Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilabteilung 5C.39/2005
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5C.39/2005 /blb

Urteil vom 4. August 2005
II. Zivilabteilung

Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichterin Escher, Bundesrichter Meyer,
Bundesrichterin Hohl, Bundesrichter Marazzi,
Gerichtsschreiber Levante.

W. ________,
Kläger, Berufungskläger und Anschlussberufungsbeklagter,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Hansjakob Zellweger,

gegen

1.X.________,
2.Y.________,
beide vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Frank Th. Petermann,
3.Z.________,
Beklagte, Berufungsbeklagte und
Anschlussberufungskläger.

Übertragung eines landwirtschaftlichen Gewerbes,

Berufung gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Thurgau vom 21.
Dezember 2004.

Sachverhalt:

A.
Am 2. August 1995 verstarb Landwirt V.________. Er hinterliess den
Landwirtschaftsbetrieb L.________ in M.________ im Halte von rund 18 Hektaren
Kulturland und etwas Wald. Gesetzliche Erben des Verstorbenen sind seine drei
Geschwister X.________ und Y.________ sowie Z.________. W.________, der Sohn
von Z.________ und Neffe des Erblassers, verfügt über einen
landwirtschaftlichen Fähigkeitsausweis und ist seit 1995 Pächter des
L.________. Am 27. Oktober 1995 erklärte W.________ gegenüber den drei
gesetzlichen Erben, das Kaufsrecht im Sinne von Art. 25 des Bundesgesetzes
vom 4. Oktober 1991 über das bäuerliche Bodenrecht (BGBB; SR 21.412.11) am
landwirtschaftlichen Gewerbe L.________ zum Ertragswert auszuüben. Im
Frühjahr 1996 kaufte er von der Erbengemeinschaft das gesamte lebende und
tote Inventar mit einem Gesamtkaufpreis von Fr. 173'834.--. In diesem Umfang
gewährte die Erbengemeinschaft dem Käufer ein Darlehen.
Die Erbengemeinschaft verweigerte W.________ die Übernahme des Betriebs mit
der Begründung, das landwirtschaftliche Gewerbe sei wegen seiner ungünstigen
Betriebsstruktur nicht mehr erhaltungswürdig. Das Landwirtschaftsamt des
Kantons Thurgau verwarf diesen Einwand mit Feststellungsentscheid vom 11.
Dezember 2000. Die dagegen erhobenen Rechtsmittel blieben ohne Erfolg
(zuletzt Urteil 5A.15/2002 des Bundesgerichts vom 27. September 2002).

B.
Am 14. September 1999 klagte W.________ gegen X.________ und Y.________ sowie
Z.________ auf Übertragung des Eigentums am landwirtschaftlichen Gewerbe zum
Ertragswert. Das Grundbuchamt A.________ sei anzuweisen, ihn Zug um Zug mit
der Erstattung des Übernahmepreises als neuen Eigentümer einzutragen. Der von
der ersten Instanz eingesetzte Gutachter G.________ schätzte den Verkehrswert
des landwirtschaftlichen Gewerbes per Dezember 2000 insgesamt auf Fr.
2'078'800.-- und per August 1995 auf Fr. 2'301'900.--. Mit Schreiben der
Steuerverwaltung vom 6. Februar 2001 hielt diese fest, dass der Ertragswert
per 1989 Fr. 238'500.-- und per 10. September 1998 Fr. 324'800.-- betrage.
Mit Urteil vom 20. Februar 2003 übertrug das Bezirksgericht Münchwilen das
Eigentum am landwirtschaftlichen Gewerbe L.________ zu einem Übernahmepreis
von Fr. 500'000.-- (Übernahme der bestehenden Grundpfandschulden und
Barzahlung des Restbetrages) auf den Kläger und wies das Grundbuchamt
A.________ an, diesen als neuen Kläger einzutragen, sobald der Kaufpreis
bezahlt sei.

C.
Beide Parteien erhoben Berufung beim Obergericht des Kantons Thurgau. Der
Kläger verlangte die Festlegung des Übernahmepreises auf Fr. 324'800.--, die
Beklagten X.________ und Y.________ verlangten einen Übernahmepreis von Fr.
1'081'673.--. Z.________ liess sich nicht vernehmen. Das Obergericht gab den
Parteien Gelegenheit, eine Ertragswertschätzung einzureichen. Mit Schreiben
vom 12. Oktober 2004 reichte der Kläger den mit Rechtskraftbescheinigung
versehenen Entscheid des Landwirtschaftsamtes vom 30. August 2004 betreffend
Genehmigung der Schätzung des Ertragswerts im Sinne von Art. 87 Abs. 2 BGBB
ein. Der Kläger teilte mit, nach dieser Schätzung betrage der massgebliche
Ertragswert für den Landwirtschaftsbetrieb L.________ ohne Pächterinvestition
Fr. 289'600.--. Die Beklagten verzichteten auf eine Stellungnahme. In seinem
Urteil vom 21. Dezember 2004 ging das Obergericht des Kantons Thurgau von
einem Ertragswert von Fr. 289'600.-- aus. Es nahm indessen besondere Umstände
an, die eine Erhöhung des Übernahmepreises rechtfertigen und gelangte
schliesslich in seinem Urteil vom 21. Dezember 2004 zu einem Preis von Fr.
570'000.--.

D.
Gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Thurgau vom 21. Dezember 2004
erhob der Kläger staatsrechtliche Beschwerde und Berufung. In der Berufung
stellt er den Antrag, der Übernahmepreis sei auf Fr. 324'800.-- festzulegen,
eventuell sei die Streitsache an die Vorinstanz zurückzuweisen. In ihrer
Berufungsantwort und Anschlussberufung beantragen die Beklagten die Abweisung
der Berufung und Festsetzung des Übernahmepreises auf Fr. 1'081'673.--. Der
Kläger stellt den Antrag, die Anschlussberufung sei abzuweisen.

E.
Mit Urteil 5P.38/2005 vom 29. Juli 2005 hat das Bundesgericht die
staatsrechtliche Beschwerde abgewiesen, soweit darauf eingetreten wurde.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Der Rechtsstreit um den Übernahmepreis beim Kaufsrecht gemäss Art. 25 BGBB
kann wegen Verletzung der privatrechtlichen Vorschriften des BGBB mit
Berufung an das Bundesgericht getragen werden (Art. 43 OG). Der erforderliche
Streitwert ist ohne weiteres erreicht (Art. 46 OG). Der Kläger ist als
Kaufberechtigter zur Berufung legitimiert. Die beklagten Mitglieder der
Erbengemeinschaft sind als notwendige Streitgenossenschaft passiv
legitimiert. Allerdings hat sich Z.________ der Klage durch entsprechende
Erklärung im kantonalen Verfahren von allem Anfang an unterzogen. Die
(zulässige) Erklärung, sie sei zum Voraus bereit, sich dem Urteil zu
unterziehen, ist auch im vorliegenden Verfahren zu beachten (BGE 100 II 440
E. 1 S. 441).

2.
Der Kläger wirft dem Obergericht eine Verletzung von Art. 8 ZGB vor.

2.1 Diese Bestimmung gibt der beweisverpflichteten Partei in allen
Zivilrechtsstreitigkeiten unter anderem einen bundesrechtlichen Anspruch
darauf, für rechtserhebliche Sachvorbringen zum Beweis zugelassen zu werden,
wenn ein tauglicher Beweisantrag nach Form und Inhalt den Vorschriften des
kantonalen Rechts entspricht. Art. 8 ZGB ist deshalb insbesondere dann
verletzt, wenn der Richter taugliche und formgültig beantragte Beweise zu
rechtserheblichen Tatsachen nicht abnimmt, obwohl er die Sachvorbringen dazu
weder als erstellt noch als widerlegt erachtet. Wo der Richter dagegen in
Würdigung von Beweisen zur Überzeugung gelangt, eine Tatsachenbehauptung sei
bewiesen oder widerlegt, ist die Beweislastverteilung gegenstandslos, denn
Art. 8 ZGB regelt die Folgen der Beweislosigkeit und verbietet nicht
antizipierte Beweiswürdigung (BGE 114 II 289 E. 2a S. 290 f.; 123 III 219 E.
3c S. 223; 128 III 22 E. 2d S. 25).

2.2 Der Kläger führt aus, das Obergericht spreche immer wieder von einem
landwirtschaftlichen Einkommen von jährlich Fr. 67'000.--. Das
Jahreseinkommen spiele bei der Tragbarkeitsüberlegung der Vorinstanz eine
grosse Rolle. Dieses sei aber weder in einem Beweisverfahren erhoben worden,
noch habe es aus im Recht liegenden Akten schlüssig abgeleitet werden dürfen.
Die vom Obergericht getroffene Annahme verletze Art. 8 ZGB, weil der Kläger
bezüglich seiner finanziellen Verhältnisse das Beweismittel der persönlichen
Befragung angeboten habe. Das Einkommen des Klägers habe seit 1999 bei weitem
nie mehr Fr. 67'000.-- erreicht.
Das Obergericht hat auf die nicht bestrittenen Einkünfte 1998/1999 von Fr.
67'740.05 und zudem auf die Einkünfte des Vorjahres im Betrag von Fr.
33'807.65 sowie auf die unbestrittenen Nebeneinkünfte von Fr. 2'033.15
hingewiesen. Es hat weiter ausgeführt, diese Zahlen seien ohne Zweifel nicht
mehr aktuell - seither seien fünf weitere Betriebsjahre vergangen - und
eigneten sich nur beschränkt für die Beurteilung der konkreten Situation und
der Zukunftsperspektiven. Nachdem insbesondere der Beschwerdeführer diese
Fakten aber nicht substanziiert bestritten, sondern lediglich
Schlussfolgerungen daraus kritisiert habe, könne auf diese Zahlen abgestellt
werden.
Vorliegend hat das Obergericht nicht auf Beweislosigkeit erkannt, so dass
Art. 8 ZGB nicht anwendbar ist. Vielmehr hat es gestützt auf die
eingereichten Jahresabschlüsse seine Schlussfolgerungen für die Folgejahre
gezogen. Der Kläger verkennt, dass diese Schlussfolgerungen auf
Beweiswürdigung beruhen, welche im vorliegenden Verfahren im Hinblick auf
einen Verstoss gegen das Willkürverbot nicht überprüft werden können (Art. 9
BV; Art. 43 Abs. 1 OG). Er beruft sich vergeblich darauf, im kantonalen
Verfahren das Beweismittel der persönlichen Befragung offeriert zu haben. Ob
im Rahmen der Beweiswürdigung das Absehen von der Erhebung weiterer
Beweismittel (vgl. E. 2.1) ohne Verletzung des Willkürverbotes erfolgt ist,
kann nur mit staatsrechtlicher Beschwerde überprüft werden. Die Rüge einer
Verletzung von Art. 8 ZGB geht daher fehl.

2.3 Der Kläger macht eine Verletzung von Art. 8 ZGB auch deshalb geltend,
weil das Obergericht die Finanzierbarkeit und Tragbarkeit eines
Übernahmepreises von Fr. 570'000.-- bejaht habe, ohne darüber Beweis zu
führen. Er habe wiederholt darauf hingewiesen, dass er notgedrungen in eine
massive Überschuldungssituation gedrängt werde, wenn fast der doppelte
Ertragswert als Übernahmepreis festgelegt werde. Das Obergericht hat indessen
ausführliche Erwägungen zur Tragbarkeit und Finanzierbarkeit des von ihm
festgelegten Übernahmepreises angestellt und in diesem Zusammenhang
zahlreiche Beweise gewürdigt. Mit der blossen, nicht weiter belegten
Behauptung, das Obergericht habe seine Schlussfolgerungen ohne beweismässige
Abklärung getan, kommt er den differenzierten Überlegungen des Obergerichts
nicht bei, zumal er nicht ausführt, welche tauglichen und formgültig
beantragten Beweise das Gericht nicht abgenommen hat.

3.
Das Obergericht hat mit Recht festgehalten, bei der Festlegung des
Übernahmepreises sei zunächst der Ertragswert festzulegen (Art. 27 i.V.m.
Art. 44 BGBB), und es hat zutreffend erkannt, dass dieser aufgrund der
bundesrechtlichen Kriterien (Art. 10 BGBB) von der zuständigen Behörde
verbindlich bestimmt worden ist (Art. 87 BGBB). Es hat richtig festgestellt,
dass dieser im vorliegenden Fall Fr. 289'000.-- beträgt. Dieser Wert wird von
den Parteien nicht substantiiert in Frage gestellt. Ebenfalls zutreffend hat
das Obergericht ausgeführt, die Frage, ob dieser Wert zu erhöhen sei, werde
in zwei Schritten geprüft. Zuerst sei abzuklären, ob besondere Umstände
vorliegen, die eine Erhöhung rechtfertigen. Sei dies zu bejahen, müsse in
einem zweiten Schritt die Angemessenheit der Erhöhung geprüft werden (so auch
Studer, Das bäuerliche Bodenrecht, Kommentar zum BGBB, N. 9 zu Art. 18).

4.
Das Obergericht hat verschiedene Umstände als preiserhöhend anerkannt.
Insbesondere hat es verschiedene Investitionen aufgerechnet, die der
Erblasser in den letzten zehn Jahren vor seinem Tod getätigt hatte (Art. 18
Abs. 3 BGBB). Der Kläger macht geltend, es seien nur die Investitionen zu
berücksichtigen, die in den letzten zehn Jahren vor der Veräusserung getätigt
worden seien (Art. 52 Abs. 2 BGBB). Da die Veräusserung erst mit der
Rechtskraft des Urteils im vorliegenden Klageverfahren stattfinde, lägen
sämtliche vom Obergericht anerkannten Investitionen, welche
unbestrittenermassen anfangs der 90er-Jahre getätigt worden seien, mehr als
zehn Jahre zurück und seien daher nicht mehr zu berücksichtigen.

4.1 Das Gesetz ist in erster Linie nach seinem Wortlaut auszulegen. Ist der
Text nicht ganz klar und sind verschiedene Auslegungen möglich, so muss nach
seiner wahren Tragweite gesucht werden unter Berücksichtigung aller
Auslegungselemente, namentlich des Zwecks, des Sinnes und der dem Text zu
Grunde liegenden Wertungen. Wichtig ist ebenfalls der Sinn, der einer Norm im
Kontext zukommt. Vom klaren, d.h. eindeutigen und unmissverständlichen
Wortlaut darf nur ausnahmsweise abgewichen werden, wenn triftige Gründe dafür
vorliegen, dass der Wortlaut nicht den wahren Sinn der Bestimmung wiedergibt.
Solche Gründe können sich aus der Entstehungsgeschichte der Bestimmung, aus
ihrem Grund und Zweck oder aus dem Zusammenhang mit andern Vorschriften
ergeben (BGE 130 V 49 E. 3.2.1 S. 50; 129 II 114 E. 3.1 S. 118; 121 III 460
E. 4a/bb S. 465).

4.2 Im Rahmen der Erbteilung (1. Kapitel, Art. 11 ff. BGBB) wird das
landwirtschaftliche Gewerbe sowohl dem selbstbewirtschaftenden Erben (Art. 17
BGBB), als auch dem kaufberechtigten Verwandten (Art. 27 i.V.m. Art. 44 BGBB)
zum Ertragswert angerechnet. Auch im Rahmen von Veräusserungsgeschäften (3.
Kapitel, Art. 40 ff. BGBB) können die vorkaufsberechtigten Verwandten das
landwirtschaftliche Gewerbe zum Ertragswert erwerben (Art. 44 BGBB). Sowohl
bei der Erbteilung (Art. 18 BGBB), als auch bei den Veräusserungsgeschäften
(Art. 52 BGBB) sind Gründe vorgesehen, welche zu einer angemessenen Erhöhung
des Anrechungswerts, bzw. des Übernahmepreises führen. Beide Bestimmungen
lauten im Wesentlichen gleich: Sie verlangen für eine Erhöhung besondere
Umstände (Art. 18 Abs. 2 und Art. 52 Abs. 1 BGBB). Als besondere Umstände
gelten namentlich der höhere Ankaufswert des Gewerbes sowie alle erheblichen
Investitionen der letzten zehn Jahre (Art. 18 Abs. 3 und Art. 52 Abs. 2
BGBB). Ein wesentlicher Unterschied der beiden Bestimmungen besteht darin,
dass im Rahmen der Erbteilung die Investitionen angesprochen werden, die der
Erblasser in den letzten zehn Jahren vor seinem Tod getätigt hat, während im
Rahmen der Veräusserungsgeschäfte der Veräusserer eine angemessene Erhöhung
für Investitionen verlangen kann, die in den letzten zehn Jahren vor der
Veräusserung getätigt worden sind. Art. 27 Abs. 1 BGBB bestimmt, dass das im
Rahmen der Erbteilung ausgeübte Kaufsrecht unter den Voraussetzungen und zu
den Bedingungen ausgeübt werden kann, die für das Vorkaufsrecht gelten. Die
Bestimmung verweist damit für die Voraussetzungen und Bedingungen klar und
eindeutig auf das Vorkaufsrecht. Auch nach der Botschaft richtet sich eine
Erhöhung des Übernahmepreises nach den vorkaufsrechtlichen Bestimmungen (BBl
1988 III S. 1007). Aus Sinn und Zweck der Vorschrift ergibt sich nichts
anderes. Durch die Gleichstellung von Kaufsrecht und Vorkaufsrecht soll die
identische rechtspolitische Zielsetzung unterstrichen werden (BBl 1988 III S.
1007). Dies bedeutet, dass Art. 52 BGBB und nicht Art. 18 BGBB die
massgeblichen Regeln über die Erhöhung des Übernahmepreises enthält.

4.3 Sowohl die Botschaft (BBl 1988 III S. 1029) als auch die Lehre (Reinhold
Hotz, Das bäuerliche Bodenrecht, Kommentar zum BGBB, N. 4 zu Art. 52; Yves
Donzallaz, Commentaire de la loi fédérale du 4 octobre 1991 sur le nouveau
droit foncier rural, N. 472 zu Art. 52; Stalder, in: Koller [Hrsg.], Der
Grundstückkauf, 2. Aufl. 2001, § 6 N. 155, S. 343) gehen ohne weitere
Erläuterungen davon aus, dass Art. 52 Abs. 1 und 2 BGBB die Erhöhung des
Übernahmepreises gleich regelt wie Art. 18 Abs. 2 und 3 BGBB und sie
übergehen dabei, dass der Fristenlauf anders geordnet ist. Während bei der
Erbteilung, wo es um die Aufteilung der Erbmasse vorab unter die Erben geht,
nur die Investitionen eine Rolle spielen können, welche der Erblasser zu
seinen Lebzeiten bis zu seinem Tod getätigt hat, können bei den
Veräusserungsgeschäften die Investitionen von Bedeutung sein, die der
Veräusserer bis zum Zeitpunkt der Veräusserung getätigt hat. Sowohl das
Vorkaufs- als auch das Kaufsrecht sind Gestaltungsrechte, deren
rechtswirksame Ausübung Rechte und Pflichten wie aus einem gewöhnlichen
Kaufvertrag begründet (BGE 121 III 210 E. 3c S. 212; 109 II 219 E. 2b S.
222). Im Zeitpunkt der Ausübung des Kaufs- bzw. Vorkaufsrechts wird das
Gewerbe veräussert. Der massgebliche Zeitpunkt für die Auslösung der Frist
gemäss Art. 52 Abs. 2 i.V.m. Art. 27 BGBB ist daher der 27. Oktober 1995. Es
können als besondere Umstände für die angemessene Erhöhung des
Übernahmepreises die erheblichen Investitionen berücksichtigt werden, die in
den letzten zehn Jahren vor diesem Datum getätigt worden sind. Diese
Voraussetzung ist bei sämtlichen in Betracht fallenden Investitionen erfüllt.

4.4 Dabei wird nicht verkannt, dass bei der Erbteilung für die Übernahmewerte
von Grundstücken der Zeitpunkt der Teilung massgeblich ist, was bedeutet,
dass möglichen Wertveränderungen aufgrund überlanger Prozessdauern Rechnung
zu tragen ist (Urteil 5C.40/2001 vom 23. Mai 2001 E. 3d; Escher/Escher,
Zürcher Kommentar, N. 7 zu Art. 618 ZGB; Schaufelberger, Basler Kommentar,
Zivilgesetzbuch II, 2. Aufl. 2003, N. 2a zu Art. 617 ZGB). Ist das Kaufsrecht
umstritten, kann sich der Zeitpunkt des Eigentumsübergangs auch verzögern.
Dies ändert jedoch nichts an der Frist gemäss Art. 52 BGBB, welche auf den
Zeitpunkt der Veräusserung, d.h. der Ausübung des Kaufs- bzw. Vorkaufsrechts
abstellt. Andernfalls könnte die interessierte Partei durch eine Verzögerung
des Verfahrens erreichen, dass erhebliche Investitionen aus der Bewertung
fallen. Hinzu kommt, dass beim Kaufsrecht der Verwandten im Sinne von Art. 25
ff. BGBB der Übernahmepreis in der Grössenordnung liegen sollte, wie er bei
der Erbteilung errechnet würde, was bedeutet, dass die massgeblichen
Zeitpunkte nicht erheblich auseinander fallen sollten. Bei Art. 52 BGBB endet
der massgebliche Zeitraum mit der Ausübung des Kaufs- bzw. Vorkaufsrechts und
wird durch anschliessende rechtliche Verfahren nicht mehr verändert. Die vom
Veräusserer während des Verfahrens getätigten zusätzlichen Investitionen
können, soweit prozessual zulässig und gerechtfertigt, gleichwohl als
besondere Umstände berücksichtigt werden und die Investitionen innerhalb der
Zehnjahresfrist können je nach den konkreten Verhältnissen durch Zeitablauf
an Bedeutung verlieren, was zur Folge haben kann, dass eine geringere
Berücksichtigung als angemessen im Sinne von Art. 52 Abs. 1 BGBB erscheint.
Dies bedeutet, dass mit Blick auf den massgeblichen Zeitpunkt (27. Oktober
1995) die anfangs der 90er-Jahre getätigten Investitionen nicht bereits
deswegen aus der Bewertung fallen, weil sie heute mehr als zehn Jahre
zurückliegen.

4.5 Der in diesem Zusammenhang erhobene neue rechtliche Einwand der
Beklagten, bei dieser Sachlage müsse auch aArt. 26 Abs. 1 lit. c BGBB zur
Anwendung gelangen, wonach das Kaufsrecht nicht geltend gemacht werden könne,
wenn das Gewerbe während 25 Jahren im Eigentum des Verstorbenen war, ändert
nichts an diesem Ergebnis. Der Einwand wurde nur für den Fall erhoben, dass
die zehn Jahre von der Rechtskraft des Urteils zurückberechnet werden, wie es
der Kläger verlangt, was aber grundsätzlich verworfen wird (E. 4.2). Insoweit
ist der Einwand gegenstandslos. Im Übrigen fehlen im angefochtenen Entscheid
die sachverhaltlichen Grundlagen, welche es dem Bundesgericht erlauben
würden, das neue Vorbringen zu überprüfen. Insbesondere macht der Kläger
nicht geltend, das Obergericht habe festgestellt, wann der Erblasser den Hof
erworben hat (Art. 55 Abs. 1 lit. c OG). Bei dieser Sachlage braucht auch
nicht geprüft zu werden, ob und welche Tragweite dem gesetzgeberisch
verunglückten (vgl. Studer, a.a.O., N. 7 ff. zu Art. 26) und durch
Bundesgesetz vom 20. Juni 2003 (in Kraft ab 1. Januar 2004; AS 2003 S. 4123)
aufgehobenen Art. 26 Abs. 1 lit. c BGBB zukommt.

5.
Umstritten ist weiter, ob der Tauschvertrag vom 30. Dezember 1993 als
Investition gilt, welche zu einer Erhöhung des Übernahmepreises führen kann.
Gemäss diesem Vertrag erwarb auf der einen Seite der Erblasser von B.________
537,2 Aren Landwirtschaftsland und auf der andern Seite erwarb B.________ vom
Erblasser 20,7 Aren dem Landwirtschaftsbetrieb zugehöriges Bau- und
Landwirtschaftsland. Die Parteien vereinbarten keinerlei Aufpreis, weil ein
wertmässiger Ausgleich vorlag. Das erstinstanzliche Gericht nahm an, dass der
Landtausch zu keiner zu berücksichtigenden erheblichen Investition führte, da
lediglich eine Vermögensumschichtung, nicht aber eine Investition vorliege.
Demgegenüber führte das Obergericht im angefochtenen Entscheid aus, der
Erwerb von 537,2 Aren Landwirtschaftsland sei als Investition zu
berücksichtigen. Dieses Land habe einen Wert von Fr. 644'600.-- gehabt. Ob
der Erwerb - wie hier - durch Tausch mit Bauland oder mit Geldmitteln erfolgt
sei, sei unerheblich: Im Ergebnis fehle im Nachlass der entsprechende Betrag.
Auch hier gelte, dass das zusätzliche Landwirtschaftsland vom Erblasser
seinerzeit zum Marktwert erworben worden sei, während es der Kläger zum
Ertragswert übernehmen könne. Der Restwert betrage hier Fr. 580'140.--.
Diese Überlegung überzeugt nicht, wie der Kläger mit Recht beanstandet. Der
Erblasser hat im Jahre 1993 aus dem landwirtschaftlichen Gewerbe einen Anteil
Bauland abgegeben und dafür weit mehr Landwirtschaftsland mit dem gleichen
Wert erhalten, so dass die Parteien einen Tauschvertrag ohne irgendwelchen
Aufpreis abschlossen. Das Geschäft erforderte seitens des Erblassers
keinerlei finanziellen Aufwand. Bei dieser Sachlage liegt keine Investition
im Sinne von Art. 52 Abs. 2 BGBB vor, sondern eine Umschichtung des Vermögens
innerhalb des landwirtschaftlichen Gewerbes, indem eine kleine Fläche teures
Bauland wertgleich gegen eine wesentlich grössere Fläche günstiges
Landwirtschaftsland eingetauscht wurde. Damit nahm der Verkehrswert des
landwirtschaftlichen Gewerbes nicht zu, sondern ausschliesslich der
Ertragswert, weil die landwirtschaftlich nutzbare Fläche zunahm. Tatsächlich
enthält die amtliche Ertragswertschätzung den Ertrag aus dem eingetauschten
Land. Der Tausch aus dem Jahre 1993 fällt daher als besonderer Umstand, der
zu einer Erhöhung des Übernahmepreises führen könnte, ausser Betracht.

6.
6.1 Die Vorinstanz hat gleich wie die erste Instanz die folgenden in den
Jahren 1991 bis 1994 getätigten Investitionen als besondere Umstände
anerkannt, welche zu einer Erhöhung des Übernahmepreises führen können: Sie
berücksichtigte die Kosten für die Jauchegrube und die Remise unter
Berücksichtigung von 10 % Abschreibungen pro Jahr. Zudem anerkannte sie
gleich wie die erste Instanz die Kosten der Güterzusammenlegung als relevante
Investition. Insgesamt gelangte sie gleich wie die erste Instanz zu einem
Betrag für erhebliche Investitionen von Fr. 210'000.--. Im Unterschied zur
ersten Instanz war das Obergericht bereit, auch den Landtausch mit einem
Restwert von Fr. 580'140.-- anzuerkennen, was - wie ausgeführt (E. 5) - nicht
gerechtfertigt ist. Wird dieser Betrag nicht berücksichtigt, ergeben sich
nach Auffassung beider kantonaler Instanzen zu berücksichtigende
Investitionen im Betrag von Fr. 210'000.--. Dieser Wert wird von den Parteien
nicht substanziiert bestritten. Dies bedeutet, dass der Übernahmepreis im
Minimum Fr. 289'600.-- (Ertragswert) und unter Berücksichtigung der
Investitionen im Maximum Fr. 500'000.-- beträgt.

6.2 Es stellt sich die Frage, ob die Sache zur Fällung eines neuen
Ermessensentscheids an die Vorinstanz zurückzuweisen ist, oder ob das
Bundesgericht in der Sache selber entscheiden kann. Es fällt dabei in
Betracht, dass das erstinstanzliche Gericht den Übernahmepreis auf Fr.
500'000.-- festgelegt und das Obergericht diesen Entscheid an sich nicht
beanstandet hat. Es hat den Übernahmepreis allerdings ermessensweise um
weitere Fr. 70'000.-- erhöht, weil es das Tauschgeschäft ebenfalls als
Erhöhungsfaktor berücksichtigte. Bei dieser Sachlage rechtfertigt sich eine
Rückweisung nicht, weil davon auszugehen ist, dass das Obergericht den
Kaufpreis ohne Berücksichtigung des Tauschgeschäfts jedenfalls nicht tiefer
als Fr. 500'000.-- festlegen würde und ein höherer Preis gestützt auf Art. 52
BGBB nicht in Betracht fällt.

6.3 Die Parteien beanstanden zwar den Ermessensentscheid der kantonalen
Instanzen in verschiedener Hinsicht. Sie haben aber zur Kenntnis zu nehmen,
dass das Bundesgericht in Ermessensentscheide nur mit Zurückhaltung und nur
dann eingreift, wenn das kantonale Gericht grundlos von in Lehre und
Rechtsprechung anerkannten Grundsätzen abgegangen ist, wenn es Tatsachen
berücksichtigt hat, die für den Entscheid im Einzelfall keine Rolle hätten
spielen dürfen, oder wenn es umgekehrt Umstände ausser Betracht gelassen hat,
die hätten beachtet werden müssen. Es greift ausserdem in Ermessensentscheide
ein, wenn sich diese als offensichtlich unbillig, als in stossender Weise
ungerecht erweisen (BGE 128 III 390 E. 4.5 S. 399 mit Hinweisen). Solches ist
im vorliegenden Fall auch aufgrund der zusätzlichen Argumente der Parteien
nicht ersichtlich. Der Kläger möchte zwar, dass der Ermessensentscheid auf
Fr. 324'800.-- festgelegt wird und die Beklagten beantragen in der
Anschlussberufung einen Übernahmepreis von Fr. 1'081'673.--. Sie bringen
indessen nichts vor, was den Ermessensentscheid als rechtsfehlerhaft
erscheinen liesse.
Der Kläger verlangt eine gewisse Abschreibung der Investitionen nach Ausübung
des Kaufsrechts. Dies wäre allenfalls zulässig gewesen, wobei zu
berücksichtigen ist, dass das landwirtschaftliche Gewerbe während der Dauer
des Verfahrens vom Kläger genutzt wurde, womit gleichzeitig gesagt ist, dass
auch der behauptete, aber vom Obergericht nicht festgestellte aufgelaufene
Unterhalt nicht nur den Eigentümern, sondern auch dem Pächter anzurechnen
ist. Jedenfalls hat das Obergericht seinen Ermessensspielraum nicht
überschritten, wenn es für die Zeit nach Ausübung des Kaufsrechts keine
weiteren Abschreibungen vornahm. Was den angeblichen und vom Obergericht
ebenso wenig festgestellten Rückgang des Verkehrswerts während der
Verfahrensdauer anbelangt, kann er nicht berücksichtigt werden, weil bei der
Festsetzung des Übernahmepreises vom Ertragswert und nicht vom Verkehrswert
auszugehen ist und dieser vom Immobilienmarkt weitgehend unabhängig ist. Was
die Wohnkosten des Klägers anbelangt, sind die im Zusammenhang mit der
Tragbarkeit und Finanzierbarkeit des Übernahmepreises von Fr. 570'000.--
angestellten Überlegungen des Obergerichts tatsächlich nicht vollständig
nachvollziehbar. Es bleibt indessen dabei, dass er sehr günstig wohnt und die
Wohnkosten mit dem Betriebsertrag ohne weiteres finanzieren kann, zumal der
Übernahmepreis durch das vorliegende Urteil um Fr. 70'000.-- reduziert wird.
In der Anschlussberufung wird zunächst nochmals auf die erheblichen
Investitionen hingewiesen, die der Erblasser in den letzten Jahren vor seinem
Tod getätigt hat, die aber soweit zulässig berücksichtigt sind. Weiter wird
geltend gemacht, dass sich ein Mitglied der Erbengemeinschaft treuwidrig
gegen einen Widerruf des Tauschgeschäfts zur Wehr gesetzt habe. Abgesehen
davon, dass dieser Umstand im obergerichtlichen Urteil nicht festgestellt
wird, wirkt er sich auf den Übernahmepreis nicht aus, weil feststeht, dass
der Kläger das Gewerbe samt eingetauschtem Landwirtschaftsland übernimmt.
Schliesslich trifft zwar zu, dass das Gutachten J.________ den Ertragswert
des Gewerbes etwas höher angesetzt hat als die behördlich genehmigte
Schätzung. Dies ändert nichts daran, dass Letztere massgeblich ist und auch
berücksichtigt wurde.

6.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Ertragswert des
landwirtschaftlichen Gewerbes Fr. 289'000.-- beträgt und dass besondere
Umstände in Form von Investitionen des Erblassers in der Höhe von Fr.
210'000.-- zur Erhöhung des Übernahmepreises führen. Ein Übernahmepreis von
Fr. 500'000.-- ist angemessen.

7.
Aus diesen Gründen muss die Berufung teilweise gutgeheissen und das Urteil
des Obergerichts des Kantons Thurgau vom 21. Dezember 2004 in Ziffer 1 und 2
dahingehend geändert werden, dass der Übernahmepreis auf Fr. 500'000.--
festgelegt wird. Im Übrigen werden Berufung und Anschlussberufung abgewiesen,
soweit darauf eingetreten werden kann, und der angefochtene Entscheid wird
auch im Kostenpunkt bestätigt, weil aus Sicht des kantonalen Verfahrens beide
Parteien nach wie vor teilweise obsiegt haben und teilweise unterlegen sind
(Art. 157 OG).
Was die bundesgerichtlichen Kosten anbelangt, obsiegt der Kläger im
Berufungsverfahren teilweise und im Anschlussberufungsverfahren vollständig.
Die Beklagten obsiegen im Berufungsverfahren teilweise und unterliegen im
Anschlussberufungsverfahren vollständig. Bei dieser Sachlage werden die
Verfahrenskosten für das Berufungsverfahren zur einen Hälfte dem Kläger und
zur anderen Hälfte den Beklagten, den letzteren unter solidarischer
Haftbarkeit, zur Bezahlung auferlegt und die Parteikosten werden
wettgeschlagen. Für das Anschlussberufungsverfahren werden die Beklagten
unter solidarischer Haftbarkeit kosten- und entschädigungspflichtig (Art. 156
Abs. 1 und 7, Art. 159 Abs. 1 und 5 OG). Die Beklagte Z.________ hat erklärt,
sie sei zum Voraus bereit, sich dem Urteil zu unterziehen (E. 1); sie hat
sich im bundesgerichtlichen Verfahren zur Sache nicht geäussert und kann
daher mit keinen Kosten belastet werden. In Bezug auf Kosten und
Entschädigung (Urteilsdispositiv Ziff. 2 und 3) sind daher als Beklagte
X.________ und Y.________ zu verstehen.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Berufung wird teilweise gutgeheissen und das Urteil des Obergerichts des
Kantons Thurgau vom 21. Dezember 2004 in Ziffer 1 und 2 dahingehend geändert,
dass der Übernahmepreis auf Fr. 500'000.-- festgelegt wird. Im Übrigen werden
Berufung und Anschlussberufung abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
2.1 Die Gerichtsgebühr von Fr. 3'000.-- für das Berufungsverfahren wird je zur
Hälfte, ausmachend je Fr. 1'500.--, dem Kläger und den Beklagten auferlegt.

2.2 Die Gerichtsgebühr von Fr. 3'000.-- für das Anschlussberufungsverfahren
wird den Beklagten auferlegt.

3.
3.1 Die Parteikosten für das Berufungsverfahren werden wettgeschlagen.

3.2 Die Beklagten haben den Kläger für das Anschlussberufungsverfahren mit
Fr. 3'000.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Thurgau
schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 4. August 2005

Im Namen der II. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: