Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilabteilung 5C.84/2005
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5C.84/2005 /bnm

Urteil vom 21. Juni 2005
II. Zivilabteilung

Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichter Meyer, Bundesrichter Marazzi,
Gerichtsschreiber von Roten.

B.________(Ehefrau),
Beklagte und Berufungsklägerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Viktor Rüegg,

gegen

K.________ (Ehemann),
Kläger und Berufungsbeklagten,
vertreten durch Rechtsanwalt Sepp Habermacher,

Abänderung des Scheidungsurteils,

Berufung gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Luzern, II. Kammer,
vom 31. Januar 2005.

Sachverhalt:

A.
B. ________ (Ehefrau), Jahrgang xxxx, und K.________ (Ehemann), Jahrgang
xxxx, heirateten am xxxx. Sie wurden Eltern der Kinder S.________, geboren am
xxxx, und T.________, geboren am xxxx. Der Ehemann betrieb eine
Carrosseriespenglerei. 1994 erlitt er bei einer Auffahrkollision ein
Schleudertrauma. Unfallbedingt musste er seine Arbeitstätigkeit einschränken
und konnte sich nur mehr stundenweise mit der Leitung der von ihm 1995
gegründeten A.________ GmbH befassen. Er nahm an Eingliederungs- und
Umschulungsmassnahmen teil und bezog während dieser Zeit (ab 1. August 1996)
IV-Taggelder und eine Erwerbsunfähigkeitsrente der Rentenanstalt. Die
Ehegatten B.________ und K.________ trennten sich im September 1996.

Auf Klage der Ehefrau schied das Amtsgericht Luzern-Land die Ehe. Es
genehmigte die Vereinbarung der Ehegatten über die Nebenfolgen der
Ehescheidung und verpflichtete den Ehemann zur Zahlung von monatlichen
Unterhaltsbeiträgen für die Kinder von je Fr. 1'100.-- (zuzüglich Zulagen)
und für die Ehefrau von Fr. 1'000.-- bis 31. Dezember 2006, von Fr. 500.--
bis 31. Dezember 2010 und von Fr. 250.-- bis 31. Dezember 2012 (Urteil vom
17. Juni 1997). Die Ehefrau reichte dagegen Appellation ein, der sich der
Ehemann anschloss. Durch Rückzug der Appellation konnte das Verfahren als
erledigt abgeschrieben werden (Entscheid vom 16. Februar 1998).

K. ________ (Ehemann) ist heute wieder verheiratet und hat mit seiner zweiten
Ehefrau einen Sohn namens N.________, geboren am xxxx.

B.
Am 7. Oktober 1998 machte K.________ (Ehemann) ein Verfahren auf Abänderung
des Scheidungsurteils rechtshängig. Das Amtsgericht Luzern-Land wie auch das
Obergericht (II. Kammer) des Kantons Luzern - auf Appellation des Klägers und
Anschlussappellation der Beklagten - hiessen die Abänderungsklagebegehren
teilweise gut (Urteile vom 22. Oktober 2003 und vom 31. Januar 2005).

Das Obergericht setzte die monatlichen Unterhaltsbeiträge für die beiden
Kinder neu fest auf je Fr. 1'100.-- unter Anrechnung der IV-Kinderrenten von
je Fr. 643.-- bzw. Fr. 518.-- (7. Oktober 1998 bis 30. November 2001 bzw. 1.
Dezember 2001 bis 31. Juli 2003), auf je den Betrag der IV-Kinderrente (1.
August 2003 bis 30. April 2005) und auf je Fr. 250.-- zuzüglich
IV-Kinderrenten (ab 1. Mai 2005). Den Unterhaltsbeitrag für die Beklagte
beliess das Obergericht zunächst unverändert bei Fr. 1'000.-- (bis 30.
November 2001), setzte ihn herab auf Fr. 300.-- (Dezember 2001) und hob ihn
schliesslich auf (bis 30. April 2005). Für die Zeit ab 1. Mai 2005 bis 31.
Dezember 2006 setzte es den Unterhaltsbeitrag auf Fr. 500.-- herab und
bestätigte für den Rest der Beitragszeit das Scheidungsurteil
(Dispositiv-Ziff. 1.1 des Urteils vom 31. Januar 2005).

Das Amtsgericht wie auch das Obergericht behielten zu Gunsten der Beklagten
ein Nachklagerecht vor, weil dem Kläger Ansprüche in unbekannter Höhe gegen
die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers zustünden (E. 3.6 S. 13
bzw. E. 4.1.2 S. 7 f.). Der obergerichtliche "Rektifikationsvorbehalt" lautet
wie folgt: "Die in Ziff. 1 genannten Unterhaltsbeiträge basieren auf den
unter Erwägung 4.7 aufgeführten Einkommens-Zahlen des Klägers, wobei bis Ende
2001 Fr. 688.-- als Erwerbsausfallentschädigung von der
Haftpflichtversicherung eingerechnet sind. Soweit dem Kläger
Versicherungsleistungen von der V.________ ausgerichtet werden, die ein
höheres Einkommen als das genannte zur Folge haben, hat die Beklagte Anspruch
darauf, dass die vom Kläger ab 1. Januar 2002 an sie persönlich zu leistenden
Unterhaltsbeiträge bis zum im Scheidungsurteil vom 17. Juni 1997 festgelegten
Betrag erhöht werden. Die Beklagte wird hiermit ermächtigt, von der
V.________ diesbezügliche Auskünfte einzuholen" (Dispositiv-Ziff. 1.2 des
Urteils vom 31. Januar 2005).

C.
Mit eidgenössischer Berufung beantragt die Beklagte, die kantonalen Urteile -
mit Ausnahme der angeordneten Beistandschaft für die beiden Kinder -
aufzuheben und die Abänderungsklage abzuweisen. Sie ersucht um unentgeltliche
Rechtspflege. Das Obergericht schliesst auf Abweisung der Berufung, soweit
darauf einzutreten sei. Eine Berufungsantwort ist beim Kläger nicht eingeholt
worden. Die gleichzeitig gegen das nämliche Urteil erhobene staatsrechtliche
Beschwerde der Beklagten hat die II. Zivilabteilung des Bundesgerichts mit
Urteil vom heutigen Tag abgewiesen, soweit darauf eingetreten werden konnte
(5P.98/2005).

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Gemäss Art. 7a des Schlusstitels zur ZGB-Revision von 1998/2000 erfolgt die
Abänderung des Scheidungsurteils, das unter dem bisherigen Recht
rechtskräftig geworden ist (vgl. Abs. 2), nach den Vorschriften des früheren
Rechts unter Vorbehalt der Bestimmungen über die Kinder und das Verfahren
(Abs. 3). Die Abänderung von Unterhaltsbeiträgen für die Kinder beurteilt
sich somit nach geltendem Recht (BGE 128 III 305 E. 2a S. 307) und ist
zulässig bei "erheblicher Veränderung der Verhältnisse" (Art. 134 Abs. 2
i.V.m. Art. 286 Abs. 2 ZGB), die insbesondere in einer Verminderung der
finanziellen Leistungsfähigkeit des beitragspflichtigen Elternteils bestehen
kann (z.B. Urteil des Bundesgerichts 5C.78/2001 vom 24. August 2001, E. 2,
in: FamPra.ch 2002 S. 416 ff.). Für die Abänderung der Unterhaltsbeiträge an
die geschiedene Ehefrau gelten hingegen die ZGB-Bestimmungen von 1907/1912.
Gemäss aArt. 153 ZGB ist die Aufhebung oder Herabsetzung der
Unterhaltsbeiträge unter anderem dann zulässig, "wenn die
Vermögensverhältnisse des Pflichtigen der Höhe der Rente nicht mehr
entsprechen" (Abs. 2). Nach ständiger Rechtsprechung muss die Veränderung der
Verhältnisse erheblich, dauernd und unvorhersehbar sein (BGE 96 II 301 Nr.
41; 117 II 211 E. 5a S. 217 und 359 E. 3 S. 363; 118 II 229 E. 3 S. 232 ff.).

2.
Die Beklagte bestreitet die geschilderten Voraussetzungen für die Annahme
veränderter Verhältnisse in mehrfacher Hinsicht:
2.1 Die Beklagte wendet ein, im Zeitpunkt der Ehescheidung hätten die
Haftpflichtansprüche aus dem Unfall von 1994 bereits bestanden. Die jetzige
Situation - Anspruch auf eine IV-Rente und Haftpflichtansprüche gegenüber der
V.________ - sei nicht nur voraussehbar, sondern bekannt gewesen (S. 11 Ziff.
14a der Berufungsschrift). Das Obergericht hat festgestellt, der Kläger habe
im Scheidungszeitpunkt (17. Juni 1997) IV-Taggelder von monatlich Fr.
6'230.-- und eine Erwerbsunfähigkeitsrente von Fr. 1'267.-- bezogen. Erst
danach seien die Eingliederungs- und Umschulungsmassnahmen gescheitert,
weshalb dem Kläger rückwirkend ab 1. September 1997 eine IV-Rente von
zunächst Fr. 1'608.-- und dann von Fr. 1'632.-- zuerkannt worden sei. Die
Haftpflichtansprüche gegen den Unfallversicherer hätten bis heute nicht
betragsmässig festgesetzt werden können (E. 4.1.1 S. 6 f.).

Grundlage des ehe- und kindesrechtlichen Abänderungsprozesses können - im
Unterschied zum Rechtsmittel der Revision - nur echte Noven sein, d.h.
Tatsachen und Beweismittel, die erst nach dem Zeitpunkt eingetreten oder
verfügbar geworden sind, in dem im früheren, durch rechtskräftiges Urteil
abgeschlossenen Verfahren letztmals neue Angriffs- und Verteidigungsmittel
vorgebracht werden konnten. Die Praxis anerkennt als "echte" Noven auch
Tatsachen, die zwar im früheren Verfahren bereits bestanden haben und der
sich darauf berufenden Partei bekannt waren, von dieser aber damals zufolge
fehlender Möglichkeit des Beweises nicht geltend gemacht worden sind (vgl.
Hausheer/Kocher, in: Handbuch des Unterhaltsrechts, Bern 1997, N. 11.46 und
N. 11.47 S. 591 f.). In diesem Sinn hat die Voraussetzung der
Vorhersehbarkeit einer Tatsache, die eine Urteilsabänderung rechtfertigen
soll, nicht die Bedeutung, die die Beklagte ihr zumisst. Dass die neue
Tatsache vorhersehbar war, ist vielmehr unerheblich, solange ihr nicht schon
bei der Festsetzung des Kindesunterhaltsbeitrags zum Voraus Rechnung getragen
worden ist (BGE 128 III 305 E. 5b S. 310; Breitschmid, Basler Kommentar,
2002, N. 10 f. zu Art. 286 ZGB). Gleicherweise kommt es für die
Scheidungsrente nicht entscheidend auf die Vorhersehbarkeit der Veränderung
an, sondern ausschliesslich darauf, ob die künftige Entwicklung mit
genügender Sicherheit prognostiziert werden konnte und deshalb schon bei der
Festsetzung der Rente berücksichtigt worden ist (BGE 118 II 229 E. 3a S. 232
f.) oder - verkürzt gesagt - ob die Rente mit Blick auf die vorhersehbare
Veränderung festgelegt worden ist (Lüchinger/Geiser, Basler Kommentar, 1996,
N. 12 zu aArt. 153 ZGB; vgl. auch BGE 131 III 189 E. 2.7.4 S. 199).

In tatsächlicher Hinsicht steht fest, dass bei der Festsetzung der
Unterhaltsbeiträge weder die Ablösung der IV-Taggelder durch eine IV-Rente
noch künftige Leistungen der Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers
im Scheidungsurteil berücksichtigt worden sind. Die IV-Rentenberechtigung ist
rückwirkend ab 1. September 1997 eingetreten und stellt mit Bezug auf das
Scheidungsurteil vom 17. Juni 1997 ein echtes Novum dar. Die Ansprüche gegen
die Haftpflichtversicherung mögen bereits früher bestanden haben, sind aber
bis heute betragsmässig nicht festgelegt. Der Einwand der Beklagten ist
insgesamt unbegründet.

2.2 Die Beklagte beruft sich auf den Grundsatz, wonach eine vom
Rentenschuldner verschuldete Verschlechterung der Verhältnisse nicht zu
berücksichtigen ist, zumal wenn er sie beheben kann. Ob die freiwillige
Verminderung der Leistungsfähigkeit in Schädigungsabsicht und mit dem Zweck
erfolgt ist, die Aufhebung oder Herabsetzung der Scheidungsrente
herbeizuführen, stellt die kantonale Letztinstanz für das Bundesgericht
verbindlich fest (BGE 108 II 30 E. 7 S. 32; Bühler/Spühler, Berner Kommentar,
1980, N. 70 zu aArt. 153 ZGB; vgl. auch BGE 128 III 4 E. 4a S. 5). Das
Obergericht hat ausführlich begründet, dass und weshalb dem Kläger im
Zusammenhang mit der Geltendmachung seiner Ansprüche gegen die
Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers kein Rechtsmissbrauch,
namentlich keine Verzögerungstaktik vorgeworfen werden könne. Eine
absichtliche Verminderung seiner finanziellen Leistungsfähigkeit liege nicht
vor (E. 4.1.2 S. 7). Die gegenteiligen Behauptungen der Beklagten (S. 11 ff.
Ziff. 14b der Berufungsschrift) richten sich gegen die Tatsachenfeststellung
und Beweiswürdigung des Obergerichts und sind damit unzulässig. In diesem
Punkt erhebt die Beklagte auch keine zulässigen Sachverhaltsrügen (Art. 63 f.
OG). Auf ihre Vorbringen kann nicht eingetreten werden (Art. 55 Abs. 1 lit. c
OG; BGE 130 III 102 E. 2.2 S. 106, 136 E. 1.4 S. 140 und 353 E. 2.2.3 S.
361).

2.3 Eine aufgehobene oder herabgesetzte Scheidungsrente kann nachträglich
nicht mehr neu festgelegt oder erhöht werden (BGE 120 II 4 E. 5d S. 5). Der
Grundsatz bereitet Schwierigkeiten, wenn die Verschlechterung der
wirtschaftlichen Verhältnisse auf Seiten des Rentenschuldners zwar erheblich
ist und über längere Zeit andauert, der endgültige Charakter der Veränderung
aber trotzdem noch nicht feststeht. Lehre und Rechtsprechung behelfen sich in
derartigen Fällen mit einem Wiederherstellungs- oder
Wiedererhöhungsvorbehalt. Ist mit Bestimmtheit oder grosser
Wahrscheinlichkeit vorauszusehen, dass die frühere Leistungsfähigkeit des
Rentenschuldners wieder aufleben könnte, darf das Abänderungsurteil mit der
Klausel versehen werden, wonach die aufgehobene oder herabgesetzte
Scheidungsrente bis zum im Scheidungsurteil festgesetzten Betrag wieder
hergestellt oder erhöht wird, wenn und soweit auch die frühere
Leistungsfähigkeit des Rentenschuldners wieder eintritt. Über die Erfüllung
dieser Bedingung entscheidet im Streitfall das Abänderungsgericht (BGE 51 II
12 Nr. 3; Bühler/Spühler, N. 78 zu aArt. 153 ZGB; gl.M. Lüchinger/Geiser, N.
11 und N. 13 zu aArt. 153 ZGB; Hinderling/Steck, Das schweizerische
Ehescheidungsrecht, 4.A. Zürich 1995, S. 361 bei/in Anm. 7).

Entgegen der Darstellung der Beklagten findet der obergerichtliche
Rektifikationsvorbehalt gemäss Dispositiv-Ziff. 1.2 seine Grundlage im
materiellen Recht. Die getroffene Lösung ist vernünftig und hat für die
Beklagte als Rentengläubigerin den Vorteil, dass die herabgesetzte und
zeitweise aufgehobene Scheidungsrente wieder erhöht bzw. hergestellt werden
kann, falls die unfallbedingte Erwerbseinbusse auf Seiten des Klägers als
Rentenschuldner durch Leistungen der Haftpflichtversicherung ausgeglichen
werden sollte. Dem Nachteil, dass die Beklagte im Streitfall erneut den
Prozessweg beschreiten muss, hat das Obergericht insofern genügend Rechnung
getragen, als der Beklagten ein Auskunftsrecht gegenüber der
leistungspflichtigen Haftpflichtversicherung gewährt worden ist. Dadurch
vermindert sich ihr Prozessrisiko. Wo die Scheidungsrente - wie hier - wegen
Verschlechterung der wirtschaftliche Verhältnisse auf Seiten des
Rentenschuldners abgeändert wird, ist das vorbehaltene Wiederaufleben der
Scheidungsrente sachgerecht und nicht mit Nachteilen verbunden, die den
Parteien unzumutbar wären (vgl. dazu Lüchinger/Geiser, a.a.O.). Das Anbringen
des Rektifikationsvorbehalts widerspricht auch nicht dem Urteil des
Bundesgerichts 5P.226/2001 vom 9. August 2001 betreffend vorsorgliche
Massnahmen im Abänderungsprozess der Parteien. Unter Hinweis auf die strengen
Voraussetzungen für eine vorsorgliche Abänderung des Scheidungsurteils (E. 2a
S. 4 f.) hat das Bundesgericht Willkür bejaht, weil das Obergericht die
Unterhaltsbeiträge in erheblichem Umfang vorsorglich herabgesetzt hatte,
obwohl die wirtschaftlichen Verhältnisse des Klägers, namentlich mit Blick
auf die Ansprüche gegen die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers
noch nicht restlos geklärt waren (E. 2b S. 6 f.). Gerade diesem Umstand hat
das Obergericht nun aber mit seinem Rektifikationsvorbehalt angemessen
Rechnung getragen. Die gegenteiligen Vorbringen der Beklagten sind nicht
stichhaltig (S. 10 f. Ziff. 14 und S. 13 ff. Ziff. 15 der Berufungsschrift).

Kann der obergerichtliche Rektifikationsvorbehalt im Abänderungsurteil nicht
beanstandet werden, erweist sich die Aktenwidrigkeitsrüge der Beklagten
gegenüber der tabellarischen Darstellung des klägerischen Einkommens auf S.
14 f. des angefochtenen Urteils als unbegründet (S. 9 Ziff. 13 der
Berufungsschrift). Die Ansprüche des Klägers gegen die
Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers bleiben späterer Beurteilung
vorbehalten und sind deshalb nicht schon heute als Entschädigungsleistungen,
die der Kläger bis anhin gar nicht erhält, zu seinem Einkommen zu rechnen.
Die Berücksichtigung der unfallbedingten Erwerbseinbusse ist deshalb nicht
aktenwidrig. Es kann der Beklagten auch nicht beigepflichtet werden, dass der
Kläger diesbezüglich keine dauerhafte Veränderung seiner Leistungsfähigkeit
nachgewiesen habe. Das Obergericht hat vielmehr zu Recht angenommen, die
unfallbedingte Erwerbseinbusse sei nicht bloss vorübergehend, sondern
dauernd, wenn auch nicht endgültig (E. 4.1.2 S. 7). Bereits im Zeitpunkt der
Klageeinreichung waren rund vier Jahre verstrichen, ohne dass mit der
Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers eine Einigung hätte gefunden
werden können, und die Tatsache, dass nach bald sieben Jahren seit der
Klageeinleitung immer noch keine abschliessende Lösung gefunden werden
konnte, bestätigt die Richtigkeit der obergerichtlichen Annahme, die
Schadensregulierung werde noch Jahre dauern. Da die Dauerhaftigkeit der
unfallbedingten Erwerbseinbusse "nach menschlichem Ermessen" beurteilt und
damit als Rechtsfrage behandelt wird (BGE 96 II 301 E. 3 und 4 S. 302 f.; 120
II 4), kommt dem angerufenen Art. 8 ZGB keine Bedeutung zu (BGE 127 III 248
E. 3a S. 253). Die Berufung bleibt auch in diesem Punkt erfolglos (S. 9 f.
Ziff. 13 der Berufungsschrift).

2.4 Schliesslich wendet sich die Beklagte gegen die obergerichtliche
Beurteilung der ehe- und kindesrechtlichen Beistandspflicht der zweiten
Ehefrau des Klägers (Art. 159 Abs. 3 und Art. 278 Abs. 2 ZGB). Die zweite
Ehefrau sei gesund und müsse deshalb einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit
nachgehen, zumal der Kläger zu Hause den rund dreijährigen N.________
betreuen könne, sei er doch zu 80 % arbeitsunfähig. Es sei der zweiten
Ehefrau deshalb ein Einkommen von Fr. 4'400.-- (Vollpensum) anzurechnen und
nicht bloss ein Einkommen von Fr. 1'000.-- (Teilpensum von gut 20 %), wie es
das Obergericht für angemessen erklärt habe (S. 15 f. Ziff. 16 der
Berufungsschrift). Die obergerichtliche Anrechnung eines hypothetischen - in
der Höhe des früher tatsächlich erzielten - Einkommens von monatlich Fr.
1'000.-- (E. 4.5.1 S. 11 ff. des angefochtenen Urteils) kann indessen nicht
beanstandet werden:

Zum einen sind die Ausführungen der Beklagten widersprüchlich. Andernorts
geht sie davon aus, dass die erneute Eheschliessung des Klägers und die
Geburt seines Sohnes N.________ für die Beurteilung der Leistungsfähigkeit
des Klägers ohne ausschlaggebende Bedeutung sei (S. 10 Ziff. 13 der
Berufungsschrift). Sie stimmt insoweit der obergerichtlichen Feststellung zu,
die Verschlechterung der Leistungsfähigkeit des Klägers sei nicht primär
wegen seiner Wiederverheiratung eingetreten (E. 4.5.1 S. 12). Unter dieser
Voraussetzung aber kann von der zweiten Ehefrau des Klägers keine Erhöhung
ihrer Erwerbstätigkeit gefordert werden. Ihre Pflicht, dem Kläger die
Bezahlung der Scheidungsrente an die erste Ehefrau und des Unterhaltsbeitrags
an die vorehelichen Kinder zu ermöglichen, besteht nicht, wenn die
Unterhaltsleistungen auch ohne Wiederverheiratung nicht mehr möglich gewesen
wären (allgemein: Hausheer/Reusser/Geiser, Berner Kommentar, 1999, N. 43 zu
Art. 159 ZGB; für die Scheidungsrente: Urteil 5C.18/1992 vom 19. November
1992, E. 3b/bb, in: ZR 93/1994 Nr. 6 S. 24 f.; Epiney-Colombo, La
modification des prestations d'entretien selon l'ancien droit du divorce,
FamPra.ch 2001 S. 631 ff., S. 642 bei Anm. 78).

Zum anderen ist der Einwand der Beklagten auf Grund der tatsächlichen
Feststellungen des Obergerichts unbegründet. Auch dem Kläger hat das
Obergericht ein monatliches Einkommen von Fr. 1'000.-- angerechnet, zumal er
gemäss Abklärungsbericht unter günstigen Arbeitsbedingungen ein
Teilzeitpensum von einem halben Tag versehen könnte (E. 4.3 S. 9 f.).
Entgegen der Annahme der Beklagten kann der Kläger deshalb nicht den ganzen
Tag der Betreuung seines Sohnes obliegen, so dass seine zweite Ehefrau einer
vollzeitlichen Erwerbstätigkeit nachgehen könnte. Wird weiter berücksichtigt,
dass N.________ erst dreieinhalb Jahre alt ist und deshalb naturgemäss
besonders der Betreuung durch die Mutter bedarf, kann dem Obergericht
insgesamt keine rechtsfehlerhafte Ausübung des Ermessens vorgeworfen werden,
das ihm im Abänderungsprozess zugestanden hat (Art. 4 ZGB; BGE 108 II 30 E. 8
S. 32).

2.5 Aus den dargelegten Gründen muss die Berufung der Beklagten abgewiesen
werden, soweit darauf eingetreten werden kann.

3.
Bei diesem Verfahrensausgang wird die Beklagte kostenpflichtig (Art. 156 Abs.
1 OG). Die vorstehenden Erwägungen verdeutlichen, dass das obergerichtliche
Urteil den von Lehre und Rechtsprechung entwickelten Grundsätzen entspricht.
Die Berufungsanträge konnten daher von Beginn an keinen Erfolg haben. In
Anbetracht dessen muss das Gesuch der Beklagten um unentgeltliche
Rechtspflege abgewiesen werden (Art. 152 Abs. 1 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Berufung wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Das Gesuch der Beklagten um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- wird der Beklagten auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und der Obergericht des Kantons Luzern, II.
Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 21. Juni 2005

Im Namen der II. Zivilabteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: