Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilabteilung 4C.394/2005
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4C.394/2005 /sza

Urteil vom 29. März 2006

I. Zivilabteilung

Bundesrichter Corboz, Präsident,
Bundesrichterin Klett,
Bundesrichter Nyffeler, Favre,
Bundesrichterin Kiss,
Gerichtsschreiber Widmer.

A. ________,
Beklagter und Berufungskläger,
vertreten durch Fürsprecherin
Esther Weigl-Eichenberger,

gegen

B.________,
Kläger und Berufungsbeklagten.

Auskunfts- und Beratungsvertrag,

Berufung gegen das Urteil des Obergerichts
des Kantons Aargau, Zivilgericht, 2. Kammer,
vom 21. September 2005.

Sachverhalt:

A.
B. ________ jun. beantragte über Vermittlung durch A.________ am 7. Januar
1994 schriftlich die Aufnahme seines Vaters, B.________ sen., in den European
Kings Club (EKC). Gleichzeitig stellte er für seinen Vater einen Antrag für
die Zeichnung zweier so genannter "Letters" der EKC Re-Insurance (Europe)
Ltd., Dublin, Irland (EKC Re-Insurance) zum Preis von insgesamt Fr. 2'800.--,
der sich aus einem Kaufpreis von Fr. 1'200.-- und einer Verwaltungsgebühr von
Fr. 200.-- pro Letter zusammensetzte. Bis zum 11. Oktober 1994 wurden weitere
56 Letters gezeichnet. Für die 58 gezeichneten Letters wurden insgesamt Fr.
81'200.-- bezahlt, Fr. 56'000.-- auf das Konto von A.________ bei der Bank
C.________ und der Rest in bar. Gemäss den ausgelieferten Letters
verpflichtete sich die EKC Re-Insurance, pro Letter à Fr. 1'200.-- innerhalb
eines Jahres 12 mal Fr. 200.-- auszuzahlen, mit Zahlungsbeginn jeweils ab dem
zweiten Monat nach Eingang der Zahlung pro Letter. Dies entspricht unter
Berücksichtigung der Verwaltungsgebühr einer Rendite von 70 %. Insgesamt
wurden Rückzahlungen von bloss Fr. 27'200.-- geleistet.

Bereits mit Verfügung vom 25. August 1993 hatte die eidgenössische
Bankenkommission festgestellt, dass der European Kings Club dem Bankengesetz
unterstehe und dessen Auflösung und Liquidation angeordnet. Eine dagegen
erhobene Verwaltungsgerichtsbeschwerde hatte das Bundesgericht mit Urteil vom
2. März 1994 abgewiesen (Urteil 2A.324/1993). Es ist gerichtsnotorisch, dass
vom European Kings Club ein pyramidenähnliches Investitionssystem betrieben
wurde, bei dem die von Letter-Käufern investierten Geldbeträge nicht - wie
versprochen - bankmässig angelegt, sondern bloss umgelegt und für
Ausschüttungen zu Gunsten der früheren Investoren verwendet wurden (vgl. BGE
121 IV 224 S. 225).

B.
B.aAm 11. August 1995 erhob B.________ sen. beim Bezirksgericht Lenzburg
Klage und beantragte, A.________ und dessen Ehefrau D.________ seien
solidarisch zu verpflichten, ihm den Betrag von Fr. 41'600.-- nebst Zins,
eventuell Fr. 54'000.-- nebst Zins zu bezahlen. Ferner sei der
Rechtsvorschlag der Beklagten in den angehobenen Betreibungen im Umfange von
Fr. 41'600.-- zu beseitigen und definitive Rechtsöffnung zu erteilen.

A. ________ und D.________ schlossen auf Abweisung der Klage, soweit darauf
einzutreten sei. Sodann verlangten sie mit Widerklage, B.________ sen. sei zu
verpflichten, die sich in seinem Besitz befindliche Police Nr. 111 der
E.________-Lebensversicherungs-Gesellschaft, die ihm als Sicherheit für
Auszahlungen aus den gezeichneten Letters übergeben worden war, unverzüglich
an sie herauszugeben.

B.b Mit Verfügung des Präsidenten des Bezirksgerichts Lenzburg vom 1. Oktober
1996 wurde das Verfahren bis zum Abschluss des Strafverfahrens gegen
A.________ und D.________ sistiert.

Am 9. Januar 1997 verstarb B.________ sen. An seine Stelle im Prozess trat
der einzige Erbe, B.________ jun. (Kläger).

Am 28. Oktober 2004 hob der Präsident des Bezirksgerichts die
Verfahrenssistierung auf, da nach Auskunft der Staatsanwaltschaft des Kantons
Aargau nicht in absehbarer Zeit mit dem Abschluss des Strafverfahrens
gerechnet werden könne.

B.c Mit Urteil vom 17. Februar 2005 verpflichtete das Bezirksgericht
einerseits A.________ (Beklagter), dem Kläger Fr. 21'200.-- nebst Zins zu 5 %
seit dem 8. April 1995 zu bezahlen. Andererseits verpflichtete es den Kläger,
dem Beklagten die auf diesen lautende Lebensversicherungspolice Nr. 111 der
E.________-Lebensversicherungs-Gesellschaft innert 20 Tagen seit Rechtskraft
dieses Urteils herauszugeben. Die Klage gegen D.________ sowie die Widerklage
derselben wies das Gericht ab.

B.d Der Beklagte gelangte in der Folge mit Appellation an das Obergericht des
Kantons Aargau und beantragte, die Klage sei unter teilweiser Aufhebung des
bezirksgerichtlichen Urteils vom 17. Februar 2005 auch gegenüber ihm
abzuweisen, soweit auf sie einzutreten sei. Das Obergericht wies das
Rechtsmittel am 21. September 2005 ab.

Das Obergericht ging mit der Erstinstanz, die sich dabei an die
Rechtsprechung des Österreichischen Obersten Gerichtshofes angelehnt hatte
(u.a. Urteil 1Ob182/97i vom 15. Juli 1997 mit Bezugnahme auf Urteile des
Deutschen Bundesgerichtshofes), davon aus, es sei zwischen dem Kläger und dem
Beklagten, der selbständig eine Vermittlungstätigkeit ausgeübt habe,
stillschweigend ein Vertrag über Auskunft und Beratung geschlossen worden,
der als Auftrag zu qualifizieren sei. Diesen Vertrag habe der Beklagte
verletzt. So habe er den Kläger nicht über allfällige Risiken der Geldanlage
in Letters aufgeklärt bzw. diesem nicht offen gelegt, dass er selber über
keine verlässlichen Informationen dazu verfüge. Allfällige Bedenken des
Klägers habe er mit geradezu missionarischem Eifer zerstreut. Allerdings
hätte der Kläger bei halbwegs vernünftiger Betrachtungsweise Zweifel an der
Seriosität der Geldanlage hegen müssen. Der zu ersetzende Schaden sei wegen
erheblichen Selbstverschuldens um 50 % herabzusetzen.

C.
Der Beklagte führt gegen das Urteil des Obergerichts vom 21. September 2005
eidgenössische Berufung. Er beantragt, das angefochtene Urteil aufzuheben und
die Klage auch gegenüber ihm abzuweisen. Eventuell sei die Sache zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.

Der Kläger hat sich zur Berufung nicht vernehmen lassen.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Im Berufungsverfahren ist das Bundesgericht grundsätzlich an die
tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz bzw. der Erstinstanz, auf deren
Erwägungen die Vorinstanz im vorliegenden Fall verwiesen hat, gebunden.
Ausnahmen von dieser Bindung kommen nur in Betracht, wenn die Vorinstanz
bundesrechtliche Beweisvorschriften verletzt hat, wenn ihr ein
offensichtliches Versehen unterlaufen ist (Art. 63 Abs. 2 OG) oder wenn der
von ihr ermittelte Sachverhalt im Hinblick auf die Anwendung des Bundesrechts
der Ergänzung bedarf (Art. 64 OG). Die Partei, die den Sachverhalt berichtigt
oder ergänzt wissen will, hat darüber genaue Angaben mit Aktenhinweisen zu
machen (Art. 55 Abs. 1 lit. d OG; BGE 130 III 102 E. 2.2; 127 III 248 E. 2c
S. 252; 115 II 484 E. 2a S. 485 f., je mit Hinweisen). Blosse Kritik an der
Beweiswürdigung des kantonalen Gerichts kann dagegen mit Berufung nicht
vorgetragen werden (BGE 127 III 73 E. 6a; 126 III 10 E. 2b S. 12 f.; 119 II
84 E. 3; 118 II 365 E. 1).

1.1 Im vorinstanzlichen Verfahren war unbestritten, dass die EKC-Re-Insurance
keine eigenen Mitarbeiter beschäftigte. Indessen machte der Beklagte geltend,
er sei bei der F.________ GmbH in G.________ tätig bzw. beschäftigt gewesen,
die ihrerseits Vermittlerin der von der EKC Re-Insurance ausgestellten
Letters gewesen sei und von der er Provisionen erhalten habe; er habe nicht
als selbständiger Vermittler gehandelt.
Die Vorinstanz hielt dazu fest, das Beweisverfahren habe keine Hinweise
darauf gebracht, dass der Beklagte sich gegenüber dem Kläger oder dessen
Vater dahingehend geäussert hätte, er sei für die F.________ tätig. Es liege
nicht der vom Beklagten behauptete Fall vor, dass ein Angestellter einer
Firma, sei dies eine Bank oder ein Vermögensverwalter, namens seines
Arbeitgebers Kunden berate und ihnen zum Beispiel den Kauf von
risikoanfälligen Fondsanteilen, Aktien etc. anbiete. Vielmehr sei von einer
selbständigen Vermittlungstätigkeit des Beklagten auszugehen.

1.2 Der Beklagte rügt, die Feststellung, er sei selbständiger Vermittler
gewesen, sei ohne Begründung erfolgt und widerspreche den Parteiaussagen und
den Akten. Ein Beweis für diese Feststellung liege nicht vor. Es liege eine
unvollständige und auf offensichtlichem Versehen beruhende Ermittlung des
Sachverhalts vor, eventuell eine Verletzung bundesrechtlicher
Beweisvorschriften.

1.2.1 Soweit der Beklagte damit eine Versehensrüge im Sinne von Art. 63 Abs.
2 OG vorträgt, verkennt er, dass ein offensichtliches Versehen nach der
Rechtsprechung nur vorliegt, wenn die Vorinstanz eine bestimmte Aktenstelle
übersehen oder unrichtig, d.h. nicht in ihrer wahren Gestalt, insbesondere
nicht mit ihrem wirklichen Wortlaut wahrgenommen hat (BGE 115 II 399 E. 2;
113 II 522 E. 4b; 104 II 68 E. 3b).

Der Beklagte macht nicht geltend, die angefochtene Feststellung, wonach er
als selbständiger Vermittler tätig gewesen ist, stehe mit einem ganz
bestimmten Aktenstück in Widerspruch. Seine Vorbringen, die Feststellung
widerspreche verschiedenen Aktenstücken, laufen vielmehr auf eine im
Berufungsverfahren unzulässige, und zudem nicht näher begründete Kritik an
der vorinstanzlichen Beweiswürdigung hinaus, auf die nicht eingetreten werden
kann.

1.2.2 Auf die Rüge, die angefochtene Feststellung sei unter Verletzung von
bundesrechtlichen Beweisvorschriften erfolgt, ist schon deshalb nicht
einzutreten, weil sie jeglicher Begründung entbehrt. - Gemäss Art. 55 Abs. 1
lit. c OG ist in der Begründung der Anträge darzulegen, welche
Bundesrechtssätze und inwiefern sie durch den angefochtenen Entscheid
verletzt werden. Soweit beispielsweise eine Verletzung des Rechts auf
Zulassung zum Beweis gerügt werden soll, gehört dazu, dass in der Begründung
auch konkret dargelegt wird, welche form- und fristgerechten Beweisanträge im
kantonalen Verfahren gestellt worden sind oder in dessen weiteren Verlauf
noch hätten gestellt werden können, und daher vom kantonalen Richter in
Verletzung von Art. 8 ZGB übergangen wurden (vgl. BGE 122 III 219 E. 3c S.
223).

1.2.3 Wenn der Beklagte sodann - und dies offensichtlich zu Unrecht -
vorbringt, die Vorinstanz habe die kritisierte Feststellung nicht begründet,
rügt er eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör und damit eine
Verfassungsverletzung (Art. 29 Abs. 2 BV; vgl. BGE 129 I 232 E. 3.2 S. 236).
Darauf kann im vorliegenden Verfahren nicht eingetreten werden. Mit Berufung
kann geltend gemacht werden, der angefochtene Entscheid beruhe auf Verletzung
des Bundesrechts; die Rüge der Verletzung verfassungsmässiger Rechte ist
dagegen der staatsrechtlichen Beschwerde vorbehalten (Art. 43 Abs. 1 Satz 2
OG).

1.3 Da der Beklagte keine weiteren Ausnahmen von der Sachverhaltsbindung nach
Art. 63 Abs. 2 und Art. 64 OG geltend macht, hat das Bundesgericht seinem
Urteil die Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz als wahr und vollständig
zu Grunde zu legen. Der Beklagte ist daher mit Vorbringen nicht zu hören, in
denen er von den tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz abweicht. So
namentlich, wenn er geltend macht, es sei allen Beteiligten klar gewesen,
dass der Kläger mit der EKC Re-Insurance einen Vertrag betreffend Kauf der
Letters geschlossen habe, wobei der Beklagte immer klar erkennbar und
ausnahmslos nicht in eigenem Namen gehandelt habe, worüber sich auch der
Kläger bzw. sein Rechtsnachfolger bewusst gewesen sei.

Die entsprechenden Vorbringen stossen zudem insoweit ins Leere, als der
Beklagte verkennt, dass der Vorinstanz bzw. der Erstinstanz, auf deren
Ausführungen die Vorinstanz verwiesen hat, nicht entgangen ist, dass sich der
Beklagte nicht selber zur Zahlung der in den Letters verbrieften Forderungen
verpflichtete und insoweit im Namen der EKC Re-Insurance, d.h. als deren
Stellvertreter, handelte. Die Vorinstanz hat die Haftung des Beklagten
indessen aus der Verletzung eines weiteren, stillschweigend zwischen dem
Kläger und dem Beklagten in eigenem Namen geschlossenen Vertrages betreffend
Auskunft und Beratung abgeleitet.

2.
Der Beklagte hält dafür, die Vorinstanz habe zu Unrecht einen stillschweigend
geschlossenen Auskunfts- und Beratungsvertrag angenommen, in dessen Rahmen er
die Pflicht gehabt haben soll, den Kläger über die Risiken der Geldanlage in
Letters aufzuklären. Es fehle vorliegend an entsprechenden übereinstimmenden
gegenseitigen Willensäusserungen im Sinne von Art. 1 OR. Der Kläger sei an
den Beklagten als Ansprechpartner und Vermittler der EKC Re-Insurance
herangetreten, mit dem Anliegen, sog. Letters zu kaufen. Der Beklagte habe
nicht verschiedene Geldanlagen vermittelt, sondern nur den Kauf der Letters.
Er habe nicht über Vermögensanlagen im Allgemeinen beraten, sondern nur
Letters der EKC Re-Insurance vermittelt.

2.1 Eine tatsächliche Willensübereinstimmung zum Abschluss eines (formlosen)
Auskunftsvertrages hat die Vorinstanz nicht festgestellt, weshalb ein
Vertragsschluss nur dann bejaht werden kann, wenn der Kläger nach dem
Vertrauensgrundsatz in seinem Verständnis der Willensäusserungen des
Beklagten zu schützen und damit letzterer auf seinen Äusserungen in deren
objektiven Sinn zu behaften ist (BGE 127 III 444 E. 1b; 123 III 35 E. 2b S.
39 f., je mit Hinweisen). Ob der Beklagte ein Verhalten an den Tag gelegt
hat, aus dem der Kläger in guten Treuen auf das Vorliegen eines solchen
Willens schliessen durfte, prüft das Bundesgericht frei. Massgebend sind
dabei die Umstände, die den Parteien im fraglichen Zeitraum bekannt oder
erkennbar waren. An Feststellungen der letzten kantonalen Instanz
hinsichtlich äusserer Tatsachen und des inneren Willens der Parteien ist das
Bundesgericht wiederum gebunden (BGE 124 III 363 E. II/5a mit Hinweisen; vgl.
dazu auch BGE 131 III 606 E. 4.1; 130 III 417 E. 3.2; 129 III 675 E. 2.3 S.
680; 116 II 695 E. 2a).

Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die Erteilung einer Auskunft,
die weder in Ausübung eines Gewerbes noch sonst gegen Entgelt gegeben wird,
nicht als Erfüllung einer übernommenen vertraglichen Verpflichtung anzusehen,
sondern als ein ausservertragliches Handeln. Dies gilt beispielsweise auch
für Bankauskünfte, die ein Kunde unabhängig von einem bestimmten Geschäft
erbittet und erhält (BGE 124 III 363 E. II/5a S. 368 mit Hinweisen; Urteil
4C.193/2000 vom 26. September 2001 E. 4a; kritisch zu dieser Rechtsprechung
Hopt, Rechtsprobleme der Anlageberatung und der Vermögensverwaltung der
Schweizer Banken, in: Rudolf v. Graffenried [Hrsg.], Beiträge zum
schweizerischen Bankenrecht, Bern 1987, S. 147 f.). Auch die herrschende
Lehre nimmt konkludent abgeschlossene Vertragsverhältnisse auf
Auskunfterteilung nur mit Zurückhaltung an; die Mehrzahl der Autoren prüft
jedoch das Vorliegen einer vertraglichen Raterteilung aufgrund mehrerer,
direkt aus der Vertrauenstheorie abgeleiteter Kriterien (BGE 124 III 363 E.
II/5a mit Literaturhinweisen; vgl. insbesondere die bei Weber, Basler
Kommentar, N. 18 zu Art. 394 OR sowie bei Fellmann, Berner Kommentar, N. 212
ff. zu Art. 398 OR genannten Gesichtspunkte, die für die Annahme eines
Vertragsverhältnisses sprechen).

2.2 Nach den vorinstanzlichen Feststellungen, hat der Beklagte als
Anlagevermittler den Kläger über die Möglichkeit und die (angeblichen)
Chancen einer Geldanlage in Letters der EKC Re-Insurance informiert. Er übte
die entsprechende Vermittlungstätigkeit vollamtlich aus und trat im
Zusammenhang mit dieser als Berater auf, der seine Kunden aufforderte, sich
im Hinblick auf eine mögliche Geldanlage bei ihm zu informieren. Der Kläger
nahm den vom Beklagten anerbotenen Rat für seinen Rechtsvorgänger in
Anspruch. Für den Beklagten war dabei erkennbar, dass die erteilten Auskünfte
für den Kläger von erheblicher Bedeutung waren und Grundlage für dessen
Anlageentscheid bildeten, zumal der Kläger aufgrund des Auftretens des
Beklagten als hauptberuflicher Vermittler und Berater auf dessen Sachkunde
vertrauen durfte. Die entsprechenden Auskünfte erfolgten nicht etwa als reine
Gefälligkeitshandlungen, sondern der Beklagte hatte an der Geldanlage in
Letters, für die er eine Provision erhielt, ein wirtschaftliches Interesse
und war auch zur Entgegennahme der investierten Gelder zuständig.

Unter diesen Umständen ist es bundesrechtlich nicht zu beanstanden, wenn die
Vorinstanz erkannte, der Kläger habe die Tätigkeit des Beklagten nach Treu
und Glauben nicht als rechtlich unverbindliche Auskunfterteilung verstehen
müssen und die Parteien hätten stillschweigend einen Vertrag über Auskunft
und Beratung geschlossen. Daran vermag nichts zu ändern, dass die Tätigkeit
des Beklagten nicht in erster Linie auf die gewerbliche Erteilung von
Auskunft als solcher ausgerichtet war, sondern auf den Vertrieb einer
bestimmten Geldanlage gegen Provision, und dass die Aussagen des Beklagten
erkennbar auch werbenden und anpreisenden Charakter hatten.

2.3 Die Vorinstanz hat sodann zutreffend erkannt, dass der Beratungsvertrag
zwischen dem Beklagten als "beratender Vermittler" und dem Kläger im
Zusammenhang mit den anvisierten Anlagegeschäften dem Auftragsrecht
untersteht (vgl. BGE 124 III 155 E. 2b). Die Raterteilung im Rahmen eines
Auftrags hat unter Beachtung der auftragsrechtlichen Sorgfalts- und
Treuepflicht zu erfolgen (vgl. BGE 131 III 377 E. 4.1; 124 III 155 E. 3a; 119
II 333 E. 5 S. 335, 456 E. 2). Durch die Annahme eines Auftrages verpflichtet
sich der Beauftragte, die ihm übertragenen Geschäfte oder Dienste
vertragsgemäss zu besorgen (Art. 394 Abs. 1 OR). Er haftet dem Auftraggeber
für getreue und sorgfältige Ausführung des ihm übertragenen Geschäfts (Art.
398 Abs. 2 OR). Der Beauftragte hat grundsätzlich nicht für den Erfolg seiner
Tätigkeit einzustehen. Haftungsbegründend ist vielmehr eine unsorgfältige
oder treuwidrige und den Auftraggeber schädigende Ausführung des Auftrages.
Das Mass der Sorgfalt bestimmt sich nach objektiven Kriterien. Erforderlich
ist die Sorgfalt, die ein gewissenhafter Beauftragter in der gleichen Lage
bei der Besorgung der ihm übertragenen Geschäfte anzuwenden pflegt (BGE 115
II 62 E. 3a mit Hinweisen; vgl. auch Weber, Basler Kommentar, N. 27 zu Art.
398 OR mit weiteren Hinweisen).

Art. 398 OR verlangt, dass der Rat bzw. die Empfehlung im Hinblick auf den
Abschluss eines Anlagegeschäftes nicht zu einer irrtumsbehafteten
Willensbildung führt (Fellmann, Berner Kommentar, N. 433 zu Art. 398 OR;
Abegglen, Die Aufklärungspflichten in Dienstleistungsbeziehungen,
insbesondere im Bankgeschäft, Entwurf eines Systems zu ihrer Konkretisierung,
Diss. Bern 1995, S. 93). Der Ratgeber hat den Beratenen bei Vorliegen eines
Vertrags- oder Vertrauensverhältnisses über Umstände aufzuklären, soweit er
erkennt oder erkennen sollte, dass diese dem Beratenen nicht bekannt und für
seine Willensbildung erheblich sind (BGE 119 II 333 E. 5a S. 335; 111 II 471
E. 3 S. 474; 105 II 75 E. 2a, je mit Hinweisen). Zu diesen erheblichen
Umständen gehören insbesondere Risiken, die den vom Beratenen verfolgten
Zweck verhindern können, wie z.B. Verlustrisiken bei einem Anlagerat (BGE 124
III 155 E. 3a mit Hinweisen). Es gilt allerdings zu beachten, dass bezüglich
eines Werturteils, wie zum Beispiel der Qualifikation einer Gesellschaft als
"aufstrebend", ein weiter Ermessensspielraum einzuräumen ist, weshalb eine
solche Qualifikation erst dann als irreführend und damit als
haftungsbegründend betrachtet werden kann, wenn dabei unrichtige Tatsachen
zugrunde gelegt oder die Vorsicht und Zurückhaltung ausser acht gelassen
wurden, die bei Prognosen im allgemeinen erforderlich ist (Urs Pulver,
Börsenmässige Optionsgeschäfte, Auftrag und Abwicklung, Diss. Zürich 1986, S.
126; Urs Bertschinger, Sorgfaltspflichten der Bank bei Anlageberatung und
Verwaltungsaufträgen, Diss. St. Gallen 1991, S. 143 ff.; vgl. für das
deutsche Recht: Canaris, in: Staub Grosskommentar, Handelsgesetzbuch, 10.
Lieferung: Bankvertragsrecht, Erster Teil, 4. Aufl. 1988, N. 101).

3.
Diesen Sorgfaltspflichten entsprach der Beklagte nicht, als er dem Kläger den
- mehr als riskanten - Kauf von Letters der EKC Re-Insurance empfahl. Nach
den vorinstanzlichen Feststellungen wusste er dabei nicht, wie die
Geldanlagen der EKC Re-Insurance erfolgen würden und klärte er den Kläger
nicht über allfällige Risiken der Geldanlage in deren Letters auf. Darüber
hinaus zerstreute er allfällige Bedenken des Klägers in geradezu
missionarischem Eifer. Er stellte die Kapitalanlage in Letters mittels
Informationen und Auskünften im persönlichen Gespräch und an Clubabenden
sowie durch abgegebene Schreiben als absolut risikolos dar. Dies bekräftigte
er durch den Hinweis, selber in beträchtlichem Umfang Letters erworben zu
haben, und dadurch, dass er dem Kläger eine auf ihn selber lautende
Lebensversicherungspolice als Sicherheit übergab.

Indem der Beklagte die Anlage in Letters trotz des offensichtlichen Risikos
ohne jegliche Vorbehalte empfahl und gar Bedenken des Klägers ohne jegliche
Zurückhaltung zerstreute, trug er in krass sorgfaltswidriger Weise zu einer
irrtumsbehafteten Willensbildung des Klägers bei und verletzte den mit diesem
bestehenden Beratervertrag. Die Vorinstanz hat seine Haftung aus
Vertragsverletzung daher zu Recht bejaht.
Der Beklagte kann sich nicht mit dem Einwand von einer Haftung befreien, nur
"nach dem Stand seines Wissens und seiner Informationen, welche er von der
F.________ erhalten" habe, gehandelt zu haben. Soweit er, wie schon die
Vorinstanz festgestellt hat, lediglich das ihm vermittelte Wissen
weiterleitete und nicht wusste, wie die EKC Re-Insurance die angelegten
Gelder weiterinvestierte, um die Sicherheit der Kapitalanlage in Letters
beurteilen zu können, wäre er nach Treu und Glauben verpflichtet gewesen,
dies dem Kläger offenzulegen (Fellmann, a.a.O., N. 433 zu Art. 398 OR), und
hätte er die Geldanlage in Letters als sorgfältiger Berater keinesfalls
vorbehaltlos empfehlen dürfen. Der Kunde, der Rat in Anspruch nimmt, darf
erwarten, dass der berufsmässige Vermittler in Bezug auf die Kapitalanlagen,
die er vertreibt, sachkundig ist und darüber Bescheid weiss, wie die
Geldanlagen durch den Kapitalsuchenden, vorliegend die EKC Re-Insurance,
erfolgen, mithin das Risiko der Kapitalanlage selber abschätzen kann. Dieser
hat es denn auch in der Hand, seine Vermittlungstätigkeit davon abhängig zu
machen, dass ihm vom Kapitalsuchenden soweit Einblick in Unterlagen gewährt
oder anderweitige Nachweise erbracht werden, als dies erforderlich ist, um
sich von den Grundlagen auf denen seine Auskünfte gegenüber den Kunden
beruhen, selber zu überzeugen. Soweit der Beklagte bei seiner vertraglichen
Beratertätigkeit blind die Informationen weiterverbreitete, die er vom EKC
bzw. von der F.________ erhielt, liegt schon darin eine schwere Verletzung
seiner Sorgfaltspflichten.
Unbehelflich ist sodann auch das vom Beklagten weiter vorgebrachte Argument,
der Kläger habe im Wissen um die Risiken einer Anlage in Letters gehandelt
und daher keine Aufklärung gebraucht (BGE 119 II 333 E. 5a), nachdem sich der
Beklagte selber als Berater anerboten und die Bedenken des Klägers, der
seinen Rat in Anspruch nahm, zerstreut hat.

4.
Auch die übrigen Voraussetzungen für eine Haftung des Beklagten aus der
Verletzung des mit dem Kläger geschlossenen Beratervertrages sind vorliegend
erfüllt. Der Schaden und dessen Höhe sowie der adäquate Kausalzusammenhang
zwischen diesem und dem vertragswidrigen Verhalten des Beklagten werden von
diesem nicht bestritten. Der Beklagte erhebt bloss die Einrede der
Verjährung, macht indessen den Eintritt der Verjährung nur für den Fall
geltend, dass lediglich eine ausservertragliche Haftung bejaht würde. Es
erübrigt sich somit vorliegend darauf einzugehen.

Die Vorinstanz hat eine Haftung des Beklagten im Umfang des dem Kläger
zugesprochenen Betrages bundesrechtskonform bejaht.

5.
Die Berufung ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. Bei
diesem Ausgang des Verfahrens wird der Beklagte kostenpflichtig (Art. 156
Abs. 1 OG). Da sich der Kläger am bundesgerichtlichen Verfahren nicht
beteiligt hat, ist ihm keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 159 Abs.
2 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Berufung wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird dem Beklagten auferlegt.

3.
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau,
Zivilgericht, 2. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 29. März 2006

Im Namen der I. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: