Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilabteilung 5C.67/2004
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5C.67/2004 /rov

Urteil vom 19. November 2004
II. Zivilabteilung

Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichterin Escher, Bundesrichter Meyer, Bundesrichterin Hohl,
Bundesrichter Marazzi,
Gerichtsschreiber von Roten.

1. A.________,
2.B.________,
Beklagte und Berufungsklägerinnen,
beide vertreten durch Fürsprecher Walter Streit,

gegen

Konkursmasse der Erbschaft von E.________, handelnd durch das Betreibungs-
und Konkursamt K.________,
Klägerin und Berufungsbeklagte,
vertreten durch Fürsprecher Michel Stavro.

Erbenhaftung,

Berufung gegen das Urteil des Appellationshofs des Kantons Bern, II.
Zivilkammer, vom 21. Januar 2004.

Sachverhalt:

A.
Mit öffentlich beurkundeten Verträgen vom 14. März 1996 schenkte E.________
seinen Töchtern A.________ und B.________ je ein Grundstück von 250 m2 bzw.
258 m2 und je einen Miteigentumsanteil an einem weiteren Grundstück, alle
gelegen auf Gebiet der Gemeinde X.________. Die Töchter erklärten dankend
Annahme der Schenkung und wurden von ihrem Vater "von der erbrechtlichen
Ausgleichung eines allfälligen Mehrwertes für die hievor erworbenen
Grundstücke gemäss Art. 629 ZGB ausdrücklich entbunden" (Ziff. 2 des
jeweiligen Schenkungsvertrags).
Am 14. März 1996 schloss E.________ mit seinen Töchtern je einen
schriftlichen Werkvertrag ab. Er verpflichtete sich darin, auf den
geschenkten Grundstücken je ein Reiheneinfamilienhaus mit Einstellplatz in
einer unterirdischen Autoeinstellhalle für den Werkpreis von Fr. 453'500.--
zu erstellen.

E. ________ starb zwei Jahre später, 1998. Die Erben - seine Ehefrau und die
beiden Töchter - verlangten die Aufnahme eines öffentlichen Inventars. Das
Inventar zeigte einen Überschuss der Passiven über die Aktiven. Alle Erben
schlugen die Erbschaft aus. Über die Erbschaft von E.________ wurde am 24.
Dezember 1998 der Konkurs eröffnet. Das Betreibungs- und Konkursamt
K.________ beziffert den voraussichtlichen Verlust nach Abschluss des
Liquidationsverfahrens auf rund 1.5 Millionen Franken.

B.
Handelnd für die Konkursmasse der Erbschaft von E.________ erhob das
Betreibungs- und Konkursamt K.________ (hiernach: Klägerin) Forderungen gegen
die Erben. Sie ersuchte am 13. März 2000 um gerichtliche Vorladung zum
Aussöhnungsversuch und reichte am 27. September 2000 Klage ein gegen
A.________ und B.________ (im Folgenden: Beklagte 1 und 2). Die Klägerin
bezifferte ihre Forderungen auf Fr. 96'250.-- und Fr. 99'300.-- aus
ausgleichungspflichtigen Zuwendungen des Erblassers an die Beklagten und auf
Fr. 47'759.90 und Fr. 25'703.55 an ausstehendem Werkpreis, jeweilen nebst
Zins.
Der Präsident 2 im Gerichtskreis Z.________ wies die Klage ab, soweit sie
sich auf die Ausgleichungspflicht der schenkungshalber zugewendeten
Grundstücke stützte. Er hiess die Klage hingegen gut, was den ausstehenden
Werkpreis betrifft, wies dabei die Verrechnungseinreden der Beklagten ab und
verurteilte die Beklagte 1 zur Zahlung von Fr. 47'759.50 und die Beklagte 2
zur Zahlung von Fr. 25'703.55, jeweilen nebst Zins zu 5 % seit dem 9. Februar
2000 (Urteil vom 5. August 2003).
Auf Appellation beider Parteien hin urteilte der Appellationshof (II.
Zivilkammer) des Kantons Bern in der Sache neu. Er verwarf die von den
Beklagten erhobenen Einreden der fehlenden Aktivlegitimation der
Konkursmasse, der fehlenden Prozessführungsbefugnis der Konkursverwaltung,
der Verjährung der eingeklagten Forderungen und der Simulation der
Schenkungsverträge (E. B/1-4 S. 5 ff.). Er bejahte die Ausgleichungspflicht
der Schenkungen und bezifferte den von der Beklagten 1 zu zahlenden Betrag
auf Fr. 96'250.-- und den von der Beklagten 2 zu zahlenden Betrag auf Fr.
97'790.--, jeweilen nebst Zins zu 5 % seit dem 17. März 2000 (E. B/5 S. 11
ff.). An die Werklohnforderung der Klägerin rechnete der Appellationshof
tatsächlich geleistete Zahlungen der Beklagten von je Fr. 30'000.-- an, so
dass nur mehr die Beklagte 1 zur Zahlung von Fr. 17'759.50 nebst Zins zu 5 %
seit dem 9. Februar 2000 verpflichtet wurde (E. C S. 16 ff. und
Dispositiv-Ziff. 1 und 2 des Urteils vom 21. Januar 2004).

C.
Mit eidgenössischer Berufung beantragen die Beklagten dem Bundesgericht die
Abweisung der Klage. Der Appellationshof hat keine Gegenbemerkungen zur
Berufung angebracht. Die Klägerin schliesst auf Abweisung der Berufung.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Mit der Marginalie "Haftung im Falle der Ausschlagung" sieht Art. 579 Abs. 1
ZGB vor, dass die Erben eines zahlungsunfähigen Erblassers, die die Erbschaft
ausschlagen, dessen Gläubigern gleichwohl insoweit haften, als sie vom
Erblasser innerhalb der letzten fünf Jahre vor seinem Tode Vermögenswerte
empfangen haben, die bei der Erbteilung der Ausgleichung unterworfen sein
würden.
Vor Bundesgericht ist die Anwendung von Art. 579 Abs. 1 ZGB streitig. Die
Beklagten behaupten, nur Gläubiger des Erblassers ("dessen") - gemeinhin
Erbschaftsgläubiger genannt - könnten die Haftung der Erben geltend machen.
Die Konkursmasse sei dazu hingegen nicht aktivlegitimiert (S. 5 ff. Ziff. 1).
Die eingeklagten Ansprüche seien zudem verjährt (S. 9 ff. Ziff. 2) und auch
deshalb unbegründet, weil sie Zuwendungen des Erblassers beträfen, die nicht
ausgleichungspflichtig seien (S. 15 ff. Ziff. 3). Schliesslich berufen sich
die Beklagten im Zusammenhang mit der Abrechnung des Werkpreises auf Tilgung
und Verrechnung (S. 21 ff. Ziff. 4 und 5 der Berufungsschrift).
Die Berufung ist grundsätzlich zulässig. Es geht um die Anwendung von
Bundesrecht (Art. 43 OG) in einer vollstreckungsrechtlichen Streitigkeit, in
der über den Bestand zivilrechtlicher Ansprüche zu entscheiden ist (BGE 81 II
82 E. 1 S. 83/84 und die seitherige Rechtsprechung) und deren Wert die
gesetzlich geforderte Berufungssumme übersteigt (Art. 46 OG). Die weiteren
Eintretensvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Auf formelle
Einzelfragen wird im Sachzusammenhang zurückzukommen sein. Auf die Berufung
kann eingetreten werden.

2.
Die Beklagten bestreiten die Aktivlegitimation der Klägerin vorab unter
Hinweis auf den klaren Wortlaut von Art. 579 ZGB sowie auf die einschlägigen
Gesetzesbestimmungen über das Konkursverfahren. Die Klägerin verweist auf die
Begründung des Appellationshofs.

2.1 In BGE 67 III 177 Nr. 54 war über die Aktivlegitimation des Konkursamtes
zu entscheiden, das gegen die Witwe des Erblassers auf Herausgabe der
Erbvorbezüge klagte. Das Bundesgericht bejahte die Aktivlegitimation. Es
stehe der Konkursmasse zu, die Haftung nach Art. 579 ZGB in Anspruch zu
nehmen. Mit den Worten "dessen (d.h. des Erblassers) Gläubigern" gebe Art.
579 ZGB nicht etwa nur der Klage einzelner Gläubiger Raum; vielmehr sei im
Erbschaftskonkurs ein Klagerecht der durch das Konkursamt (die
Konkursverwaltung) vertretenen Konkursmasse anzuerkennen (E. 4 S. 185). Eine
einlässliche Begründung fehlt, wie die Beklagten hervorheben. Die
Aktivlegitimation der Konkursmasse, Ansprüche gemäss Art. 579 ZGB geltend zu
machen, war in der damaligen Lehre aber offenbar derart selbstverständlich,
dass sie regelmässig nicht einmal erwähnt wurde (vgl. immerhin das Beispiel
bei Rennefahrt, Das Erbrecht des schweizerischen Zivilgesetzbuches, Zürich
1913, N. 1 zu Art. 579 ZGB; Merz, Urteilsbesprechung, in: ZBJV 79/1943 S. 26
f.).
In BGE 116 II 253 Nr. 46 war über die Aktivlegitimation einer Gläubigerin zu
entscheiden, die eine Forderung im Konkurs der ausgeschlagenen Erbschaft
anmeldete, dann aber während des Konkursverfahrens gegen die Tochter der
Erblasserin auf Zahlung des im Konkurs eingegebenen Betrags klagte. Das
Bundesgericht bejahte die Aktivlegitimation der Gläubigerin des Erblassers
unter Hinweis auf die Grundlagen der Haftungsklage nach Art. 579 ZGB. Ob der
Anspruch auch von der Konkursverwaltung geltend gemacht werden könnte bzw.
hätte geltend gemacht werden können, brauchte nicht erörtert zu werden (E. 4
und 5 S. 257 ff.). Dem Urteil ist Kritik erwachsen, und zwar aus der Sicht
des Prozessrechts (vgl. Poudret, Urteilsanmerkung, in: JdT 141/1993 I S.
332), des Konkursrechts (vgl. Gilliéron, Urteilsanmerkung, in: JdT 143/1995
II S. 27) und des materiellen Rechts (vgl. Piotet, La responsabilité du
répudiant ou renonçant envers les créanciers successoraux comparée aux
solutions des art. 193 CC et 285 ss LP, ZBGR 74/1993 S. 73 ff., S. 79 ff.).
Die Lehre schliesst aus der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, dass die
Erbschaftsgläubiger neben der Konkursmasse dazu legitimiert sind, Ansprüche
gemäss Art. 579 ZGB geltend zu machen (vgl. etwa Druey, Grundriss des
Erbrechts, 5.A. Bern 2002, § 13 N. 83 S. 191).

2.2 Die Erben erwerben die Erbschaft als Ganzes mit dem Tode des Erblassers
kraft Gesetzes (Art. 560 Abs. 1 ZGB). Mit Vorbehalt der gesetzlichen
Ausnahmen gehen die Forderungen, das Eigentum, die beschränkten dinglichen
Rechte und der Besitz des Erblassers ohne weiteres auf sie über, und die
Schulden des Erblassers werden zu persönlichen Schulden der Erben (Art. 560
Abs. 2 ZGB). Die Erben haben die Befugnis die Erbschaft, die ihnen zugefallen
ist, auszuschlagen (Art. 566 Abs. 1 ZGB). Schlägt ein Erbe aus, so erhält er
zwar keine Aktiven der Erbschaft, wird aber auch nicht für deren Passiven
haftbar und darf behalten, was er als Vorempfang zu Lebzeiten des Erblassers
aus dessen Vermögen erhalten hat. Derartige Zuwendungen will Art. 579 ZGB den
Erbschaftsgläubigern sichern und damit vermeiden, dass deren Rechte in
unbilliger Weise verkürzt werden. Erben, die eine insolvente Erbschaft
ausschlagen, sollen wenigstens mit den Vermögenswerten haften, die sie
innerhalb der letzten fünf Jahre vom Erblasser empfangen haben und die sie
auch in der Erbteilung nicht behalten könnten, sondern zur Ausgleichung
bringen müssten. Der ausschlagende Erbe wird dabei ipso iure haftbar, ohne
dass es einer eigentlichen Anfechtungsklage bedürfte oder zuerst die
Ausschlagung oder die Zuwendung des Erblassers für unwirksam erklärt werden
müsste. Es handelt sich zudem um eine subsidiäre Haftung. Der ausschlagende
Erbe muss mit dem Wert des Vorempfanges nur dafür einstehen, was von den
andern Erben nicht erhältlich ist oder was bei der Verwertung des Nachlasses
ungedeckt bleibt (Tuor/Picenoni, Berner Kommentar, 1964, N. 2, 4, 7 und N.
20, und Escher/Escher, Zürcher Kommentar, 1960, N. 1 und N. 10 f., je zu Art.
579 ZGB).

2.3 Von der soeben geschilderten Rechtsnatur her betrachtet, hat die Haftung
der ausschlagenden Erben gemäss Art. 579 ZGB gewisse Ähnlichkeiten mit den
paulianischen Anfechtungsklagen (Art. 285 ff. SchKG), unterscheidet sich
davon aber insofern entscheidend, als nach dem Gesagten weder die Zuwendung
durch den Erblasser oder die Ausschlagung durch den Erben in Frage gestellt
werden soll, um entäusserte Vermögenswerte wiederzubeschaffen, noch auf
Seiten der Beteiligten eine Absicht bestanden haben müsste, Gläubiger zu
benachteiligen. Näher liegt deshalb der Vergleich mit der Haftung bei
Erbverzicht (Art. 497 ZGB) und insbesondere mit dem - ebenfalls schon 1907/12
geschaffenen - eherechtlichen Haftungstatbestand gemäss aArt. 188 ZGB (heute:
Art. 193 ZGB).
Nach der eherechtlichen Gläubigerschutzvorschrift kann durch güterrechtliche
Vermögensverschiebungen - d.h. durch Wechsel des Güterstandes bzw. Begründung
oder Änderung des Güterstandes oder durch güterrechtliche
Auseinandersetzungen - ein Vermögen, aus dem bis anhin die Gläubiger eines
Ehegatten oder der Gemeinschaft Befriedigung verlangen konnten, dieser
Haftung nicht entzogen werden (aArt. 188 Abs. 1 bzw. Art. 193 Abs. 1 ZGB).
Der Haftungstatbestand hat die gleiche Rechtsnatur wie der in Art. 579 ZGB
vorgesehene: Er gestattet es dem Gläubiger, kraft Gesetzes das Vermögen eines
Dritten zur Erfüllung seiner Forderung gegen den Schuldner heranzuziehen. Im
Vollstreckungsverfahren gegen den schuldnerischen Ehegatten können die
Gläubiger somit das weiterhaftende Vermögen des andern Ehegatten pfänden bzw.
zur Konkursmasse ziehen lassen (Hausheer/Reusser/Geiser, Berner Kommentar,
1992, N. 38 f. zu Art. 193 ZGB, mit Hinweisen; vgl. zu aArt. 188 ZGB: BGE 99
III 12 E. 2 S. 16; 106 II 141 E. 2 S. 143; 111 III 43 E. 1 S. 47).
Werden diese Grundsätze auf die Haftung gemäss Art. 579 ZGB übertragen, ist
zu unterscheiden: Treten einzelne Erben die Erbschaft an, sind sie von
Gesetzes wegen für die Schulden des Erblassers persönlich und solidarisch
haftbar (Art. 560 Abs. 2 und Art. 603 Abs. 1 ZGB). Im Vollstreckungsverfahren
gegen sie kann die Haftung der ausschlagenden Erben geltend gemacht werden.
Schlagen hingegen alle Erben aus, gelangt die Erbschaft zur Liquidation durch
das Konkursamt (Art. 573 Abs. 1 ZGB und Art. 193 SchKG). Auf Grund der
Konkurseröffnung richten sich die Forderungen der Gläubiger gegen die
Konkursmasse der Erbschaft (vgl. Brunner, Basler Kommentar, 1998, N. 10 zu
Art. 193 SchKG, mit Hinweisen). Es gehört dann auch grundsätzlich zur Aufgabe
des Konkursamtes bzw. der Konkursverwaltung, das den Gläubigern haftende
Vermögen der ausschlagenden Erben zur Konkursmasse zu ziehen, wie das im Fall
von Art. 193 ZGB geschieht (Handschin/Hunkeler, Basler Kommentar, 1998, N. 78
und N. 82 zu Art. 197 SchKG, mit weiteren Beispielen).

2.4 Die Einwände der Beklagten dagegen sind unbegründet.

2.4.1 Aus dem Gesetzwortlaut können die Beklagten nichts zu ihren Gunsten
ableiten. Es trifft zwar zu, dass das Gesetz das Klagerecht der
Konkursverwaltung in Art. 524 Abs. 1 ZGB (Herabsetzungsklage) und in Art. 578
ZGB (Anfechtung der Ausschlagung) ausdrücklich erwähnt, in den Fällen der
Haftung gemäss Art. 579 ZGB (Ausschlagung) und gemäss Art. 497 ZGB
(Erbverzicht) dagegen nicht. Der Unterschied in der Formulierung ist jedoch
folgerichtig. Dort geht es um den überschuldeten Erben, der noch lebt und
Gläubiger bzw. eine Konkursverwaltung haben kann, hier dagegen um den
zahlungsunfähigen Erblasser, über den als verstorbenen Schuldner kein Konkurs
mehr eröffnet werden kann, so dass in diesem Sinne nicht von einer
"Konkursverwaltung des Erblassers", sondern nur von "dessen Gläubigern"
gesprochen werden kann. Ob die "Erbschaft" eine Konkursverwaltung erhält,
steht - im vorliegend interessierenden Zusammenhang - erst fest, wenn alle
nächsten gesetzlichen Erben ausgeschlagen haben (Art. 573 Abs. 1 ZGB) und der
Konkurs eröffnet worden ist (Art. 193 SchKG). In diesem Zeitpunkt aber hat
sich die Haftung des einzelnen Erben, der die Erbschaft ausschlägt, ("ipso
iure") bereits verwirklicht (E. 2.2 soeben).

2.4.2 Aus vollstreckungsrechtlicher Sicht ist der Einwand unbegründet, dass
im Prozess zwischen der Konkursmasse und den Erben die Einreden gegen den
Bestand der Forderungen der Erbschaftsgläubiger nicht geprüft werden könnten,
weil diese am Verfahren gar nicht beteiligt seien. Das Bestehen einer
Forderung gegen den Erblasser ist Voraussetzung des Haftungsanspruchs gemäss
Art. 579 ZGB und muss deshalb als materiell-rechtliche Vorfrage im Prozess
zwischen der Konkursmasse und dem ausschlagenden Erben beurteilt werden (vgl.
die Hinweise in E. 2.3 soeben und Hausheer, Basler Kommentar, 2002, N. 21 zu
Art. 193 ZGB). Eine Beteiligung der Gläubiger ist dabei nicht erforderlich,
da nicht über das Bestehen ihrer Forderungen (Passivmasse), sondern über die
Weiterhaftung der ausschlagenden Erben mit dem Wert ihrer Vorempfänge
(Aktivmasse) rechtskräftig entschieden wird. Dass ein einzelner Gläubiger im
Konkurs nicht auf die Einbeziehung eines Vermögenswertes verzichten kann, der
den Forderungen aller Gläubiger verfangen ist, versteht sich von selbst. In
Betracht fiele höchstens eine Beschwerde bei den Aufsichtsbehörden gegen die
Anhebung des Prozesses gemäss Art. 579 ZGB durch die Konkursverwaltung (BGE
67 III 177 E. 2 S. 181).

2.4.3 Schliesslich hat die bundesgerichtliche Rechtsprechung die
Aktivlegitimation des Konkursamtes bzw. der Konkursverwaltung, handelnd für
die Konkursmasse, - entgegen der Darstellung der Beklagten - nicht verneint
(E. 2.1 soeben; vgl. auch Lemp, Berner Kommentar, 1968, N. 45 f. zu aArt. 188
ZGB). Es bleibt somit dabei, dass die Aktivlegitimation der Klägerin im
vorliegenden Prozess um die Ansprüche gemäss Art. 579 ZGB zu bejahen ist. Ob
der Anspruch unter den hier gegebenen Umständen auch von einzelnen
Erbschaftsgläubigern geltend gemacht werden könnte bzw. hätte geltend gemacht
werden können, braucht nicht erörtert zu werden.

2.5 Aus den dargelegten Gründen hat der Appellationshof die Aktivlegitimation
der - durch das Konkursamt handelnden - Klägerin zu Recht bejaht. Die
Berufung muss insoweit abgewiesen werden.

3.
Zur Einrede der Verjährung haben die kantonalen Gerichte ausgeführt, eine
Befristung des Anspruchs gemäss Art. 579 ZGB sei im Gesetz nicht vorgesehen.
Er könne deshalb innert der obligationenrechtlichen Verjährungsfrist der
Gläubigerforderung unbeschränkt geltend gemacht werden. Die Verjährungsfrist
der im Konkurs eingegebenen Forderungen betrage fünf und mehr Jahre, so dass
die Verjährungseinrede abzuweisen sei. Während die Klägerin diese Auffassung
teilt, wird sie von den Beklagten bestritten. Deren Einrede könnte freilich
nur Erfolg haben, falls eine einjährige Verjährungsfrist massgebend sein
sollte. Denn nach den Feststellungen des Appellationshofs wäre selbst eine
nur zwei Jahre dauernde Verjährungsfrist gewahrt.

3.1 Entgegen der Annahme der Beklagten ist die Haftung gemäss Art. 579 ZGB
weniger mit den paulianischen Anfechtungsklagen verwandt. Sie muss auf Grund
ihrer Rechtsnatur eher mit der Gläubigerschutzbestimmung in Art. 193 ZGB
verglichen werden (E. 2.3 hiervor). Dieser Haftungsanspruch geht nach Lehre
und Rechtsprechung nicht nur mit der Verjährung der Hauptschuld als klagbarer
Anspruch unter, sondern unterliegt auch einer selbstständigen Verjährung,
deren Frist nach allgemeinen obligationenrechtlichen Grundsätzen zehn Jahre
beträgt (Hausheer/Reusser/Geiser, N. 29 und N. 56 zu Art. 193 ZGB; BGE 127
III 1 E. 3 S. 7 ff.). Damit stimmen die Kommentatoren der Haftung gemäss Art.
579 ZGB überein. Der ausschlagende Erbe kann solange in Anspruch genommen
werden, als die Forderungen der Erbschaftsgläubiger nicht verjährt sind
(Escher/Escher, N. 15, und Schwander, Basler Kommentar, 2003, N. 4, je zu
Art. 579 ZGB).

3.2 Was die Beklagten dagegen einwenden, ist unbehelflich. Namentlich ihre
Berufung auf die bereicherungsrechtliche Verjährungsfrist von einem Jahr
(Art. 67 OR) verschlägt nichts. Zum einen ist der Anspruch aus Art. 579 ZGB -
entgegen ihrer Annahme - nicht bereicherungsrechtlicher Art (Escher/Escher,
N. 15 zu Art. 579 ZGB). Die Erben haften gemäss Art. 579 ZGB mit dem Wert der
ausgleichungspflichtigen Vorempfänge (Abs. 1: Regel) und nur für den
gutgläubigen Erben ist die Haftung auf die Bereicherung beschränkt (Abs. 3:
Ausnahme). Zum anderen muss aus einer Beschränkung der Haftung auf die
Bereicherung, wie sie im Falle des Erbverzichts vorgesehen ist (Art. 497
ZGB), nicht zwingend auf die Geltung der bereicherungsrechtlichen
Verjährungsfrist geschlossen werden (so aber noch Escher/Escher, Zürcher
Kommentar, 1959, N. 7 zu Art. 457 ZGB). Auf Grund des Zwecks der Haftung kann
es vielmehr - trotz bereicherungsrechtlichen Charakters - als sachgerecht
erscheinen, die für die Forderung der Erbschaftsgläubiger massgebende
Verjährungsvorschrift anzuwenden (so die neuere Lehre: Breitschmid, Basler
Kommentar, 2003, N. 3 zu Art. 497 ZGB; Walder, Gläubigerschutz im
schweizerischen Erbrecht, FS Soliva, Zürich 1994, S. 339 ff., S. 343).

3.3 Gemäss den tatsächlichen Feststellungen des Appellationshofs ist die
Verjährung der Forderungen der Erbschaftsgläubiger nicht eingetreten, weshalb
deren Haftungsanspruch gegen die ausschlagenden Erben gemäss Art. 579 ZGB
nicht verjährt sein kann. Die Berufung muss insoweit abgewiesen werden.

4.
Die Haftung nach Art. 579 ZGB setzt voraus, dass die ausschlagenden Erben vom
Erblasser Vermögenswerte erhalten haben, "die bei der Erbteilung der
Ausgleichung unterworfen sein würden" (Abs. 1). Es stellt sich zunächst die
Frage, ob die Schenkung des Erblassers an seine beiden Töchter der
Ausgleichungspflicht unterliegt. Sodann ist die Bedeutung der Klausel in den
Schenkungsverträgen zu prüfen, wonach die Beklagten "von der erbrechtlichen
Ausgleichung eines allfälligen Mehrwertes für die hievor erworbenen
Grundstücke gemäss Art. 629 ZGB ausdrücklich entbunden" sein sollten.

4.1 Gemäss Art. 626 ZGB sind die gesetzlichen Erben gegenseitig verpflichtet,
alles zur Ausgleichung zu bringen, was ihnen der Erblasser bei Lebzeiten auf
Anrechnung an ihren Erbanteil zugewendet hat (Abs. 1). Was der Erblasser
seinen Nachkommen als Heiratsgut, Ausstattung oder durch Vermögensabtretung,
Schulderlass u.dgl. zugewendet hat, steht, sofern der Erblasser nicht
ausdrücklich das Gegenteil verfügt, unter der Ausgleichungspflicht (Abs. 2).
Die Beklagten bestreiten, dass eine ausgleichungspflichtige Zuwendung im
Sinne von Art. 626 ZGB vorliege.

4.1.1 In öffentlich beurkundeten Verträgen hat der Erblasser seinem Willen
Ausdruck gegeben, den Beklagten je bestimmte Grundstücke zu schenken, die
später überbaut werden sollten, und die Beklagten haben daraufhin erklärt,
die Schenkung dankend anzunehmen. Durch Vorlage dieser Verträge hat die
Klägerin eine Schenkung bewiesen, die aus rechtlicher Sicht als Zuwendung im
Sinne von Art. 626 ZGB zu betrachten ist (vgl. etwa Druey, a.a.O., § 7 N. 29
ff. S. 86 f.; vgl. BGE 128 II 231 E. 2.3 S. 235 mit Hinweisen). Die Beklagten
haben im kantonalen Verfahren dagegen eingewendet, es handle sich nicht um
eine "Schenkung", sondern um die Abgeltung all der Leistungen, die sie
stunden- und jahrelang im Familienbetrieb ihrer Eltern erbracht hätten. Der
Appellationshof hat den Beweis dafür als nicht geleistet angesehen. Entgegen
der heutigen Darstellung der Beklagten hat der Appellationshof ihnen damit
nicht die Beweislast für die ausgleichungspflichtige Zuwendung auferlegt,
sondern für die von ihnen erhobene Einrede, dass die Vertragsparteien mit der
vereinbarten Schenkung die in Wirklichkeit beabsichtigte Entschädigung für
Arbeitsleistungen hätten verdecken wollen. Eine derartige Simulation hat zu
beweisen, wer sie behauptet, hier also die Beklagten (BGE 112 II 337 E. 4a S.
342 f.). Eine Verletzung der bundesrechtlichen Beweislastregel (Art. 8 ZGB)
liegt nicht vor.

4.1.2 Die Schenkung der Grundstücke ist gemäss Art. 626 ZGB
ausgleichungspflichtig, wenn sie vom Erblasser auf Anrechnung an den
Erbanteil zugewendet worden ist (Abs. 1) oder wenn sie sog.
"Ausstattungscharakter" hat (Abs. 2), d.h. zum "Zweck der Existenzbegründung,
-sicherung, oder -verbesserung für den Empfänger" erfolgt (BGE 76 II 188 E. 6
S. 196 und die seitherige Rechtsprechung). Ob diese Voraussetzung erfüllt
ist, stellt eine Rechtsfrage dar, die im Falle einer Zuwendung von
Grundstücken mit - wie hier - erheblichem Wert grundsätzlich zu bejahen ist
(vgl. BGE 116 II 667 E. 3b S. 674 ff. mit Hinweisen).

4.1.3 Die Ausgleichungspflicht ergibt sich schliesslich auch daraus, dass der
Erblasser die Beklagten unter Hinweis auf Art. 629 ZGB ausdrücklich "nur" von
der Ausgleichung eines Mehrwertes befreit hat. Gemeint ist damit die
Befreiung davon, den Überschuss der Zuwendungen über den Betrag des
Erbanteils ausgleichen zu müssen. Aus dieser klaren und unzweideutigen
Klausel kann umgekehrt gefolgert werden, dass der Erblasser die Ausgleichung
der geschenkten Grundstücke wenigstens bis zur Höhe des Erbanteils gewollt
hat. Die Beklagten wenden gegen diese Auslegung des Appellationshofs nichts
Stichhaltiges ein. Es ist deshalb von einer im Umfang der Erbanteile
ausgleichungspflichtigen Zuwendung auszugehen.

4.2 Die Regeln über die Ausgleichung sind dispositiver Natur. Der Erblasser
kann - unter Vorbehalt der gesetzlichen Pflichtteilsrechte - von der
Ausgleichungspflicht ganz oder teilweise dispensieren (BGE 118 II 282 E. 3 S.
285 ff.; 124 III 102 E. 5a S. 106; 126 III 171 E. 2 S. 172). Die in den
Schenkungsverträgen enthaltene Klausel ist insoweit zulässig, dass sich die
Beklagten die erhaltene Zuwendung an den Erbanteil anrechnen lassen müssen,
einen Überschuss über den Betrag des Erbanteils hingegen nicht auszugleichen
haben (vgl. den Hinweis auf Art. 629 ZGB).
Ob ein Ausgleichungsdispens von Seiten des Erblassers bei der Haftung nach
Art. 579 ZGB beachtlich ist, wird in der Lehre kontrovers diskutiert. Nach
Auffassung der Kommentatoren soll es nur auf die Natur der Zuwendung ankommen
und nicht auf den erblasserischen Willen. Die ausgleichungspflichtigen
Zuwendungen sind danach in einem rein objektiven Sinne aufzufassen, d.h. als
solche, die an sich ein fähiges Objekt der Ausgleichung bilden
(Tuor/Picenoni, N. 15, und Escher/Escher, N. 7, je zu Art. 579 ZGB; gl.M.
Walder, a.a.O., S. 341; Gübeli, Gläubigerschutz im Erbrecht, Diss. Zürich
1998, Zürich 1999, S. 83). Gegen diese Auslegung spricht - wie auch
eingeräumt wird - der Gesetzeswortlaut, wonach die Haftung gemäss Art. 579
ZGB nur Vorempfänge erfasst, "die bei der Erbteilung der Ausgleichung
unterworfen sein würden". Was auch in der Erbteilung nicht ausgeglichen
werden müsste, sei es kraft Gesetzes oder sei es auf Grund erblasserischer
Vorschrift, haftet den Gläubigern nicht. Durch entsprechenden Dispens hätte
es der Erblasser somit in der Hand, die Zuwendung von der Ausgleichung und
von der Haftung gemäss Art. 579 ZGB auszunehmen. Die Vertreter dieser
Lehrmeinung nehmen das in Kauf unter Hinweis darauf, dass den Gläubigern in
einem solchen Fall immer noch die paulianischen Anfechtungsklagen gemäss Art.
285 ff. SchKG zur Verfügung stünden. Für die Haftung nach Art. 579 ZGB sei
die Ausschlagung ursächlich und nicht das Verhalten des Erblassers (Piotet,
Erbrecht, SPR IV/2, Basel 1981, § 83/I/B S. 638 f., und in: ZBGR 74/1993 S.
74-76; vgl. Wegmann, Die Beschränkungen der subjektiven Rechte des Erben
durch Gläubiger, Miterben und Ehegatten nach dem Rechte des schweizerischen
Zivilgesetzbuches, Diss. Zürich 1937, Zug 1937, S. 79/80).
In seinem nicht veröffentlichten Urteil vom 18. Mai 1981 (C.43/1981) hat sich
das Bundesgericht der zweiten Lehrmeinung angeschlossen mit der Begründung,
allein schon mit dem Wortlaut von Art. 579 ZGB sei es unvereinbar, die
Haftung der Erben derart auszuweiten, dass unabhängig vom Willen des
Erblassers jede Zuwendung als ausgleichungspflichtig aufzufassen wäre, die
ihrer Natur nach als Objekt der Ausgleichung in Frage käme (E. 2d, zit. bei
Schüpbach, Droit et action révocatoires, Basel 1997, N. 165 zu Art. 285
SchKG). Daran ist nicht nur mit Blick auf den Gesetzestext, sondern auch
unter Berücksichtigung der Gesetzessystematik festzuhalten. Art. 579 ZGB
betrifft einzig die Ausschlagung der Erben und nicht die lebzeitigen
Zuwendungen des Erblassers. Dessen Gläubiger sollen wirtschaftlich so
gestellt werden, als ob die Ausschlagung nie stattgefunden hätte (E. 2.2
hiervor). Gegen die Zuwendungen des Erblassers stehen dessen Gläubigern die
paulianischen Anfechtungsklagen gemäss Art. 285 ff. SchKG zur Verfügung. Die
Anfechtungsobjekte sind insoweit verschieden. Die paulianischen
Anfechtungsklagen und der Anspruch aus Art. 579 ZGB bestehen deshalb auch
nebeneinander und schliessen sich nicht aus (vgl. Piotet, in: ZBGR 74/1993 S.
77 f.; Schüpbach, a.a.O.; A. Staehelin, Basler Kommentar, 1998, N. 23 zu Art.
285 SchKG).

4.3 Aus den dargelegten Gründen ist der erblasserische Ausgleichungsdispens
bei der Bestimmung der Haftung gemäss Art. 579 ZGB zu beachten. In den
Schenkungsverträgen hat der Erblasser die Beklagten von der
Ausgleichungspflicht im Umfang des ihren Erbanteil überschiessenden Betrags
befreit. Zu ermitteln ist, ob im konkreten Fall überhaupt ein
ausgleichungsbefreiter Mehrwert bzw. Überschuss vorliegt.

4.3.1 Der Appellationshof hat festgehalten, der Nachlass sei überschuldet,
weshalb es ohne die im Umfang der Erbanteile ausgleichungspflichtigen
Vorempfänge kein teilbares Vermögen gäbe. Er ist davon ausgegangen, der Wert
der Vorempfänge betrage Fr. 96'250.-- für die Beklagte 1 sowie Fr. 99'330.--
für die Beklagte 2. Gestützt auf diese unbestrittenen Ausgangszahlen hat der
Appellationshof die ausgleichungspflichtigen Erbanteile - im Grundsatz - nach
der Methode der Kommentatoren berechnet (Tuor/Picenoni, N. 17, und
Escher/Escher, N. 12, je zu Art. 629 ZGB).
In einem ersten Schritt hat der Appellationshof die überschuldete "Erbschaft"
(Fr. 0.--), den Vorempfang der Beklagten 1 (Fr. 96'250.--) und den Vorempfang
der Beklagten 2 (Fr. 99'330.--) zusammengerechnet (= Fr. 195'580.--), durch
die Anzahl Erben (: 2) geteilt und so den Erbanteil eines Erben erhalten (=
Fr. 97'790.--).
In einem zweiten Schritt hat der Appellationshof die Ausgleichung festgelegt:
Da der Vorempfang der Beklagten 1 (Fr. 96'250.--) kleiner als ihr Erbanteil
(Fr. 97'790.--) ist, gibt es keinen Überschuss und greift der erblasserische
Ausgleichungsdispens für den Mehrwert bei ihr nicht. Sie hat den ganzen
Vorempfang von Fr. 96'250.-- zur Ausgleichung zu bringen. Demgegenüber
übersteigt der Vorempfang der Beklagten 2 (Fr. 99'330.--) ihren Erbanteil
(Fr. 97'790.--) und muss deshalb im Mehrwert (= Fr. 1'540.--) nicht
ausgeglichen werden. Die Beklagte 2 hat ihren Vorempfang nur im Umfang des
Erbanteils von Fr. 97'790.-- zur Ausgleichung zu bringen.

4.3.2 Die Beklagten wenden gegen die Berechnungsmethode ein, Ausgangspunkt
der Ausgleichung bilde der Netto-Nachlass, der hier - angesichts der hohen
Überschuldung von rund 1.5 Millionen Franken - negativ sei und negativ
bleibe, selbst wenn die Vorempfänge von rund Fr. 200'000.-- angerechnet
würden. Es gebe keinen zu teilenden Sondernachlass aus den erhaltenen
Vorempfängen.
Viele Fragen der Ausgleichung sind streitig und wenig geklärt. Ausgangspunkt
der Ausgleichung bildet der (reine) Nachlass, d.h. das beim Tod des
Erblassers noch vorhandene Vermögen abzüglich der Passiven. Durch
Hinzurechnung der ausgleichungspflichtigen Zuwendungen entsteht die
Teilungsmasse, aus der die Erbanteile errechnet werden können. Übersteigen
die lebzeitigen Zuwendungen den Erbanteil, wird der Erbe - falls er nicht
ausschlägt (E. 2.2 hiervor) - gegenüber den Miterben leistungspflichtig (vgl.
zum Begrifflichen: Eitel, Berner Kommentar, 2004, N. 15 der Vorbem. vor Art.
626 ff. und N. 8 ff. zu Art. 628 ZGB; Piotet, Erbrecht, SPR IV/1, Basel 1978,
§ 53/III S. 380 f. und § 62 S. 439 ff.; aus der Rechtsprechung zuletzt: BGE
127 III 396 E. 1b/cc und E. 2a S. 398 f.).
In Anbetracht der Überschuldung des Nachlasses hafteten die Beklagten bei
voller Ausgleichungspflicht mit dem ganzen Wert der erhaltenen lebzeitigen
Zuwendungen. Zu berücksichtigen ist hier indessen der erblasserische
Ausgleichungsdispens, wonach die Zuwendungen in ihrem den Erbanteil
überschiessenden Betrag nicht auszugleichen sind (E. 4.2 soeben). Dieser
teilweise Ausgleichungsdispens im Umfang des Mehrwertes bzw. Überschusses
nähert sich den Wirkungen eines vollen Ausgleichungsdispenses an, je
geringfügiger der Erbanteil ausfällt. Fehlt es - wie hier - an einem
Erbanteil überhaupt, weil auch nach Hinzurechnung der lebzeitigen Zuwendungen
teilbare Aktiven nicht vorhanden sind, entspricht der ausgleichungsbefreite
Mehrwert bzw. Überschuss der lebzeitigen Zuwendung in ihrem vollen Betrag.
Dieses Ergebnis ist - ungeachtet der Berechnungsart - durch den Zweck des
Ausgleichungsdispenses gerechtfertigt: Der Erlass der Ausgleichungspflicht
für den Überschuss verhindert, dass der Erbe, der die Erbschaft annimmt und
deshalb den Vorempfang ausgleichen muss, schlechter gestellt wird als der
Erbe, der die Erbschaft ausschlägt und sich dadurch der Pflicht zur
Ausgleichung des Vorempfangs entziehen kann (vgl. Piotet, a.a.O., SPR IV/1, §
47/VII/B S. 334; Forni/Piatti, Basler Kommentar, 2003, N. 3 zu Art. 629 ZGB,
mit weiteren Hinweisen).

4.3.3 Der Appellationshof ist zu einem abweichenden Ergebnis gelangt auf
Grund seiner Annahme, der überschuldete Nachlass müsse mit "null" Franken bei
der Berechnung der Erbanteile eingesetzt werden. Diese Auffassung wurde von
den Kommentatoren zwar in ihren Erstauflagen noch geteilt, wird heute aber
ebenso einhellig abgelehnt. Erbvorbezüge werden auch dann zum Nachlass
hinzugerechnet, wenn dieser überschuldet ist. Der negative Saldo wird also
durch den Wert der Erbvorbezüge verringert, eventuell sogar in einen
positiven Saldo verwandelt (Escher/Escher, N. 9 zu Art. 475 ZGB, und die
Berner Kommentatoren: Tuor, 1952, N. 30 ff., und Weimar, 2000, N. 37, je zu
Art. 474 ZGB).

4.3.4 Der Appellationshof hat sein Ergebnis zusätzlich auf den Gedanken
gestützt, es müssten Manipulationen des Erblassers, die Haftung nach Art. 579
ZGB zu umgehen, vermieden werden. Soll indessen ein erblasserischer
Ausgleichungsdispens im Rahmen von Art. 579 ZGB beachtlich sein, wie das der
Appellationshof zu Recht anerkannt hat (E. 4.2 soeben), kann die Haftung des
ausschlagenden Erben ausgeschlossen werden, indem der Erblasser ihn
vollständig von der Ausgleichungspflicht befreit. Die erblasserische
Befreiung von der Ausgleichungspflicht wird dadurch nicht per se
rechtsmissbräuchlich. Es muss vielmehr ein Verhalten des Erblassers
hinzutreten, das als rechtsmissbräuchlich zu qualifizieren ist, weil es auf
eine bewusste Benachteiligung der Gläubiger abzielt. Ist dies aber der Fall,
liegt nicht mehr der Tatbestand von Art. 579 ZGB vor, der an die Ausschlagung
der Erben anknüpft, sondern allenfalls ein Tatbestand der paulianischen
Anfechtungsklagen, die an ein bestimmtes Verhalten des Schuldners anknüpfen
(E. 4.2 soeben).

4.3.5 Aus den dargelegten Gründen muss die Berufung gutgeheissen und die
Klage abgewiesen werden, soweit sie sich auf die Haftung der Erben gemäss
Art. 579 ZGB stützt. Eine Überprüfung der eingeklagten Ansprüche unter dem
Blickwinkel der paulianischen Anfechtungsklagen fällt ausser Betracht. Die
Klägerin hat deren Voraussetzungen im kantonalen Verfahren weder behauptet
noch bewiesen und ihre Ansprüche stets - so auch heute - aus der Haftung
gemäss Art. 579 ZGB abgeleitet. Es fehlt damit an Tatsachenfeststellungen,
die es gestatteten, die eingeklagte Forderung unter dem anderen Rechtstitel
zu beurteilen (BGE 116 II 695 E. 4 S. 699; 130 III 28 E. 4.4 S. 34).

5.
In tatsächlicher Hinsicht steht fest, dass der Ehemann der Beklagten 1 für
die Dauer des öffentlichen Inventars als "Massaverwalter" eingesetzt worden
ist und in dieser Funktion mit der Firma G.________ AG einen Vertrag
betreffend die Umgebungsarbeiten "Q.________i" - d.h. die Umgebungsarbeiten
in der Überbauung mit den Reiheneinfamilienhäusern - abgeschlossen hat. Die
daraus herrührenden Rechnungen hat der Ehemann der Beklagten 1 als
Massaverwalter nicht etwa von einem Konto der Erbmasse bezahlt, sondern von
einem Privatkonto, das ihm und der Beklagten 1 gemeinsam gehört.
Vor den kantonalen Gerichten hat die Beklagte 1 geltend gemacht, die
Zahlungen an die Gartenbaufirma seien deshalb vom Privatkonto der Ehegatten
bezahlt worden, um damit ihre restanzliche Werklohnschuld gegenüber der Masse
zu tilgen. Die kantonalen Gerichte haben diese Betrachtungsweise nicht
geteilt und die Voraussetzungen der Verrechnung verneint. Die Beklagte 1
erneuert ihren Einwand vor Bundesgericht. Seine Berechtigung hängt davon ab,
in welcher Absicht der Massaverwalter und Ehemann der Beklagten 1 die besagte
Rechnung der Gartenbaufirma bezahlt hat bzw. was er mit der Überweisung des
Rechnungsbetrags hat tilgen wollen. Feststellungen zum Wollen der Parteien
und ihren Absichten betreffen die tatsächlichen Verhältnisse und sind für das
Bundesgericht im Berufungsverfahren - hier nicht zutreffende
Sachverhaltsrügen vorbehalten - verbindlich (Art. 63 f. OG; z.B. BGE 115 II
484 E. 3c S. 487; 113 II 25 E. 1a S. 27). Sie fehlen im angefochtenen Urteil,
so dass die Stichhaltigkeit des erhobenen Einwands nicht überprüft werden
kann. Soweit die Beklagte 1 rügt, die kantonalen Gerichte hätten sich mit
ihrem Standpunkt nicht auseinander gesetzt, kann auf ihre Berufung nicht
eingetreten werden, die die staatsrechtliche Beschwerde wegen Verletzung
verfassungsmässiger Rechte der Bürger - z.B. den Anspruch auf Prüfung und
Begründung (vgl. Art. 29 Abs. 2 BV) - ausdrücklich vorbehält (Art. 43 Abs. 1
OG, Satz 2).
Die Berufung muss deshalb abgewiesen werden, soweit damit eine weitere
Tilgung der Werklohnforderung im Betrag von Fr. 24'077.30 und aus der
Werklohnabrechnung ein Saldo zu Gunsten der Beklagten 1 von Fr. 6'317.40
geltend gemacht wird, den sie heute zur Verrechnung stellen möchte. Es bleibt
damit bei der Verurteilung der Beklagten 1 zur Bezahlung von Fr. 17'759.90
nebst Zins zu 5 % seit 9. Februar 2000.

6.
Was die Werklohnforderung gegen die Beklagte 2 angeht, hat der
Appellationshof von den eingeklagten Fr. 25'703.55 eine Anzahlung von Fr.
30'000.-- abgezogen. Der Saldo hat damit im Betrag von Fr. 4'296.45 zu
Gunsten der Beklagten 2 gelautet, den sie mit der Forderung der Klägerin aus
der Haftung gemäss Art. 579 ZGB zur Verrechnung bringen will. Da dieser
Anspruch der Klägerin aus den dargelegten Gründen (E. 4 hiervor) nicht
besteht, entfällt die Möglichkeit einer Verrechnung. Die Berufung muss auch
in diesem Punkt abgewiesen werden.

7.
Insgesamt muss die Berufung mit Bezug auf die Hauptforderung aus Erbrecht
gutgeheissen werden. Die Beklagten obsiegen damit weit überwiegend, so dass
es sich rechtfertigt, die Gerichtskosten zu vier Fünfteln der Klägerin und zu
einem Fünftel den Beklagten unter solidarischer Haftbarkeit aufzuerlegen und
die Klägerin zu einer reduzierten Parteientschädigung an die Beklagten zu
verpflichten (Art. 156 Abs. 1 und 7 und Art. 159 Abs. 1 und 2 OG). Zur
Neuverlegung der Kosten- und Entschädigungsfolgen des kantonalen Verfahrens
wird die Sache an den Appellationshof zurückgewiesen (Art. 157 und Art. 159
Abs. 6 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Berufung wird teilweise gutgeheissen, soweit darauf einzutreten ist. Das
Urteil des Appellationshofs des Kantons Bern, II. Zivilkammer, vom 21. Januar
2004 wird aufgehoben und wie folgt geändert:
1.1 Die Klage gegen die Beklagte 1 wird teilweise gutgeheissen. Die Beklagte 1
wird verurteilt, der Klägerin Fr. 17'759.90 nebst Zins zu 5 % seit 9. Februar
2000 zu bezahlen.

1.2 Die Klage gegen die Beklagte 2 wird abgewiesen.

2.
Die Gerichtsgebühr von insgesamt Fr. 10'000.-- wird zu vier Fünfteln der
Klägerin und zu einem Fünftel den Beklagten auferlegt.

3.
Die Klägerin hat die Beklagten für das bundesgerichtliche Verfahren mit Fr.
7'500.-- zu entschädigen.

4.
Die Sache wird zur Neuverlegung der Kosten und Entschädigung für das
kantonale Verfahren an den Appellationshof zurückgewiesen.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Appellationshof des Kantons Bern, II.
Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 19. November 2004

Im Namen der II. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: