Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilabteilung 4C.103/2005
Zurück zum Index I. Zivilabteilung 2005
Retour à l'indice I. Zivilabteilung 2005


4C.103/2005 /bie

Urteil vom 1. Juni 2005

I. Zivilabteilung

Bundesrichter Corboz, Präsident,
Bundesrichterinnen Rottenberg Liatowitsch, Kiss,
Gerichtsschreiber Luczak.

X. ________, Beklagter und Berufungskläger,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Peter Kreis,

gegen

Genossenschaft Y.________,
Klägerin und Berufungsbeklagte,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Max Bleuler,

Arbeitsvertrag,

Berufung gegen den Entscheid der III. Zivilkammer des Kantonsgerichts St.
Gallen vom 4. November 2004.

Sachverhalt:

A.
X. ________ (Beklagter) arbeitete seit dem 1. Mai 1999 bei der Genossenschaft
Y.________ (Klägerin) als Betriebsleiter der sozial-therapeutischen Wohn- und
Arbeitsgemeinschaft Z.________. Die Klägerin ist berechtigt, für das Wohnheim
von der Eidgenössischen Invalidenversicherung Betriebsbeiträge zu beziehen.
Für die Geschäftsjahre 1997 und 1998 hat sie entsprechende Gesuche
eingereicht. Für das Geschäftsjahr 1998 erhielt sie einen Beitrag von Fr.
90'000.--. Weil sie für das Geschäftsjahr 1999 innerhalb der am 30. Juni 2000
ablaufenden Verwirkungsfrist kein Beitragsgesuch stellte, blieben Beiträge
für dieses Geschäftsjahr aus.

B.
Mit Klage vom 2. Oktober 2001 belangte die Klägerin den Beklagten auf Zahlung
von Fr. 90'000.-- nebst Zins. Das Bezirksgericht Sargans schützte die Klage
im Umfang von Fr. 14'000.--. Es hielt für erwiesen, dass der Kassier der
Genossenschaft Y.________ am 23. November 2000, als der Beklagte wegen
Krankheit abwesend war, im Büro der WAG "Z.________" ein ungeöffnetes Couvert
vorfand, welches das Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) der WAG
Z.________ im Dezember 1999 zugesandt hatte und worin sich
Beitragsgesuchsformulare befanden. Das Bezirksgericht hielt dem Beklagten
deswegen vor, er habe seine Pflicht, für eine hinreichende
Posteingangskontrolle zu sorgen, verletzt. Zur ordnungsgemässen
Posterledigung hätte es gehört, die Gesuchsformulare unverzüglich an die bei
der Klägerin für die Einreichung des Gesuchs zuständige Stelle
weiterzuleiten. Hätte der Beklagte diese vertragliche Pflicht erfüllt, wäre
nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung das
Gesuch rechtzeitig gestellt und vom BSV bewilligt worden. Der Schaden sei
daher in der Höhe des im Vorjahr gesprochenen Beitrags von Fr. 90'000.--
ausgewiesen und vom Beklagten natürlich und adäquat kausal verursacht worden,
weshalb dieser nach Art. 321e OR ersatzpflichtig sei. Was den Grad des
Verschuldens mit Bezug auf mangelhafte Posteingangs- und Erledigungskontrolle
anbelangt, beurteilte das Bezirksgericht die Verfehlungen des Beklagten noch
als leichte, an der Grenze zur groben stehende Fahrlässigkeit. Mit Blick auf
die Mitverantwortung der Klägerin für die Fristversäumnis und auf das
Einkommen des Beklagten erachtete das Bezirksgericht eine Ersatzpflicht in
der Höhe von Fr. 14'000.--, entsprechend zwei Monatslöhnen, für angemessen.

C.
Auf Berufung der Klägerin verpflichtete das Kantonsgericht St. Gallen den
Beklagten, der Klägerin Fr. 35'000.-- nebst 5 % Zins seit dem  13. Oktober
2002 zu bezahlen. Das Kantonsgericht hielt dem Beklagten vor, elementare
Pflichten verletzt zu haben, indem er es während Monaten unterlassen habe,
die eingegangene Post zu bearbeiten. Zudem habe er mangels Überblicks über
die Finanzen nicht bemerkt, dass für das Geschäftsjahr 1999 kein
Subventionsgesuch eingereicht worden sei. Das Kantonsgericht schätzte diese
pflichtwidrigen Verhaltensweisen gesamthaft als grobfahrlässig ein. Demgemäss
liess es bei der Beurteilung der Höhe der Schadenersatzpflicht die
Einkommensverhältnisse des Beklagten gestützt auf Art. 44 Abs. 2 OR ausser
Betracht. Hingegen berücksichtigte es ein schweres Mitverschulden der
Klägerin, denn es sei Sache der für die Klägerin zeichnungsberechtigten
Personen gewesen und nicht des Beklagten, das Gesuch zu unterzeichnen. Nebst
den Vorstandsmitgliedern habe eine Betriebskommission gegenüber der
Betriebsleitung Verwaltungsaufgaben übernommen, welche das von der
Betriebsleitung erstellte Jahresbudget zuhanden des Vorstands verabschiedet
und den Kassier regelmässig über die Entwicklung der Ausgaben und Einnahmen
orientiert habe. Sowohl die Vorstandsmitglieder der Klägerin wie auch die
Mitglieder der Betriebskommission hätten ungeachtet des Zugangs der Formulare
gewusst, dass jedes Jahr bis zum 30. Juni dem BSV das Gesuch um Gewährung von
Betriebsbeiträgen einzureichen gewesen sei. Die Formulare hätten beim BSV
bestellt oder im Internet abgerufen werden können. Die Vorstandsmitglieder
der Klägerin wie auch die Mitglieder der Betriebskommission hätten demnach
allen Anlass gehabt, die fristgerechte Einreichung des Gesuches zu
kontrollieren. Das Kantonsgericht hielt es für angemessen, den Beklagten
etwas weniger als 2/5 des ausgewiesenen Schadens von Fr. 90'000.-- tragen zu
lassen.

D.
Der Beklagte beantragt dem Bundesgericht mit Berufung, die Klage im Betrag
von Fr. 14'000.-- zu schützen und im Mehrbetrag abzuweisen. Die Klägerin
schliesst auf Abweisung der Berufung. Dem Beklagten wurde mit Beschluss vom
14. April 2005 für das Verfahren vor Bundesgericht die unentgeltliche
Rechtspflege gewährt.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Nach Art. 321e OR ist der Arbeitnehmer für den Schaden verantwortlich,
den er absichtlich oder fahrlässig dem Arbeitgeber zufügt (Abs. 1). Das Mass
der Sorgfalt, für die der Arbeitnehmer einzustehen hat, bestimmt sich nach
dem einzelnen Arbeitsverhältnis, unter Berücksichtigung des Berufsrisikos,
des Bildungsgrades oder der Fachkenntnisse, die zu der Arbeit verlangt
werden, sowie der Fähigkeiten und Eigenschaften des Arbeitnehmers, die der
Arbeitgeber gekannt hat oder hätte kennen sollen (Abs. 2). In der bisherigen
Rechtsprechung zu Art. 321e OR ist das Bundesgericht stets davon ausgegangen,
dass nicht nur für den Grundsatz, sondern auch für den Umfang der
Schadenersatzpflicht des Arbeitnehmers im Sinne von Art. 321e OR sämtliche
Umstände, insbesondere Betriebsrisiko, Entlöhnung und Verschulden des
Arbeitnehmers zu berücksichtigen sind (BGE 123 III 257 E. 5a S. 258 f.; 110
II 344 E. 6b S. 349; vgl. auch BGE 127 III 357 E. 1c S. 359 f.). Die
Vorschrift gewährt dem Richter einen weiten Ermessensspielraum (BGE 110 II
344 E. 6b S. 349), der sich nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts auch
auf die in der Literatur umstrittene Frage bezieht, ob bei leichter
Fahrlässigkeit überhaupt eine Haftung des Arbeitnehmers nach Art. 321 lit. e
OR gegeben sein kann (Urteil des Bundesgerichts 4C.304/1993 vom 21. Februar
1994, E. 3a).

1.2 An Kenntnissen darf der Arbeitgeber voraussetzen, was nach allgemeiner
Anschauung für die betreffende Tätigkeit notwendig ist. Aussergewöhnliches
Know-how oder die Erfüllung spezifischer, nicht unmittelbar mit der
Hauptaufgabe zusammenhängender Pflichten darf der Arbeitgeber nur erwarten,
wenn es ausbedungen oder nach Massgabe der konkreten Umstände als beidseitig
gewollt anzusehen ist. An Arbeitnehmer in leitender Funktion oder mit
überdurchschnittlichem Lohn sind hinsichtlich der zu beachtenden
Sorgfaltspflicht höhere Anforderungen zu stellen (Schönenberger/Staehelin,
Zürcher Kommentar, N. 4 f. zu Art. 321e OR). Eine Sorgfaltspflichtverletzung
ist dabei nicht schon dann zu bejahen, wenn der Arbeitserfolg ausbleibt, da
der Arbeitnehmer lediglich ein sorgfältiges erfolgsgerichtetes Tätigwerden
schuldet (Urteil des Bundesgerichts 4C.256/1999 vom 18. Oktober 1999, E. 3b
mit Hinweisen).

1.3 Neben diesen speziell im Arbeitsverhältnis zu beachtenden Umständen
gelten selbstredend die allgemeinen Voraussetzungen für einen vertraglichen
Schadenersatzanspruch. Ein solcher ist nur gegeben, wenn der Arbeitnehmer
seine vertraglichen Pflichten verletzt und dadurch dem Arbeitgeber adäquat
kausal einen Schaden zugefügt hat. Fehlt es an einer dieser Voraussetzungen,
kommt ein Schadenersatz von vornherein nicht in Betracht. Zusätzlich muss den
Arbeitnehmer ein Verschulden treffen, das vermutet wird, wenn sich der
Arbeitnehmer nicht zu exkulpieren vermag. Ein Mitverschulden des Arbeitgebers
kann zur Reduktion der Haftung des Arbeitnehmers führen (Art. 99 Abs. 3 und
Art. 44 Abs. 1 OR). Ein derartiges Mitverschulden des Arbeitgebers kann in
schlechter Organisation des Arbeitsablaufs, mangelhafter Instruktion oder
ungenügender Kontrolle begründet sein (Aubert, Commentaire Romand, N. 5 zu
Art. 321e OR). Um zu prüfen, ob der angefochtene Entscheid im Ergebnis vor
Bundesrecht standhält, gilt es zunächst, die dargelegten
Haftungsvoraussetzungen von einander abzugrenzen.

2.
In Bezug auf den Schaden stellen sich keine Probleme. Das Kantonsgericht nahm
an, der Klägerin sei wegen des Verhaltens des Beklagten ein Schaden von Fr.
90'000.-- entstanden. Dabei handelt es sich um eine auf Beweiswürdigung
beruhende, für das Bundesgericht verbindliche, tatsächliche Feststellung
(Art. 63 Abs. 2 OG). Dass die Vorinstanz dabei von einem falschen
Schadensbegriff ausgegangen wäre, macht der Beklagte zu Recht nicht geltend.

3.
Als Nächstes ist die Frage nach dem pflichtwidrigen Verhalten des Beklagten
zu beantworten.

3.1 Für das Bundesgericht steht verbindlich fest, dass der Beklagte
jedenfalls hinsichtlich des Schreibens des BSV vom Dezember 1999 seine als
solche nicht bestrittene Pflicht zur ordnungsgemässen Kontrolle und Besorgung
der eingehenden Post verletzt hat, indem er das Schreiben nicht an die
zuständige Stelle weitergeleitet hat. Soweit der Beklagte unter Berufung auf
Art. 8 ZGB in Frage stellen möchte, dass der Umschlag mit den
Beitrag-Gesuchsformularen monatelang ungeöffnet in seinem Büro lag, ist er
damit nicht zu hören, da die kantonalen Gerichte in dieser Hinsicht zu einem
positiven Beweisergebnis gelangten, so dass sich die in Art. 8 ZGB geregelte
Beweislastverteilung nicht auswirkt (BGE 128 III 22 E. 2d S. 25; 119 II 114
E. 4c S. 117). Insoweit liegt klar eine Pflichtverletzung vor, welche die
Vorinstanz zu Recht der Verschuldensbeurteilung zugrunde gelegt hat.

3.2 Darüber hinaus ging die Vorinstanz davon aus, der Beklagte habe sich,
unabhängig von der Zustellung eines entsprechenden Formulars, um allfällige
Subventionsgesuche zu kümmern gehabt. Das Kantonsgericht ging davon aus, der
Beklagte sei seiner Pflicht, den Überblick über die Finanzen zu wahren, nicht
nachgekommen und habe nicht bemerkt, dass für das Geschäftsjahr 1999 kein
Subventionsgesuch eingereicht worden sei.

3.2.1 Der Beklagte macht in der Berufung geltend, die Wahrung der Frist für
das Subventionsgesuch und die Sorge dafür sei nicht in seinem
Verantwortungsbereich gelegen, sondern klar in jenem der Klägerin. Allein
dieser habe nach den Feststellungen der Vorinstanz oblegen, die
entsprechenden Anträge zu stellen. Den hiezu nicht berechtigten Beklagten
könne diesbezüglich kein Verschulden treffen.

3.2.2  Die von der Vorinstanz als einschlägig erachteten Vorgaben des
Pflichtenhefts lauten wie folgt:
"2.Pflichten.

2.1 Die Betriebsleitung ist gesamtverantwortlich über die WAG Z.________.

2.2 Sie regelt die strukturellen Abläufe für Klienten und Personal optimal.

2.3 Sie hat die Übersicht über die Finanzen.

2.4 Sie vertritt die WAG Z.________ nach aussen und innen gemäss den
Vorgaben.
...

5.Administration/Finanzen.

5.1 Die Betriebsleitung erstellt in Absprache mit der BeKo ein Budget zu
Handen des Vorstandes für das laufende Jahr. Sie verfügt im Rahmen des
bewilligten Budgets und deren Details über Kompetenz. Alle voraussichtlichen
und nicht gebundenen Überschreitungen müssen neu eingegeben werden. Wo
Einsparungen möglich sind, sind diese zu machen.

5.2 Die Buchhaltung wird durch die Vorgaben der Genossenschaft Y.________ wo
nicht anders abgemacht geregelt (Vergabe an Treuhandbüro oder interne
Führung).

5.3 Die Vorkontierung hat gemäss Kontenplan sauber und exakt zu erfolgen. Die
internen Verrechnungsabläufe für die WAG Z.________ werden von dieser
erledigt.

5.4 Die Betriebsleitung ist dafür besorgt, dass die Lohnzahlung regelmässig
und pünktlich erfolgt.

5.5 Die Betriebsleitung überwacht den sorgfältigen Umgang mit den Immobilien
und Mobilien der Genossenschaft Y.________.

6. Jahresbericht und Jahresrechnung - PR.

6.1 Die Betriebsleitung pflegt den regelmässigen Kontakt zu den
subventionierenden Behörden (BSV, Kanton usw.).
6.2 Es ist jährlich ein Jahresbericht zu Handen des Vorstandes und der
Öffentlichkeit zu verfassen.

6.3 Mindestens einmal jährlich wird die "Z.________-zytig" herausgegeben und
als Streuobjekt verteilt an potentielle Einweiser, Geldgeber und Sponsoren.

6.4 Die Leitung ist besorgt, dass die WAG Z.________ eine entsprechende
Presse findet, indem sie Kontakte herstellt, Presseartikel verfasst usw."

3.2.2.1Dass ausdrücklich statuiert worden wäre, der Beklagte habe sich um die
Beschaffung des Betriebskapitals zu kümmern oder dabei mitzuwirken, nimmt
auch die Vorinstanz nicht an und geht weder aus dem Pflichtenheft noch sonst
aus dem Arbeitsvertrag hervor. Die Stellung des Subventionsgesuchs gehört
denn auch klar zum Bereich der Finanzierung des Betriebs und ist
grundsätzlich Sache und Risiko des Unternehmers, mithin der Klägerin. Die
Klägerin hätte dafür einen Spezialisten beauftragen oder eine geeignete
Person innerhalb oder ausserhalb ihres Betriebs bestimmen können. Jedenfalls
oblag ihr, das Vorgehen bei der Mittelbeschaffung klar zu regeln.

3.2.2.2 Soweit die Vorinstanz annahm, der Beklagte habe aus dem Erhalt des
Ordners mit den Gesuchen und Rundschreiben 1998 und einem Schreiben des
Treuhänders der Klägerin vom 15. Juni 1999 entnehmen können, dass dem BSV
jedes Jahr fristgerecht ein Gesuch um Gewährung von Betriebsbeiträgen
eingereicht werden musste, blieb das kantonale Urteil unangefochten. Die
Vorinstanz hat indessen aus diesem normativen keinen tatsächlichen Schluss
darauf gezogen, dass dem Beklagten mit Blick auf die Beschaffung der
Betriebsmittel eine bestimmte Mitwirkungspflicht auferlegt worden wäre. Das
ergibt sich schon daraus, dass es auch nach Auffassung der Vorinstanz
eindeutig die Klägerin war, welche das Gesuch fristgerecht einzureichen hatte
und nicht der nicht zeichnungsberechtigte Beklagte. Dass dieser einer Pflicht
zu bestimmten Vorbereitungshandlungen nicht fristgerecht nachgekommen wäre,
lastet ihm auch die Vorinstanz nicht an. Vielmehr folgert sie aus bestimmten
Formulierungen im Pflichtenheft in Auslegung des Arbeitsvertrages nach dem
Vertrauensprinzip, der Beklagte hätte sich um allfällige Subventionsgesuche
"kümmern" müssen. Das Bundesgericht überprüft diese objektivierte Auslegung
von Willenserklärungen im Berufungsverfahren als Rechtsfrage, wobei es an
Feststellungen des kantonalen Richters über die äusseren Umstände sowie das
Wissen und Wollen der Beteiligten grundsätzlich gebunden ist (Art. 63 Abs. 2
und Art. 64 OG; BGE 130 III 66 E. 3.2 S. 71; 129 III 118 E. 2.5 S. 122 f., je
mit Hinweisen). Zur Ermittlung des mutmasslichen Parteiwillens sind die
Erklärungen der Parteien aufgrund des Vertrauensprinzips so auszulegen, wie
sie nach ihrem Wortlaut und Zusammenhang sowie den gesamten Umständen
verstanden werden durften und mussten. Massgebend ist dabei der Zeitpunkt des
Vertragsabschlusses. Nachträgliches Parteiverhalten kann höchstens - im
Rahmen der Beweiswürdigung - auf einen tatsächlichen Willen der Parteien
schliessen lassen (BGE 129 III 675 E. 2.3 S. 680; 118 II 365 E. 1 S. 366; 107
II 417 E. 6 S. 418).

3.2.2.3 Bei der Erwähnung der "Finanzen" im Pflichtenheft geht es jeweils um
die Pflicht zu Sorgfalt und Transparenz im Umgang mit den Ausgaben. Derselbe
Zweck wird verfolgt mit der Statuierung der Pflicht, in Absprache mit der
Betriebskommission zu Handen des Vorstandes ein Budget für das laufende Jahr
zu erstellen, sowie mit der Erteilung der Kompetenzen an die Betriebsleitung
im Rahmen des bewilligten Budgets (Pflichtenheft Ziff. 5.1). Daraus ist
ersichtlich, dass die vorgesetzten Stellen den finanziellen Rahmen festlegten
und der Beklagte diesen einzuhalten hatte. Vor diesem Hintergrund erscheint
die Pflicht zur Übersicht über die Finanzen in einem anderen Lichte: Der
Beklagte hatte mit den ihm zur Verfügung gestellten Geldern zu wirtschaften,
was nur möglich war, wenn er die Ausgaben stets unter Kontrolle hatte und den
noch vorhandenen Mitteln anpasste. Kapital zu beschaffen war ihm jedoch in
keiner Weise aufgegeben. Inwiefern der Beklagte sich um den Erhalt von
Subventionen hätte "kümmern" müssen, ist nicht nachvollziehbar. Zwar hätte
die Klägerin ihre Obliegenheit, Subventionen zu beantragen, an den Beklagten
delegieren können. Eine diesbezügliche Weisung hätte ihrer Wichtigkeit
entsprechend explizit und so eindeutig formuliert sein müssen, dass der
Beklagte keinen Zweifel daran hegen konnte, inwiefern ihm die Verantwortung
für die Beschaffung des Bundesbeitrags übertragen war. Dass die Klägerin dies
getan hätte, geht aber aus dem angefochtenen Urteil nicht hervor.

3.2.3 An diesem Ergebnis ändert nichts, dass der Beklagte gehalten war,
regelmässig Kontakt zu den subventionierenden Behörden zu pflegen. Wie er in
der Berufung zutreffend vorträgt, steht diese Pflicht unter dem Titel
"Jahresbericht und Jahresrechnung - PR". Namentlich im Kontext mit Ziff. 6.3
und 6.4 wird klar, dass der Kontakt, den der Beklagte aufrecht zu erhalten
hatte, nicht unmittelbar auf die Stellung von Begehren, sondern auf die
Darstellung des Betriebes zur Erreichung einer möglichst günstigen
Beurteilung durch die Subventionsbehörden gerichtet war. Unter diesen
Umständen durfte der Beklagte darauf vertrauen, dass die volle Verantwortung
für die rechtzeitige Vorbereitung und Einreichung des Beitragsgesuchs bei den
dafür zuständigen Stellen der Klägerin lag und dass er damit ohne spezielle
Aufforderung nichts zu tun hatte. Der normative Schluss der Vorinstanz, der
Beklagte habe sich um Subventionsgesuche zu kümmern gehabt, erweist sich
somit als bundesrechtswidrig. Insoweit ist dem Beklagten keine
Pflichtverletzung anzulasten.

3.3 Damit verbleibt als Pflichtwidrigkeit lediglich das fehlende Weiterleiten
der eingehenden Post.

4.
Was den natürlichen Kausalzusammenhang zwischen der Pflichtwidrigkeit und dem
eingetretenen Schaden anbelangt, ging die Vorinstanz davon aus, dass bei
sofortiger Weiterleitung der Unterlagen das Gesuch rechtzeitig gestellt
worden wäre. Diesbezüglich handelt es sich um eine tatsächliche Feststellung,
welche im Rahmen der Berufung nicht überprüft werden kann.

5.
Rechtsfrage und im Rahmen der Berufung grundsätzlich zu prüfen ist dagegen
die Adäquanz der festgestellten Ursache der unterlassenen Postbesorgung für
den eingetretenen Schaden.

5.1 Zu prüfen ist mithin, ob die dem Beklagten vorgeworfene Pflichtwidrigkeit
nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung
geeignet war, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, ob
also die pflichtwidrige Unterlassung des Beklagten als geeignet erscheint,
die Fristversäumnis der Klägerin zu begünstigen. Unter Berücksichtigung aller
Umstände, aber auch des Zwecks der einschlägigen Haftungsnorm ist danach zu
fragen, ob der Eintritt des Schadens bei wertender Betrachtung billigerweise
noch dem Haftpflichtigen zugerechnet werden darf (BGE 123 III 110 E. 3a S.
112 mit Hinweisen).

5.2 Gemäss den Feststellungen der Vorinstanz hätte der Beklagte das Gesuch
nicht selbst stellen müssen. Zuständig waren vielmehr die
zeichnungsberechtigten Organe der Klägerin. Ebenfalls nach den tatsächlichen
Feststellungen der Vorinstanz wussten die Organe um die Notwendigkeit der
fristgerechten Einreichung der Gesuche und wären die Gesuche jederzeit im
Internet zur Verfügung gestanden. Der postalische Zugang der Gesuchsformulare
im Dezember 1999 hätte im Hinblick auf die erst ein halbes Jahr später
ablaufende Frist bestenfalls einen frühen "Reminder" bedeuten, der Beklagten
aber die Fristkontrolle nicht abnehmen können. Ob aber der Beitrag des
Beklagten an die Entstehung des Schadens unter diesen Umständen, im Vergleich
zu jenem der für die Gesuchstellung verantwortlichen Personen, als derart
untergeordnet erscheint, dass es sich, auch wenn man von der besonderen Natur
der Arbeitnehmerhaftung absieht, nicht rechtfertigt, dem Beklagten die Folgen
seiner Unterlassung noch zuzurechnen, braucht nicht entschieden zu werden, da
der Beklagte seine Haftung nicht im Grundsatz bestreitet. Er kritisiert in
der Berufung einzig die Beurteilung seines Verschuldens als
bundesrechtswidrig. Wie es sich damit verhält, bleibt nachstehend zu prüfen.

6.
Nach dem Gesagten bleibt es ausschliesslich beim pflichtwidrigen
Fehlverhalten mit Bezug auf die Bearbeitung der eingehenden Post, wobei auch
diesbezüglich einzig feststeht, dass ein bestimmter Brief ungeöffnet liegen
blieb. Weitere Fälle oder ein generelles Fehlverhalten mit Bezug auf die
Erledigung der Post sind dem angefochtenen Urteil nicht zu entnehmen. Diese
einmalige Nachlässigkeit vermag aber die Qualifikation des Verschuldens als
grobfahrlässig offensichtlich nicht zu rechtfertigen. Das Verschulden liegt
vielmehr im Bereich mittlerer Fahrlässigkeit. Davon ging auch das vom
Beklagten anerkannte erstinstanzliche Urteil aus, worin demgemäss mit Recht
auf die prekären finanziellen Verhältnisse des Beklagten hingewiesen wurde.
Die Vorinstanz hat zwar diesbezüglich keine explizite Feststellung getroffen,
aber immerhin angenommen, der Beklagte sei derart bedürftig, dass er die
Prozesskosten zu tragen nicht in der Lage ist. Daraus ergibt sich klar, dass
der Beklagte in eine Notlage geriete, sollte er Schadenersatz im verlangten
Umfang von Fr. 35'000.-- bezahlen müssen. Dass die Klägerin durch eine
weitere Kürzung der Ersatzleistung des Beklagten besonders hart getroffen
würde, geht aus dem angefochtenen Urteil nicht hervor. Einer Reduktion der
Ersatzpflicht nach Art. 44 Abs. 2 OR steht daher nichts im Wege (Schnyder,
Basler Kommentar, 3. Aufl., N. 17 zu Art. 44 OR, mit Hinweisen). In Abwägung
sämtlicher Umstände erweist sich eine Reduktion der Haftung des Beklagten auf
Fr. 14'000.--, entsprechend zwei Monatslöhnen oder gut 15 % des Schadens, als
gerechtfertigt. Diese Summe ist entsprechend dem angefochtenen Urteil zu
verzinsen, zumal der Beklagte insoweit keine Rügen anbringt. Die Berufung
erweist sich mithin als begründet.

7.
Da der Streitwert Fr. 30'000.-- übersteigt, ist das Verfahren nicht kostenlos
(Art. 343 Abs. 3 OR). Dem Verfahrensausgang entsprechend ist die
Gerichtsgebühr der Klägerin aufzuerlegen (Art. 156 Abs. 1 OG), die zudem den
Beklagten für das bundesgerichtliche Verfahren zu entschädigen hat (Art. 159
Abs. 2 OG). Im Falle der Uneinbringlichkeit der Parteientschädigung wird
diese dem Rechtsvertreter des Klägers aus der Kasse des Bundesgerichts
ausbezahlt. Zur Neufestsetzung der Kosten- und Entschädigungsfolgen des
kantonalen Verfahrens ist die Sache alsdann an die Vorinstanz zurückzuweisen.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
In Gutheissung der Berufung wird das angefochtene Urteil aufgehoben und der
Beklagte verpflichtet, der Klägerin Fr. 14'000.-- nebst 5 % Zins seit 13.
Oktober 2002 zu bezahlen.

2.
Die Gerichtsgebühr von 2'000.-- wird der Klägerin auferlegt.

3.
Die Klägerin hat den Beklagten für das Verfahren vor Bundesgericht mit Fr.
2'500.-- zu entschädigen. Für den Fall der Uneinbringlichkeit wird dieses
Honorar dem Rechtsvertreter des Beklagten zufolge Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege aus der Bundesgerichtskasse bezahlt.

4.
Die Sache ist zu neuer Entscheidung über die Kosten- und Entschädigungsfolgen
des kantonalen Verfahrens an die Vorinstanz zurückzuweisen.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien und der III. Zivilkammer des Kantonsgerichts
St. Gallen schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 1. Juni 2005

Im Namen der I. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: