Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilabteilung 5C.72/2004
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5C.72/2004 /rov

Urteil vom 26. Mai 2004
II. Zivilabteilung

Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichterin Nordmann, Bundesrichter Marazzi,
Gerichtsschreiber Gysel.

Z. ________,
Beklagte und Berufungsklägerin, vertreten durch Rechtsanwalt Rudolf Schaller,

gegen

1.Y.________,
2.X.________,
3.W.________,
Kläger und Berufungsbeklagte,
alle drei vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Hans Hegetschweiler,

Anfechtung einer Erbeinsetzung,

Berufung gegen das Urteil des Obergerichts (II. Zivilkammer) des Kantons
Zürich vom 10. Februar 2004.

Sachverhalt:

A.
V. ________ (geboren 1917) und U.________ (geboren 1911), schlossen am 6.
Juni 1986 in Zürich einen Erbvertrag ab, worin sie sich gegenseitig als
Alleinerbin einsetzten und vereinbarten, dass beim Ableben der
Zweitversterbenden die Institutionen X.________, W.________ und Y.________ zu
gleichen Teilen erben sollten. Am 3. Juli 1995 starb U.________.

Am 12. Januar 1998 verfasste V.________ eine eigenhändige letztwillige
Verfügung, die sie mit dem folgenden Satz schloss: "Dieses Testament ersetzt
alle vorherigen". Sie verfügte unter anderem den Ausschluss allfälliger
gesetzlicher Erben von ihrem Nachlass und setzte fünf Institutionen, darunter
X.________, W.________ und  Z.________, als Erben ein. Ferner ernannte sie
T.________ als Willensvollstreckerin.

V. ________ starb am 6. November 1999. Das erwähnte Testament wurde am 15.
Februar 2000 eröffnet, und in der Folge richtete die Willensvollstreckerin
die Zahlungen an die Testamentserben aus, wobei Z.________ Fr. 82'750.--
zufielen.

Mit Verfügung vom 6. Juli 2001 eröffnete das Einzelrichteramt in
Erbschaftssachen des Bezirks Zürich sodann auch den vom Notariat
Hottingen-Zürich am 21. Mai 2001 eingereichten Erbvertrag vom 6. Juni 1986.

B.
Mit Eingabe vom 6. November 2002 reichten Y.________,  X.________ und
W.________ beim Bezirksgericht Zürich gegen  Z.________ Klage ein mit den
Rechtsbegehren, festzustellen, dass das Testament von V.________ (im
Folgenden auch Erblasserin genannt) vom 12. Januar 1998 den von dieser am 6.
Juni 1986 mit U.________ geschlossenen Erbvertrag verletze und dass der
Nachlass der Erblasserin zu je einem Drittel ihnen zustehe. Demzufolge sei
der Anspruch der Beklagten am Nachlass der Erblasserin auf Null herabzusetzen
und die Beklagte zu verpflichten, die ihr ausgerichtete Zahlung von Fr.
82'750.-- nebst Zins zu 5 % seit 7. September 2001 ihnen zu je einem Drittel
zurückzuerstatten.

Das Bezirksgericht (8. Abteilung) hiess am 7. Juli 2003 die Klage zur
Hauptsache gut, wies aber das Zinsbegehren ab.

Mit Urteil vom 10. Februar 2004 wies das Obergericht (II. Zivilkammer) des
Kantons Zürich eine von der Beklagten eingereichte Berufung ab und bestätigte
den erstinstanzlichen Entscheid.

C.
Die Beklagte erhebt eidgenössische Berufung mit dem Antrag, die Klage
abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei.

Eine Berufungsantwort ist nicht eingeholt worden.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Im Berufungsverfahren hat das Bundesgericht seiner Entscheidung die
tatsächlichen Feststellungen der letzten kantonalen Instanz zu Grunde zu
legen, es sei denn, sie seien unter Verletzung bundesrechtlicher
Beweisvorschriften zu Stande gekommen oder würden auf einem offensichtlichen
Versehen beruhen (Art. 63 Abs. 2 OG). Vorbehalten bleibt auf Grund von Art.
64 OG ausserdem die Ergänzung eines unvollständigen Sachverhalts - in
nebensächlichen Punkten durch das Bundesgericht selbst (Abs. 2) und in den
anderen Fällen, auf Rückweisung hin, durch die kantonale Instanz (Abs. 1).
Blosse Kritik an der Beweiswürdigung des kantonalen Richters kann mit
Berufung nicht vorgetragen werden (BGE 127 III 73 E. 6a S. 81). Nicht
gebunden ist das Bundesgericht dagegen an die rechtliche Würdigung der
Tatsachen durch die kantonale Instanz (Art. 43 Abs. 4 und Art. 63 Abs. 3 OG).

2.
Bei seiner Anordnung, die Beklagte habe den aus dem Nachlass von V.________
empfangenen Betrag von Fr. 82'750.-- an die drei Kläger zu zahlen, ging das
Obergericht davon aus, dass das Testament der Erblasserin vom 12. Januar 1998
den von dieser mit U.________ am 6. Juni 1986 abgeschlossenen Erbvertrag
verletze.

2.1 Im Einzelnen weist die Vorinstanz darauf hin, dass Erbverträge
grundsätzlich nur mit Zustimmung des Vertragspartners aufgehoben werden
könnten und der einseitige Widerruf nur im engen Rahmen von Art. 513 Abs. 2
ZGB (Vorliegen eines Enterbungsgrundes) zulässig sei. Allerdings sei es
möglich, in einen Erbvertrag testamentarische und damit frei widerrufliche
Klauseln aufzunehmen, doch sollten diese, um keine Missverständnisse über die
Bindungswirkung aufkommen zu lassen, ausdrücklich als solche bezeichnet
werden. Eine derartige Kennzeichnung fehle hier. Ob eine Klausel als
einseitige (widerrufliche) oder als zweiseitige (unwiderrufliche) zu gelten
habe, sei im Übrigen durch Auslegung zu ermitteln. Vorliegend hätten die
Vertragsparteien nicht nur sich gegenseitig begünstigen, sondern auch Gewähr
dafür haben wollen, dass die überlebende Vertragspartnerin bezüglich
Nacherben nicht anders als miteinander vereinbart verfügen würde. Die
vertragliche Bindung sei somit bei Abschluss des Erbvertrags von zentraler
Bedeutung gewesen. Zu Recht hätten die Kläger darauf hingewiesen, dass die
beiden Damen andernfalls ebenso gut zwei Testamente hätten erlassen oder
einen Erbvertrag ohne Nacherbeneinsetzung hätten abschliessen können. Die
Nacherbeneinsetzung könne nur als bindendes Versprechen der überlebenden an
die erstversterbende Partnerin verstanden werden, das nach ihrem Tod
verbleibende Geld denjenigen Organisationen zukommen zu lassen, die beiden
genehm gewesen seien. Eine frei widerrufliche Klausel liege hier daher nicht
vor.

2.2 Die Beklagte widerspricht dieser Auslegung und macht geltend, auf Grund
der Gegebenheiten sei in der im Erbvertrag enthaltenen Nacherbeneinsetzung
eine testamentarische Klausel zu erblicken. Die Kläger hätten selbst
bestätigt, dass V.________ und U.________ den Erbvertrag abgeschlossen
hätten, ohne sie zu informieren oder gar in den Vertragsschluss
einzubeziehen. Es sei unter diesen Umständen ausgeschlossen, dass die eine
sich gegenüber den klägerischen Organisationen moralisch oder gar rechtlich
hätte verpflichtet fühlen können, diese ein für alle Mal als Erben
einzusetzen und davon abzusehen, nach dem Tod der anderen die
Nacherbeneinsetzung abzuändern.

2.3 Während der Richter sich bei der Auslegung eines Testaments als
einseitiges Rechtsgeschäft ausschliesslich vom Willensprinzip leiten zu
lassen und den wirklichen Willen des Erblassers zu ermitteln hat (dazu BGE
124 III 414 E. 3 S. 416 f. mit Hinweisen), hat er einen Erbvertrag als
zweiseitiges Rechtsgeschäft grundsätzlich nach obligationenrechtlichen Regeln
auszulegen (dazu BGE 99 II 382 E. 4a S. 385 f. mit Hinweisen). Das bedeutet,
dass auch der Inhalt eines Erbvertrags sich in erster Linie nach dem
wirklichen Willen der Parteien bestimmt (Art. 18 Abs. 1 OR). Wenn allerdings
eine tatsächliche Willensübereinstimmung unbewiesen bleibt, sind zur
Ermittlung des mutmasslichen Parteiwillens die Erklärungen der Parteien auf
Grund des Vertrauensprinzips so auszulegen, wie sie nach ihrem Wortlaut und
Zusammenhang sowie nach den gesamten Umständen verstanden werden durften und
mussten (BGE 121 III 118 E. 4b/aa S. 123 mit Hinweisen).

2.4 Dem in E. 2.1 Dargelegten ist zu entnehmen, dass die Vorinstanz aus
tatsächlichen Feststellungen zu den Begleitumständen des Vertragsschlusses
und zu dem, was die Vertragspartnerinnen gewusst, gewollt und verstanden
hätten, auf einen übereinstimmenden inneren Willen der beiden, sich (auch)
bezüglich der Nacherbenseinsetzung (erb-)vertraglich zu binden, geschlossen
hat. Diese Auslegung beruht auf der Würdigung tatsächlicher Gegebenheiten, so
dass sie einer Überprüfung im Berufungsverfahren vor Bundesgericht entzogen
ist (vgl. BGE 123 III 129 E. 3c S. 136 mit Hinweisen). Auf das von der
Beklagten hierzu Vorgebrachte ist demnach nicht einzutreten.

3.
Das Obergericht hat alsdann auch die Auffassung der Beklagten verworfen,
V.________ habe mit ihrer letztwilligen Verfügung die erbvertragliche
Nacherbeneinsetzung rechtsgültig widerrufen bzw. wegen eines
Grundlagenirrtums ausser Kraft gesetzt.

3.1
3.1.1Unabhängig von ihrer Feststellung, die Nacherbeneinsetzung sei
vertraglicher Natur und deshalb nicht frei widerruflich, hat die Vorinstanz
geprüft, ob die Erblasserin diese überhaupt habe aufheben wollen. Sie weist
darauf hin, dass sich in der letztwilligen Verfügung vom 12. Januar 1998
keine ausdrückliche Willensäusserung der Erblasserin finde, den Erbvertrag
nicht halten zu wollen; insbesondere enthalte das Testament keine konkreten
Hinweise dafür, dass unter den im letzten Satz erwähnten "vorherigen"
Testamenten auch der Erbvertrag zu verstehen wäre; bloss anders zu verfügen,
als es erbvertraglich vorgesehen gewesen sei, lasse ohne Vorliegen weiterer
Anhaltspunkte nicht den Schluss zu, Testament und Erbvertrag seien für die
Erblasserin gleichbedeutend gewesen und sie habe mit der letztwilligen
Verfügung vom 12. Januar 1998 auch den in Frage stehenden Erbvertrag ersetzen
wollen; es sei im Übrigen Gang und Gäbe, herabsetzungsfähige Verfügungen zu
erlassen, im Vertrauen darauf, dass diese nicht angefochten würden. Das
Obergericht hält abschliessend dafür, dass sich auch ausserhalb der
Testamentsurkunde nichts finde, woraus etwas für den Standpunkt der Beklagten
abzuleiten wäre: Der blosse Umstand, dass V.________ nach dem Tod von
U.________ unverhofft eine Erbschaft von 500'000 Franken solle gemacht haben,
lasse für sich allein in keiner Weise den zwingenden Schluss zu, die
Erblasserin habe deswegen den Erbvertrag aufheben wollen. Zum Begehren der
Beklagten, die Willensvollstreckerin T.________ als Zeugin einzuvernehmen,
hält die Vorinstanz fest, dass es nicht genüge, bloss zu behaupten, eine
Drittperson könne bezeugen, was die Erblasserin gemeint habe, ohne darzutun,
worauf dieses angebliche Wissen gründe.

3.1.2 Was die Beklagte einwendet, vermag die vorinstanzliche Auffassung nicht
als bundesrechtswidrig erscheinen zu lassen: Ihr Hinweis auf Art. 511 (Abs.
1) ZGB - wonach eine letztwillige Verfügung, mit der eine früher errichtete
nicht ausdrücklich aufgehoben wird, an deren Stelle tritt, soweit sie sich
nicht eindeutig als blosse Ergänzung darstellt - stösst insofern ins Leere,
als die Vorinstanz ohne Verletzung von Bundesrecht die Nacherbeneinsetzung
als (erb-)vertraglich qualifiziert hat. Im Übrigen setzt sich die Beklagte
mit den Erwägungen des Obergerichts nicht auseinander, sondern begnügt sich
damit, diesen ihre eigene Sicht der Dinge entgegenzuhalten, was den nach Art.
55 Abs. 1 lit. c OG an die Begründung einer Berufung gestellten Anforderungen
nicht genügt (dazu BGE 116 II 745 E. 3 S. 748 f.).
3.2
3.2.1Zusätzlich ist das Obergericht zum Schluss gelangt, der Standpunkt der
Beklagten hätte selbst dann nicht geschützt werden können, wenn davon
ausgegangen werden wollte, V.________ habe die Nacherbeneinsetzung - wegen
des von der Beklagten behaupteten (Grundlagen-)Irrtums - widerrufen wollen.
Es weist darauf hin, dass ein kausaler Irrtum vorliege, wenn der Erblasser
eine falsche Vorstellung über massgebliche Umstände gehabt habe und in
Kenntnis der effektiven Gegebenheiten keine oder eine andere Anordnung
getroffen hätte. Anders als bei obligationenrechtlichen Verträgen könne der
Irrtum bei Anordnungen von Todes wegen sich auch auf in der Zukunft liegende
Umstände beziehen. Die Vorinstanz hält des Weitern fest, dass der
Ungültigkeitskläger den Nachweis für einen Irrtum und dessen Kausalität zu
erbringen habe. Hier trage die Beklagte lediglich vor, angesichts der
bescheidenen finanziellen Verhältnisse, in denen U.________ und V.________
gelebt hätten, sei mit Sicherheit anzunehmen, dass sich diese wohl nicht
durch den Erbvertrag liiert hätte, wenn sie gewusst oder geahnt hätte, von
ihrer Cousine je einen solch stattlichen Betrag zu erben; V.________ sei von
der Erbschaft völlig überrascht gewesen und habe aus diesem Grund das
Testament vom 12. Januar 1998 verfasst. Hingegen fehle es an Behauptungen zur
Frage der Kausalität des geltend gemachten Irrtums. Dieser müsse eine
notwendige Ursache des Erbvertrags gewesen sein; es müsse sicher sein, dass
der Erblasser bei Kenntnis der wahren Sach- und Rechtslage den Erbvertrag
nicht abgeschlossen bzw. eher aufgehoben hätte, als ihn bestehen zu lassen.
Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass V.________ bei Kenntnis des Erbanfalls den
Erbvertrag nicht abgeschlossen oder den Betrag, der den drei als Nacherben
eingesetzten Institutionen zukommen sollte, begrenzt hätte, seien nicht
geltend gemacht worden. Allein aus dem Umstand, dass die Erblasserin im
Testament von 1998 zusätzlich weitere Organisationen berücksichtigt habe,
könne nicht geschlossen werden, dass sie im Jahre 1986 den Erbvertrag nicht
oder mit anderem Inhalt abgeschlossen hätte.

3.2.2 Die Beklagte bestreitet, ihrer Behauptungslast nicht nachgekommen zu
sein, und erklärt, sie habe ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das
Testament von 1998 mit der Abänderung der Nacherbeneinsetzung kurz nach
Erhalt der halben Million errichtet worden sei, dass die erstverstorbene
U.________ der Erblasserin nur eine unbedeutende Ersparnis hinterlassen habe
und dass für die beiden Vertragspartnerinnen, die in sehr bescheidenen
finanziellen Verhältnissen gelebt hätten, ein Vermögensanfall in Höhe von
einer halben Million unvorstellbar gewesen sei, zumal die Cousine von
V.________ Diakonissin gewesen sei und habe angenommen werden müssen, sie
werde ihr Erbe doch bestimmt der Kirche vermachen. Im Hinblick auf die
vorzunehmende Ermittlung des mutmasslichen Parteiwillens - und nicht des
tatsächlichen, wie die Vorinstanz meine - reichten die vorgebrachten Umstände
für die Annahme eines Grundlagenirrtums aus und die Vorbringen seien auch
ausreichend substantiiert gewesen.

3.2.3 Vorab ist zu bemerken, dass die Beklagte die Lage insofern verkennt,
als auch für die Beurteilung der Frage eines allfälligen Grundlagenirrtums in
erster Linie der wirkliche Wille der betreffenden Partei massgebend ist (dazu
oben E. 2.3). Sodann ist festzuhalten, dass das Obergericht nicht das zu
einem allfälligen Irrtum von V.________ Vorgetragene bemängelt, sondern der
Beklagten das Fehlen hinreichend substantiierter Vorbringen zur
Ursächlichkeit des geltend gemachten Irrtums für den Abschluss bzw. die
Beibehaltung des im Jahre 1986 abgeschlossenen Erbvertrags vorwirft. Die von
der Beklagten angeführten Umstände mögen zwar auf einen Irrtum der
Erblasserin über den Umfang ihres Vermögens zum Zeitpunkt des eigenen
Ablebens hinweisen. Indessen liefern sie keinen Grund zur Annahme, V.________
hätte in Kenntnis der künftigen Erbschaft den Erbvertrag mit U.________ gar
nicht oder zumindest nicht mit der strittigen Nacherbenklausel abgeschlossen.
Wie das Obergericht zu Recht ausführt, lässt sich aus dem später verfassten
Testament höchstens eine Bereitschaft der Erblasserin ableiten, angesichts
des vergrösserten Vermögens zusätzliche wohltätige Organisationen zu
berücksichtigen, keineswegs aber der hypothetische Wille der Erblasserin, die
1986 getroffene Regelung der Nacherbeneinsetzung gar nicht oder nicht mit dem
vereinbarten Inhalt bestehen zu lassen. Beizufügen ist, dass die blosse -
wenn auch erhebliche - Vergrösserung des eigenen Vermögens für sich allein
kaum als taugliche Grundlage für einen wesentlichen Irrtum gelten kann,
ergibt sich doch weder aus dem Erbvertrag selbst noch aus den seine
Errichtung begleitenden Umständen, dass der Umfang des jeweiligen Nachlasses
für die beiden Vertragsparteien je von Bedeutung gewesen wäre. Anders hätte
es sich allenfalls verhalten, wenn die Beklagte nicht nur die blosse
Vermutung aufgestellt hätte, V.________ hätte in Kenntnis der zu erwartenden
Erbschaft auf die Vereinbarung einer Nacherbeneinsetzung im Erbvertrag
verzichtet oder auf jeden Fall einen andern Inhalt gewählt, sondern für diese
Annahme zusätzlich konkrete, auf die persönliche Situation der Erblasserin
zugeschnittene Hinweise und Indizien geliefert hätte (vgl. z.B. BGE 119 II
208 E. cc S. 211, wo im Zusammenhang mit der Frage der Ausgleichung bei einer
Schenkung an eines der Kinder darauf hingewiesen worden war, dass dem
Bestreben des Erblassers, die fünf Kinder gleich zu behandeln, offensichtlich
entscheidende Bedeutung zukomme). Vorliegend kann nicht gesagt werden, der
angenommene geringe Umfang des Nachlasses habe für V.________ einen
Beweggrund für den Abschluss des Erbvertrags bzw. für die darin vereinbarte
Nacherbeneinsetzung gebildet. Bestenfalls könnte von einem unwesentlichen,
als Unsicherheit zu taxierenden Irrtum die Rede sein (vgl. Peter Breitschmid,
Basler Kommentar, N 10 zu Art. 469 ZGB, mit Hinweisen). Die Erblasserin
musste sich im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses bewusst gewesen sein, dass
ihr Vermögen gewissen unvorhersehbaren Schwankungen ausgesetzt sein würde,
und sie hatte es in der Hand, durch Anordnung von Einschränkungen solchen
Rechnung zu tragen. Namentlich hätte sie die Nacherbeneinsetzung auf den
Vermögensstand beschränken können, der zum Zeitpunkt des Ablebens der
erstversterbenden Vertragspartnerin festgestellt werden würde. Auf diese
Weise hätte sie sich die Möglichkeit bewahren können, über später
hinzukommende Vermögenswerte frei zu verfügen (dazu Breitschmid, a.a.O., N 22
vor Art. 494-497 ZGB).

4.
4.1 Des Weitern beruft sich die Beklagte auf Art. 27 Abs. 2 ZGB, wonach
niemand sich seiner Freiheit entäussern oder sich in ihrem Gebrauch in einem
das Recht oder die Sittlichkeit verletzenden Grade beschränken kann. Ein
Rechtsgeschäft sei nach dieser Bestimmung auch dann verboten, wenn es zwar
nicht gegen eine geschriebene Norm, aber doch gegen herrschende
Moralvorstellungen verstosse. Erbvertragliche Bindungen seien aus ethischer
Sicht sehr fragwürdig. Personen, die sich in einem Abhängigkeitsverhältnis
oder in einer Phase überbordender Grosszügigkeit oder von Enthusiasmus für
eine andere Person oder für eine Sache befänden, seien leicht bereit, ihr
Erbe zu vermachen. Es sei mit der Menschenwürde nicht vereinbar, sie bis zum
Ende ihres Lebens an dieser Wahl festzunageln. Aus BGE 108 II 405 ff. - worin
das Versprechen, einen Erbvertrag abzuschliessen, als mit Art. 27 ZGB
unvereinbar bezeichnet wurde - ergebe sich der klare Hinweis auf den
zwingenden Charakter der Widerrufbarkeit von letztwilligen Verfügungen. Wenn
mithin auch die hypothetische Verpflichtung, nicht zu widerrufen, nichtig
sei, sei es ebenso die im Erbvertrag vom 6. Juni 1986 enthaltene
Nacherbeneinsetzung, falls sie einen Verzicht auf das Widerrufs- bzw.
Abänderungsrecht darstellen sollte.

4.2
4.2.1In Präzisierung seiner Rechtsprechung hat das Bundesgericht in BGE 129
III 209 ff. festgehalten, dass eine übermässige Bindung (Art. 27 Abs. 2 ZGB)
das Rechtsgeschäft nur dann als im Sinne von Art. 20 Abs. 1 OR nichtig
erscheinen lässt, wenn dieses den höchstpersönlichen Kernbereich einer Person
betrifft, der jeder vertraglichen Bindung entzogen sein soll. Wo eine Bindung
an sich zulässig, deren Umfang jedoch als übermässig zu qualifizieren sei,
liege kein Verstoss gegen die guten Sitten vor und gebiete die zu schützende
Freiheit der betroffenen Person, dass dieser die Möglichkeit belassen werde,
auf den Schutz von Art. 27 Abs. 2 ZGB zu verzichten und den Vertrag zu
erfüllen. Das ändert freilich nichts daran, dass die übermässig gebundene
Person die Vertragserfüllung verweigern kann (E. 2.2 S. 213 f.).
4.2.2 Mit dem Obergericht ist darauf hinzuweisen, dass nach dem geltenden
schweizerischen Recht der Abschluss eines Erbvertrags zulässig ist und der
Erbvertrag als solcher übrigens auch keine übermässige Selbstbindung
darstellt. Zur Wahrung der Verfügungsfreiheit des Verfügenden bis zu seinem
Tod sieht das Gesetz ausserdem verschiedene Behelfe vor (so die Anfechtung
letztwilliger Anordnungen wegen eines Willensmangels [Art. 469 ZGB] oder die
Möglichkeit der Aufhebung eines Erbvertrags [Art. 513 ZGB]).
In Anbetracht der oben dargelegten Rechtsprechung kann unter den angeführten
Umständen von einer Nichtigkeit der erbvertraglichen Nacherbeneinsetzung von
vornherein keine Rede sein. Diese könnte nur dann unbeachtlich sein, wenn die
Erblasserin deren Aufhebung angestrebt hätte. Nach dem oben (E. 3.1.1 und
3.1.2) Ausgeführten ist indessen davon auszugehen, dass es V.________ mit
ihrer letztwilligen Verfügung vom 12. Januar 1998 nicht darum gegangen war,
die Nacherbeneinsetzung ausser Kraft zu setzen. Damit ist die Berufung auch
insoweit unbegründet, als sich die Beklagte auf Art. 27 Abs. 2 ZGB stützt.

5.
5.1 Die Beklagte hatte schon im kantonalen Verfahren geltend gemacht, der
eingeklagte Rückerstattungsanspruch sei verjährt, da die klagenden Parteien
bereits mehrere Monate vor Zustellung der den Erbvertrag betreffenden
Eröffnungsverfügung vom 6. Juli 2001 von diesem Kenntnis erhalten hätten. Das
Obergericht hat auf die Abnahme der dazu anerbotenen Beweise verzichtet, weil
das zur Verjährungseinrede Vorgebrachte zu unbestimmt sei; die Beklagte sei
ihrer Substantiierungspflicht nicht nachgekommen; sie hätte darzulegen
gehabt, wer von den Klägern wann, was und von wem erfahren habe.

5.2 In ihren Ausführungen zu der in diesem Zusammenhang erhobenen Rüge der
Verletzung von Art. 8 ZGB beschränkt sich die Beklagte im Wesentlichen
darauf, dem Obergericht zu widersprechen. Was die Vorinstanz an
Substantiierung verlange, laufe darauf hinaus, dass der Beweis bereits
mitgeliefert werden müsste.

Dem ist nicht so. Was das Obergericht klarerweise meinte, war, dass die
Beklagte nicht nur die anerbotenen Beweismittel genau hätte bezeichnen,
sondern sich auch darüber hätte äussern müssen, welches Beweismittel welche
Behauptung erhärten solle. Mit der so verstandenen Begründung der Vorinstanz
setzt sich die Beklagte nicht auseinander. Sie behauptet auch nicht, im
bisherigen Verlauf des Verfahrens zur Verjährungseinrede klare und den Beweis
deren Richtigkeit zulassende Sachvorbringen überhaupt angebracht zu haben. In
diesem Punkt ist auf die Berufung deshalb mangels hinreichender Begründung
nicht einzutreten.

6.
Die Berufung ist nach dem Gesagten abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
Mithin ist die Gerichtsgebühr der Beklagten aufzuerlegen (Art. 156 Abs. 1
OG). Da keine Berufungsantwort eingeholt worden ist und den Klägern daher
keine Kosten erwachsen sind, entfällt die Zusprechung einer
Parteientschädigung an sie.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Berufung wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 4'000.-- wird der Beklagten auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht (II. Zivilkammer) des
Kantons Zürich schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 26. Mai 2004

Im Namen der II. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: