Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilabteilung 4C.406/2005
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{T 0/2}
4C.406/2005/zga

Urteil vom 2. August 2006

I. Zivilabteilung

Bundesrichter Corboz, Präsident,
Bundesrichterin Klett, Ersatzrichter Geiser,
Gerichtsschreiber Huguenin.

X. ________,
Kläger, Berufungskläger und Anschlussberufungsbeklagter,
vertreten durch Rechtsanwalt David Horak,
Beglinger Holenstein,

gegen

Y.________ AG in Liq.,
Beklagte, Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Hans-Rudolf Wild.

Arbeitsvertrag; fristlose Kündigung; pönale Entschädigung,

Berufung gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Zug, Zivilrechtliche
Abteilung, vom 4. Oktober 2005.

Sachverhalt:

A.
Die Y.________ AG mit Sitz in Zug ist eine Gesellschaft, die zum
Z.________-Konzern gehört, der seinen Sitz in Zagreb hat. Seit Dezember 1995
befindet sich die Y.________ AG in Liquidation.

Die Y.________ AG stellte X.________ mit Wirkung ab 1. September 1994 als
Geschäftsführer an. Bezüglich seines Aufgabenbereichs wurde im Arbeitsvertrag
auf ein beigeheftetes Reglement verwiesen und dieses zum Bestandteil des
Vertrags erklärt. Ziffer 3 des Vertrages hielt den Lohn und die weiteren
finanziellen Leistungen der Arbeitgeberin fest. Ziffer 6 sah vor, dass der
Vertrag von jeder Partei ab dem 1. September 1998 unter Einhaltung einer
Kündigungsfrist von drei Monaten auf das Ende eines Monats aufgelöst werden
könne. Mit Vertragsänderung vom 7. Februar/9. März 1995 wurde X.________ als
Vorsitzender der Geschäftsleitung der Y.________ AG eingesetzt. Er war zudem
Präsident und Delegierter des Verwaltungsrates dieser Gesellschaft.

Am 18. Dezember 1995 beschloss die Generalversammlung der Y.________ AG deren
Auflösung. Vorher war X.________ als Mitglied und Präsident des
Verwaltungsrates abgewählt worden. Mit Schreiben vom 17. Januar 1996 teilte
die Arbeitgeberin X.________ mit, dass sie das Vertragsverhältnis mit
sofortiger Wirkung auflöse. Dieser widersetzte sich und verlangte eine
schriftliche Begründung, die mit Brief vom 25. Januar 1996 erfolgte.

B.
X.________ reichte am 26. April 1996 beim Kantonsgericht des Kantons Zug
Teilklage ein mit dem Begehren, die Y.________ AG in Liquidation zur Zahlung
von Fr. 200'000.-- nebst 5 % Zins seit 17. Januar 1996 zu verpflichten. Mit
Urteil vom 1. Oktober 1998 wies das Kantonsgericht die Klage ab. Dieser
Entscheid wurde vom Obergericht des Kantons Zug am 22. Februar 2000
aufgehoben und die Streitsache zur Neubeurteilung an die erste Instanz
zurückgewiesen. Darauf hiess das Kantonsgericht die Klage mit Urteil vom 4.
Dezember 2000 im Umfang von Fr. 140'905.15 nebst 5 % Zins seit 9. Mai 1996
gut. Das Obergericht, an das beide Parteien appelliert hatten, hob diesen
Entscheid mit Urteil vom 5. März 2002 auf und verpflichtete die Beklagte zur
Zahlung von Fr. 200'000.-- nebst 5 % Zins seit 25. März 1996 und auf Fr.
174'918.20 seit 9. Mai 1996. Diesen Entscheid bestätigte das Bundesgericht am
20. August 2002 auf Berufung der Beklagten hin.

C.
Am 7. Oktober 2002 liess X.________ beim Kantonsgericht des Kantons Zug
erneut eine Klage gegen die Y.________ AG in Liquidation einreichen. Nach
einigen Änderungen des Rechtsbegehrens im Laufe des Verfahrens forderte er
von der Beklagten Fr. 205'784.-- nebst 5 % Zins seit 17. Januar 1996.
Zusätzlich verlangte er die Verpflichtung der Beklagten, ihm eine pönale
Entschädigung von Fr. 88'383.30 nebst 5 % Zins seit 17. Januar 1996 zu
zahlen.

Das Kantonsgericht hiess die Klage mit Urteil vom 10. Mai 2004 im Betrag von
Fr. 239'915.70 nebst 5 % Zins seit 18. Januar 1996 gut. Auf kantonale
Berufung der Beklagten hin reduzierte das Obergericht des Kantons Zug mit
Urteil vom 4. Oktober 2005 den geschuldeten Betrag auf Fr. 95'367.15 nebst 5
% Zins seit 18. Januar 1996.

D.
Der Kläger gelangt gegen das Urteil des Obergerichts an das Bundesgericht und
verlangt mit seiner Berufung die Verurteilung der Beklagten zur Bezahlung von
Fr. 239'915.70 nebst 5 % Zins seit 18. Januar 1996.

Die Beklagte beantragt die Abweisung der Berufung und hat gleichzeitig
Anschlussberufung erhoben. Mit dieser verlangt sie die vollständige Abweisung
der Klage. Der Kläger beantragt die Abweisung der Anschlussberufung.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

I. Zur Berufung

1.
1.1 Nachdem im ersten Prozess der Parteien rechtskräftig entschieden worden
ist, dass die fristlose Entlassung zu Unrecht erfolgt war, geht es im
vorliegenden Berufungsverfahren noch um die Berechnung des Schadenersatzes
wegen der vorzeitigen Beendigung des Arbeitsverhältnisses und um die
Bemessung der Pönale. Es ist insbesondere streitig, ob und wie die über die
Lohnzahlung hinausgehenden Leistungen der Klägerin zu berücksichtigen sind
und ob gemäss Art. 337c Abs. 2 OR ein Abzug vorzunehmen ist. Soweit mit der
Berufung eine Verletzung von Bundesrecht gerügt wird, kann auf diese
eingetreten werden.

1.2 Der Kläger macht geltend, dem Obergericht sei ein offensichtliches
Versehen unterlaufen, weil es auf S. 10 des angefochtenen Urteils ausführt,
er habe die Behauptung der Beklagten nicht bestritten, er hätte in Kroatien
eine ebenbürtige Stelle mit einem Lohn von Fr. 840.-- monatlich finden
können. Er verweist diesbezüglich auf seine Ausführungen in seiner Eingabe
vom 24. März 2003 an das Kantonsgericht. Dort bestreite er in den Randziffern
48 bis 51 diese Behauptung der Beklagten.

Der Kläger übersieht, dass das Obergericht nur festhält, der Kläger habe im
Berufungsverfahren zu den entsprechenden Ausführungen nicht Stellung
genommen. Die von ihm zitierte Rechtsschrift richtete sich aber nicht im
Rahmen des kantonalen Berufungsverfahrens an das Obergericht, sondern war im
erstinstanzlichen Verfahren beim Kantonsgericht eingereicht worden. Insofern
widerspricht die Aussage des Obergerichts nicht der Aktenlage, weshalb darin
kein offensichtliches Versehen liegt. Zudem hat das Obergericht seinen
Schluss, der Kläger hätte eine entsprechende Stelle finden können, aus dem
Umstand abgeleitet, dass die Beklagte ihm eine solche Stelle angeboten hatte.
Diese Folgerung beruht somit auf Beweiswürdigung und nicht auf unterlassener
Bestreitung, weshalb von vornherein kein offensichtliches Versehen im vom
Kläger behaupteten Sinne vorliegen kann.

Weil das Obergericht mit der unbestritten gebliebenen Offerte der Beklagten,
den Kläger in Zagreb zu beschäftigen, den Beweis für geleistet hielt, dass
der Kläger eine Stelle hätten antreten können, fällt auch die Rüge in sich
zusammen, das Obergericht habe die Beweisrechte des Klägers in Verletzung von
Art. 8 ZGB beschnitten. Ist der Beweis erbracht, wird die Frage der
Verteilung der Beweislast gegenstandslos (BGE 130 III 591 E. 5.4 S. 602 mit
Hinweisen), und eine auf antizipierter Beweiswürdigung beruhende Ablehnung
von angebotenen Beweismitteln kann nicht als Verletzung von Art. 8 ZGB gerügt
werden (BGE 115 II 440 E. 6b S. 450). Auf die diesbezüglichen Ausführungen
des Klägers braucht deshalb nicht weiter eingegangen zu werden.

2.
Im Arbeitsvertrag haben die Parteien vereinbart, dass die Arbeitgeberin neben
dem Barlohn von monatlich Fr. 8'360.60 netto "weitere Leistungen" erbringt,
wie namentlich einen "Kostenanteil Wohnungsmiete" und "Krankenkassenprämien".
Zudem wurde dem Kläger ein Firmenfahrzeug zur Verfügung gestellt, das er auch
privat benutzen konnte. Der Kläger macht mit der Berufung geltend, diese
Leistungen seien Lohnbestandteil und deshalb auch für die Zeit bis zur
ordentlichen Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu ersetzen. Betreffend den
Kostenanteil Wohnungsmiete und die Krankenkassenprämien hat das Obergericht
dem Kläger nichts zugesprochen, weil sich die Arbeitgeberin bloss zum Ersatz
tatsächlich entstandener Kosten verpflichtet habe. Es hat dem Kläger dagegen
Ersatz für den Wegfall der Autobenutzung zugesprochen, weil insoweit in einem
separaten Abschnitt des Arbeitsvertrages eine besondere Vereinbarung
getroffen worden sei.

2.1 Erfolgt eine ausserordentliche Kündigung ohne wichtigen Grund, hat die
gekündigte Person Anspruch auf das positive Vertragsinteresse. Sie hat
Anspruch auf das, was sie bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist
bzw. bis zur Beendigung des Arbeitsvertrages an Vorteilen aus diesem erhalten
hätte (vgl. Rémy Wyler, Droit du travail, Bern 2002, S. 382; Frank Vischer,
Der Arbeitsvertrag, SPR, Bd. VII/4, 3. Aufl., Basel 2005, S. 261). Es muss
konkret bestimmt werden, was der Arbeitnehmer tatsächlich verdient hätte,
wenn ihm ordentlich gekündigt worden wäre bzw. wenn das befristete
Arbeitsverhältnis bis zum Ende der Frist angedauert hätte. Massgebend ist
grundsätzlich nicht der in der Vergangenheit erzielte Verdienst, sondern das
hypothetische Einkommen während der genannten Frist (BGE 125 III 14 E. 2b S.
16 f.).

Für den vorliegenden Fall bedeutet dies, dass der Kläger grundsätzlich nicht
nur Anspruch auf den entgangenen Barlohn hat, sondern auch auf alle weiteren
geldwerten Leistungen der Arbeitgeberin, welche ihm wegen der
ungerechfertigten fristlosen Kündigung entgangen sind. Neben dem Ersatz für
den Barlohn schuldet die Beklagte dem Kläger deshalb auch Ersatz für den
Naturallohn, soweit dieser durch die vorzeitige Beendigung des
Arbeitsverhältnisses entfallen ist. Wie das Obergericht zu Recht festhält,
fällt alles, was nicht Barlohn ist, unter den Begriff des Naturallohns. Ob
die Leistungen der Arbeitgeberin nur zu erbringen sind, wenn dem Arbeitnehmer
die entsprechenden Kosten tatsächlich erwachsen, oder ob sie auch zu vergüten
sind, wenn er die entsprechende Leistung gar nicht nutzt, ist damit aber noch
nicht entschieden. Vielmehr ist dies eine Frage der Vertragsauslegung. Falls
nach dem im Vertrag zum Ausdruck kommenden Willen der Parteien dem
Arbeitnehmer bloss die tatsächlichen Bedürfnisse vergütet werden sollen, ist
für den entgangenen Naturallohn nur Ersatz zu leisten, soweit dem
Arbeitnehmer durch die anderweitige Befriedigung des entsprechenden
Bedürfnisses Kosten entstanden sind. Auch wenn das Arbeitsverhältnis weiter
bestanden hätte, wären ihm diesfalls nur die tatsächlich angefallenen Kosten
vergütet worden. Entscheidend ist somit die Auslegung des Arbeitsvertrages.

2.2 Der Inhalt eines Vertrages bestimmt sich in erster Linie durch subjektive
Auslegung, das heisst nach dem übereinstimmenden wirklichen Parteiwillen
(Art. 18 Abs. 1 OR). Nur wenn eine tatsächliche Willensübereinstimmung
unbewiesen bleibt, sind zur Ermittlung des mutmasslichen Parteiwillens die
Erklärungen der Parteien aufgrund des Vertrauensprinzips so auszulegen, wie
sie nach ihrem Wortlaut und Zusammenhang sowie den gesamten Umständen
verstanden werden durften und mussten. Während das Bundesgericht die
objektivierte Vertragsauslegung als Rechtfrage prüfen kann, beruht die
subjektive Vertragsauslegung auf Beweiswürdigung, die vorbehaltlich der
Ausnahmen von Art. 63 Abs. 2 und Art. 64 OG der bundesgerichtlichen
Überprüfung im Berufungsverfahren entzogen ist. Der Vorrang der subjektiven
vor der objektivierten Vertragsauslegung ergibt sich aus Art. 18 OR als
Auslegungsregel. Die Verletzung dieses Grundsatzes kann deshalb mit der
Berufung gerügt werden (BGE 131 III 467 E. 1.1 mit Hinweisen).

2.2.1 Wie der Kläger richtig ausführt, hat das Obergericht vorliegend keinen
übereinstimmenden tatsächlichen Willen der Parteien festgestellt, sondern die
Vereinbarung nach dem Vertrauensgrundsatz ausgelegt. Diese Auslegung kann das
Bundesgericht im Berufungsverfahren überprüfen.

Entgegen der Ansicht des Klägers ist jedoch die vom Obergericht vorgenommene
Auslegung nicht zu beanstanden. Der Zweck, den die Parteien mit den
zusätzlichen Leistungen erreichen wollten, liegt auf der Hand. Im
Wesentlichen handelt es sich um Leistungen, die in der Schweiz normalerweise
vom Arbeitnehmer aus seinem Lohn finanziert werden, aber im Heimatstaat der
Konzernmutter entweder gar nicht anfallen oder üblicherweise von der
Arbeitgeberin getragen werden. Mit der teilweisen Finanzierung der Wohnung
wollten die Parteien offensichtlich den unterschiedlichen Wohnkosten in der
Schweiz und in Zagreb Rechnung tragen. Insofern lässt sich die Vereinbarung
ohne weiteres dahin auslegen, dass die Leistungen nur erbracht werden, wenn
dem Arbeitnehmer die entsprechenden Kosten tatsächlich anfallen. Auf dieser
vertraglichen Grundlage kann in der Tat vom Arbeitnehmer verlangt werden,
dass er die Kosten belegt, wenn er dafür Ersatz von der Arbeitgeberin
verlangt (vgl. zur unterschiedlichen Behandlung des Personenwagens hinten E.
5).

2.2.2 Was der Kläger gegen diese Auslegung einwendet, vermag nicht zu
überzeugen. Soweit es um die Sozialabgaben geht, ist ihm ohne weiteres
zuzugestehen, dass diese von der Arbeitgeberin auch weiterhin geschuldet
sind, soweit sie tatsächlich anfallen. Dass solche Abgaben angefallen sind,
hat der Kläger aber nach den Feststellungen der Vorinstanz nicht belegt.
Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts steht ausser Zweifel, dass auf
dem Lohnersatz nach Art. 337c Abs. 1 OR die Sozialabgaben gleich wie auf dem
Lohn geschuldet sind (BGE 123 V 5 E. 4 und 5 S. 10 f.). Das Obergericht ist
indessen in seiner Berechnung vom Nettolohn ausgegangen und hat dem Kläger
entsprechend den Lohnersatz auch netto zugesprochen. Die Beklagte darf vom
zugesprochenen Betrag keine weiteren Abzüge machen. Sie muss somit neben den
Arbeitgeberbeiträgen auch die Arbeitnehmerbeiträge auf dem zugesprochenen
Betrag selber tragen. Von daher könnten die entsprechenden Beträge gar nicht
zusätzlich vergütet werden, ohne dadurch eine Doppelzahlung zu bewirken.

Ähnliche Überlegungen gelten für die Positionen Krankenkassenprämien und die
Prämien für die übrigen Versicherungen. Soweit der Kläger auf Grund seines
Wohnortswechsels keine entsprechenden Prämien entrichten musste, weil diese
Leistungen wegen eines anderen Sozialsystems im Ausland unentgeltlich sind,
besteht kein Grund für eine Vergütung. Der Kläger erhielt die entsprechenden
Leistungen, ohne dass die Beklagte diese bezahlen musste. Aus dem
Arbeitsvertrag lässt sich nicht schliessen, dass die Arbeitgeberin diese
Leistungen selber erbringen muss. Es genügt, wenn sie dem Arbeitnehmer auf
andere Weise, gegebenenfalls auch durch den Staat, zugehen.

Daran vermag auch das Argument des Klägers nichts zu ändern, dass es sich bei
diesen zusätzlichen Leistungen um fringe benefits handle. Darunter werden
Vergütungen und geldwerte Vorteile verstanden, welche die Arbeitgeberin dem
Arbeitnehmer neben dem Barlohn in Natura oder mit Rückvergütungen gewährt. Ob
diese aber nur insoweit geschuldet sind, als der Arbeitnehmer die Leistung in
Anspruch nimmt, oder ob dafür ein fester Betrag eingesetzt wird, der in
erster Linie in Form der entsprechenden Leistung zu beziehen ist, bleibt
dabei offen. Ist der Arbeitnehmer aber letztlich frei, ob er den
entsprechenden Betrag in Geld ausbezahlt erhalten will oder ob er dafür
bestimmte Leistungen der Arbeitgeberin zu normalen Preisen beziehen will,
liegen keine fringe benefits vor. Dann handelt es sich vielmehr um normalen
Lohn, der bloss zur Umgehung des Steuer- und Sozialversicherungsrechts anders
bezeichnet wird.

Die vom Kläger angerufene Unklarheitsregel hilft ihm nicht weiter. Führt das
Vertrauensprinzip wie im vorliegenden Fall zu einem klaren Ergebnis, liegt
keine Unklarheit vor. Eine solche bildet indessen die notwendige
Voraussetzung zur Anwendung der Unklarheitsregel (vgl. BGE 122 III 118 E. 2d
S. 124 mit Hinweisen).

2.3 Zum gleichen Ergebnis gelangt man auch mit Blick auf Art. 337c Abs. 2 OR.
Nach dieser Bestimmung muss sich der Arbeitnehmer auf seine Forderung
anrechnen lassen, was er infolge der Beendigung des Arbeitsverhältnisses
erspart hat. Zu diesen Ersparnissen zählt ein Teil der Lehre auch die
tieferen Lebenshaltungskosten am neuen Wohnort nach dem Wegzug vom bisherigen
Arbeitsort (Ullin Streiff/Adrian von Kaenel, Arbeitsvertrag: Praxiskommentar
zu Art. 319 - 362 OR, Zürich 2006, N. 6 zu Art. 337c OR). Wohl hat das
Bundesgericht in einem Urteil vom 21. Oktober 1996 festgehalten, dass der
Wert des in einem schweizerischen Arbeitsvertrag für eine Arbeit in der
Schweiz vereinbarten Naturallohns nach schweizerischen Verhältnissen zu
bestimmen ist (E. 3b/bb, abgedruckt in JAR 1997 S. 190 und SJ 1997 S. 149).
Das ändert aber nichts daran, dass kein Ersatzanspruch für Aufwendungen
besteht, wenn diese dem Arbeitnehmer wegen des Wegfalls des
Arbeitsverhältnisses gar nicht mehr anfallen. Die erwähnten
Versicherungsprämien und Sozialversicherungsbeiträge entfallen deshalb, falls
der Arbeitnehmer aus der Schweiz wegzieht und sein neues Wohnsitzland keine
entsprechenden Beiträge kennt bzw. er nicht nachweist, dass er dort solche zu
zahlen hat.

3.
Das Obergericht hat dem Kläger ein hypothetisches Lohneinkommen angerechnet.
Nach Art. 337c Abs. 2 OR muss sich der Arbeitnehmer anrechnen lassen, was er
durch anderweitige Arbeit verdient oder zu verdienen absichtlich unterlassen
hat.

Im angefochtenen Urteil wird für das Bundesgericht verbindlich festgestellt
(Art. 63 Abs. 2 OG), dass die Muttergesellschaft der Beklagten dem Kläger in
Zagreb eine äquivalente Stelle mit einem Monatslohn von Fr. 840.-- angeboten
hat. Das Obergericht geht auf dieser tatsächlichen Grundlage davon aus, dass
der Kläger auch unabhängig von diesem Angebot eine entsprechende Stelle hätte
antreten können. Es hat dem Kläger deshalb für 14 Monate ein hypothetisches
Einkommen in dieser Höhe angerechnet.

3.1 Soweit der Kläger geltend macht, die Lohnhöhe sei für die damalige Zeit
nicht realistisch, ist er nicht zu hören. Er kritisiert damit in unzulässiger
Weise die für das Bundesgericht verbindlichen tatsächlichen Feststellungen
der Vorinstanz. Im Übrigen wurde bereits dargelegt (vorne E. 1.2), dass dem
Obergericht in diesem Zusammenhang kein offensichtliches Versehen unterlaufen
ist.

3.2 Dem Obergericht kann auch nicht vorgeworfen werden, es habe die sich aus
Art. 337c Abs. 2 OR ergebende Schadenminderungspflicht des Klägers
überspannt. Es hat zu Recht berücksichtigt, dass ein konkretes Arbeitsangebot
vorgelegen hat, und es hat dem Kläger auch genügend Zeit zugestanden, um eine
andere Stelle zu finden. Unter diesen Umständen kann seine Beurteilung, dass
im Verhalten des Klägers ein absichtliches Unterlassen der Erzielung eines
anderweitigen Verdienstes liegt, nicht als bundesrechtswidrig beanstandet
werden.

3.3 Aus diesen Gründen ist die Berufung abzuweisen, soweit auf sie
eingetreten werden kann.

II. Zur Anschlussberufung

4.
Mit der Anschlussberufung wendet sich die Beklagte gegen die Zusprechung
eines Betrages an den Kläger für die entgangene private Nutzung des
Geschäftswagens und gegen die Bemessung der Pönale. Sie wirft dem Obergericht
in diesem Zusammenhang eine falsche Vertragsauslegung und eine Verletzung von
Art. 337c Abs. 3 OR vor. Damit erhebt sie Rügen, die im Berufungsverfahren
zulässig sind, weshalb auf die Anschlussberufung eingetreten werden kann.

5.
Die Beklagte macht geltend, wie bei den anderen Kosten seien auch bezüglich
des Geschäftswagens nur die tatsächlich anfallenden Kosten zu ersetzen. Der
Kläger habe aber nicht nachgewiesen, dass er nach der Auflösung des
Vertragsverhältnisses im Januar 1996 überhaupt ein Fahrzeug besessen habe.

Die Beklagte verkennt damit, dass nach dem Arbeitsvertrag die private
Benutzung des Geschäftswagens anders zu behandeln ist als die übrigen
zusätzlichen Leistungen. Die systematische Stellung der Vertragsklausel und
die Formulierung rechtfertigen eine unterschiedliche Behandlung. Im Vertrag
wird ausdrücklich festgehalten, dass die Beklagte dem Kläger einen Wagen zur
Verfügung stellt, dessen Kosten sie trägt. Wegen der vertragswidrigen
Beendigung des Arbeitsverhältnisses ist sie dieser Verpflichtung nicht
nachgekommen. Aus dem Anspruch des Klägers auf das positive Vertragsinteresse
ergibt sich, dass er ein Recht auf den Gegenwert dieser Leistung hat. Anders
als bezüglich der Sozialversicherungsleistungen hat der Kläger durch den
Wegfall des Arbeitsverhältnisses insofern keine Ersparnisse erzielt, die ihm
anzurechnen wären.

6.
Als Pönale hat das Obergericht dem Kläger Fr. 60'000.-- zugesprochen, was
rund vier Monatslöhnen entspricht.

Die Beklagte hat die Berechnung des Obergerichts bezüglich des massgeblichen
Monatslohnes akzeptiert. Das Obergericht ist zutreffend davon ausgegangen,
dass es - anders als bei der Entschädigung nach Art. 337c Abs. 1 und 2 OR -
nicht darauf ankommen kann, was der Arbeitnehmer bis zur ordentlichen
Beendigung des Arbeitsverhältnisses monatlich verdient hätte. Entscheidend
ist vielmehr, was er vor der Kündigung monatlich verdient hat (vgl. Adrian
von Kaenel, Die Entschädigung aus ungerechtfertigter fristloser Entlassung
nach Art. 337 Abs. 3 OR, Diss. Zürich 1995, S. 85). Die Beklagte wirft dem
Obergericht aber vor, nicht alle zu berücksichtigenden Kriterien beachtet
bzw. diese nicht richtig gewürdigt zu haben.

6.1 Art. 337c Abs. 3 OR sieht als Sanktion bei ungerechtfertigter fristloser
Kündigung durch den Arbeitgeber eine Entschädigung von maximal sechs
Monatslöhnen vor. Diese hat sowohl Strafcharakter als auch
Genugtuungsfunktion und soll die durch die ungerechtfertigte fristlose
Kündigung erlittene Persönlichkeitsverletzung des Arbeitnehmers abgelten (BGE
123 III 391 E. S. 393 f.; 123 V 5 E. 2a S. 7). In aller Regel ist eine
Entschädigung geschuldet. Nur wenn ausserordentliche Umstände vorliegen, die
trotz ungerechtfertigter fristloser Kündigung keine Strafzahlung zu Lasten
des Arbeitgebers rechtfertigen, kann sie verweigert werden.

Die Höhe der Entschädigung wird vom Sachgericht nach pflichtgemässem Ermessen
auf Grund der Umstände des Einzelfalles festgesetzt (BGE 123 III 246 E. 6a S.
255). Ermessensentscheide überprüft das Bundesgericht im Berufungsverfahren
grundsätzlich frei. Es übt dabei aber Zurückhaltung und schreitet nur ein,
wenn die Vorinstanz grundlos von in Lehre und Rechtsprechung anerkannten
Grundsätzen abgewichen ist, wenn sie Tatsachen berücksichtigt hat, die für
den Entscheid im Einzelfall keine Rolle hätten spielen dürfen, oder wenn sie
umgekehrt Umstände ausser Betracht gelassen hat, die zwingend hätten beachtet
werden müssen. Ausserdem greift das Bundesgericht in Ermessensentscheide ein,
falls sich diese als offensichtlich unbillig, als in stossender Weise
ungerecht erweisen (BGE 132 III 249 E. 3.5 S. 256 mit Hinweisen).

6.2 Entgegen der Rüge der Beklagten hat das Obergericht die massgeblichen
Kriterien für die Bemessung der Pönale berücksichtigt.

Die Bemessungskriterien bestimmen sich nach dem Zweck der Entschädigung.
Diese soll den Arbeitgeber in erster Linie für das dem Arbeitnehmer durch die
missbräuchliche Kündigung zugefügte Unrecht bestrafen. Trotz der
missverständlichen Bezeichnung im Gesetz ist die Pönale nicht als
Schadenersatz zu verstehen und setzt daher auch keinen Schadensnachweis
voraus (BGE 119 II 157 E. 2b S. 160). Massgeblich sind insbesondere die
Strafwürdigkeit des Arbeitgeberverhaltens, die Schwere der
Persönlichkeitsverletzung und die Lebenssituation des Arbeitnehmers sowie die
Dauer der Anstellung und die besonderen Umstände der Kündigung (BGE 119 II
157 E. 2b und c; Urteil des Bundesgerichts vom 12. August 1997 E. 4b,
abgedruckt in JAR 1998 S. 300). Zu berücksichtigen sind neben den
wirtschaftlichen Auswirkungen der Kündigung auch das Mass der
Rechtswidrigkeit der fristlosten Entlassung, die finanzielle Situation beider
Parteien und die Schwere eines allfälligen Mitverschuldens des Arbeitnehmers
(BGE 123 III 246 E. 6a S. 255 f., 391 E. 3c S. 394 mit Hinweisen; 121 III 64
E. 3c S. 69). Grundsätzlich ist eine Gesamtwürdigung vorzunehmen, was
allerdings nicht bedeutet, dass die einzelnen Kriterien vermengt werden
dürfen.

6.2.1 Die Beklagte macht geltend, die Persönlichkeitsverletzung werde dadurch
erheblich gemindert, dass der Arbeitnehmer während vollen 35 Monaten Lohn
erhalten habe und damit während dieser Zeit ein wirtschaftlich unbeschwertes
Leben habe führen können. Damit vermengt die Beklagte den
persönlichkeitsrechtlichen mit dem wirtschaftlichen Aspekt. Wie dargelegt,
ist letzterer sehr wohl zu berücksichtigen. Weil der Schaden, der durch die
ungerechtfertigte fristlose Entlassung entstanden ist, separat vergütet
werden muss, darf sich die Entschädigung nach Art. 337c Abs. 3 OR nicht
einfach nach der finanziellen Einbusse des Entlassenen richten (BGE 119 II
157 E. 2b S. 160 f.). Die finanziellen Folgen dürfen bloss als eines der
mehreren Bemessungselemente mitberücksichtigt werden, was die Vorinstanz aber
- entgegen dem Vorwurf der Beklagten - auch tatsächlich getan hat.

6.2.2 Es ist sodann richtig, dass von einem leitenden Mitarbeiter bezüglich
einer Versetzung eine erhöhte Flexibiliät erwartet werden darf. Es ist ihm
auch eher zuzumuten, in einem geographisch grösseren Kreis eine neue Stelle
zu suchen. Das betrifft aber zum einen die Frage, ob er die Weisung, sich
nach Zagreb zu begeben, unter dem Gesichtswinkel der Zumutbarkeit bzw. der
Schadenminderungspflicht hätte befolgen müssen. Zum anderen beschlägt dies
die wirtschaftlichen Folgen der Kündigung. Ersteres wurde bereits im ersten
Verfahren geklärt. Letzteres betrifft die wirtschaftlichen Auswirkungen der
fristlosen Kündigung auf den gekündigten Arbeitnehmer, welche das Obergericht
- wie bereits dargetan - durchaus berücksichtigt hat.

6.2.3 Schliesslich trifft zwar zu, dass es für den Kläger ein Vorteil war, in
der Schweiz und damit fern ab vom Krieg in seiner Heimat eine Stelle antreten
zu können. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass jemand in der Regel
eine Stelle im Ausland nur dann antritt, wenn er auch mit einer bestimmten
Mindestdauer des Aufenthalts in diesem Land rechnen kann. Es ist von da her
einleuchtend, dass der Kläger mit diesem Schritt bloss einverstanden war,
weil er die Stelle auf eine bestimmte Dauer auf sicher hatte. Mit der
ungerechtfertigten fristlosen Entlassung ist er in dieser Erwartung getäuscht
worden, was bei der Bemessung der Entschädigung berücksichtigt werden muss.

6.2.4 Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass es der Beklagten
nicht gelungen ist, bezüglich der vom Obergericht vorgenommenen Bemessung der
Pönale eine Verletzung von Bundesrecht aufzuzeigen. Die Anschlussberufung ist
abzuweisen, soweit auf sie eingetreten werden kann.

7.
Weder der Kläger noch die Beklagte dringen mit ihrem Rechtsmittel durch. Von
den gestellten Rechtsbegehren her unterliegt der Kläger etwas mehr als die
Beklagte. Es rechtfertigt sich daher, dem Kläger eine etwas höhere
Gerichtsgebühr als der Beklagten aufzuerlegen (Art. 156 Abs. 3 OG). Da sodann
von keiner der Parteien gesagt werden kann, dass sie in einem Punkt von
grösserem Gewicht obsiegt hat oder unterlegen ist als die andere, ist es
angemessen, die Parteientschädigungen wettzuschlagen (Art. 159 Abs. 3 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

2.
Die Berufung und die Anschlussberufung werden abgewiesen, soweit darauf
eingetreten wird.

3.
Dem Kläger wird eine Gerichtsgebühr von Fr. 5'500.-- und der Beklagten eine
solche von Fr. 4'500.-- auferlegt.

4.
Die Parteientschädigungen werden wettgeschlagen.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Zug,
Zivilrechtliche Abteilung, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 2. August 2006

Im Namen der I. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: