Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilabteilung 4C.170/2005
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4C.170/2005 /ruo

Urteil vom 9. November 2005

I. Zivilabteilung

Bundesrichter Corboz, Präsident,
Bundesrichterinnen Klett, Rottenberg Liatowitsch,
Bundesrichter Nyffeler,
Bundesrichterin Kiss,
Gerichtsschreiber Widmer.

A. ________,
Kläger, Berufungskläger und Anschlussberufungsbeklagter, vertreten durch
Rechtsanwalt Dr. Max Sidler,

gegen

B.________ Versicherungs-Gesellschaft,
Beklagte, Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin, vertreten durch
Rechtsanwalt Dr. Gerhard Stoessel.

Haftung des Motorfahrzeughalters,

Berufung gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich, II.
Zivilkammer, vom 12. April 2005.

Sachverhalt:

A.
A. ________ (Kläger), geboren am 28. Januar 1933, war als Taxifahrer tätig,
von 1971-1977 und wiederum ab 1984 als selbständiger Unternehmer.

Er erlitt am 16. August 1973 und am 15. November 1973 Auffahrunfälle mit
HWS-Schleudertraumata, von denen er sich nach eigener Darstellung erholt hat.
Am 5. Februar 1980 wurde er vom Obergericht des Kantons Zürich wegen Betrugs,
Urkundenfälschung und weiterer Delikte zu einer Freiheitsstrafe von 18
Monaten bedingt verurteilt. Unter anderem hatte er mittels falscher Angaben
zu den Auswirkungen der Schleudertraumata nicht geschuldete Leistungen von
Versicherungen, darunter auch von der heutigen Beklagten erlangen wollen. Im
Oktober 1982 erlitt er einen weiteren Verkehrsunfall, der zwar als "leicht"
bezeichnet wird, nach Angaben des Klägers aber doch Genickschmerzen und im
Zusammenhang damit einen einwöchigen Arbeitsunterbruch zur Folge hatte.

Am 20. Juli 1984 kollidierte das Taxi des Klägers mit dem von links
herannahenden Personenwagen von C.________. Die B.________
Versicherungs-Gesellschaft (Beklagte), die Haftpflichtversicherung des
Unfallverursachers C._________, anerkannte dessen Verschulden an der
Kollision. Sie bezahlte dem Kläger die Rechnung für die Reparatur des Taxis
in der Höhe von Fr. 5'286.20 sowie Fr. 58'000.- als Ersatz für Körperschäden.
Weitere Leistungen verweigerte sie.

Der Kläger arbeitete seit diesem Unfall nicht mehr als Taxifahrer und
erzielte auch sonst kein Erwerbseinkommen.

B.
Im Jahre 1989 leitete der Kläger gegen die Beklagte eine Schadenersatz- und
Genugtuungsklage ein. Der eingeklagte Betrag erreichte schliesslich eine
Summe von rund Fr. 5 Millionen. Mit Urteil vom 9. Januar 1992 wies das
Bezirksgericht Zürich die Klage ab. Auf Berufung des Klägers hin wies das
Obergericht des Kantons Zürich die Sache an die Erstinstanz zurück. Die von
der Beklagten hiegegen erhobene kantonale Nichtigkeitsbeschwerde und ebenso
eine eidgenössische Berufung blieben ohne Erfolg.

Im zweiten Urteil vom 26. August 1997 verpflichtete das Bezirksgericht die
Beklagte, dem Kläger insgesamt Fr. 1'814'658.- zuzüglich Zins zu bezahlen. Im
Mehrbetrag wies es die Klage ab.

Gegen dieses Urteil erhoben beide Parteien Berufung an das Obergericht. Nach
einem umfangreichen Beweisverfahren und längerer Prozessgeschichte fällte das
Obergericht am 12. April 2005 sein Urteil. Danach verpflichtete es die
Beklagte, dem Kläger insgesamt Fr. 401'044.55 (Fr. 383'158.55 nebst Zins und
Fr. 17'886.-) zu bezahlen. Im Mehrbetrag wies es die Klage ab.

C.
Gegen dieses Urteil erhob der Kläger mit Eingabe vom 9. Mai 2005
eidgenössische Berufung. Er beantragt (mit veränderten Rechtsbegehren) die
Zusprechung einer Summe von insgesamt Fr. 2'134'958.45 nebst Zins.

Gleichzeitig ersuchte der Kläger um Befreiung von der Bezahlung der
Gerichtskosten und um Beigabe von Herrn Rechtsanwalt Dr. Max Sidler als
unentgeltlichen Rechtsbeistand.

Mit Beschluss vom 27. Juni 2005 gewährte das Bundesgericht dem Kläger für das
bundesgerichtliche Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege, soweit sich die
Berufung gegen die unterlassene Zusprechung eines Zinses auf dem
kapitalisierten Betrag des zukünftigen Schadens richtet. Im Übrigen wies es
das Gesuch wegen Aussichtslosigkeit der Berufung ab und setzte dem Kläger
Frist zur Leistung eines Kostenvorschusses.

Am 8./9. August 2005 reichte der Kläger ein Revisions- bzw.
Wiedererwägungsgesuch ein. Er beantragte die Aufhebung des Beschlusses vom
27. Juni 2005 und die vollumfängliche Gutheissung des Gesuchs um
unentgeltliche Rechtspflege. Gleichentags ersuchte er um Anordnung einer
vorsorglichen Massnahme in dem Sinn, dass die Frist zur Leistung des
Kostenvorschusses bis nach Erledigung des Revisions- bzw.
Wiedererwägungsgesuchs abgenommen werde. Dieser Antrag wurde mit
Präsidialverfügung vom 16. August 2005 abgewiesen.

Daraufhin leistete der Kläger den Kostenvorschuss.

D.
Die Beklagte beantragt Abweisung der Berufung, soweit darauf einzutreten sei.
Ferner erhebt sie Anschlussberufung mit dem Antrag, die Beklagte sei zu
verpflichten, dem Kläger insgesamt Fr. 196'129.65 nebst Zins zu bezahlen. Im
Übrigen sei die Klage abzuweisen.

Der Kläger beantragt die Abweisung der Anschlussberufung, soweit darauf
einzutreten sei. Ferner ersucht er um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege betreffend die Anschlussberufung mit Herrn Rechtsanwalt Dr. Max
Sidler als unentgeltlichen Rechtsbeistand.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

REVISIONS- bzw. WIEDERERWÄGUNGSGESUCH

1.
1.1 Der Revision nach Art. 136 ff. OG sind alle Entscheide des Bundesgerichts
zugänglich, die nach Art. 38 OG in Rechtskraft erwachsen (Poudret,
Commentaire de la loi fédérale d'organisation judiciaire, Bd. V, Bern 1992,
N. 2.2 der Vorbemerkungen zum Siebenten Titel des OG S. 6). Gegen einen
Beschluss des Bundesgerichts, mit dem ein Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege abgewiesen wurde, ist die Revision zulässig (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 4C.220/1993 vom 22. September 1993 E. 1). Der Kläger beruft
sich gegen den Beschluss vom 27. Juni 2005 auf die Revisionsgründe von Art.
136 lit. c und d OG. Da er überdies innert der Frist von Art. 141 Abs. 1 lit.
a OG um Revision ersucht, ist darauf einzutreten. Hingegen ist auf sein
Gesuch nicht einzutreten, soweit er damit eine Wiedererwägung des Beschlusses
vom 27. Juni 2005 verlangt. Eine Wiedererwägung fällt vorliegend ausser
Betracht, da der Kläger keine veränderten Umstände geltend macht (vgl. zur
grundsätzlichen Zulässigkeit der Wiedererwägung Poudret, a.a.O., Bd. I, Bern
1990, N. 5.2 zu Art. 38 OG in fine).

1.2 Der Kläger macht zum einen geltend, das Bundesgericht habe die Rüge der
Bundesrechtswidrigkeit, dass der vorübergehende Erwerbsschaden von der
Vorinstanz nur bis Ende 2004 und nicht bis zum Urteilsdatum (12. April 2005)
aufgerechnet wurde, nicht geprüft und damit den Revisionsgrund von Art. 136
lit. c OG gesetzt. Der Vorwurf geht von vornherein fehl. Der Revisionsgrund
von Art. 136 lit. c OG liegt nur vor, wenn einzelne Anträge unbeurteilt
geblieben sind, nicht indessen, wenn Rügen übergangen wurden (Elisabeth
Escher, Revision und Erläuterung, in: Geiser/Münch [Hrsg.], Prozessieren vor
Bundesgericht, 2. Aufl., Basel 1998, S. 277 Rz. 8.15).
Im Weiteren führt der Kläger gewisse Darlegungen in seiner Berufung an, die
das Bundesgericht im Rahmen der Prüfung der Erfolgsaussichten angeblich
übersehen und damit den Revisionsgrund von Art. 136 lit. d OG gesetzt haben
soll. Auch dieser Vorwurf ist unbegründet. Die Vorbringen des Klägers wurden
beachtet, so namentlich die Rüge betreffend den massgebenden dies ad quem bei
der Berechnung des vorübergehenden Erwerbsschadens. Eine ausdrückliche
Erwähnung im Beschluss vom 27. Juni 2005 war indessen angesichts der
summarischen Begründung nicht nötig. Ebenso hat das Bundesgericht die Rüge
des Klägers, die Vorinstanz habe den Grundsatz der konkreten wirtschaftlichen
Schadensberechnung verletzt, durchaus beurteilt, jedoch im Rahmen der
summarischen Prüfung der Erfolgsaussichten für unbegründet angesehen. Dem
Kläger wurde nicht vorgehalten, seine Argumentation sei im Sinne von Art. 55
OG ungenügend. Eine versehentliche Nichtberücksichtigung erheblicher
Tatsachen liegt nicht vor.

Das Revisionsgesuch erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen.

BERUFUNG

2.
Der Kläger rügt eine bundesrechtswidrige Schätzung des Erwerbsschadens durch
die Vorinstanz. Verletzt sei der Grundsatz der konkreten wirtschaftlichen
Schadensberechnung. Nachdem der Kläger effektiv kein Invalideneinkommen
erzielt habe, hätte die Vorinstanz die ganze Differenz zum hypothetischen
Valideneinkommen (d.h. das ganze hypothetische Valideneinkommen) als Schaden
anrechnen müssen. Statt dessen habe sie nur den der medizinisch-theoretischen
Arbeitsunfähigkeit entsprechenden Prozentsatz des Valideneinkommens als
Erwerbsschaden eingesetzt.

2.1 Der Kläger hat wegen der Körperverletzung Anspruch auf Ersatz der Kosten
sowie auf Entschädigung für die Nachteile gänzlicher oder teilweiser
Arbeitsunfähigkeit, unter Berücksichtigung der Erschwerung des
wirtschaftlichen Fortkommens (Art. 46 Abs. 1 OR i.V.m. Art. 62 Abs. 1 SVG).
Als Schaden zu ersetzen sind die wirtschaftlichen Auswirkungen der
schädigenden Handlung bei der geschädigten Person, die unfreiwillig erlittene
Vermögensminderung oder der entgangene Gewinn (BGE 123 IV 145 E. 4b/bb S. 147
mit Hinweisen; Brehm, Berner Kommentar, N. 69 und 70 zu Art. 41 OR; Vito
Roberto, Schadensrecht, Basel 1997, S. 157). Schaden im Rechtssinne ist die
Differenz zwischen dem gegenwärtigen, nach dem schädigenden Ereignis
festgestellten Vermögensstand und dem Stand, den das Vermögen ohne das
schädigende Ereignis hätte (BGE 131 III 360 E. 6.1; 129 III 331 E. 2.1 S.
332; 127 III 73 E. 4a S. 76, 403 E. 4a, je mit Hinweisen) bzw. den
Einkünften, die nach dem schädigenden Ereignis tatsächlich erzielt worden
sind und jenen, die der geschädigten Person ohne dieses Ereignis zugeflossen
wären. Die Feststellung der Entstehung und des Ausmasses eines Schadens ist
tatsächlicher Natur und daher der Überprüfung des Bundesgerichts im
Berufungsverfahren entzogen. Rechtsfrage ist dagegen, ob die Vorinstanz von
zulässigen Berechnungsgrundsätzen ausgegangen ist, wozu auch die Anwendung
der konkreten oder abstrakten Schadensberechnung zählt (BGE 127 III 403 E. 4a
mit Hinweisen; Urteil 4C.3/2004 vom 22. Juni 2004 E. 1.2.1, Praxis 2005 Nr.
20 S. 145 ff.).
2.2 Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist der Invaliditätsschaden so
weit wie möglich konkret zu berechnen (BGE 131 III 360 E. 5.1; 117 II 609 E.
9 S. 624; 113 II 345 E. 1a S. 347 mit Hinweisen). Dabei wird aus
Praktikabilitätsgründen in zwei Schritten vorgegangen, wenn der Schaden im
Urteilszeitpunkt noch andauert. Zunächst ist der bereits eingetretene Schaden
konkret zu berechnen. Massgebender dies ad quem ist der Tag des Urteils jener
kantonalen Instanz, die noch neue Tatsachen berücksichtigen kann (BGE 125 III
14 E. 2c S. 17; Werro, Commentaire romand, N. 7 und 11 zu Art. 46 OR). Als
Ausgangspunkt dienen die Einkommensverhältnisse am Unfalltag. Zu entgelten
ist bei Arbeitnehmern der entgangene Lohn, bei selbständig Erwerbenden der
entgangene Gewinn (Minderertrag oder Mehraufwand; Brehm, a.a.O., N. 36 ff. zu
Art. 46 OR). Hierauf erfolgt der zweite Schritt, in welchem der künftige
Schaden aufgrund einer Prognose so konkret wie möglich zu bestimmen ist (Rey,
Ausservertragliches Haftpflichtrecht, 3. Aufl., Zürich 2003, Rz. 244). Bei
beiden Berechnungsweisen bildet der Vergleich zwischen dem Validen- und dem
Invalideneinkommen der geschädigten Person den Rahmen. Bei der
Vergangenheitsberechnung ist indessen das tatsächliche Invalideneinkommen
bekannt, während dieses bei der Zukunftsberechnung unter Berücksichtigung des
abstrakten Invaliditätsgrades (medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit bzw.
Arbeitsunfähigkeit) und des eventuell davon abweichenden Grades der
Erwerbsfähigkeit prognostiziert werden muss (vgl. zu Letzterem BGE 117 II 609
E. 9 S. 624). Bei beiden Berechnungsweisen wirkt sich eine allfällige
Schadenminderungspflicht der geschädigten Person dahingehend aus, dass das
Invalideneinkommen entsprechend erhöht bzw. bei tatsächlichem Fehlen von
Einkommen in der Vergangenheit ein solches aufgrund des vorgängig bestimmten
Grades der Erwerbsfähigkeit in die Schadensberechnung eingesetzt wird (Urteil
vom 22. Juni 2004, a.a.O., E. 1.2.2).
2.3 Die Vorinstanz ging in Würdigung der Beweise, namentlich des Gutachtens
von Dr. X.________ vom 12. Januar 2002 und dessen ergänzenden Ausführungen,
für das Bundesgericht grundsätzlich verbindlich (Art. 63 Abs. 2 und Art. 64
OG) von folgenden Annahmen aus: Der Kläger sei bis Ende 1984 zu 100 %, im
ersten Halbjahr 1985 zu 50 % arbeitsunfähig gewesen. In der Folge habe die
Arbeitsunfähigkeit während eines Jahres, also bis Mitte 1987 (recte: 1986)
kontinuierlich von 50 % auf 15 % abgenommen, um dann auf diesem Niveau zu
verharren.

In einem weiteren Schritt prüfte sie die Auswirkungen der Invalidität auf die
Erwerbsmöglichkeit des Klägers. Dabei erkannte sie, dass der Kläger im Umfang
der verbliebenen Erwerbsfähigkeit als Taxifahrer arbeiten könne.

Sie schätzte sodann das hypothetische Valideneinkommen. Ein Vergleich
desselben mit dem Invalideneinkommen des Klägers (welches tatsächlich Fr.
0.-- beträgt) fehlt in der Auflistung auf Seite 64 des angefochtenen Urteils.
In der letzten Kolonne ("Schaden zufolge AUF") wird der Schaden entsprechend
dem Grad der Arbeitsunfähigkeit errechnet und zugunsten des Klägers ein
jährlicher Betrag für Fixkosten berücksichtigt.

2.4 Es mag zutreffen, dass die Auflistung auf Seite 64 des angefochtenen
Urteils den Eindruck erwecken könnte, die Vorinstanz habe den Erwerbsschaden
abstrakt entsprechend dem medizinisch-theoretischen Arbeitsunfähigkeitsgrad
ermittelt und nicht geprüft, inwieweit sich dieser effektiv auf die
Erwerbsmöglichkeit des Klägers konkret auswirkte. Aus den Erwägungen auf S.
40-45 geht aber klar hervor, dass die Vorinstanz zum Schluss gelangte, der
Kläger hätte seine verbliebene Erwerbsfähigkeit als Taxifahrer verwerten
können. Den als erwiesen erachteten Arbeitsunfähigkeitsgrad bezog sie konkret
auf die Arbeitsunfähigkeit des Klägers in seinem angestammten Beruf als
Taxifahrer. Die Vorinstanz rechnete dem Kläger folgerichtig ein als
Taxifahrer erzielbares Einkommen entsprechend dem Grad seiner verbliebenen
Erwerbsfähigkeit an, auch wenn sie diesen (gedanklichen) Zwischenschritt
nicht explizit in der Auflistung auf Seite 64 des angefochtenen Urteils
aufführte und nicht ausdrücklich unter den Titel "Schadensminderungspflicht"
stellte.
So verwarf sie auch das Argument des Klägers, er habe faktisch seinen Beruf
nicht mehr ausüben können, weil ihm der Führerausweis mit Taxilizenz entzogen
worden sei. Sie erwog unter anderem, dies könne nicht der Beklagten
angelastet werden, nachdem der Kläger auf den Führerausweis freiwillig
verzichtet resp. ihm aufgrund seiner eigenen Angaben der Entzug des Ausweises
gedroht habe. Im Übrigen habe sich das Amt gar nicht auf eine dauernde
Fahrunfähigkeit festgelegt, sondern die Wiedererteilung des Ausweises
vorbehalten. Die Auseinandersetzung mit diesem Argument zeigt ebenfalls, dass
die Vorinstanz davon ausging, der Kläger hätte seine Resterwerbsfähigkeit als
Taxifahrer nutzen können.

Nirgends hielt die Vorinstanz fest, eine Schadensminderungspflicht sei
auszuschliessen. Vielmehr rechnete sie dem Kläger unter diesem Titel - wenn
auch nicht ausdrücklich erwähnt, so doch nachvollziehbar - ein theoretisch
erzielbares Einkommen an. Eine Verletzung des Grundsatzes der konkreten
wirtschaftlichen Schadensberechnung ist nicht dargetan.

3.
Die Vorinstanz rechnete den bereits eingetretenen Schaden nicht bis zum
Urteilsdatum (12. April 2005) auf, sondern nur bis Ende 2004. Die Phase des
zukünftigen Schadens legte sie auf die Jahre 2005 bis 2007 und nahm
entsprechend die Kapitalisierung für drei ganze Jahre vor.

Der Kläger beanstandet dies an sich zu Recht. Wie erwähnt (Erwägung 2.2), ist
massgebender dies ad quem für die Berechnung des bereits eingetretenen
Schadens der Tag des Urteils jener kantonalen Instanz, die noch neue
Tatsachen berücksichtigen kann. Da für das Jahr 2005 unverändert ein Schaden
von Fr. 7'421.60 zugrunde gelegt wird, wirkt sich diese Ungenauigkeit
lediglich auf die Kapitalisierung und auf den Beginn der Verzinsung des
Kapitalbetrages aus. Der Kläger zeigt diese Auswirkungen indessen nicht
konkret auf und macht namentlich nicht geltend, dass er besser fahren würde,
wenn der bereits eingetretene Schaden auf das Urteilsdatum aufgerechnet
würde. Er erhebt diesbezüglich keine selbständige Rüge, sondern erwähnt
diesen Punkt lediglich im Rahmen seiner Ausführungen zur Berechnung, die das
Bundesgericht im Fall einer Gutheissung der in vorstehender Erwägung 2
behandelten Hauptrüge nach den Vorstellungen des Klägers vornehmen müsste.
Nachdem Letzteres nicht zutrifft, entfällt eine Korrektur in diesem Punkt.

4.
Den zukünftigen Schaden für die Jahre 2005-2007 kapitalisierte die
Vorinstanz, wobei sie zu einem Betrag von Fr. 17'886.-- gelangte. Der Kläger
beanstandet, dass die Vorinstanz den zukünftigen Schaden nicht nach der
Aktivitätstabelle 20 (jetzt 10) von Stauffer/Schätzle kapitalisiert habe.
Diesem Einwand ist nicht zu folgen.

Die Vorinstanz ging davon aus, dass der 1933 geborene Kläger mit der
Erreichung des AHV-Alters seine Erwerbstätigkeit allmählich reduziert hätte
(1998-2002 auf zwei Drittel, 2003-2007 auf einen Drittel). Diese Annahme ist
bundesrechtlich nicht zu beanstanden. Das Bundesgericht hat erkannt, dass die
Beendigung der Erwerbsaktivität mit dem Pensionsalter, jedenfalls für
unselbständig Erwerbende, dem gewöhnlichen Lauf der Dinge entspricht (BGE 123
III 115 E. 6b S. 118; vgl. auch Brehm, a.a.O., N. 46 ff. der Vorbemerkungen
zu Art. 45 und 46 OR). Für selbständig Erwerbende sind die massgebenden
Umstände zu berücksichtigen. In casu ging die Vorinstanz nicht von der
Aufgabe der Erwerbstätigkeit nach Erreichen des Pensionsalters aus, sondern
lediglich von einer (gestaffelten) Reduktion, wobei sie hierfür überzeugende
Gründe anführt. Ihr Entscheid hält in diesem Punkt vor Bundesrecht stand.

Die von der Vorinstanz vorgenommene Kapitalisierung ist indessen in einem
andern Punkt zu korrigieren. Sie kapitalisierte nach der vierten Auflage der
Barwerttafeln von Stauffer/Schaetzle (Tafel 18, Alter 72/75) mit Faktor 2.41.
Richtigerweise kommt die fünfte Auflage (Tafel 12x, Alter 72, Dauer 3 Jahre)
zur Anwendung. Danach ergibt sich Faktor 2.58 und demnach ein kapitalisierter
Betrag von Fr. 19'147.70 (2.58 x Fr. 7'421.60). Dem Kläger schadet es nicht,
dass er keine entsprechende Rüge erhoben hat. Sein Begehren bezüglich des
zukünftigen Schadens lautet auf Zusprechung eines Betrages von Fr. 290'606.-
und deckt damit den Betrag von Fr. 19'147.70 ab, so dass das Bundesgericht
nicht über seine Anträge hinausgeht, wenn es den Betrag soweit von Amtes
wegen korrigiert (Art. 63 Abs. 1 Satz 1 OG). An die Begründung der Begehren
ist es nicht gebunden (Art. 63 Abs. 1 Satz 2 OG), zumal die Beklagte den
entsprechenden Korrekturbedarf ausdrücklich anerkennt.

5.
In Bezug auf die Verzinsung sprach die Vorinstanz dem Kläger für die
einzelnen Beträge des Schadenersatzes 5 % Zins ausgehend von einem mittleren
Verfalltag zu. Dies beanstandet der Kläger nicht. Hingegen macht er geltend,
die Vorinstanz habe Bundesrecht verletzt, weil sie für den kapitalisierten
Betrag des zukünftigen Schadens (betreffend die Jahre 2005-2007) entschieden
habe, es sei kein Zins geschuldet, da noch kein Verzug eingetreten sei.
Insoweit ist dem Kläger beizupflichten. Bei einer Kapitalisierung des
künftigen Schadens muss der Kapitalbetrag ab dem Zeitpunkt der
Kapitalisierung verzinst werden (BGE 131 III 12 E. 9.5 S. 25).

Der Zeitpunkt der Kapitalisierung stimmt normalerweise mit dem Urteilsdatum
überein als dem Zeitpunkt, ab dem der zukünftige Schaden zu berechnen ist
(BGE 123 III 115 E. 9a S. 119; Erwägung 2.2 und 3 vorne). Nachdem der Kläger
von einer Berechnung des bereits eingetretenen Schadens bis zum Urteilsdatum
(12. April 2005) bzw. des künftigen Schadens ab diesem Datum ausgeht,
beantragt er folgerichtig, dass der kapitalisierte Betrag für den künftigen
Schaden ab diesem Datum als dem Zeitpunkt der Kapitalisierung zu verzinsen
sei. Da es aber bei der - seitens der Vorinstanz der Einfachheit halber
vorgenommenen - Berechnung des künftigen Schadens ab dem 1. Januar 2005 und
bei einer Kapitalisierung desselben auf diesen Zeitpunkt bleibt (Erwägung 3
vorne), ist dem Kläger ab 1. Januar 2005 ein Zins von 5 % auf dem
kapitalisierten Betrag von Fr. 19'147.70 zuzusprechen.

In diesem Punkt ist die Berufung gutzuheissen, im Übrigen aber abzuweisen.

6.
Der Kläger benutzt die Antwort auf die Anschlussberufung, um seine Berufung
zu ergänzen, auch wenn er seine Ausführungen als blossen Hinweis an das
Bundesgericht für die Rechtsanwendung von Amtes wegen ausgibt. Darauf ist
nicht einzugehen. Die Antwort auf die Anschlussberufung gibt dem Kläger
lediglich die Möglichkeit, zur Anschlussberufung Stellung zu nehmen, nicht
aber seine Berufung zu ergänzen (Art. 59 Abs. 4 OG).

ANSCHLUSSBERUFUNG

7.
Die Beklagte rügt eine Verletzung des bundesrechtlichen Schadensbegriffs
gemäss Differenztheorie, weil die Vorinstanz dem Kläger Ersatz für
weiterlaufende betriebliche Unkosten zugesprochen hat, obwohl er sein
Taxiunternehmen nach dem Unfall definitiv aufgegeben hat.
Diese Rüge geht fehl. Wohl trifft es zu, dass der Kläger sein Taxiunternehmen
nach dem Unfall effektiv aufgegeben hat. Das spielt aber insofern keine
Rolle, als es nur um die Berechnung eines hypothetischen Einkommens geht. Die
Vorinstanz nahm an, der Kläger hätte seine Resterwerbsfähigkeit als
Taxifahrer verwerten können und rechnete ihm ein entsprechendes Einkommen
(schadensmindernd) an (vgl. Erwägung 2.4 vorne). Folgerichtig durfte sie ohne
Verletzung des bundesrechtlichen Schadensbegriffes berücksichtigen, dass dem
Kläger beim Betrieb eines Taxiunternehmens Fixkosten erwachsen wären.

8.
Die Beklagte macht sodann eine Verletzung von Art. 72 VVG geltend, weil die
Vorinstanz die Leistungen der privaten Lebensversicherungen des Klägers
(X.________ und Y.________) nicht an den Schaden angerechnet habe. Ihrer
Meinung nach handelt es sich um Schadensversicherungen und nicht um
Summenversicherungen.

Im Gegensatz zur Schadensversicherung ist bei der Summenversicherung die
Leistung beim Eintritt des Versicherungsfalls (Körperverletzung) unabhängig
vom effektiv erlittenen Schaden geschuldet (BGE 119 II 361 E. 4 S. 364; 104
II 44 E. 4; BGE 4C.112/2001 vom 14. Juni 2001 E. 2c; Alfred Maurer,
Schweizerisches Privatversicherungsrecht, 3. Aufl., Bern 1995, S. 170 und 180
f.).

Die Vorinstanz hat die richtigen Kriterien zur Abgrenzung von
Summenversicherungen gegenüber Schadensversicherungen angewendet, als sie die
genannten Versicherungen des Klägers als Summenversicherungen qualifizierte.
Nach dem Wortlaut der einschlägigen Bestimmungen in den Policen der
"X.________" bzw. der "Y.________", den die Vorinstanz in ihrem Urteil
feststellte, durfte sie die streitbetroffenen Versicherungen als
Summenversicherungen betrachten. Soweit darin überhaupt von einem
Erwerbsausfall die Rede ist, wird er nicht als selbständige Voraussetzung der
Leistungspflicht des Versicherers erwähnt, sondern lediglich als
Vergleichsgrösse zur Bestimmung des Erwerbsunfähigkeitsgrades bzw. des Grades
der erlittenen körperlichen Beeinträchtigung. Die Beklagte beruft sich für
ihre abweichende Auslegung weitgehend auf Umstände, die in den tatsächlichen
Feststellungen der Vorinstanz keine Stütze finden, ohne dazu eine Ausnahme
von der Bindung des Bundesgerichts an die vorinstanzlichen
Sachverhaltsfeststellungen im Sinne von Art. 63 Abs. 2 und Art. 64 OG
anzurufen. Insoweit ist auf ihre Vorbringen nicht einzutreten (vgl. BGE 130
III 102 E. 2.2; 127 III 248 E. 2c; 115 II 484 E. 2a)

KOSTEN

9.
9.1 Die Vorinstanz sprach dem Kläger einen Betrag von Fr. 401'044.55 zu. Er
beantragt in der Berufung Fr. 2'134'958.45. Die Beklagte schliesst in der
Anschlussberufung auf lediglich Fr. 196'129.65. Streitig ist somit ein Betrag
von rund Fr. 2 Mio. Das Bundesgericht korrigiert das angefochtene Urteil
insofern, als es dem Kläger einen um Fr. 1'261.70 höheren Kapitalbetrag,
insgesamt einen Betrag von Fr. 402'306.25, und überdies auch Zins auf dem
Kapitalbetrag für den zukünftigen Schaden zuspricht. Der Kläger unterliegt
mit der Berufung weitestgehend, die Beklagte unterliegt mit ihrer
Anschlussberufung.

In Berücksichtigung dieses Prozessausgangs rechtfertigt es sich, die Kosten
ermessensweise zu 8/10 dem Kläger und zu 2/10 der Beklagten aufzuerlegen
(Art. 156 Abs. 3 OG). Im gleichen Verhältnis sind die Parteikosten
aufzuteilen (Art. 159 Abs. 3 OG).

Die Gerichtsgebühr wird auf Fr. 18'000.-- festgesetzt. Davon gehen Fr.
14'400.-- zulasten des Klägers und Fr. 3'600.- zulasten der Beklagten. Der
Kläger hat der Beklagten eine reduzierte Parteientschädigung von Fr.
12'000.-- zu bezahlen.

9.2 Betreffend die Berufung wurde dem Kläger die unentgeltliche Rechtspflege
einzig in Bezug auf die unterlassene Verzinsung des kapitalisierten Betrages
für den zukünftigen Schaden bewilligt. Der entsprechende Punkt, in dem die
Berufung Erfolg hat, ist ziffernmässig marginal (Zins von 5 % auf Fr.
19'147.70 seit 1. Januar 2005) und hat mit Blick auf die gesamte vor
Bundesgericht streitige Summe von rund Fr. 2 Mio. keinen Einfluss auf die
Kosten- und Entschädigungsregelung. Entsprechend bleibt die diesbezügliche
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ohne Auswirkungen.
Das Gesuch des Klägers um unentgeltliche Rechtspflege für die Antwort auf die
Anschlussberufung ist an sich gutzuheissen und es ist dem Kläger Herr
Rechtsanwalt Dr. Max Sidler als unentgeltlichen Rechtsbeistand beizugeben. Da
der Kläger aber insoweit obsiegt, trägt die Beklagte den auf die
Anschlussberufung entfallenden Anteil der Gerichts- und Parteikosten. Das
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird daher gegenstandslos, zumal
infolge der Verrechnung der gegenseitigen Parteientschädigungen (es
resultiert eine reduzierte Parteientschädigung zugunsten der Beklagten) für
den Kläger auch keine Uneinbringlichkeit vorliegen kann.
Nachdem das Bundesgericht den angefochtenen Entscheid nur marginal abändert,
ist keine Änderung der von der Vorinstanz getroffenen Kosten- und
Entschädigungsregelung für die kantonalen Verfahren angezeigt (Art. 157 und
Art. 159 Abs. 6 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Das Revisions- bzw. Wiedererwägungsgesuch betreffend die unentgeltliche
Rechtspflege für die Berufung wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Berufung wird teilweise gutgeheissen. Das Urteil des Obergerichts des
Kantons Zürich vom 12. April 2005 wird in Dispositivziffer 1 letzte Zeile
aufgehoben und wie folgt neu gefasst:
"Fr. 19'147.70 nebst Zins zu 5 % seit 1. Januar 2005".
Im Übrigen wird die Berufung abgewiesen.

3.
Die Anschlussberufung wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

4.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 18'000.-- wird im Betrag von Fr. 14'400.-- dem
Kläger und im Betrag von Fr. 3'600.-- der Beklagten auferlegt.

5.
Der Kläger hat die Beklagte für das bundesgerichtliche Verfahren mit Fr.
12'000.-- zu entschädigen.

6.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Zürich, II.
Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 9. November 2005

Im Namen der I. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: