Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilabteilung 4C.70/2005
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4C.70/2005 /ast

Urteil vom 18. Mai 2005

I. Zivilabteilung

Bundesrichter Corboz, Präsident,
Bundesrichter Nyffeler, Bundesrichterin Kiss,
Gerichtsschreiber Widmer.

X. ________ AG,
Klägerin und Berufungsklägerin, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. A.________,

gegen

1.Lukas Mühlemann,
2.Mario Corti,
3.Andres F. Leuenberger,
4.Bénédict Hentsch,
5.Credit Suisse First Boston (AG),

Beklagte und Berufungsbeklagte,

Beklagte 1, 3 und 4 vertreten durch die Rechtsanwälte Prof. Dr. Peter Nobel
und Dr. Dieter Gessler,

Beklagter 2 vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Paul Ramer,

Beklagte 5 vertreten durch die Rechtsanwälte Dr. Peter Isler und Dr. Ernst
Felix Schmid.

Haftung aus unerlaubter Handlung,

Berufung gegen das Urteil des Handelsgerichts des Kantons Zürich vom 20.
Dezember 2004.

Sachverhalt:

A.
A.a Dr. A.________, B.________ und C.________ (fortan: die Zedenten) kauften
in der Zeit zwischen dem 5. April 2001 und dem 31. August 2001
SAirGroup-Obligationen im Nominalbetrag von CHF 2'200'000.-- und EUR
680'000.--. Die Käufe erfolgten an der Börse zu Kursen, die unter dem
Nominalwert lagen.

Lukas Mühlemann (Beklagter 1), Dr. Mario Corti (Beklagter 2), Andreas F.
Leuenberger (Beklagter 3) sowie Bénédict Hentsch (Beklagter 4) waren im Jahre
2001 Verwaltungsräte der SAirGroup. Der Beklagte 2 war zudem seit Frühjahr
2001 Präsident und Delegierter des Verwaltungsrates der SAirGroup. Die Crédit
Suisse First Boston (Beklagte 5) ist im Bankgeschäft tätig und wurde vom
Beklagten 1 als Verwaltungsratspräsident und Delegierter (CEO) geleitet.

A.b Akute Liquiditätsprobleme zwangen die verantwortlichen Organe der
SAirGroup am 4. Oktober 2001 zur Einreichung eines Nachlassstundungsgesuches.
In der Folge hat die SAirGroup mit ihren Gläubigern einen Nachlassvertrag mit
Vermögensabtretung abgeschlossen, der am 20. Juni 2003 vom Nachlassrichter am
Bezirksgericht Zürich bestätigt wurde.

A.c Die Zedenten wollen die Beklagten für den infolge Wertverlusts der
Obligationen erlittenen Schaden haftbar machen. Sie haben ihre Ansprüche zum
Inkasso an die X.________ AG (Klägerin) abgetreten. Diese wirft den Beklagten
vor, sie hätten die Öffentlichkeit und damit auch die Zedenten über die
Finanzlage der SAirGroup falsch informiert. Die Zedenten seien mit
unvollständigen oder falschen Informationen über den wahren finanziellen
Stand der SAirGroup getäuscht und zum Kauf von SAirGroup-Obligationen
verleitet worden. Insbesondere hätten die Beklagten das Zustandekommen eines
Milliardenkreditvertrages mit den Banken vorgetäuscht. Die Klägerin fordert
von den Beklagten den seinerzeitigen Kaufpreis der erworbenen Obligationen
gegen Überlassung der Titel.

B.
Am 19. Dezember 2001 stellte die Klägerin beim Handelsgericht des Kantons
Zürich das folgende Rechtsbegehren:

"Die Beklagten seien solidarisch zu verurteilen, der Klägerin
CHF 1'512'461.65 nebst Zins zu 5 % seit 5. Juli 2001
und
EUR 570'290.33 nebst Zins zu 6 % seit 17. August 2001
zu zahlen, und zwar Zug um Zug gegen Übertragung aller Rechte an
nom. CHF 2'200'000.-- 0.125 % SAirGroup Wandelobligationen fällig 2005
und
nom. EUR 595'000 6.625 % SAirGroup Finance BV Obligationen fällig 2010
und
nom. EUR 85'000 4.375 % SAirGroup Finance BV Obligationen fällig 2006."

Mit Eingabe vom 25. Januar 2002 verkündete die Beklagte 5 der Citibank N.A.
und der Deutschen Bank Luxembourg S.A. den Streit. Beide Streitberufenen sind
dem Prozess nicht beigetreten.

Das Handelsgericht wies die Klage am 20. Dezember 2004 ab.

C.
Die Klägerin führt gegen das Urteil des Handelsgerichts eidgenössische
Berufung. Sie beantragt im Wesentlichen die Gutheissung des vor
Handelsgericht gestellten Rechtsbegehrens, unter Abzug von folgenden
Zahlungen des Liquidators der SAirGroup Finance BV vom eingeklagten Betrag:

"(...)
EUR 30'600 à conto Kapital und (...) EUR 2'813.88 à conto Zinsen - Valuta 16.
April 2003
und (...)
EUR 20'400 à conto Kapital und EUR 1'875.92 à conto Zinsen - Valuta 27.
Januar 2004
(...)."

Eventuell sei die Sache zu neuer Beurteilung an das Handelsgericht
zurückzuweisen.

Die Beklagten schliessen auf Abweisung der Berufung, soweit darauf
einzutreten sei.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Im Berufungsverfahren ist das Bundesgericht grundsätzlich an die
tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz gebunden. Ausnahmen von dieser
Bindung kommen nur in Betracht, wenn die Vorinstanz bundesrechtliche
Beweisvorschriften verletzt hat, wenn ihr ein offensichtliches Versehen
unterlaufen ist (Art. 63 Abs. 2 OG) oder wenn der von ihr ermittelte
Sachverhalt im Hinblick auf die Anwendung des Bundesrechts der Ergänzung
bedarf (Art. 64 OG). Die Partei, die den Sachverhalt berichtigt oder ergänzt
wissen will, hat darüber genaue Angaben mit Aktenhinweisen zu machen (Art. 55
Abs. 1 lit. d OG; BGE 130 III 102 E. 2.2; 127 III 248 E. 2c S. 252; 115 II
484 E. 2a S. 485 f., je mit Hinweisen). Blosse Kritik an der Beweiswürdigung
des kantonalen Gerichts kann dagegen mit Berufung nicht vorgetragen werden
(BGE 127 III 73 E. 6a; 126 III 10 E. 2b S. 12 f.; 119 II 84 E. 3; 118 II 365
E. 1).

2.
2.1 Die Klägerin begründete ihre Klage im Rahmen der Klageschrift im
Wesentlichen damit, dass an der Generalversammlung der SAirGroup vom 25.
April 2001 (durch den Verwaltungsrat bzw. seinen Sprecher, den Beklagten 2)
öffentlich bekannt gegeben worden sei, dass die Beklagte 5, die Deutsche Bank
und die Citibank N.A. der SAirGroup eine neue Kreditlinie von einer Milliarde
Franken eingeräumt hätten und dass an dieser Bekanntmachung bis Ende
September 2001 festgehalten worden sei. Die Kreditzusage habe sicherstellen
sollen, dass allfällige Bedenken über die Liquiditätslage der SAirGroup im
Publikum zerstreut würden. Die Zedenten hätten diese Kreditzusage als
Bestätigung der durch die drei Banken geprüften Zahlungsfähigkeit der
SAirGroup verstanden und es sei wiederholt öffentlich erklärt worden, damit
sei die Liquidität der SAirGroup gesichert. Im Vertrauen auf diese
Kreditzusage der Banken hätten die Zedenten am Markt von Dritten
Swissair-Obligationen erworben. Die Beklagten hätten das Zustandekommen des
Milliardenkreditvertrages mit den Banken indessen nur vorgetäuscht. Ohne
dieses täuschende Verhalten hätten die Zedenten die verlustbringenden Anlagen
nicht getätigt. Die Klägerin stützte sich zur Begründung ihres Anspruchs zum
einen auf die Haftungsnorm von Art. 41 OR, wobei sie sich zur Begründung der
Widerrechtlichkeit der Schadenszufügung auf die Schutznormen von Art. 151
StGB (arglistige Vermögensschädigung) und Art. 152 StGB (unwahre Angaben über
kaufmännische Gewerbe) berief, gegen welche die Beklagten verstossen haben
sollen (vgl. dazu BGE 122 III 176 E. 7b S. 192; 119 II 127 E. 3). Zum anderen
legte sie ihrer Klage die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu Art. 2 ZGB,
namentlich betreffend die Vertrauenshaftung zugrunde. Die Vorinstanz wies die
so begründete Klage mangels Klageberechtigung der Klägerin und aus
verschiedenen weiteren Gründen ab.

2.2 Nach den vorinstanzlichen Feststellungen hatte die Klägerin den Beklagten
im kantonalen Verfahren weitere, von diesen angeblich zu vertretende
Pflichtverletzungen bzw. Ursachen für ihre Obligationenkäufe vorgeworfen, von
denen sie einzelne unter den Titeln "Bilanz für das Geschäftsjahr 2000",
"Finanzierungslücke", "Shield" und "Hunter-Strategie" anrief. Allerdings habe
die Klägerin erklärt, dass sie die betreffenden Ausführungen über die
Verletzung aktienrechtlicher Pflichten durch die Beklagten 1-4 lediglich im
Hinblick auf den Nachweis des subjektiven Tatbestandes von Art. 151 und Art.
152 StGB und den Nachweis des Verschuldens vorgetragen habe. Obwohl die
Klägerin damit erklärt hatte, dass sie ihre Ansprüche nicht mit den
betreffenden Vorwürfen begründe, hat sich die Vorinstanz - offensichtlich der
Vollständigkeit halber - damit auseinandergesetzt; sie verneinte auch in
Bezug auf diese Gründe die Klageberechtigung der Klägerin und überdies eine
Haftung der Beklagten in der Sache, letzteres weitgehend mit der Begründung,
der Kausalzusammenhang zwischen den geltend gemachten Gründen und den
Kaufentscheiden sei nicht dargetan; ausserdem fehlten verschiedentlich
Hinweise darauf, inwiefern die einzelnen Beklagten bei den vorgeworfenen
Pflichtverletzungen mitgewirkt haben sollen. Auch im vorliegenden Verfahren
leitet die Klägerin ihre Ansprüche nicht aus den Pflichtverletzungen ab, die
sie über die Vorwürfe betreffend der Ankündigung des Milliardenkredits hinaus
behauptet. Sie macht bezüglich einzelner derselben nur noch geltend, dass
deren Vorhandensein an der Kausalität der Zusicherung des
Milliardenkreditvertrages (für die Obligationenkäufe der Zedenten) nichts
ändere (vgl. dazu die nachstehende Erwägung 3.2.4.2). Im Übrigen weist sie
auf ihre im vorinstanzlichen Verfahren abgegebene Erklärung hin, dass sie
entsprechende Unregelmässigkeiten "lediglich im Hinblick auf den Nachweis des
subjektiven Tatbestandes von Art. 151 und Art. 152 StGB und den Nachweis des
Verschuldens vorgetragen" habe.

2.3 Im vorliegenden Verfahren ist damit nur zu prüfen, ob die Vorinstanz die
Klage insoweit zu Recht abgewiesen hat, als diese mit dem Vorwurf der
Vortäuschung des "Milliardenkreditvertrages" zwischen der SAirGroup und drei
Banken durch die Beklagten begründet wurde.

3.
3.1 Eine Haftung der Beklagten nach Art. 41 OR setzt vorliegend voraus, dass
der Klägerin bzw. den Zedenten ein Schaden entstanden ist, der durch die
vorgeworfene Vortäuschung des Milliardenkreditvertrages widerrechtlich,
schuldhaft und adäquat kausal verursacht worden ist. Eine Haftung aus
erwecktem Vertrauen (Art. 2 ZGB) erfordert, dass das angeblich
vertrauenserweckende Verhalten gegenüber den Zedenten (die Bekanntgabe und
Aufrechterhaltung der Information über den Abschluss des
Milliardenkreditvertrages) adäquat kausal für den geltend gemachten Schaden
ist, dass dieses bzw. die dadurch hervorgerufene Erwartung mithin adäquat
kausal für die getroffenen nachteiligen Dispositionen der Zedenten
(Obligationenkäufe) ist, die zu einem Schaden geführt haben (vgl. dazu BGE
130 III 345 E. 2.1 mit Hinweisen).

3.2 Die Vorinstanz verneinte eine Haftung der Beklagten unter anderem mit der
Begründung, die Klägerin habe nicht dargetan, dass die Mitteilung über den
Milliardenkredit an der Generalversammlung vom 25. April 2001 "wesentlich"
für die Entscheidung der Zedenten gewesen wäre, Wandelanleihen und
Obligationen der SAirGroup zu kaufen. Unter diesen Umständen könne der
eingetretene Schaden auch nicht als angemessene Folge der den Beklagten
vorgeworfenen Verhaltensweise betrachtet werden. Sowohl die natürliche als
auch die adäquate Kausalität seien zu verneinen.

3.2.1 Ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen dem behaupteten Verhalten
der Beklagten und den Obligationenkäufen durch die Zedenten besteht dann,
wenn das Verhalten für die Käufe eine notwendige Bedingung (conditio sine qua
non) bildete, d.h. das fragliche Verhalten nicht weggedacht werden kann, ohne
dass auch der eingetretene Erfolg entfiele (BGE 125 IV 195 E. 2b; 117 V 369
E. 3a S. 376; 96 II 393 E. 1 S. 396). Ob ein natürlicher Kausalzusammenhang
besteht, beschlägt die tatsächlichen Verhältnisse und bindet das
Bundesgericht im Berufungsverfahren grundsätzlich (BGE 130 III 591 E. 5.3 mit
Hinweisen). Zulässige Rüge bildet indessen der Vorwurf, die Vorinstanz habe
den bundesrechtlichen Begriff der natürlichen Kausalität verkannt (vgl. 128
III 22 E. 2d S. 25; vgl. auch für die eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde
in Strafsachen BGE 125 IV 195 E. 2b; 122 IV 17 E. 2c/aa). Adäquat und damit
rechtserheblich ist der natürliche Kausalzusammenhang, wenn die Ursache nach
dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet
ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen oder ihn
jedenfalls zu begünstigen (BGE 123 III 110 E. 3a S. 112 mit zahlreichen
Hinweisen). Die Frage nach der Adäquanz des Kausalzusammenhangs ist
rechtlicher Natur und unterliegt der Prüfung im Verfahren der Berufung (BGE
116 II 519 E. 4a S. 524).

3.2.2 Nach den vorinstanzlichen Erwägungen zeichnet sich der vorliegende Fall
dadurch aus, dass es für die Zedenten laut den Ausführungen der Klägerin in
der Replik neben der Mitteilung über den Milliardenkredit auch andere Gründe
für eine Investition in die SAirGroup gegeben habe, aufgrund der sie
geschlossen hätten, dass (bei der SAirGroup wieder) alles auf allerbesten
Wegen und in allerbesten Händen gewesen sei:
So hätten die Zedenten aus der Übernahme des Verwaltungsratspräsidiums durch
den Beklagten 2 und dem Verbleib des Beklagten 1, dem
Verwaltungsratspräsidenten und CEO der Beklagten 5, entnommen, dass die
Beklagte 5 die SAirGroup stütze und ihren neuen Präsidenten bei der
Reorganisation des Konzerns unterstütze.
Die Trennung vom alten CEO Philippe Bruggisser und die Abwendung von der von
diesem betriebenen "Hunter"-Strategie anfangs 2001 sei dem Rechtsvertreter
der Klägerin als einem der drei Zedenten als die entscheidende Wende zur
Gesundung der SAirGroup erschienen.
Hinter der Neuformierung des Verwaltungsrats mit dem Beklagten 1 als Mitglied
und unter dem Vorsitz des Beklagten 2, dem ehemaligen Finanzchef von Nestlé,
habe der Rechtsvertreter der Klägerin das Wirken von Rainer E. Gut,
Ehrenpräsident der Beklagten 5 und ehemaliger Verwaltungsrat der SAirGroup,
erblickt.
Am 2. April 2001 habe der Beklagte 2 an einer Pressekonferenz über den
Zustand des Unternehmens berichtet und Sanierungsmassnahmen wie die Trennung
von verlustbringenden ausländischen Fluggesellschaften und den Verkauf von
nicht betriebsnotwendigen Aktiven angekündigt.
Bei dieser Sachlage, so die Vorinstanz weiter, müsse die Klägerin nicht
(bloss) die grundsätzliche Relevanz der Mitteilung über den Milliardenkredit
für die Anlageentscheidungen der Zedenten, sondern ihre ausschlaggebende
Bedeutung neben anderen Faktoren nachweisen. Dies falle besonders schwer,
wenn diese Mitteilung nicht einen grundsätzlich neuen Eindruck gesetzt,
sondern lediglich das bestehende Bild bestätigt habe. Der Milliardenkredit
erscheine in der klägerischen Darstellung wie ein Steinchen in einem Mosaik
von Motiven. Nach der allgemeinen Lebenserfahrung und dem gewöhnlichen
Verlauf der Dinge sei nicht anzunehmen, dass das Fehlen eines solchen
Steinchens, das sich nicht grundsätzlich von den übrigen Steinchen
unterscheide, etwas an der Entscheidung der Zedenten geändert hätte.
Naheliegend sei daher, dass die Zedenten auch bei einer Offenlegung der mit
dem Milliardenkredit verbundenen behaupteten Schwierigkeiten oder Unterlassen
einer Ankündigung (weiter) in die SAirGroup investiert hätten. Die Klägerin
habe keine Indizien vorgetragen, die geeignet wären, diese Vermutung
umzustossen. Für diese spreche insbesondere der zeitliche Ablauf der Dinge,
hätten die Zedenten doch bereits am 5. April 2001 und damit vor der
Generalversammlung vom 25. April 2001, als die Einräumung einer Kreditlinie
bekanntgegeben wurde, erste Obligationen gekauft. Die nächsten Käufe hätten
sie alsdann erst mehr als einen Monat nach der Generalversammlung getätigt.

3.2.3 Mit diesen Erwägungen hat die Vorinstanz den natürlichen
Kausalzusammenhang zwischen der Mitteilung über den Milliardenkredit sowie
der Aufrechterhaltung dieser Information einerseits und den Anlageentscheiden
der Zedenten andererseits in dem Sinne verneint, als die Anlageentscheide
nicht anders getroffen worden wären, wenn der Milliardenkredit nie
angekündigt worden wäre. Mit anderen Worten handelte es sich nach Auffassung
der Vorinstanz bei der vorgeworfenen Falschinformation nicht um eine conditio
sine qua non für die Anlageentscheidung der Zedenten, d.h. nicht um einen
Grund, bei dessen Wegfall sich an der Entscheidung der Zedenten etwas
geändert hätte.

Diesen tatsächlichen Schluss hat die Vorinstanz, aus der beweismässigen
Würdigung von im konkreten Fall gegebenen Anhaltspunkten gezogen. Er beruht
nicht allein auf allgemeiner Lebenserfahrung und ist damit für das
Bundesgericht im Berufungsverfahren grundsätzlich verbindlich (vgl. dazu BGE
127 III 453 E. 5d; 126 III 10 E. 2b S. 12; 115 II 440 E. 5a und b, je mit
Hinweisen). Daran ändert nichts, dass die Vorinstanz im Rahmen ihrer
Erwägungen auf die allgemeine Lebenserfahrung und den gewöhnlichen Verlauf
der Dinge Bezug genommen hat, beruht doch die Beweiswürdigung stets auch auf
allgemeiner Lebenserfahrung (BGE 118 II 365 E. 1 S. 366). Auf die gegen die
Verneinung des Kausalzusammenhangs gerichteten Vorbringen ist somit nur
insoweit einzugehen, als die Klägerin dazu eine Ausnahme von der
Sachverhaltsbindung im Sinne von Art. 63 Abs. 2 und Art. 64 OG substanziiert
(Erwägung 1 vorne) oder als sie geltend macht, die Vorinstanz habe den
bundesrechtlichen Begriff der Kausalität verkannt (vgl. die vorstehende
Erwägung 3.2.1).
3.2.4 Die Klägerin macht zunächst geltend, der Schluss, dass die Zedenten
auch bei Offenlegung der mit dem Milliardenkredit verbundenen behaupteten
Schwierigkeiten oder bei Unterlassen einer Ankündigung (weiter) in die
SAirGroup investiert hätten, beruhe auf einer Reihe von offensichtlichen
Versehen. Die Vorinstanz habe eine Vielzahl von so genannten
"Mosaiksteinchen" offensichtlich versehentlich nicht berücksichtigt. Die
Vorinstanz hätte sodann all diese Glieder der Kausalkette in ihre Erwägungen
zur Kausalität einbeziehen müssen, um den bundesrechtlichen Begriff der
Kausalität richtig anzuwenden. Diese Rügen sind unbehelflich.

3.2.4.1 Ein offensichtliches Versehen liegt nach der Rechtsprechung nur vor,
wenn die Vorinstanz eine bestimmte Aktenstelle übersehen oder unrichtig, d.h.
nicht in ihrer wahren Gestalt, insbesondere nicht mit ihrem wirklichen
Wortlaut wahrgenommen hat (BGE 115 II 399 E. 2; 113 II 522 E. 4b; 104 II 68
E. 3b). Ein Versehen ist nicht schon dadurch belegt, dass sich das Aktenstück
bei der Beweiswürdigung nicht erwähnt findet, sondern es muss klar sein, dass
es bei der Bildung der richterlichen Überzeugung auch implizit nicht
einbezogen, also in den Akten unentdeckt geblieben oder vergessen worden ist.
Erforderlich ist weiter, dass ein solches Versehen den Entscheid beeinflusst
(BGE 101 Ib 220 E. 1 S. 222; Poudret, Commentaire de la loi fédérale
d'organisation judiciaire, Bd. II, Bern 1990, N. 1.6.3. zu Art. 55 OG S. 445,
N. 5.1 zu Art. 63 OG). Betrifft das Versehen nur einen Ausschnitt der
Beweiswürdigung, z.B. ein einzelnes Indiz einer Indizienkette oder eine von
mehreren Zeugenaussagen, so hilft die Versehensrüge nicht weiter; diesfalls
läuft die Rüge vielmehr auf eine unzulässige Kritik an der Beweiswürdigung
hinaus und ist von vornherein nicht zu hören (Messmer/Imboden, Die
eidgenössischen Rechtsmittel in Zivilsachen, Zürich 1992, S. 138; Poudret,
a.a.O., N 1.6.3 zu Art. 55 OG S. 445).

Die Vorinstanz hat geschlossen, die Bekanntgabe und Aufrechterhaltung der
Information über den Abschluss des Milliardenkreditvertrages sei für die
Anlageentscheide der Zedenten nicht von ausschlaggebender Bedeutung gewesen,
weil es auch andere Gründe für die Tätigung der Anlagen gegeben habe. Die
Klägerin zählt nicht weniger als 22 tatsächliche Umstände auf, von denen die
Zedenten durch die Presse Kenntnis erlangt und die weitere Gründe für die
Anlageentscheide der Zedenten gebildet hätten. Die Vorinstanz habe alle diese
Glieder in der Kausalkette - im Urteil "Mosaiksteine" genannt -
offensichtlich übersehen. Sie legt jedoch, von drei Ausnahmen abgesehen,
nicht dar (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG), inwiefern die angerufenen, angeblich
übersehenen Tatsachen für den angefochtenen Schluss der Vorinstanz überhaupt
entscheiderheblich sein sollen. Dies ist auch nicht nachvollziehbar, spricht
doch das Vorhandensein weiterer Gründe für die getroffenen Anlageentscheide
gerade dagegen, dass das den Beklagten vorgeworfene Verhalten im Zusammenhang
mit dem Milliardenkredit für die Anlageentscheide der Zedenten im Sinne eines
nicht wegzudenkenden Umstandes von ausschlaggebender Bedeutung war. Ein
offensichtliches Versehen ist soweit nicht dargetan.

Soweit die Klägerin, betreffend die drei erwähnten Ausnahmen, etwas zur
Entscheiderheblichkeit der angeblich übersehenen Tatsachen ausführt, wendet
sie sich gegen die vorinstanzliche Erwägung, nach der es für die Zedenten
erschwerend ins Gewicht falle, dass der erste Kauf vor Ankündigung des
Milliardenkredits erfolgt sei. Dies betrifft indessen bloss ein einzelnes,
den Zeitpunkt der Aktienkäufe betreffendes Indiz aus der von der Vorinstanz
berücksichtigten Indizienkette, weshalb die Versehensrüge insoweit nicht
weiterhelfen kann. Dass die angefochtene Feststellung, wonach die Mitteilung
über den Milliardenkredit für die Anlageentscheidungen der Zedenten nicht von
ausschlaggebender Bedeutung gewesen sei, mit einem ganz bestimmten Aktenstück
in offensichtlichem Widerspruch stehe, wogegen die Versehensrüge nach dem
vorstehend Ausgeführten einzig weiterhelfen könnte, macht die Klägerin nicht
geltend (vgl. dazu Birchmeier, a.a.O., N. 9f zu Art. 55 OG, S. 210; Poudret,
a.a.O., N. 1.6.3. zu Art. 55 OG S. 445). Ihre Vorbringen laufen vielmehr
sowohl einzeln als auch in ihrer Gesamtheit auf eine im Berufungsverfahren
unzulässige, und zudem weitgehend nicht näher begründete Kritik an der
vorinstanzlichen Beweiswürdigung hinaus, auf die nicht eingetreten werden
kann.

3.2.4.2 Unzulässige Kritik an der Beweiswürdigung übt die Klägerin ferner,
soweit sie geltend machen will, die Vorinstanz hätte den Kausalzusammenhang
aufgrund von verschiedenen, angeblich aus dem Untersuchungsbericht von "Ernst
& Young" hervorgehenden Tatsachen bejahen müssen. Überdies beruft sie sich
mit diesen Tatsachen auf behauptete Sachverhaltselemente, zu denen die
Vorinstanz aus verschiedenen Gründen keine Feststellungen traf und die daher
im angefochtenen Urteil keine Stütze finden, ohne dazu eine Ausnahme nach
Art. 63 Abs. 2 und Art. 64 OG anzurufen. Auch insoweit ist auf ihre
Ausführungen nicht weiter einzugehen.

3.2.5 Nicht ersichtlich ist sodann, weshalb die Vorinstanz den Begriff des
natürlichen Kausalzusammenhangs unrichtig angewendet haben soll, indem sie
die angerufenen "Mosaiksteinchen" als Sachverhaltselemente, die sie für ihre
Beweiswürdigung betreffend der Kausalität offensichtlich nicht als
entscheiderheblich betrachtete, nicht in ihre Erwägungen zur Kausalität
einbezog. Die Vorinstanz hat den Begriff der natürlichen Kausalität
keineswegs verkannt, indem sie prüfte, ob anzunehmen sei, dass die Zedenten
auch ohne die vorgeworfene Ankündigung eines Milliardenkredites und die
Aufrechterhaltung dieser Information in die SAirGroup investiert hätten, und
ob das vorgeworfene Verhalten mithin eine conditio sine qua non für die
getroffenen Anlageentscheidungen bildete.

Wenn die Klägerin in diesem Zusammenhang weiter vorbringt, das geltend
gemachte "Ereignis" - die Mitteilung über den gewährten Milliardenkredit und
die Bestätigung von der Vorankündigung vom 17. März 2001 bis zum 20.
September 2001 - sei nach der allgemeinen Lebenserfahrung durchaus geeignet
gewesen, den Anlageentscheid der Zedenten zu beeinflussen, rügt sie, die
Vorinstanz habe die Adäquanz dieser Ursachen verkannt. Damit stösst sie indes
ins Leere. Die Frage der Adäquanz stellt sich nur dann, wenn der natürliche
Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis und dem Schaden zu bejahen ist;
dieser ist unabdingbare Voraussetzung der Haftung (BGE 112 II 439 E. 1d S.
442; 107 II 269 E. 3 S. 276). Nach dem Ausgeführten hat die Vorinstanz den
natürlichen Kausalzusammenhang jedoch ohne Bundesrechtsverletzung verneint.

3.3 Damit hat die Vorinstanz die klägerische Schadenersatzforderung insgesamt
zu Recht abgewiesen, und die Berufung erweist sich als unbegründet. Auf die
weiteren Begründungen, mit denen die Vorinstanz die Klage abwies, sowie auf
die von der Klägerin dagegen erhobenen Rügen braucht nicht eingegangen zu
werden.

4.
Die Berufung ist demnach abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.
Ausgangsgemäss wird die Klägerin für das Verfahren vor Bundesgericht kosten-
und entschädigungspflichtig (Art. 156 Abs. 1 und Art. 159 Abs. 2 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Berufung wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 17'000.-- wird der Klägerin auferlegt.

3.
Die Klägerin hat die Beklagten 2 und 5 für das bundesgerichtliche Verfahren
mit je Fr. 19'000.-- und die Beklagten 1, 3 und 4 mit insgesamt Fr. 19'000.--
zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Handelsgericht des Kantons Zürich
schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 18. Mai 2005

Im Namen der I. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: