Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilabteilung 4C.178/2005
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4C.178/2005 /ast

Urteil vom 20. Dezember 2005

I. Zivilabteilung

Bundesrichter Corboz, Präsident,
Bundesrichterinnen Klett, Rottenberg Liatowitsch,
Bundesrichter Nyffeler, Bundesrichterin Kiss,
Gerichtsschreiber Arroyo.

Spital Y.________,
Beklagter und Berufungskläger, vertreten durch Advokat Stefan Escher,

gegen

A.X.________,
Klägerin und Berufungsbeklagte, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Peter
Pfammatter.

Arztvertrag, Haftung für Sterilisationsfehler,

Berufung gegen das Urteil des Kantonsgerichts Wallis, Zivilgerichtshof I, vom
18. April 2005.

Sachverhalt:

A.
A.a Die 1966 geborene A.X.________ (Klägerin) und der 1955 geborene
B.X.________ heirateten am 30. Juli 1994. Aus der Ehe gingen die Töchter
C.________ (geboren im Dezember 1994), D.________ (Dezember 1996), und
E.________ (Januar 1998) hervor. Bei allen drei Geburten musste ein
Kaiserschnitt vorgenommen werden. Die Eheleute X.________ sind im Gastgewerbe
tätig. Von Dezember 1994 bis November 1996 führten sie das Restaurant
H.________ in L.________, von Dezember 1996 bis April 2003 das Restaurant
I.________ in M.________ und seit Dezember 2003 das Restaurant K.________ in
M.________. Der Ehemann der Klägerin führte das Geschäft und war als
gelernter Koch für die Küche zuständig; die Klägerin betreute die Kinder und
half nebenbei im Geschäft aus. Für ihre betriebliche Mitarbeit bezog die
Klägerin bis Ende 1999 keinen Lohn. Per 1. Januar 2000 schloss sie - vorab um
einen Anspruch auf Kinderzulagen zu begründen - mit ihrem Ehemann einen
schriftlichen Arbeitsvertrag als Teilzeitangestellte. Vereinbart wurde ein
wöchentliches Arbeitspensum von 18 Stunden und ein monatlicher Bruttolohn von
Fr. 2'001.60.
Während der zweiten Schwangerschaft machten sich die Eheleute X.________
Gedanken über ihre Familienplanung. Sie kamen zum Schluss, dass sie kein
weiteres Kind wollten. Bei diesem Entscheid standen wirtschaftliche
Überlegungen im Vordergrund. Die finanziellen Verhältnisse der Familie
X.________ sind vor allem infolge der während der Führung des Restaurants
H.________ entstandenen Schulden angespannt, wobei die Mitarbeit der Klägerin
im Restaurant K.________ aufgrund der Betriebsstruktur erforderlich ist.
Anlässlich einer Kontrolluntersuchung im Oktober/November 1996 liessen sich
die Klägerin und ihr Ehemann deshalb von Dr. F.________ im Spital Y.________,
Verein mit Sitz in N.________ (Beklagter), über die Möglichkeit einer
Sterilisation aufklären. Da für die bevorstehende Entbindung ein
Kaiserschnitt erforderlich war, wurde vereinbart, dass gleichzeitig eine
Eileiterunterbindung - die damals sicherste Unterbindungsmethode -
durchgeführt werden sollte. Am 17. Dezember 1996 unterzeichneten die Klägerin
und ihr Ehemann anlässlich eines weiteren Besuchs bei Dr. F.________ im
Spital des Beklagten die Operationsvollmacht und das Aufklärungsprotokoll.

A.b Am 27. Dezember 1996 nahmen Dr. F.________ als Operateur und seine
Assistenzärztin, Dr. G.________, den Kaiserschnitt im Spital Y.________ vor,
unterliessen jedoch die geplante Eileiterunterbindung. Nach Angaben von Dr.
F.________ war die schriftliche Vereinbarung umstandshalber untergegangen,
d.h. die schriftliche Vollmacht war beim Erstellen des Operationsprogramms
nicht vorgelegt worden. Diese Unterlassung blieb unbemerkt. In der Folge
verkehrten die Eheleute X.________ geschlechtlich ohne Verhütungsmittel.
Wegen wiederholter Übelkeit suchte die Klägerin am 23. Juni 1997 Dr.
F.________ auf. Dieser stellte fest, dass sich die Klägerin in der 7.
Schwangerschaftswoche befand und die Sterilisation unterlassen worden war.
Die Klägerin hatte während dieser dritten Schwangerschaft etliche
gesundheitliche Schwierigkeiten, so dass sie ab Anfang August 1997 bis Ende
Januar 1998 arbeitsunfähig war. Im August 1997 musste sie wegen leichter
Schmierblutungen für einige Tage hospitalisiert werden. Bei einer Kontrolle
am 15. Dezember 1997 wurden sehr hohe Blutdruckwerte festgestellt, was eine
Spitalaufnahme per 22. Dezember 1997 zur Folge hatte. Eine am 12. Januar 1998
erfolgte Kontrolle ergab wiederum erhöhte Blutdruckwerte. Am 28. Januar 1998
gebar die Klägerin ein gesundes Mädchen namens E.________. Am 31. Januar 1998
wurden beide aus dem Spital entlassen. Die Sterilisation wurde nachgeholt.

B.
B.aMit Eingabe vom 14. November 2000 gelangte die Klägerin an das
Bezirksgericht Visp. Sie beantragte, es sei der Beklagte zur Zahlung von Fr.
231'000.-- samt Zins zu verurteilen. Zuvor hatte der Ehemann seine
vertraglichen Ansprüche gegen den Beklagten der Klägerin abgetreten. Die
eingeklagte Forderung setzte sich zusammen aus den Auslagen während und
unmittelbar nach der Geburt (Fr. 3'000.--), Gewinn- bzw. Verdienstausfall
(Fr. 100'000.--), Genugtuung (Fr. 8'000.--) und Unterhaltskosten (Fr.
120'000.--). Ihre Forderung begründete die Klägerin mit den Folgen der von
den Ärzten des Beklagten vertragswidrig unterlassenen Sterilisation. Der
Bezirksrichter entschied am 13. Februar 2003, er sei zur Beurteilung der
Klage in erster Instanz nicht zuständig. Die Akten sandte er daraufhin zur
Beurteilung an das Kantonsgericht des Kantons Wallis.
Im kantonsgerichtlichen Verfahren stellte die Klägerin das Begehren, es sei
der Beklagte zur Zahlung von insgesamt Fr. 201'287.-- (Fr. 8'000.-- als
Genugtuung, Fr. 73'287.-- als Schadenersatz und Fr. 120'000.-- als
Unterhaltsersatz) samt Zins zu verurteilen. Der Beklagte schloss auf
Abweisung der Klage und wandte in verfahrensrechtlicher Hinsicht ein, die
Haftung beurteile sich nach dem kantonalen Verantwortlichkeitsgesetz, weshalb
die Angelegenheit an das Bezirksgericht zu überweisen sei.

B.b Am 18. April 2005 verurteilte das Kantonsgericht den Beklagten zur
Zahlung von Fr. 50'000.-- samt Zins als Schadenersatz (Dispositivziffer 1
lit. a), Fr. 85'000.-- als Unterhaltsersatz (Ziff. 1 lit. b) und Fr. 5'000.--
nebst Zins als Genugtuung (Ziff. 1 lit. c). Im Mehrbetrag wurde die Klage
abgewiesen. Das Kantonsgericht erwog, der Rechtsstreit beurteile sich nicht
nach dem (kantonalen) Gesetz über die Verantwortlichkeit der öffentlichen
Gemeinwesen und ihrer Amtsträger (GVGA), sondern nach Bundesprivatrecht.
Daher sei die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts gegeben. Das
Gericht kam zum Schluss, die Haftpflicht des Beklagten für die ausgewiesenen,
nicht anderweitig gedeckten Kosten und Auslagen der Klägerin im Rahmen der
Schwangerschaft, der Geburt sowie des Unterhalts des Kindes sei zu bejahen.

C.
Mit eidgenössischer Berufung stellt der Beklagte folgende Rechtsbegehren:
"[...] Primärbegehren
Es wird festgestellt, dass die Vorinstanz im vorliegenden Verfahren anstelle
des kantonalen Rechts im Sinne des Verantwortlichkeitsgesetzes
fälschlicherweise Bundesprivatrecht angewendet hat, weshalb die Angelegenheit
an die kantonal zuständigen Gerichtsbehörden zur Ausfällung des Urteils
überwiesen wird.
[...] Eventualbegehren
Die Zusprechung von Schadenersatz für Unterhaltskosten durch das Urteil des
Kantons Wallis in der Höhe von Fr. 85'000.00 an die Berufungsbeklagte wird
aufgehoben und die Berufung in diesem Sinne gutgeheissen.
[...] Subeventualbegehren
Die Anwendung des Kapitalisierungszinsfusses in der Höhe von 2.5 % für die
Berechnung der Unterhaltskosten wird aufgehoben und die Berufung in diesem
Sinne subeventual gutgeheissen.
[...]"
Die Klägerin schliesst auf Abweisung der Berufung.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Gemäss Art. 55 Abs. 1 lit. b OG ist in der Berufungsschrift genau anzugeben,
welche Punkte des vorinstanzlichen Entscheides angefochten werden und welche
Änderungen beantragt werden.

1.1 Der Beklagte beantragt in seinem "Primärbegehren", es sei festzustellen,
dass die Vorinstanz zu Unrecht Bundesrecht statt kantonales Recht angewandt
habe und es sei die Angelegenheit an die kantonal zuständigen
Gerichtsbehörden zu überweisen. Der Antrag auf Überweisung bzw. Rückweisung
der Sache an die kantonal zuständigen Gerichtsbehörden zu neuer Entscheidung
ist im Berufungsverfahren grundsätzlich unzulässig (vgl. BGE 125 III 412 E.
1b). Es ist nicht Sache des Bundesgerichts, die nach kantonalem Recht
zuständige Behörde zu bestimmen. Aus dem als Feststellungsbegehren
formulierten Antrag ergibt sich indessen sinngemäss, dass der Beklagte die
Vorinstanz als sachlich unzuständig erachtet und dafür hält, die Vorinstanz
hätte auf die Klage nicht eintreten dürfen. Der Antrag, das angefochtene
Urteil sei aufzuheben und auf die Klage sei nicht einzutreten, ist zulässig.

1.2 Im Eventualbegehren beantragt der Beklagte einzig die Aufhebung des von
der Vorinstanz der Klägerin für Unterhaltskosten zugesprochenen Ersatzes von
Fr. 85'000.-- (Dispositivziffer 1b). Er verlangt somit die Aufhebung des
angefochtenen Urteils insoweit nicht, als er zur Zahlung von Fr. 50'000.--
(bestehend aus den Betreuungskosten für die beiden anderen Kinder sowie der
Erwerbseinbusse der Klägerin) nebst Zins als Schadenersatz (Dispositivziffer
1a) und Fr. 5'000.-- nebst Zins als Genugtuung (Dispositivziffer 1c)
verpflichtet wird. Sein Eventualbegehren ist als Antrag auf weitergehende
Abweisung der Klage in dem Sinne zu verstehen, es sei Dispositivziffer 1b des
angefochtenen Urteils aufzuheben und die Klage in Bezug auf die
Schadenersatzforderung für Kindesunterhaltskosten abzuweisen.

1.3 Im Subeventualbegehren schliesst der Beklagte auf Aufhebung der Anwendung
des Kapitalisierungszinsfusses von 2,5 % für die Berechnung der
Unterhaltskosten. Das Bundesgericht verlangt in konstanter Rechtsprechung die
genaue Angabe der Geldsumme, zu deren Bezahlung die Gegenpartei verpflichtet
werden soll (vgl. BGE 125 III 412 E. 1b S. 414; 119 II 333 E. 3 mit
Hinweisen). Zumindest aus der Berufungsbegründung muss dieser Betrag
ersichtlich sein. Die Vorinstanz hat die Unterhaltskosten mit 2,5 %
kapitalisiert und einen Gesamtunterhaltsbetrag von Fr. 90'564.-- errechnet.
Diesen Betrag hat sie in Anwendung von Art. 43 Abs. 1 OR ermessensweise auf
Fr. 85'000.-- gekürzt. Bei Anwendung des vom Beklagten verlangten
Kapitalisierungszinsfusses von 3,5 % ergibt sich nach der vorinstanzlichen
Berechnungsweise ein Unterhaltsbetrag von insgesamt Fr. 82'764.-- (vgl.
hinten E. 5.4). Eine Herabsetzung dieses Betrages verlangt der Beklagte weder
im Subeventualantrag noch in der Begründung. Aus dem Subeventualantrag ergibt
sich sinngemäss der bezifferte Antrag, dass der als Unterhaltsersatz in
Dispositivziffer 1b des angefochtenen Urteils zugesprochene Betrag auf Fr.
82'764.-- zu reduzieren sei.

1.4 Die - in ungewohnter Weise formulierten - Rechtsbegehren des Beklagten
sind sinngemäss wie folgt zu verstehen: Hauptsächlich beantragt er das
Nichteintreten auf die Klage; eventuell schliesst er auf weitergehende
Abweisung der Klage durch Aufhebung der Dispositivziffer 1b des angefochtenen
Urteils und Nichtgewährung von Unterhaltskostenersatz; subeventuell verlangt
der Beklagte die Abweisung der Klage bezüglich der Unterhaltskosten in dem
den Betrag von Fr. 82'764.-- übersteigenden Umfang.

2.
Mit Berufung kann geltend gemacht werden, der angefochtene Entscheid beruhe
auf Verletzung des Bundesrechts mit Einschluss der durch den Bund
abgeschlossenen völkerrechtlichen Verträge (Art. 43 Abs. 1 OG). Erörterungen
über die Verletzung kantonalen Rechts sind unzulässig (Art. 55 Abs. 1 lit. c
OG in fine; BGE 127 III 248 E. 2c).

2.1 Nach den Erwägungen der Vorinstanz ist der Beklagte ein privatrechtlicher
Verein; seine Angestellten sind daher keine Staatsangestellten bzw.
Amtsträger im Sinne des Gesetzes über die Verantwortlichkeit der öffentlichen
Gemeinwesen und ihrer Amtsträger (GVGA); eine Ausweitung des kantonalen
Verantwortlichkeitsgesetzes auf das Personal des Beklagten setzt somit eine
Gesetzesbestimmung voraus, die das GVGA als (analog) anwendbar erklärt; eine
derartige Norm ist aber weder im GVGA selbst noch im Gesundheitsgesetz (GG)
enthalten. Die Vorinstanz erwog weiter, dass erst mit dem am 1. Januar 2004
in Kraft getretenen Dekret über das Gesundheitsnetz Wallis vom 4. September
2003 eine für das Personal der kantonalen Krankenanstalten einheitliche, dem
GVGA entsprechende Haftungsregelung eingeführt wurde. Zweck des Dekrets war
nach den Materialien die Beseitigung der bestehenden Diskrepanz zwischen der
Verantwortlichkeit des Personals der staatlichen Einrichtungen und der
Haftung der Angestellten der subventionierten Spitäler. Da in den hier
massgeblichen Jahren 1996/98 die Regionalspitäler nicht dem GVGA
unterstanden, schloss die Vorinstanz, dass in vorliegender Sache
Bundesprivatrecht anzuwenden ist.
Der Beklagte rügt, die Vorinstanz habe gegen Bundesrecht verstossen, indem
sie festgestellt habe, der vorliegende Rechtsstreit sei nach
Bundesprivatrecht und nicht nach dem kantonalen Verantwortlichkeitsgesetz zu
beurteilen. Er bringt vor, der Beklagte erfülle als öffentlichrechtliches
Spital eine staatliche, hoheitliche Aufgabe (Gesundheitspflege); die Frage
einer allfälligen Haftung des Beklagten richte sich daher nicht nach
Bundesprivatrecht, sondern - gestützt auf Art. 61 Abs. 1 OR - nach dem
kantonalen öffentlichen Recht.

2.2 Die Krankenbehandlung in öffentlichen Spitälern ist nach konstanter
Rechtsprechung keine gewerbliche Verrichtung, für die nach Art. 61 Abs. 2 OR
die bundesprivatrechtlichen Haftungsnormen durch kantonales öffentliches
Recht nicht geändert werden können. Es handelt sich vielmehr um eine
öffentliche Aufgabe, so dass Schäden, die dabei entstehen, auf die Ausübung
staatlicher Hoheit und nicht auf die Verletzung privatrechtlicher
Vertragspflichten zurückzuführen sind (BGE 122 III 101 E. 2a/aa S. 104; 115
Ib 175 E. 2 S. 179). Gegen wen und unter welchen Voraussetzungen Patienten
wegen fehlerhafter Behandlung in einem öffentlichen Spital Schadenersatz oder
Genugtuung verlangen können, ist daher - wie die Vorinstanz zutreffend
ausführte - nach Art. 61 Abs. 1 OR zu bestimmen. Diese Norm enthält einen
fakultativen Vorbehalt zugunsten des kantonalen öffentlichen Rechts; die
Kantone sind danach befugt, aber nicht verpflichtet, die öffentlichrechtlich
angestellten Ärzte der kantonalrechtlichen (Haftungs-)Regelung zu
unterstellen. Die Abgrenzung zwischen Bundesprivatrecht und kantonalem
öffentlichem Recht ist insoweit nicht nach den gängigen Theorien vorzunehmen
(vgl. dazu BGE 126 III 431 E. 2c/bb), sondern wird allein vom kantonalen
Recht bestimmt. Machen die Kantone von ihrer Befugnis gemäss Art. 61 Abs. 1
OR keinen Gebrauch, haften die Ärzte für ihr Verhalten unmittelbar nach den
bundesprivatrechtlichen Normen des OR (BGE 122 III 101 E. 2a/bb und cc S. 104
f.; vgl. auch BGE 128 III 76 E. 1a S. 78). Indem die Vorinstanz diese Praxis
ihren Erwägungen zugrunde legte, hat sie die Tragweite von Art. 61 OR
zutreffend erkannt.

2.3 Der Beklagte rügt, statt kantonalem Recht sei zu Unrecht Bundesrecht
angewandt worden. Dies ist zwar ein zulässiger Berufungsgrund (BGE 125 III
169 E. 2 S. 171; 123 III 454 E. 3b); indessen übersieht der Beklagte, dass
einzig von der Auslegung des kantonalen Rechts abhängt, ob sich die Haftung
des Beklagten für die ihm bzw. einem seiner angestellten Ärzte vorgeworfenen
Pflichtverletzungen nach dem Verantwortlichkeitsgesetz beurteilt. Die von der
Vorinstanz vorgenommene Auslegung ist für das Bundesgericht verbindlich (BGE
125 III 169 E. 2 S. 171; 93 II 189 E. a S. 191; Hausheer, Die
privatrechtliche Rechtsprechung des Bundesgerichts in den Jahren 1995 und
1996, ZBJV 1997, S. 464; Corboz, SJ 2000, Bd. II, S. 36;
Poudret/Sandoz-Monod, Commentaire de la loi fédérale d'organisation
judiciaire, Bd. I, Bern 1990, N. 1.6.2 zu Art. 43 OG, S. 138 f.;
Messmer/Imboden, Die eidgenössischen Rechtsmittel in Zivilsachen, Zürich
1992, N. 74 S. 104). Diese Auslegung kann ebenso wenig wie ihr Ergebnis im
Berufungsverfahren gerügt werden (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG). Die Rüge ist
insoweit nicht zu hören.
Die bundesrechtliche Vorschrift von Art. 61 Abs. 1 OR kann durch eine
allenfalls falsche Anwendung kantonalen Rechts von vornherein nicht verletzt
sein, da sie dem kantonalen Gesetzgeber keinerlei Verpflichtungen auferlegt,
sondern mangels kantonaler Normen die bundesrechtlichen Bestimmungen des OR
als anwendbar erklärt (Urteil des Bundesgerichts 4C.97/2002 vom 1. Juli 2002
E. 2.2). Indem die kantonalen rechtsanwendenden Behörden das kantonale
Verantwortlichkeitsgesetz dahingehend ausgelegt haben, dass es auf die
Tätigkeit des Beklagten und dessen Personal im Spital Y.________ keine
Anwendung findet, haben sie Art. 61 Abs. 1 OR nicht verletzt. Sofern der
Beklagte aus dem in seiner Eingabe zitierten BGE 111 II 149 etwas anderes
abzuleiten beabsichtigt, übersieht er, dass das Bundesgericht in den damals
noch zulässigen Direktprozessen auch kantonale Normen auszulegen und
anzuwenden hatte (vgl. BGE 111 II 149 E. 4, 5). Im Rahmen der Berufung kann
jedoch, wie dargelegt, die Auslegung kantonaler Bestimmungen nicht überprüft
werden. Der Hauptantrag des Beklagten auf Nichteintreten auf die Klage ist
abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.

3.
Im Eventualantrag rügt der Beklagte, er sei bundesrechtswidrig zur Leistung
der Kindesunterhaltskosten in Höhe von Fr. 85'000.-- an die Klägerin
verpflichtet worden. Er bringt vor, die Vorinstanz habe gegen Bundesrecht
verstossen, indem sie die Ersatzfähigkeit der Unterhaltskosten für das
dritte, nach der (vertragswidrig) unterlassenen Sterilisation geborene Kind
bejaht habe.

3.1 Der Arztvertrag wird nach Rechtsprechung und Lehre als Auftrag im Sinne
der Art. 394 ff. OR - mit sämtlichen daran knüpfenden Haftungsfolgen -
qualifiziert (BGE 120 II 248 E. 2c mit Hinweisen; Weber, Basler Kommentar, N.
25 ff. zu Art. 398 OR; Wiegand, Der Arztvertrag, insbesondere die Haftung des
Arztes, in: Arzt und Recht, Bern 1985, S. 84, 91; Honsell, Schweizerisches
Obligationenrecht, Besonderer Teil, 7. Auflage, Bern 2003, S. 302, 315 ff.;
Guhl/Schnyder, Das Schweizerische Obligationenrecht, 9. Aufl., Zürich 2000, §
49 N. 11 f.; Hans Peter Walter, Abgrenzung von Verschulden und
Vertragsverletzung bei Dienstleistungsobligationen, in: A. Koller [Hrsg.],
Haftung aus Vertrag, St. Gallen 1998, S. 69 f.; Bollinger Hammerle, Die
vertragliche Haftung des Arztes für Schäden bei der Geburt, Diss. Luzern
2004, S. 39, 59).
Der Beklagte bestreitet zu Recht nicht, dass er bei gegebenen Voraussetzungen
aus Vertrag haftet. Er macht einzig geltend, dass kein Schaden im Rechtssinne
vorliegt. Unbestritten ist somit, dass der Beklagte (bzw. der bei ihm
angestellte Arzt) den Auftrag verletzte, indem er sorgfaltswidrig die
vereinbarte Sterilisation nicht vornahm. Ebenso unbestritten ist, dass diese
vertragswidrige Unterlassung die für das (ungeplante) dritte Kind der
Klägerin anfallenden Unterhaltskosten in adäquat-kausaler Weise verursachte.
Ein vertraglicher Schadenersatzanspruch der Klägerin ist somit nach Art. 97
Abs. 1 i.V.m. Art. 398 Abs. 1 OR gegeben, sofern die Unterhaltskosten für das
Kind als Schaden im Rechtssinne zu qualifizieren sind.

3.2 Das Bundesgericht musste sich bisher nicht zur Grundsatzfrage äussern, ob
die Unterhaltskosten für ein ungeplantes Kind, die durch eine
(fehlgeschlagene) Sterilisation hätten vermieden werden sollen, als Schaden
im Rechtssinne zu qualifizieren sind (vgl. Urteile 4C.276/1993 vom 1.
Dezember 1998 E. 4c [Pra 2000 Nr. 28, S. 163]; 1P.530/1994 vom 14. Dezember
1995 E. 4b [Pra 1996 Nr. 181, S. 670]). Die Praxis der obersten Gerichte
anderer Staaten ist uneinheitlich. Zum Beispiel anerkennen sowohl der
deutsche Bundesgerichtshof als auch der Oberste Gerichtshof der Niederlande
die Unterhaltskosten für ein ungeplantes Kind als ersatzfähigen
Vermögensschaden (Urteil des BGH vom 18. März 1980, NJW 1980, 1450 ff.;
Entscheid des niederländischen Hoge Raad vom 21. Februar 1997, JZ 18/1997,
893 ff.). Hingegen verneint etwa das Englische House of Lords einen
entsprechenden Anspruch bei einem gesunden Kind (vgl. Urteil i.S. Rees v.
Darlington Memorial Hospital NHS Trust [2003/UKHL 52] vom 16. Oktober 2003,
mit Verweis auf das Urteil i.S. MacFarlane v. Tayside Health Board [2000/2 AC
59] vom 25. November 1999). Der österreichische Oberste Gerichtshof gewährt
(nur) den Eltern eines schwer behinderten, ungeplanten Kindes einen
Ersatzanspruch, weil in diesem Fall - anders als bei einem gesunden Kind -
den Eltern eine besonders schwere Belastung aufgebürdet werde (Entscheid des
OGH vom 25. Mai 1999, JBl 121/1999, 593 ff.).
3.3 In der Schweiz bejaht die weit überwiegende Lehre das Vorliegen eines
Schadens bzw. den Ersatzanspruch der Eltern für die Belastung mit den
Unterhaltskosten des Kindes nach fehlgeschlagener Sterilisation (Franz Werro,
Commentaire romand, Code des obligations I, Luc Thévenoz/Franz Werro [Hrsg.],
Genève/Bâle 2003, N. 27 f. zu Art. 41 OR; Derselbe, La responsabilité civile,
Bern 2005, § 1 N. 70; Ingeborg Schwenzer, Schweizerisches Obligationenrecht,
Allgemeiner Teil, Bern 2003, 3. Aufl., N. 14.04; David Rüetschi, Haftung für
fehlgeschlagene Sterilisation, AJP 1999, S. 1374 f., 1376; Christa
Tobler/Carel Stolker, "Wrongful Birth" - Kosten für Unterhalt und Betreuung
eines Kindes als Schaden, AJP 1997, S. 1151 f.; Rolf Thür, Schadenersatz bei
durchkreuzter Familienplanung unter Berücksichtigung der Rechtsprechung in
Deutschland, England und den USA, Diss. Zürich, 1996, S. 51, 70 ff., 90 ff.;
Walter Fellmann, Neuere Entwicklungen im Haftpflichtrecht, AJP 1995, S. 879
f.; Derselbe, Schadenersatz für den Unterhalt eines unerwünschten Kindes,
ZBJV 1987, S. 323, 333 ff.; Carla Mainardi-Speziali, a.a.O., Ärztliche
Aufklärungspflichten bei der pränatalen Diagnostik, Diss. Bern 1991, S. 152
ff.; Bettina Monot, Parents contre leur volonté: Dommages-intérêts pour
l'entretien d'un enfant non désiré dans le cas d'une stérilisation manquée,
in: Recueil de travaux offert à François Gillard, Tolochenaz 1987, S. 71;
Werner E. Ott, Voraussetzungen der zivilrechtlichen Haftung des Arztes, Diss.
Zürich, 1978, S. 84; Roland Schaer, Grundzüge des Zusammenwirkens von
Schadenausgleichsystemen, Basel 1984, S. 78 f.; Vito Roberto, Schweizerisches
Haftpflichtrecht, Zürich 2002, § 29 N. 769; vgl. auch Hans-Joachim Hess,
Kommentar zum Produktehaftpflichtgesetz, Bern 1996, 2. Aufl., N. 48 f. zu
Art. 1; vgl. weiter Alfred Koller, Die zivilrechtliche Haftung des Arztes für
das unverschuldete Fehlschlagen einer Sterilisation, in: Haftpflicht- und
Versicherungsrechtstagung 1997, Koller [Hrsg.], S. 8 f., N. 6 in fine; Heinz
Hausheer, Unsorgfältige ärztliche Behandlung, in: Schaden - Haftung -
Versicherung, Münch/Geiser [Hrsg.], Handbücher für die Anwaltspraxis, 5. Bd.,
Basel 1999, § 15 N. 15.89, der die Unterhaltskosten bei fehlgeschlagener
Sterilisation als selbständigen Schadensposten neben dem Erwerbsausfall
aufführt; Isabelle Steiner, Das "Kind als Schaden" - ein Lösungsvorschlag,
ZBJV 2001, S. 646 ff./660, die aber die Leistung einer Genugtuungs- statt
einer Schadenersatzsumme als "sachgerechte Kompensationsform" vorschlägt).
Ein Teil der Lehre bejaht freilich einen vollen Ersatzanspruch nur bei
Vorliegen besonderer Umstände wie etwa bei schlechten finanziellen
Verhältnissen der Eltern (so Karl Oftinger/Emil W. Stark, Schweizerisches
Haftpflichtrecht, Allgemeiner Teil, 5. Aufl., 1995 Jahr, Bd. I, § 2 N. 54 f.;
Alfred Keller, Die Behandlung des Haftpflichtfalles durch die Versicherung,
in: Arzt und Recht, Wolfgang Wiegand [Hrsg.], Bern 1985, S. 137; Derselbe,
Haftpflichtrecht im Privatrecht, Bd. II, 2. Aufl. Bern 1998, S. 117 f.); bei
einer ledigen Mutter, deren Berufs- und Privatleben einschneidend verändert
wird; bei der Geburt eines behinderten Kindes, das viel Aufopferung mit
zusätzlichen Aufwendungen verlangt (Keller, Behandlung des Haftpflichtfalles,
a.a.O., S. 137; Derselbe, Haftpflichtrecht, a.a.O., S. 117 f.; Heinrich
Honsell, Schweizerisches Haftpflichtrecht, 4. Aufl., Zürich 2005, S. 9;
Thomas M. Mannsdorfer, Haftung für pränatale Schädigung des Kindes, ZBJV
2001, S. 621 f./629 f.; Derselbe, Pränatale Schädigung, Diss. Fribourg 2000,
S. 343 f./353 f.); oder schliesslich auch, wenn die Ehefrau durch die
ungewollte Schwangerschaft daran gehindert wird, einer - bereits
aufgenommenen oder in Aussicht stehenden - Arbeitstätigkeit nachzugehen (so
Keller, Behandlung des Haftpflichtfalles, a.a.O., S. 137; Derselbe,
Haftpflichtrecht, a.a.O., S. 117 f.).
Eine von zwei Autoren vertretene Minderheitsmeinung verneint den Anspruch auf
Schadenersatz für Unterhaltskosten in grundsätzlicher Weise - d.h. selbst für
ein (nicht geplantes) Kind, das behindert zur Welt kommt und besonderer
Pflege sowie Behandlung bedarf - und erachtet einen Ersatzanspruch solange
das Kindesverhältnis besteht nur für den Fall erwägenswert, dass sich niemand
findet, der das behinderte Kind zu adoptieren bereit ist (so Peter Weimar, in
SJZ 1986, S. 49; Derselbe, Schadenersatz für den Unterhalt eines nicht
erwünschten Kindes?, in: FS Hegnauer, Bern 1986, S. 651/654; zustimmend
Moritz Kuhn, Die rechtliche Beziehung zwischen Arzt und Patient, in: Heinrich
Honsell [Hrsg.], Handbuch des Arztrechts, Zürich 1994, S. 36). Diese beiden
Autoren verneinen bereits das Vorliegen eines Schadens mangels
Unfreiwilligkeit der Vermögenseinbusse, wogegen jener Teil der Lehre, der
einen Ersatzanspruch für Unterhaltskosten nur in besonderen Konstellationen
(Behinderung des Kindes, angespannte finanzielle Verhältnisse der Eltern
usw.) zulassen will, das Vorliegen eines Vermögensschadens mit der zitierten
überwiegenden Lehre ohne weiteres bejaht (Honsell, a.a.O., Haftpflichtrecht,
S. 9; Keller, Behandlung des Haftpflichtfalles, a.a.O., S. 136; Derselbe,
Haftpflichtrecht, S. 117; Mannsdorfer, a.a.O., ZBJV 2001, S. 629; Derselbe,
a.a.O., Pränatale Schädigung, S. 353; vgl. auch Oftinger/Stark, a.a.O., § 2
N. 46).
Schliesslich stützen zwei vom Beklagten in diesem Zusammenhang angeführte
Lehrmeinungen seinen Standpunkt in keiner Weise. Denn der eine Autor bezieht
an der vom Beklagten zitierten Stelle weder für noch gegen einen -
vertraglichen - Schadenersatzanspruch Stellung (Brehm, Berner Kommentar, 2.
Aufl., Bern 1998, N. 96a zu Art. 41 OR), während der andere sogar festhält,
aus dogmatischer Sicht spreche nichts gegen die Zusprechung von
Unterhaltskostenersatz, wenn die Eltern - wie vorliegend - auf Dauer kein
Kind mehr wollten (Roberto, a.a.O., § 29 N. 768 f.).

4.
Das schweizerische Obligationenrecht definiert den ersatzfähigen Schaden
nicht. Nach konstanter Rechtsprechung entspricht der haftpflichtrechtlich
relevante Schaden der Differenz zwischen dem gegenwärtigen - nach dem
schädigenden Ereignis festgestellten - Vermögensstand und dem Stand, den das
Vermögen ohne das schädigende Ereignis hätte (BGE 127 III 73 E. 4a mit
zahlreichen Hinweisen; vgl. statt vieler Brehm, a.a.O., N. 69 ff. zu Art. 41
OR; Oftinger/Stark, a.a.O., § 2 N. 9; Schnyder, Basler Kommentar, N. 3 zu
Art. 41 OR). Der Schaden ist die ungewollte bzw. unfreiwillige
Vermögensverminderung. Er kann in einer Vermehrung der Passiven, einer
Verminderung der Aktiven oder in entgangenem Gewinn bestehen (BGE 129 III 332
E. 2.1; 128 III 22 E. e/aa). Die Frage, ob die Vorinstanz ihrem Urteil einen
zutreffenden Rechtsbegriff des Schadens zugrunde gelegt hat, kann vom
Bundesgericht im Berufungsverfahren überprüft werden (BGE 128 III 22 E. 2e).

4.1 Das schädigende Ereignis (bzw. Verhalten) besteht vorliegend in der
Vertragsverletzung des Beklagten, der die Sterilisation vereinbarungswidrig
nicht vornahm. Die Klägerin ist als Mutter (ebenso wie ihr Ehemann als Vater)
gemäss Art. 276 Abs. 1 ZGB verpflichtet, für den Unterhalt des eigenen Kindes
aufzukommen (vgl. Peter Breitschmid, Basler Kommentar, N. 1 f. zu Art. 276
ZGB). Die gesetzliche Unterhaltspflicht ist eine Verbindlichkeit, die das
Vermögen der Klägerin schmälert. Diese Einbusse war nicht gewollt, sollte
durch die zum Zweck der Familienplanung vereinbarte Sterilisation doch gerade
vermieden werden, für die Unterhaltskosten eines weiteren Kindes aufkommen zu
müssen. Der Schutz vor dieser wirtschaftlichen Belastung war entsprechend dem
Willen der Klägerin Gegenstand des unter den Parteien geschlossenen, in der
Folge aber vom Beklagten nicht erfüllten Sterilisationsvertrages. Eine
unfreiwillige Vermögensverminderung ist somit gegeben. Die beinahe einhellige
Lehre bejaht denn auch, wie erwähnt (E. 3.3), das Vorliegen eines Schadens im
Sinne der Differenztheorie. Eine Minderheitsmeinung lehnt indessen - mit
unterschiedlichen Argumenten - die Zusprechung von Schadenersatz für die
Unterhaltskosten eines ungeplanten Kindes ab (vgl. E. 3.3). Im Folgenden sind
sowohl die vom Beklagten als auch von der Lehre ins Feld geführten Argumente
einer näheren Prüfung zu unterziehen:
4.2 Gegen die Zusprechung von Unterhaltsersatz wird zunächst angeführt,
aufgrund der Akzeptanz des ursprünglich ungewollten Kindes durch die Mutter
bzw. die Eltern liege keine unfreiwillige Vermögensminderung und damit kein
Schaden (mehr) vor (Weimar, SJZ 1986, S. 49; Derselbe, FS Hegnauer, S. 651
f.; zustimmend Kuhn, a.a.O., S. 36).
Dagegen wird zutreffend vorgebracht, dass mit der Sterilisation gerade die
Unterhaltskosten für ein weiteres Kind vermieden werden sollten. Das
schadensstiftende Ereignis (unterlassene Sterilisation) trat gegen den Willen
der Mutter bzw. der Eltern ein, was ausschliesst, die in der Folge erlittene
Vermögenseinbusse (Unterhaltsverpflichtung) als gewollt anzusehen (Thür,
a.a.O., S. 74; Rüetschi, a.a.O., S. 1368). Der Zweck der Familienplanung
besteht insbesondere auch darin, die Familiengrösse auf die jeweiligen
finanziellen Möglichkeiten abzustimmen (vgl. Hess, a.a.O., N. 48 zu Art. 1;
vgl. auch Oftinger/Stark, a.a.O., § 2 N. 46). Die Durchkreuzung der
Familienplanung stellt eine Verletzung der Entscheidungsfreiheit der Mutter
bzw. der Eltern dar, die als Persönlichkeitsverletzung qualifiziert wird
(Steiner, a.a.O., S. 657; Roberto, a.a.O., N. 486; Thür, a.a.O., S. 77/95;
vgl. auch Fellmann, ZBJV 1987, a.a.O., S. 325 f./334). Die durch die
vereinbarungswidrig unterlassene Sterilisation verursachte gesetzliche
Unterhaltsverpflichtung nach Art. 276 Abs. 1 ZGB ist ungewollt. Die
entsprechende Vermögenseinbusse ist ein Schaden im Rechtssinne.

4.3 Die Unfreiwilligkeit der mit der gesetzlichen Unterhaltsverpflichtung
verbundenen Vermögenseinbusse wird teilweise auch mit der Begründung
verneint, es bestehe die Möglichkeit einer Freigabe des Kindes zur Adoption
(so Weimar, SJZ 1986, S. 49; Derselbe, FS Hegnauer, S. 651 f.; zustimmend
Kuhn, a.a.O., S. 36) oder einer Abtreibung (so Honsell, a.a.O.,
Haftpflichtrecht, S. 9; vgl. auch Zivilgericht Basel-Stadt, Urteil vom 20.
Januar 1998, E. 3.3, BJM 1998, S. 135).
Dabei wird übersehen, dass nach Rechtsprechung und Lehre vom Geschädigten nur
zumutbare schadensabwendende bzw. -mindernde Massnahmen verlangt werden
können (BGE 107 Ib 155 E. 2b; 119 II 361 E. 5 b; Oftinger/Stark, a.a.O., § 6
N. 37 ff./§ 7 N. 16 f.; Brehm, a.a.O., N. 50 f. zu Art. 44 OR; Luterbacher,
Die Schadenminderungspflicht, Zürich 2005, S. 125 ff.; Weber, Die
Schadenminderungspflicht - eine metamorphe Rechtsfigur, in: Haftpflicht- und
Versicherungsrechtstagung 1999, Alfred Koller [Hrsg.], S. 139 ff.; Honsell,
a.a.O., Haftpflichtrecht, S. 106; Schwenzer, a.a.O., N. 16.15; Rey,
Ausservertragliches Haftpflichtrecht, 3. Aufl., Zürich 2003, N. 403 f.;
Gauch/Schluep/Schmid/Rey, Schweizerisches Obligationenrecht Allgemeiner Teil,
Bd. 2, 8. Aufl., Zürich 2003, N. 2741). Nach herrschender Lehre stellen aber
für die Mutter bzw. Eltern weder die Abtreibung des ungeborenen Kindes noch
dessen Freigabe zur Adoption eine zumutbare Massnahme zur Verhinderung bzw.
Verminderung der anfallenden Unterhaltskosten dar (Werro, Commentaire romand,
a.a.O., N. 27 zu Art. 41 OR; Derselbe, La responsabilité civile, a.a.O., § 1
N. 70; Fellmann, a.a.O., ZBJV 1987, S. 322; Keller, a.a.O., Haftpflichtrecht,
S. 117; Weber, a.a.O., S. 146/Fn. 36; Mannsdorfer, a.a.O., Pränatale
Schädigung, S. 359 f.; Rüetschi, a.a.O., S. 1371 f.; Thür, a.a.O., S. 83 ff.;
Schwenzer, a.a.O., N. 14.04; Steiner, a.a.O., S. 654 f.; Roberto, a.a.O., N.
763; Koller, a.a.O., S. 24; Tobler/Stolker, a.a.O., S. 1148; so auch der
deutsche Bundesgerichtshof, Urteil vom 18. März 1980, E. 6, NJW 1980, 1452;
gegen die Adoptionsfreigabe auch Oftinger/Stark, a.a.O., § 2 Fn. 68; vgl.
ferner Gauch, Grundbegriffe des ausservertraglichen Haftpflichtrechts, recht
1996, S. 239 Fn. 133).

4.3.1 Mit der Geburt des ursprünglich nicht geplanten Kindes entsteht
tatsächlich und rechtlich eine neue Situation (so auch Weimar, a.a.O., FS
Hegnauer, S. 651). Nach der Geburt des Kindes stellt dessen Weggabe durch
Adoption einen völlig anders gearteten Entscheid dar, als eine im Voraus
beschlossene präventive (abstrakte) Planungsmassnahme. Die Eltern können sich
im Allgemeinen aufgrund der mittlerweile entstandenen (konkreten) emotionalen
Bindung nicht mehr unbeschwert gegen das eigene Kind bzw. gegen dessen
Beibehaltung entscheiden (Thür, a.a.O., S. 76 f.; Rüetschi, a.a.O., S. 1372).
Es ist zwischen der Verhinderung einer vorläufig noch anonymen Vergrösserung
der Familie und der Ablehnung des konkreten Kindes mit seiner individuellen
Identität zu unterscheiden (Tobler/Stolker, a.a.O., S. 152; so auch der
Oberste Gerichtshof der Niederlande: Entscheid vom 21. Februar 1997, E. 3.9,
JZ 18/1997, 894). Die Freigabe zur Adoption stellt für die leiblichen Eltern
eine tiefgreifende, endgültige Massnahme dar, führen doch Schwangerschaft und
Geburt insbesondere bei der betroffenen Mutter zu einer erhöhten affektiven
Bindung an das Kind (Eichenberger, Die materiellen Voraussetzungen der
Adoption Unmündiger nach neuem schweizerischem Adoptionsrecht, Diss. Fribourg
1974, S. 89; Thür, a.a.O., S. 86 f.).
Die Adoption bedarf gemäss Art. 265a Abs. 1 ZGB der Zustimmung des Vaters und
der Mutter des Kindes. Das Recht, die Zustimmung zu erteilen oder zu
verweigern, ist ein höchstpersönliches Recht der Eltern (BGE 104 II 65 E. 3;
Eichenberger, a.a.O., S. 195; Hegnauer, Berner Kommentar, N. 15 zu Art. 265a
ZGB). Im Regelfall entspricht es dem natürlichen Bedürfnis der Eltern, das
Kind zu behalten und in der eigenen Familie aufzuziehen (Thür, a.a.O., S. 87;
Rüetschi, a.a.O., S. 1372; Eichenberger, a.a.O., S. 146 ff., insbes. S. 150
oben; vgl. auch Urteil des deutschen Bundesgerichtshofes vom 18. März 1980,
E. 2a, NJW 1980, 1454). Keinesfalls kann die Rechtsordnung vom Einzelnen die
Auflösung natürlicher Familienstrukturen zur Minderung eines
Schadenersatzbetrages verlangen (Roberto, a.a.O., N. 763; vgl. auch
Eichenberger, a.a.O., S. 149; Thür, a.a.O., S. 86 f.).
Die Lehrmeinung, die unter Hinweis auf die Adoptionsmöglichkeit die
Unfreiwilligkeit der Vermögenseinbusse verneint, betont zwar, es sei nicht
beabsichtigt, den Eltern eine Adoptionsfreigabe nahezulegen (Weimar, FS
Hegnauer, 652; vgl. auch Zivilgericht Basel-Stadt, Urteil vom 20. Januar
1998, E. 3.3, BJM 1998, S. 135). Dies ändert jedoch nichts daran, dass ihre
Auffassung die Einführung einer entsprechenden (unzulässigen) Obliegenheit
mit sich bringen würde (Rüetschi, a.a.O., S. 1371 Fn. 103/S. 1368; kritisch
auch Bommer, a.a.O., S. 667 f.; Schwenzer, a.a.O., N. 14.04; Thür, a.a.O., S.
84; Werro, Commentaire romand, a.a.O., N. 27 zu Art. 41 OR; Steiner, a.a.O.,
S. 655 f.).
Die Freigabe des Kindes zur Adoption ist als schadensmindernde Massnahme aus
den dargelegten Gründen in keinem Fall zumutbar (Oftinger/Stark, a.a.O., § 2
Fn. 68; Keller, a.a.O., Haftpflichtrecht, S. 117; Weber, a.a.O., S. 146/Fn.
36; Mannsdorfer, a.a.O., Pränatale Schädigung, S. 359; Rüetschi, a.a.O., S.
1371 f.; Thür, a.a.O., S. 85 ff.; Schwenzer, a.a.O., N. 14.04; Steiner,
a.a.O., S. 654 f.; Koller, a.a.O., S. 24; Tobler/Stolker, a.a.O., S. 1148;
Roberto, a.a.O., N. 763; Werro, Commentaire romand, a.a.O., N. 27 zu Art. 41
OR; Fellmann, a.a.O., ZBJV 1987, S. 322/334).

4.3.2 Mit der (ungewollten) Schwangerschaft verändert sich die rechtliche und
tatsächliche Ausgangslage ebenfalls. Die Lehre betont zu Recht, dass eine
Abtreibung ein ebenso folgenreiches wie tiefgreifendes Ereignis ist und für
die Schwangere als Eingriff in ein höchstpersönliches Recht unzumutbar ist
(Rüetschi, a.a.O., S. 1371 f.; Koller, a.a.O., S. 24; Keller,
Haftpflichtrecht, a.a.O., S. 117; Werro, Commentaire romand, a.a.O., N. 27 zu
Art. 41 OR).
Zwar bejahten im Jahre 1998 die Gerichte von Basel-Stadt die Zumutbarkeit
einer Abtreibung (Zivilgericht Basel-Stadt, Urteil vom 20. Januar 1998, E.
3.3, BJM 1998, S. 135; bestätigt vom Appellationsgericht Basel-Stadt, Urteil
vom 23. Oktober 1998, E. 3, BJM 2000, S. 309). Indessen ging es in jenem Fall
nicht wie hier um eine (aus Gründen der Familienplanung vorgesehene)
fehlgeschlagene Sterilisation, sondern um einen - auf dem freien Willen der
Mutter beruhenden - fehlgeschlagenen Abtreibungsversuch. Die Situation einer
Frau, die sich für eine Abtreibung entschieden hat, ist in Bezug auf die
Zumutbarkeit eines erneuten Eingriffs zum Schwangerschaftsunterbruch nicht
mit jener im vorliegenden Fall vergleichbar. Das Appellationsgericht - das
die Zumutbarkeit einer zweiten Abtreibung bestätigte - betonte denn auch,
dass die Klägerin und Mutter nicht wegen einer misslungenen Sterilisation
schwanger geworden sei (Urteil vom 23. Oktober 1998, a.a.O., E. 4, S. 311).
Damit liess das Gericht offen, ob es einen Schadenersatzanspruch bei
Sterilisationsfehlern anerkennen würde (worauf Mannsdorfer, a.a.O., ZBJV
2001, S. 629 Fn. 107, hinweist; zur harschen Kritik des
Appellationsgerichtsurteils aus strafrechtlicher Sicht vgl. Bommer, Pflicht
zur Abtreibung als Pflicht zur Schadensminderung?, ZBJV 2001, S. 664 ff.;
kritisch auch Steiner, a.a.O., S. 656; sowie Roberto, a.a.O., N. 763).
Eine Abtreibungsobliegenheit ist im Hinblick auf den verfassungsrechtlichen
Schutz der individuellen Selbstbestimmung abzulehnen, der dem Einzelnen einen
Anspruch verleiht, die wesentlichen Aspekte seines Lebens selber zu gestalten
(Art. 10 Abs. 2 BV; Jörg Paul Müller, Grundrechte in der Schweiz, 3. Aufl.,
Bern 1999, S. 42/64 f.; vgl. auch Bommer, a.a.O., S. 668 Fn. 18). Ein
Kerngehalt dieses Rechts ist der Anspruch der Frau, selber - frei - über
einen Schwangerschaftsabbruch zu entscheiden (vgl. J.p. Müller, a.a.O., S.
53/64 f.; Steiner, a.a.O., S. 655; Thür, a.a.O., S. 84). Die Zumutbarkeit
einer Abtreibung als schadensabwendende Massnahme wird von der nahezu
einhelligen Lehre zu Recht abgelehnt (Fellmann, ZBJV 1987, S. 322/334, der
dies als "ruchlose Zumutung" bezeichnet; ablehnend sogar Weimar, FS Hegnauer,
a.a.O., S. 651, der von "schändlich" spricht; vgl. auch Werro, Commentaire
romand, a.a.O., N. 27 zu Art. 41 OR ["choquant"]; ebenfalls ablehnend Koller,
a.a.O., S. 24; Weber, a.a.O., S. 146; Mannsdorfer, a.a.O., Pränatale
Schädigung, S. 359; Roberto, a.a.O., N. 763; Schwenzer, a.a.O., N. 14.04;
Keller, a.a.O., Haftpflichtrecht, S. 117; Rüetschi, a.a.O., S. 1371 f.;
Steiner, a.a.O., S. 654 f.; Thür, a.a.O., S. 83 f.; Tobler/Stolker, a.a.O.,
S. 1148; a.M. Honsell, a.a.O., Haftpflichtrecht, S. 9).

4.3.3 Die Vorinstanz hat bundesrechtskonform sowohl die Adoptionsfreigabe wie
auch die Abtreibung als in keinem Falle zumutbare Massnahmen zur
Schadensminderung bzw. -abwendung erachtet, wobei zudem im vorliegenden Fall
die heutige Fristenregelung zum fraglichen Zeitpunkt noch nicht in Kraft war.
Der Beklagte macht zu Recht nicht geltend, die Klägerin sei ihrer
Schadensminderungspflicht nicht nachgekommen.

4.4 Gegen die Zusprechung von Schadenersatz für Unterhaltskosten wird zum
Teil auch vorgebracht, die Geburt eines Kindes könne keinen Schaden
darstellen (Bezirksgericht Arbon, Urteil vom 16. Oktober 1985, E. 2, in SJZ
1986, S. 47 f.; zustimmend Weimar, SJZ 1986, S. 48 f.; Mannsdorfer, Pränatale
Schädigung, a.a.O., S. 353 f.). Jedenfalls könne die Geburt eines gesunden,
ehelichen Kindes kein Schaden sein, weil dies einer der Zwecke der Ehe sei
(Oftinger, Schweizerisches Haftpflichtrecht, Bd. I, Zürich 1975, S. 62).

4.4.1 Bei dieser Argumentation wird verkannt, dass es im vorliegenden
Zusammenhang um die durch die planwidrige Geburt eines Kindes ausgelöste
Unterhaltsbelastung der Eltern geht, die durch die Sterilisation vermieden
werden sollte. Den Schaden stellt nicht das Kind selbst dar, sondern die
gesetzliche Unterhaltsverpflichtung der Eltern gemäss Art. 276 Abs. 1 ZGB
(Thür, a.a.O., S. 100; Steiner, a.a.O., S. 649 f.; Mainardi-Speziali, a.a.O.,
S. 152 f.; Rüetschi, a.a.O., S. 1367; Schaer, a.a.O., S. 78; Fellmann,
a.a.O., ZBJV 1987, S. 322 f.; Roberto, a.a.O., N. 771; vgl. auch
Tobler/Stolker, a.a.O., S. 1151; Monot, a.a.O., S. 71; Werro, a.a.O., N. 27
zu Art. 41; Schwenzer, a.a.O., N. 14.04; ebenso die Praxis des deutschen BGH:
Urteil vom 18. März 1980, E. 2, NJW 1980, 1451; Urteil vom 16. November 1993,
E. 3, NJW 1994, S. 791; sowie des Obersten Gerichtshofes der Nieder-lande:
vgl. Entscheid vom 21. Februar 1997, E. 3.8, JZ 18/1997, 893). Die Wendung
"Kind als Schaden" ist eine schlagwortartige und "daher juristisch
untaugliche Vereinfachung" (Urteil des BGH vom 18. März 1980, E. 2a, NJW
1980, 1451), worauf auch die Vorinstanz zu Recht hinweist.

4.4.2 In der Lehre wird zutreffend betont, dass die Zusprechung von
Schadenersatz für die (ungewollte) finanzielle Belastung der Eltern in keiner
Weise ein den Grundwerten unserer Gesamtrechtsordnung widersprechendes
Unwerturteil über das Kind beinhaltet und dessen Würde nicht verletzt (Thür,
a.a.O., S. 100; Rüetschi, a.a.O., S. 1367; Steiner, a.a.O., S. 660; ebenso
der deutsche BGH: Urteil vom 16. November 1993, E. 3c, NJW 1994, 792; sowie
der niederländische Oberste Gerichtshof: Entscheid vom 21. Februar 1997, E.
3.8, JZ 18/1977, 893). Das Leben und die Persönlichkeit des Kindes sind
unantastbare Rechtsgüter. Dass die Geburt eines Kindes oder dessen Existenz
als Mensch nicht als Schaden betrachtet werden kann, ist eine
Selbstverständlichkeit (Rüetschi, a.a.O., S. 1366; Steiner, a.a.O., S.
649/660; Mainardi-Speziali, a.a.O., S. 152; Keller, a.a.O., Haftpflichtrecht,
S. 117; Honsell, a.a.O., Haftpflichtrecht, S. 9; Thür, a.a.O., S. 71/100).
Dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass die infolge der vertragswidrig
unterlassenen Sterilisation erfolgte Geburt eines Kindes Unterhaltskosten
nach sich zieht und diese finanzielle Belastung nach fast einhelliger Lehre
für die von Gesetzes wegen dafür aufzukommenden Eltern einen Vermögensschaden
darstellt (E. 3.3). Zu Recht wird auch hervorgehoben, dass es nichts
Aussergewöhnliches ist, in Arzthaftungsfällen Schadenersatz in Höhe der
Unterhaltskosten zuzusprechen. Das Grossziehen eines Kindes wird auch in
anderen Lebensbereichen (z.B. bei Scheidungen und Unterhaltsverfahren) in
Geld berechnet und insofern kommerzialisiert (Wiegand, a.a.O., Der
Arztvertrag, S. 94; vgl. auch Ott, a.a.O., S. 84; Schwenzer, a.a.O., N.
14.04; Tobler/Stolker, a.a.O., S. 1151).
Die Menschenwürde des ungeplanten Kindes steht einer schadenersatzrechtlichen
Betrachtungsweise nicht entgegen. Insbesondere verletzt die Zusprechung von
Unterhaltsersatz die Würde des Kindes nicht (vgl. Roberto, a.a.O., N. 764;
ebenso der niederländische Oberste Gerichtshof: Entscheid vom 21. Februar
1997, E. 3.8, JZ 18/1977, 893; so auch der erkennende Erste Senat des
deutschen Bundesverfassungsgerichts: Beschluss vom 12. November 1997, E. B
II. 3, NJW 1998, 521). Die Zusprechung von Schadenersatz dient im Gegenteil
dem Kindeswohl, kann doch mit der finanziellen Sicherung die möglichst
optimale Entwicklung des Kindes im natürlichen Familienverband unter
gleichzeitiger Entlastung der Eltern zugunsten der gesamten Familie -
einschliesslich des (zusätzlichen) Kindes - sichergestellt werden (vgl.
Entscheid des Obersten Gerichtshofes der Niederlande vom 21. Februar 1997, E.
3.8, JZ 18/1977, 893; Rüetschi, a.a.O., S. 1376; Monot, a.a.O., S. 71).
Das Kindeswohl geniesst Verfassungsrang und gilt in der Schweiz als oberste
Maxime des Kindesrechts in einem umfassenden Sinn (Art. 11 Abs. 1 BV; BGE 129
III 250 E. 3.4.2; vgl. auch Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens über die Rechte
des Kindes, KRK, SR 0.107; Affolter, Basler Kommentar, N. 14 zu Art. 405 ZGB;
Hegnauer, Grundriss des Kindesrechts, 5. Aufl., Bern 1999, N. 26.04a;
Brauchli, Das Kindeswohl als Maxime des Rechts, Diss. Zürich 1982, S. 173,
190 ff., insb. 196/198). Namentlich verpflichtet Art. 11 Abs. 1 BV als
soziales Grundrecht der Kinder (auf besonderen Schutz und Förderung ihrer
Entwicklung) die rechtsanwendenden Instanzen, bei der Anwendung von Gesetzen
den besonderen Schutzbedürfnissen von Kindern Rechnung zu tragen (BGE 126 II
377 E. 5d S. 391; Aubert/Mahon, Petit commentaire de la Constitution fédérale
de la Confédération suisse, Zürich 2003, N. 4 zu Art. 11 BV; Reusser/Lüscher,
St. Galler Kommentar, 2002, N. 13 zu Art. 11 BV; vgl. auch Brauchli, a.a.O.,
S. 50/196; Hegnauer, a.a.O., Grundriss des Kindesrechts, N. 26.04a und Art. 3
Abs. 1 KRK).
Die Vorinstanz hat im angefochtenen Urteil zu Recht die Frage aufgeworfen, ob
nicht im Gegenteil die Befreiung des Beklagten von der Haftung für
Unterhaltsersatz trotz der haftungsbegründenden Vertragsverletzung dem Wohl
des Kindes (und der Familie) zuwiderlaufen würde. Entgegen der Ansicht des
Beklagten hat die Vorinstanz die gesellschaftspolitische Tragweite der
Unterhaltsfrage genügend gewichtet. Sie hat einen entsprechenden Anspruch der
Eltern nach Abwägung der angeführten Argumente und Gegenargumente - im
Interesse des Kindeswohls - zutreffend bejaht.

4.5 Gegen die Zusprechung von Unterhaltsersatz wird teilweise auch angeführt,
das Kind würde früher oder später durch die Erkenntnis belastet, dass es von
den Eltern nicht erwünscht war und Anlass zu einem Schadenersatzprozess gab
(Keller, a.a.O., Behandlung des Haftpflichtfalles, S. 136; Mannsdorfer,
a.a.O., Pränatale Schädigung, S. 355).
Dagegen ist zunächst einzuwenden, dass die Befürchtung einer
psychisch-emotionalen Schädigung des Kindes keineswegs gesicherten
Erkenntnissen entspricht (Urteil des BGH vom 18. März 1980, E. 4, NJW 1980,
1451; Rüetschi, a.a.O., S. 1373). Ausserdem kann das Erleiden eines
eigentlichen Jugendtraumas in der Regel ohnehin ausgeschlossen werden (vgl.
Mannsdorfer, Pränatale Schädigung, a.a.O., S. 355 mit Nachweisen). Vor allem
aber geht es nicht an, dass der Schädiger sich unter dem Vorwand einer
Rücksichtnahme auf (mögliche) psychische Folgereaktionen des Kindes seiner
Haftpflicht entzieht (vgl. Urteil des BGH vom 18. März 1980, E. 4, NJW 1980,
1451).
Im Wissen um das ursprüngliche Ungeplantsein leben etliche Kinder, ohne
deshalb im Allgemeinen traumatisiert oder psychisch-emotional geschädigt zu
sein (vgl. Rüetschi, a.a.O., S. 1373 mit Hinweisen). Jedes Kind, das zehn
Jahre nach seinen Geschwistern zur Welt kommt, kann sich ausrechnen, dass es
ursprünglich nicht geplant (bzw. gewollt) war; gleich verhält es sich bei
einem zur Adoption freigegebenen Kind; ebenso wird ein Kind einer ledigen
Mutter, die den Vater für Unterhaltsbeiträge gerichtlich belangen muss,
annehmen, dass es dem Vater nicht willkommen war (vgl. Tobler/Stolker,
a.a.O., S. 1151). Es wird denn auch darauf hingewiesen, dass die Welt von
Kindern wimmelt, "die man nicht wollte und später um keinen Preis hergäbe"
(Keller, a.a.O., Behandlung des Haftpflichtfalles, S. 136).
Die Aufklärung des Kindes darüber, dass es (ursprünglich) ungeplant war und
sein Unterhalt von einem Dritten (teil-)finanziert wurde, liegt ausserdem in
der Verantwortung der Eltern. Allfällige spätere psychische Schwierigkeiten
für das Kind bei Kenntnisnahme der Belangung des Dritten sind ein
Gesichtspunkt, der nicht von der Rechtsordnung, sondern von den Eltern vor
Geltendmachung des Schadenersatzanspruchs zu berücksichtigen ist
(Oftinger/Stark, a.a.O., § 2 N. 53; so auch der niederländische Oberste
Gerichtshof: Entscheid vom 21. Februar 1997, E. 3.9, JZ 18/1997, 894; ebenso
der deutsche BGH: Urteil vom 18. März 1980, E. 4, NJW 1980, 1451; a.M.
Steiner, a.a.O., S. 652). Zu Recht wird auch darauf hingewiesen, das Kind
dürfte von einem gewissen Alter an - namentlich bei finanzieller Bedrängnis
der Eltern - einsichtsfähig genug sein, um zu begreifen, dass nicht seine
Existenz, sondern die finanzielle Belastung der Eltern mit der
Unterhaltsverpflichtung den Grund für die rechtliche Belangung des Dritten
bildete (vgl. Steiner, a.a.O., S. 653; vgl. auch Entscheid des Obersten
Gerichtshof der Niederlande vom 21. Februar 1997, E. 3.9, JZ 18/1997, 894).
Insgesamt sprechen mindestens so gute Gründe dafür, dass die Nichtgewährung
von Unterhaltsersatz unter Umständen negative Auswirkungen für das Kind und
seine Psyche zeitigen kann. Namentlich könnten die Eltern (und Geschwister)
das Kind aufgrund der durch seine Geburt bedingten finanziellen Einengung der
Familie als ungewollte Belastung empfinden, was eine positive Einstellung
gegenüber dem zusätzlichen Kind erschweren und die Beziehung belasten würde
(vgl. Rüetschi, a.a.O., S. 1372 f.; Monot, a.a.O., S. 71). Demgegenüber liegt
die Zuerkennung von Unterhaltsersatz, wie dargelegt, im Interesse des Kindes
sowie der gesamten Familie und kann deshalb zur gesunden psychischen
Entwicklung des Kindes beitragen (vgl. auch Tobler/Stolker, a.a.O., S. 1150
ff.; Thür, a.a.O., S. 101; so auch der deutsche BGH: vgl. Urteil vom 18. März
1980, E. 4, NJW 1980, 1451; sowie Urteil vom 16. November 1993, E. 3c, NJW
1994, 792; ebenso der niederländische Oberste Gerichtshof: Entscheid vom 21.
Februar 1997, E. 3.8, JZ 18/1997, 893).
Allfällige psychische Probleme des Kindes infolge des ursprünglichen
Unerwünschtseins lassen sich jedenfalls nicht mit der Verneinung eines
Schadenersatzanspruchs lösen und vermögen die Verweigerung von
Unterhaltsersatz nicht zu rechtfertigen (vgl. Tobler/Stolker, a.a.O., S.
1151; Hess, a.a.O., N. 49 zu Art. 1; Rüetschi, a.a.O., S. 1372 f.; Werro,
a.a.O., La responsabilité civile, S. 23 f.; Monot, a.a.O., S. 71). Die
Vorinstanz erwog zutreffend, dass der Zuerkennung von Unterhaltsersatz nichts
Anrüchiges anhafte, zumal auch die öffentliche Hand ebenso wie private
Arbeitgeber als Dritte in Anspruch genommen würden, um Eltern bei der
Erfüllung ihrer gesetzlichen Unterhaltspflicht durch Kinderzulagen und
Kinderzusatzrenten zu unterstützen.

4.6 Weiter wird gegen die Zusprechung von Unterhaltsersatz zum Teil
eingewandt, die Eltern wollten eine "Elternschaft zum Nulltarif" erlangen
(Weimar, FS Hegnauer, a.a.O., S. 652). Dieser Vorwurf erweist sich ebenfalls
als unbegründet. Denn die Elternschaft ist nicht auf die Erbringung
finanzieller Leistungen beschränkt. Vielmehr haben die Eltern gegenüber dem
Kind auch andere Verpflichtungen zu erfüllen (Erziehung, Pflege, Fürsorge,
Hausarbeit usw.), die sie in zeitlicher Hinsicht beträchtlich belasten und
von denen sie durch die Zusprechung von Unterhaltsersatz nicht befreit werden
(Tobler/Stolker, a.a.O., S. 1152; Rüetschi, a.a.O., S. 1370;
Forschungsbericht Nr. 10/98, Bundesamt für Sozialversicherung [Hrsg.],
Kinder, Zeit und Geld - Eine Analyse der durch Kinder bewirkten finanziellen
und zeitlichen Belastungen von Familien und der staatlichen
Unterstützungsleistungen in der Schweiz Mitte der Neunziger Jahre, Bern 1998,
S. VII/IX, 144/185/188).
Die Vorinstanz hat denn auch den von der Klägerin geltend gemachten Posten
"Pflege und Erziehung" abgezogen, da die persönliche elterliche Fürsorge für
das eigene Kind im Rahmen des Schadenersatzes nicht abzugelten sei. Die Höhe
der von der Vorinstanz als Ersatz für die durch tatsächliche Ausgaben
bedingten durchschnittlichen Unterhaltskosten (für das dritte Kind der
Klägerin bis zum 18. Lebensjahr) wird im vorliegenden Verfahren nicht
beanstandet. Es kann daher offen bleiben, nach welchen Kriterien der Schaden
zu berechnen ist. Immerhin ist festzuhalten, dass gute Gründe bestehen,
Unterhaltsersatz - wie im angefochtenen Urteil - nur für effektive Auslagen
zu gewähren und dabei allenfalls auf den durchschnittlichen Grundunterhalt
abzustellen (vgl. Tobler/Stolker, a.a.O., S. 1152; vgl. auch Urteil des BGH
vom 18. März 1980, E. 4, NJW 1980, 1455 f.). Der Anspruch auf
Unterhaltsersatz besteht aber bei gegebenen Haftungsvoraussetzungen in jedem
Fall, d.h. unabhängig von den jeweiligen finanziellen Verhältnissen der
Eltern, der Berufstätigkeit oder dem Zivilstand der Mutter (vgl. Thür,
a.a.O., S. 99; Fellmann, a.a.O., AJP 1995, S. 880; Rüetschi, a.a.O., S. 1375;
Roberto, a.a.O., N. 760).

4.7 Der Beklagte bringt schliesslich vor, die Unterhaltsregelung des
Zivilgesetzbuches sei abschliessend und die Unterhaltspflicht eine Folge des
Kindesverhältnisses, die untrennbar mit der rechtlichen Zuordnung des Kindes
zu seinen Eltern verknüpft sei (so auch Weimar, a.a.O., FS Hegnauer, S. 646).
Mit diesem Vorbringen verkennt der Beklagte, dass sich die vorliegend in
Frage stehende Arzthaftung infolge fehlgeschlagener Sterilisation, wie
ausgeführt, nach Vertragsrecht beurteilt (d.h. nach Art. 398 i.V.m. Art. 97
OR). Er übersieht, dass das Bundesgesetz über das Obligationenrecht den
fünften Teil des ZGB bildet und die beiden Erlasse materiell eine Einheit
bilden. Die Trennung ist bloss formeller Natur; die Bestimmungen des OR und
ZGB finden - sinngemäss - gegenseitig Anwendung (vgl. Riemer, Die
Einleitungsartikel des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, 2. Aufl., Bern
2003, S. 141/144; Schmid, Basler Kommentar, N. 1/2 ff. zu Art. 7 ZGB; BGE 131
III 106 E. 1.2; 127 III 1 E. 3a/bb; zur Anwendung der Bestimmungen über die
Geschäftsführung ohne Auftrag im Zusammenhang mit der elterlichen
Unterhaltspflicht vgl. BGE 123 III 161 E. 4c; vgl. ferner BGE 101 II 47 E. 2
S. 53).
Zwar wird das interne Verhältnis zwischen Eltern und Kind durch das ZGB
geregelt; indessen sollen mit dieser Regelung keineswegs
Schadenersatzansprüche der Eltern gegenüber Dritten aus Vertrag oder
unerlaubter Handlung ausgeschlossen werden. Sind die
Tatbestandsvoraussetzungen einer Haftungsnorm des OR erfüllt, besteht auch
ein entsprechender Anspruch (vgl. bereits BGE 72 II 171 E. 2 S. 174; ebenso
die Praxis des BGH: Urteil vom 18. März 1980, E. 2b, NJW 1980, 1451; vgl.
auch Thür, a.a.O., S. 99 f.).

Wie die Vorinstanz zutreffend erwog, ist die Klägerin sowie ihr Ehemann
aufgrund der gemeinsam unterzeichneten Operationsvollmacht Vertragspartei im
Rahmen des dem Chefarzt als Vertreter des Beklagten erteilten Auftrags zur
Durchführung der Eileiterunterbindung (vgl. Fellmann, a.a.O., ZBJV 1987, S.
329; Bezirksgericht Arbon, Urteil vom 16. Oktober 1985, E. 1, in SJZ 1986, S.
47; Monot, a.a.O., S. 71; Keller, Behandlung des Haftpflichtfalles, S. 137).
Da der Ehemann seine Ansprüche der Klägerin unbestrittenermassen abtrat, ist
diese gegenüber dem Beklagten zur umfassenden Geltendmachung von
Schadenersatzansprüchen aus der auftragswidrig unterlassenen Sterilisation
berechtigt. Die Rüge des Beklagten ist unbegründet.

4.8 Die Verneinung des Anspruchs in Fällen wie dem vorliegenden würde zu
einer sachlich nicht zu rechtfertigenden Sonderregelung für Ärzte bei
Sterilisationsfehlern führen. Ist ein Vertrag auf ein von der Rechtsordnung
erlaubtes Ziel wie die Sterilisation gerichtet, so hat der Arzt für einen von
ihm im Rahmen der Vertragserfüllung zu vertretenden Fehler, durch den das
Behandlungsziel nicht erreicht wird, einzustehen (vgl. BGE 120 Ib 411 E. 4a
S. 413; Fellmann, Berner Kommentar, N. 380/387 zu Art. 398 OR). In der Lehre
wird zutreffend betont, dass nicht einzusehen ist, weshalb die grundsätzliche
Haftung des Arztes für fahrlässige Schädigungen gerade bei einer misslungenen
Sterilisation nicht greifen sollte (Ott, a.a.O., S. 84; zustimmend Rüetschi,
a.a.O., S. 1375; Tobler/Stolker, a.a.O., S. 1154; Schwenzer, a.a.O., N.
14.04; sowie der niederländische Oberste Gerichtshof, Entscheid vom 21.
Februar 1997, E. 3.7, JZ 18/1997, 893; vgl. auch Werro, Commentaire romand,
a.a.O., N. 27 zu Art. 41).
Die Haftung für ärztliche Behandlungsfehler mit Rücksicht auf ein dadurch
bewirktes Ansteigen der Prämien der Haftpflichtversicherung der Ärzte bzw.
Spitäler zu verneinen, ist ebenfalls ausgeschlossen (so aber Mannsdorfer,
a.a.O., Pränatale Schädigung, S. 356; klar ablehnend hingegen Roberto,
a.a.O., N. 764; sowie Tobler/Stolker, a.a.O., S. 1154). Ebenso wenig vermag
aus haftpflichtrechtlicher Sicht die Argumentation des englischen House of
Lords zu überzeugen, die eine Überbeanspruchung des staatlichen
Gesundheitssystems Englands zu verhindern bezweckt. Im erwähnten Entscheid
wurde ein Unterhaltsanspruch für ein gesundes Kind unter anderem deshalb
verneint, weil dies angesichts der knappen Mittel des National Health Service
die öffentliche Meinung darüber, wie öffentliche Mittel im Rahmen des
staatlichen Gesundheitssystems zu verteilen sind, verletzen würde (Urteil des
House of Lords i.S. Rees v. Darlington Memorial Hospital NHS Trust [2003/UKHL
52] vom 16. Oktober 2003).
Abzulehnen ist auch die vom österreichischen Obersten Gerichtshof getroffene
Unterscheidung zwischen behindertem und gesundem Kind. Der OGH betont, es sei
zu befürchten, das behinderte Kind bekomme die mangelnde Akzeptanz noch mehr
zu spüren, wenn die Eltern die finanziellen Belastungen voll zu tragen hätten
und die Leistung von Schadenersatz diesem dienlich sein könne, weil dadurch
die wirtschaftliche Lage seiner Eltern verbessert werde (Entscheid des OGH
vom 25. Mai 1999, JBl/Wien 121/1999, 598). Nicht einzusehen ist, weshalb es
sich bei einem gesunden Kind anders verhalten sollte. Die Differenzierung des
OGH zwischen behindertem und gesundem Kind wird denn auch als aus
schadenersatzrechtlicher Sicht nicht überzeugend und von einer
behindertenfeindlichen "Mitleidsmoral" geprägt kritisiert (Bernat, JBl/Wien
126/2004, 316 f.; vgl. auch Rebhahn, JBl/Wien 122/2000, 267; gegen die
Unterscheidung auch Thür, a.a.O., S. 99).
Schliesslich kann die Freude der Eltern an der Geburt des Kindes nicht im
Sinne einer Vorteilsanrechnung in die Schadensberechnung einbezogen und von
den Unterhaltskosten abgezogen werden, zumal die Freude als immaterieller
Wert nicht quantifizierbar ist (vgl. Roberto, a.a.O., N. 763; Schwenzer,
a.a.O., N. 14.04; vgl. auch Werro, a.a.O., La responsabilité civile, S. 24).
Aus dem Dargelegten folgt, dass die gegen den Ersatz der Unterhaltskosten
angeführten Argumente nicht stichhaltig sind. Die Vorinstanz hat kein
Bundesrecht verletzt, indem sie die Ersatzpflicht des Beklagten für die
Unterhaltskosten des dritten Kindes der Klägerin bejahte. Die Rüge ist
unbegründet und der Eventualantrag abzuweisen.

5.
Subeventuell rügt der Beklagte, die Vorinstanz habe die Unterhaltskosten für
das Kind mit 2,5 % statt mit 3,5 % kapitalisiert, was eine Verletzung von
Bundesrecht darstelle. Damit wendet er sich gegen die von der Vorinstanz
angewandten (rechtlichen) Berechnungsgrundsätze. Diese Rüge kann mit Berufung
erhoben werden (BGE 127 III 73 E. 3c; 126 III 388 E. 8a).

5.1 Die Vorinstanz hat die errechneten Unterhaltsbeiträge wegen der relativ
kurzen Laufzeit und der tiefen Zinsen mit 2,5 % kapitalisiert. Dabei hat sie
sich auf das Handbuch zur Anwendung der Barwerttafeln von Schaetzle/Weber
bzw. das einschlägige Anwendungshandbuch gestützt (vgl. Marc
Schaetzle/Stephan Weber, Kapitalisieren, Handbuch zur Anwendung der
Barwerttafeln, Zürich 2001, Beispiel 47a, S. 284; zur Ermittlung des
jeweiligen Faktors vgl. Wilhelm Stauffer/Marc Schaetzle, Barwerttafeln, 5.
Aufl., Zürich 2001, Tafel 48, S. 460 f.).
5.2 Die Vorinstanz hat in Abweichung von BGE 125 III 312 statt 3,5 % einen
Kapitalisierungszinsfuss von 2,5 % angewandt. Im erwähnten Entscheid wurde
einlässlich dargelegt, dass es die Rechtssicherheit gebietet, die langjährige
ständige Rechtsprechung seit BGE 72 II 132 namentlich im Bereich der
Schadensberechnung nur zu ändern, wenn sichere Anzeichen dafür bestehen, dass
ein Realertrag von 3,5 % auf Kapitalabfindungen in absehbarer Zukunft nicht
zu verwirklichen ist, und sich mit hinreichender Gewissheit sagen lässt, dass
der seit 1946 angewandte Kapitalisierungszinsfuss mit dem Grundsatz des
vollen Schadensausgleichs unvereinbar ist. In Würdigung der Aussagen von
Experten ging das Bundesgericht im genannten Entscheid davon aus, dass ein
realer Ertrag von 3,5 % jedenfalls seit Mitte der achtziger Jahre im Rahmen
dessen liegt, was sich mit einem angemessen gemischten
Wertschriften-Portefeuille oder mit Anteilen an einem auf eine vorsichtige
Anlagestrategie ausgerichteten Anlagefonds erzielen lässt. Das Bundesgericht
sah damals keine hinreichend sicheren Anhaltspunkte dafür, dass sich die
Ertragslage solcher Anlagen in absehbarer Zukunft nicht mehr werde halten
können (BGE 125 III 312 E. 7).
Diese Rechtsprechung stiess in der Lehre auf Kritik, namentlich im Hinblick
auf die Entwicklung des BVG-Mindestzinssatzes, der vom Bundesrat für das Jahr
2003 von 4 % auf 3,25 % und für 2004 um ein weiteres Prozent auf 2,25 %
herabgesetzt wurde (Art. 12 der Verordnung über die berufliche Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge vom 18. April 1984 [SR 831.44.1; BVV
2]; Beck, Senkung des Kapitalisierungszinsfusses angezeigt, HAVE 2002, S. 391
ff.; Sidler, Kapitalisierungszinsfuss 3,5 %: Das Ende einer Illusion, HAVE
2002, S. 388 ff.; Schaetzle, Versicherungen und Anwälte im Clinch -
Auswirkungen des allgegenwärtigen Kostendrucks, Anwaltsrevue 5/2004, S. 174).
Die Ablehnung einer Praxisänderung durch das Bundesgericht stiess aber vor
allem aus Gründen der Rechtssicherheit auch auf Zustimmung (Fellmann/Bazzani,
Kapitalisierungszinsfuss und Rechtssicherheit - ein Diskussionsbeitrag, HAVE
2003, S. 161 ff.; Chappuis, Le taux de capitalisation en responsabilité
civile ou les incertitudes de la prévisibilité économique face à la sécurité
du droit, HAVE 2003, S. 158 ff.).
Nach dem erwähnten Leitentscheid im Jahre 1999 ereigneten sich zwar Einbrüche
auf den Finanzmärkten. Im Jahre 2003 zeichnete sich jedoch wieder eine
Erholung ab. Im Juni 2004 bestätigte das Bundesgericht daher seine konstante
Praxis zum Kapitalisierungszinsfuss von 3,5 % (Urteil 4C.3/2004 vom 22. Juni
2004, E. 2). Es erwog, dass aufgrund der Entwicklung in der seit BGE 125 III
312 vergangenen relativ kurzen Zeitspanne sich nicht zuverlässig
prognostizieren lasse, dass ein realer Ertrag von 3,5 % auf längere Dauer
nicht mehr erzielt werden kann; ausserdem vermöge die Herabsetzung des
BVG-Mindestzinssatzes nichts an den juristischen Überlegungen zu ändern, die
für das Bundesgericht im genannten Leitentscheid (vgl. BGE 125 III 312 E. 5b,
7) letztlich den Ausschlag gaben (Urteil 4C.3/2004 vom 22. Juni 2004, E.
2.3). Der BVG-Mindestzinssatz wird gemäss Art. 15 BVG mindestens alle zwei
Jahre überprüft und wenn nötig vom Bundesrat angepasst. Eine solche
Flexibilisierung des anwendbaren Zinssatzes ist im Bereich der
Schadensberechnung aber im Hinblick auf die erforderliche Rechtssicherheit
nicht möglich (BGE 125 III 312 E. 4b; Fellmann/Bazzani, a.a.O., S. 164). Die
Kapitalisierung beruht zwar zwangsläufig auf Hypothesen über Entwicklungen,
die in der Zukunft liegen und zu denen auch die künftigen Kapitalerträge
gehören; indessen ist das Aufstellen verlässlicher Prognosen hinsichtlich der
künftigen Zinsentwicklung mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden (BGE 125
III 312 E. 4b). Die Kapitalerträge folgen den Konjunkturschwankungen. Der
Kapitalisierungszinsfuss kann jedoch nicht laufend den wirtschaftlichen
Gegebenheiten angepasst werden. Andernfalls wären verlässliche Schätzungen
der Schadenssummen sowohl für die Haftpflichtigen als auch die Geschädigten
nicht mehr möglich. Ein variabler Zinssatz würde zudem dazu führen, dass die
Höhe des zu leistenden Schadenersatzes durch Prozessverzögerung oder
-beschleunigung beeinflusst werden könnte. Dies wäre mit dem Gebot der
Rechtssicherheit unvereinbar, besteht doch gerade im Bereich des
Schadenersatzrechts ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Kalkulierbarkeit (BGE 125
III 312 E. 5b).

5.3 Aus dem Angeführten folgt, dass kein Anlass besteht, von der dargelegten
konstanten Praxis abzuweichen. Die Klägerin bringt auch keine Argumente vor,
die eine solche Praxisänderung nahe legen würden, sondern beschränkt sich auf
die Wiedergabe der Erwägung der Vorinstanz. Die von dieser vorgenommene
Kapitalisierung mit 2,5 % verstösst gegen Bundesrecht.

5.4 Der Beklagte ficht einzig die Anwendung des (zu niedrigen)
Kapitalisierungszinsfusses durch die Vorinstanz an, nicht aber die übrigen
Grundlagen der Unterhaltskostenberechnung (monatlicher Bedarf,
Altersabstufung, Anwendung der Barwerttafel 48 von Stauffer/Schaetzle,
a.a.O., S. 460 ff., Beispiel 47a von Schaetzle/Weber, a.a.O., S. 284). Bei
Zugrundelegung eines Kapitalisierungszinsfusses von 3,5 % und (ansonsten)
gleicher Berechnungsweise wie die Vorinstanz würden die Unterhaltskosten
insgesamt Fr. 82'764.-- betragen. Eine Herabsetzung des von der Vorinstanz
zugesprochenen Unterhaltsbetrags von Fr. 85'000.-- auf diesen Betrag (E. 1.3)
kommt indessen aus folgendem Grund nicht in Frage.
Die Vorinstanz hat nicht nur den falschen Kapitalisierungszinsfuss angewandt,
sondern zudem verkannt, dass die Unterhaltsbeiträge erst ab dem
Urteilszeitpunkt mit 3,5 % zu kapitalisieren sind. Die bis zum
Urteilszeitpunkt geschuldeten Beiträge sind hingegen nicht zu kapitalisieren,
sondern zu addieren und auf den mittleren Verfall zu verzinsen (vgl.
Schaetzle/Weber, a.a.O., S. 12; vgl. auch BGE 131 III 12 E. 9). Der
Schadenszins von 5 % ist somit bis zum Urteilszeitpunkt aufzurechnen und die
Beiträge (erst) ab diesem Zeitpunkt bis zum Erreichen der Volljährigkeit des
Kindes mit 3,5 % zu kapitalisieren. Nimmt man diese bundesrechtskonforme
Berechnung vor, betragen die Unterhaltskosten insgesamt Fr. 100'152.-- (Fr.
43'452.-- bis zum Urteilszeitpunkt plus Fr. 56'700.-- bis zur
Volljährigkeit). Damit wird der von der Vorinstanz der Klägerin zugesprochene
Betrag deutlich überschritten. Der vom Beklagten beantragten Herabsetzung des
zugesprochenen (geringeren) Unterhaltsbetrages ist nicht stattzugeben. Das
Subeventualbegehren ist abzuweisen.

6.
Die in der Berufung vorgebrachten Haupt-, Eventual- und Subeventualbegehren
sind unbegründet und daher abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.
Diesem Verfahrensausgang entsprechend ist dem Beklagten die Gerichtsgebühr zu
auferlegen (Art. 156 Abs. 1 OG). Er hat überdies der anwaltlich vertretenen
Klägerin die Parteikosten zu ersetzen (Art. 159 Abs. 2 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Berufung wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 5'500.-- wird dem Beklagten auferlegt.

3.
Der Beklagte hat die Klägerin für das bundesgerichtliche Verfahren mit Fr.
6'500.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht Wallis,
Zivilgerichtshof I, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 20. Dezember 2005

Im Namen der I. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: