Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilabteilung 4C.317/2005
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4C.317/2005 /ast

Urteil vom 3. Januar 2006

I. Zivilabteilung

Bundesrichter Corboz, Präsident,
Bundesrichterin Klett, Bundesrichter Nyffeler,
Gerichtsschreiber Gelzer.

X. ________ GmbH,
Beklagte und Berufungsklägerin, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Franz
Mattmann,

gegen

A.________,
Kläger und Berufungsbeklagten, vertreten durch Rechtsanwalt Rolf Bühler,
Obergericht des Kantons Luzern, I. Kammer als Appellationsinstanz, Postfach,
6002 Luzern.

Arbeitsvertrag; fristlose Kündigung,

Berufung gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Luzern, I. Kammer als
Appellationsinstanz, vom 14. Juli 2005.

Sachverhalt:

A.
A. ________ (nachstehend: Kläger), seine Ehefrau B.________ und C.________
gründeten am 29. August 1995 die X.________ GmbH (nachstehend: Beklagte). Der
Kläger war Geschäftsführer der Beklagten, welche in Luzern das
Café/Restaurant "Y.________" betreibt, in dem den Gästen Computer mit Zugang
zum Internet zur Verfügung stehen. Der Domain-Namen der Beklagten lautet
www.y.________.ch.

Am 16. April 1998 schied C.________ aus der Beklagten aus. Der Kläger und
seine Ehefrau traten am 24. August 1998 ihre Stammanteile an der Beklagten an
D.________, E.________ und F.________ ab. Mit ihnen vereinbarte der Kläger,
dass er nach dem Verkauf noch rund vier Monate d.h. bis Ende 1998 als
Geschäftsleiter bei der Beklagten tätig bleibe, um einen reibungslosen
Übergang zu gewährleisten. Der Kläger schied jedoch als geschäftsführender
Gesellschafter aus und seine Berechtigung, für Gesellschaftsentscheide sowie
die Geschäftsführung der Beklagten zu zeichnen, erlosch.

Der Kläger war Mitinhaber der Z.________ GmbH mit Sitz in M.________. Mit
Schreiben vom 18. Oktober 1998 teilte der Kläger der Registrierstelle Switch
auf Briefpapier der Beklagten und unter Verwendung des Stempels der Beklagten
mit, die Z.________ GmbH werde ab sofort den Domain-Namen y.________.ch
übernehmen. Mit Schreiben vom 19. Oktober 1998 wurde der Kläger von der
Beklagten zwecks Abtragung von Urlaubs-, Ferien- und Ruhetagen per sofort
freigestellt. Mit Schreiben vom 22. Oktober 1998 kündigte die Beklagte den
"laufenden Arbeitsvertrag" mit dem Kläger per 30. November 1998.

Am 27. Oktober 1998 nahm die Switch die Übertragung des Domain-Namens
"y.________.ch" auf die Z.________ GmbH vor. Von dieser Übertragung hat die
Beklagte am 2. November 1998 erfahren, als sie mit der Switch Kontakt aufnahm
und sich das Schreiben des Klägers vom 18. Oktober 1998 per Fax zusenden
liess. Mit Schreiben vom 3. November 1998 entliess die Beklagte den Kläger
fristlos. Zur Begründung führte die Beklagte an:
"Die sofortige Auflösung des Arbeitsverhältnisses erfolgt, weil Sie als
Geschäftsführer Ihre arbeitsrechtlichen Treuepflichten gegenüber der
X.________ GmbH in schwerster Weise verletzt haben:
1. Bei der Abrechnungskontrolle der von Ihnen getätigten Einkäufe stellten
wir fest, dass Sie auf Kosten der X.________ GmbH Waren im Wert von mehreren
hundert Franken für Ihre privaten Zwecke bezogen haben.

2.  Mit Erschrecken stellten wir fest, dass Sie in sträflicher Uebertretung
ihrer Befugnisse die kostenlose Abtretung der zugunsten der X.________ GmbH
registrierten und geschützten Internet-Domain, "www.y.________.ch" an eine
Drittgesellschaft veranlassten. Bei der Drittgesellschaft handelt es sich
notabene um eine GmbH, an der Sie persönlich finanziell beteiligt sind.
Selbstredend ist durch Ihre Machenschaften das gegenseitige
Vertrauensverhältnis vollständig zerstört, weshalb uns die Fortsetzung des
Arbeitsverhältnisses nicht mehr zugemutet werden kann. Im weiteren behalten
wir uns die Einleitung eines Strafverfahrens vor."
In der Folge hat die Switch den Domain-Namen y.________.ch auf die Beklagte
zurückübertragen.

B.
Mit Klage vom 4. März 1999 belangte der Kläger die Beklagte beim Amtsgericht
Luzern Stadt auf Zahlung von Fr. 39'285.35 nebst Zins zu 5 % seit 1. Januar
1999. Zur Begründung brachte er vor, die Freistellung sowie die beiden
Kündigungen seien unzulässig gewesen. Für die Monate November und Dezember
1998 sowie den 13. Monatslohn stünden ihm je Fr. 5'000.-- zuzüglich eine
monatliche Umsatzbeteiligung von Fr. 2'200.-- sowie Kinderzulagen und Spesen
von Fr. 1'460.-- zu. Hinzu käme ein Anspruch auf Abgeltung nicht bezogener
Ferien-, Feier-, und Ruhetage in der Höhe von Fr. 15'492.-- und auf Ersatz
von zurückgelassenem Bargeld im Umfang von Fr. 600.--.

Die Beklagte beantragte mit Klageantwort vom 13. April 1999 die Abweisung der
Klage und reichte am gleichen Tag gegen den Kläger Strafanzeige wegen
Veruntreuung und ungetreuer Geschäftsführung ein. Der Kläger leitete am 26.
April 1999 gegen die Gesellschafter der Beklagten ein Strafverfahren wegen
falscher Anschuldigung und Irreführung der Rechtspflege ein. Beide
Strafverfahren endeten mit einem Freispruch.
Mit Urteil vom 2. Juni 2004 verpflichtete das Amtsgericht Luzern Stadt die
Beklagte, dem Kläger für nicht bezogene Ferien-, Feier- und Ruhetage Fr.
14'400.65 nebst 5 % Zins seit 1. Januar 1999 zu bezahlen. Das Amtsgericht kam
zum Schluss, der Kläger sei als Ge-schäftsleiter des Café/Restaurants
"Y.________" in einem Arbeitsverhältnis zur Beklagten gestanden, das auch
nach dem Verkauf der Stammanteile weiter gedauert habe. Durch eine mündliche
Vereinbarung hätten die Parteien dieses Arbeitsverhältnis bis Ende 1998
befristet. Das Amtsgericht erachtete einen wichtigen Grund als gegeben, da
der Kläger versucht habe, der Beklagten den Domain-Namen y.________.ch
streitig zu machen und er damit den Verdacht einer ungetreuen
Geschäftsführung bzw. Veruntreuung begründet habe. Da die Beklagte alle ihr
zumutbaren Abklärungen vorgenommen habe, um ihrem Tatverdacht nachzugehen,
vermöge dieser Verdacht die fristlose Kündigung selbst dann zu rechtfertigen,
wenn sich die Handlungsweise des Klägers im Nachhinein als nicht strafbar
erweisen würde.

Die Parteien fochten dieses Urteil mit Appellation und Anschlussappellation
beim Obergericht des Kantons Luzern an. Dieses ging davon aus, der Kläger
habe zusätzlich zur Ferienabgeltung von Fr. 14'400.65 Anspruch auf eine
Entschädigung für entgangenen Verdienst in der Höhe von Fr. 11'905.05 nebst 5
% Zins seit 1. Januar 1999. Entsprechend hob das Obergericht mit Urteil vom
14. Juli 2005 den erstinstanzlichen Entscheid auf und verpflichtete die
Beklagte, dem Kläger Fr. 26'305.70 nebst 5 % Zins seit 1. Januar 1999 zu
bezahlen.

C.
Die Beklagte ficht das Urteil des Obergerichts sowohl mit staatsrechtlicher
Beschwerde als auch mit eidgenössischer Berufung an. Mit letzterer beantragt
die Beklagte, das angefochtene Urteil dahingehend abzuändern, dass sie dem
Kläger Fr. 14'400.65 nebst 5 % Zins seit 1. Januar 1999 zu bezahlen habe.
Eventuell sei die Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung zurückzuweisen.

Der Kläger schliesst auf Abweisung der Berufung.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Ist ein kantonales Urteil gleichzeitig mit staatsrechtlicher Beschwerde und
Berufung angefochten, wird der Entscheid über Letztere in der Regel bis zur
Erledigung der staatsrechtlichen Beschwerde ausgesetzt (Art. 57 Abs. 5 OG).
Eine Aussetzung rechtfertigt sich jedoch nicht, wenn die Berufung unabhängig
vom Ausgang des Beschwerdeverfahrens gutgeheissen werden kann (BGE 114 II 239
E. 1b mit Hinweisen). Da ein solcher Fall vorliegt, ist die Berufung vorweg
zu behandeln.

2.
2.1 Der angefochtene Endentscheid ist berufungsfähig, da er eine
Zivilrechtsstreitigkeit mit einem Streitwert von über Fr. 8'000.-- betrifft
und er mit keinem ordentlichen kantonalen Rechtsmittel angefochten werden
kann (Art. 46 und Art. 48 Abs. 1 OG). Auf die form- und fristgerecht
eingereichte Berufung ist daher einzutreten.

2.2 Im Berufungsverfahren ist das Bundesgericht an die tatsächlichen
Feststellungen der letzten kantonalen Instanz gebunden, sofern sie nicht
offensichtlich auf Versehen beruhen, unter Verletzung bundesrechtlicher
Beweisvorschriften zu Stande gekommen oder wegen fehlerhafter Rechtsanwendung
im kantonalen Verfahren zu ergänzen sind (Art. 63 Abs. 2 und 64 Abs. 2 OG).

3.
Das Urteil des Obergerichts ist insoweit unangefochten geblieben und damit in
Rechtskraft erwachsen, als es dem Kläger für nicht bezogene Ferien-, Feier-
und Ruhetage Fr. 14'400.65 zusprach.

4.
4.1 Nach Art. 337 OR kann der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer das
Arbeitsverhältnis aus wichtigen Gründen jederzeit fristlos auflösen (Abs. 1).
Als wichtiger Grund gilt jeder Umstand, bei dessen Vorhandensein dem
Kündigenden nach Treu und Glauben die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses
nicht mehr zugemutet werden darf (Abs. 2).
Dies trifft nur bei besonders schweren Verfehlungen bzw. Verletzungen der
sich aus dem Arbeitsvertrag ergebenden Pflichten zu. Die Verfehlungen müssen
einerseits objektiv geeignet sein, die für das Arbeitsverhältnis wesentliche
Vertrauensgrundlage zu zerstören oder zumindest so tiefgreifend zu
erschüttern, dass dem Arbeitgeber die Fortsetzung des Vertrags nicht mehr
zuzumuten ist, und anderseits auch tatsächlich zu einer derartigen Zerstörung
oder Erschütterung des gegenseitigen Vertrauens geführt haben. Sind die
Verfehlungen weniger schwerwiegend, so müssen sie trotz Verwarnung wiederholt
vorgekommen sein (BGE 130 III 28 E. 4.1 S. 31; 129 III 380 E. 2.1 S. 382 mit
Hinweisen). Bei der Gewichtung einer Pflichtverletzung sind die Umstände des
Einzelfalls, insbesondere die Stellung und Verantwortung des Arbeitnehmers zu
berücksichtigen. Dabei ist bei Kaderpersonen auf Grund des ihnen
entgegengebrachten besonderen Vertrauens und der Verantwortung, welche ihnen
ihre Funktion im Betrieb überträgt, ein strenger Massstab anzulegen (BGE 130
III 28 E. 4.1 S. 31; 127 III 86 E. 2c S. 89). So hat das Bundesgericht bei
einem Arbeitnehmer, der insbesondere als Personalleiter eine
Vertrauensposition im Betrieb innehatte, eine Täuschung des Arbeitgebers
durch das wahrheitswidrige Herstellen von Dokumenten für die Buchhaltung als
wichtigen Grund zur fristlosen Kündigung qualifiziert (BGE 124 III 25 E. 3a
S. 27 f.).

Über das Vorhandensein wichtiger Gründe entscheidet das Gericht nach seinem
Ermessen (Art. 337 Abs. 3 OR). Ermessensentscheide überprüft das
Bundesgericht an sich frei. Es übt dabei aber Zurückhaltung und schreitet nur
ein, wenn die Vorinstanz grundlos von in Lehre und Rechtsprechung anerkannten
Grundsätzen abgegangen ist, wenn sie Tatsachen berücksichtigt hat, die für
den Entscheid im Einzelfall keine Rolle hätten spielen dürfen, oder wenn sie
umgekehrt Umstände ausser Betracht gelassen hat, die zwingend hätten beachtet
werden müssen. Ausserdem greift das Bundesgericht in Ermessensentscheide ein,
wenn sich diese als offensichtlich unbillig, als in stossender Weise
ungerecht erweisen (BGE 129 III 380 E. 2 S. 382; 130 III 28 E. 4.1 S. 32).

4.2 Das Obergericht erachtete die fristlose Kündigung auf Grund einer
Treuepflichtverletzung des Klägers bezüglich der Übertragung des
Domain-Namens y.________.ch als zulässig. Zur Begründung führte das
Obergericht zusammengefasst an, die Argumentation des Klägers, der Server und
damit auch der Domain-Name y.________.ch habe der Z.________ GmbH und nicht
der Beklagten gehört, sei nicht stichhaltig. So habe der Kläger im
Klageverfahren selbst angeführt, dass der Domain-Name y.________.ch von
Anfang an mit dem Café/Restaurant "Y.________" bzw. der Beklagten verbunden
gewesen sei, welche die jährlich an die Registrierbehörde Switch zu
bezahlende Gebühr beglichen habe. Im strafrechtlichen Verfahren habe der
Kläger ausgeführt, zum Betrieb der Beklagten habe insbesondere auch der
Internetzugang und der damit verbundene Domain-Name gehört. Zudem sei dieser
Name bei der Switch auf die Beklagte eingetragen gewesen. Damit stehe fest,
dass der Domain-Name y.________.ch der Beklagten gehörte. Davon hätten auch
die neuen Gesellschafter der Beklagten ausgehen dürfen, da ihnen der Kläger
und dessen Ehefrau bei der Abtretung der Stammanteile an der Beklagten
zugesichert hätten, dass ihnen keine anderweitigen Umstände bekannt seien,
welche die ungehinderte Weiterführung der Beklagten im bisherigen
Tätigkeitsrahmen beeinträchtigen würden. Ein anderes Ergebnis könne auch aus
den Aussagen des Zeugen G.________ nicht abgeleitet werden. Dieser habe im
Strafverfahren zu Protokoll gegeben, er sei bei der Gründung des Café
"Y.________" von Anfang an dabei gewesen und habe auf freundschaftlicher
Basis die Internetplattform im Café betreut. Später hätte er mit dem Kläger
und H.________ die Z.________ GmbH gegründet, wobei ihm nach dem Übergang der
Beklagten auf die neuen Gesellschafter aufgefallen sei, dass die Übertragung
des Domain-Namens y.________.ch auf die Z.________ GmbH quasi vergessen
worden sei.

Domain-Namen seien übertragbare Rechte, welche Vermögenswerte darstellen.
Dies habe auch der Kläger gewusst, da er im Strafverfahren bestätigt habe,
dass der Domain-Name y.________.ch für beide Parteien einen erheblichen
Vermögenswert dargestellt habe. Indem der Kläger die kostenlose Übertragung
des Domain-Namens auf eine Drittfirma veranlasste, habe er die Aktiven der
Beklagten vermindert. Sein Einwand, selbst wenn der Name bei der Z.________
GmbH geblieben wäre, hätte die Beklagte keinen Schaden erlitten, verfange
nicht. Wohl habe der Zeuge G.________ ausgesagt, die Z.________ GmbH hätte
diesfalls weiterhin dieselben Dienstleistungen für die Beklagte erbracht.
Diese Leistungen hätten jedoch auf einer vertraglichen Basis beruht, was
nicht dasselbe sei, wie wenn der Domain-Name der Beklagten gehört.

Indem der Kläger zwei Monate nach dem Verkauf der Beklagten und einige Wochen
vor seinem definitiven Ausscheiden aus dem Betrieb, ohne Rücksprache mit der
Beklagten und ohne Unterschriftsberechtigung den Domain-Namen y.________.ch
auf eine andere Gesellschaft übertragen habe, an der er selber beteiligt war,
habe er seine Sorgfalts- und Treuepflicht als Arbeitnehmer verletzt. Die
Treuepflichtverletzung wiege schwer, da der Beklagten dadurch ein
Vermögensschaden entstanden sei und der Kläger als Geschäftsführer der
Beklagten eine Kaderstellung innegehabt habe, welche eine erhöhte
Verantwortung für den Betrieb mit sich bringe. Der Kläger habe daher mit
dieser Treuepflichtverletzung die für das Arbeitsverhältnis wesentliche
Vertrauensgrundlage zerstört. Angesichts dieser Umstände erscheine die
fristlose Kündigung gerechtfertigt.

4.3 Diese Erwägung wird von der Beklagten nicht angefochten. Hingegen wendet
der Kläger in seiner Berufungsantwort dem Sinne nach ein, es sei ihm kein
vertragswidriges Verhalten vorzuwerfen. Er habe sich zumindest subjektiv als
berechtigt erachtet und auch erachten dürfen, den Übertrag des Domain-Namens
vorzunehmen, da er diesen auf Veranlassung von G.________ vorgenommen habe,
der bezüglich sämtlicher Internetangelegenheiten durch die Beklagte
beauftragt bzw. angestellt gewesen sei. Sollte geprüft werden, ob das
Verhalten des Klägers unabhängig von der Strafbarkeit treuwidrig gewesen sei,
so müsste G.________ als Zeuge einvernommen werden, der bestätigen könne,
dass er die Übertragung veranlasst habe.

4.4 Entgegen der Ansicht des Klägers ist eine Einvernahme von G.________ als
Zeuge nicht erforderlich, weil er bereits als solcher aussagte, er habe den
Kläger darauf angesprochen, dass man den Domain-Namen noch übertragen müsse,
wobei das Obergericht unter Berufung auf seine Aussagen angab, dem Zeugen
wolle aufgefallen sein, dass die Übertragung des Domain-Namens quasi
vergessen worden sei. Demnach ist davon auszugehen, dass G.________ den
Kläger zur Übertragung des Domain-Namens auf die Z.________ GmbH veranlasste.
Dies vermag jedoch den Kläger nicht zu entlasten, weil er nicht dartut,
inwiefern die Beklagte G.________ zur Übertragung des Domain-Namens
ermächtigt haben soll. Dies ist auch nicht ersichtlich, zumal G.________ als
Zeuge ausführte, er sei von der Beklagten nie angestellt gewesen und habe mit
ihr intern nichts zu tun gehabt. Dass keine Ermächtigung seitens der
Beklagten vorlag, war dem Kläger bekannt, zumal ihm gemäss den
vorinstanzlichen Feststellungen bewusst war, dass sein Handeln (bzw. die
Übertragung des Domain-Namens) "Probleme mit den neuen Gesellschaftern"
hervorrufen könnte. Die Angabe des Klägers, er sei subjektiv von der
Zulässigkeit der Übertragung des Domain-Namens ausgegangen, widerspricht
daher den für das Bundesgericht verbindlichen Feststellungen des Obergerichts
und ist damit nicht zu hören (vgl. E. 3 hiervor).

4.5 Alsdann wendet der Kläger ein, es sei zu beachten, dass die fristlose
Kündigung für die Beklage nicht den Zweck hatte, zu verhindern, dass er bis
Ende Dezember 1998 tatsächlich noch bei ihr arbeite. Da er bereits vorher
freigestellt worden sei, sei es der Beklagten einzig noch darum gegangen, für
diese Zeit den Lohn nicht zu bezahlen. Zudem sei das Vertrauensverhältnis ja
schon dadurch gestört gewesen, dass die Beklagte den Kläger zunächst
abmachungswidrig freigestellt und ihm nachher ordentlich auf Ende November
statt Dezember gekündigt habe.

4.6 Gemäss den tatsächlichen Feststellungen des Obergerichts ist das
Vertrauen der Beklagten gegenüber dem Kläger durch die Kenntnisnahme der
durch ihn beantragten Übertragung des Domain-Namens tatsächlich zerstört
worden. An diese Feststellung ist das Bundesgericht gebunden (vgl. E. 2.2
hiervor). Der Kläger ist daher nicht zu hören, soweit er dem Sinne nach
geltend macht, das Vertrauensverhältnis sei schon vorher zerstört gewesen.
Alsdann legt der Kläger nicht dar, inwiefern das Obergericht Bundesrecht
verletzt haben soll, indem es objektiv von einer schwerwiegenden
Treuepflichtverletzung ausging, welche eine fristlose Kündigung zu
rechtfertigen vermag. Dies ist in Anbetracht seiner Stellung als
Geschäftsführer und der damit verbundenen Verantwortung und der Bedeutung des
Domain-Namens für die Beklagte auch nicht ersichtlich. Der Einwand der
Klägers, die Kündigung sei nach seiner Freistellung erfolgt, vermag ihn nicht
zu entlasten, weil er im Zeitpunkt der Übertragung des Domain-Namens noch für
die Beklagte arbeitete und er danach aus anderen Gründen freigestellt wurde.
Zudem ist anzunehmen, die Beklagte hätte den Kläger, wenn sie sogleich
Kenntnis von seiner Treuepflichtverletzung gehabt hätte, bereits damals
fristlos entlassen. Schliesslich kann die Übertragung des Domain-Namens durch
den Kläger die Befürchtung aufkommen lassen, er könne auch nach der
Freistellung noch Handlungen zu Gunsten der Z.________ GmbH und zum Nachteil
der Beklagten vornehmen. Unter diesen Umständen hat das Obergericht das ihm
zustehende Ermessen nicht überschritten, wenn es die fristlose Kündigung auf
Grund der treuwidrigen Übertragung des Domain-Namens als zulässig erachtete.
Damit konnte das Obergericht offen lassen, ob die Kündigung zusätzlich auch
mit dem Bezug von Waren für private Zwecke hätte begründet werden können, wie
dies die Beklagte geltend machte.

5.
5.1 Das Obergericht führte weiter aus, entgegen der Ansicht der Beklagten sei
von einer Verdachtskündigung - d.h. einer Kündigung wegen Verdachts auf
Begehen einer strafbaren Handlung - auszugehen. Bereits im
Kündigungsschreiben vom 3. November 1998 habe sich die Beklagte die
Einleitung eines Strafverfahrens vorbehalten. Daraus, dass die Strafklage
gegen den Kläger von der Beklagen erst am 13. April 1999 eingereicht wurde,
könne die Beklagte nichts zu ihren Gunsten herleiten. Sie habe in ihrer
Rechtsantwort im erstinstanzlichen Verfahren selber ausgeführt, da der Grund
für die fristlose Entlassung bestritten werde, müsse sich nun der
Strafrichter mit der Sache befassen. Weiter führte das Obergericht aus,
generell sei eine Weiterbeschäftigung eines Arbeitnehmers bei Vorliegen eines
erheblichen Verdachts einer schweren Straftat für den Arbeitgeber nicht
zumutbar. Eine Verdachtskündigung sei daher - sofern der Arbeitgeber alle ihm
zumutbaren Abklärungen vorgenommen habe - grundsätzlich zulässig. Wenn sich
der Verdacht nachträglich nicht erhärten lasse und der Arbeitnehmer im
Strafverfahren freigesprochen werde, so habe der Arbeitgeber jedoch gemäss
Art. 337b Abs. 2 OR den vollen Lohn bis zum Ablauf der ordentlichen
Kündigungsfrist zu bezahlen.

Die Beklagte habe den Verdacht gehabt, der Kläger habe den Straftatbestand
der ungetreuen Geschäftsführung und Veruntreuung erfüllt, indem er der
Registrierstelle Switch mit Schreiben vom 18. Oktober 1998 mitgeteilt hat,
die Z.________ GmbH werde ab sofort den Domain-Namen y.________.ch
übernehmen. Die Beklagte habe alle zumutbaren Abklärungen vorgenommen, um
ihrem Tatverdacht nachzugehen, indem sie - nachdem sie vom Schreiben des
Klägers an die Switch erfahren hatte - sich mit dieser in Verbindung setzte,
um abzuklären, ob der Kläger tatsächlich die Übertragung des Domain-Namens
veranlasst habe. Der Verdacht einer strafbaren Handlung habe sich jedoch
nicht erhärten lassen, da der Kläger im Strafverfahren freigesprochen worden
sei. Damit stehe ihm nach Art. 337b Abs. 2 OR ein Anspruch auf Ersatz des
Lohns bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist zu, wobei er sich
anrechnen lassen müsse, was er durch anderweitige Arbeit verdient habe.
Demnach habe die Beklagte dem Kläger für die Monate November und Dezember für
entgangenen Lohn insgesamt Fr. 11'905.05 zu bezahlen.

5.2 Die Beklagte rügt dem Sinne nach, das Obergericht habe das
Kündigungsschreiben vom 3. November 1998 zu Unrecht als Verdachtskündigung
interpretiert. Diese Interpretation widerspreche nicht nur dem vom
Obergericht dargestellten tatsächlichen Umfeld, sondern auch dem Wortlaut des
Kündigungsschreibens. Darin würden die Handlungen des Klägers, welche zur
Zerstörung der Vertrauensbasis geführt hätten, explizit erwähnt. Erst im
letzten Satz behalte sich die Beklagte zudem die Einleitung eines
Strafverfahrens vor. Daraus folge klar, dass die Kündigung unabhängig von der
Strafbarkeit der Handlung erfolgt sei. Die im Kündigungsschreiben genannten
Handlungen des Klägers seien offenkundig gewesen und von ihm auch zugegeben
worden. Im Strafverfahren habe bloss abgeklärt werden müssen, ob die
Handlungen des Klägers strafbar seien, weshalb keine Verdachtskündigung
vorliege.

5.3 Von einer Verdachtskündigung wird gesprochen, wenn eine Partei einen
Arbeitsvertrag fristlos kündigt, weil sie einen schwerwiegenden Verdacht hat,
die andere Partei habe eine Straftat oder eine sonstige Verfehlung begangen
(Denis Humbert/Alfons Volken, Fristlose Entlassung [Art. 337 OR], Unter
besonderer Berücksichtigung der Verdachtskündigung und der Erklärung der
fristlosen Entlassung, AJP 2004 S. 564 ff. S. 566). Ob ein solcher Verdacht
einen wichtigen Grund darstellt, ist in der Lehre umstritten. Zum Teil wird
dies bejaht, wobei angenommen wird, wenn sich der Verdacht nachträglich als
unbegründet erweise, habe die gekündigte Partei einen Anspruch auf
Schadenersatz nach Art. 337b Abs. 2 OR (vgl. Urteil 4C.103/1999 vom 9. August
1999 E. 3 abgedruckt in: Praxis 2000 Nr. 11 S. 56 ff.; Urteil 4C.112/2002 vom
8. Oktober 2002 E. 6).

5.4 Im vorliegenden Fall hat sich die fristlose Kündigung gemäss der
vorstehenden Erwägung bereits auf Grund der nachgewiesenen
Treuepflichtverletzung als gerechtfertigt erweisen, die der Kläger durch die
Übertragung des Domain-Namens y.________.ch auf eine Drittfirma beging. Damit
kommt dem Verdacht der Beklagten, es liege insoweit nicht nur eine
Treupflichtverletzung sondern auch eine strafbare Handlung vor, bezüglich der
Kündigung keine selbständige Bedeutung zu. Das Obergericht hat daher
Bundesrecht verletzt, wenn es annahm, der Kläger könne nach Art. 337b Abs. 2
OR den Ersatz des Lohnverlusts in Folge der fristlosen Kündigung im Umfang
von Fr. 11'905.05 verlangen, weil sich der Verdacht einer strafbaren Handlung
als unberechtigt erwies.

6.
Nach dem Gesagten ist die Berufung gutzuheissen und das angefochtene Urteil
dahingehend abzuändern, dass die Beklagte verpflichtet wird, dem Kläger Fr.
14'400.65 nebst 5 % Zins seit 1. Januar 1999 zu bezahlen. Da der Streitwert
nach der eingeklagten Forderung Fr. 30'000.-- übersteigt, ist die vorliegende
Streitsache nicht kostenlos (Art. 343 OR). Dem Verfahrensausgang entsprechend
wird der Kläger kosten- und entschädigungspflichtig (Art. 156 Abs. 1 OG, Art.
159 Abs. 1 und 2 OG). Bei der Bemessung der Parteientschädigung wird die
Mehrwertsteuer im Rahmen des geltenden Tarifs pauschal berücksichtigt (Urteil
2P.69/1996 vom 28. Februar 1996 E. 2, SJ 1996, S. 275).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Berufung wird gutgeheissen und das Urteil des Obergerichts des Kantons
Luzern vom 14. Juli 2005 wird dahingehend abgeändert, dass die Beklagte
verpflichtet wird, dem Kläger Fr. 14'400.65 nebst 5 % Zins seit 1. Januar
1999 zu bezahlen.

2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird dem Kläger auferlegt.

3.
Der Kläger hat die Beklagte für das bundesgerichtliche Verfahren mit Fr.
2'500.-- zu entschädigen.

4.
Die Sache wird zur Neuverlegung der Kosten- und Entschädigungsfolgen des
kantonalen Verfahrens an die Vorinstanz zurückgewiesen.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Luzern, I.
Kammer als Appellationsinstanz, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 3. Januar 2006

Im Namen der I. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: