Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilabteilung 4C.386/2005
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4C.386/2005 /ruo

Urteil vom 3. Februar 2006

I. Zivilabteilung

Bundesrichter Corboz, Präsident,
Bundesrichterinnen Klett, Rottenberg Liatowitsch, Bundesrichter Favre,
Bundesrichterin Kiss,
Gerichtsschreiber Arroyo.

AB.________, als Willensvollstrecker im Nachlass von BB.________,
Kläger und Berufungskläger,
vertreten durch Fürsprecher Lukas Wyss,
Advokaturbüro Bratschi,

gegen

C.________,
Beklagten und Berufungsbeklagten,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Urs Leu.

Kaufvertrag; Darlehensvertrag; Schenkungsvertrag,

Berufung gegen das Urteil des Obergerichts des
Kantons Bern, Appellationshof, 2. Zivilkammer,
vom 21. September 2005.

Sachverhalt:

A.
AA.________ (Kläger und Berufungskläger) ist als Willensvollstrecker im
Nachlass seines Bruders BB.________ eingesetzt, der am 20. Juni 2002
verstarb. BB.________ hatte im Jahre 1955 die mit einem Mehrfamilienhaus (10
Mietwohnungen sowie Nebenräume und Garagen) überbaute Liegenschaft X.________
in Bern erworben. Die Verwaltung und Bewirtschaftung der Mietwohnungen
besorgte BB.________ in der Folge selber.

A.a Am 16. Oktober 2001 verkaufte BB.________ die Liegenschaft X.________ in
Bern an C.________ (Beklagter und Berufungsbeklagter). Der Kaufpreis wurde
auf Fr. 1'600'000.-- festgesetzt und vom Beklagten durch Übernahme einer
aufhaftenden Hypothek von Fr. 60'000.-- sowie durch eine Kaufpreisanzahlung
von Fr. 740'000.-- im Umfang von Fr. 800'000.-- getilgt. In einem
gleichentags unterzeichneten Darlehensvertrag vereinbarten BB.________ und
der Beklagte, dass die verbleibende Kaufpreisschuld von Fr. 800'000.-- als
verzinsliches Darlehen mit einer Laufzeit von mindestens sieben Jahren fest
für den Darlehensnehmer stehen gelassen werde. Der Darlehenszins wurde auf 4%
festgesetzt, halbjährlich zahlbar jeweils am 30. Juni und 31. Dezember. Als
Sicherheiten dienten zwei Schuldbriefe im 1. und 4. Rang auf der Liegenschaft
X.________ zu nominal Fr. 440'000.-- und Fr. 360'000.--.
Am 28. Januar 2002 gelangte der Beklagte mit einem Schreiben an die Mieter
der Liegenschaft und teilte ihnen mit, dass er als neuer Eigentümer die
monatlichen Mietzinsen (von zwischen Fr. 590.-- und Fr. 930.-- ) angesichts
des marktüblichen Niveaus von Fr. 2'000.-- in zwei Schritten auf Fr. 1'590.--
bzw. auf Fr. 1'560.-- erhöhen werde. Die Erhöhung kündigte er auf den 1. Mai
2005 an. In einem Schreiben vom 12. Februar 2002 orientierte der Beklagte die
Mieter der Liegenschaft, dass er mit BB.________ in Verhandlungen sei, um den
Zins des ihm beim Kauf der Liegenschaft gewährten Darlehens herabzusetzen, so
dass die Mietzinse nicht so stark wie angekündigt erhöht werden müssten.

A.b Am 6. März 2002 schlossen BB.________ und der Beklagte einen
schriftlichen Schenkungsvertrag mit Auflagen. BB.________ erliess dem
Beklagten die Darlehensschuld unter anderem mit der Auflage, dass die
Mietzinse und Nebenkosten nur geringfügig erhöht und wertvermehrende
Investitionen nur mit Zustimmung von BB.________ vorgenommen werden dürften.
Die Auflagen wurden zeitlich auf 20 Jahre befristet. Am 12. März 2002 teilte
der Beklagte den Mietern der Liegenschaft mit, dass BB.________ ihm in
äusserst grosszügiger Weise entgegengekommen sei und die monatlichen
Mietzinsen nur in geringfügigem Umfang (um Fr. 100.-- bis Fr. 200.--)
angehoben würden.
BB.________ teilte am 24. April 2002 in einem an Notar D.________ gerichteten
Schreiben mit, er widerrufe sein Schenkungsversprechen. Er begründete dies
damit, dass er über seine solidarische Haftung für die Schenkungssteuern
nicht informiert worden sei und diese mögliche Haftung als grosses
Gefahrenpotenzial erachte. Eine Kopie dieses Schreibens liess BB.________ dem
Beklagten zukommen.
Am 31. Mai 2002 schrieb BB.________ dem Beklagten, er sei nach wie vor der
Meinung, die Errichtung eines Sperrkontos sei der tauglichste Weg, die Gefahr
der solidarischen Haftung des Schenkers zu vermeiden. Mit Schreiben vom 3.
Juni 2002 antwortete der Beklagte, dass er den mutmasslichen
Schenkungssteuerbetrag von Fr. 236'000.-- sicherstellen werde. Er
versicherte, dass ein Hinweis im Schenkungsvertrag auf die solidarische
Haftung für die Schenkungssteuer nicht aus bösem Willen unterlassen worden
sei.
Am 5. Juni 2002 bestätigte die Bank Z.________ dem Beklagten, dass der Betrag
von Fr. 236'000.-- für die Bezahlung der Schenkungssteuer aus dem
Schenkungsvertrag mit BB.________ bereitgestellt sei. Eine Kopie dieses
Schreibens wurde BB.________ zugesandt.

B.
Am 20. Juni 2003 gelangte der Kläger an das Gerichtspräsidium des
Gerichtskreises VIII Bern-Laupen mit den Begehren, der Kaufvertrag vom 16.
Oktober 2001 sei zu annullieren, die Liegenschaft X.________, Bern, sei in
den Besitz der Erbengemeinschaft zurückzuführen und es seien sämtliche
Rechtsgeschäfte im Zusammenhang mit der Liegenschaft aufzuheben. Nach Beizug
eines Anwaltes stellte er folgende bereinigte Rechtsbegehren:
1.Es sei festzustellen, dass der Schenkungsvertrag vom 6. März 2002 ungültig
sei und seitens des Beklagten eine Darlehensschuld von Fr. 800'000.--
bestehe.

2. Der Beklagte sei zu verurteilen, dem Kläger zu Handen der Erben des
BB.________ den Betrag von Fr. 700'000 zu bezahlen.

3. Der Beklagte sei zu verurteilen, den geschuldeten und fälligen
Darlehenszins von 4% seit 1. Januar 2002 zu bezahlen.
Zur Begründung der Rechtsbegehren 1 und 3 machte der Kläger geltend, der
Schenkungsvertrag sei ungültig, weshalb die Darlehensforderung gemäss Vertrag
vom 16. Oktober 2001 noch immer bestehe. Die Forderung gemäss Begehren 2
betrifft Schadenersatz, den der Kläger aus vertraglicher Haftung, eventuell
aus culpa in contrahendo, mit der Begründung verlangt, die Liegenschaft
X.________, Bern, habe einen wesentlich höheren Marktwert aufgewiesen als die
im Kaufvertrag vom 16. Oktober 2001 vereinbarten Fr. 1'600'000.--.
Die Gerichtspräsidentin des Gerichtskreises VIII Bern-Laupen wies die Klage
am 8. Oktober 2004 ab.

C.
Mit Urteil vom 21. September 2005 wies das Obergericht des Kantons Bern die
Klage auf Appellation des Klägers ebenfalls ab. Das Gericht kam in
Übereinstimmung mit der ersten Instanz zum Schluss, dass der
Schenkungsvertrag vom 6. März 2002 formgültig sei und weder wegen
Übervorteilung noch wegen eines Willensmangels unverbindlich oder
sittenwidrig sei. Das Gericht verneinte sodann die vom Kläger geltend
gemachte Aufklärungspflicht des Beklagten über den Wert der Liegenschaft, aus
dessen Verletzung er das Schadenersatzbegehren ableitete. Das Obergericht kam
mit der ersten Instanz zum Schluss, es habe tatsächlich kein entsprechendes
Auftragsverhältnis zwischen dem Beklagten und BB.________ bestanden und auch
eine vorvertragliche Aufklärungspflicht sei zu verneinen abgesehen davon,
dass ein entsprechender Anspruch aus culpa in contrahendo verjährt wäre.

D.
Der Kläger hat gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Bern vom 21.
September 2005 sowohl staatsrechtliche Beschwerde wie auch eidgenössische
Berufung eingereicht. In der Berufung stellt er folgende Rechtsbegehren:
"1.Das Urteil des Appellationshofs des Kantons Bern vom 21. September 2005
sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass der Schenkungsvertrag vom
6.3.2002 zwischen Herrn BB.________, sowie dem Beklagten nichtig bzw.
ungültig ist und die Darlehensschuld gemäss Darlehensvertrag vom 16. Oktober
2001 in der Höhe von Fr. 800'000.-- besteht.

2. Der Beklagte sei zu verurteilen, dem Kläger z.H. der Erbengemeinschaft des
Herrn BB.________ sel. aus dem Darlehensvertrag vom 16.10.2001 mit Herrn
BB.________ den geschuldeten und fälligen Darlehenszins von 4% seit dem
1.1.2002 zu entrichten.

3. Der Beklagte sei zu verurteilen, dem Kläger zu Handen der Erben des Dr.
BB.________ sel. den Betrag von CHF 700'000.-- als Schadenersatz zuzüglich 5%
Zins seit dem 16. Oktober 2001 zu bezahlen."
Der Kläger rügt, die Vorinstanz habe die Formungültigkeit des
Schenkungsvertrags vom 6. März 2002 bundesrechtswidrig verneint; eventuell
macht er eine Übervorteilung geltend und bringt vor, dass die
Schenkung/Preisreduktion sittenwidrig sei; er macht weiter geltend, der
Beklagte habe seine vertragliche Treue- und Aufklärungspflicht verletzt mit
der Folge der Schadenersatzpflicht; ausserdem habe die Vorinstanz das
Vorliegen eines Willensmangels in Verletzung von Bundesrecht verneint.

E.
Der Beklagte schliesst in der Antwort auf Abweisung der Berufung, soweit
darauf einzutreten ist.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Nach Art. 55 Abs. 1 lit. b OG hat die Berufungsschrift anzugeben, welche
Abänderungen des angefochtenen Entscheides beantragt werden, wobei der blosse
Hinweis auf im kantonalen Verfahren gestellte Anträge nicht genügt und neue
Begehren ausgeschlossen sind. Die Begehren des Klägers entsprechen
grundsätzlich diesen Anforderungen.

2.
Im Berufungsverfahren ist das Bundesgericht an die tatsächlichen
Feststellungen der letzten kantonalen Instanz gebunden, wenn sie nicht
offensichtlich auf Versehen beruhen, unter Verletzung bundesrechtlicher
Beweisvorschriften zustande gekommen (Art. 63 Abs. 2 OG) oder im Hinblick auf
den Tatbestand einer anwendbaren Sachnorm ergänzungsbedürftig sind (Art. 64
OG). Werden solche Ausnahmen geltend gemacht, so hat die Partei, welche den
Sachverhalt berichtigt oder ergänzt wissen will, darüber genaue Angaben mit
Aktenhinweisen zu machen (Art. 55 Abs. 1 lit. c und d OG; BGE 130 III 102 E.
2.2 S. 106 mit Hinweisen). Blosse Kritik an der vorinstanzlichen
Beweiswürdigung ist im Berufungsverfahren unzulässig (BGE 127 III 73 E. 6a).

2.1 Soweit der Kläger den von der Vorinstanz festgestellten Sachverhalt mit
Hinweis auf die Rügen ergänzt, die er gegen die Tatsachenwürdigung der
Vorinstanz mit dem Rechtsmittel der staatsrechtlichen Beschwerde erhoben hat,
ist darauf nicht einzugehen. Es ist entgegen der Ansicht des Klägers nicht
nur grundsätzlich von den Sachverhaltsfeststellungen im angefochtenen
Entscheid auszugehen, sondern das Bundesgericht hat - unter Vorbehalt der in
Art. 63 Abs. 2 OG erwähnten Ausnahmen - seiner Entscheidung die
Tatsachenfeststellungen der Vorinstanz als verbindlich zugrunde zu legen.
Wären die Rügen des Klägers im zuerst beurteilten Verfahren der
staatsrechtlichen Beschwerde (Art. 57 Abs. 5 OG) als begründet erkannt
worden, hätte dies zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids geführt und das
vorliegende Rechtsmittel wäre gegenstandslos geworden.

2.2 Der Kläger stützt seine (zulässigen) Rügen der Verletzung von
Bundesrechtsnormen weitgehend auf einen Sachverhalt, der von den
verbindlichen Tatsachenfeststellungen im angefochtenen Urteil abweicht, ohne
dass er in Bezug auf die rechtserheblichen Tatsachen Mängel im Sinne von Art.
63 Abs. 2 OG gehörig rügt. Den Anforderungen an die Begründung (Art. 55 Abs.
1 lit. c und d OG) genügen insbesondere die Berufung auf Art. 8 ZGB in Ziff.
90 sowie jene auf ein offensichtliches Versehen in Ziff. 96 nicht. Es ist
nach den verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz insbesondere davon
auszugehen, dass BB.________ die Differenz zwischen dem amtlichen Wert und
dem Verkehrswert der Liegenschaft kannte und der Beklagte für ihn die
Verwaltung der hier nicht zur Diskussion stehenden Liegenschaft Y.________
erledigte sowie die Heiz- und Nebenkostenabrechnung der Liegenschaft
X.________ erstellte und ihm beim Ausfüllen der Steuererklärung behilflich
war. Darüber hinaus war der Beklagte nach den Feststellungen der Vorinstanz
nicht für BB.________ tätig.

2.3 Der Kläger hält daran fest, dass der Beklagte seine vertraglichen
Aufklärungspflichten verletzt habe, indem er den Verstorbenen nicht über die
Tatsache aufgeklärt habe, dass der amtliche Wert von Fr. 1'600'000.-- weit
unter dem Verkehrswert lag, "damit dieser einen informierten Entscheid
treffen konnte." Der Kläger geht in diesem Zusammenhang davon aus, dass der
Beklagte die Vertrauensperson von BB.________ in finanziellen Belangen
gewesen sei und setzt sich damit in Widerspruch zu den Feststellungen der
Vorinstanz. Ausserdem missachtet er die verbindliche Feststellung der
Vorinstanz, dass BB.________ die Differenz des amtlichen Werts zum
Verkehrswert der Liegenschaft kannte und diese Liegenschaft bewusst zum
amtlichen Wert verkaufen wollte. Der Begründung der Berufung ist nicht zu
entnehmen, inwiefern die Vorinstanz auf der Grundlage der verbindlichen
Feststellungen Bundesrechtsnormen verletzt haben könnte, wenn sie erwog, dass
eine allfällig unterlassene Aufklärung des Beklagten für den angeblich
entstandenen Schaden nicht kausal gewesen wäre.

2.4 Der Kläger hält weiter daran fest, dass die Schenkung vom 3. März 2002
wegen Übervorteilung im Sinne von Art. 21 OR unverbindlich sei. Die
Vorinstanz hat grundsätzlich mit der ersten Instanz die Anwendung dieser
Bestimmung auf Schenkungen verneint, jedoch angesichts der Auflagen im
Schenkungsvertrag die Frage gestellt, ob vorliegend der Äquivalenzgedanke und
damit auch der Tatbestand der Übervorteilung anwendbar sein könnte. Für
diesen Fall hat die Vorinstanz jedoch ein Missverhältnis verneint und vor
allem die subjektiven Voraussetzungen der Notlage, Unerfahrenheit oder des
Leichtsinns auf seiten des Schenkers ebenso wie die Ausbeutung durch den
Beklagten verneint. Der Kläger stützt seine Rügen auf einen von den
Feststellungen im angefochtenen Urteil abweichenden Sachverhalt, wenn er
davon ausgeht, BB.________ habe sich in einer inneren Notlage befunden, da er
durch die dramatischen Mietzinserhöhungen, welche der Beklagte angekündigt
hatte, in einen schweren Gewissenskonflikt versetzt worden sei. Inwiefern die
Vorinstanz Art. 21 OR aufgrund der Feststellungen im angefochtenen Entscheid
verletzt haben könnte, ist nicht ersichtlich. Die Rüge ist unbegründet.

3.
Der Kläger rügt in erster Linie, die Vorinstanz habe gegen Bundesrecht
verstossen, indem sie den Schenkungsvertrag vom 6. März 2002 als formgültig
anerkannt habe, mit dem BB.________ auf das Darlehen verzichtete, das Teil
des Kaufpreises war.

3.1 Nach Art. 216 Abs. 1 OR bedürfen Kaufverträge, die ein Grundstück zum
Gegenstande haben, zu ihrer Gültigkeit der öffentlichen Beurkundung. Nach der
Rechtsprechung umfasst der Formzwang alle objektiv sowie die subjektiv
wesentlichen Vertragselemente, wenn sie ihrer Natur nach unmittelbar den
Inhalt des Grundstückkaufvertrags betreffen (BGE 119 II 135 E. 2a, b S. 138
mit Hinweisen). Formbedürftig sind daher Abreden, die das Verhältnis von
Leistung und Gegenleistung des Kaufvertrags berühren (BGE 113 II 402 E. 2a S.
404). Leistungen, die der Käufer dem Verkäufer zwar im Zusammenhang mit dem
Abschluss des Kaufes zusichert, die jedoch nicht im Austausch gegen das
Grundstück, sondern für andere Leistungen des Verkäufers zu erbringen sind,
brauchen dagegen in der öffentlichen Urkunde nicht erwähnt zu werden - und
zwar selbst dann nicht, wenn die Parteien den Kaufvertrag ohne diese anderen
Leistungen und Gegenleistungen nicht abschliessen würden (BGE 86 II 33 E. a
S. 37 mit Hinweis). Entscheidend ist vielmehr die Einheit des Vertrages,
welche sich allein nach dem Vertragsinhalt beurteilt und äussere Umstände und
Abhängigkeiten unberücksichtigt lässt. Sie wird nicht dadurch begründet, dass
das eine Geschäft für den Abschluss des andern kausal gewesen ist oder beide
gleichzeitig vereinbart worden sind (BGE 113 II 402 E. 2b S. 405). So bedarf
etwa die Übernahme einer Schuld aus einem geschlossenen Grundstückkaufvertrag
- im Unterschied zur Verpflichtung zur Übertragung des Grundstücks - nicht
der öffentlichen Beurkundung (vgl. BGE 110 II 340 E. 1b/bb S. 342; vgl. auch
Urteil 4C.191/1999 vom 22. September 1999 E. 2a, in SJ 2000 Bd. I S. 305).
Auch die ergänzende Anerkennung des Käufers, dem Verkäufer für geleistete
Zusatzarbeiten einen bestimmten Betrag zu schulden, bedarf nicht deshalb der
öffentlichen Beurkundung, weil die entsprechenden Arbeiten unlösbar mit dem
Grundstückserwerb verbunden sind (BGE 119 II 29 E. 2).

3.2 Im vorliegenden Fall haben die Parteien am 6. März 2002 in einfacher
Schriftform einen Schenkungsvertrag geschlossen, in dem BB.________ auf die
Rückzahlung des Darlehens von Fr. 800'000.-- verzichtete, das er dem
Beklagten nach Abschluss des Grundstückkaufvertrags vom 16. Oktober 2001 für
die verbleibende Kaufpreisschuld gewährt hatte. Nach den verbindlichen
Feststellungen der Vorinstanz wollte BB.________ dem Beklagten mit der
Schenkung ermöglichen, die Mietzinse für die Mieter der Liegenschaft
X.________ im bisherigen Rahmen beizubehalten, was einen neuen - vom Zweck
des Grundstückskaufs unabhängigen - Wunsch des Schenkers BB.________
darstellte. Es war nach den Feststellungen der Vorinstanz nicht der Wille der
Parteien, mit dem Schenkungsvertrag den ursprünglichen Grundstückskaufvertrag
(bzw. den Kaufpreis) zu ändern. Vielmehr stellen der Grundstückkaufvertrag
vom 16. Oktober 2001 und der rund fünf Monate später am 6. März 2002
abgeschlossene Schenkungsvertrag nach den verbindlichen Feststellungen der
Vorinstanz vom Parteiwillen her zwei verschiedene Geschäfte dar. Unter diesen
Umständen hat die Vorinstanz bundesrechtskonform geschlossen, dass
Grundstückskauf und Schenkung ihrem Zweck entsprechend zwei unterschiedliche
Geschäfte bilden und keine Einheit darstellen. Da die beiden Rechtsgeschäfte
keine Einheit bilden und durch die Schenkung insbesondere das
Austauschverhältnis des Grundstücksvertrags nicht berührt wird, bedarf der
Schenkungsvertrag nicht der Form der öffentlichen Beurkundung im Sinne von
Art. 216 OR. Der Kaufvertrag vom 16. Oktober 2001 wurde durch die Schenkung
nicht abgeändert; insbesondere wurde der Kaufpreis nicht reduziert, so dass
sich die vom Kläger aufgeworfene Rechtsfrage nicht stellt, ob eine spätere
Reduktion des Kaufpreises für ein Grundstück der Form von Art. 216 OR bedarf
oder gemäss Art. 115 OR formlos gültig ist (vgl. BGE 95 II 523 E. 4 S. 529).
Die Vorinstanz hat die Schenkung vom 6. März 2002 bundesrechtskonform als
formgültig anerkannt.

4.
Der Kläger rügt sodann, die Vorinstanz habe bundesrechtswidrig die
Sittenwidrigkeit der Schenkung vom 6. März 2002 verneint.

4.1 Sittenwidrig sind Verträge, die gegen die herrschende Moral, d.h. gegen
das allgemeine Anstandsgefühl oder die der Gesamtrechtsordnung immanenten
ethischen Prinzipien und Wertmassstäbe verstossen (BGE 129 III 604 E. 5.3;
123 III 101 E. 2 S. 102; 115 II 232 E. 4a, je mit Hinweisen). Als möglichen
Verstoss gegen sozialethische Wertungen hat die Vorinstanz mit Hinweis auf
eine Lehrmeinung Verträge erachtet, die berufs- und standesrechtlichen
Grundsätzen widersprechen, wenn an der korrekten Berufsausübung ein
erhebliches öffentliches Interesse besteht, was sich regelmässig daraus
ergebe, dass solche Berufe nur aufgrund eines besonderen staatlichen
Befähigungsausweises ausgeübt werden können. Die Vorinstanz ist davon
ausgegangen, dass eine Vertrauensperson mit der Annahme einer Schenkung
regelmässig berufsethischen Maximen zuwiderhandle, welche die gerichtliche
Überprüfung der Sittenwidrigkeit veranlassen müsse. Nach der von der
Vorinstanz zitierten Lehrmeinung sind bestimmte Berufsträger - namentlich
Ärzte, Psychologen, Anwälte, Geistliche, Notare oder Sozialarbeiter, aber
auch Haushalthilfen oder Heimleiter, Bankiers, Treuhänder, Finanzberater usw.
- in besonders sensiblen Bereichen tätig, da ihnen ihre Tätigkeit
unweigerlich tiefe Einblicke in die persönlichen und wirtschaftlichen Belange
der betreuten Person verschafft. Daher drängt sich fallweise die Beurteilung
auf, ob eine Verfügung zugunsten einer solchen Vertrauensperson auf einem
selbstbestimmten Entscheid beruht oder ob der Berufsträger den aus dem
Vertrauensverhältnis sich ergebenden Einfluss in unlauterer Weise ausgenützt
hat (Daniel Abt, Probleme um die unentgeltlichen lebzeitigen Zuwendungen an
Vertrauenspersonen, AJP 2004, S. 1225 f.). Sittenwidrigkeit kann sich danach
einerseits daraus ergeben, dass die freie Willensentscheidung des Verfügenden
durch die Vertrauensperson beeinträchtigt worden ist (Abt, a.a.O., S. 1230);
oder anderseits daraus, dass die Vertrauensperson gegen besonders wichtige
Standesregeln verstossen hat, wozu auch das Verbot der Vertretung
widerstreitender Interessen gehört, welche die Unabhängigkeit der
Vertrauensperson gewährleisten soll (Abt, a.a.O., S. 1232; zu den
entsprechenden Voraussetzungen der Erbunwürdigkeit der Vertrauensperson vgl.
auch Urteil 5C.121/2005 vom 6. Februar 2006 E. 4.2 f. u. 6.1).
4.2 Der Kläger geht mit der Vorinstanz davon aus, dass es stossend wäre und
den Schutzbedürfnissen der Bürger widersprechen würde, wenn sich Fachpersonen
wie Ärzte, Anwälte, Liegenschafts- oder Steuertreuhänder in Ausnützung ihrer
Vertrauensstellung in erheblichem Umfang Schenkungen einräumen lassen
könnten. Der Kläger verkennt jedoch die differenzierte Lehrmeinung, auf
welche er sich stützt, wenn er (sinngemäss) die Auffassung vertritt,
Schenkungen reicher, alleinstehender älterer und kranker Personen müssten bei
einem Vertrauensverhältnis irgendwelcher Art vorbehaltlos und allgemein
ungültig erklärt werden; denn damit würde im Ergebnis bei gegebener
Urteilsfähigkeit dem selbstbestimmten Entscheid einer Person die
Rechtswirkung abgesprochen, welche die Rechtsordnung unter diesen
Voraussetzungen vorsieht. Als Verstoss gegen die guten Sitten kann entgegen
der Ansicht des Klägers nicht jede Zuwendung unter Lebenden qualifiziert
werden, wenn sie an eine Person erfolgt, die durch ihre berufliche Tätigkeit
im Umfeld der verfügenden Person deren Vertrauen gewonnen hat. Es bedarf
vielmehr einer unlauteren Beeinflussung oder eines Verstosses gegen
elementare Standesregeln, deren Zweck gerade darin besteht, von vornherein
Interessenkonflikte und Zweifel über mögliche unerwünschte Beeinflussungen zu
verhindern.

4.3 Nach den Feststellungen der Vorinstanz bestand zwischen BB.________ und
dem Beklagten keine nähere persönliche bzw. private Beziehung, die über die
beruflichen Tätigkeiten hinausgegangen wäre. Die beruflichen Tätigkeiten des
Beklagten für BB.________ beschränkten sich nach den verbindlichen
Feststellungen im angefochtenen Entscheid darauf, dass der Beklagte die
Verwaltung einer andern Liegenschaft im Eigentum von BB.________ besorgte,
die Heiz- und Nebenkostenabrechnung der Liegenschaft X.________ erstellte und
die Steuererklärung ausfüllte. Insbesondere war der Beklagte auch nicht an
der Ausarbeitung der Auflagen des Schenkungsvertrages (zwischen dem Notar
D.________ und BB.________) beteiligt. Wenn die Vorinstanz daraus schloss,
dass der Beklagte von BB.________ für bestimmte, begrenzte Tätigkeiten
beigezogen wurde, ohne dass sich daraus ein persönliches Vertrauensverhältnis
ergab, so hat sie jedenfalls keine Bundesrechtsnormen verletzt. Der Schluss
im angefochtenen Entscheid, dass der Beklagte nicht Treuhänder von
BB.________ war und dass er daher auch nicht die Standesregeln für diesen
Beruf verletzte, ist bundesrechtlich nicht zu beanstanden. Die Ansicht des
Klägers, wonach sich aus konkret begrenzten Aufträgen ohne weiteres das
besondere Vertrauensverhältnis ergibt, aus dem er die Unsittlichkeit der
Schenkung an den Beauftragten ableitet, vermag nicht zu überzeugen. Dass sich
aus der Übernahme bestimmter Mandate insbesondere im Rahmen der anwaltlichen
Tätigkeit ein Interessenkonflikt für die Erledigung andere Mandate ergeben
kann, ist als Begründung im vorliegenden Fall unbehelflich.

4.4 Der Kläger setzt sich sodann über die verbindlichen Feststellungen der
Vorinstanz hinweg, wenn er vorbringt, der Beklagte habe die freie
Willensentscheidung von BB.________ in Ausnutzung seiner "Vertrauensstellung"
beeinträchtigt. Abgesehen davon, dass er seine Begründung auch hier auf ein
angeblich umfassendes Vertrauensverhältnis stützt, geht er im Gegensatz zu
den vorinstanzlichen Feststellungen tatsächlich davon aus, dass BB.________
den Wert der Liegenschaft X.________ nicht gekannt habe und der Beklagte
BB.________ mit der Ankündigung von Mietzinserhöhungen in einen
Gewissenskonflikt gestürzt habe. Inwiefern der Beklagte aufgrund der
verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz die Entscheidungsfreiheit von
BB.________ hätte unzulässig beeinflussen können, ist der Begründung der
Berufung dagegen nicht zu entnehmen. Die Ausführungen des Klägers erschöpfen
sich auch in diesem Zusammenhang in einer unzulässigen Kritik an der
vorinstanzlichen Beweiswürdigung.

5.
Der Kläger rügt schliesslich, die Vorinstanz habe zu Unrecht verneint, dass
BB.________ den Schenkungsvertrag wegen Irrtums gültig angefochten habe.

5.1 Die Vorinstanz hat festgestellt, dass BB.________ in seinem Schreiben vom
24. April 2002 an Notar D.________ - von dem der Beklagte direkt eine Kopie
erhielt - erklärte, er widerrufe die Schenkung, weil er sich seiner
solidarischen Haftung für die Schenkungssteuer erst nach Abschluss des
Schenkungsvertrags bewusst geworden war. In seinem an den Beklagten
gerichteten Schreiben vom 31. Mai 2002 wiederholte BB.________ seine
Befürchtung, er könnte durch die Steuerbehörden in Anspruch genommen werden,
wenn der Beklagte die Schenkungssteuern nicht zahle, wobei von einem Widerruf
der Schenkung nicht mehr die Rede war. Vielmehr erwähnte er in diesem
Schreiben ein Sperrkonto zur Sicherstellung der Schenkungssteuer. Die
Vorinstanz hat in tatsächlicher Hinsicht aus diesem Schreiben BB.________
geschlossen, dass er am 31. Mai 2002 vom Bestand des Schenkungsvertrages
ausging und nach Wegen suchte, seine Solidarhaftung auszuschliessen.

5.2 Die Vorinstanz ging einerseits davon aus, dass der Schenker den Widerruf
nicht rechtsverbindlich erklärt hatte, da Adressat des Schreibens vom 24.
April 2002 der Notar D.________ war, während der Beklagte (als Partei des
Schenkungsvertrages) nur eine Kopie erhalten hatte. Aufgrund des an den
Beklagten als Adressaten gerichteten Schreibens vom 31. Mai 2002 nahm die
Vorinstanz an, BB.________ halte am Rechtsgeschäft fest. Anderseits hielt sie
den Irrtum über die solidarische Haftbarkeit für die Schenkungssteuern nicht
für wesentlich, da einerseits ein Erklärungsirrtum nicht vorliege und
anderseits die restriktiven Bedingungen für die Annahme eines
Grundlagenirrtums nicht gegeben seien.

5.3 Der Kläger beanstandet in unzulässiger Weise die tatsächlichen
Feststellungen der Vorinstanz, wenn er - als Bundesrechtsverletzung - rügt,
diese habe zu Unrecht angenommen, die Willensmangelanfechtung habe sich
lediglich auf die Sicherstellung der Schenkungssteuer bezogen. Die Vorinstanz
hat verbindlich festgestellt, dass BB.________ den Widerruf der Schenkung
gegenüber Notar D.________ ausschliesslich mit seiner Haftung für die
Schenkungssteuer begründete. Der Kläger ergänzt auch hier insofern den im
angefochtenen Entscheid festgestellten Sachverhalt in unzulässiger Weise,
wenn er Notar D.________ als Hilfsperson des Beklagten qualifiziert, dessen
Wissen sich dieser anrechnen lassen müsste. Die Vorinstanz hat tatsächlich
festgestellt, dass BB.________ in seinem an den Beklagten gerichteten
Schreiben vom 31. Mai 2002 von der Verbindlichkeit der Schenkung (bzw. vom
Bestand des Schenkungsvertrages) ausging und Möglichkeiten aufzeigte, das
Problem seiner solidarischen Haftung für die Schenkungssteuer zu lösen.

5.4 Inwiefern die Vorinstanz aufgrund der verbindlichen tatsächlichen
Feststellungen im angefochtenen Urteil Bundesrechtsnormen verletzt haben
sollte, ist weder dargetan noch ersichtlich. Die Rüge, die Vorinstanz habe zu
Unrecht die Anfechtung der Schenkung wegen eines Willensmangels verneint, ist
unbegründet soweit darauf überhaupt eingetreten werden kann.

6.
Die Berufung ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Die
Gerichtsgebühr ist diesem Verfahrensausgang entsprechend dem Kläger zu
auferlegen (Art. 156 Abs. 1 OG). Er hat dem anwaltlich vertretenen Beklagten
die Parteikosten zu ersetzen (Art. 159 Abs. 2 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Berufung wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 15'000.-- wird dem Kläger auferlegt.

3.
Der Kläger hat den Beklagten für das bundesgerichtliche Verfahren mit Fr.
17'000.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Bern,
Appellationshof, 2. Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 3. Februar 2006

Im Namen der I. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: