Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilabteilung 5C.243/2005
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5C.243/2005
5C.244/2005 /blb

Urteil vom 7. April 2006
II. Zivilabteilung

Bundesrichter Raselli, Pr sident,
Bundesrichterin Escher, Bundesrichter Marazzi,
Gerichtsschreiber Zbinden.

5C.243/2005
Y.________,
Beklagter und Berufungskl ger,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Ernst H. Haegi,

gegen

X.________,
Kl gerin und Berufungsbeklagte,
vertreten durch Rechtsanwalt Hans Ludwig M ller,

und

5C.244/2005
X.________,
Kl gerin und Berufungskl gerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Hans Ludwig M ller,

gegen

Y.________,
Beklagten und Berufungsbeklagten,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Ernst H. Haegi.

Ehescheidung,

Berufungen gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Z rich, I.
Zivilkammer, vom 19. Juli 2005.

Sachverhalt:

A.
A.a X.________ (nachfolgend: Kl gerin) und Y.________ (nachfolgend:
Beklagter) lernten sich anfangs 1996 kennen, heirateten im selben Jahr und
wurden am 16. Januar 1997 Eltern des Sohnes S.________, knapp zwei Monate
nachdem der Vater in die Schweiz eingereist war.

A.b Am 2. September 1998 wurde die Scheidung anh ngig gemacht; im Rahmen
vorsorglicher Massnahmen kamen die Parteien  berein, dass das Kind unter die
Obhut der Kl gerin gestellt und dem Beklagten ein eingeschr nktes
Besuchsrecht (ein Sonntag Nachmittag im Monat und jeder dritte Freitag
Nachmittag, jeweils in Anwesenheit der Mutter oder einer Drittperson)
einger umt werde. Das Bezirksgericht Z rich sprach die Trennung der Ehe auf
unbestimmte Zeit aus.

A.c Nachdem der Beklagte ein Ab nderungsbegehren gestellt, dann aber wieder
zur ckgezogen hatte, wandte sich die Kl gerin am 16. Mai 2000 an die
Vormundschaftsbeh rde V.________ mit dem Antrag auf K rzung des beklagtischen
Besuchsrechts auf den ersten Sonntag Nachmittag im Monat. Dem Antrag wurde
entsprochen, und sowohl eine dagegen gerichtete Beschwerde beim Bezirksrat
B.________ als auch eine dagegen gerichtete Klage beim Obergericht des
Kantons Z rich blieben erfolglos. In der Folge reichte der Beklagte noch zwei
Ab nderungsbegehren betreffend die Besuchsrechtsregelung ein; weil inzwischen
aber die Kl gerin die Scheidungsklage eingereicht hatte,  berliess der
Bezirksrat B.________ die Regelung der Beziehungen zwischen den Eltern und
dem Kind fortan dem Scheidungsrichter.

A.d Daraufhin ersuchte der Beklagte nochmals das Bezirksgericht Z rich im
Rahmen vorsorglicher Massnahmen namentlich um Herabsetzung der von ihm
geschuldeten Unterhaltsbeitr ge und um Gew hrung eines unbegleiteten
Besuchsrechtes. Mit Verf gung vom 22. Juli 2003 best tigte die erste Instanz
die geltende Besuchsrechtsregelung und Unterhaltspflicht des Beklagten.

A.e Schliesslich sprach das Bezirksgericht Z rich in der Sache am 3. November
2003 die Scheidung aus: Soweit hier von Belang wurde das Kind unter der
elterlichen Sorge der Kl gerin belassen, und wurde der Beklagte zur
Entrichtung eines monatlichen Unterhaltsbeitrages von Fr. 450.-- an den Sohn
verpflichtet. Sein Besuchsrecht wurde altersabh ngig im Sinne einer
progressiven Ausdehnung ausgestaltet: ein Sonntag im Monat von 11 bis 17 Uhr
in Anwesenheit des Beistandes (oder einer von diesem bezeichneten Person) bis
zum vollendeten 8. Altersjahr; zwei Sonntage im Monat, von 9 bis 18 Uhr ohne
Begleitung, aber in der Schweiz und gegen Hinterlegung der Reisepapiere von
Vater und Sohn, bis zum vollendeten 12. Altersjahr; schliesslich zwei
Wochenenden im Monat und zwei Wochen pro Jahr, unbeaufsichtigt und ohne
Einschr nkung auf das Gebiet der Eidgenossenschaft.

B.
B.aBeide Parteien legten gegen den erstinstanzlichen Entscheid Berufung ein:
die Kl gerin mit den Antr gen um ein gegen ber dem erstinstanzlichen
eingeschr nktes, obgleich ebenfalls gestaffeltes Besuchsrecht, sowie um
h here, ebenfalls gestaffelte Unterhaltsbeitr ge f r das Kind; der Beklagte
beantragte haupts chlich ein ausgedehnteres und unbeaufsichtigtes
Besuchsrecht, die Gew hrung einer nicht christlichen Erziehung, die Aufhebung
der seit 1999 geltenden Beistandschaft nach Art. 308 Abs. 2 ZGB sowie die
Herabsetzung der geschuldeten Unterhaltsbeitr ge.

B.b Das Obergericht des Kantons Z rich erweiterte mit dem angefochtenen
Urteil das erstinstanzlich angeordnete Besuchsrecht unter Verweis auf die
Erw gungen des Erstrichters geringf gig, aber nicht im vom Beklagten
gew nschten Umfang, und beschleunigte die progressive Lockerung des Rechts
auf pers nlichen Verkehr. Den f r das Kind bestimmten Unterhaltsbeitrag
setzte es auf Fr. 500.-- monatlich herauf; schliesslich best tigte es die
Beistandschaft.

C.
C.aBeide Parteien haben das obergerichtliche Urteil beim Bundesgericht mit
Berufung angefochten. W hrend die Kl gerin die bereits vor Obergericht
gestellten Antr ge - mit Ausnahme des Begehrens mit Bezug auf den
Unterhaltsbeitrag zu Gunsten des Sohnes -  bernimmt, begehrt der Beklagte neu
eine ebenfalls gestaffelte Besuchsrechtsregelung, die jedoch gegen ber dem
obergerichtlichen Urteil bereits f r das Jahr 2007 ein in der Schweiz
auszu bendes Ferienrecht vorsieht; ab 2008 begehrt er ein auch im Ausland
auszu bendes Ferienrecht und den Verzicht auf jegliche Kontrollmassnahme
(namentlich Passhinterlegung). Dar ber hinaus erneuert er den Antrag auf
Herabsetzung der von ihm geschuldeten Unterhaltsbeitr ge. Beide Parteien
stellen schliesslich den Antrag, es seien die zweitinstanzlichen
Verfahrenskosten der Gegenpartei aufzuerlegen, und ersuchen um Gew hrung der
unentgeltlichen Rechtspflege f r das bundesgerichtliche Verfahren.

C.b Es sind keine Berufungsantworten eingeholt worden. Das Obergericht hat
keine Gegenbemerkungen eingereicht.

C.c Eine von der Kl gerin gegen das obergerichtliche Urteil eingereichte
kantonale Nichtigkeitsbeschwerde hat das Kassationsgericht des Kantons Z rich
mit Beschluss vom 13. Januar 2006 abgewiesen, soweit es darauf eingetreten
ist.

Das Bundesgericht zieht in Erw gung:

1.
Beide Berufungen richten sich gegen dasselbe Urteil, betreffen dieselben
Parteien und haben zum gemeinsamen Gegenstand die Ausgestaltung der
Besuchsrechtsregelung zwischen dem Beklagten und dem Kind. Weitere
Streitpunkte sind die Beistandschaft, welche die Kl gerin bis zum 14.
Altersjahr des Kindes beibehalten haben m chte, w hrend der Beklagte, der sie
urspr nglich bek mpft hatte, sich nun im vom Obergericht festgelegten Rahmen
damit abgefunden hat; streitig ist ferner die Unterhaltsregelung, die vom
Beklagten angefochten wird, von der Kl gerin hingegen nicht. Obwohl also zu
diesen zwei Punkten nicht diametral entgegengesetzte Antr ge zur Diskussion
stehen, ist dennoch offensichtlich, dass auch sie mit den zu beantwortenden
Rechtsfragen eng verkn pft sind. Folglich sind beide Berufungen zu vereinigen
und ist  ber sie in einem einzigen Urteil zu entscheiden (vgl. Art. 24 BZP
i.V.m. Art. 40 OG; BGE 124 III 382 E. 1a; 113 Ia 390 E. 1 S. 394, je mit
weiteren Hinweisen.).

2.
Das Bundesgericht pr ft die Rechtsmittelvoraussetzungen von Amtes wegen und
mit freier Kognition, ohne an die Auffassungen der Parteien gebunden zu sein
(BGE 131 III 667 E. 1 S. 668; 131 I 57 E. 1 S. 59).
Die Berufung der Kl gerin richtet sich gegen die Besuchsrechtsregelung
zwischen dem Vater und dem Kind, einschliesslich der Ausgestaltung der damit
verbundenen Beistandschaft und ist daher ohne weiteres zul ssig (Art. 44 und
Art. 44 lit. d OG). Das trifft auch f r die Berufung des Beklagten zu, soweit
sie sich gegen die vorgenannten Punkte richtet. Vom Beklagten angefochten ist
aber auch die Unterhaltsregelung zu Gunsten des Kindes. Da dieser Punkt
jedoch nicht ausschliesslichen Gegenstand seiner Berufung bildet, kann offen
bleiben, ob diesbez glich der Streitwert nach Art. 46 OG gegeben ist (vgl.
BGE 116 II 493 E. 2b S. 495, e contrario). Auf beide rechtzeitig gegen ein
letztinstanzliches Urteil eingelegten Berufungen ist einzutreten (Art. 54
Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 OG).

3.
Das Bundesgericht hat seiner Entscheidung im Berufungsverfahren die
tats chlichen Feststellungen der Vorinstanz zugrunde zu legen, es sei denn,
sie beruhten auf einem offensichtlichen Versehen, seien unter Verletzung
bundesrechtlicher Beweisvorschriften zustande gekommen oder bed rften der
Erg nzung, weil das kantonale Gericht in fehlerhafter Rechtsanwendung einen
gesetzlichen Tatbestand nicht oder nicht hinreichend kl rte, obgleich ihm
entscheidwesentliche Behauptungen und Beweisantr ge rechtzeitig und in der
vorgeschriebenen Form unterbreitet worden sind (Art. 63 und 64 OG; BGE 127
III 248 E. 2c S. 252; 125 III 193 E. 1e S. 205, 368 E. 3 S. 372; 123 III 110
E. 2 S. 111; 115 II 484 E. 2a S. 285). Blosse Kritik an der Beweisw rdigung
des kantonalen Gerichts kann mit der Berufung nicht vorgebracht werden (BGE
127 III 73 E. 6a S. 81; 126 III 10 E. 2b S. 12).

4.
Hauptstreitpunkt ist die obergerichtliche Regelung des dem Beklagten zu
gew hrenden Besuchsrechtes gegen ber seinem Sohn: Die Kl gerin erinnert noch
einmal an die Vorkommnisse aus dem Jahre 1999 und ist nicht bereit, in einer
Lockerung des Besuchsrechtes einzuwilligen, es sei denn, der Vater erkl re
sich bereit, vor jedem unbegleiteten Besuch eine Kaution von Fr. 50'000.-- zu
hinterlegen. Zudem w nsche der Sohn selber keine Lockerung des
Besuchsrechtes. Der Beklagte r gt im Wesentlichen, das Obergericht habe zwar
das Fehlen jeglicher Entf hrungsgefahr anerkannt, dennoch in Verletzung von
Bundesrecht kein freies Besuchsrecht im  blichen Rahmen zugelassen.

4.1 Das Obergericht des Kantons Z rich hat den Sachverhalt sehr gr ndlich
ermittelt und  beraus ausf hrlich wiedergegeben. Darauf kann verwiesen
werden. Anschliessend hat es sich punktuell mit den einzelnen Aussagen der
Kl gerin auseinandergesetzt, die haupts chlich darauf ausgerichtet sind, eine
Entf hrungsgefahr und eine gest rte Vater-Sohn-Beziehung zu belegen. Das
Obergericht kommt nach eingehender Begr ndung zum Schluss, dass die Beziehung
zwischen Vater und Sohn sogar laut den Aussagen der Kl gerin selbst und des
Kindes anl sslich seiner zwei Anh rungen gut und normal sei, und dass keine
konkreten Anhaltspunkte f r eine Gef hrdung des Kindeswohles durch die
Aus bung des v terlichen Besuchsrechtes best nden.
Was die Entf hrungsgefahr anbelangt, hat das Obergericht einl sslich
zahlreiche Vorkommnisse untersucht, die sich laut Kl gerin in der
Vergangenheit ereignet haben sollen: namentlich (aber nicht nur), dass das
Kind im Pass des Vaters eingetragen sei; dass der Vater sich verschiedentlich
bei schweizerischen Beh rden nach den M glichkeiten erkundigt habe, wie er zu
einem Pass f r seinen Sohn kommen k nne; dass er wiederholt
Entf hrungsdrohungen ausgesprochen h tte, weshalb die Kl gerin neuerdings
ihre Wohnadresse ihm gegen ber geheim halte. Das Obergericht ist allerdings
zum Ergebnis gelangt, dass allf llige, vom Beklagten bestrittene,
einschl gige  usserungen, die dieser vor sieben Jahren in emotional
aufgew hlter Stimmung machte, heute nicht mehr als konkrete
Entf hrungsdrohung gewertet werden k nnten und die Kl gerin die Geheimhaltung
ihrer Wohnadresse eher zum Schutze vor weiteren Bel stigungen durch den
Beklagten als zur Vorbeugung einer allf lligen Entf hrung des Sohnes
veranlasste.
Zu den W nschen des Sohnes bez glich der Lockerung des Besuchsrechtes h lt
das Obergericht - nicht zuletzt auf Grund eigener Wahrnehmungen - fest, dass
das Kind zwar noch nicht bereit sei, den Vater unbegleitet zu besuchen.
Allerdings liesse das Aussageverhalten des Sohnes zweifelsohne auf eine
Beeinflussung durch die Mutter schliessen.
Das Obergericht hat anschliessend an seinen Beschluss vom Juni 2001 erinnert,
in dem es zwar die Anordnung des begleiteten Besuchsrechtes durch den
Bezirksrat sch tzte, jedoch bereits in Aussicht gestellt hatte, dass dieses
sobald als m glich durch das  bliche, unbegleitete Besuchsrecht abgel st
werden sollte; es hat auch darauf hingewiesen, dass es beide Parteien
aufgefordert habe, ihr M gliches zu einer positiven Entwicklung beizutragen.
Durch die eindeutige Beeinflussung des Kindes habe nun die Kl gerin diese
Aufforderung missachtet; es gehe aber nicht an, dass ein Elternteil auf Dauer
einfach die Furcht in einem Kinde vor einer m glichen Entf hrung ins Ausland
sch re, um so auf unabsehbare Zeit ein freies Besuchsrecht des anderen
Elternteils zu untergraben.
In W rdigung all dieser Umst nde hat das Obergericht daf r gehalten, dass
zwar dem Beklagten ein unbegleitetes Besuchsrecht gew hrt werden m sse, dass
allerdings dem Kinde eine gewisse Zeit einger umt werden m sse, damit die
Mutter mit Unterst tzung der Beist ndin endlich das unbegleitete Besuchsrecht
vorbereite. Daher sprach es sich f r eine gegen ber der ersten Instanz noch
feinere Lockerung des begleiteten Besuchsrechtes aus.

4.2 Eltern, denen die pers nliche Sorge oder Obhut nicht zusteht, und das
unm ndige Kind haben gegenseitig Anspruch auf angemessenen pers nlichen
Verkehr (Art. 273 Abs. 1 ZGB). Er dient in erster Linie dem Interesse des
Kindes, ist aber zugleich ein Recht und eine Pflicht der Betroffenen. In der
Entwicklung des Kindes sind seine Beziehungen zu beiden Elternteilen wichtig,
da sie bei seiner Identit tsfindung eine entscheidende Rolle spielen k nnen
(BGE 130 III 585 E. 2.2.2 S. 590, mit Hinweisen). Wird das Wohl des Kindes
durch den pers nlichen Verkehr gef hrdet,  ben die Eltern ihn pflichtwidrig
aus, haben sie sich nicht ernsthaft um das Kind gek mmert oder liegen andere
wichtige Gr nde vor, so kann ihnen das Recht auf pers nlichen Verkehr
verweigert oder entzogen werden (Art. 274 Abs. 2 ZGB). Gef hrdet ist das
Kindeswohl, wenn seine ungest rte k rperliche und seelische Entfaltung durch
ein auch nur begrenztes Zusammensein mit dem nicht obhutsberechtigten
Elternteil bedroht ist. Eine Gef hrdung ist im Hinblick auf die vollst ndige
Aufhebung des pers nlichen Verkehrs angesichts dessen Bedeutung f r das Kind
wie f r die Eltern nicht leichthin anzunehmen (BGE 127 III 295 E. 4a mit
Hinweisen). Erforderlich ist dar ber hinaus, dass dieser Bedrohung nicht
durch geeignete andere Massnahmen begegnet werden kann. Der vollst ndige
Entzug des Rechts auf pers nlichen Verkehr bildet die "ultima ratio" und darf
im Interesse des Kindes nur angeordnet werden, wenn die nachteiligen
Auswirkungen des pers nlichen Verkehrs sich nicht in f r das Kind
vertretbaren Grenzen halten lassen (BGE 120 II 229 E. 3b/aa S. 233; 122 III
404 E. 3b S. 407).
Die Vorstellungen dar ber, was in durchschnittlichen Verh ltnissen als
angemessenes Besuchsrecht zu gelten habe, gehen in Lehre und Praxis
auseinander (vgl. statt vieler: Schwenzer, in: Basler Kommentar, N. 15 zu
Art. 273 ZGB). Auch wenn solchen  bungen bei der Bemessung des Besuchsrechts
eine gewisse Bedeutung zukommt, kann im Einzelfall nicht allein darauf
abgestellt werden (BGE 123 III 445 E. 3a S. 451). Vielmehr gilt als oberste
Richtschnur f r die Ausgestaltung des Besuchsrechts immer das Kindeswohl, das
anhand der Umst nde des konkreten Einzelfalls zu beurteilen ist; allf llige
Interessen der Eltern haben zur ckzustehen (BGE 130 III 585 E. 2.1 S. 588;
127 III 295 E. 4a S. 298; 123 III 445 E. 3b S. 451). So gebietet ein gutes
Einvernehmen zwischen Kind und besuchsberechtigtem Elternteil nicht zwingend
die Gew hrung eines Besuchs- und Ferienrechtes im  blichen Umfange, denn die
konkreten Umst nde k nnen eine Einschr nkung als angezeigt erscheinen lassen
(BGE 131 III 209 E. 5 S. 212): Ist zum Beispiel das Kind mit einem
unbegleiteten Besuchsrecht momentan noch  berfordert, bedarf es eines
behutsamen  berganges bzw. einer abgestuften Regelung, etwa dergestalt, dass
das Besuchsrecht anf nglich f r eine gewisse Zeit in begleiteter und erst
nach einer bestimmten Gew hnungsphase in unbegleiteter Form gew hrt wird (BGE
130 III 585 E. 2.2.2 S. 590).

4.3 Den Ausf hrungen im angefochtenen Urteil l sst sich ohne weiteres
entnehmen, dass die Vorinstanz den Sachverhalt  beraus eingehend gew rdigt
und die erw hnten (E. 4.2) bundesrechtlichen Kriterien zur Anwendung gebracht
hat.

4.3.1 Was beide Parteien ausf hren, vermag keine Bundesrechtsverletzung
darzutun. Wenn die Kl gerin in ihrer Berufungsschrift (implizite) im
angefochtenen Entscheid eine Widerspr chlichkeit darin zu erblicken glaubt,
dass das Obergericht einerseits keine Entf hrungsgefahr annehme, anderseits
aber die  blichen Sicherheitsmassnahmen bis zum vollendeten 14. Altersjahr
des Kindes gelten lasse, so irrt sie sich. Wie soeben zum Ausdruck gebracht,
ist der Gedanke der Vorinstanz nicht widerspr chlich: Kann bei einem
Ausl nder, dem klar geworden ist, dass die Ehegemeinschaft mit der Kl gerin
definitiv gescheitert ist, nicht absolut ausgeschlossen werden, dass er eine
R ckkehr in seine Heimat erw gt, erweist sich im vorliegenden Fall die
Entf hrungsgefahr des Kindes dennoch in Anbetracht aller  brigen Umst nde als
so gering, dass ihr mit den  blichen Massnahmen entgegengewirkt werden kann.
Wenn die Kl gerin weiterhin davon ausgeht, dass eine erhebliche
Entf hrungsgefahr besteht und zur Untermauerung dieser Annahme nochmals auf
das Aussageverhalten des Beklagten und auf die von diesem gegen Dritte
erhobenen Vorw rfe hinweist und daraus den Schluss zieht, dass der Beklagte
selber Misstrauen erwecke, ersch pft sich ihre Kritik in einer unzul ssigen
Diskussion  ber tats chliche Feststellungen des Obergerichtes. Die Anrufung
von Art. 8 ZGB durch die Kl gerin st sst ins Leere: Wo der Richter - wie
vorliegend - in W rdigung von Beweisen zur  berzeugung gelangt, eine
Tatsachenbehauptung sei bewiesen oder widerlegt, ist die Beweislastverteilung
gegenstandslos (BGE 114 II 289 E. 2 S. 291).
Auch der Vorwurf der Kl gerin, das Obergericht habe den Wunsch des Sohnes,
erst nach vollendetem 14., allenfalls 12. oder 13. Altersjahr allein zum
Vater gehen zu m ssen, missachtet, kann nicht gesch tzt werden: Das
Obergericht begn gt sich n mlich nicht mit der Feststellung, dass der Sohn
von seiner Mutter massiv beeinflusst worden ist, sondern folgert daraus, dass
auf dessen entsprechenden Aussagen nicht abgestellt werden kann. Dieser
Schluss wird mit den Rechtfertigungsversuchen der Kl gerin f r ihre
Einflussnahme nicht in Abrede gestellt.
Soweit die Kl gerin schliesslich bem ngelt, dass das Obergericht den
Beklagten nicht zur Aufnahme eines Kredites bzw. zum Abschluss einer
Kautionsversicherung zur Aufbringung der von ihr geforderten Kaution
verpflichtet habe, stellt sie sich in Widerspruch zur hier verbindlichen
Feststellung des Obergerichtes, wonach die  brigen Sicherheitsmassnahmen
ausreichen. Zudem w rden derartige - un bliche - Geldbeschaffungsmethoden
ebenfalls Geld kosten, das der Beklagte aufzubringen nicht in der Lage w re,
ohne ins eigene Existenzminimum und in seine Unterhaltsverpflichtungen zu
Gunsten des Sohnes eingreifen zu m ssen.
Der Vollst ndigkeit halber sei noch der Antrag der Kl gerin auf Beibehaltung
der Beistandschaft bis zur Vollendung des 14. Altersjahres des Sohnes erw hnt
(vgl. vorne, E. 1), den sie in ihrer Berufungsschrift allerdings mit keinem
Wort begr ndet, und auf welchen deshalb gar nicht einzutreten ist.

4.3.2 Der Beklagte r gt seinerseits als Erstes, indem das Obergericht ihm ein
weiteres sechsj hriges Zuwarten zumute, bis er dasselbe Besuchsrecht aus ben
d rfe, das anderen V tern und Kindern zusteht, habe die Vorinstanz gegen die
bundesgerichtliche Rechtsprechung verstossen, welche es verbiete, einem
Elternteil den pers nlichen Verkehr mit seinen Kindern dauerhaft
einzuschr nken, nur weil er aus einem anderen Rechts- und Kulturkreis stamme.
Diese R ge erweist sich schon deshalb als unbegr ndet, weil nirgends im
angefochtenen Entscheid zu lesen ist, dass die vor bergehenden
Einschr nkungen des beklagtischen Besuchsrechtes mit seiner
Staatszugeh rigkeit begr ndet w ren. Das Obergericht hat, ganz im Gegenteil,
ausschliesslich mit dem Kindesinteresse argumentiert, indem es ein Zuwarten
mit dem unbegleiteten Besuchsrecht in der Notwendigkeit eines sanften
 berganges vor der heutigen zur neuen Regelung begr ndet sah. Dieser Gedanke
steht mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung in Einklang (vgl. BGE 130
III 585 E. 2.2.2 S. 589 ff., insbesondere hinsichtlich der Bed rfnisse des
Kindes D.; anzumerken bleibt, dass der Vater dieses Verfahrens nicht
Ausl nder ist). Damit setzt sich der Beklagte allerdings  berhaupt nicht
auseinander.
Am selben Mangel leidet seine weitere R ge, die ihm auferlegten
Einschr nkungen des Besuchsrechtes seien auch deshalb unzumutbar, weil sie
durch die Pflichtvergessenheit der Kl gerin verursacht worden seien: Seine
Emp rung ist zwar verst ndlich und wird vom Obergericht auch geteilt; das
Obergericht h lt aber ebenso ausdr cklich und zutreffend fest, dass die
Pflichtvernachl ssigung der Mutter sich nicht auf das Wohl des Kindes negativ
auswirken soll, wozu sich der Beklagte eben gar nicht  ussert.
Sein Standpunkt wird durch Selbstverst ndlichkeiten, wie die Bekr ftigung der
Bedeutung, die er als v terliche Identifikationsfigur f r den Sohn hat, oder
den Hinweis darauf, dass Konflikte zwischen den Eltern keinen Grund f r eine
Beschr nkung des Besuchsrechtes zwischen Vater und Kind abgeben, nicht
wesentlich gef rdert, ebenso wenig durch apodiktische und jeder
nachvollziehbaren Begr ndung entbehrende Behauptungen wie jene, wonach es
v llig unzumutbar sei, dass das Kind bis zum vollendeten 14. Altersjahr
warten m sse, um das Land des Vaters und dessen Angeh rige kennen lernen zu
d rfen.
Den Eventualantrag auf R ckweisung an die Vorinstanz kann der Beklagte sicher
nicht damit begr ndet haben wollen, "die Rechtslage lasse eine schl ssige
Beurteilung des Sachverhaltes nicht zu [...]", sondern allenfalls mit einer
unvollst ndigen Sachverhaltsermittlung. Eine solche substanziiert er
allerdings nicht; ferner ergibt sich auch nicht aus den Akten, dass der
ermittelte Sachverhalt eine korrekte Anwendung des Bundesrechtes nicht
erm glicht.

4.4 Wenn also das Obergericht im Ergebnis bekr ftigt, dass das begleitete
Besuchsrecht des Beklagten nicht w hrend der ganzen Unm ndigkeit des Sohnes
aufrecht erhalten werden k nne, dieses vielmehr sobald als m glich bzw.
verantwortbar durch das  bliche unbegleitete Besuchsrecht abgel st werden
m sse, bewegt es sich durchaus auf dem Pfade der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung (siehe zuletzt BGE 130 III 585 E. 2.2.2 S. 589 ff.). Ebenfalls
mit dem Bundesrecht im Einklang steht die weitere Feststellung, dass das
Kind, das zur Zeit f r unbegleitete Besuche beim Vater noch nicht bereit sei,
eine behutsam ausgestaltete  bergangszeit ben tige. Die Annahme des
Obergerichtes, dass keine derartige Entf hrungsgefahr anzunehmen sei, der mit
den  blichen Schutz- und Sicherungsmassnahmen (namentlich Abgabe der
Identit tsdokumente) nicht entgegengewirkt werden k nnte, weshalb eine
Kautionsleistung, wie von der Kl gerin beantragt, sich daher er brige, zumal
der Beklagte sie ohnehin nie aufbringen k nnte, ist hingegen rein
tats chlicher Natur und kann im Rahmen des vorliegenden Berufungsverfahrens
nicht erfolgreich in Frage gestellt werden (Art. 63 Abs. 2 und Art. 55 Abs. 1
lit. c OG).

5.
5.1 Mit Bezug auf den Kinderunterhaltsbeitrag macht der Beklagte geltend, ihm
seien bereits heute h here Wohnkosten anzuerkennen, denn er brauche eine
gr ssere Wohnung, um den Sohn ab Januar 2007 bei sich beherbergen zu k nnen.
Dabei geht der Beklagte davon aus, dass sein Berufungsantrag 2 durchdringt,
was nicht der Fall ist. Er kann erst ab dem 11. Altersjahr die Wochenenden
mit seinem Sohn verbringen. Im  brigen fehlen tats chliche Feststellungen f r
die Beurteilung, ob die Wohnung ausreichend gross sei.

5.2 Weiter r gt der Beklagte, das Obergericht werfe ihm die mangelhafte
Substantiierung seiner Behauptung vor, die Kl gerin verdiene ab Januar 2005
doch wesentlich mehr als bis anhin. Wenn das Obergericht hier von mangelnder
Substantiierung spricht, heisst das, dass die beklagtische Behauptung, die
Kl gerin sei mehr als 50 % berufst tig, nicht bewiesen ist. Der Beklagte
h tte entweder eine Verletzung seines Beweisanspruchs (Art. 8 ZGB) r gen
oder, w re Beweisw rdigung anzunehmen, diese mit staatsrechtlicher Beschwerde
wegen Willk r (Art. 9 BV) anfechten m ssen. Die Berufung auf Messmer/Imboden
(Die eidgen ssischen Rechtsmittel in Zivilsachen, Z rich 1992, S. 121) geht
fehl.

6.
Folglich erweisen sich beide Berufungen als unbegr ndet, soweit auf sie
 berhaupt eingetreten werden kann. Bei diesem Ergebnis rechtfertigt es sich,
die Gerichtsgeb hr den Parteien je h lftig aufzuerlegen (Art. 156 Abs. 1 OG)
und die Parteientsch digungen wettzuschlagen (Art. 159 Abs. 1 OG), zumal
keine Antworten eingeholt werden mussten. Die von beiden Parteien beantragte
unentgeltliche Rechtspflege kann nicht gew hrt werden, denn beiden Berufungen
fehlte von allem Anfang an jede Erfolgsaussicht (Art. 152 Abs. 1 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Verfahren 5C.243/2005 und 5C.244/2005 werden vereinigt.

2.
Die Berufungen werden abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

3.
Die Gesuche der Parteien um unentgeltliche Rechtspflege werden abgewiesen.

4.
Die Gerichtsgeb hr von Fr. 2'000.-- wird den Parteien je zur H lfte
auferlegt.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Z rich, I.
Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 7. April 2006

Im Namen der II. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Pr sident:  Der Gerichtsschreiber: