Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilabteilung 5C.182/2005
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5C.182/2005 /blb

Urteil vom 2. Dezember 2005
II. Zivilabteilung

Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichterin Escher, Bundesrichter Meyer,
Bundesrichterin Hohl, Bundesrichter Marazzi,
Gerichtsschreiberin Scholl.

1. Y.________ GmbH,
handelnd durch X.________,
2.X.________,
Kläger und Berufungskläger,

gegen

1.V.________,
2.W.________,
Beklagte und Berufungsbeklagte,
beide vertreten durch Fürsprecher Franz Stämpfli.

Eigentum,

Berufung gegen das Urteil des Obergerichts des
Kantons Bern, Appellationshof, 1. Zivilkammer,
vom 29. April 2005.

Sachverhalt:

A.
Das Hotel H.________ in S.________ (S.________-Gbbl. xxxx) gehörte
ursprünglich der L.________ AG. Im Rahmen von Neu- und Umbauarbeiten wurde
die Liegenschaft gemäss Begründungsakt vom 10. September 1982 in 30
Stockwerkeinheiten aufgeteilt, wobei das Hotelgebäude neu zu der
Stockwerkeinheit Gbbl. xxxx-yyyy wurde.
Mit Kaufvertrag vom 30. März 1988 verkaufte die L.________ AG der M.________
AG unter anderem das Hotel H.________ (Stockwerkeinheit Gbbl. xxxx-yyyy). Mit
Vertrag vom gleichen Tag leaste die L.________ AG das eben verkaufte
Grundstück von der M.________ AG zurück. In keinem der beiden Verträge findet
sich ein expliziter Hinweis bezüglich des Hotelmobiliars.
Mit Schreiben vom 14. September 1994 teilte die M.________ AG der L.________
AG mit, dass der Anspruch auf Überlassung des Leasingobjekts infolge
Nichtbezahlung der Leasingraten definitiv dahinfalle. In der Folge vermietete
die M.________ AG das Hotel H.________ mit Vertrag vom 1. April 1995 an das
Ehepaar V.________ und W.________. Mit Kaufvertrag vom 23. November 1998
erwarb V.________ schliesslich die Stockwerkeinheit Gbbl. xxxx-yyyy mit dem
Hotel H.________ von der M.________ AG.

B.
Bereits am 19. April 1996 schloss die L.________ AG mit E.________ einen
Darlehens- und Pfandvertrag ab. Demnach gewährte E.________ der L.________ AG
ein Darlehen von Fr. 130'000.--. Im Gegenzug räumte die L.________ AG
E.________ am Grossinventar des Hotels H.________ ein Faustpfand ein. Im
Vertrag wurde vermerkt, dass sich das Faustpfand im Besitz des jeweiligen
Mieters des Hotels H.________ befinde. Zudem sei E.________ bei Fälligkeit
des Darlehens berechtigt, das Faustpfand zwangsrechtlich oder freihändig zu
verwerten und falls gewünscht auch selber zu erwerben.
Am 3. Juli 1997 kam es daraufhin zur privaten Versteigerung des
Hotelmobiliars. Gemäss dem bei dieser Gelegenheit erstellten Protokoll
erfolgte die Versteigerung auf Verlangen von E.________, da die nach
Darlehensvertrag geschuldeten Zinsvergütungen und Rückzahlungen nicht erfolgt
seien. E.________ erklärte sich bereit, das gesamte Grossinventar zum
Pauschalpreis von Fr. 60'000.-- zu übernehmen.
Am 30. Oktober 2002 schlossen die Erben des unterdessen verstorbenen
E.________ mit der Y.________ GmbH und X.________ einen "Abtretungs- und
Übereignungsvertrag" sowie eine "Beteiligungsvereinbarung" ab. Dieser Vertrag
enthält folgende Bestimmung:
Aus verschiedenen Überlegungen überlässt die Erbengemeinschaft des
E.________, sel., die Einforderung und allfällige gerichtliche Durchsetzung
aller gegen die N.________ AG, einerseits und/oder die Eheleute V.________
und W.________, andererseits, zustehenden Ansprüche bzw. Forderungen im
Umfange von 5 % (fünf Prozent) dem Übernehmer 1, Herr X.________, obgenannt,
und zu 95 % (fünfundneunzig Prozent) der Übernehmerin 2, Y.________ GmbH,
vorgenannt. Demgemäss übertragen die Erben des Herrn E.________, sel.,
sämtliche der Erbengemeinschaft aus dem durch die Faustpfandverwertung vom
03. Juli 1997 erfolgten Erwerbs des vormals der L.________ AG S.________
(...) gehörenden Hotel-Mobiliars Dritten gegenüber zustehenden dinglichen
oder obligatorischen Rechte, Nebenrechte und Ansprüche (...) (ab). Darin
eingeschlossen ist somit auch die Übereignung des gesamten (...)
Grossinventars (Hotel-Mobiliars), welches sich in den Räumlichkeiten (...)
des Hotels H.________, S.________, oder teilweise anderswo befindet (...)."
Bei der in der Bestimmung genannten N.________ AG handelt es sich offenbar um
die Rechtsnachfolgerin der M.________ AG.

C.
Am 26. Juli 2004 reichten die Y.________ GmbH und X.________ (nachfolgend:
Kläger) gegen V.________ und W.________ (nachfolgend: Beklagte) Klage ein.
Sie verlangten im Wesentlichen, die Beklagten seien zu verurteilen, ihnen das
im Hotel/Restaurant H.________ befindlich gewesene bzw. noch befindliche
Hotel-Mobiliar (Grossinventar) unverzüglich herauszugeben.
Das Verfahren wurde in der Folge auf die Frage beschränkt, ob die Kläger
aktivlegitimiert seien. Mit Urteil vom 29. November 2004 wies der
Gerichtspräsident 2 des Gerichtskreises XII Frutigen-Niedersimmental die
Klage ab. Auf Appellation der Kläger wies am 29. April 2005 auch das
Obergericht des Kantons Bern die Klage ab. Mit Beschluss vom 6. Juni 2005
setzte es zudem die Höhe der von den Klägern an die Beklagten zu leistende
Parteientschädigung fest.

D.
Die Y.________ GmbH und X.________ gelangen mit eidgenössischer Berufung an
das Bundesgericht. Sie verlangen im Wesentlichen, es sei ihre
Aktivlegitimation zur Klage auf Herausgabe des Hotelmobiliars anzuerkennen
und die Eigentumsklage gutzuheissen. Eventuell beantragen sie die Rückweisung
der Sache an die Vorinstanz. X.________ stellt zudem für das
bundesgerichtliche Verfahren ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege.
Die Beklagten schliessen in ihrer Berufungsantwort auf Abweisung der
Berufung, soweit darauf einzutreten sei. Ihr Gesuch um Sicherstellung der
Parteientschädigung wurde mit Verfügung vom 20. Oktober 2005 abgewiesen.
In der gleichen Sache sind die Kläger auch mit staatsrechtlicher Beschwerde
an das Bundesgericht gelangt (Verfahren 5P.268/2005).

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Vorliegend handelt es sich um eine vermögensrechtliche
Zivilrechtsstreitigkeit im Sinne von Art. 46 OG. Die Höhe des Streitwertes
ist Gegenstand des konnexen Verfahrens der staatsrechtlichen Beschwerde; er
liegt aber unstrittig über Fr. 8'000.--. Gemäss Poststempel wäre die Berufung
um einen Tag verspätet erhoben worden. Indes haben die Kläger zwei
Zeugenbestätigungen eingereicht, wonach die Eingabe am Vortag in einen
Briefkasten der schweizerischen Post gelegt worden sei. Unter diesen
Umständen ist die Berufung rechtzeitig erfolgt (Art. 54 Abs. 1 OG). Sie
richtet sich im Übrigen gegen einen Endentscheid eines oberen kantonalen
Gerichts, der nicht mehr durch ein ordentliches kantonales Rechtsmittel
angefochten werden kann (Art. 48 Abs. 1 OG).

2.
Es geht im hier strittigen Fall um die Befugnis zur Erhebung der
Vindikationsklage nach Art. 641 Abs. 2 ZGB. Das Obergericht hat offen
gelassen, wer aktueller Eigentümer des Hotelmobiliars ist. Insbesondere hat
es unterlassen zu entscheiden, ob der Kaufvertrag vom 30. März 1988 zwischen
der L.________ AG und der M.________ AG über die Stockwerkeinheit mit dem
Hotel H.________ auch die Übertragung des Eigentums am Hotelmobiliar
beinhaltet hat. Es hat sich ebenfalls nicht zur Zugehörseigenschaft des
Mobiliars geäussert.
Das Obergericht - wie bereits der Gerichtspräsident - hat vielmehr die Klage
mit der Begründung abgewiesen, da jedenfalls zwischen der Erbengemeinschaft
E.________ und den Klägern keine gültige Eigentumsübertragung zu Stande
gekommen sei, seien Letztere zur Herausgabeklage nicht legitimiert: Die
Beklagten hätten das Mobiliar nicht für E.________ bzw. dessen Erben, sondern
für die M.________ AG bzw. für sich selber besessen. Deshalb komme eine
Besitzanweisung nach Art. 924 Abs. 1 ZGB nicht in Frage. Eine Übertragung des
Eigentums durch Abtretung des dinglichen Herausgabeanspruchs, die sog.
Vindikationszession, sei zudem dem schweizerischen Recht fremd, so dass auch
unter diesem Aspekt die Aktivlegitimation der Kläger nicht gegeben sei.

3.
Zu untersuchen ist im vorliegenden Verfahren zunächst die Gültigkeit der
behaupteten Eigentumsübertragung am Hotelmobiliar von den Erben des
E.________ auf die Kläger.
Das schweizerische Sachenrecht geht vom Traditionsprinzip aus. Das bedeutet,
zur Übertragung von Fahrniseigentum bedarf es neben einem gültigen
Grundgeschäft des Übergangs des Besitzes auf den Erwerber (Art. 714 Abs. 1
ZGB; BGE 131 III 217 E. 4.1 S. 220). Der Besitz wiederum wird übertragen
durch die Übergabe der Sache selbst oder der Mittel, die dem Empfänger die
Gewalt über die Sache verschaffen (Art. 922 Abs. 1 ZGB).
Es ist unbestritten, dass eine körperliche Übergabe des Hotelmobiliars von
der Erbengemeinschaft E.________ an die Kläger nicht stattgefunden hat.
Fraglich ist hingegen, ob der Besitz mit Hilfe eines Traditionssurrogates
übergegangen ist.

4.
Die Kläger behaupten zur Hauptsache, der Besitz - und damit auch das Eigentum
- sei durch Besitzanweisung übertragen worden.

4.1 Nach Art. 924 Abs. 1 ZGB kann ohne Übergabe der Besitz an einer Sache
erworben werden, wenn ein Dritter auf Grund eines besonderen
Rechtsverhältnisses im Besitz der Sache verbleibt. Voraussetzung einer
solchen Besitzanweisung ist gestufter Besitz: Ein selbstständiger mittelbarer
Besitzer (z.B. Vermieter) hat die Sache dem Gewahrsam eines Dritten (z.B.
Mieter) überlassen, der unselbstständigen unmittelbaren Besitz daran hat. Der
Besitz an der Sache geht über, sobald dies zwischen dem Veräusserer und dem
Erwerber vereinbart worden ist. Die Benachrichtigung des Dritten ist für den
Übergang der Sache auf den Erwerber als neuer selbstständiger mittelbarer
Besitzer nicht nötig (BGE 109 II 144 E. 3d S. 150; 112 II 406 E. 5c S. 420).
Hingegen ist erforderlich, dass der Dritte (unselbstständiger unmittelbarer
Besitzer) die Herrschaft des Veräusserers anerkennt. Er muss für diesen
besitzen. Ist diese Voraussetzung nicht (mehr) gegeben, geht der Besitz des
mittelbar Besitzenden unter - ungeachtet der Rechtmässigkeit des Handelns des
Dritten (BGE 54 II 244 E. 2 S. 246; Emil W. Stark, Berner Kommentar, 2001, N.
20 zu Art. 920 ZGB; A. Homberger, Zürcher Kommentar, 1938, N. 7 zu Art. 920
ZGB; Paul-Henri Steinauer, Les droits réels, Bd. I, 3. Aufl. 1997, N. 224).
Er kann ihn damit auch nicht (mehr) durch Besitzanweisung übertragen.
So besitzt beispielsweise ein Dieb nicht für den Bestohlenen; er anerkennt
dessen Herrschaft nicht. Der Bestohlene verliert damit den Besitz an der
gestohlenen Sache und kann sie deshalb nicht mittels Besitzanweisung
übertragen (Emil W. Stark, a.a.O., N. 8 f. zu Art. 924 ZGB; A. Homberger,
a.a.O., N. 4 zu Art. 924 ZGB; Jörg Schmid/Bettina Hürlimann-Kaup,
Sachenrecht, 2. Aufl. 2003, N. 166; Paul-Henri Steinauer, a.a.O., N. 273a).

4.2 Im vorliegenden Fall haben nach verbindlicher Sachverhaltsfeststellung
(Art. 63 Abs. 2 OG) die Beklagten die Herrschaft der Erbengemeinschaft
E.________ über das strittige Mobiliar nie anerkannt. Sie haben das Mobiliar
nicht für diese besessen. Vielmehr waren sie der Auffassung, die M.________
AG sei mittelbare und selbstständige Besitzerin der Sachen. Während der Dauer
des Mietverhältnisses haben die Beklagten demnach für diese besessen. Nach
dem Kauf des Hotelbetriebs im Jahr 1998 hielt sich schliesslich der Beklagte
1 für den Eigenbesitzer des Mobiliars. Da folglich die Erbengemeinschaft
E.________ keinen selbstständigen und mittelbaren Besitz an den Sachen haben
konnte, erweist sich eine Besitzübertragung durch Besitzanweisung an die
Kläger als ausgeschlossen. Damit konnte ihnen die Erbengemeinschaft auf diese
Weise auch kein Eigentum daran verschaffen. Die Berufung erweist sich
insoweit als unbegründet.

5.
Die Kläger machen weiter geltend, das Hotelmobiliar sei ihnen durch
Besitzvertrag übereignet worden. Es sei gleich zu behandeln wie Baumstämme
oder Bausteine.

5.1 Nach Art. 922 Abs. 2 ZGB ist die Übergabe der Sache vollzogen, sobald
sich der Empfänger mit Willen des bisherigen Besitzers in der Lage befindet,
die Gewalt über die Sache auszuüben. Charakteristisch an dieser longa manu
traditio (Übertragung der offenen Besitzlage; Besitzvertrag) ist die offene
Besitzlage: Der Erwerber muss die Möglichkeit haben, ohne weiteres Zugriff
auf die Sache zu nehmen und die tatsächliche Gewalt über sie auszuüben. In
der Lehre wird als Beispiel für eine offene Besitzlage regelmässig der im
Wald gelegene Ster Holz angeführt (Emil W. Stark, a.a.O., N. 37 zu Art. 922
ZGB; A. Homberger, a.a.O., N. 13 zu Art. 922 ZGB; Paul-Henri Steinauer,
a.a.O., N. 268). Zudem muss der Veräusserer unmittelbaren Besitz an der Sache
haben, damit er diesen an den Erwerber übertragen kann (Emil W. Stark,
a.a.O., N. 49 f. zu Art. 922 ZGB; A. Homberger, a.a.O., N. 12 zu Art. 922
ZGB; Heinz Rey, Die Grundlagen des Sachenrechts und das Eigentum, 2. Aufl.
2000, N. 1721).

5.2 Im vorliegenden Fall sind beide Voraussetzungen nicht erfüllt: Einerseits
liegt keine offene Besitzlage vor; das strittige Mobiliar hat sich im
Gewahrsam der Beklagten befunden und die Kläger hatten darauf nie eine
tatsächliche Zugriffsmöglichkeit. Andererseits war die Erbengemeinschaft
E.________ - wie oben ausgeführt (E. 4.2) - nicht unmittelbare Besitzerin des
Mobiliars. Damit ist auch eine Besitzübertragung durch longa manu traditio
ausgeschlossen.

6.
Als Nächstes stellt sich die Frage nach der Zulässigkeit der
Vindikationszession, auf welche die Kläger sich berufen. Dabei sind zwei
Formen auseinander zu halten: Erstens die Abtretung des dinglichen
Herausgabeanspruchs als Traditionssurrogat zur Übertragung von Eigentum
(unselbstständige Vindikationszession), und zweitens die Abtretung des
Vindikationsanspruchs ohne Absicht der gleichzeitigen Eigentumsübertragung
(selbstständige Vindikationszession).

6.1 Die Anerkennung der unselbstständigen Vindikationszession als
Traditionssurrogat würde dem nicht besitzenden Eigentümer erlauben, sein
Eigentumsrecht an einer Fahrnissache an einen Dritten zu übertragen.
Namentlich könnte der Bestohlene, dem - wie oben dargelegt (E. 4.1) - die
Besitzanweisung nicht zur Verfügung steht, auf diese Weise eine ihm
gestohlene Sache veräussern.

6.1.1 Das deutsche Recht - welches grundsätzlich wie das schweizerische dem
Traditionsprinzip folgt - anerkennt die Abtretung des Herausgabeanspruchs als
Ersatz für eine Übergabe. Es regelt diesen Tatbestand ausdrücklich in § 931
BGB (vgl. Wolfgang Wiegand, in: Staudinger, Kommentar zum Bürgerlichen
Gesetzbuch, 12. Aufl. 1989, N. 10 ff. zu § 931 BGB, mit zahlreichen
Hinweisen).
Im ZGB fehlt eine solche rechtliche Grundlage. Namentlich lässt sich die
Zulässigkeit der Vindikationszession nicht aus Art. 922 Abs. 1, 2. Halbsatz
ZGB ableiten. Unter "Mittel" gemäss dieser Bestimmung ist ein technisches
Mittel wie beispielsweise ein Schlüssel zu einem Warenlager zu verstehen.
Durch die Übergabe der Mittel wird unmittelbarer Besitz an der Sache
verschafft (BGE 109 II 144 E. 3b S. 148 f.). Diese Voraussetzung ist durch
die Zession des Herausgabeanspruchs, welcher als rechtliches Mittel angesehen
werden kann, nicht erfüllt (Felicitas Einsele-Wili, Die Vindikationszession,
Diss. Zürich 1975, S. 100; Emil W. Stark, a.a.O., N. 22 zu Art. 922 ZGB;
a.M.: Karl Oftinger, Von der Eigentumsübertragung an Fahrnis, Diss. Bern
1933, S. 36 f.).
6.1.2 Es stellt sich die Frage, ob das Gesetz eine zu füllende Lücke enthält,
da es dem nicht (unmittelbar oder mittelbar) besitzenden Eigentümer keine
Möglichkeit zur Verfügung stellt, sein Recht auf einen Dritten zu übertragen,
und diese Lücke durch die Zulassung der Eigentumsübertragung durch Abtretung
des Herausgabeanspruchs zu füllen ist. Im vorliegenden Fall steht die
Konstellation im Vordergrund, in der ein Dritter die Sache in seinem
Gewahrsam hat.
Dabei ist zu beachten, dass sich der historische Gesetzgeber bewusst für das
Traditionsprinzip (und gegen das Vertragsprinzip) ausgesprochen hat.
Gleichzeitig hat er erkannt, dass sich dieses nicht ohne Ausnahmen anwenden
lässt und hat daher solche ausdrücklich geregelt (vgl. z.B. Votum
Berichterstatter Huber, Amtl. Sten. Bull. NR vom 13. Juni 1906, S. 565). Da
er sich der Problematik bewusst gewesen ist und eine entsprechend
differenzierte Lösung getroffen hat, lässt sich aus der Nichterwähnung der
Vindikationszession eher auf ein qualifiziertes Schweigen schliessen. Zudem
ist die praktische Bedeutung gering, und als zulässige Alternative steht die
Bevollmächtigung zur Ausübung des Eigentumsanspruchs zur Verfügung, evtl. mit
Übertragung des Eigentumsrechts durch brevi manu traditio, sobald der
Bevollmächtigte in den Besitz der Sache gelangt ist (Felicitas Einsele-Wili,
a.a.O., S. 101 u. 105; Paul Piotet, ZSR 1962 I S. 158).

6.1.3 Damit ist festzuhalten, dass durch die Abtretung des
Herausgabeanspruchs das Eigentum an einer Fahrnissache nicht übertragen
werden kann, da dies mit dem Traditionsprinzip nicht zu vereinbaren ist (gl.
M.: Felicitas Einsele-Wili, a.a.O., S. 97 ff.; a.M.: Hans Hinderling,
Schweizerisches Privatrecht, Bd. V/1, 1977, S. 441; Robert Haab, Zürcher
Kommentar, 1977, N. 37 zu Art. 641 ZGB und N. 64 zu Art. 714 ZGB).

6.2 Weiter ist zu entscheiden, ob die selbstständige Vindikationszession
zulässig ist, also die Abtretung des Herausgabeanspruchs ohne Absicht der
Eigentumsübertragung.

6.2.1 Das Bundesgericht hat sich bisher mit dieser Frage nur am Rande
beschäftigt: In BGE 122 III 1 war als Klägerin in einem Vindikationsprozess
eine Versicherung aufgetreten, welcher im Gegenzug zur Leistung einer
Entschädigung sämtliche Rechte an den gestohlenen Sachen abgetreten worden
waren. Die Frage ihrer Aktivlegitimation war aber im bundesgerichtlichen
Verfahren nicht mehr strittig (BGE 122 III 1 E. 2 S. 2).
In BGE 131 III 217, in welchem es um die Abtretung einer (künftigen)
Getreideernte ging, hat das Bundesgericht festgehalten, dass dem aus der
Abtretung Berechtigten kein dingliches Recht an der Ernte zustehe, welches er
erga omnes geltend machen könnte (BGE 131 III 217 E. 4.1 S. 221).
Jörg Schmid/Bettina Hürlimann-Kaup leiten aus einem nicht publizierten Urteil
des Bundesgerichts die Zulässigkeit der Abtretbarkeit des Herausgabeanspruchs
ab (Jörg Schmid/Bettina Hürlimann-Kaup, a.a.O., N. 668): In diesem Entscheid
wird festgehalten, dass der mittelbare Besitzer, der erfolgreich mit der
Vindikationsklage nach Art. 641 Abs. 2 ZGB belangt worden ist, die Sache aber
selber nicht herausgeben kann, verpflichtet ist, dem Kläger seinen eigenen
Herausgabeanspruch gegen den Dritten abzutreten (Urteil 5C.119/2002 vom 31.
Juli 2002, E. 3.3). Das Bundesgericht hat aber in diesem Urteil nicht
präzisiert, ob es sich dabei um einen dinglichen oder nur um einen
obligatorischen Herausgabeanspruch handelt.
In BGE 102 III 94 hat das Bundesgericht zudem - in teilweiser Abkehr von der
bis dahin geltenden Rechtsprechung - die grundsätzliche Pfändbarkeit des
dinglichen Herausgabeanspruchs anerkannt. Indes hat es gleichzeitig
präzisiert, dass ein Herausgabeanspruch für sich allein der Pfändung und
Arrestierung nicht unterliegt, sondern stets auf das ihm zu Grunde liegende
(dingliche oder obligatorische) Vermögensrecht gegriffen werden muss (BGE 102
III 94 E. 5d S. 108).

6.2.2 In der Lehre ist die Frage der selbstständigen Abtretbarkeit des
Vindikationsanspruchs strittig: Max Wolff bejaht die Zessionsfähigkeit mit
Blick auf ein fehlendes ausdrückliches Abtretungsverbot sowie die
Praktikabilität (Max Wolff, Wesen und Voraussetzungen der Zession, Diss.
Zürich 1916, S. 193 ff.). Ihm schliessen sich namentlich die Autoren des
Zürcher Kommentars an (A. Homberger, a.a.O., N. 4 zu Art. 924 ZGB; Robert
Haab, a.a.O., N. 37 zu Art. 641 ZGB).
Verneint wird die Abtretbarkeit durch Paul Piotet mit der Begründung, der
Herausgabeanspruch verkörpere das Eigentumsrecht selbst bzw. sei ein von
diesem untrennbarer Bestandteil; die selbstständige Zession des
Herausgabeanspruchs würde bedeuten, das Eigentumsrecht zu zerstückeln (Paul
Piotet, a.a.O., S. 158). Arthur Meier-Hayoz bejahte zunächst die Zulässigkeit
der Vindikationszession (Arthur Meier-Hayoz, Berner Kommentar, 1959, N. 49 zu
Art. 641 ZGB), tendiert aber später unter Bezugnahme auf die Kritik von
Piotet zur Unzulässigkeit (Arthur Meier-Hayoz, Berner Kommentar, 1981, N. 73
zu Art. 641 ZGB). Ebenfalls dagegen sprechen sich Andreas von Tuhr/Arnold
Escher aus, da der Eigentümer nach der Abtretung nicht mehr in der Lage wäre,
sein Recht geltend zu machen und fremde Eingriffe abzuwehren. Einen solchen
schutzlosen Zustand des Eigentums sei für das schweizerische Recht abzulehnen
(Andreas von Tuhr/Arnold Escher, Allgemeiner Teil des schweizerischen
Obligationenrechts, Bd. II, 3. Aufl. 1974, S. 351 f.). Auch Peter Liver
tendiert zur Ablehnung (Peter Liver, Schweizerisches Privatrecht, Bd. V/1,
1977, S. 27 Fn. 5).
Ausführlich mit der Problematik der Vindikationszession setzt sich Felicitas
Einsele-Wili auseinander: Sie prüft die Anwendung der Zessionsregeln auf die
Vindikation und stellt zunächst fest, dass diese grundsätzlich ein
Vermögensrecht darstelle. Sie sei aber in ihrem Bestand dauernd vom zu Grunde
liegenden dinglichen Recht abhängig. Ihre Zession könne deshalb - selbst wenn
man ihre Zulässigkeit postulieren wolle - die Funktionen, die sie erfüllen
sollte, gar nicht erfüllen. Sie bringe dem Zessionar zwar den Vorteil, von
einem Besitzer unter privativem Ausschluss des Zedenten die Herausgabe der
Sache an sich selbst zu verlangen. Aber der Eigentumsverlust des Zedenten
hätte den Untergang der Vindikation zur Folge. Schliesslich verbiete die
besondere Funktion der Vindikation die Anwendung der Zessionsregeln. Denn die
Vindikation habe auch im schweizerischen Recht ausschliesslich die Funktion,
das dingliche Recht zur Geltung zu bringen. Sie bezeichne das subjektive
Recht des Eigentümers, die Sache in seine Herrschaftsgewalt zurückzuführen,
sobald durch die Trennung von Eigentum und Besitz ein dem Recht
widersprechender tatsächlicher Zustand bestehe. Gestützt auf diese Erwägungen
kommt die Autorin zum Schluss, die Vindikation hebe sich nicht inhaltlich,
aber funktionell entscheidend von all den anderen Ansprüchen auf
Sachherausgabe ab. Ihre selbstständige Abtretbarkeit sei daher zu verneinen
(Felicitas Einsele-Wili, a.a.O., S. 92 ff.).
Die neuere Lehre tendiert - soweit sie zu dieser Frage überhaupt Stellung
bezieht - zur Ablehnung der selbstständigen Abtretbarkeit (ablehnend: Heinz
Rey, a.a.O., N. 2040; Theo Guhl/Alfred Koller, Das schweizerische
Obligationenrecht, 9. Aufl. 2000, § 34 N. 16; Wolfgang Wiegand, Basler
Kommentar, 2003, N. 56 zu Art. 641 ZGB; Paul-Henri Steinauer, a.a.O., N.
1024b; Frage offen lassend: Emil W. Stark, a.a.O., N. 9 zu Art. 924 ZGB;
Ders., Basler Kommentar, 2003, N. 5 zu Art. 924 ZGB; Jörg Schmid/Bettina
Hürlimann-Kaup, a.a.O., N. 668; Frage eher bejahend: Dieter Zobl, Berner
Kommentar, 1982, N. 712 f. zu Art. 884 ZGB).

6.2.3 Das Eigentum als dingliches Recht zeichnet sich - neben der
unmittelbaren Herrschaft über die Sache - durch die absolute
Ausschlusswirkung gegenüber Dritten aus (Arthur Meyer-Hayoz, Berner
Kommentar, 1981, N. 1 zu Art. 641 ZGB; Heinz Rey, a.a.O., N. 208). Die
äussere Erscheinungsform dieser Ausschlusswirkung ist die Vindikationsklage,
also das Recht von jedem Dritten sein Eigentum herauszuverlangen. Die
Vindikation ist vollständig abhängig vom Bestand des dinglichen Rechts. Geht
das Eigentum unter, fällt auch der Vindikationsanspruch dahin. Eigentum und
Vindikation sind damit eine untrennbare Einheit. Die Abtretung der
Vindikation würde zu einer Aushöhlung des Eigentumsrechts führen. Sie ist
daher abzulehnen.

6.3 Dementsprechend ist zusammenfassend festzuhalten, dass die Kläger ihre
Aktivlegitimation weder auf eine selbstständige noch eine unselbstständige
Zession des Herausgabeanspruchs am Hotelmobiliar stützen können, und sich
ihre Berufung insoweit als unbegründet erweist.

7.
Damit ist als Letztes noch zu prüfen, ob der Abtretungs- und
Übereignungsvertrag vom 30. Oktober 2002 zwischen der Erbengemeinschaft
E.________ und den Klägern als Bevollmächtigung zur Geltendmachung des
Vindikationsanspruchs (vgl. E. 6.1.2 oben) angesehen werden könnte.

7.1 Die Kläger können aus einer Bevollmächtigung nur dann ihre Legitimation
ableiten, wenn E.________ bzw. seine Erben Eigentum am Mobiliar erworben
haben und ihnen selber die Vindikation überhaupt zustünde. Der
Gerichtspräsident hat in einer Eventualerwägung festgehalten, auch zwischen
der L.________ AG und E.________ habe keine gültige Eigentumsübertragung
stattgefunden. Das Obergericht hat sich dieser Auffassung durch Verweis
angeschlossen.

7.1.1 E.________ bzw. seine Erben stützen ihren Eigentumserwerb auf den
Darlehens- und Pfandvertrag vom 19. April 1996 und die anschliessende
Pfandverwertung vom 3. Juli 1997.
Art. 884 Abs. 1 ZGB statuiert das Faustpfandprinzip: Für die Begründung eines
Pfandrechts ist also die Übertragung des Besitzes an der Pfandsache
erforderlich. Pfandbesitz kann zwar auch mittels Besitzanweisung nach Art.
924 ZGB begründet werden, indes scheitert vorliegend die Gültigkeit einer
Besitzanweisung an den oben erwähnten Gründen (vgl. E. 4). Zudem ist die
Benachrichtigung des Dritten bei der Bestellung eines Faustpfandes - im
Gegensatz zur Übertragung von Eigentum - Gültigkeitsvoraussetzung (BGE 109 II
144 E. 3d S. 150). Dass die Beklagten von der Pfandbestellung benachrichtigt
worden wären, lässt sich dem angefochtenen Urteil nicht entnehmen und wird
von den Klägern auch nicht behauptet. Damit hat kein gültiges Pfandrecht
entstehen können, so dass der Pfandverwertung vom 3. Juli 1997 der Boden
entzogen ist.

7.1.2 Der Gerichtspräsident hat weiter festgehalten, die L.________ AG und
E.________ hätten das Eigentum am Hotelmobiliar selbst dann übertragen
wollen, wenn sie von der Nichtigkeit des Pfandvertrages gewusst hätten.
Demnach wäre die private "Versteigerung" vom 3. Juli 1997 als
kaufvertragsähnliches Geschäft zu würdigen: E.________ übernimmt das
Hotelmobiliar zu einem "Kaufpreis" von Fr. 60'000.--. Wegen fehlender
Besitzübertragung und der Unzulässigkeit der Vindikationszession sei indes
die Eigentumsübertragungskette bereits hier unterbrochen.
Dieser Auffassung kann zugestimmt werden: Auch wenn man die Vereinbarung vom
3. Juli 1997 als Kaufvertrag deutete, scheitert die Gültigkeit der
Eigentumsübertragung daran, dass keine Besitzübertragung bzw. kein zulässiges
Traditionssurrogat vorliegt. Es kann auf die vorangehenden Erwägungen
verwiesen werden (E. 3 - 6).

7.2 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es bereits an einem gültigen
Eigentumserwerb am Mobiliar durch E.________ fehlt, so dass auch seinen Erben
das Eigentum und damit der Herausgabeanspruch nicht zustehen kann. Folglich
können die Kläger ihre Aktivlegitimation nicht auf eine Bevollmächtigung
durch die Erbengemeinschaft stützen.
Damit kann offen bleiben, inwieweit mit dem Abtretungs- und
Übereignungsvertrag vom 30. Oktober 2002 ein Verstoss gegen die Vorschriften
über die Berechtigung zur Prozessvertretung vorliegt. Soweit die Kläger in
diesem Zusammenhang eine Verletzung von kantonalem Recht geltend machen, kann
ohnehin auf die Berufung nicht eingetreten werden (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG).

8.
Dementsprechend ist die Berufung abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden
kann. Bei diesem Ausgang des Verfahrens werden die Kläger grundsätzlich
kosten- und entschädigungspflichtig (Art. 156 Abs. 1 und Art. 159 Abs. 2 OG).
Das von den Klägern eingereichte Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege
bezieht sich nur auf den Kläger 2, zumal die Klägerin 1 als juristische
Person ohnehin die unentgeltliche Rechtspflege nicht beanspruchen könnte (BGE
131 II 306 E. 5.2.1 S. 326, mit Hinweisen). Der Kläger 2 ist bedürftig und
die vorliegende Sache kann nicht als aussichtslos bezeichnet werden. Sein
Gesuch ist daher gutzuheissen.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Berufung wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege des Klägers 2 wird gutgeheissen.

3.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 3'000.-- wird den Klägern je zur Hälfte auferlegt.
Der Anteil des Klägers 2 wird einstweilen auf die Bundesgerichtskasse
genommen.

4.
Die Kläger haben die Beklagten für das bundesgerichtliche Verfahren unter
solidarischer Haftbarkeit mit Fr. 5'000.-- zu entschädigen.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Bern,
Appellationshof, 1. Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 2. Dezember 2005

Im Namen der II. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Die Gerichtsschreiberin: