Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilabteilung 5C.116/2005
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5C.116/2005 /bnm

Urteil vom 29. November 2005
II. Zivilabteilung

Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichterinnen Nordmann, Escher, Bundesrichter Meyer, Marazzi,
Gerichtsschreiber Gysel.

X. ________,
Kläger und Berufungskläger,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Bruno Stierli,

gegen

Versicherung Y.________,
Beklagte und Berufungsbeklagte,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. P. Christoph Gutzwiller,

Versicherungsvertrag,

Berufung gegen das Urteil des Obergerichts (II. Zivilkammer) des Kantons
Zürich vom 8. März 2005.

Sachverhalt:

A.
A.a U.________ ist seit Jahren in A.________ als Anwalt tätig. Seine Kanzlei
ist als einfache Gesellschaft ausgestaltet, deren Zusammensetzung immer
wieder ändert. Am 30. Juni 1995 kündigten vier Anwälte ihre Mitgliedschaft in
der Kanzlei. In diesem Zusammenhang kam es zu einem Rechtsstreit, wobei
U.________ von zwei seiner ehemaligen Partnern Beträge von über Fr. ... bzw.
fast Fr. ... forderte.

A.b Im Jahre 1997 stellte U.________ X.________ als Anwalt in seiner Kanzlei
an. Die Einzelheiten des Arbeitsverhältnisses sind im Anstellungsvertrag vom
19. Dezember 1997 sowie in den Allgemeinen Anstellungsbedingungen der Kanzlei
U.________ & Partner vom 1. Juni 1997 festgehalten.

A.c U.________ beauftragte X.________ mit der gerichtlichen Interessenwahrung
gegenüber seinen zwei ehemaligen Partnern. Mit Eingabe vom 22. Juni 1998
liess er beim Bezirksgericht T.________ die Forderungsklage gegen diese
einreichen. Anlässlich der Referentenaudienz vom 15. September 1999 wurde
U.________ auf die ungenügende Substantiierung seines Begehrens aufmerksam
gemacht. Daraufhin zeigte X.________ der Berufshaftpflichtversicherung der
Kanzlei von U.________, der Versicherung Y.________ (nachfolgend:
Y.________), den möglichen Schaden an und ersuchte sie gestützt auf die
Police Nr. ... um grundsätzliche Deckungszusage.

Mit Urteil vom 16. Dezember 1999 wies das Bezirksgericht T.________ die Klage
von U.________ gegen seine beiden ehemaligen Partner ab. Der Weiterzug an das
Obergericht des Kantons Zürich, das Kassationsgericht des Kantons Zürich und
schliesslich an das Bundesgericht blieb erfolglos. X.________ räumte
gegenüber der Y.________ ein, dass die Klage von U.________ wegen eines
Fehlers seinerseits abgewiesen worden sei.

B.
Mit Eingabe vom 21. Mai 2002 reichte X.________ beim Bezirksgericht Zürich
gegen die Y.________ Klage ein und beantragte, die Beklagte zu verpflichten,
nach ihrer Wahl - unter Abzug des Selbstbehalts - ihm oder - ohne Abzug eines
Selbstbehalts - direkt U.________ den Betrag von Fr. ... (Summe der gegen die
beiden ehemaligen Partner eingeklagten Forderungen) nebst Zins zu 5 % seit 1.
April 1996 und weitere Beträge von insgesamt Fr. ... (bezahlte
Gerichtsgebühren und Parteientschädigungen) nebst Zins zu 5 % ab
verschiedenen Zeitpunkten zu zahlen.

Die Beklagte schloss auf Abweisung der Klage.

Nach einer Referentenaudienz mit Vergleichsverhandlung verfügte der
bezirksgerichtliche Referent am 17. Januar 2003, dass das Prozessthema auf
die Frage der vertraglichen Haftungsausschlüsse beschränkt werde. In einem
Vor-Urteil vom 1. April 2004 stellte das Bezirksgericht (8. Abteilung)
alsdann fest, dass die Einreden gemäss Art. 8 lit. a in Verbindung mit Art. 3
lit. a und gemäss Art. 8 lit. t der Allgemeinen Versicherungsbedingungen
(AVB) grundsätzlich anwendbar seien, die Einrede gemäss Art. 8 lit. l AVB
vorliegend aber nicht zur Anwendung gelange und dass die Beklagte auf die
Erhebung der Einreden gemäss Art. 8 lit. a in Verbindung mit Art. 3 lit. a
AVB und gemäss Art. 8 lit. t AVB verbindlich verzichtet habe, währenddem kein
Verzicht auf die Einrede gemäss Art. 8 lit. l AVB vorliege.

Die Beklagte reichte Berufung ein, worauf das Obergericht (II. Zivilkammer)
des Kantons Zürich am 8. März 2005 erkannte, die Klage werde abgewiesen.

C.
X.________ (Kläger) gelangt mit Berufung vom 2. Mai 2005 an das
Bundesgericht. Er beantragt, das obergerichtliche Urteil aufzuheben und
festzustellen, dass die Beklagte die Versicherungsdeckung weder gestützt auf
Art. 8 lit. t noch gestützt auf Art. 8 lit. l AVB ablehnen könne. Alsdann sei
die Sache zur weiteren Beurteilung der Klage an die erste Instanz
zurückzuweisen.

Die Beklagte schliesst auf Abweisung der Berufung.

Das Obergericht hat anlässlich der Aktenüberweisung erklärt, auf
Gegenbemerkungen zu verzichten.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Mit der Abweisung der Klage hat das Obergericht über den im Streit
stehenden Anspruch auf Versicherungsdeckung definitiv entschieden, so dass
dieser nicht noch einmal geltend gemacht werden kann. Es liegt mithin ein
Endentscheid vor (dazu BGE 127 III 433 E. 1b/aa S. 435), woran die Tatsache,
dass die erste Instanz ihren Entscheid - wegen der Beschränkung des
Prozessthemas auf die Frage des Deckungsausschlusses - als Vor-Urteil
bezeichnet hatte, nichts ändert.

1.2 Die Berufung richtet sich gegen ein kantonal letztinstanzliches Urteil
(Art. 48 Abs. 1 OG) und beschlägt privatversicherungsrechtliche Fragen,
mithin eine Zivilrechtsstreitigkeit mit einem Vermögenswert, der den
Streitwert von 8'000 Franken bei weitem erreicht (Art. 46 OG). Sie ist unter
diesen Gesichtspunkten zulässig.

1.3 Der Rückweisungsantrag des Klägers ist nach der geltenden Praxis
ausreichend: Sollte das Bundesgericht die Rechtsauffassung des Klägers für
begründet erachten, könnte es selbst gar kein Endurteil fällen, sondern
müsste die Sache zur weiteren Abklärung an die Vorinstanz zurückweisen (vgl.
BGE 125 III 412 E. 1b S. 414).

2.
Anlass der Berufung bilden einzig die in den Art. 8 lit. a, 8 lit. l und 8
lit. t der Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) für die
Haftpflichtversicherung für Rechtsanwälte, Notare, Bücherexperten, Treuhänder
und ähnliche Berufe (Ausgabe 1/1985) der beklagten Versicherungsgesellschaft
festgelegten Einschränkungen des Deckungsumfanges. Dass der Kläger als
(ehemaliger) Angestellter der Anwaltskanzlei U.________ im massgebenden
Zeitpunkt zu den versicherten Personen gehörte, ergibt sich aus Art. 3 der
Besonderen Bedingungen zur Betriebs- und Berufshaftpflicht-Versicherung vom
1. April 1996 in Verbindung mit Art. 3 lit. a Ziff. 3 AVB und wird von der
Beklagten nicht in Frage gestellt.
Nicht zu beurteilen ist hier, ob sich der Kläger durch seine Mandatsführung
gegenüber seinem Arbeitgeber verantwortlich gemacht hat und ob das Verhalten
des Klägers überhaupt versichert ist. Ebenso wenig bilden die Fragen, ob und
in welcher Höhe dem Versicherungsnehmer ein Schaden entstanden ist und ob
sich jener selbst vertragsgemäss verhalten hat, Gegenstand des vorliegenden
Berufungsverfahrens.

3.
Die strittigen Bestimmungen der hier massgebenden Allgemeinen
Versicherungsbedingungen lauten wie folgt:
Art. 8. Einschränkungen des Deckungsumfanges
Von der Versicherung ausgeschlossen sind:
a)Ansprüche des Versicherungsnehmers sowie Ansprüche aus Schäden, welche die
Person des Versicherungsnehmers betreffen; ferner Ansprüche von
Familienangehörigen eines Versicherten diesem letzteren gegenüber.
...
l)die Haftpflicht für Schäden, deren Eintritt vom Versicherungsnehmer, von
seinem Vertreter oder von Personen, die mit der Leitung oder Beaufsichtigung
der versicherten Tätigkeit betraut sind, mit hoher Wahrscheinlichkeit
erwartet werden musste;
t)Ansprüche aus reinen Vermögensschäden, die der Versicherte der natürlichen
oder juristischen Person zufügt, deren Organ oder Arbeitnehmer er ist..."
Mangels entsprechender Parteibehauptung ist das Obergericht davon
ausgegangen, dass bezüglich des Verständnisses dieser vertraglichen
Ausschlussklauseln kein übereinstimmender Wille der Parteien vorhanden sei.
Es hat die Bestimmungen deshalb im Sinne der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung nach dem Vertrauensprinzip ausgelegt. Diese objektivierte
Auslegung prüft das Bundesgericht im Berufungsverfahren als Rechtsfrage (BGE
129 III 702 E. 2.4 S. 707 mit Hinweisen).

3.1 Die Vorinstanz hat unter Hinweis auf die Begründung im Vor-Urteil des
Bezirksgerichts vom 1. April 2004 festgehalten, Art. 8 lit. a AVB schliesse
Versicherungsleistungen der Beklagten an sich aus. Die erste Instanz hatte
ausgeführt, dass U.________ aufgrund der Police und der AVB als
Versicherungsnehmer zu betrachten sei. Unerheblich sei, ob die
Anwaltsgemeinschaft als Kollektiv- oder als einfache Gesellschaft organisiert
gewesen sei. Klar sei sodann auch, dass ein allfälliger Schaden bei
U.________ entstanden wäre. Ob es sich um einen privaten oder geschäftlichen
Schaden handeln würde, sei ohne Belang. Zudem sei es im ursprünglichen
Prozess um die Abrechnung mit zwei Kollegen infolge der Auflösung der
Kanzleigemeinschaft gegangen, womit der geltend gemachte Schaden eine
genügende Verbindung mit der beruflichen Tätigkeit des Versicherungsnehmers
aufweise. Es läge mithin ein Eigenschaden vor, für den gemäss Art. 8 lit. a
in Verbindung mit Art. 3 lit. a Ziff. 1 AVB keine Versicherungsdeckung
gegeben sei. Diese Auslegung wird von den Parteien vor Bundesgericht zu Recht
nicht mehr in Frage gestellt.

3.2 Nach Ansicht der Vorinstanz ist bei der Beurteilung des von der Beklagten
gestützt auf Art. 8 lit. t AVB erhobenen Einwandes einzig das Vorliegen des
Arbeitsvertrags zwischen dem Kläger und Rechtsanwalt U.________ entscheidend.
In einem solchen Fall sei die Haftung des Versicherers für Schädigungen des
Arbeitgebers aus der Berufstätigkeit des Arbeitnehmers ohne weiteres
ausgeschlossen. Ob der angestellte Anwalt im konkreten Fall aufgrund eines
Mandats oder des Arbeitsvertrags tätig geworden sei, mache keinen
Unterschied. Die internen Verhältnisse seien der Versicherung ohnehin nicht
bekannt. Zudem wären in diesem Zusammenhang auch missbräuchliche Absprachen
nicht auszuschliessen, die die hier interessierende Ausschlussklausel
aushebeln könnten. Schliesslich könnte die Beklagte im Falle eines persönlich
erteilten Mandats aufgrund des vorliegenden Versicherungsvertrags ohnehin
nicht in Anspruch genommen werden, da gemäss Art. 3 lit. a Ziff. 3 AVB zwar
der Arbeitnehmer, nicht aber der Beauftragte zum Kreis der versicherten
Personen gehöre und nur dessen abhängige, nicht auch seine selbständige
Berufstätigkeit als Anwalt von der Police erfasst werde.
Der Kläger anerkennt, dass Art. 8 lit. a und Art. 8 lit. t AVB zwei
grundsätzlich verschiedene Tatbestände regeln, einerseits den Eigenschaden,
andererseits Schäden bei einem Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis. Hierin
stimmt er der Vorinstanz und der Beklagten zu. In der Tat befasst sich Art. 8
lit. a AVB nur mit dem Eigenschaden, denn in der genannten Bestimmung ist
generell von Ansprüchen des Versicherungsnehmers sowie Ansprüchen aus
Schäden, die die Person des Versicherungsnehmers betreffen, die Rede. In Art.
8 lit. t AVB wird hingegen ausschliesslich von denjenigen Vermögensschäden
gesprochen, die der Versicherte unter anderem seinem Arbeitgeber zufügt. Dass
die beiden Tatbestände unter Umständen gleichzeitig gegeben sein können, ist
nicht auszuschliessen. Gerade der vorliegende Fall weist in diese Richtung.
Da jedoch das Vorliegen eines einzigen Deckungsausschlusses schon zur
Abweisung der Klage führt, kommt dieser Abgrenzung nur begrenzte Bedeutung
zu. Im hier zu beurteilenden Fall haben der Kläger und Rechtsanwalt
U.________ einen Arbeitsvertrag abgeschlossen, womit vom Deckungsausschluss
nach Art. 8 lit. t AVB auszugehen ist.

3.3
3.3.1 Nach der von der Beklagten schliesslich ebenfalls angerufenen dritten
Klausel von Art. 8 lit. l AVB ist eine Versicherungsdeckung ausgeschlossen,
wenn der Eintritt des Schadens vom Versicherungsnehmer mit hoher
Wahrscheinlichkeit erwartet werden musste. In diesem Zusammenhang hebt die
Vorinstanz hervor, dass Rechtsanwalt U.________ an der am 15. September 1999
beim Bezirksgericht T.________ durchgeführten Referentenaudienz anwesend
gewesen sei und dabei erfahren habe, dass seine Klage gegen die beiden
ehemaligen Büropartner als ungenügend substantiiert bezeichnet worden sei.
Darum hätte er dem Fortgang des Verfahrens mehr Beachtung schenken und
insbesondere auf seinen Anwalt (den heutigen Kläger) einwirken müssen, damit
dieser im kantonalen Berufungsverfahren die fehlende Substantiierung
nachgeholt hätte, was keine schwierige Aufgabe gewesen wäre. Indem er dies
unterlassen habe, habe er den Schaden in Kauf genommen, dessen Eintritt er
mit hoher Wahrscheinlichkeit habe erwarten müssen.

3.3.2 Welche Pflichten dem Richter bei mangelhafter Substantiierung einer
Forderungsklage zukommen, ob und inwieweit allenfalls eine richterliche
Fragepflicht besteht und in welcher Weise der Mangel im Rechtsmittelverfahren
noch behoben werden kann, beschlägt kantonales Prozessrecht. Ob die
entsprechenden Ausführungen der Vorinstanz zutreffend sind, kann die
erkennende Abteilung im Berufungsverfahren daher nicht (vorfrageweise)
überprüfen (vgl. Art. 55 Abs. 1 lit. c OG; BGE 123 III 395 E. 1b S. 399). Es
muss mithin bei den Ausführungen der Vorinstanz zu diesen Punkten sein
Bewenden haben. Hingegen kann im vorliegenden Verfahren geprüft werden, ob
Rechtsanwalt U.________ den Kläger als seinen Anwalt tatsächlich habe
beaufsichtigen und ihm nötigenfalls Anweisungen zur konkreten Mandatsführung
habe erteilen müssen.

3.3.3 Nach dem Wortlaut von Art. 8 lit. l AVB ist die Deckung für Schäden
ausgeschlossen, deren Eintritt der Versicherungsnehmer selbst mit hoher
Wahrscheinlichkeit erwarten musste. Rechtsanwalt U.________ als
Versicherungsnehmer hat den Prozess nicht selbst geführt, sondern einen
Anwalt damit beauftragt. Dass er an gewissen Gerichtssitzungen persönlich
teilnahm oder teilnehmen musste, ändert an diesem Mandat nichts. Sodann
gehört es zur normalen Tätigkeit eines Anwalts, einzelne Prozessschritte -
wie etwa den Weiterzug eines Urteils - mit dem Klienten zu besprechen. Davon
zu unterscheiden ist die Überwachung, die Rechtsanwalt U.________ als (selbst
berufserfahrener) Arbeitgeber oder Mandant nach Auffassung des Obergerichts
hätte ausüben müssen. Zur Begründung verweist dieses im Wesentlichen auf Art.
8 Abs. 1 lit. d des Bundesgesetzes vom 23. Juni 2000 über die Freizügigkeit
der Anwältinnen und Anwälte (Anwaltsgesetz; BGFA; SR 935.61), wonach ein
Anstellungsverhältnis nur zugelassen ist, wenn der Arbeitgeber selbst Anwalt
ist. Die Vorinstanz betont, dass der angestellte Anwalt seinem Arbeitgeber
gegenüber gerade nicht unabhängig sei; ihm werde ein Mandat zugewiesen,
allenfalls wieder entzogen, oder es würden ihm Weisungen zu dessen Führung
erteilt. Dass dem Kläger spezielle Weisungen erteilt worden wären, stellt das
Obergericht indes gerade nicht fest. Den Status des angestellten Anwalts
scheint es ausschliesslich arbeitsrechtlich zu würdigen, obwohl es in seinem
Urteil offen lässt, ob die Tätigkeit des Klägers nicht allenfalls auf einem
direkten Mandat beruht hat, und darauf hinweist, dass Rechtsanwalt U.________
dem Kläger eine Vollmacht erteilt habe. Letzteres spricht indessen für ein
dem Arbeitnehmer erteiltes Mandat. Die Vorinstanz übersieht sodann, dass der
Anwalt als Arbeitnehmer zwar in einem Unterordnungsverhältnis zum Arbeitgeber
steht und daher Weisungen zu seiner Arbeitsweise entgegenzunehmen hat (Art.
321d OR), dass jedoch die Führung des einzelnen Mandats anderen Regeln folgt.
Zu berücksichtigen ist nämlich ebenfalls, dass der Anwalt gemäss den im
Anwaltsgesetz festgelegten Berufsregeln auch gegenüber seinem Klienten
unabhängig sein muss (Art. 12 lit. b BGFA). Er soll als objektiv urteilender
Helfer dienlich sein können, was voraussetzt, dass er eigenständig abschätzt,
wie im Prozess vorzugehen ist, und versucht, den Klienten von seiner
Betrachtungsweise zu überzeugen (BGE 130 II 87 E. 4.2 S. 95). Die derart
umschriebene Unabhängigkeit im Verhältnis von Auftraggeber zu Beauftragtem
lässt auf alle Fälle eine Beaufsichtigung, wie die Vorinstanz sie sich
vorstellt, nicht zu. Erteilt ein Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer ein
Anwaltsmandat, so tritt in dessen Umfang der arbeitsrechtliche Aspekt ihres
Rechtsverhältnisses, insbesondere das sich hieraus ergebende allgemeine
Weisungsrecht, in den Hintergrund.

Rechtsanwalt U.________ als Versicherungsnehmer kann nach dem Gesagten nicht
vorgeworfen werden, er habe die Mandatsführung des Klägers nicht ausreichend
begleitet und unterlassen, Einfluss auf einzelne Prozessschritte zu nehmen.
Damit lässt sich auch nicht sagen, er habe mit seinem Verhalten den Schaden
in Kauf genommen, dessen Eintritt er mit hoher Wahrscheinlichkeit habe
erwarten müssen. Der in Art. 8 lit. l AVB statuierte Ausschluss der
Versicherungsdeckung kommt mithin nicht zum Tragen.

3.4 Als Zwischenergebnis ist festzuhalten, dass die in Art. 8 lit. a und Art.
8 lit. t AVB enthaltenen Ausschlussklauseln im vorliegenden Fall
grundsätzlich zur Anwendung gelangen. Hingegen sind die Voraussetzungen für
einen Deckungsausschluss nach Art. 8 lit. l AVB nicht gegeben.

4.
Damit bleibt in einem nächsten Schritt zu prüfen, ob und inwieweit die
Beklagte dem Kläger gegenüber verzichtet hat, sich auf die beiden
Ausschlussklauseln zu berufen.

4.1 Der Kläger bringt vor, die Beklagte könne sich auf die Tatbestände von
Art. 8 lit. a und Art. 8 lit. t AVB nicht (mehr) berufen, da sie wiederholt
darauf verzichtet habe, einen entsprechenden Deckungsausschluss geltend zu
machen.

4.2 Wie es sich damit verhält, ist aufgrund der von den Parteien geführten
Korrespondenz zu beurteilen. Das Obergericht hat keinen wirklichen Willen der
Beklagten festgestellt, so dass deren mutmassliche Wille zu ermitteln ist.
Hierzu sind die Erklärungen der Beklagten nach dem Vertrauensprinzip, d.h. so
auszulegen, wie sie nach Wortlaut und Zusammenhang sowie nach den gesamten
Umständen verstanden werden durften und mussten (BGE 130 III 417 E. 3.2. S.
424 f.; 129 III 702 E. 2.4 S. 707, mit Hinweisen).

4.3 In ihrem Schreiben vom 1. Oktober 1999 antwortete die Beklagte auf die
vom 24. September 1999 datierte Anzeige des Klägers bezüglich eines möglichen
Schadensfalles im Zusammenhang mit dem von ihm im Namen von U.________ gegen
die beiden ehemaligen Partner geführten Forderungsprozess. Sie erklärte unter
Berufung auf Art. 8 lit. a AVB, wonach Ansprüche des Versicherungsnehmers und
Ansprüche aus Schäden, die die Person des Versicherungsnehmers beträfen, von
der Versicherungsdeckung ausgeschlossen würden, für den strittigen Fall keine
Deckung zu gewähren. Mit Schreiben vom 5. Oktober 1999 entgegnete der Kläger,
dass er als Arbeitnehmer des Versicherungsnehmers zum Kreis der versicherten
Personen gehöre und der mögliche Schaden U.________ nicht als
Versicherungsnehmer, sondern als Privatperson beträfe; der Hinweis auf Art. 8
lit. a AVB gehe daher fehl. Die Beklagte überprüfte die Angelegenheit hierauf
nochmals und erklärte in einem Schreiben vom 12. Oktober 1999 an den Kläger,
die Deckungseinschränkung - gemeint offensichtlich die in ihrem
vorangegangenen Schreiben erwähnte von Art. 8 lit. a AVB - sei wohl eher im
Hinblick auf einen anderen Sachverhalt in die Allgemeinen
Versicherungsbedingungen aufgenommen worden und dürfte hier nicht ganz
angebracht sein und sie sei bereit, "unpräjudiziell Deckung zu gewähren".

Es mag sein, dass beim Abfassen des Schreibens vom 12. Oktober 1999 nur an
den Ausschlusstatbestand von Art. 8 lit. a AVB und nicht auch daran gedacht
worden war, dass die Deckung allenfalls aus einem anderen Grund
ausgeschlossen sein könnte. Allerdings hatte die Beklagte durch das
klägerische Schreiben vom 5. Oktober 1999 bereits erfahren, dass zwischen dem
Versicherungsnehmer und dem Versicherten ein Arbeitsverhältnis bestand, womit
sich für sie auch die Frage eines allfälligen Versicherungsausschlusses nach
Art. 8 lit. t AVB stellen musste. Entscheidend ist jedoch, dass die Beklagte
ihre Deckungsbereitschaft ohne hier einschlägigen Vorbehalt erklärt hat. Der
Ausdruck "präjudiziell" bezog sich nicht auf die Ausschlusstatbestände; es
kam ihm die Bedeutung zu, dass in einem künftigen identischen Fall nicht mehr
(ohne weiteres) Deckung gewährt würde. Es entspricht im Übrigen durchaus der
im Umgang zwischen Anwälten und Versicherungen oftmals verwendeten
Formulierung, dass eine Leistung "ohne Anerkennung einer Rechtspflicht"
gewährt werde. In diesem Sinne hat sich denn auch die Beklagte in einem
späteren Schreiben (vom 12. Oktober 2000) geäussert. Wann ein allfälliger
Schaden eingetreten ist, ist entgegen der Auffassung des Obergerichts ohne
Belang. Die auf den Angaben des Klägers zum fraglichen Prozess beruhende
Deckungserklärung entfaltete ihre Wirkung auch dann, wenn sie vor Eintritt
des Schadens abgegeben worden sein sollte. Unbehelflich ist ebenso die
Feststellung der Vorinstanz, die Deckungszusage sei im Sinne eines
Entgegenkommens erteilt worden, da die Motive einer Erklärung keine Rolle
spielen.

Unter den dargelegten Umständen kann auch der Auffassung des Obergerichts
nicht beigepflichtet werden, der Zusage vom 12. Oktober 1999 komme einzig die
Bedeutung zu, dass die Beklagte auf die Möglichkeit, die Deckung im Sinne von
Art. 8 lit. a AVB auszuschliessen, verzichte. Auch das spätere Verhalten der
Beklagten zeigt vielmehr deutlich, dass von einer vorbehaltlosen, umfassenden
Deckungserklärung auszugehen ist: So hat die Beklagte auf das Schreiben vom
14. Oktober 1999, worin der Kläger unter ausdrücklichem Hinweis auf ihre
Deckungszusage für den Brief vom 12. Oktober 1999 dankte, in keiner Weise
reagiert. Hätte sie ihre Deckungserklärung nur eingeschränkt auf den
Tatbestand von Art. 8 lit. a AVB verstanden haben wollen, wäre es angesichts
der von den Parteien geführten Korrespondenz jedoch geradezu geboten gewesen,
Widerspruch zu erheben. Dies hat die Beklagte innert einer den Umständen
angemessenen Frist unterlassen, so dass der fehlende Widerspruch Zustimmung
bedeutete. Als die Beklagte mit Schreiben vom 28. September 2000, d.h. fast
ein Jahr später, dem Kläger mitteilte, sie behalte sich alle Einreden
bezüglich Versicherungsdeckung vor, hatte sie nach dem Gesagten ihr Recht,
irgendwelche Deckungsausschlüsse geltend zu machen, verwirkt. Das gilt erst
recht für den in ihrem Schreiben vom 31. Mai 2001 "der Vollständigkeit
halber" angebrachten Hinweis auf den Ausschlusstatbestand von Art. 8 lit. t
Abs. 1 AVB, zumal sie nicht dartut, dass sie inzwischen zu neuen
Erkenntnissen gelangt ist, die ihre Sichtweise rechtfertigen würden.

5.
Kann nach dem Gesagten keiner der von der Beklagten angerufenen
Ausschlusstatbestände zum Tragen kommen, verstösst die vom Obergericht
ausschliesslich mit dem Hinweis auf die Art. 8 lit. l und 8 lit. t AVB
begründete Abweisung der Klage gegen Bundesrecht. Die Berufung ist daher
gutzuheissen, und die Vorinstanz ist anzuweisen, die sich im Hinblick auf
eine allfällige Zahlungspflicht der Beklagten weiter stellenden Fragen zu
beurteilen und über die Klage neu zu befinden.

Angesichts des offenen kantonalen Verfahrens rechtfertigt es sich, die
Gerichtsgebühr den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen (Art. 156 Abs. 3 OG)
und von der Zusprechung einer Parteientschädigung abzusehen (Art. 159 Abs. 3
OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Berufung wird gutgeheissen, das Urteil des Obergerichts (II. Zivilkammer)
des Kantons Zürich vom 8. März 2005 aufgehoben und die Sache zu neuem
Entscheid im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen.

2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 15'000.-- wird den Parteien je zur Hälfte
auferlegt.

3.
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht (II. Zivilkammer) des
Kantons Zürich schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 29. November 2005

Im Namen der II. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: