Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilabteilung 5C.261/2005
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{T 0/2}
5C.261/2005
5C.262/2005 /blb

Urteil vom 2. Mai 2006
II. Zivilabteilung

Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichterin Escher, Bundesrichter Meyer, Bundesrichterin Hohl,
Bundesrichter Marazzi,
Gerichtsschreiber Levante.

5C.261/2005
Establishment X.________,
Beklagte und Berufungsklägerin,
vertreten durch Rechtsanwälte Dr. Peter Altorfer und
Dr. Roman Heiz,

und

5C.262/2005
Establishment Y.________ in Liquidation,
Beklagte und Berufungsklägerin,
vertreten durch Rechtsanwälte Dr. Markus Dörig und Diego Cavegn,

gegen

Z.________,
Kläger und Berufungsbeklagter,
vertreten durch Rechtsanwälte Alexander Jolles und Christoph Kurth,

sowie

1.T.________,
vertreten durch Rechtsanwälte Dr. Peter Hafter und Tatanja Vlk,
2.Stiftung S.________,
vertreten durch Rechtsanwälte Dr. Eric Dreifuss, Gaudenz Domenig und Dr. Urs
Feller,
Nebenintervenientinnen.

Örtliche Zuständigkeit,

Berufungen (5C.261/2005 und 5C.262/2005) gegen
den Beschluss des Obergerichts des Kantons Zürich, I. Zivilkammer, vom 5.
September 2005.

Sachverhalt:

A.
U. ________ verstarb am 19. Mai 2003 an seinem letzten Wohnsitz in
K.________/ZH. Mit letztwilliger Verfügung vom 12. Mai 1999 bestimmte er die
Stiftung S.________ mit Sitz in Zürich zu seiner Erbin. Seine Ehefrau
T.________ und seine Tochter V.________ setzte er auf den Pflichtteil und
legte die ihnen zukommenden Anteile mittels Teilungsvorschriften fest. Zudem
richtete er mit letztwilliger Verfügung vom 22. April 2002 eine Reihe von
Vermächtnissen aus. In seinem Testament vom 9. Mai 2003 ernannte er
Rechtsanwalt Z.________ zu seinem Willensvollstrecker.

B.
B.aZ.________ (nachfolgend: der Kläger) erwirkte beim Einzelrichter im
summarischen Verfahren des Bezirksgerichts Horgen am 15. Januar 2004 ein
Verfügungsverbot über bestimmte Nachlasswerte, welche Massnahme mit einer
Frist zur Einreichung einer ordentlichen Klage verbunden war, ansonsten diese
ohne weiteres dahinfalle. Am 19. Februar 2004 machte der Kläger beim
Bezirksgericht Horgen eine Erbschafts- und Auskunftsklage gegen die
F.________ AG mit Sitz in Schlieren (nachfolgend: Beklagte 1) sowie gegen die
Establishment Y.________ in Liquidation (nachfolgend: Beklagte 2) und die
Establishment X.________ (nachfolgend: Beklagte 3), beide mit Sitz in
Vaduz/Fürstentum Liechtenstein, anhängig. In seiner Klagebegründung vom
11. August 2004 verlangte er von allen Beklagten die Herausgabe von 25
namentlich bezeichneten Kunstwerken (Rechtsbegehren A.1), soweit sie sich in
ihrem Besitz befinden. Von der Beklagten 2 und 3 verlangte er zusätzlich die
Herausgabe aller Vermögens- und Erbschaftssachen in ihrem Besitz und die
Abtretung aller ihnen zustehenden Forderungen (Rechtsbegehren A.2). Von der
Beklagten 1 verlangte er die Herausgabe aller weiteren nicht in
Rechtsbegehren A.1 aufgeführten Vermögenswerte, welche im Auftrag oder für
Rechnung der Beklagten 2 und 3 bei ihr oder bei von ihr beauftragten Dritten
gelagert seien oder welche sich sonst auf Rechnung der Beklagten 2 und 3 in
ihrem Besitz befinden (Rechtsbegehren A.3). Überdies seien die Beklagten zu
verpflichten, über alle in Rechtsbegehren A.1 und A.2 genannten Kunstwerke,
Vermögenswerte, Erbschaftssachen und Forderungen, die sich nicht mehr in
ihrem Besitz befinden bzw. über welche sie nicht mehr verfügen, Auskunft zu
erteilen, wem sie übergeben bzw. an wen sie übertragen wurden und auf wessen
Weisung dies geschehen war (Rechtsbegehren B).

B.b Die Beklagten erhoben im Rahmen des Schriftenwechsels die Einrede der
örtlichen Unzuständigkeit und beantragten, auf die Begehren nicht
einzutreten. Zudem schlossen sie jeweils auf Abweisung der Klage. Der Kläger
schloss auf Abweisung der Unzuständigkeitseinreden aller Beklagten betreffend
die Erbschaftsklage (Rechtsbegehren A). T.________ stellte als
Nebenintervenientin ebenfalls den Antrag, die Unzuständigkeitseinreden aller
Beklagten betreffend die Erbschaftsklage (Rechtsbegehren A) abzuweisen.

B.c Mit Beschluss vom 17. Mai 2005 wies das Bezirksgericht Horgen die
Unzuständigkeitseinreden der Beklagten ab.

C.
Das Obergericht des Kantons Zürich wies die von den Beklagten dagegen
erhobenen Rekurse am 5. September 2005 ab und bestätigte den
erstinstanzlichen Beschluss.

D.
Die Beklagten 2 und 3 sind mit Berufungen vom 11. bzw. 12. Oktober 2005 an
das Bundesgericht gelangt. Sie beantragen jeweils, den obergerichtlichen
Beschluss aufzuheben und auf die klägerischen Begehren nicht einzutreten.
Der Kläger schliesst auf Abweisung beider Berufungen. Eventualiter seien die
Berufungen abzuweisen, soweit sie seine Rechtsbegehren A.2 und A.3 betreffen.
Die Nebenintervenientin T.________ verlangt die Abweisung beider Berufungen.
Eventualiter sei die Streitsache zur Ergänzung des Sachverhaltes an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Das Obergericht hat auf Gegenbemerkungen
verzichtet.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Das Bundesgericht prüft von Amtes wegen und mit freier Kognition, ob es auf
eine Berufung eintreten kann (BGE 129 III 415 E. 2.1).
1.1 Das Bundesgericht behandelt Erbschaftsklagen als
Zivilrechtsstreitigkeiten mit Vermögenswert (Art. 598 Abs. 1 ZGB; BGE 130
III 547 E. 2.1 S. 549; 119 II 114, nicht amtl. publ. E. 1). Diese
Rechtsprechung gilt auch für die Auskunftsklagen, wobei praxisgemäss keine
genaue Bezifferung des Streitwertes verlangt wird (Urteil 5C.157/2003 vom
22. Januar 2004, E. 3.2, SJ 2004 I S. 479). Die gesetzliche Streitwertgrenze
ist vorliegend ohne weiteres erreicht (Art. 46 OG). Angefochten ist ein
selbständiger Vorentscheid über die internationale Zuständigkeit. Die
Berufung ist damit gegeben (Art. 49 Abs. 1 OG).

1.2 Beide Beklagten fechten den gleichen Beschluss an, und ihre Anträge
beschlagen jeweils die Frage der internationalen Zuständigkeit, weshalb ihre
Berufungen zu verbinden und in einem Urteil zu behandeln sind (Art. 24 BZP
i.V.m. Art. 40 OG; BGE 124 III 382 E. 1a S. 385).

1.3 Die Begründung der Anträge hat sich aus der Berufungsschrift zu ergeben;
sie soll kurz darlegen, welche Bundesrechtssätze und inwiefern sie durch den
angefochtenen Entscheid verletzt werden (Art. 55 Abs. 1 lic. c OG). Die
Verweisungen der Beklagten auf ihre kantonalen Eingaben genügen diesen
Anforderungen nicht und bleiben damit unbeachtet.

2.
2.1 Die Vorinstanz hat die schweizerische Zuständigkeit für das als
"Erbschafts- und Auskunftsklage" bezeichnete Begehren des
Willensvollstreckers bejaht. Zur Begründung hat sie im Wesentlichen das
Folgende erwogen.

2.1.1 Mit dem Rechtsbegehren A werde die Herausgabe auch nicht spezifizierter
Vermögenswerte sowie die Abtretung von Forderungen verlangt, für welche die
Vindikation nicht zur Verfügung stehe. Angesichts der Schwierigkeiten eines
Erben, sich über Bestandteile der Erbschaft und damit über die
herauszufordernden Gegenstände zu orientieren, ziele das Herausgabebegehren
als Gesamtklage darauf ab, ihm das Recht an allen Erbschaftswerten im Besitz
der Beklagten zu verschaffen. Es gehe dabei nicht um sachenrechtliche
Ansprüche, die bereits der Erblasser zu Lebzeiten hätte geltend machen
können. Gemäss der massgeblichen bundesgerichtlichen Praxis (BGE 91 II 327
und 119 II 114) und der herrschenden Lehre könne der Kläger zudem die
Gültigkeit eines Sondertitels, der ihm der beklagte Besitzer der
Vermögenswerte entgegen halte, im Rahmen der Erbschaftsklage vorfrageweise
beurteilen lassen. Das vorliegende Herausgabebegehren stelle nach dem
Gesagten eine Erbschaftsklage im Sinne von Art. 598 ZGB dar. Damit sei ein
erbrechtlicher Streit im Sinne von Art. 86 Abs. 1 IPRG gegeben, der zugleich
einen erbrechtlichen Bezug im Sinne von Art. 18 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Gerichtsstand in Zivilsachen (GestG) aufweise, weshalb der Richter
am letzten Wohnsitz des Erblassers für die Beurteilung der Erbschaftsklage
zuständig sei.

2.1.2 Das Rechtsbegehren B beziehe sich - so die Vorinstanz weiter - nicht
auf die gesetzlich geregelte Informationspflicht der Erben untereinander
(Art. 607 Abs. 3 ZGB und Art. 610 Abs. 2 ZGB), sondern richte sich gegen
Dritte. Nach konstanter Praxis und Lehre könne jedoch auch von Dritten ohne
erbrechtliche Stellung über den Nachlass Auskunft verlangt werden. Dieses
Recht werde einerseits mit der Universalsukzession des Erben, mithin mit der
vom Erblasser auf den Erben übergegangenen Rechtsstellung gegenüber Dritten
und andererseits mit dem selbständigen Anspruch jedes einzelnen Erben
begründet, mithin direkt auf das Erbrecht abgestützt (BGE 89 II 87).
Gegenüber Dritten, die den Erben nicht verpflichtet seien, stehe ein
Auskunftsrecht indes nur dem einzelnen Erben kraft seiner Erbenstellung zu.
Werde dieser Anspruch von der Erbengemeinschaft oder dem Willensvollstrecker
geltend gemacht, so geschehe dies kraft Universalsukzession. Er erweise sich
damit nicht als erbrechtlicher Natur. Gegenüber Dritten, welche den Erben
erbrechtlich verpflichtet, aber nicht am Erbgang beteiligt seien - wie
Schenkungsempfänger des Erblassers im Hinblick auf eine mögliche
Herabsetzungsklage und Besitzer von Nachlassgegenständen im Hinblick auf ein
Herausgabebegehren - bestehe keine materiellrechtliche Sonderverbindung.
Entsprechend ergebe sich der Auskunftsanspruch direkt aus Erbrecht, nämlich
durch analoge Anwendung von Art. 607 Abs. 3 ZGB und Art. 610 Abs. 2 ZGB, und
dies ungeachtet des Umstandes, dass dem angefragten Dritten keine
Erbenqualität zukomme. Vorliegend werde der Auskunftsanspruch vom
Willensvollstrecker erhoben, womit sich die Rechtsgrundlage in erster Linie
aufgrund der Position des angefragten Dritten ergebe. Entweder folge diese
direkt aus Erbrecht oder aus einem zufolge Universalsukzession übergegangenen
Rechtsverhältnisses. Im konkreten Fall würden die Beklagten um Informationen
über das rechtliche Schicksal der im Herausgabebegehren erwähnten, nicht mehr
in ihrem Besitz befindlichen bzw. nicht mehr verfügbaren Vermögenswerte
angegangen. Obwohl als eigener Antrag formuliert, hänge damit das
Auskunftsbegehren in seinem Umfang wesentlich vom Herausgabebegehren ab und
sei inhaltlich mit ihm verbunden. Zur Zeit sei offen, ob die Beklagten mit
ihrer Berufung auf einen Sondertitel durchdringen werden, was gegebenenfalls
zur Abweisung des Herausgabebegehrens A führen würde. Sei dies nicht der
Fall, so werde die Erbschaftsklage zur weiteren Prüfung in den Händen
behalten. Soweit die Zuständigkeit für die Erbschaftsklage gegeben sei und
kein Sondertitel vorliege, der bereits zu deren Abweisung führe, gelte dies
auch für die Auskunftsklage. Dann gälten die Beklagten als den Erben
erbrechtlich verpflichtete Dritte, welche direkt aus Erbrecht zur Auskunft
verpflichtet seien. Die Auskunftsklage wäre damit als Klage erbrechtlicher
Natur einzustufen, bei welcher die Berufung auf einen erbrechtlichen Titel
vorliegt, um die Existenz und die Tragweite der Rechte der Erben feststellen
zu lassen.

2.2 Die Beklagten halten die Auffassung der Vorinstanz im Wesentlichen mit
folgender Begründung für bundesrechtswidrig.

2.2.1 Ob hinsichtlich des Herausgabebegehrens eine erbrechtliche Streitigkeit
nach Art. 86 Abs. 1 IPRG gegeben sei, muss nach Ansicht der Beklagten 2 nicht
anhand der Bezeichnung der Klage, sondern aufgrund ihres Inhaltes beurteilt
werden. Vorliegend mache der Kläger keinen einzigen erbrechtlichen Anspruch
geltend. Vielmehr gehe es ihm ausschliesslich um sachen- und
obligationenrechtliche Ansprüche, welche der Erblasser bei gegebenen
Voraussetzungen bereits zu Lebzeiten hätte erheben können. Selbst wenn man
das Herausgabebegehren als Erbschaftsklage behandeln würde, dürfte der
Richter in einem internationalen Fall wie dem vorliegenden nur dann gemäss
der (strittigen) bundesgerichtlichen Praxis (BGE 119 II 114 ff.)
vorfrageweise über das Vorliegen eines Sondertitels urteilen, wenn für diese
Frage eine schweizerische Zuständigkeit gegeben wäre, was vorliegend nicht
zutreffe. Damit fehle es an einer schweizerischen Zuständigkeit für das
Herausgabebegehren.

2.2.2 Die Beklagte 3 betont zudem, der Kläger begründe seinen
Herausgabeanspruch nicht etwa mit der Tatsache der Erbberechtigung, sondern
bloss mit einem bereits beim Erblasser entstandenen Titel. Damit komme die
bundesgerichtliche Rechtsprechung, wonach der Sondertitel vorfrageweise zu
prüfen sei (BGE 91 II 327) nicht zum Tragen. Die Frage nach dem Vorliegen
eines Sondertitels bilde vorliegend die Hauptfrage. Es liege auch kein Fall
vor, in dem das Erbrecht der Gegenpartei bestritten oder vom Kläger selber
ein erbrechtlicher Titel geltend gemacht werde (BGE 98 II 88). Der
Rechtsprechung des Bundesgerichts könne nicht gefolgt werden, soweit eine
Klage auf Herausgabe von behaupteten Erbschaftssachen als Erbschaftsklage zu
qualifizieren sei und die Zugehörigkeit der strittigen Vermögenswerte zum
Nachlass vorfrageweise geklärt werden könne (BGE 119 II 114), ein "doppelter"
Zweck der Klage - wie auch vorliegend - indes fehle. Dem genannten Entscheid
sei denn auch in der Lehre mehrfach Kritik erwachsen, welche Argumente die
Beklagte 3 wiedergibt.

2.2.3 Nach Ansicht der Beklagten 2 gründet das Auskunftsbegehren nicht im
Erbrecht. Sie nehme keine Erbenstellung ein, sei zum Erblasser im Zeitpunkt
seines Todes in keinem vertraglichen Verhältnis gestanden, weshalb kein
Auskunftsrecht bestand, welches auf die Erben habe übergehen können. Die in
der Lehre teilweise vertretene Auffassung, wonach analog Art. 607 Abs. 3 ZGB
und Art. 610 Abs. 2 ZGB auch gegenüber Dritten ohne erbrechtliche Rolle ein
Auskunftsanspruch bestehe, könne nicht unbesehen auf internationale
Verhältnisse übertragen werden, da sich ein solches Recht des Erben bzw.
seines Vertreters (Willensvollstrecker) aus dem Einzelstatut und nicht aus
dem Erbstatut ergebe. Diese gesonderte Rechtsanknüpfung zeige, dass das
Auskunftsbegehren gegenüber Dritten im internationalen Verhältnis nicht als
ein erbrechtlicher Anspruch zu verstehen sei, womit keine erbrechtliche
Streitigkeit nach Art. 86 Abs. 1 IPRG vorliege. Zudem werde vom Kläger nur
Auskunft über Gegenstände verlangt, die nicht mehr im Besitz der Beklagten
seien. Mithin gehe es um Werte, die sie nicht herausgeben könne. Damit sei
sie nicht als Dritte zu betrachten, die den Erben erbrechtlich verpflichtet
sei.

2.2.4 Die Beklagte 3 führt im Zusammenhang mit dem Auskunftsbegehren aus,
Rechtsweg und sachliche Zuständigkeit der Auskunftsklage richte sich nach dem
Rechtsverhältnis, welches dem Informationsanspruch zugrunde liege. Sie sei
zum Erblasser in keinem Vertragsverhältnis gestanden, weshalb sie auch
gegenüber seinen Erben nicht verpflichtet sei. Eine selbständige
Auskunftsklage gegen Dritte sei keine erbrechtliche Klage, womit der
Gerichtsstand des Nachlasses nicht zur Verfügung stehe. Es gäbe keinen
besonderen gesetzlichen Gerichtsstand für Informationsbegehren, womit die
allgemeinen Regeln gelten und der verfassungsmässige Richter anzurufen sei.
Ob die von der Lehre teilweise vorgeschlagene analoge Anwendung von Art. 607
Abs. 3 ZGB und Art. 610 Abs. 2 ZGB gegen Nichterben in Frage komme, spiele im
internationalen Verhältnis keine Rolle. Die in Art. 86 IPRG angeführten
erbrechtlichen Streitigkeiten dürften nicht durch analoge Anwendung einzelner
erbrechtlicher Bestimmungen auf weitere Fälle ausgedehnt werden, um damit die
Zuständigkeit des verfassungsmässigen Richters auszuschalten. Bei der
Auslegung von Art. 86 IPRG sei zudem Art. 18 GestG heranzuziehen, welche
Bestimmung den Gerichtsstand für erbrechtliche Klagen im Sinne von
Streitigkeiten über die erbrechtliche Nachfolge festlege. Da die Beklagte
weder Erbin sei, noch der Bestand oder die Höhe erbrechtlicher Ansprüche in
Frage stehe, richte sich das Auskunftsbegehren nicht nach dem Erbstatut,
sondern dem dem Einzelstatut zugrunde liegenden Rechtsverhältnis. Da es sich
bei der vorliegenden Auskunftsklage nicht um eine erbrechtliche Streitigkeit
im Sinne von Art. 86 Abs. 1 IPRG handle, fehle es an einer schweizerischen
Zuständigkeit für deren Beurteilung. Dem Kläger sei es überdies weder
unzumutbar noch unmöglich, die Beklagte an ihrem Sitz um Auskunft anzugehen,
womit die schweizerische Notzuständigkeit gemäss Art. 3 IPRG im vorliegenden
Fall ohnehin ausscheide.

3.
3.1 Anlass der Berufung bildet die Frage, ob der Richter am letzten Wohnsitz
des Erblassers in der Schweiz zuständig ist, die Erbschafts- und
Auskunftsklage des Willensvollstreckers gegen zwei Anstalten in Liechtenstein
zu behandeln.

3.2 Das Obergericht hat zu Recht das Vorliegen eines internationalen
Verhältnisses im Sinne von Art. 1 Abs. 1 IPRG angenommen. Gemäss Art. 86
Abs. 1 IPRG sind für das Nachlassverfahren und die erbrechtlichen
Streitigkeiten die schweizerischen Gerichte oder Behörden am letzten Wohnsitz
des Erblassers zuständig. Vorliegend ist der Erblasser unstrittig Schweizer
Bürger gewesen und an seinem schweizerischen Domizil (in K.________/ZH)
verstorben. Strittig ist, ob der Richter für die Behandlung der Erbschafts-
und Auskunftsklage zuständig ist, welche der Willensvollstrecker gegen zwei
in Liechtenstein domizilierte Anstalten erhoben hat bzw. ob es sich bei
dieser Klage um eine erbrechtliche Streitigkeit im Sinne von Art. 86 Abs. 1
IPRG handelt.

3.3 Die Lehre stützt sich für die Auslegung des Anknüpfungsbegriffs
"erbrechtliche Streitigkeiten" auf BGE 119 II 77 E. 3a S. 81 (mit Hinweis auf
BGE 99 II 277 E. 3 S. 280; vgl. Dutoit, Droit international privé suisse,
Commentaire de la loi fédérale du 18 décembre 1987, 4. Aufl. 2005, N. 2 zu
Art. 86; Schnyder, Basler Kommentar, Internationales Privatrecht, N. 10 zu
Art. 86; Heini, Zürcher Kommentar zum IPRG, 2. Aufl. 2004, N. 2 zu Art. 86).
Nach dieser Rechtsprechung ist eine Klage erbrechtlicher Natur, wenn sich die
Parteien auf einen erbrechtlichen Titel berufen, um einen Teil ihrer
Erbschaft zu fordern und die Existenz ihrer Rechte feststellen zu lassen.
"Erbrechtliche Streitigkeiten" betreffen demnach Klagen, mit denen Bestand
oder Höhe erbrechtlicher Ansprüche geltend gemacht oder bestritten werden
(Heini, a.a.O.). Dazu gehört auch die Erbschaftsklage gemäss Art. 598 ZGB,
mit welcher die Herausgabe der Erbschaft oder einer Erbschaftssache verlangt
wird (Forni/Piatti, Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch II, 2. Aufl. 2003,
N. 13 zu Art. 598; Patrick Somm, Die Erbschaftsklage des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches, Diss. Basel 1993, S. 113). Es ist zu Recht unstrittig,
dass dem Kläger als Willensvollstrecker (Forni/Piatti, a.a.O., N. 4 zu
Art. 598 mit Hinweisen) nach dem Erbstatut - d.h. nach schweizerischem Recht,
da der Erblasser Schweizer Bürger mit letztem Wohnsitz in der Schweiz ist
(Art. 90 IPRG) - die Erbschaftsklage gegen die Beklagten als Nichterben
grundsätzlich zur Verfügung steht (BBl 1983 I 382, 390; Schnyder, a.a.O.,
N. 10 zu Art. 86, N. 5 zu Art. 92).

3.4 Zur Frage, ob die Erbschaftsklage zur Verfügung steht, gelten weiter die
nachfolgenden Grundsätze.

3.4.1 Vorab ist festzuhalten, dass ein Erbe im Fall, dass ihm
Erbschaftssachen vorenthalten werden und er sie sich verschaffen will,
zunächst zu jener Klage greifen kann, die schon dem Erblasser zugestanden
hätte. Der Erbe geht dann so vor, wie wenn es der Erblasser täte, wenn er
noch lebte; er hat den betreffenden Anspruch geerbt
(Tuor/Schnyder/Schmid/Rumo-Jungo, Das Schweizerische Zivilgesetzbuch,
12. Aufl. 2002, S. 664 f., sog. "Sonder- oder Singularklage des Erben").

3.4.2 Zur Erbschaftsklage ist nach Art. 598 Abs. 1 ZGB befugt, "wer auf eine
Erbschaft oder auf Erbschaftssachen als gesetzlicher oder eingesetzter Erbe
ein besseres Recht zu haben glaubt als der Besitzer". Diese Klage stützt sich
auf die blosse Erbberufung des Klägers; darin stimmen sich Rechtsprechung
(BGE 91 II 327 E. 3 S. 331, "une pareille action est fondée sur la vocation
successorale du demandeur"; 45 I 302 E. 2 S. 308) und Lehre überein
(Tuor/Schnyder/Schmid/Rumo-Jungo, a.a.O.; Steinauer, Le droit des
successions, Bern 2006, S. 527 Rz. 1114; Forni/Piatti, a.a.O., N. 1 zu
Art. 598).

3.4.3 Ruft hingegen der Kläger seine Eigenschaft als Erbe nur an, um
darzutun, dass er Inhaber eines Rechtes sei, das dem Erblasser zustand, so
erhebt er, selbst wenn er die Rückgabe der Erbschaftssache verlangt, nicht
eine Erbschaftsklage; er führt diesfalls nur die Klage, die seinem
Rechtsvorgänger zustand (BGE 91 II 327 E. 3 S. 331; 45 I 302 E. 2 S. 308).
Auch hier hat der Kläger seine Erbberufung darzutun, doch bildet sie
diesfalls lediglich ein Mittel zur Rechtfertigung der Sachlegitimation und
nicht - wie bei der Erbschaftsklage - den Klagegrund (Tuor/Picenoni, Berner
Kommentar, N. 4 zu Art. 598 ZGB; Escher, Zürcher Kommentar, N. 1 zu Art. 598
ZGB; Somm, a.a.O., S. 11 f.).
3.4.4 Der Erbe als Kläger hat die Wahl, ob er diese Vermögenswerte mit der
Erbschaftsklage oder mit einer Sonderklage herausverlangen will (Steinauer,
a.a.O., S. 528 Rz. 1115 a.E., mit Hinweisen auf die einhellige Lehre). Er
geht mit Erbschaftsklage vor, wenn er - wie dargelegt - den Anspruch auf
seine Erbberechtigung stützt. Er wählt die Sonderklage, wenn er sich auf sein
Erbrecht nur beruft, um seine Sachlegitimation darzutun, und seinen Anspruch
auf einen einem anderen Rechtsgebiet - z.B. Obligationenrecht - entnommenen
Grund stützt; hierfür steht ihm die Erbschaftsklage nicht zur Verfügung, d.h.
eine derartige, einem bestimmten Rechtsgebiet entnommene, mithin individuelle
Charakterisierung des Anspruchs führt nicht zur Erbschaftsklage
(Tuor/Picenoni, a.a.O., N. 4 zu Art. 598, N. 9 zu Vorbem. zum fünften
Abschnitt; Somm, a.a.O., S. 11 f., mit Hinweisen).

3.4.5 Die Abgrenzung der Erbschaftsklage von einer Sonderklage hängt somit
von der Rechtsgrundlage ab, auf welche sich der Kläger stützt. Ihr kommt
allerdings insoweit eine begrenzte Bedeutung zu, als das Bundesgericht den
Anwendungsbereich der Erbschaftsklage erweitert hat. Nach der Rechtsprechung
ist die Erbschaftsklage auch zulässig, wenn die Eigenschaft des
herausverlangten Vermögenswertes als Erbschaftssache nicht strittig ist, und
der Beklagte einen Sondertitel - wie etwa eine Schenkung des Erblassers -
geltend macht; in solchen Fällen ist die Gültigkeit des Sondertitels
vorfrageweise zu prüfen (BGE 91 II 327 E. 6 337 [Praxisänderung]; BGE 119 II
114 E. 4a S. 116, nach Auseinandersetzung mit der uneinigen Lehre; Steinauer,
a.a.O., S. 531 Rz. 1128 und Fn. 18, welcher diese Auffassung mit weiteren
Hinweisen auf die Lehre bestätigt).

3.5 Um die Natur der hier in Frage stehenden Klage zu ermitteln, sind der
Inhalt der Rechtsbegehren und deren Begründung entscheidend (BGE 130 III 547
E. 2.1 S. 549). Zu prüfen ist im Folgenden, ob der Kläger eine
Erbschaftsklage erhoben hat bzw. ob ihm dieses Rechtsinstitut im vorliegenden
Fall - in Anbetracht seiner Vorbringen und denjenigen der Beklagten - zur
Verfügung steht.

3.5.1 Der Kläger verlangte in seiner Eingabe an das Bezirksgericht Horgen vom
11. August 2004 von den Beklagten 2 und 3 die Herausgabe von 25 einzeln
bezeichneten Kunstwerken, von nicht näher umschriebenen Vermögenswerten und
Erbschaftssachen in deren Besitz sowie die Abtretung von Forderungen, die
ihnen zustehen (Rechtsbegehren A.1 und A.2). Dass er sein Begehren als
"Erbschaftsklage" bezeichnet, ist im Hinblick auf die Frage, ob ein
erbrechtlicher Streit vorliegt, unerheblich. Zur Begründung führt der Kläger
aus, der Erblasser sei an den zwei beklagten liechtensteinischen Anstalten
wirtschaftlich ausschliesslich berechtigt gewesen. Diese besässen
Vermögenswerte, insbesondere Bilder, die früher einmal dem Erblasser gehört
hätten und vor seinem Tod an diese übertragen bzw. diesen gutgeschrieben
worden waren, weshalb sie in den Nachlass gehörten. Der Kläger schildert im
Einzelnen, wie sich diese verschiedenen Vorgänge abgespielt haben sollen. Er
behauptet zudem, dass der Erblasser nie für Dritte aufgetreten sei, sondern
immer ausschliesslich seine eigenen Interessen gewahrt habe. Zwischen diesem
und den Beklagten 2 und 3 habe eine wirtschaftliche Identität bestanden.
Infolgedessen gehörten deren Vermögenswerte in den Nachlass des Erblassers.

3.5.2 Das Herausgabebegehren zielt somit ausschliesslich darauf ab, den
Nachlass des Erblassers um (bestimmte und unbestimmte) Gegenstände und
Forderungen zu vervollständigen, die sich im Verfügungsbereich von zwei
Nichterben befinden. Zwar beruft sich der Kläger auch auf (vertragliche)
Rückgabeansprüche aus einem fiduziarisches Rechtsverhältnis. Dennoch stützt
er sein Begehren in erster Linie auf die Erbberufung. Lediglich im Sinne
einer Vorwegnahme eventueller Einwände der Beklagten wird ausgeführt, die
Konstruktion mittels liechtensteinischer Anstalten habe es dem Erblasser
erlaubt, frei über die Vermögenswerte zu verfügen, und er habe bis zu seinem
Tode darüber auch frei verfügt, weshalb die Beklagten die Vermögenswerte
auszuhändigen hätten. Nicht Gegenstand der Auseinandersetzung bilden hingegen
typische erbrechtliche Fragen wie die Gültigkeit der letztwilligen
Verfügungen, die Erbberechtigung der gesetzlichen und eingesetzten Erben, die
Pflichtteile der gesetzlichen Erbinnen oder die Befugnisse des
Willensvollstreckers. Der Kläger strebt sein Ziel auf dem Wege einer
Erbschaftsklage an.

3.5.3 Die Beklagte 3 betont mit Bezug auf ihre Geltendmachung eines besseren
Rechts an den Erbschaftssachen, dass nur in dem Fall, der im Jahre 1965 zur
Praxisänderung geführt hatte (vgl. E. 3.4.5), sowohl die Erbberechtigung des
Klägers wie auch die Herausgabe von Vermögenswerten des Erblassers strittig
war. Dies trifft zu; indessen kann sie daraus nichts für sich ableiten. Das
Bundesgericht entschied bei dieser Konstellation, dass die beiden Begehren
kumuliert werden können (BGE 91 II 327 E. 3 S. 331 f.). Hingegen lag dem
Fall, welcher zur Bestätigung dieser Rechtsprechung führte (BGE 119 II 114),
nur ein Herausgabebegehren gegen einen Dritten auf einen bestimmten
Gegenstand zugrunde. Der Kläger war unbestrittenermassen eingesetzter Erbe
(vgl. BGE 119 II 114 E. 4a S. 116). Entscheidend für die Zulässigkeit der
Erbschaftsklage war indes in beiden Fällen die Argumentation von Leuch (vgl.
BGE 91 II 327 E. 6 S. 336), wonach das Begehren gegen einen Beklagten
gerichtet sei, der das Erbrecht des Klägers verletze, indem er am Besitz der
Erbschaftssache festhalte. Dies geschehe unter Hinweis auf ein erbrechtliches
Motiv oder auf einen Sondertitel. Der Beklagte bzw. Besitzer verletze das
Erbrecht ausdrücklich, wenn er selbst das Erbrecht beansprucht; er verletze
es tatsächlich, wenn er überhaupt keinen Rechtsgrund für seinen Besitz anrufe
oder wenn er einen besonderen - nicht erbrechtlichen - Rechtsgrund anrufe.
Die Erbschaftsklage sei auf jeden Fall abzuweisen, wenn der Sondertitel (z.B.
Schenkung, Kauf, oder Miete) sich als gültig erweise. Um einen solchen
Einwand überhaupt prüfen zu können, müsse dem Richter die Gelegenheit gegeben
werden, vorfrageweise zum Sondertitel Stellung zu nehmen. Diese Argumentation
hat nach wie vor Gültigkeit. Soweit das Bundesgericht davon zwischenhinein -
ohne Bezugnahme auf die massgebliche Rechtsprechung und in einer Sache, deren
Streitpunkt ausserhalb des Erbrechts lag - abgewichen ist (BGE 98 II 88 E. 3
S. 95), kann daran nicht festgehalten werden.

3.5.4 Im vorliegenden Fall sind die beiden Beklagten unbestrittenermassen
Nichterben. Die Beklagte 2 trug in ihrer Klageantwort vom 8. Dezember 2004
vor, dass der Erblasser weder Inhaber der Gründerrechte an ihr noch ein von
ihr Begünstigter gewesen sei, sondern ausschliesslich ein Vollmachtträger.
Damit gehörten ihre Aktiven nicht in den Nachlass. Überdies habe sie die
verlangten Kunstgegenstände unentgeltlich an die Beklagte 3 zu Eigentum
übertragen. Die Beklagte 3 berief sich in ihrer Klageantwort vom 8. Dezember
2004 auf den Erwerb der herausverlangten Kunstwerke von der Beklagten 2.
Zudem behauptete sie, dass der Erblasser zur Zeit des Todes keine
Gründerrechte mehr an ihr hatte. Damit gehören ihrer Ansicht nach weder die
strittigen Kunstwerke noch ihre Aktiven in den Nachlass. Aufgrund dieser
Einwände wird ein Sondertitel in Gestalt der Schenkung zu prüfen sein,
welcher der Herausgabe entgegen stehen kann. Zudem wird die wirtschaftliche
Berechtigung des Erblassers im weitesten Sinn an den beiden Beklagten
auszuleuchten sein. Diese aktuelle Ausgangslage spricht gemäss den
voranstehenden Überlegungen für die Behandlung des Herausgabebegehrens als
Erbschaftsklage und infolgedessen für die Annahme einer erbrechtlichen
Streitigkeit im Sinne von Art. 86 Abs. 1 IPRG. Damit ist die schweizerische
Zuständigkeit gegeben.

4.
4.1 Weiter ist zu prüfen, ob das Auskunftsbegehren vom Anknüpfungsbegriff der
"erbrechtliche Streitigkeiten" gemäss Art. 86 Abs. 1 IPRG erfasst ist.
Entscheidend ist, ob dem Willensvollstrecker als Kläger nach dem Erbstatut -
d.h. hier nach schweizerischem Recht - ein gesetzliches Informationsrecht
gegen die Beklagten als Nichterben zur Verfügung steht (vgl. E. 3.3).
4.2 Der Kläger verlangt in seiner Eingabe an das Bezirksgericht Horgen vom
11. August 2004 von den Beklagten 2 und 3 nicht nur die Herausgabe von 25
einzeln bezeichneten Kunstwerken und aller Vermögenswerte und
Erbschaftssachen im Besitz der Beklagten 2 und 3 bzw. die Abtretung aller
Forderungen, über welche diese verfügen. Er verlangt von den Beklagten 2 und
3 zudem, dass sie bezüglich sämtlicher im Herausgabebegehren genannten Werte,
soweit sie nicht mehr in deren Besitz seien bzw. sie darüber nicht mehr
verfügen können, mitteilen, wem sie sie übergeben bzw. übertragen haben und
auf welche Anweisung hin dies geschehen sei (Rechtsbegehren B). Entscheidend
für die Qualifizierung dieses Begehrens als erbrechtlicher Streit ist auch
hier nicht die Bezeichnung, sondern dessen Umschreibung und die Begründung,
mit welcher die gewünschten Informationen verlangt werden (vgl. E. 3.5). Der
Kläger rechtfertigt seinen Auskunftsanspruch mit Hinweisen auf die Lehre,
wonach Art. 607 Abs. 3 und Art. 610 Abs. 2 ZGB auch gegenüber Dritten analog
anzuwenden sei. Zudem stehe ihm dieses Recht als Korrelat zum
Herausgabeanspruch, nämlich aus seinem Recht auf Besitz am Nachlass, zu. Er
könne nur aufgrund der geforderten Informationen seiner Aufgabe als
Willensvollstrecker nachkommen. Überdies sei er von den beiden gesetzlichen
Erbinnen beauftragt worden, die ihnen zustehenden Auskunftsansprüche
ebenfalls geltend zu machen. Schliesslich schildert er die
Vertragsbeziehungen zwischen dem Erblasser und den Beklagten, welche ihm
ebenfalls einen Anspruch auf Auskunftserteilung verschaffen würden.

4.2.1 Nach Art. 610 Abs. 2 ZGB haben die Erben einander jede Auskunft zu
erteilen, die für die korrekte Teilung des Nachlasses nach Gesetz oder
letztwilliger Verfügung erforderlich ist. Gemeint sind damit alle Angaben,
die bei einer objektiven Betrachtungsweise möglicherweise geeignet
erscheinen, die Teilung in irgendeiner Weise zu beeinflussen (BGE 127 III 396
E. 3 S. 402). Dem Willensvollstrecker steht der Auskunftsanspruch gegenüber
den Erben im Hinblick auf die Durchführung der Erbteilung in gleicher Weise
zu, wie er diese über die für ihre Erbansprüche wesentlichen Tatsachen zu
unterrichten hat (BGE 90 II 365 E. 3b S. 373). Das Erbrecht statuiert neben
der Auskunftspflicht unter Erben einzig die Pflicht eines jeden, den Behörden
bei der Errichtung eines öffentlichen Inventars alle verlangten Aufschlüsse
über die Vermögensverhältnisse des Erblassers zu erteilen (Art. 581 Abs. 2
ZGB). Zwar kennt unser Privatrecht grundsätzlich keinen allgemeinen
Informationsanspruch, was insbesondere im Vertragsrecht auf die Vorstellung
von eigenverantwortlichen Parteien zurückgeht (vgl. Merz, Berner Kommentar,
N. 270 ff. zu Art. 2 ZGB). Gleichwohl wird die geltende Regelung der
Auskunftspflicht von der Lehre gelegentlich als lückenhaft bezeichnet, was
mit den Vorstellungen des historischen Privatrechtsgesetzgebers
zusammenhängen soll, wonach Auskunftsrechte prozessualer Natur seien und
damit vom kantonalen Recht zu regeln sind (Andreas Schröder,
Informationspflichten im Erbrecht, Diss. Zürich 1999, S. 43, S. 126/127, mit
Hinweisen).

4.2.2 Die Lehre unterscheidet beim erbrechtlichen Informationsanspruch des
Erben, ob eine erbrechtliche Verpflichtung des Dritten ihm gegenüber besteht
oder nicht (vgl. Schröder, a.a.O., S. 146, S. 151). Ist dies nicht der Fall,
so wird das Auskunftsrecht verschieden begründet. Gewisse Autoren weisen auf
die Erbenstellung hin (Druey, Grundriss des Erbrechts, 5. Aufl. 2002, S. 174,
§ 13 Rz. 14; Thomas Leimgruber, Die Befugnisse des einzelnen Miterben beim
Erbgang und bei der Nachlassverwaltung, Diss. Basel 1978, S. 39 f.). Nach
anderer Auffassung wird eine analoge Anwendung von Art. 607 Abs. 3 und
Art. 610 Abs. 2 ZGB verlangt (Adriano Oswald, Die Auskunftspflicht im
Erbgang, Diss. Zürich 1976, S. 75 ff., S. 82 ff.). Schliesslich wird sogar
eine analoge Anwendung von Art. 170 Abs. 2 ZGB gefordert (Schröder, a.a.O.,
S. 149 f.). Besteht möglicherweise eine erbrechtliche Verpflichtung des Erben
gegenüber Dritten, aber keine materiellrechtliche Sonderverbindung, so
schlägt die Lehre überwiegend eine analoge Heranziehung von Art. 607 Abs. 3
und Art. 610 Abs. 2 ZGB vor (Schröder, a.a.O., S. 151 ff., S. 153 f.;
Brückner/Weibel, Die erbrechtlichen Klagen, 2. Aufl. 2006, S. 21, Rz. 31
Anm. 46; im Ergebnis gl.M. Druey, Information als Gegenstand des Rechts,
Zürich 1995, S. 336). Das Fehlen einer solchen Sonderverbindung wird etwa mit
dem Beispiel relativiert, dass der Gesetzgeber selber den Pflichtteil
bestimmter Erben schütze, weshalb sie ihr Recht gegenüber dem
Schenkungsempfänger, der nicht Erbe sei, mit einer Herabsetzungsklage
durchsetzen könnten. Dafür brauche der Erbe vom Dritten die gleichen
Informationen wie von einem Miterben. Diese Überlegungen gälten im Übrigen
auch gegenüber dem Erbschaftsbesitzer (Schröder, a.a.O., S. 154, mit
Hinweisen).

4.2.3 Die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu dieser Frage ist nicht sehr
ergiebig. In einem Urteil aus dem Jahre 1963 wird festgehalten, dass sich die
angesprochene Bank (also ein Dritter) gegenüber den Erben ihres Kunden nicht
auf das Bankgeheimnis berufen könne, da jedem Erben das Recht auf Kenntnis
über den Nachlass zustehe, um seine Rechte geltend zu machen (BGE 89 II 87
E. 6 S. 93). Alsdann verpflichtete das Bundesgericht einen
Willensvollstrecker im Hinblick auf eine mögliche Herabsetzungsklage
gegenüber den Erben zur Auskunftserteilung betreffend die Zuwendungen des
Erblassers an eine Stiftung, deren Stiftungsorgan er war. Zwar nehme die
Stiftung nicht selber am Erbgang teil und könne daher aufgrund erbrechtlicher
Bestimmungen nicht zur Auskunft verpflichtet werden. Ein Willensvollstrecker
sei gegenüber den Erben auskunftspflichtig, selbst wenn die Stellung als
Stiftungsorgan eine Interessenkollision mit sich bringe. Gegenüber dem
legitimen Interesse der Erben an Information über allfällige Geldleistungen
an die Stiftung müsse das Geheimhaltungsinteresse der Stiftung zurücktreten
(BGE 90 II 365 E. 3c und d S. 373 ff.).
4.2.4 Nicht entscheidend für die Beantwortung der Frage, gegenüber wem der
Erbe auskunftsberechtigt ist, ist seine Informationsnot. Das geltende
Privatrecht kennt, wie bereits angeführt, keinen allgemeinen
Informationsanspruch, der Platz greift, wo immer Informationen geeignet
wären, Rechtsansprüche zu verwirklichen (E. 4.2.1). Daraus ergibt sich, dass
jeder geltend gemachte Auskunftsanspruch, der sich nicht unmittelbar aus dem
Gesetz ergibt, sorgfältig auf seine Berechtigung geprüft werden muss. Tritt
ein Erbe kraft Universalsukzession an die Stelle des Erblassers (Art. 560
ZGB), so besteht kein Bedarf, ihm über das aufgrund einer Vertragsbeziehung -
beispielsweise mit der Bank - bestehende und nun durch Erbrecht erworbene
Auskunftsrecht hinaus noch ein eigenes erbrechtliches Auskunftsrecht
einzuräumen (Schröder, a.a.O., S. 148). Sind mehrere Erben vorhanden, treten
sie gemeinsam an die Stelle des Erblassers, da unser Erbrecht keine
Singularsukzession kennt (Schwander, Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch II,
2. Aufl. 2003, N. 2 zu Art. 560). Damit stellt sich die Frage, ob dem
einzelnen Erben gegenüber Dritten gleichwohl ein eigenes Auskunftsrecht
zusteht, bzw. wie sich ein solches erbrechtlich rechtfertigen liesse. Die in
der Literatur vertretene Lösung einer analogen Anwendung von Art. 170 ZGB
(Schröder, a.a.O., S. 149 ff.) wäre erst dann zu prüfen, wenn sich weder ein
ererbtes (Steinauer, a.a.O., S. 580, Rz. 1246c) noch ein im Erbrecht originär
verankertes Auskunftsrecht begründen liesse. Richtet sich der
Informationsanspruch gegen einen Dritten, der dem Erben möglicherweise
erbrechtlich verbunden ist, wie der Empfänger einer Schenkung im Hinblick auf
eine allfällige Herabsetzungsklage, so postuliert die (bereits erwähnte)
Lehre ein Auskunftsrecht analog der Regelung unter Miterben (Art. 607 Abs. 3
und Art. 610 Abs. 2 ZGB). Ein solcher Anspruch wird im Wesentlichen mit der
Gleichbehandlung von Miterben und Nichterben bei der Herabsetzung begründet.
Die gleiche Interessenlage bestehe gegenüber dem Dritten als
Erbschaftsbesitzer (Schröder, a.a.O., S. 153 f. mit Hinweisen). Dieser
Vorschlag überzeugt, denn er erlaubt, eine vom Gesetzgeber nicht bedachte
Einschränkung der Informationsrechte auf die Miterben zu durchbrechen.

4.2.5 Im vorliegenden Fall richtet sich das Auskunftsbegehren gegen zwei
Nichterben. Es wird vom Kläger als Korrelat zum Herausgabeanspruch geltend
gemacht. In der Tat hängt das Schicksal des Auskunftsbegehrens vollumfänglich
von der Beurteilung des Herausgabebegehrens ab. Sollte sich der Kläger mit
letzterem in allen Punkten durchsetzen, so wird ersteres hinfällig. Im
gegenteiligen Fall wird das Auskunftsbegehren ihm bei gegebenen
Voraussetzungen ermöglichen, ein weiteres Herausgabebegehren gegen die nun
bekannten Besitzer bzw. Berechtigten zu prüfen. Daraus ergibt sich, dass das
Auskunftsbegehren dem Herausgabebegehren folgend ebenfalls als von
erbrechtlicher Natur im Sinne von Art. 86 Abs. 1 IPRG zu qualifizieren ist.
Damit ist auch hierfür die schweizerische Zuständigkeit gegeben.

4.2.6 Ob die beiden pflichtteilsgeschützten Erbinnen ihren Auskunftsanspruch
an den Willensvollstrecker abtreten können, wie er in der Klagebegründung vom
11. August 2004 geltend macht, braucht bei diesem Ergebnis nicht mehr geprüft
zu werden.

5.
Nach dem Gesagten ist den Berufungen insgesamt kein Erfolg beschieden.
Ausgangsgemäss tragen die Berufungsklägerinnen die Gerichtskosten (Art. 156
Abs. 1 OG). Sie schulden dem Kläger je eine Parteientschädigung (Art. 159
Abs. 2 OG). Die Nebenintervenientin trägt praxisgemäss ihre eigenen Kosten.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Verfahren 5C.261/2005 und 5C.262/2005 werden vereinigt.

2.
Die Berufungen werden abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

3.
Die Gerichtsgebühr von insgesamt Fr. 10'000.-- wird den Berufungsklägerinnen
je zur Hälfte auferlegt.

4.
Die Berufungsklägerinnen werden verpflichtet, dem Berufungsbeklagten eine
Parteientschädigung von je Fr. 12'000.-- zu bezahlen.

5.
Der Nebenintervenientin T.________ wird keine Parteientschädigung zu
gesprochen.

6.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Zürich, I.
Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 2. Mai 2006

Im Namen der II. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: