Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilabteilung 5C.49/2004
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5C.49/2004 /bnm

Urteil vom 27. Oktober 2004
II. Zivilabteilung

Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichterin Escher, Bundesrichter Meyer, Bundesrichterin Hohl,
Bundesrichter Marazzi,
Gerichtsschreiber Gysel.

G. F.________,
Kläger und Berufungskläger, vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Béatrice
Heinzen Humbert,

gegen

Erben des H.B.________, nämlich:
1.O.P.________ und Mitbeteiligte,

Beklagte und Berufungsbeklagte, alle vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur.
Hans-Peter Kümin,

Nacherbschaft,

Berufung gegen das Urteil des Obergerichts (II. Zivilkammer) des Kantons
Zürich vom 18. November 2003.

Sachverhalt:

A.
A. B.________, die am 11. Mai 1979 im Alter von knapp 59 Jahren starb, war
die jüngere Tochter des im Jahre 1976 verstorbenen C.D.________ und die
Schwester von E.F.________, der Mutter von G.F.________. Als gesetzliche
Erben hinterliess sie ihren Ehemann H.B.________, ihre Mutter I.D.________
und ihre Schwester E.F.________. Nachkommen hatte sie nicht. Kurz vor ihrem
Tod, nämlich am 1. März 1979, hatte A.B.________ (nachstehend auch:
Erblasserin) eine eigenhändige letztwillige Verfügung mit dem folgenden
Wortlaut verfasst:

"Ich, die Unterzeichnete, A.B.________, geboren am 20. Juni 1920, von
Z.________, bestimme hiermit bezüglich meines Nachlasses, was folgt:
1.Ich setze meinen Ehegatten, H.B.________ als meinen Universalerben ein.

2. Mein Ehegatte ist als Vorerbe von jeglicher Sicherstellungspflicht
befreit.

3. Als meinen Testamentsvollstrecker ernenne ich lic. jur. K.L.________..
4.Wer dieses Testament und Entscheidungen des Testamentsvollstreckers
anficht, wird auf den Pflichtteil gesetzt, soweit ein solcher besteht, sonst
ganz von der Erbschaft ausgeschlossen.
Zürich, den 1. März 1979                                        A.B.________"
In dem vom Notariat X.________ errichteten Nacherbschaftsinventar vom 8.
Oktober 1979 wurde als Hauptaktivum der (Erb-)Anteil von 13/32 an der aus dem
väterlichen Nachlass stammenden Liegenschaft an der Strasse Z.________ in
Y.________ aufgeführt.

Am 3. Februar 1982 starb die Mutter der Erblasserin, I.D.________. Deren
einzige Erbin war ihre ältere Tochter, E.F.________. In der Folge wurden im
Grundbuch bezüglich der Liegenschaft an der Strasse Z.________ in Y.________
E.F.________ und H.B.________ als "Gesamteigentümer infolge
Erbengemeinschaft" eingetragen.
Am 14. Oktober 1997 starb E.F.________, die als einzigen Erben ihren Sohn
G.F.________ hinterliess. Einen Tag danach, am 15. Oktober 1997, starb auch
H.B.________. Er hinterliess zahlreiche gesetzliche Erben. Eine letztwillige
Verfügung von ihm ist nicht vorhanden.
Im Zeitpunkt des Ablebens von H.B.________ war aus dem Nachlass seiner
vorverstorbenen Ehefrau, A.B.________ (Erblasserin), einzig noch deren Anteil
an der Liegenschaft an der Strasse Z.________ vorhanden.

B.
Mit Eingabe vom 22. Februar 1999 erhob G.F._________ beim Bezirksgericht
Zürich Klage gegen die (im Rubrum dieses Urteils einzeln aufgeführten) Erben
von H.B.________. Er verlangte (gemäss Replik vom 14. Februar 2000), es sei
festzustellen, dass er Nacherbe und damit Alleinerbe im Nachlass von
A.B.________ sei, und das Grundbuchamt X.________ sei anzuweisen, ihn als
Eigentümer der Liegenschaft Z.________ in Y.________ einzutragen.

Die Beklagten schlossen auf Abweisung der Klage.

Mit Urteil vom 29. August 2000 wies das Bezirksgericht (4. Abteilung) die
Klage ab.

Der Kläger erhob Berufung, worauf das Obergericht (II. Zivilkammer) des
Kantons Zürich am 25. Juni 2001 unter anderem beschloss, die Sache zur
Ergänzung und zu neuem Entscheid an die erste Instanz zurückzuweisen.

In seinem neuen Urteil vom 1. November 2002 erkannte das Bezirksgericht (4.
Abteilung), dass das Grundbuchamt X.________ in Gutheissung der Klage
angewiesen werde, H.B.________ als Gesamteigentümer der Parzelle an der
Strasse Z.________ in Y.________ zu löschen und den Kläger an dessen Stelle
als Gesamteigentümer einzutragen.

Das Obergericht (II. Zivilkammer) hiess am 18. November 2003 eine von den
Beklagten erhobene Berufung gut und wies die Klage ab.

C.
Gegen das Urteil des Obergerichts hat der Kläger sowohl kantonale
Nichtigkeitsbeschwerde als auch Berufung erhoben.

C.a Das Kassationsgericht des Kantons Zürich wies die Nichtigkeitsbeschwerde
am 20. Juli 2004 ab, soweit darauf einzutreten war.

C.b Mit der eidgenössischen Berufung beantragt der Kläger, das Urteil des
Obergerichts vom 18. November 2003 aufzuheben und das Urteil des
Bezirksgerichts Zürich vom 1. November 2002 in Gutheissung der Klage zu
bestätigen.

Eine Berufungsantwort ist nicht eingeholt worden.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Die Parteien streiten um den Anspruch auf den im Zeitpunkt des Ablebens von
H.B.________ aus dem Nachlass seiner Ehefrau, A.B.________, einzig noch
vorhandenen Anteil an der Liegenschaft an der Strasse Z.________. Wem dieser
zusteht, beurteilt sich nach dem letzten Willen von A.B.________, den diese
in ihrem Testament vom 1. März 1979 niedergelegt hat.

1.1 Das Testament stellt eine einseitige, nicht empfangsbedürftige
Willenserklärung dar. Bei seiner Auslegung ist der wirkliche Wille des
Erblassers zu ermitteln. Auszugehen ist vom Wortlaut. Ergibt dieser für sich
selbst betrachtet eine klare Aussage, entfallen weitere Abklärungen. Sind
dagegen die testamentarischen Anordnungen so formuliert, dass sie ebenso gut
im einen wie im andern Sinn verstanden werden können, oder lassen sich mit
guten Gründen mehrere Auslegungen vertreten, dürfen ausserhalb der
Testamentsurkunde liegende Beweismittel zur Auslegung herangezogen werden.
Stets hat es jedoch bei der willensorientierten Auslegung zu bleiben; eine
Auslegung nach dem am Erklärungsempfänger orientierten Vertrauensprinzip
fällt ausser Betracht. Die Erben oder andere Bedachte haben keinen Anspruch
auf Schutz ihres Verständnisses der letztwilligen Verfügung; es kommt mit
andern Worten nicht darauf an, wie sie die Erklärung des Erblassers verstehen
durften und mussten, sondern einzig darauf, was der Erblasser mit seiner
Äusserung sagen wollte (zum Ganzen BGE 124 III 414 E. 3 S. 416 f.; 117 II 142
E. 2a S. 144; 115 II 323 E. 1a S. 325, mit Hinweisen).

1.2 Auf Grund der Vorstellung, dass der Erklärende das geschriebene Wort dem
allgemeinen Sprachgebrauch (Verkehrssprache, Rechtssprache) entsprechend
versteht, gilt die Vermutung, dass Gewolltes und Erklärtes übereinstimmen
(Niccolò Raselli, Erklärter oder wirklicher Wille des Erblassers?, in: AJP
1999, S. 1263 Ziff. II/3). Indessen kann die vom Erklärenden verwendete
Bezeichnung oder Ausdrucksweise sich als missverständlich oder als unrichtig
erweisen, sei es wegen eines blossen Verschriebs, sei es deshalb, weil
Ausdrücke in einer von der Verkehrs- oder Rechtssprache abweichenden
Bedeutung verwendet wurden. Nach der ausdrücklichen Vorschrift von Art. 18
Abs. 1 OR, die bei der Auslegung letztwilliger Verfügungen sinngemäss
heranzuziehen ist (Art. 7 ZGB), ist der wirkliche Wille beachtlich, nicht die
unrichtige Bezeichnung oder Ausdrucksweise. Wer sich auf einen vom objektiv
verstandenen Sinn und Wortlaut abweichenden Willen des Erblassers beruft, ist
beweispflichtig und hat entsprechende Anhaltspunkte konkret nachzuweisen
(dazu Raselli, a.a.O. S. 1267 Ziff. VII mit Hinweisen; Peter Breitschmid,
Basler Kommentar, 2. Auflage, N. 22 zu Art. 469 ZGB).

2.
Nach ständiger Rechtsprechung prüft das Bundesgericht die Auslegung einer
letztwilligen Verfügung durch die kantonale Instanz frei. Gebunden ist es
indessen an die tatsächlichen Feststellungen, aus denen sich der innere Wille
des Erblassers ergibt (BGE 125 III 35 E. 3a S. 39; 120 II 182 E. 2a S. 184,
mit Hinweisen). Soweit der Kläger die vom Obergericht getroffenen
tatsächlichen Feststellungen als unzutreffend rügt oder die vorinstanzliche
Würdigung der Zeugenaussagen beanstandet, ist auf die Berufung daher nicht
einzutreten.

3.
3.1 Die Anordnungen von A.B.________ in der letztwilligen Verfügung sind in
einfacher und leicht verständlicher Sprache abgefasst. In Ziffer 1 bestimmte
die Erblasserin, dass der mit ihr in ehelicher Gemeinschaft lebende Ehemann
ihr "Universalerbe" sein solle. Damit gab sie klar zum Ausdruck, dass nach
ihrem Tod sämtliche Vermögenswerte ihrem Ehemann zufallen sollten. Die
Erblasserin erliess diese Verfügung in einem Zeitpunkt, da sie wegen einer
schweren Erkrankung den Tod vor Augen hatte und damit rechnen musste, dass
sie ihre 29 Jahre ältere Mutter und erst recht ihre Schwester E.F.________
nicht werde überleben können. Ohne Testament hätten sowohl der Mutter als
auch der Schwester Erbansprüche zugestanden (vgl. [a]Art. 462 Ziff. 2 ZGB).
Ein Teil davon wäre gemäss (a)Art. 471 Ziff. 2 ZGB sogar
pflichtteilsgeschützt gewesen. Entgegen der Meinung des Klägers war mithin
die strittige letztwillige Verfügung nicht darauf ausgerichtet, die
Herkunftsfamilie der Erblasserin möglichst zu begünstigen. Ziffer 1 des
Testaments hat vielmehr die gegenteilige Zielrichtung.

3.2 In Ziffer 2 ihrer letztwilligen Verfügung legte die Erblasserin fest,
dass ihr Ehemann als Vorerbe von jeglicher Sicherstellungspflicht befreit
sei. Der Text ist in diesem Punkt insofern lückenhaft, als der Ehemann nicht
zunächst förmlich in den Status eines Vorerben eingesetzt wurde und keine
Nacherben bezeichnet wurden. Es ist indessen Sache des Erblassers, und nicht
des Vorerben, die Nacherben zu bestimmen, sind doch diese die
Rechtsnachfolger des Erblassers, und nicht des Vorerben (dazu Eugen Spirig,
Nacherbeneinsetzung und Nachvermächtnis, in: ZBGR 58/1977, S. 202).
Angesichts der dargelegten Lückenhaftigkeit dürfen ausserhalb der
Testamentsurkunde liegende Beweismittel zur Auslegung herangezogen werden.

3.2.1 Für die Klärung von Ziffer 2 der letztwilligen Verfügung sind die
Zeugenaussage von K.L.________ und die von ihm eingereichten Schriftstücke
von besonderer Bedeutung. Diese Beweismittel hatten im Zeitpunkt des vom
Obergericht am 25. Juni 2001 gefällten Beschlusses, die Sache an das
Bezirksgericht zurückzuweisen, noch nicht zur Verfügung gestanden. In jenem
Entscheid war die Vorinstanz ohne weiteres von einer Nacherbeneinsetzung
ausgegangen, und sie hatte sich nur gefragt, welche Personen nach dem Willen
der Erblasserin Nacherben sein sollten. Die Aussagen von K.L.________ und die
von ihm eingereichten Schriftstücke stellen indessen die Nacherbeneinsetzung
selbst in Frage. Nach den Feststellungen der Vorinstanz ist K.L.________ ein
als Berater in Erbsachen tätiger Jurist. K.L.________ habe als Zeuge erklärt,
er habe im Mai 1978 H.B.________ im Zusammenhang mit der Regelung des
Nachlasses beraten. Ob bei der Beratung auch die Ehefrau A.B.________, die
Erblasserin, zugegen gewesen sei, vermöge er nicht mehr zu sagen;
auszuschliessen sei es nicht. Es sei aber sicher auch darüber gesprochen
worden, dass Frau A.B.________ ein Testament errichten sollte. Bei den ins
Auge gefassten testamentarischen Vorkehren sei es um die gegenseitige
Sicherstellung der Ehegatten gegangen für den Fall, dass einer ableben
sollte. Sicher sei H.B.________ von ihm, dem Zeugen, darauf hingewiesen
worden, dass es zwei Testamente brauche, um die Nachfolge vernünftig zu
regeln.
Das Obergericht hält sodann fest, dass K.L.________ einen für H.B.________
erstellten Testamentsentwurf eingereicht habe, und zwar sowohl in einer
handschriftlichen als auch in einer maschinengeschriebenen Version. Letztere
trage das Datum vom 8. Mai 1978 sowie die Initialen des Zeugen. Dieser habe
darauf hingewiesen, dass der Entwurf als Vorlage für Testamente beider
Ehegatten hätte dienen sollen; deshalb finde sich im Entwurf die Formulierung
"ich, der/die Unterzeichnete". K.L.________ habe weiter ausgesagt, er habe
sich nie mit der konkreten Formulierung des Testaments der Erblasserin
befasst. Auf Vorhalt der letztwilligen Verfügung der Erblasserin habe er
jedoch erklärt, er nehme an, dass die Formulierung einen Teil seines Entwurfs
vom 8. Mai 1978 darstelle. Nach Auffassung des Obergerichts ist dies
offensichtlich so: Ziffer 1 des Testaments der Erblasserin
(Universalerbeneinsetzung) entspreche exakt dem Entwurf von K.L.________.
Gleiches gelte für die Schlussbestimmung, mit der die Erben hätten davon
abgehalten werden sollen, das Testament sowie Handlungen des
Willensvollstreckers anzufechten. Auch der im vorliegenden Prozess
interessierende Passus betreffend die Befreiung des Vorerben von der
Sicherstellungspflicht stamme wörtlich aus dem Entwurf des Zeugen. Ziffer 2
des Entwurfs sei von der Erblasserin allerdings nur als Torso übernommen
worden. Der erste Absatz, mit dem die Nacherbeneinsetzung ausdrücklich hätte
verfügt werden sollen und der auch die namentliche Bezeichnung der Nacherben
vorgesehen habe, sei nämlich von der Erblasserin weggelassen worden.

Die Vorinstanz weist des Weitern auf die Erklärung von K.L.________ hin,
anlässlich der Beratung im Jahre 1978 sei sicher über "Nacherben" gesprochen
worden: "Deshalb auch die Ziffer 2". Ob in diesem Zusammenhang der Name des
Klägers genannt worden sei, könne er nicht mehr sagen. Er meine, dass der
Kläger im Zusammenhang mit Ziffer 3 des Entwurfs, wonach "meinem Göttikind"
ein Legat hätte vermacht werden sollen, erwähnt worden sein könnte. Im
Übrigen sei ihm, dem Zeugen, gegenüber der Name des Klägers sicher Jahre
später, anlässlich einer andern Besprechung, erwähnt worden.

3.2.2 In Würdigung der Aussagen von K.L.________ und der von diesem
vorgelegten Unterlagen stellt das Obergericht alsdann fest, es seien neue
wesentliche Aspekte zu Tage gefördert worden. Aufgedeckt worden sei, wie die
Erblasserin zu den in ihrer letztwilligen Verfügung gewählten Formulierungen
gekommen sei. Es stehe auf Grund der Aussagen von K.L.________ fest, dass die
Erblasserin offensichtlich den Entwurf des Zeugen als Vorlage für die
Abfassung ihres Testaments benutzt habe. Der Entwurf habe in Ziffer 2 eine
Nacherbeneinsetzung unter Nennung der Nacherben und Angabe ihrer Quoten
vorgesehen. Die Erblasserin habe ihre Formulierung sorgfältig an die Vorlage
angelehnt. Beim Abschreiben habe sie den ersten Absatz von Ziffer 2
betreffend Nacherbeneinsetzung einfach weggelassen und sich mit dem zweiten
Absatz betreffend Befreiung des Vorerben von der Sicherstellungspflicht
begnügt. Bei der Übernahme von Ziffer 4 der Vorlage ("Als meinen
Testamentsvollstrecker auch bezüglich einer allfälligen Nacherbschaft ernenne
ich Herrn lic. iur. K.L.________ und bei dessen Verhinderung die S.________
AG ...") habe sie - nebst der Ersatztestamentsvollstreckerin - die Worte
"auch bezüglich einer allfälligen Nacherbschaft" ausgelassen. Sie habe sich
darauf beschränkt, ihren als "Universalerben" eingesetzten Ehemann "als
Vorerben" von jeglicher Sicherstellungspflicht zu befreien.

3.2.3 Auf Grund der festgestellten Gegebenheiten hält es das Obergericht für
fraglich, ob die nicht juristisch ausgebildete Erblasserin tatsächlich eine
konstruktive Nacherbeneinsetzung habe vornehmen wollen, um so mehr, als sie
die letztwillige Verfügung nicht unmittelbar nach der erteilten
Rechtsberatung abgefasst habe, sondern gestützt auf Vorlagen, die vom Berater
Monate zuvor ihrem Ehemann ausgehändigt worden seien. Die Annahme liege nahe,
Ziffer 2 der letztwilligen Verfügung beruhe auf der Überlegung, dass die
Befreiung des "Universalerben" von einer Sicherstellungspflicht allenfalls
dessen Stellung aufwerte, sie jedoch sicher nicht beeinträchtige. Hätte die
Erblasserin den Kläger als Nacherben einsetzen wollen, wäre schwer
verständlich, warum sie ihn in ihrer letztwilligen Verfügung nicht namentlich
erwähnt habe, wenn sie doch die Vorlage von K.L.________, welche die
namentliche Bezeichnung der Nacherben ausdrücklich vorgesehen habe, vor sich
gehabt habe.

3.2.4 Ob entgegen ihrer im Rückweisungsbeschluss vom 25. Juni 2001
geäusserten Auffassung eine Nacherbeneinsetzung allenfalls zu verneinen sei,
hat die Vorinstanz letztlich offen gelassen. Sie hatte deshalb zu prüfen, wer
im Falle der Annahme einer Nacherbeneinsetzung durch die letztwillige
Verfügung hätte begünstigt werden sollen, und kam zum Schluss, dass es die
gesetzlichen Erben der Erblasserin im Zeitpunkt ihres Todes gewesen wären. Da
diese den Nacherbfall indessen nicht erlebt hätten, sei die Erbschaft im
Sinne von Art. 492 Abs. 2 ZGB beim Vorerben, d.h. bei H.B.________,
verblieben, weshalb die Klage abzuweisen sei.

4.
4.1 Für die Annahme, die von der Erblasserin am 1. März 1979 errichtete
letztwillige Verfügung enthalte eine Nacherbeneinsetzung, bleibt angesichts
der vom Obergericht festgehaltenen tatsächlichen Gegebenheiten kein Raum. Auf
Grund der Aussagen des Zeugen K.L.________ und der von diesem vorgelegten
Schriftstücke kann das Testament in seiner Gesamtheit betrachtet nur so
verstanden werden, dass die Erblasserin ihren Ehegatten als Universalerben
einsetzen und keine Nacherbeneinsetzung vornehmen wollte. Soweit die
Erblasserin den vom Zeugen verfassten Testamentsentwurf übernommen hat, hat
sie ihn Wort für Wort abgeschrieben. Auf den (Haupt-)Teil der Ziffer 2, der
von der Nacherbeneinsetzung und von der Bestimmung der Quoten handelte, hat
sie indessen verzichtet und damit eindeutig zum Ausdruck gebracht, dass sie
keine Nacherbeneinsetzung wollte. Sie hat lediglich den letzten Satz von
Ziffer 2 übernommen und damit den Willen geäussert, dass ihr Ehegatte von
jeglicher Sicherstellungspflicht befreit sein solle. Freilich hat die
Erblasserin ihren Ehegatten - entsprechend der Vorlage mit einem Begriff der
Rechtssprache - als Vorerbe bezeichnet. Es kann indessen nicht davon
ausgegangen werden, dass sie als juristische Laie genau wusste, was ein
Vorerbe sei und dass die Bestimmung eines Vorerben eine Nacherbeneinsetzung
voraussetze. Werden Vorlage und Testament miteinander verglichen, drängt sich
die Annahme auf, die Erblasserin habe diesen Begriff lediglich deshalb
gewählt, weil er in der Vorlage so stand und sie habe vermeiden wollen, dass
ihr Ehemann zu irgendwelchen Sicherheitsleistungen herangezogen werden
könnte.

Auch daraus, dass die Erblasserin - unter Ziffer 3 der letztwilligen
Verfügung - Ziffer 4 der Vorlage nur teilweise übernahm, ergibt sich, dass es
der Erblasserin nicht um die Anordnung einer Nacherbschaft gegangen war. Sie
setzte zwar den Zeugen K.L.________ als ihren Testamentsvollstrecker ein,
jedoch nicht auch bezüglich einer Nacherbschaft, wie es im Entwurf formuliert
worden war. Diese Streichung kann nicht anders verstanden werden, denn als
Bestätigung des Verzichts auf die Nacherbeneinsetzung.
Ausserdem hat die Erblasserin auf die Übernahme von Ziffer 3 der Vorlage
verzichtet, worin für das Göttikind, das in ihrem Fall der Kläger gewesen
wäre, die Festsetzung eines Legats vorgesehen war. Auch daraus ergibt sich,
dass der Ehegatte ohne irgendeine Einschränkung als Erbe eingesetzt werden
sollte. Die erwähnte Weglassung widerlegt die Vermutung mehrerer Zeugen, dass
die Erblasserin den Kläger habe begünstigen wollen. Schliesslich bestätigt
auch der Umstand, dass die Erblasserin - unter Ziffer 4 - die rechtstechnisch
abgefasste Schlussbestimmung (Ziffer 5) wörtlich wiedergab, ihren Willen, der
Vorlage genau zu folgen, soweit sie mit deren Inhalt einverstanden war, und
lediglich die Passagen wegzulassen, die sie nicht in ihr Testament aufnehmen
wollte.
Unter den dargelegten Umständen kann entgegen der Auffassung des Klägers
nicht gesagt werden, das Testament enthalte wegen der missglückten und
überflüssigen Verwendung des Rechtsbegriffs "Vorerbe" in Ziffer 2 eine Lücke
bezüglich der Nacherbeneinsetzung. Die Überlegungen zur Frage, wie eine Lücke
in einem Testament zu füllen sei, stossen daher ins Leere.

4.2 Führt die Auslegung des Testaments nach dem Gesagten zum eindeutigen
Ergebnis, dass eine Nacherbeneinsetzung zu verneinen ist, ist den
klägerischen Ausführungen zu den verschiedenen Zeugenaussagen der Boden
entzogen. Das Obergericht hat im Übrigen festgehalten, dass der Kläger selbst
wie auch praktisch alle von ihm angerufenen Zeugen ihre Schlussfolgerungen
zugunsten des Klägers nicht aus konkreten Hinweisen auf eine von der
Erblasserin beabsichtigte letztwillige Verfügung herleiteten, sondern im
Wesentlichen nur aus dem engen Zusammenhang der Familiengemeinschaft und der
allgemeinen Meinung, die bei allen Beteiligten mehr oder weniger
unausgesprochen vorgeherrscht haben soll; die Einschätzungen der
verschiedenen Personen hätten auf subjektiven Beurteilungen beruht. Nach den
Feststellungen der Vorinstanz hat keiner der Zeugen (mit Ausnahme von
M.N.________) mit der Erblasserin über ihre konkrete Nachfolgeregelung
gesprochen. Die Aussage von M.N.________ vermöge zwar gewisse Indizien für
den vom Kläger eingenommenen Standpunkt abzugeben, doch wirke die
Stellungnahme dieser Zeugin nicht sehr überzeugend. Sodann sei die
Erblasserin nach der Darstellung einiger Zeugen wohl der Meinung gewesen,
dass das Haus dereinst irgendwie auf den Kläger übergehen werde, doch ergäben
sich keine konkreten Hinweise dafür, dass die Erblasserin konkret daran
gedacht hätte, nach dem Hinschied ihres Ehemannes den Kläger als Erben
einzusetzen. Selbst der Kläger und seine Frau hätten nie ausgesagt, die
Erblasserin habe ausdrücklich erklärt, dass der Kläger ihren Anteil am Haus
erben werde.

Bei dieser für das Bundesgericht verbindlichen Beweiswürdigung sind die
Hinweise des Klägers auf seine besondere Beziehung zur Erblasserin, auf die
Familienstruktur und die Lebensumstände sowie auf die übrigen Zeugen
unbehelflich.

5.
Nach dem Gesagten ist die Berufung abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
Bei diesem Ausgang ist die Gerichtsgebühr dem Kläger aufzuerlegen (Art. 156
Abs. 1 OG). Da keine Berufungsantwort eingeholt worden ist und den Beklagten
somit keine Kosten erwachsen sind, entfällt die Zusprechung einer
Parteientschädigung.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Berufung wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 15'000.-- wird dem Kläger auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht (II. Zivilkammer) des
Kantons Zürich schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 27. Oktober 2004

Im Namen der II. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: