Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilabteilung 5C.190/2005
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 5C.190/2005 /blb

 Urteil vom 14. Oktober 2005
 II. Zivilabteilung

 Bundesrichter Raselli, Präsident,
 Bundesrichterin Nordmann, Bundesrichter Marazzi,
 Gerichtsschreiber Zbinden.

 X. ________,
 Berufungskläger,

 gegen

 Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau, Frauenfelderstrasse 16, 8570
 Weinfelden.

 Beiratschaft nach Art. 395 Abs.1 und 2 ZGB,

 Berufung gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Thurgau vom
 11. Mai 2005.

 Sachverhalt:

 A.
 A.a Nachdem seine Ehefrau verstorben war, erklärte X.________ 1995 gegenüber
 der Vormundschaftsbehörde V.________, zur Sicherung der Erbanteile seiner
 drei Töchter und zu deren Unterhalt lege er aus dem Erlös eines
 Grundstücksverkaufs je Fr. 50'000.-- zurück. Dieser Erklärung kam er in der
 Folge nach. Im Frühjahr 1997 übergab X.________ auf einem Parkplatz einen
 grossen Teil des Verkaufserlöses (Fr. 400'000.--) in bar ohne Quittung einem
 Mittelsmann, um damit Anteile an einer "Sauna"-Liegenschaft im Kanton Aargau
 zu erwerben. Dieses Geld verlor er bis auf den Betrag von Fr. 26'000.-- Zudem
 häuften sich Schulden in der Höhe von Fr. 44'000.-- aus einem Darlehen und
 verlangten seine beiden Schwestern ihre Gewinnanteile aus dem getätigten
 Grundstückshandel von insgesamt Fr. 90'000.--. X.________ wandte sich daher
 an die Vormundschaftsbehörde, welche mit seinem Einverständnis am 7./13. März
 1997 eine Mitwirkungsbeiratschaft im Sinne von Art. 395 Abs. 1 ZGB
 errichtete. Zur Regelung der bestehenden Schuldverhältnisse wurde von den für
 die Töchter begründeten Bankguthaben ein Betrag von Fr. 124'000.--
 eingesetzt, wobei die Töchter anstelle dieser Bankguthaben eine andere
 Liegenschaft übertragen erhalten sollten.

 A.b In ihrem Beistandsbericht von 1997/98 beschrieb die Beirätin X.________
 als unauffälligen, vertrauensseligen Mann, der wegen seiner Leichtgläubigkeit
 ausgenutzt werde. Er lebe von einem Transportgeschäft, welches allerdings
 nicht gut laufe und auch jeglicher professionellen Führung entbehre. Da
 X.________ seine Probleme verdränge und ihre Hilfe nicht annehmen wolle, sei
 es ihr nicht gelungen, eine tragfähige Beziehung aufzubauen. Im Bericht
 1999/2000 wird erwähnt, zu den bisherigen seien wenigstens keine neuen
 finanziellen Probleme hinzugekommen.

 A.c Da die Kinder in der Folge auf eine Bereinigung der finanziellen
 Verpflichtungen drängten und eine Gläubigerbank die Amortisation der Hypothek
 von Fr. 600'000.-- in Aussicht stellte, gelangte X.________ erneut an die
 Vormundschaftsbehörde; diese hörte ihn am 21. Juli 2004 an, wobei X.________
 Folgendes zu Protokoll gab:
 "Nach genauer Erläuterung, was die Beiratschaft beinhaltet, bin ich
 freiwillig mit einer Erweiterung der bisherigen Mitwirkungsbeiratschaft in
 eine kombinierte Mitwirkungs- und Verwaltungsbeiratschaft, inklusive
 Lohnverwaltung, einverstanden, ebenso mit Amtsvormund A.________ als meinem
 neuen Beirat."
 A.dMit Beschluss vom 23. Juli 2004 errichtete die Vormundschaftsbehörde
 anstelle der Mitwirkungsbeiratschaft eine kombinierte Mitwirkungs- und
 Verwaltungsbeiratschaft nach Art. 395 Abs. 1 und 2 ZGB und ernannte einen
 neuen Beirat, den sie unter anderem auch mit der Einkommensverwaltung
 betraute.

 B.
 Gegen diesen Beschluss erhob X.________ Beschwerde beim Departement für
 Justiz und Sicherheit des Kantons Thurgau. Darin erklärte er, er akzeptiere
 den am 23. Juli 2004 gefassten Beschluss der Vormundschaftsbehörde nicht; er
 sei nicht richtig informiert worden; man habe ihm erklärt, er könne jederzeit
 von der Beiratschaft "zurücktreten", was nicht stimme. Das Departement wies
 die Beschwerde mit Entscheid vom 17. November 2004 ab. Dabei verneinte es
 insbesondere jegliche mangelhafte Information seitens der
 Vormundschaftsbehörde. Der gegen diesen Entscheid erhobenen Beschwerde gab
 das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau am 11. Mai 2005 nicht statt. Es
 hielt dafür, X.________ habe ein gültiges Begehren um Errichtung einer
 kombinierten Mitwirkungs- und Verwaltungsbeiratschaft gestellt und dieses
 Begehren sei auch nicht rechtsgültig zurückgezogen worden, zumal ein Rückzug
 nach der einmal beschlossenen vormundschaftlichen Massnahme nicht mehr
 möglich sei. Sodann erachtete es die Voraussetzungen für eine Mitwirkungs-
 und Verwaltungsbeiratschaft als erfüllt und die seitens X.________ gegenüber
 dem Beirat gehegten Befürchtungen als unbegründet.

 C.
 Mit eidgenössischer Berufung beantragt X.________ dem Bundesgericht, den
 Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Thurgau respektive die
 diesbezüglichen Vorentscheide aufzuheben; eventualiter seien die
 "Einschränkungen der verfassungsmässigen Rechte mittels einer
 staatsrechtlichen Beschwerde zu beurteilen" und der angefochtene Entscheid
 sei deshalb aufzuheben. Für das bundesgerichtliche Verfahren ersucht er um
 unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung. Ferner verlangt er eine
 mündliche Verhandlung. Zudem ersucht er darum, sämtliche Vormundschaftsakten
 beizuziehen.
 Das Verwaltungsgericht beantragt in seinen Gegenbemerkungen, die Berufung sei
 abzuweisen.

 D.
 Bezüglich seines Ersuchens um aufschiebende Wirkung wurde der Berufungskläger
 auf Art. 54 Abs. 2 OG hingewiesen.

 Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

 1.
 1.1 Gemäss Art. 48 Abs. 1 OG ist die Berufung, von hier nicht zutreffenden
 Ausnahmen abgesehen, einzig gegen 
Endentscheide der oberen kantonalen
 Gerichte zulässig und bezieht sich zudem auf die dem Endentscheid
 vorangegangenen Entscheide (Art. 48 Abs. 3 OG). Soweit der Berufungskläger
 die Aufhebung der Entscheide der Vormundschaftsbehörde und des Departementes
 verlangt, ist daher auf die Berufung nicht einzutreten. Verfahrensgegenstand
 bildet einzig der Entscheid des Verwaltungsgerichts.

 1.2 In seiner als Berufung bezeichneten Eingabe ersucht der Berufungskläger
 darum, allfällige Verfassungsverletzungen mit staatsrechtlicher Beschwerde zu
 behandeln. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts dürfen Berufung
 und staatsrechtliche Beschwerde nicht in einer einzigen Eingabe verbunden
 werden, weil sie unterschiedlichen Verfahrensregeln unterstehen und sich auch
 nach der Begründung, die das Gesetz für sie zulässt, deutlich unterscheiden.
 Eine Ausnahme von diesem Grundsatz rechtfertigt sich lediglich insoweit, als
 die beiden Rechtsmittel in der Eingabe äusserlich und inhaltlich klar
 getrennt sind (vgl. BGE 115 II 396 E. 2a; 120 III 64 E. 2), welche
 Voraussetzung beim Schriftsatz des Berufungsklägers nicht erfüllt ist. Soweit
 der Berufungskläger in der Berufung eine Verletzung seines Anspruchs auf
 rechtliches Gehör bzw. auf unentgeltliche Rechtspflege (Art. 29 Abs. 3 BV;
 Art. 6 EMRK) beanstandet, ist auf seine Eingabe nicht einzutreten (Art. 43
 Abs. 1 i.V.m. Art. 84 Abs. 1 lit. a OG).

 1.3 Nicht zu entsprechen ist ferner dem Antrag des Berufungsklägers auf
 Durchführung einer öffentlichen Verhandlung. Das Bundesgericht kann auf dem
 Weg der Aktenzirkulation entscheiden, wenn sich Einstimmigkeit ergibt und
 kein Richter eine mündliche Beratung verlangt (Art. 36b OG). Die vorliegende
 Streitigkeit ist, wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen, klar und liquid;
 die vom Berufungskläger verlangte Durchführung einer mündlichen und
 öffentlichen Verhandlung ist nicht gerechtfertigt.

 1.4 Die kantonalen Akten sind beigezogen worden.

 1.5 Mit seinen Ausführungen zur "Rollenklärung in der Vormundschaftsbehörde"
 setzt sich der Berufungskläger nicht mit den Erwägungen des angefochtenen
 Entscheids auseinander; insoweit vermag die Eingabe den Anforderungen an die
 Begründung des Rechtsmittels nicht zu genügen und kann auf die Berufung nicht
 eingetreten werden (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG; BGE 116 II 745 E. 3 S. 749; 131
 III 26 E. 12.3 S. 32).

 2.
 Der Berufungskläger macht geltend, die kombinierte Beiratschaft sei in einem
 eigentlichen "Schnellschussverfahren" am 23. Juli 2004 angeordnet worden,
 nachdem er erst kurz zuvor, nämlich am 21. Juli 2004, angehört worden sei. Er
 habe sich somit nicht mit dieser Massnahme auseinandersetzen und sich auch
 nicht mit Dritten beraten können.
 Soweit der Berufungskläger damit beanstandet, es sei ihm keine Bedenkfrist
 eingeräumt worden, ist ihm entgegenzuhalten, dass eine solche Frist zwar von
 einem Teil der Lehre gefordert wird und an sich empfehlenswert wäre, von
 Gesetzes wegen aber nicht vorgeschrieben ist (Sonja Hasler, Die Vormundschaft
 auf eigenes Begehren nach Art. 372 ZGB, eine Studie anhand praktischer Fälle,
 Schule für Sozialarbeit, Kurs Zürich, 1952-1954, S. 46, zitiert bei
 Schnyder/Murer, Berner Kommentar, N. 38 zu Art. 372 ZGB). Sodann wäre es dem
 Berufungskläger, über den bereits eine Mitwirkungsbeiratschaft errichtet
 worden ist, auch unbenommen gewesen, sich ausdrücklich eine solche Frist
 einräumen zu lassen, was er offenbar nicht getan hat. Hervorzuheben ist
 zudem, dass die Vormundschaftsbehörde nicht unmittelbar nach der
 Unterzeichnung des Begehrens, sondern erst zwei Tage später entschieden hat,
 so dass der Berufungskläger sich die Sache kurz hat überlegen und am Tag nach
 der Unterzeichnung noch auf sein Begehren hätte zurückkommen können.

 3.
 Der Berufungskläger macht geltend, er sei anlässlich der Anhörung durch die
 Vormundschaftsbehörde massiv unter Druck gesetzt worden; man habe ihm
 insbesondere damit gedroht, die Bank werde den Kredit auflösen. In diesem
 Zusammenhang legt er ein Schreiben seiner Tochter vom 28. Juli 2005 ins
 Recht.
 Im Berufungsverfahren ist das Bundesgericht an die tatsächlichen
 Feststellungen der letzten kantonalen Instanz gebunden, wenn sie nicht
 offensichtlich auf Versehen beruhen, unter Verletzung bundesrechtlicher
 Beweisvorschriften zu Stande gekommen (Art. 63 Abs. 2 OG) oder zu ergänzen
 sind (Art. 64 OG). Werden Ausnahmen von Art. 63 Abs. 2 OG geltend gemacht, so
 hat eine Partei, die den Sachverhalt berichtigt oder ergänzt wissen will,
 darüber genaue Angaben mit Aktenhinweisen zu machen. Eine Ergänzung setzt
 zudem voraus, dass entsprechende Sachbehauptungen bereits im kantonalen
 Verfahren prozesskonform aufgestellt, von der Vorinstanz aber zu Unrecht für
 unerheblich gehalten oder übersehen worden sind, was wiederum näher anzugeben
 ist; andernfalls gelten die Vorbringen als neu und unzulässig (Art. 55 Abs. 1
 lit. c OG; 115 II 484 E. 2a; 127 III 248 E. 2c S. 252; 130 III 102 E. 2.2 S.
 106). Dem angefochtenen Entscheid lässt sich keine entsprechende
 Tatsachenfeststellung entnehmen, wonach der Berufungskläger vor der Abgabe
 seines Begehrens um Errichtung einer kombinierten Beiratschaft unter Druck
 gesetzt worden ist. Der Berufungskläger legt nicht substanziiert dar, dass er
 das strittige Sachverhaltselement bereits im kantonalen Verfahren
 prozesskonform vorgetragen hat und dieses Vorbringen vom Verwaltungsgericht
 zu Unrecht für unerheblich gehalten oder übersehen worden ist. Der
 bundesgerichtlichen Rechtsprechung gemäss erweist es sich daher als neu und
 unzulässig.

 4.
 Der Berufungskläger führt sodann aus, er habe sein Einverständnis zur
 kombinierten Beiratschaft verschiedentlich widerrufen und auch die
 Beschwerdeführung sei ein eindeutiges Indiz dafür, dass er mit einer
 Ausweitung der 1997 getroffenen vormundschaftlichen Massnahme nicht
 einverstanden sei. Da eine Behörde im Verwaltungsverfahren Entscheide während
 der Rechtsmittelfrist in Wiedererwägung ziehen respektive aufheben könne,
 müsse dem Verfügungsadressaten während dieser Zeit ebenfalls gestattet sein,
 auf seine Erklärung zurückzukommen.

 4.1 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann ein
 Entmündigungsbegehren (Art. 372 ZGB) bis zum Zeitpunkt des
 Entmündigungsentscheids widerrufen bzw. zurückgezogen werden (BGE 99 II 15).
 Das Bundesgericht hat es in einem späteren Entscheid ausdrücklich abgelehnt,
 den Rückzug bzw. Widerruf des Begehrens auch dann zuzulassen, wenn die
 Entmündigung zwar ausgesprochen, der Entscheid aber noch nicht in Rechtskraft
 erwachsen ist (BGE 102 II 190 E. 3 S. 191). Dabei wurde insbesondere
 hervorgehoben, dass jedes Rechtsmittel gegen den Entmündigungsentscheid
 gemäss Art. 372 ZGB notwendig auch einen Widerruf des Begehrens beinhaltete.
 Dürfte das Entmündigungsbegehren im Rechtsmittel zurückgezogen werden, so
 hätte dessen Ergreifung daher stets den Hinfall des Entmündigungsverfahrens
 zur Folge, so dass die Rechtsmittelinstanz nie überprüfen könnte, ob die
 objektiven Voraussetzungen der Entmündigung (Fürsorgebedürftigkeit infolge
 von Altersschwäche oder andern Gebrechen oder von Unerfahrenheit) erfüllt
 seien und ob das Entmündigungsbegehren nicht mit einem Mangel (Irrtum,
 Urteilsunfähigkeit des Interdizenden) behaftet sei. Daher bestehe jedenfalls
 kein Anlass, den Kantonen von Bundesrechts wegen vorzuschreiben, den Widerruf
 noch im Rechtsmittelverfahren zu berücksichtigen (BGE 102 II 190 S. 191 f.).
 Die Ausführungen des Berufungsklägers gebieten nicht, mit Bezug auf die
 kombinierte Beiratschaft (Art. 395 Abs. 1 und 2 ZGB) auf eigenes Begehren
 anders als im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 372 ZGB zu
 entscheiden. Dass der Berufungskläger mit der Einlegung der Beschwerden seine
 Missbilligung gegenüber der beschlossenen Massnahme bekundet hat, ist nach
 der besagten Rechtsprechung mit Bezug auf die kombinierte Beiratschaft
 unerheblich. Der Berufungskläger legt nicht substanziiert dar, dass er sein
 Begehren vor dem Entscheid der Vormundschaftsbehörde zurückgezogen hat.

 4.2 Der vorliegende Fall weist freilich insofern eine Besonderheit auf, als
 die Vormundschaftsbehörde nicht bloss eine kombinierte Beiratschaft im Sinne
 von Art. 395 Abs. 1 und 2 ZGB, sondern zusätzlich auch die Lohnverwaltung
 angeordnet hat, welche weder von der Mitwirkungsbeiratschaft (Art. 395 Abs. 1
 ZGB) noch von der Verwaltungsbeiratschaft nach Art. 395 Abs. 2 ZGB erfasst
 wird (Schnyder/Murer, Berner Kommentar, N. 29 f. zu Art. 395 ZGB;
 Langenegger, Basler Kommentar, 2. Aufl. 2002, N. 16 zu Art. 395 ZGB), auch
 wenn sich der Verbeiratete im Rahmen von Art. 395 Abs. 1 Ziff. 1 bis 9 ZGB
 eine gewisse Beschränkung der Handlungsfähigkeit in der Einkommensverwaltung
 gefallen lassen muss. Nicht anders verhält es sich, wenn die kombinierte
 Beiratschaft auf eigenes Begehren angeordnet wird. In der Lehre wird freilich
 anerkannt, dass der Betroffene - wie vorliegend geschehen - die Verwaltung
 seines Einkommens freiwillig dem Beirat übertragen kann (Schnyder/Murer,
 Berner Kommentar, N. 30 zu Art. 395 ZGB). In einem solchen Fall spricht
 nichts dagegen, dass die Vormundschaftsbehörde den Beirat auch mit der
 Verwaltung des Einkommens des Verbeirateten betraut. Da nun aber die
 Einkommensverwaltung nicht auf gesetzlicher Vorschrift, sondern
 ausschliesslich auf dem freien Willen des Betroffenen beruht, hat die
 Rechtsmittelinstanz im Rahmen eines Rechtsmittels gegen die kombinierte
 Beiratschaft auf eigenes Begehren nicht zu prüfen, ob die Voraussetzungen für
 eine Einkommensverwaltung gegeben sind. Vielmehr ist der Widerruf der
 Einwilligung zur Einkommensverwaltung jederzeit möglich und daher auch im
 Rechtsmittelverfahren zu beachten. Da der Berufungskläger mit der Einlegung
 seiner Rechtsmittel auch seine Einwilligung zur Einkommensverwaltung
 widerrufen hat, ist die Berufung insoweit gutzuheissen und die durch
 Beschluss der Vormundschaftsbehörde angeordnete Lohnverwaltung aufzuheben.

 5.
 Der Berufungskläger erachtet schliesslich die vorgenommene Ausweitung der
 Beiratschaft als unbegründet und unverhältnismässig. Es würden immer nur die
 alten Probleme und Schwierigkeiten zitiert, während allfällige
 zwischenzeitlich eingetretene Veränderungen, seien sie auch in den
 Beistandsberichten erwähnt, unberücksichtigt blieben. Die erforderlichen
 Abklärungen seien nicht vorgenommen worden. Soweit sich diese Ausführungen
 überhaupt mit dem angefochtenen Entscheid auseinandersetzen und damit den
 Begründungsanforderungen von Art. 55 Abs. 1 lit. c OG genügen (BGE 116 II 745
 E. 3 S. 749; 131 III 26 E. 12.3 S. 32), erweist sich die Berufung als
 unbegründet:
 5.1Wenn für die Entmündigung einer Person kein genügender Grund vorliegt,
 gleichwohl aber zu ihrem Schutz eine Beschränkung der Handlungsfähigkeit als
 notwendig erscheint, so kann ihr ein Beirat gegeben werden, dessen Mitwirkung
 in den neun in Art. 395 Abs. 1 ZGB erwähnten Fällen notwendig ist (Art. 395
 Abs. 1 ZGB; Mitwirkungsbeiratschaft). Gemäss Absatz zwei dieser Bestimmung
 kann dem Schutzbedürftigen unter den gleichen Voraussetzungen die Verwaltung
 des Vermögens entzogen werden, während er über die Erträgnisse die freie
 Verfügung behält (Verwaltungsbeiratschaft). Die kombinierte Beiratschaft im
 Sinne von Art. 395 Abs. 1 und 2 ZGB ist am Platz, wenn einerseits die
 Mitwirkungs- und Verwaltungsbeiratschaft für sich allein nicht genügen,
 anderseits die Entmündigung aber nicht nötig ist. Es müssen somit die
 Voraussetzungen sowohl des Absatz 1 als auch von Absatz 2 vorliegen.
 Dieselben Voraussetzungen gelten für eine kombinierte Beiratschaft auf
 eigenes Begehren, wobei sie weniger streng zu beurteilen sind als bei den
 übrigen Beiratschaften (Schnyder/Murer, Berner Kommentar, N. 15 und 16 sowie
 155 zu Art. 395 ZGB).

 5.2 Wie sich dem angefochtenen Entscheid entnehmen lässt, handelt es sich
 beim Berufungskläger um einen vertrauensseligen Mann, der wegen seiner
 Leichtgläubigkeit ausgenützt wird. Er lebt von einem Transportgeschäft,
 welches allerdings nicht gut läuft und angeblich jeglicher professionellen
 Führung entbehrt. 1997 übergab der Berufungskläger auf einem Parkplatz den
 Erlös aus dem Verkauf einer Liegenschaft in der Höhe von Fr. 400'000.-- ohne
 Quittung an einen Mittelsmann zwecks Erwerbs einer "Sauna"-Liegenschaft.
 Dieses Geld verlor er bis auf den Betrag von Fr. 26'000.--. Zudem häuften
 sich Schulden in der Höhe von Fr. 44'000.-- aus einem Darlehen und verlangten
 seine beiden Schwestern ihre Gewinnanteile aus dem getätigten
 Grundstückshandel von insgesamt Fr. 90'000.--. Für die Zeit nach Errichtung
 der Mitwirkungsbeiratschaft ist wesentlich, dass eine Bank die Rückzahlung
 des Hypothekarkredites von Fr. 600'000.-- verlangt. Mit den Einkünften von
 Fr. 38'000.-- pro Jahr hat der Berufungskläger die jährlichen
 Hypothekarzinsen von Fr. 16'490.-- sowie Krankenkassenprämien von Fr.
 3'600.-- und die Steuerschulden zu tragen, so dass - wie die letzte kantonale
 Instanz feststellt - die Zwangsverwertung nur noch eine Frage der Zeit sein
 dürfte. Laut Vorinstanz ist zudem die Befürchtung nicht von der Hand zu
 weisen, dass der Berufungskläger nochmals einen Liegenschaftshandel tätigen
 und einen allfälligen Erlös verschleudern könnte. Anzufügen bleibt, dass die
 Einkünfte des Berufungsklägers aus seiner Geschäftstätigkeit im Jahr 2003
 rückläufig waren. Die von der letzten kantonalen Instanz festgestellten
 tatsächlichen Umstände machen deutlich, dass der Berufungskläger mit der
 Verwaltung seines Vermögens offensichtlich überfordert ist und er dieses zu
 verlieren droht, sofern ihm nicht fachkundige Hilfe zuteil wird. Dies
 rechtfertigt die zusätzliche Anordnung der Verwaltungsbeiratschaft, zumal die
 bisher gültige Mitwirkungsbeiratschaft eine Verwaltung des gefährdeten
 Vermögens des Berufungsklägers definitionsgemäss nicht erlaubt (Art. 395 Abs.
 1 ZGB). Die angeordnete Massnahme erweist sich nach dem Gesagten entgegen der
 Auffassung des Berufungsklägers als notwendig und verhältnismässig. Damit
 erübrigen sich weitere Abklärungen durch die kantonalen Instanzen. Soweit der
 Berufungskläger schliesslich auf Berichte hinweist, die eine Verbesserung
 seiner Situation erwähnen, legt er nicht substanziiert dar, um welche es sich
 handelt und inwiefern darin von einer Verbesserung die Rede sein soll. Auf
 diese allgemein gehaltenen Ausführungen ist daher nicht einzutreten.

 6.
 Damit ist die Berufung teilweise gutzuheissen, soweit darauf eingetreten
 werden kann. Die mit Beschluss der Vormundschaftsbehörde vom 23. Juli 2004
 angeordnete Einkommensverwaltung ist aufzuheben.

 7.
 Der Berufungskläger obsiegt teilweise, weshalb es sich rechtfertigt, ihm
 keine Gerichtskosten aufzuerlegen (Art. 156 Abs. 1 OG). Da er keinen Anwalt
 mit der Wahrung seine Interessen beauftragt hat und ihm auch keine
 Gerichtskosten auferlegt worden sind, wird sein Gesuch um unentgeltliche
 Rechtspflege gegenstandslos.

 Demnach erkennt das Bundesgericht:

 1.
 Die Berufung wird teilweise gutgeheissen, soweit darauf einzutreten ist. Die
 mit Beschluss der Vormundschaftsbehörde V.________ vom 23. Juli 2004
 angeordnete Einkommensverwaltung wird aufgehoben.

 2.
 Es werden keine Kosten erhoben.

 3.
 Dieses Urteil wird dem Berufungskläger, dem Verwaltungsgericht des Kantons
 Thurgau sowie der Vormundschaftsbehörde V.________ schriftlich mitgeteilt.

 Lausanne, 14. Oktober 2005

 Im Namen der II. Zivilabteilung
 des Schweizerischen Bundesgerichts

 Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: