Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilabteilung 4C.390/2005
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{T 0/2}
4C.390/2005 /bie

Sitzung vom 2. Mai 2006

I. Zivilabteilung

Bundesrichter Corboz, Präsident,
Bundesrichterin Klett, Bundesrichter Nyffeler, Bundesrichterin Kiss,
Ersatzrichter Geiser,
Gerichtsschreiber Huguenin.

X. ________, Kläger und Berufungskläger,
vertreten durch Rechtsanwalt Beat Rohrer,

gegen

Y.________ GmbH, Beklagte und Berufungsbeklagte,
vertreten durch Rechtsanwalt Thomas Ulrich,
Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Solothurn, Postfach, 4509
Solothurn.

Arbeitsvertrag; Lohnansprüche,

Berufung gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Zug, Zivilrechtliche
Abteilung, vom 4. Oktober 2005.

Sachverhalt:

A.
Mit Arbeitsvertrag vom 10. September 2001 wurde X.________ von der Y.________
GmbH in A.________, als Geschäftsführer des Restaurants C.________ in
B.________ angestellt. Am 12. Mai 2003 wurde er wegen angeblichen
Alkoholkonsums während der Arbeitszeit fristlos entlassen. Danach führte er
bis ca. Mitte Juli 2003 die Buchhaltung nach, ohne dass er dafür bezahlt
wurde.
Am 28. Juli 2003 schlossen die Parteien eine schriftliche Vereinbarung, in
der sie namentlich festhielten, dass diese "die Beendigung der Angelegenheit
Restaurant C.________, ..., per Saldo aller gegenseitigen Ansprüche" regle.
In der Folge stellte sich X.________ auf den Standpunkt, die fristlose
Entlassung sei ungerechtfertigt erfolgt und die in der Vereinbarung vom 28.
Juli 2003 abgegebene Saldoerklärung sei für ihn nicht verbindlich.

B.
Am 24. Oktober 2003 reichte X.________ beim Kantonsgericht Zug Klage gegen
die Y.________ GmbH ein mit dem Rechtsbegehren, die Beklagte zur Zahlung von
Fr. 27'138.15 nebst Zins zu verpflichten. Er verlangte von der Beklagten die
Bezahlung des Lohnes bis zum Ablauf der ordentlichen dreimonatigen
Kündigungsfrist im Betrag von Fr. 14'138.15 sowie die Ausrichtung einer
Entschädigung wegen ungerechtfertigter fristloser Entlassung im Betrag von
Fr. 13'000.--. An der Hauptverhandlung vor Kantonsgericht liess der Kläger
das Begehren um Ausrichtung einer Entschädigung in Höhe von Fr. 13'000.--
fallen. Dafür verlangte er zusätzlich eine näher umschriebene Berichtigung
des von der Beklagten nach Klageeinreichung ausgestellten Arbeitszeugnisses.
Das Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Solothurn, das dem Kläger
Arbeitslosenentschädigung ausgezahlt hatte, beteiligte sich als
Nebenintervenientin am Prozess.
Mit Urteil vom 22. November 2004 ordnete das Kantonsgericht die Änderung des
Zeugnisses an und wies im Übrigen die Klage ab. Auf Berufung des Klägers hin
bestätigte das Obergericht des Kantons Zug diesen Entscheid am 4. Oktober
2005.

C.
Mit seiner Berufung beantragt der Kläger dem Bundesgericht, Ziffer 1 des
Urteils des Obergerichts des Kantons Zug vom 4. Oktober 2005 in dem Sinne
abzuändern, dass die Beklagte zur Zahlung von Fr. 14'138.15 und dazu
verpflichtet wird, auf diesem Betrag die gesetzlich vorgeschriebenen
Sozialversicherungsbeiträge abzurechnen, eventuell das angefochtene Urteil
aufzuheben und die Sache zu neuer Beurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Der Kläger stellt zudem das Gesuch, ihm für das
bundesgerichtliche Verfahren die unentgeltlichen Verbeiständung zu gewähren.
In ihrer Berufungsantwort stellt die Beklagte Antrag auf Abweisung der
Berufung. Das Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Solothurn hat auf die
Einreichung einer Berufungsantwort verzichtet.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Das Obergericht hat die Klage abgewiesen, weil es davon ausgegangen ist, der
Kläger habe mit der Saldoerklärung vom 28. Juli 2003 auf die bis zu diesem
Tag gegebenenfalls bestehenden Ansprüche verzichtet und nach diesem Datum
seien keine weiteren Ansprüche nachgewiesen, weil kein Arbeitsvertrag mehr
vorgelegen habe. Der Kläger macht mit der Berufung geltend, die
Saldoerklärung sei ungültig, es liege eine ungerechtfertigte fristlose
Entlassung vor und er habe deshalb Anspruch auf Lohnersatz bis zum Ablauf der
ordentlichen Kündigungsfrist. Er rügt somit eine Verletzung der Art. 341 und
337 OR und auf die Berufung ist insoweit einzutreten.
Im Berufungsverfahren ist das Bundesgericht an die tatsächlichen
Feststellungen der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid gebunden (Art. 63
Abs. 2 OG). Entsprechend sind Ausführungen, die sich gegen die
vorinstanzlichen Feststellungen richten, das Vorbringen neuer Tatsachen, neue
Einreden, Bestreitungen und Beweismittel unzulässig (Art. 55 Abs. 1 lit. c
OG). Überdies muss sich die Begründung der Berufung aus der Berufungsschrift
selbst ergeben. Der blosse Verweis auf Ausführungen im kantonalen Verfahren
ist unbeachtlich (BGE 126 III 198 E. 1d S. 201 mit Hinweisen). Auf die
Vorbringen in der Berufungsschrift kann somit nicht eingetreten werden,
soweit der Kläger den Sachverhalt anders darstellt als die Vorinstanz, die
Abnahme von Beweismitteln beantragt oder die tatsächlichen Feststellungen der
Vorinstanz kritisiert.

2.
Gemäss Art. 341 Abs. 1 OR ist ein Verzicht des Arbeitnehmers auf Forderungen,
die sich aus zwingenden Gesetzesbestimmungen ergeben, nichtig, wenn er
während des Arbeitsverhältnisses oder während eines Monats nach dessen
Beendigung erfolgt.

2.1 Während der deutsche und der italienische Gesetzestext die Formulierungen
"während der Dauer des Arbeitsverhältnisses" bzw. "während eines Monats nach
Beendigung des Arbeitsverhältnisses" verwenden ("durante il rapporto di
lavoro e nel mese successivo alla sua fine"), ist im französischen Text von
der Dauer und Beendigung des Vertrages die Rede ("pendant la durée du contrat
et durant le mois qui suit la fin de celui-ci"). Die Lehre äussert sich zu
dieser Unterscheidung kaum (vgl. Rémy Wyler, Droit du travail, Bern 2002,
S. 187 FN 568; Jean-Louis Duc/Olivier Subilia, Commentaire du contrat
individuel de travail, Lausanne 1998, N. 4 zu Art. 341 OR; Adrian Staehelin,
Zürcher Kommentar, Zürich 1996, N. 10 zu Art. 341 OR; Gabriel Aubert, in:
Thévenoz/Werro (Hrsg.), Commentaire romand, Genf 2003, N. 1 zu Art. 341 OR,
der sowohl von "rapport de travail" wie auch von "terme du contrat"
schreibt). Die Unterscheidung ist vor allem am Anfang der Vertragsbeziehung
von Bedeutung, wenn der Arbeitsvertrag schon abgeschlossen wurde, das
Arbeitsverhältnis aber noch nicht begonnen hat. In der Lehre wird jedoch
darauf hingewiesen, dass die Unterscheidung auch im Zusammenhang mit der
Beendigung der Vertragsbeziehung von Bedeutung sein kann, wenn streitig ist,
ob der Arbeitsvertrag rechtsgültig fristlos beendet worden ist (Staehelin,
a.a.O., N. 10 zu Art. 341 OR).
Für die Auslegung ist vom Zweck der Norm auszugehen. Art. 341 Abs. 1 OR
bezweckt den Schutz des Arbeitnehmers, solange er in einer gewissen
Abhängigkeit gegenüber der Arbeitgeberin ist. Die Bestimmung trägt dem
Umstand Rechnung, dass der Arbeitnehmer sich in einem gesteigerten
Abhängigkeitsverhältnis befindet und häufig der wirtschaftlich schwächere
Teil ist, während des Arbeitsverhältnisses unter Druck gesetzt werden oder
aus Angst um seine Stelle Hemmungen haben kann, zusätzliche Ansprüche
unverzüglich zu erheben (BGE 105 II 39 ff. S. 41; Staehelin, a.a.O., N. 1 zu
Art. 341 OR). Massgebend für Beginn und Ende des Schutzes des Arbeitnehmers
ist somit dessen Abhängigkeitsverhältnis, dessen Unterordnung (Subordination)
unter die Arbeitgeberin. Sinnvollerweise dauert der Schutz so lange an, wie
dieses Verhältnis dauert bzw. bis einen Monat nach seiner Beendigung. Die
Kündigung des Vertrages lässt deshalb das Schutzbedürfnis noch nicht
entfallen, erst die faktische Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Bei einer
fristlosen Entlassung kann es entsprechend nicht darauf ankommen, ob diese
gerechtfertigt war oder nicht. Entscheidend ist vielmehr, dass das
Arbeitsverhältnis tatsächlich beendet worden ist.

2.2 Gemäss den tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz hat die Beklagte
am 12. Mai 2003 eine fristlose Kündigung ausgesprochen. Dennoch führte der
Kläger bis ca. Mitte Juli 2003 die Buchhaltungen einzelner Betriebe nach.
Endete das Arbeitsverhältnis am 12. Mai 2003, verging bis zur Saldoerklärung
mehr als ein Monat. Dauerte das Arbeitsverhältnis dagegen bis Mitte Juli 2003
an, liegt die Saldoerklärung innerhalb der Zeitspanne von Art. 341 Abs. 1 OR.
Der Frage, ob die Parteien das Arbeitsverhältnis über den 12. Mai 2003 hinaus
fortgesetzt haben, kommt somit entscheidende Bedeutung zu.

2.3 Das Obergericht geht zu Recht davon aus, dass der Kläger das Bestehen
eines Arbeitsverhältnisses nach dem Aussprechen der fristlosen Kündigung
nachzuweisen hatte. Allerdings musste er nicht nachweisen, dass ein neuer
Arbeitsvertrag abgeschlossen oder der alte abgeändert wurde. Es genügt, wenn
er beweisen konnte, dass die Arbeitgeberin in der fraglichen Zeit Arbeit von
ihm entgegennahm, welche nach den Umständen nur gegen Lohn zu erwarten war
(Art. 320 Abs. 2 OR).
Eine fristlose Kündigung beendet das Arbeitsverhältnis unabhängig davon, ob
sie gerechtfertigt ist (BGE 117 II 270 E. 3b; Frank Vischer, SPR, Bd. VII/4,
Der Arbeitsvertrag, Basel 2005, S. 253; Thomas Geiser/ Roland Müller,
Arbeitsrecht in der Schweiz, Bern 2005, Rz. 462). Das war früher umstritten.
Ein Teil der Lehre ging davon aus, dass die fristlose Entlassung beim Fehlen
eines wichtigen Grundes das Arbeitsverhältnis nur faktisch, nicht aber
rechtlich beendet. Diese Lehrmeinung ist überholt, da der Gesetzgeber mit der
im Jahre 1988 erfolgten Revision des Art. 337c OR klargestellt hat, dass auch
die ungerechtfertigte fristlose Entlassung das Arbeitsverhältnis rechtlich
beendet.

2.4 Voraussetzung für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses ist jedoch,
dass die fristlose Entlassung vollzogen wird. Nimmt die Arbeitgeberin trotz
der fristlosen Entlassung die Arbeitsleistung weiterhin entgegen, so kann die
fristlose Entlassung das Arbeitsverhältnis nicht tatsächlich beenden.
Nach dem angefochtenen Urteil liegt indessen kein solcher Fall vor, weil die
Nachführung der Buchhaltung durch den Kläger nicht als arbeitsvertragliche
Tätigkeit betrachtet werden kann, sondern im Rahmen eines unentgeltlichen
Auftrages erfolgt ist. Für ein Arbeitsverhältnis fehle es sowohl an der
Entgeltlichkeit wie auch an der Subordination. Die Vorinstanz stellt in
diesem Zusammenhang fest, dass die Beklagte im kantonalen Verfahren geltend
gemacht hat, es sei mit dem Kläger - gleichsam im Sinne einer
Schadensminderung - vereinbart worden, dass dieser die ungeordnete
Buchhaltung unentgeltlich nachführe. Der Kläger habe demgegenüber die
Entgeltlichkeit der von ihm erbrachten Leistungen nicht nachgewiesen. An
diese tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz ist das Bundesgericht im
Berufungsverfahren gebunden. Wenn der Kläger in der Berufungsschrift
vorbringt, die Feststellungen der Vorinstanz widersprächen den Aussagen eines
Zeugen, ist er nicht zu hören. Soweit der Kläger geltend macht, die
Vorinstanz sei von einem falschen rechtlichen Begriff der Entgeltlichkeit
ausgegangen, liegt zwar ein in einer Berufung zulässiges Vorbringen vor, die
Frage ist aber gegenstandslos, soweit sich ergeben sollte, dass kein
Subordinationsverhältnis gegeben ist. Zu prüfen bleibt damit, ob die
Vorinstanz auch das Vorliegen eines Subordinationsverhältnisses zu Recht
verneint hat.

2.5 Unter Subordination im arbeitsrechtlichen Sinne wird die rechtliche
Unterordnung in persönlicher, betrieblicher und wirtschaftlicher Hinsicht
verstanden (Staehelin, a.a.O., N. 27 ff. zu Art. 319 OR; Urteil des
Bundesgerichts 4C.460/1995 vom 24. Februar 1997, E. 2a, abgedruckt in JAR
1998, S. 104). Die betriebliche und die persönliche Subordination setzen
nicht voraus, dass der Arbeitnehmer seinen Arbeitsplatz an einem festen Ort
zugewiesen hat. Die Arbeit kann auch ausserhalb eines eigentlichen Betriebes,
sogar an einem vom Arbeitnehmer selbst gewählten Ort verrichtet werden.
Entscheidend ist aber, dass der Arbeitnehmer in eine fremde Organisation
eingegliedert ist und damit von bestimmten Vorgesetzten Weisungen erhält. Die
Schwierigkeit liegt allerdings darin, dass auch bei anderen Verträgen auf
Arbeitsleistung, wie zum Beispiel dem Auftrag, ein Weisungsrecht besteht. Es
kommt deshalb auf das Mass der Weisungsgebundenheit an (Simon Gerber, Die
Scheinselbständigkeit im Rahmen des Einzelarbeitsvertrages, Diss. St. Gallen
2003, S. 125 ff.). Dabei wird nicht vorausgesetzt, dass die Arbeitgeberin dem
Arbeitnehmer Fachanweisungen gibt (Ullin Streiff/Adrian von Kaenel,
Arbeitsvertrag, Zürich 2006, N. 6 zu Art. 319 OR). Erfordert die Tätigkeit
des Arbeitnehmers besondere Fachkenntnisse, ist es sehr wohl möglich, dass
diese ausschliesslich beim Arbeitnehmer, nicht aber bei der Arbeitgeberin
vorhanden sind.
Nach dem Gesagten kann das Fehlen eines Subordinationsverhältnisses nicht
bereits damit begründet werden, dass der Kläger die Buchhaltung nicht nach
den Weisungen der Beklagten, sondern lege artis zu erstellen hatte, wie die
Vorinstanz meint. Der Auffassung der Vorinstanz, dass ein
Subordinationsverhältnis fehlte, ist aber im Ergebnis dennoch zuzustimmen.
Entscheidend ist, dass der Kläger nach der fristlosen Entlassung nicht mehr
in die Arbeitsorganisation der Beklagten eingegliedert war, wo er als
Geschäftsführer des Restaurants C.________ gearbeitet hatte, sondern sich nun
ausschliesslich der - vorher in Rückstand geratenen - Führung der Buchhaltung
widmete, und er dabei grundsätzlich frei darüber bestimmen konnte, wann, wo
und wie er seine Leistungen erbrachte. Unter diesen Umständen fehlte es an
einem Subordinationsverhältnis als Voraussetzung für das Vorliegen eines
Arbeitsvertrages. Damit braucht auch nicht geklärt zu werden, ob die zweite
Voraussetzung, die Entgeltlichkeit, gegeben ist.

2.6 Die Fiktion von Art. 320 Abs. 2 OR kommt nicht zur Anwendung, wenn die
Elemente der Entgeltlichkeit oder der Subordination fehlen (Staehelin,
a.a.O., N. 10 zu Art. 320 OR). Die Rüge einer Verletzung von Art. 320 Abs. 2
OR durch die Vorinstanz erweist sich damit als unbegründet.

2.7 Nach dem Gesagten erfolgte die Saldoerklärung vom 28. Juli 2003 weder
während der Dauer des Arbeitsverhältnisses noch innerhalb eines Monats nach
dessen Beendigung. Unter dem Gesichtspunkt von Art. 341 Abs. 1 OR ist die
Erklärung als gültig zu betrachten.

3.
3.1
Nach Rechtsprechung und Lehre verbietet Art. 341 Abs. 1 OR nur den
einseitigen Verzicht und nicht auch den Vergleich, bei dem beide Parteien auf
Ansprüche verzichten und damit ihr gegenseitiges Verhältnis klären (BGE 119
II 439 E. 2a S. 450; 118 II 58 E. 2b S. 61 mit Hinweisen; Staehelin, a.a.O.,
N. 13 ff. zu Art. 341 OR). Der Unterschied zwischen einem verbotenen Verzicht
und einem zulässigen Vergleich besteht darin, dass beim Vergleich beide
Parteien auf Ansprüche verzichten. Dabei kann es sich auch um Ansprüche
handeln, die im Zeitpunkt des Vergleichsabschlusses unsicher sind. Nach einer
umstrittenen fristlosen Kündigung können zum Beispiel unsichere
Schadenersatzforderungen der Arbeitgeberin zweifelhaften Lohnforderungen des
Arbeitnehmers gegenüberstehen, so dass mit einer Saldovereinbarung ein
zulässiger Vergleich erwirkt wird.
In einem neuen Entscheid hat das Bundesgericht festgehalten, dass für die
Zulässigkeit der Vereinbarung der blosse beidseitige Verzicht auf mögliche
Leistungen nicht ausreicht. Vielmehr ist zu prüfen, was der mutmassliche
Verzicht der Arbeitgeberin für den Arbeitnehmer tatsächlich bedeutet (Urteil
4C.37/2005 vom 17. Juni 2005, E. 2.2). Es muss somit eine Interessenabwägung
im Einzelfall vorgenommen werden, wobei zu beurteilen ist, ob die
beidseitigen Ansprüche, auf die verzichtet wird, von ungefähr gleichem Wert
sind (Urteil 4C.27/2002 vom 19. April 2002, E. 3, abgedruckt in SJ 2003 I
S. 220).

3.2 Vor dem Obergericht hatte der Kläger geltend gemacht, die Vereinbarung
vom 28. Juli 2003 könne nicht als Vergleich betrachtet werden, weil die
Beklagte ihm einzig die Überweisung der Krankentaggelder zugestanden habe,
wozu sie ohnehin verpflichtet gewesen sei. Weitere Zugeständnisse habe sie
nicht gemacht.
Im angefochtenen Urteil wird zunächst festgehalten, diese vom Kläger erstmals
im Berufungsverfahren erhobene Rüge scheitere bereits an dem im
Rechtsmittelverfahren geltenden Novenverbot gemäss § 205 Abs. 1 ZPO. Damit
übersah das Obergericht indessen, dass die Rüge eine Rechtsfrage betraf, mit
der es sich von Bundesrechts wegen zu befassen hatte (BGE 125 III 82 E. 3
S. 85 mit Hinweisen). Das Obergericht ist denn auch in einer Eventualerwägung
auf die Rüge eingetreten und hat sie als unbegründet abgewiesen. In diesem
Zusammenhang hat es festgehalten, es verhalte sich entgegen der Auffassung
des Klägers nicht so, dass die Beklagte ihrerseits keinerlei Zugeständnisse
gegenüber dem Kläger gemacht habe und der Vergleich für diesen eine
unangemessene Regelung enthalte. Die Beklagte habe vorgebracht, dass der
Kläger sich in seiner Funktion als Geschäftsführer gegenüber den Gästen zu
Lasten der Beklagten "grosszügig" gezeigt habe, indem er diesen
Blumensträusse und Schmuck geschenkt habe. Auf der anderen Seite sei aber
auch die vom Kläger geltend gemachte Schadenersatz- bzw. Lohnforderung
bestritten gewesen, so dass auch deren Bestand im Zeitpunkt des
Vergleichsabschlusses ungewiss gewesen sei.
Wie aus dem erstinstanzlichen Urteil (S. 6) hervorgeht, hat die Beklagte dem
Kläger im kantonalen Verfahren nicht nur vorgeworfen, den Gästen
Blumensträusse und Schmuck geschenkt zu haben, sondern auch behauptet, die
Kosten für die Behebung des Chaos in der Buchhaltung, welches der Kläger
angerichtet habe, beziffere sich gemäss den Angaben der jetzigen
Buchhaltungsfirma auf über Fr. 13'000.--. Somit standen sich von beiden
Seiten Forderungen in vergleichbarer Höhe gegenüber, womit auch nach der
neusten Rechtsprechung des Bundesgerichts die Voraussetzungen für einen
zulässigen Vergleich im vorliegenden Fall erfüllt sind. Die Vereinbarung vom
28. Juli 2003 wäre demnach unter dem Gesichtspunkt von Art. 341 Abs. 1 OR als
gültig zu betrachten.

4.
Der Kläger hält vor Bundesgericht daran fest, dass die Vereinbarung vom
28. Juli 2003 wegen Furchterregung im Sinne der Art. 29 f. OR für ihn
unverbindlich sei.
Die Vorinstanz hat den vom Kläger behaupteten Willensmangel beim Abschluss
der Vereinbarung gestützt auf die folgenden tatsächlichen Feststellungen
verneint:
D.________ von der Beklagten hat anlässlich seiner Befragung erklärt, er habe
dem Bruder des Klägers bezüglich der nicht nachgeführten Buchhaltung gesagt,
dass er zwei Möglichkeiten sehe: Entweder werde er zur Polizei gehen, um
Anzeige zu erstatten, weil die Buchhaltung nicht in Ordnung sei, Geld fehle
und er deshalb in der Klemme sitze, oder aber der Kläger werde die
Buchhaltung unentgeltlich wieder in Ordnung bringen. Falls der Kläger dies
tue, könne er von einer Strafanzeige absehen. Auf dieser tatsächlichen
Grundlage verneint die Vorinstanz einen Kausalzusammenhang zwischen der
Drohung und dem Abschluss der Vereinbarung vom 28. Juli 2003, weil die im Mai
2003 angedrohte Strafanzeige den Kläger einzig zum Aufarbeiten der
Buchhaltung bestimmt habe und nicht zum Verzicht auf irgendwelche
Geldansprüche. Diesen Verzicht habe der Kläger erst mit der Vereinbarung vom
28. Juli 2003 ausgesprochen und in diesem Zusammenhang habe D.________ nach
seiner Aussage nicht mit einer Strafanzeige gedroht. Insofern sei die Drohung
im Mai 2003 für eine Verzichtserklärung Ende Juli 2003 nicht kausal gewesen.
Gegenteiliges habe der Kläger nicht nachgewiesen.
Was der Kläger mit der Berufung gegen diese auf Beweiswürdigung beruhenden
tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz einwendet, ist nicht zu hören.
Mit seiner Behauptung, der Kausalzusammenhang sei gegeben, weil ihn bereits
die Drohung im Mai 2003 zum Lohnverzicht veranlasst habe, wendet er sich in
unzulässiger Weise gegen den vom Obergericht für das Bundesgericht
verbindlich festgestellten Sachverhalt. Dieses hat im Berufungsverfahren
davon auszugehen, dass zwischen der Drohung von D.________ und dem Abschluss
der Vereinbarung vom 28. Juli 2003 kein Kausalzusammenhang besteht, weshalb
eine Unverbindlichkeit wegen Furchterregung im Sinne von Art. 29 OR ausser
Betracht fällt. Auf die Eventualerwägung der Vorinstanz, dass eine allfällige
Drohung nicht widerrechtlich gewesen wäre, und die mit der Berufung dagegen
vorgebrachte Rüge braucht unter diesen Umständen nicht eingegangen zu werden.

5.
Aus diesen Gründen ist die Berufung abzuweisen, soweit auf sie eingetreten
werden kann.
Eine Gerichtsgebühr ist gemäss Art. 343 Abs. 3 OR nicht zu erheben.
Das Gesuch des Klägers um unentgeltliche Verbeiständung ist gutzuheissen, da
die Bedürftigkeit des Klägers im Sinne von Art. 152 OG gegeben ist, seine
Berufung nicht von vornherein aussichtslos war und er auf die Vertretung
durch einen Rechtsanwalt angewiesen war.
Der im bundesgerichtlichen Verfahren unterliegende Kläger hat jedoch die
obsiegende Beklagte für das bundesgerichtliche Verfahren zu entschädigen
(Art. 159 Abs. 1 und 2 OG; BGE 97 I 629 E. 4 S. 630 mit Hinweisen).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Das Gesuch des Klägers um Gewährung unentgeltlicher Rechtspflege wird
gutgeheissen.

2.
Die Berufung wird abgewiesen, soweit auf sie einzutreten ist.

3.
Es wird keine Gerichtsgebühr erhoben.

4.
Der Kläger hat die Beklagte für das bundesgerichtliche Verfahren mit Fr.
2'000.-- zu entschädigen.

5.
Dem Anwalt des Klägers, lic. iur. Beat Rohrer, Menznau, wird aus der
Bundesgerichtskasse ein Honorar von Fr. 2'000.-- ausgezahlt.

6.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Zug,
Zivilrechtliche Abteilung, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 2. Mai 2006

Im Namen der I. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: