Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilabteilung 5C.32/2004
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5C.32/2004
5C.33/2004 /bnm

Urteil vom 6. Oktober 2004
II. Zivilabteilung

Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichterin Escher, Bundesrichter Meyer,
Bundesrichterin Hohl, Bundesrichter Marazzi,
Gerichtsschreiber von Roten.

A. ________,
Beklagte und Berufungsklägerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Patrick Schönbächler,

gegen

Gemeinde B.________,
Klägerin und Berufungsbeklagte,
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. Helen Schmid,

und

C.________,
Kläger und Berufungsbeklagten,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Antoine F. Goetschel,

Testamentsanfechtung,

Berufungen gegen die Urteile des Kantonsgerichts des Kantons Schwyz,
Zivilkammer, vom 21. Oktober 2003.

Sachverhalt:

A.
E. ________ wurde am 18. Mai 1900 geboren. Sie war seit 1943 verwitwet und
hatte nach dem Tod ihrer Schwester im Jahre 1978 keine näheren Angehörigen
mehr. Allein und zurückgezogen lebte sie in ihrem Einfamilienhaus in
H.________, Gemeinde B.________. Sie besass ferner ein Mehrfamilienhaus in
G.________, Wertschriften und Barvermögen.

Am 10. Juli 1985 liess E.________ ihren letzten Willen öffentlich beurkunden.
Mit bestimmten Auflagen vermachte sie ihre Liegenschaft in G.________ dem
C.________ und das Einfamilienhaus in H.________ der Gemeinde B.________. Sie
richtete verschiedene Legate aus und setzte die Gemeinde B.________ als Erbin
ein, falls sie über alles übrige Vermögen nicht in einem späteren Zeitpunkt
separat verfügen sollte.

Im Haushalt wurde E.________ seit dem Tod ihrer Schwester von zwei
Nachbarinnen unterstützt. Ihr Hausarzt war seit 1974 Dr. O.________, der sie
zunächst monatlich und später fast wöchentlich daheim besuchte. Zunehmende
Vergesslichkeit, gelegentliche Phasen der Verwirrtheit und gewisse
Verwahrlosungserscheinungen machten ab Juli 1988 eine intensivere Betreuung
nötig. Der Hausarzt ordnete eine regelmässige Pflege durch die
Gemeindeschwester an und orientierte die Vormundschaftsbehörde. Von Seiten
der Amtsvormundschaft half die dort als Sekretärin angestellte A.________ bei
der Betreuung von E.________ mit. Sie sorgte für die Anschaffung von Kleidern
und Bettwäsche sowie für die regelmässige Verköstigung, sie organisierte und
überwachte die Pflege- und Hausdienste und erteilte diesbezüglich Weisungen,
sie brachte E.________ oft selbst das Essen und besuchte sie auch an Abenden
und Wochenenden.

Am 28. September 1988 suchte E.________ in Begleitung von A.________, die den
Termin in ihrem Auftrag vereinbart hatte, eine Urkundsperson auf und liess
ihren letzten Willen öffentlich beurkunden. Danach setzte sie A.________ als
Alleinerbin ein und widerrief jede frühere letztwillige Verfügung.

E. ________ starb am 4. Dezember 1990.

B.
Auf Klagen der Gemeinde B.________ und des C.________ erklärte das
Bezirksgericht I.________ die öffentliche letztwillige Verfügung vom 28.
September 1988 für ungültig mit der (doppelten) Begründung, dass die
Erblasserin im Zeitpunkt der Testamentserrichtung urteilsunfähig gewesen sei
und dass der Inhalt des Testaments wegen Verletzung des Verbots der
Geschenkannahme rechtswidrig sei (Urteile vom 3. Dezember 1999). Das
Kantonsgericht Schwyz (Zivilkammer) wies die von A.________ dagegen
eingelegten Berufungen ab. Gestützt auf ein neu eingeholtes Obergutachten
teilte das Kantonsgericht die Auffassung, die Erblasserin habe die Verfügung
von Todes wegen zu einer Zeit errichtet, als sie nicht verfügungsfähig war.
Die Frage, ob das Testament als rechtswidrig zu qualifizieren sei, liess das
Kantonsgericht offen (Urteile vom 21. Oktober 2003).

C.
Die Beklagte hat gegen die beiden Urteile des Kantonsgerichts je
eidgenössische Berufung eingelegt. Sie beantragt dem Bundesgericht, es sei
festzustellen, dass das von E.________ am 28. September 1988 errichtete
Testament gültig sei. Das Kantonsgericht schliesst auf Abweisung der
Berufung, soweit darauf einzutreten sei. Es sind keine Berufungsantworten
eingeholt worden.

D.
Die von der Beklagten gleichzeitig gegen die nämlichen Urteile des
Kantonsgerichts erhobenen staatsrechtlichen Beschwerden hat die II.
Zivilabteilung des Bundesgerichts mit Urteil vom heutigen Tag abgewiesen,
soweit darauf eingetreten werden konnte (Verfahren 5P.39/2004 und
5P.40/2004).

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Die beiden Berufungen betreffen den selben Sachverhalt und richten sich gegen
zwei formell zwar getrennt ergangene, inhaltlich aber praktisch gleich
lautende Urteile. Die beiden Rechtsschriften der Beklagten stimmen - von den
Parteibezeichnungen und einzelnen Verschrieben abgesehen - wörtlich überein.
Unter diesen Umständen rechtfertigt es sich, die beiden Berufungen 5C.32/2004
und 5C.33/2004 in einem Verfahren zu vereinigen und durch einen Entscheid zu
erledigen (Art. 24 BZP i.V.m. Art. 40 OG).

2.
Strittig ist, ob die Erblasserin zur Zeit der Errichtung der letztwilligen
Verfügung vom 28. September 1988 urteilsfähig gewesen ist (Art. 467 i.V.m.
Art. 519 Abs. 1 Ziff. 1 ZGB). Urteilsfähig ist ein jeder, dem nicht wegen
seines Kindesalters oder infolge von Geisteskrankheit, Geistesschwäche,
Trunkenheit oder ähnlichen Zuständen die Fähigkeit mangelt, vernunftgemäss zu
handeln (Art. 16 ZGB).

Das Sachgericht stellt den geistigen Zustand einer Person im fraglichen
Zeitraum sowie Art und Tragweite möglicher störender Einwirkungen fest. Diese
tatsächlichen Feststellungen sind für das Bundesgericht im Berufungsverfahren
- ausnahmsweise zulässige Sachverhaltsrügen (E. 3 hiernach) vorbehalten -
verbindlich (Art. 63 f. OG). Frei prüft das Bundesgericht hingegen, ob das
kantonale Gericht zu Recht oder zu Unrecht vom festgestellten geistigen
Gesundheitszustand bzw. von diesbezüglichen Störungen auf die
Urteilsfähigkeit geschlossen hat, soweit dies vom Begriff der
Urteilsfähigkeit selbst abhängt bzw. von der allgemeinen Lebenserfahrung oder
vom hohen Grad der Wahrscheinlichkeit, der für den Ausschluss dieser
Fähigkeit erforderlich ist (vgl. zur Abgrenzung von Tat- und Rechtsfragen:
BGE 124 III 5 E. 4 S. 13).

Die Berufungen der Beklagten sind grundsätzlich zulässig. Auf formelle
Einzelfragen wird im Sachzusammenhang hinzuweisen sein.

3.
Die Beklagte macht Verletzungen der bundesrechtlichen Beweisregeln geltend.
Ihre Einwände betreffen die Beweislastverteilung, das Beweismass und den
Beweisführungsanspruch (S. 3 ff. Ziff. 2a und S. 6 ff. Ziff. 2b der
Berufungsschrift).

3.1 Zur Beweislastverteilung ergeben sich aus BGE 124 III 5 Nr. 2 (E. 1b S. 8
f.) folgende Grundsätze:
3.1.1Wo es das Gesetz nicht anders bestimmt, hat derjenige das Vorhandensein
einer behaupteten Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet (Art. 8
ZGB). Das Gesetz bestimmt in Art. 16 ZGB, dass jeder urteilsfähig ist, ausser
es liege ein Schwächezustand vor, der die Fähigkeit beeinträchtigt,
vernunftgemäss zu handeln. Die Urteilsfähigkeit wird somit vermutet. Wer sie
bestreitet und Urteilsunfähigkeit behauptet, hat deren Vorhandensein zu
beweisen. Art. 16 ZGB ist eine Beweislastregel.

Bei der Beurteilung der Testierfähigkeit einer Person ist an sich nicht der
Beweis der Urteilsunfähigkeit im Allgemeinen, sondern im Zeitpunkt der
Testamentserrichtung zu erbringen. Dieser Beweis ist dann einfach zu führen,
wenn (z.B. bei einer Alzheimer-Krankheit im Endstadium) eine permanente
Beeinträchtigung der geistigen Fähigkeiten vorliegt; ist dies aber nicht der
Fall, dürfte namentlich "post mortem" der Nachweis der Urteilsunfähigkeit in
einem bestimmten Zeitpunkt oftmals kaum zu führen sein. Diesen
Beweisschwierigkeiten begegnet die Praxis einerseits mit einer Herabsetzung
des Beweismasses (E. 3.2 sogleich) und andererseits mit einer tatsächlichen
Vermutung: Wenn die handelnde Person ihrer allgemeinen Verfassung nach im
Normalfall und mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als urteilsunfähig gelten
muss, ist der Beweispflicht Genüge getan und die Vermutung der
Urteilsfähigkeit umgestossen.

Ist die Vermutung der Urteilsfähigkeit umgestossen, steht der Gegenpartei der
Gegenbeweis offen, dass die betreffende Person trotz ihrer grundsätzlichen
Urteilsunfähigkeit gleichwohl im massgeblichen Zeitpunkt mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit urteilsfähig war.

3.1.2 Das Kantonsgericht hat sich praktisch wörtlich auf die
bundesgerichtliche Rechtsprechung gestützt (E. 4c S. 17 ff.) und dabei an der
von der Beklagten mehrfach angeführten Stelle festgehalten, auf Grund des
bisherigen Beweisverfahrens (E. 4d S. 19 f.) liessen sich von vornherein
keine Schlüsse ziehen, ob die geistigen Funktionen im Sommer/Herbst 1988
permanent beeinträchtigt gewesen seien, und es erscheine fraglich, ob die
allgemeine Lebenserfahrung - wie in BGE 124 III 5 E. 1b S. 8 ausgeführt wird
- bei der (altersschwachen) Erblasserin zur umgekehrten Vermutung führt, dass
diese ihrer allgemeinen Verfassung nach im Normalfall und mit
Wahrscheinlichkeit als urteilsunfähig gelten müsse (E. 4d S. 20).

Die kantonsgerichtliche Erwägung bezieht sich klar auf das Ergebnis des
Beweisverfahrens vor dem Einholen des Obergutachtens. Entgegen der Behauptung
der Beklagten hat es das Kantonsgericht aber nicht bei diesem offenen
Beweisergebnis bewenden lassen. Es hat vielmehr ein Obergutachten eingeholt,
dieses gewürdigt und darauf sein Urteil gestützt.

3.1.3 Das Obergutachten sollte einerseits die Fragen beantworten, ob bei der
Erblasserin im Zeitraum von Mitte Juli 1988 bis Ende September 1988 eine
geistige oder emotionale Störung festzustellen sei und - bejahendenfalls - ob
und wie sich diese Störung auf die Abfassung der öffentlichen letztwilligen
Verfügung vom 28. September 1988 bzw. auf die Bildung eines klaren Willens im
Hinblick auf die vorgenannte Verfügung ausgewirkt habe. Andererseits sollte
das Obergutachten die Frage beantworten, ob von einem luziden Intervall im
Zeitpunkt der Instruktion und Beurkundung der öffentlichen letztwilligen
Verfügung vom 28. September 1988 ausgegangen werden könne (vgl. E. 7e/bb S.
35 f. der kantonsgerichtlichen Urteile). Mit diesen Fragen an den
Obergutachter hat das Kantonsgericht die Tatsachengrundlage klären wollen,
für die die Kläger hauptbeweisbelastet sind und die Beklagte
gegenbeweisbelastet ist. Von einer falschen Beweislastverteilung oder gar
einer bundesrechtswidrigen Umkehr der Beweislast kann deshalb keine Rede
sein. Soweit das Kantonsgericht gestützt auf das Obergutachten zu einem
positiven Beweisergebnis gelangt ist und gelangen durfte, hat es auch
zutreffend angenommen, die Beweislastverteilung sei damit gegenstandslos
geworden (BGE 128 III 271 E. 2b/aa S. 277; 119 II 114 E. 4c S. 117, je mit
Hinweisen). Die gegenteiligen Vorbringen der Beklagten sind nicht
stichhaltig.

3.2 Den erwähnten Schwierigkeiten, die Urteilsunfähigkeit einer verstorbenen
Person nachzuweisen, begegnet die Praxis zusätzlich mit einer Herabsetzung
des Beweismasses.

3.2.1 Nach der bisherigen Rechtsprechung genügt für den Beweis der
Urteilsunfähigkeit einer verstorbenen Person eine sehr hohe
Wahrscheinlichkeit, die jeden ernsthaften Zweifel ausschliesst, weil in
diesem Fall die Natur der Sache einen absoluten Beweis unmöglich macht (BGE
74 II 202 E. 1 S. 205 und die seitherige Rechtsprechung; zuletzt: Urteil des
Bundesgerichts 5C.52/2003 vom 11. März 2004, E. 4.1.1). Das Kantonsgericht
hat auf diese Praxis des Bundesgerichts hingewiesen (E. 4c S. 18) und ist
davon ausgegangen, die Erblasserin müsse als urteilsunfähig bezeichnet werden
und ein ernsthafter Zweifel daran erscheine ausgeschlossen (E. 7f S. 46).

3.2.2 In einem kürzlich veröffentlichten Urteil hat sich das Bundesgericht
eingehend mit der Frage auseinander gesetzt, welches Beweismass bei sog.
Beweisnot genügt. Es ist zum Schluss gelangt, dass sich in den Fällen, wo ein
strikter Beweis der Sache nach nicht möglich ist, eine Herabsetzung des
Regelbeweismasses auf die überwiegende Wahrscheinlichkeit rechtfertige (BGE
130 III 321 E. 3.2 und 3.3 S. 324 ff.). Die Bedingung ist beim Beweis der
Urteilsunfähigkeit einer verstorbenen Person erfüllt, wie das bereits aus der
bisherigen Rechtsprechung hervorgeht. Zu präzisieren ist lediglich die
Bezeichnung des herabgesetzten Beweismasses: Sie lautet auf "überwiegende
Wahrscheinlichkeit" ("vraisemblance prépondérante"; "verosimiglianza
preponderante").

3.2.3 Entgegen der Annahme der Beklagten hat das Kantonsgericht auf das
zutreffende, gegenüber dem Regelbeweismass auf die überwiegende
Wahrscheinlichkeit herabgesetzte Beweismass abgestellt. Eine
Beweismassverletzung liegt nicht vor.

Die Frage, ob der den bundesrechtlichen Anforderungen entsprechende Beweis
von den Klägern als beweisbelastete Partei tatsächlich erbracht worden ist,
kann im Verfahren der eidgenössischen Berufung nicht überprüft werden. Nach
ständiger Rechtsprechung handelt es sich dabei um eine Frage der
gerichtlichen Beweiswürdigung, die auf Bundesebene einzig mit der - von der
Beklagten im Übrigen auch erhobenen - staatsrechtlichen Beschwerde
angefochten werden kann (BGE 130 III 321 E. 5 S. 327). Zur unüberprüfbaren
Beweiswürdigung gehört insbesondere die Beurteilung, ob ein Gutachten als
schlüssig und beweiskräftig gelten kann (BGE 130 III 145 E. 3.2 S. 160). Auf
die Vorbringen der Beklagten kann deshalb nicht eingetreten werden, die sie
unter dem Titel "Verletzung des Regelbeweismasses" aufführt, die aber keine
Verletzung der Beweisanforderungen belegen, sondern ausschliesslich gegen die
Schlüssigkeit des Obergutachtens gerichtet sind und auch wörtlich mit den
entsprechenden Ausführungen in den staatsrechtlichen Beschwerden
übereinstimmen. Auf dort Gesagtes kann hier verwiesen werden (vgl.
insbesondere E. 6 des Urteils).

Von der Frage, ob das vorgeschriebene Beweismass erfüllt ist, muss die daran
anschliessende rechtliche Beurteilung unterschieden werden: Als
Berufungsinstanz hat das Bundesgericht zu prüfen, ob das kantonale Gericht
den von ihm konkret festgestellten Tatbestand mit Recht oder zu Unrecht unter
den Begriff der Urteilsfähigkeit subsumiert hat (E. 2 hiervor).
Berufungsgrund ist die Frage der Anwendung von Bundesrecht (Art. 43 Abs. 2
OG).

3.3 Unter Hinweis auf ihre Beweisanträge macht die Beklagte schliesslich eine
Verletzung ihres Beweisführungsanspruchs geltend.

Die Rechtsprechung leitet aus Art. 8 ZGB ein Recht auf Beweis und auf
Gegenbeweis ab. Die haupt- bzw. gegenbeweispflichtige Partei hat in allen
Zivilstreitigkeiten einen bundesrechtlichen Anspruch darauf, für
rechtserhebliche Sachvorbringen zum Beweis zugelassen zu werden, wenn ihr
Beweisantrag nach Form und Inhalt den Vorschriften des kantonalen Rechts
entspricht. Art. 8 ZGB schliesst dabei die vorweggenommene Würdigung von
Beweisen nicht aus. Es bleibt dem Sachgericht unbenommen, von beantragten
Beweiserhebungen deshalb abzusehen, weil es sie von vornherein nicht für
geeignet hält, die behaupteten Tatsachen zu beweisen, oder weil es seine
Überzeugung bereits aus anderen Beweisen gewonnen hat und davon ausgeht, dass
weitere Abklärungen am massgeblichen Beweisergebnis nichts mehr zu ändern
vermöchten (BGE 122 III 219 E. 3c S. 223/224; 129 III 18 E. 2.6 S. 24/25).

Wie im Urteil über die staatsrechtlichen Beschwerden dargelegt worden ist (E.
3 und 5 bis 7 dortselbst), beruht die Verweigerung der beantragten
Zeugeneinvernahmen auf vorweggenommener Beweiswürdigung, die unter
verfassungsrechtlichen Gesichtspunkten nicht beanstandet werden kann. Der
Beweisanspruch der Beklagten ist nicht verletzt. Ihre Berufungen müssen damit
insgesamt abgewiesen werden, soweit sie sich gegen bundesrechtliche
Beweisregeln richten.

4.
In der Sache macht die Beklagte eine Verletzung der Bestimmungen über die
Urteilsfähigkeit geltend (Art. 16 und Art. 467 i.V.m. Art. 519 Abs. 1 Ziff. 1
ZGB; vgl. S. 10 ff. Ziff. 2c/aa-dd der Berufungsschrift).

4.1 Das kantonsgerichtliche Ergebnis des Beweisverfahrens (E. 7e S. 33 ff.)
lässt sich wie folgt zusammenfassen: Die Erblasserin hat ab Mitte Juli 1988
bis Ende September 1988 (Beurteilungszeitraum) und damit auch am 28.
September 1988 (Tag der Testamentserrichtung) an einem altersbedingten
organischen Psychosyndrom (Demenz) gelitten mit der Wirkung, dass die
Besinnungsfähigkeit bzw. die psychologische Urteilsfähigkeit deutlich
eingeschränkt gewesen ist, d.h. dass die Erblasserin in der Erfassung der
eigenen Lebenssituation und der äusseren Umstände sowie in der
selbstständigen Meisterung der Lebensvollzüge schwer wiegend beeinträchtigt
gewesen ist. Die geistige Störung muss dabei als erheblich schwer bezeichnet
werden. Ein luzides Intervall für den Tag der Testamentserrichtung ist nicht
erstellt.

4.2 Das Kantonsgericht hat aus dem Beweisergebnis geschlossen, dass im
Zeitpunkt der öffentlichen letztwilligen Verfügung vom 28. September 1988 bei
der Erblasserin wegen der diagnostizierten Demenz insbesondere die Fähigkeit
zur selbstkritischen Erfassung der Situation (unter anderem ihr Verhältnis
zur Beklagten) und die Fähigkeit, auf Grund der Situation richtige Entscheide
zu treffen, derart beeinträchtigt gewesen seien, dass die Erblasserin als
urteilsunfähig bezeichnet werden müsse; ein ernsthafter Zweifel über ihre
Urteilsunfähigkeit erscheine ausgeschlossen. Es sei davon auszugehen, dass
ihr die Fähigkeit abgegangen sei, den Sinn, die Zweckmässigkeit und die
Wirkungen der Testamentserrichtung vom 28. September 1988 rechtsgenüglich zu
erkennen (E. 7f S. 46).

4.3 Die kantonsgerichtliche Rechtsanwendung kann aus folgenden Gründen nicht
beanstandet werden:
4.3.1Der Begriff der Urteilsfähigkeit enthält zwei Elemente: einerseits eine
intellektuelle Komponente, nämlich die Fähigkeit, Sinn, Zweckmässigkeit und
Wirkungen einer bestimmten Handlung zu erkennen, und andererseits ein
Willens- bzw. Charakterelement, nämlich die Fähigkeit, gemäss der
vernünftigen Erkenntnis nach seinem freien Willen zu handeln und allfälliger
fremder Willensbeeinflussung in normaler Weise Widerstand zu leisten. Für die
Beurteilung der Urteilsfähigkeit ist im Einzelfall von den konkreten
Umständen hinsichtlich einer bestimmten Handlung auszugehen. Das Vorliegen
einer Geisteskrankheit hat nicht zwangsläufig Urteilsunfähigkeit zur Folge,
sondern ist mit der konkret zu beurteilenden Handlung in Beziehung zu setzen
(ausführlich: BGE 124 III 5 E. 1a S. 7; zuletzt: BGE 127 I 6 E. 7b/aa Abs. 2
S. 19).

4.3.2 Kommt der Gutachter zum Schluss, auf Grund des festgestellten
organischen Psychosyndroms seien die kognitiven und voluntativen Fähigkeiten
eingeschränkt, schätzungsweise in mittlerem Mass, kann zwar ein eigentlicher
Grenzfall vorliegen, der mit Rücksicht auf die Höchstpersönlichkeit der in
Frage stehenden Handlung und in Anbetracht der auf dem Spiele stehenden
Interessen zu Gunsten der Urteilsfähigkeit entschieden werden muss. Von einem
Grenzfall kann hingegen nicht mehr ausgegangen werden, wenn das
Beweisverfahren - wie hier durch das Obergutachten belegt - ein schweres
demenzielles Syndrom ergibt und deshalb angenommen werden muss, die
Erblasserin sei nicht mehr oder nur mehr deutlich beschränkt in der Lage,
einen Willen zu bilden, die Tragweite und die Auswirkungen der letztwilligen
Verfügung zu erfassen und frei von Einflüssen interessierter Dritter zu
handeln (vgl. dazu Binder, Die Urteilsfähigkeit in psychologischer,
psychiatrischer und juristischer Sicht, Zürich 1964, S. 45 ff., vorab S. 59
f. und S. 66 f.; Venzlaff/Foerster, Psychiatrische Begutachtung, 4.A. München
2004, S. 517, die bereits bei einem mittelschweren demenziellen Syndrom die
Voraussetzungen für Testierunfähigkeit als erfüllt ansehen).

4.3.3 Die kantonalen Gerichte haben ein breites Beweisverfahren durchgeführt.
Das Kantonsgericht hat ein Obergutachten eingeholt. Es haben ihm ferner ein
Gerichtsgutachten aus erster Instanz, ein von der Beklagten eingereichtes
Privatgutachten, die Krankengeschichte des Hausarztes sowie dessen Aussagen
und die Aussagen verschiedener Zeugen vorgelegen. Die vom Kantonsgericht
daraus gezogenen Schlüsse in tatsächlicher Hinsicht sind unmissverständlich:
Muss bei der Erblasserin von einer Demenz und dadurch bedingt von einer
deutlichen und schwer wiegenden Beeinträchtigung der kognitiven und
voluntativen Fähigkeiten im kritischen Zeitraum ausgegangen werden, kann auf
eine im Normalfall stark eingeschränkte Urteilsfähigkeit oder - anders gesagt
- auf eine in Anbetracht der allgemeinen Gesundheitssituation grundsätzliche
Urteilsunfähigkeit geschlossen werden. Eine Verletzung von Bundesrecht ist
nicht ersichtlich.

4.4 Was die Beklagte im Einzelnen dagegen einwendet, vermag an der
Beurteilung nichts Entscheidendes zu ändern:
4.4.1Das Kantonsgericht hat weder den weitergehenden medizinischen mit dem
juristischen Begriff der Geisteskrankheit verwechselt, noch die
Urteilsfähigkeit abstrakt statt bezogen auf die konkrete Handlung beurteilt
(E. 4.3.1 soeben). Es hat auch kein eigentlicher Grenzfall der
Urteilsfähigkeit vorgelegen (E. 4.3.2 soeben), so dass die Frage der
Grundrechtsqualität der Testierfreiheit unbeantwortet bleiben durfte.

4.4.2 Die Beklagte bringt sämtliche bereits in den staatsrechtlichen
Beschwerden aufgeführten Indizien und Beweismittel nochmals vor, die ihrer
Ansicht nach gegen die Annahme einer grundsätzlichen Urteilsunfähigkeit der
Erblasserin sprechen. Sie beruft sich auf die allgemeine Lebenserfahrung, die
hier geprüft werden kann (E. 2 Abs. 2 hiervor), die aber von der
Lebenserfahrung zu unterscheiden ist, die im Bereich der hier unüberprüfbaren
Beweiswürdigung eine Rolle gespielt hat (vgl. BGE 118 II 365 E. 1 S.
366/367). Nur wo sich das kantonale Gericht auf Erfahrungssätze stützt, die
über den konkreten Sachverhalt hinaus Bedeutung haben und damit gleichsam die
Funktion von Normen übernehmen, überprüft das Bundesgericht solche auf der
gerichtlichen Lebenserfahrung beruhenden Schlüsse im Berufungsverfahren frei.
Diese Regelfunktion kommt einem Erfahrungssatz nun aber bloss zu, wenn das in
ihm enthaltene hypothetische Urteil, das aus den in anderen Fällen gemachten
Erfahrungen gewonnen wird, in gleich gelagerten Fällen allgemeine Geltung für
die Zukunft beansprucht (vgl. die Zusammenfassung in BGE 117 II 256 E. 2b S.
258; seither: BGE 126 III 10 E. 2b S. 12/13). Diese Voraussetzung trifft auf
die kantonsgerichtlichen Schlüsse aus den Gutachten, aus der
Krankengeschichte, aus den Zeugenaussagen und aus den weiteren Indizien nicht
zu; sie bleiben im konkreten Einzelfall verhaftet und beruhen nicht auf
Erfahrungssätzen von allgemeiner Tragweite (ausführlich: Hohl, Procédure
civile, t. I: Introduction et théorie générale, Bern 2001, N. 1129 f. S. 217,
und t. II: Organisation judiciaire, compétence, procédures et voies de
recours, Bern 2002, N. 3227 f. S. 297).

Auf allgemeiner Lebenserfahrung beruht, dass Gutachten, die ohne Angabe
sachlicher Gründe von anderen Gutachten abweichen, nicht schlüssig sein
dürften, dass der Aussage des Arztes, der die Erblasserin über Jahre hinweg
behandelt hat, in der Regel ein grosser Beweiswert zukommt, dass die
Vernünftigkeit oder Unvernünftigkeit einer Handlung ein Indiz für das Genügen
oder Ungenügen der zur Zeit dieser Handlung bestehenden Urteilsfähigkeit sein
kann und dass Aussagen von Laien über Erkrankungen des Geistes nicht immer
zuverlässig sind. Auf nicht überprüfbarer Beweiswürdigung im konkreten Fall
beruht hingegen, dass der Obergutachter von anderen Gutachten nicht
abgewichen ist oder dafür sachliche Gründe angegeben hat, weshalb die
Schlüssigkeit seines Befunds bejaht werden durfte (E. 6.2 und .3), dass in
den Darlegungen des Hausarztes gewisse Widersprüchlichkeiten nicht
ausgeschlossen werden konnten, weshalb die Meinung des gerichtlichen
Gutachters gegenüber derjenigen des behandelnden Arztes als objektiver
betrachtet und vorgezogen werden durfte (E. 6.4), und dass das weitere
Beweisverfahren für die Urteilsfähigkeit "positive" wie auch "negative"
Anhaltspunkte ergeben hat, weshalb das Indiz der Vernünftigkeit der
letztwilligen Verfügung und die Aussagen der Zeugen als nicht beweiskräftig
angesehen werden durften (E. 7.3 und .4 des Urteils über die
staatsrechtlichen Beschwerden).

Auf ihre Berufungen kann nach dem Gesagten insoweit nicht eingetreten werden,
als die Beklagte damit die gleichen Einwände vorbringt, die sie bereits in
ihren staatsrechtlichen Beschwerden erhoben hat. Hier - wie dort (E. 7.5) -
ist der Beklagten einzuräumen, dass es auch Anhaltspunkte gibt, die gegen die
Annahme einer grundsätzlichen Urteilsunfähigkeit sprechen. Das Vorhandensein
derartiger Anhaltspunkte lässt die Beurteilung des Kantonsgerichts gestützt
auf das aus dem Beweisverfahren gewonnene Beweisergebnis indessen nicht als
bundesrechtswidrig erscheinen (E. 4.1-.3 soeben).

4.4.3 Die Beklagte macht auch im vorliegenden Zusammenhang geltend, das
Kantonsgericht gehe von einem offenen Beweisergebnis aus (unter Verweis auf
S. 20) und von einem Normalzustand der Urteilsunfähigkeit dürfe nicht auf die
Urteilsunfähigkeit am Tag der Testamentserrichtung geschlossen werden. Auf
bereits Gesagtes kann verwiesen werden (E. 3.1.2 hiervor). Dass sie den
Gegenbeweis eines luziden Intervalls am Tag der Testamentserrichtung
geleistet habe, behauptet die Beklagte selber nicht.

4.5 Aus den dargelegten Gründen hat das Kantonsgericht kein Bundesrecht
verletzt, indem es davon ausgegangen ist, die letztwillige Verfügung vom 28.
September 1988 habe wegen Urteilsunfähigkeit der Erblasserin als ungültig zu
gelten.

5.
Die Beklagte beruft sich auf Art. 469 Abs. 2 ZGB und behauptet, eine
allfällige Ungültigkeit der letztwilligen Verfügung sei nachträglich geheilt
worden. Die Erblasserin, die die Testierfähigkeit vor ihrem Tod am 4.
Dezember 1990 mit Sicherheit wiedererlangt habe, hätte das Testament vom 28.
September 1988 aufgehoben, wenn dieses nicht ihrem Willen entsprochen haben
sollte. Da sie das aber nicht innert Jahresfrist getan habe, sei ein
allfälliger Mangel geheilt worden und sie - die Beklagte - selber
rechtsgültig als Alleinerbin anzuerkennen (S. 15 f. Ziff. 2c/ee der
Berufungsschrift).

5.1 Gegenüber den kantonsgerichtlich beurteilten Tat- und Rechtsfragen ist
der Einwand neu. Nach Art. 55 Abs. 1 lit. c OG sind das Vorbringen neuer
Tatsachen, neue Einreden, Bestreitungen und Beweismittel unzulässig (Satz 3).
Dieses Novenverbot schliesst indessen eine neue rechtliche Argumentation
nicht aus, sofern sie auf Grund der verbindlichen Tatsachenfeststellungen
beurteilt werden kann (BGE 130 III 28 E. 4.4 S. 34) und nicht auf einer
unzulässigen Ausweitung des vorinstanzlich festgestellten Sachverhalts beruht
(BGE 116 II 695 E. 4 S. 699). Ob es sich bei der Anrufung von Art. 469 Abs. 2
ZGB um eine unzulässige neue Einrede im technischen Sinn oder um eine im
gezeigten Rahmen zulässige neue rechtliche Argumentation handelt, kann
dahingestellt bleiben.

5.2 Gemäss Art. 469 ZGB sind Verfügungen, die der Erblasser unter dem
Einfluss von Irrtum, arglistiger Täuschung, Drohung oder Zwang errichtet hat,
ungültig (Abs. 1). Sie erlangen jedoch Gültigkeit, wenn sie der Erblasser
nicht binnen Jahresfrist aufhebt, nachdem er von dem Irrtum oder von der
Täuschung Kenntnis erhalten hat oder der Einfluss von Zwang oder Drohung
weggefallen ist (Abs. 2).
Die Bestimmung regelt die Heilung von Verfügungsmängeln zu Lebzeiten des
Erblassers. Vorausgesetzt ist, dass der Erblasser binnen Jahresfrist ab
Kenntnis (bei Irrtum oder Täuschung) bzw. ab Wegfall (bei Zwang oder Drohung)
des Mangels die ungültige letztwillige Verfügung nicht aufhebt. Ob diese
Heilungsmöglichkeit auch für den Mangel der Urteilsunfähigkeit gilt, ist in
der Lehre umstritten. Die Frage wird von den Zürcher und Berner Kommentatoren
des Erbrechts verneint (Weimar, Berner Kommentar, 2000, N. 26 zu Art. 467
ZGB, mit Hinweisen). Andere Autoren lassen eine Heilung der Ungültigkeit in
Analogie zu Art. 469 Abs. 2 ZGB zu für den Fall, dass der Erblasser die
Testierfähigkeit vor dem Erbfall (wieder)erlangt, die Verfügung aber nicht
binnen Jahresfrist aufgehoben hat. Sie verlangen freilich, dass der Erblasser
die Aufhebung der letztwilligen Verfügung im Bewusstsein des Mangels
unterlassen hat; war sich der Erblasser hingegen des Mangels gar nicht
bewusst, kann dieser nach dem Tode durch Ungültigkeitsklage geltend gemacht
werden (Breitschmid, Basler Kommentar, 2003, N. 21 zu Art. 467/468 ZGB; so
wohl auch Piotet, Erbrecht, SPR IV/1, Basel 1978, § 34/II S. 215 und § 45/IV
S. 285).

5.3 Das Bundesgericht kann die Streitfrage für heute offen lassen. Im
kantonsgerichtlichen Urteil fehlt die Tatsachengrundlage sowohl für die
Beurteilung, ob die Erblasserin vor ihrem Tod die Urteilsfähigkeit in
irgendeinem Zeitpunkt wiedererlangt hat, als auch für den Entscheid darüber,
ob die Erblasserin sich überhaupt jemals bewusst gewesen ist, dass sie im
Zustande der Urteilsunfähigkeit und damit mangelhaft testiert hat. Was die
Beklagte in tatsächlicher Hinsicht dazu vortragen lässt, ist rein spekulativ.
Der verbindlich festgestellte Sachverhalt genügt nicht, um den neu erhobenen
Einwand der Beklagten zu klären. Unter diesen Umständen kann sie damit nicht
gehört werden. Die Berufung bleibt auch insoweit ohne Erfolg.

6.
Aus den dargelegten Gründen muss die Berufung abgewiesen werden, soweit
darauf einzutreten ist. Insgesamt kann nicht beanstandet werden, dass das
Kantonsgericht die letztwillige Verfügung vom 28. September 1988 für ungültig
erklärt hat.

7.
Bei diesem Verfahrensausgang wird die Beklagte kostenpflichtig (Art. 156 Abs.
1 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Verfahren 5C.32/2004 und 5C.33/2004 werden vereinigt.

2.
Die Berufungen werden abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

3.
Die Gerichtskosten für beide Verfahren von insgesamt Fr. 6'000.-- werden der
Beklagten auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht des Kantons Schwyz,
Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 6. Oktober 2004

Im Namen der II. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: