
Hinweisen). Das Zusammenwirken zweier Gütermassen führt allerdings nur bei
Vorliegen eines Beitragstatbestandes zur Teilhabe an der Wertveränderung
(Hausheer/Reusser/Geiser, Berner Kommentar, N. 47 zu Art. 209 ZGB; Florian
Stefan Jörg, Wertveränderungen einer Aktiengesellschaft bei Auflösung des
ordentlichen Güterstandes, Diss. St. Gallen 1996, S. 171). Dies geschieht
nach dem Willen des Gesetzgebers mittels einer variablen Ersatzforderung und
nicht mittels einer proportionalen Beteiligung der Gütermassen. Mit dieser
Lösung sollte die beim Güterstand der Güterverbindung geführte Diskussion
über das Auseinanderfallen von Güterrecht und Sachenrecht ein für allemal
beendet werden. In diesem Zusammenhang wurde allerdings übersehen, dass sich
eine derartige Konstellation im Vermögen des gleichen Ehegatten gar nicht
ergeben kann. Zudem wurde nicht bedacht, dass die Lösung über die
Ersatzforderung immer auch eine vorgängige güterrechtliche Zuordnung eines
Vermögenswertes zu einer Masse erfordert (Elisabeth Escher, Wertveränderung
und eheliches Güterrecht, Diss. Bern 1988, S. 51 ff.).
5.3 Die Auffassung des Beklagten beruht auf der Annahme, die Differenz
zwischen dem von ihm bezahlten und auf Grund des Ertragswertes berechneten
Kaufpreises und dem Verkehrswert des Heimwesens "H.________" sei ihm
unentgeltlich zugefallen. Es habe sich damals um eine Schenkung unter
Lebenden gehandelt, da der Vorempfang auf künftige Erbschaft hin erfolgt sei.
Dabei übersieht der Beklagte, dass die Frage, ob und gegebenenfalls wie weit
seine Eltern beim Verkauf des Heimwesens 1979 eine Schenkung vorgenommen
haben, Tatfrage ist, welche die Vorinstanz in Würdigung der ihr vorliegenden
Beweise beantwortet hat. Darauf kann das Bundesgericht im Rahmen der Berufung
nicht zurückkommen, macht der Beklagte doch keine Verletzung
bundesrechtlicher Beweisvorschriften geltend (Art. 43 Abs. 3 und Art. 63 Abs.
2 OG).
Im Übrigen würde die Zusprechung einer Ersatzforderung gestützt auf Art. 209
Abs. 3 ZGB eine entsprechende Zuweisung der einschlägigen Vermögenswerte zu
der einen oder der anderen Vermögensmasse voraussetzen. Es müsste, mit
anderen Worten, noch die Möglichkeit bestehen, die behauptete gemischte
Schenkung zu berücksichtigen und den entsprechenden Wertanteil der
zutreffenden Gütermasse - also dem Eigengut des Beklagten - zuzuweisen. Diese
Möglichkeit ist aber verwirkt, wurde doch festgehalten (E. 3.5 u. 3.6 vorne),
dass die Zugehörigkeit des Heimwesens "H.________" zur Errungenschaft mit dem
Scheidungsurteil vom 31. Oktober 1995 rechtskräftig entschieden worden ist.

5.4 Auf die Berufung kann in diesem Punkte folglich nicht eingetreten werden.

6.
Im Subeventualstandpunkt bringt der Beklagte gewisse Korrekturen an der
Berechnung der vorinstanzlichen neuen güterrechtlichen Auseinandersetzung an.

6.1 Mit dem Einwand, aus dem Gesetzestext von Art. 212 Abs. 3 ZGB könne nicht
gelesen werden, dass eine komplett neue güterrechtliche Auseinandersetzung
vorzunehmen wäre, widerspricht der Beklagte sich selbst und der herrschenden
Lehre, ohne dafür auch nur einen Grund zu nennen.

6.2 Offensichtlich unbegründet ist der Einwand, da vor Vorinstanz nicht
streitig, dürfe der Wert des Inventars bei der Vorschlagsberechnung nicht
mehr berücksichtigt werden: An der zitierten Stelle wollte der
Appellationshof nur anmerken, dass in Bezug auf das Inventar keine
Wertsteigerung geltend gemacht bzw. seitens der Klägerin kein Anspruch auf
Gewinnbeteiligung angemeldet worden sei. Dass das Inventar in der neu zu
berechnenden güterrechtlichen Auseinandersetzung überhaupt nicht zu
berücksichtigen wäre, wie der Beklagte verlangt, ist schlechterdings nicht
nachvollziehbar.

6.3 Der Beklagte behauptet, die Vorinstanz habe den Erbteil von Fr. 31'750.--
zu Unrecht aus prozessualen Gründen nicht berücksichtigt. Damit bemüht er ein
Argument aus dem kantonalen Prozessrecht, das sich einer Prüfung des
Bundesgerichts im Verfahren der eidgenössischen Berufung entzieht (Art. 43
Abs. 1 OG). Im Übrigen irrt er: Der Appellationshof hat erläutert, dass der
fragliche Betrag erst nach durchgeführter güterrechtlicher Auseinandersetzung
angefallen sei, weshalb er nicht berücksichtigt werden dürfe. Darüber hinaus
habe der Beklagte nicht bewiesen, diesen Betrag in das Heimwesen investiert
zu haben. Wäre dem aber so, dann wäre er zudem bereits als abzugsfähige
Investition berücksichtigt worden. Indem der Beklagte diese Begründung
vollkommen ausblendet, genügt er den minimalen Begründungsanforderungen
nicht, weshalb auf dieses Vorbringen nicht eingetreten werden kann (Art. 55
Abs. 1 lit. c OG).

6.4 Die Rüge schliesslich, der Appellationshof habe ausgewiesene
wertvermehrende Aufwendungen in Höhe von Fr. 26'400.-- zu Unrecht nicht
berücksichtigt, beschlägt wieder den Sachverhalt, mithin die vorinstanzliche
Beweiswürdigung, und ist im Berufungsverfahren nicht zu hören (Art. 43 Abs. 3
und Art. 63 Abs. 2 OG).

7.
Soweit auf sie überhaupt eingetreten werden kann, erweist sich die Berufung
als unbegründet und muss abgewiesen werden, unter Kostenfolgen zu Lasten des
unterlegenen Beklagten (Art. 156 Abs. 1 OG). Dem Beklagten erwächst hingegen
keine Pflicht zur Entschädigung der obsiegenden Klägerin (Art. 159 Abs. 1
OG), wurde doch letztere in das bundesgerichtliche Verfahren nicht
einbezogen, weshalb ihr in diesem Zusammenhang keine
entschädigungspflichtigen Aufwendungen entstanden sind.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Berufung wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 5'000.-- wird dem Beklagten auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Bern,
Appellationshof, 1. Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 22. April 2005

Im Namen der II. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Die Gerichtsschreiberin: