Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Öffentlich-rechtliche Abteilung 2P.159/2006
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{T 0/2}
2P.159/2006/fco

Urteil vom 14. November 2006
II. Öffentlichrechtliche Abteilung

Bundesrichter Merkli, Präsident,
Bundesrichter Betschart,
Ersatzrichter Locher,
Gerichtsschreiber Schaub.

X. ________,
Beschwerdeführer,
vertreten durch B&P tax and legal AG,

gegen

Steueramt des Kantons Solothurn,
Schanzmühle, Werkhofstrasse 29c, 4509 Solothurn,
Steuerverwaltung des Kantons Bern,
Postfach 8334, 3001 Bern.

Art. 127 Abs. 3 BV (Steuerrechtlicher Wohnsitz für die Steuerperiode 2003),

Staatsrechtliche Beschwerde gegen die Verfügung der Steuerverwaltung des
Kantons Bern vom 12. Mai 2006.

Sachverhalt:

A.
Der 1969 geborene X.________ wuchs in A.________/SO auf, wo er die
obligatorischen Schulen besuchte. Danach absolvierte er eine Lehre als
Mechaniker bei einer Firma in C.________/SO und arbeitete sodann dort in
leitender Stellung bis 1995. Während der folgenden vier Jahre war er in
B.________/AG tätig, wobei er stets im Elternhaus in A.________/SO wohnte.
Von 1999 bis 2001 war er bei einer Firma in Zürich beschäftigt, wo er als
Wochenaufenthalter angemeldet war.
Seit dem 1. Mai 2001 ist X.________, der sich zum Betriebstechniker TS und im
Bereich der Qualitätssicherung weitergebildet hat, bei der Y.________ AG in
Bern tätig und dort für das Qualitätsmanagement verantwortlich. Er hat ein
Arbeitspensum von 100 %, arbeitet regelmässig bis 20.00 Uhr, manchmal sogar
bis 22.00 Uhr. Daneben besucht er ein Nachdiplomstudium zur Erlangung eines
MBA und unterrichtet an rund 20 Abenden pro Jahr Umwelttechnik und
Qualitätsmanagement in C.________.
In Bern bewohnt er seit dem 17. April 2001 eine 4-Zimmer-Wohnung und ist seit
dem 17. April 2002 als Wochenaufenthalter in der Stadt Bern angemeldet. Die
Wochenenden verbringt er regelmässig im geräumigen Elternhaus in A.________,
wo seine betagte Mutter lebt; dieses Elternhaus gedenkt X.________ dereinst
zu Alleineigentum zu übernehmen.
Mit seiner Familie (Mutter, Bruder und Schwester) und insbesondere mit der
Gemeinde A.________ blieb X.________ stets eng verbunden, übt er doch dort
zwei politische Ämter aus (Präsident der Wasserversorgungskommission
[zeitlicher Aufwand: 6 Stunden pro Woche] und Mitglied der
Gemeindeorganisation) und ist gesellschaftlich engagiert (Mitglied der
örtlichen CVP, Mitglied des Schützenvereins, Passivmitglied der
Musikgesellschaft). Um diesen Verpflichtungen nachzukommen, begibt er sich
häufig während der Woche nach A.________, um dann am gleichen Abend wieder
nach Bern zu fahren.

B.
Am 6. September 2002 verfügte die Steuerverwaltung des Kantons Bern, der
steuerrechtliche Wohnsitz von X.________ befinde sich für die Steuerperiode
2002 in der Stadt Bern. Diese Feststellungsverfügung bestätigte die
Steuerrekurskommission des Kantons Bern am 19. Oktober 2004. Gestützt darauf
wurde X.________ am 9. März 2005 die definitive Veranlagung für die
Steuerperiode 2002 durch die Steuerverwaltung des Kantons Bern zugestellt.
Dagegen erhob er fristgemäss Einsprache, welche immer noch pendent ist.
Im Kanton Solothurn wurde X.________ am 12. Juli 2004 von der
Veranlagungsbehörde Thal/Gäu für die Steuerperiode 2003 auf ein steuerbares
Einkommen von Fr. 128'333.-- und ein steuerbares Vermögen von Fr. 285'689.--
veranlagt. Diese Verfügung blieb unangefochten und erwuchs in Rechtskraft.
Am 12. Mai 2006 verfügte die Steuerverwaltung des Kantons Bern, der
steuerrechtliche Wohnsitz von X.________ befinde sich für die Steuerperiode
2003 in der Stadt Bern.

C.
Gegen diese Verfügung der Steuerverwaltung des Kantons Bern erhebt X.________
mit Eingabe vom 13. Juni 2006 staatsrechtliche Beschwerde wegen Verletzung
von Art. 127 Abs. 3 BV mit dem Begehren, die Verfügung der Steuerverwaltung
des Kantons Bern vom 12. Mai 2006 zur Festsetzung des steuerrechtlichen
Wohnsitzes sei aufzuheben und der Kanton Bern sei anzuweisen, von der
Beanspruchung der Steuerpflicht für Einkommen und Vermögen für das Steuerjahr
2003 abzusehen. Eventuell sei die Veranlagungsverfügung des Kantons Solothurn
aufzuheben und der Kanton Solothurn anzuweisen, von der Beanspruchung der
Steuerpflicht für Einkommen und Vermögen für das Steuerjahr 2003 abzusehen,
und die im Kanton Solothurn für die Steuerperiode 2003 bezahlten Staats-,
Gemeinde-, Kirchen- und direkten Bundessteuern von total Fr. 37'516.70 seien
zurückzuerstatten.

D.
Die Steuerverwaltung des Kantons Bern beantragt, die Beschwerde sei
abzuweisen, und das Steueramt des Kantons Solothurn beantragt, die Beschwerde
sei bezüglich Hauptbegehren gutzuheissen und bezüglich Eventualbegehren
abzuweisen.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Die angefochtene Verfügung betrifft mit der Feststellung des
steuerrechtlichen Wohnsitzes für die Steuerperiode 2003 einen Sachverhalt,
der in die Zeit nach der in Art. 72 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 14.
Dezember 1990 über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und
Gemeinden (StHG, SR 642.14) vorgesehenen, am 31. Dezember 2000 abgelaufenen
Frist zur Anpassung der kantonalen Gesetzgebung an das StHG fällt. Vorliegend
handelt es sich mit der Verfügung der Steuerverwaltung des Kantons Bern vom
12. Mai 2006 jedoch nicht um einen Entscheid der letzten kantonalen Instanz
im Sinn von Art. 73 Abs. 1 StHG, so dass hier weiterhin - und ausschliesslich
- die staatsrechtliche Beschwerde offen steht (vgl. Urteil 2P.2/2003 vom 7.
Januar 2004, publ. in: ASA 73 420, E. 1.1.1). Im Übrigen kann die bereits
rechtskräftige Veranlagung des erstverfügenden Kantons nur mit
staatsrechtlicher Beschwerde nach Art. 89 Abs. 3 OG mit angefochten werden
(Urteil 2P.186/2004 vom 15. Februar 2005, E. 1.1).
1.2 Bestreitet eine zur Veranlagung herangezogene Person die Steuerhoheit des
Kantons, muss grundsätzlich in einem Vorentscheid rechtskräftig über die
Steuerpflicht entschieden werden, bevor das Veranlagungsverfahren fortgesetzt
werden darf. Ein solcher Steuerdomizilentscheid kann - wegen Verletzung von
Art. 127 Abs. 3 BV - ohne Erschöpfung des kantonalen Instanzenzugs direkt mit
staatsrechtlicher Beschwerde beim Bundesgericht angefochten werden (Art. 86
Abs. 2 OG; BGE 131 I 145 E. 2.1 S. 147). Die gegen den Feststellungsentscheid
der Steuerverwaltung des Kantons Bern vom 12. Mai 2006 fristgerecht
eingereichte Beschwerde ist daher zulässig. Dabei kann die bereits
rechtskräftige Veranlagung des Kantons Solothurn vom 12. Juli 2004 betreffend
die Steuerperiode 2003 mit angefochten werden (Art. 89 Abs. 3 OG; vgl. BGE
131 I 145 E. 2.1 S. 147).

1.3 Die staatsrechtliche Beschwerde ist grundsätzlich kassatorischer Natur.
Eine Ausnahme besteht bei staatsrechtlichen Beschwerden wegen Verletzung von
Art. 127 Abs. 3 BV. Hier kann das Bundesgericht zusammen mit der Aufhebung
des kantonalen Hoheitsaktes Feststellungen treffen und den beteiligten
Kantonen verbindliche Weisungen erteilen (vgl. Urteile 2P.2/2003 vom 7.
Januar 2004, publ. in: ASA 73 420, E. 1.3; 2P.14/2003 vom 10. Dezember 2003,
publ. in: ASA 73 247, E. 1.2). Die Begehren des gemäss Art. 88 OG
legitimierten Beschwerdeführers sind daher grundsätzlich zulässig, auch wenn
darin mehr verlangt wird als die Aufhebung des angefochtenen Entscheids.
Soweit allerdings auch die Rückerstattung der bezahlten direkten Bundessteuer
verlangt wird, kann auf die staatsrechtliche Beschwerde nicht eingetreten
werden (Kurt Locher/Peter Locher, Die Praxis der Bundessteuern, III. Band:
Das interkantonale Doppelbesteuerungsrecht, § 2, II C 4 Nr. 2), ist es doch
Sache der Eidgenössischen Steuerverwaltung, den Veranlagungsort für die
direkte Bundessteuer zu bestimmen (Art. 108 des Bundesgesetzes über die
direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990, DBG; SR 642.11).

1.4 Bei staatsrechtlichen Beschwerden wegen Verletzung von Art. 127 Abs. 3 BV
prüft das Bundesgericht Rechts- und Tatfragen frei, und es können auch neue
Tatsachen und Beweismittel vorgebracht werden (BGE 131 I 145 E. 2.4 S. 149
mit Hinweisen). Dies gilt ebenfalls bei der staatsrechtlichen Beschwerde
gegen einen Steuerdomizilentscheid.

2.
2.1 Eine gegen Art. 127 Abs. 3 BV verstossende Doppelbesteuerung liegt vor,
wenn eine steuerpflichtige Person von zwei oder mehreren Kantonen für das
gleiche Steuerobjekt und für die gleiche Zeit zu Steuern herangezogen wird
(aktuelle Doppelbesteuerung) oder wenn ein Kanton in Verletzung der geltenden
Kollisionsnormen seine Steuerhoheit überschreitet und eine Steuer erhebt, die
einem anderen Kanton zusteht (virtuelle Doppelbesteuerung). Ausserdem darf
ein Kanton eine steuerpflichtige Person grundsätzlich nicht deshalb stärker
belasten, weil sie nicht im vollen Umfang seiner Steuerhoheit untersteht,
sondern zufolge ihrer territorialen Beziehungen auch noch in einem anderen
Kanton steuerpflichtig ist (BGE 132 I 220 E. 2.1 S. 222 f. mit Hinweisen).
Im vorliegenden Fall ist der Beschwerdeführer bereits für den Zeitraum vom 1.
Januar bis Ende 2003 vom Kanton Solothurn rechtskräftig veranlagt, und er
soll aufgrund des angefochtenen Steuerdomizilentscheids auch im Kanton Bern
ab dem 1. Januar 2003 der unbeschränkten Steuerpflicht unterstellt werden.
Würde diese Feststellungsverfügung geschützt, resultierte eine aktuelle
Doppelbesteuerung.

2.2 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 127 Abs. 3 BV (bzw.
Art. 46 Abs. 2 aBV) ist der steuerrechtliche Wohnsitz (Hauptsteuerdomizil)
einer unselbständig erwerbenden Person derjenige Ort, wo sich die betreffende
Person mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält (vgl. auch Art. 3 Abs. 2
StHG, Art. 3 Abs. 2 DBG und Art. 23 Abs. 1 ZGB) bzw. wo sich der Mittelpunkt
ihrer Lebensinteressen befindet. Dem polizeilichen Domizil, wo die Schriften
hinterlegt sind oder wo die politischen Rechte ausgeübt werden, kommt dagegen
keine entscheidende Bedeutung zu. Das sind bloss äussere Merkmale, die ein
Indiz für den steuerrechtlichen Wohnsitz bilden können, wenn auch das übrige
Verhalten der Person dafür spricht (BGE 123 I 289 E. 2a S. 293 f. mit
Hinweisen). Wenn sich eine Person abwechslungsweise an zwei Orten aufhält,
namentlich wenn ihr Arbeitsort und ihr sonstiger Aufenthaltsort
auseinanderfallen, ist für die Bestimmung des steuerrechtlichen Wohnsitzes
darauf abzustellen, zu welchem Ort sie die stärkeren Beziehungen unterhält
(BGE 132 I 29 E. 4.2 S. 36). Bei unselbständig erwerbenden Steuerpflichtigen
ist das gewöhnlich der Ort, wo sie für längere oder unbestimmte Zeit
Aufenthalt nehmen, um von dort aus der täglichen Arbeit nachzugehen, ist doch
der Zweck des Lebensunterhalts dauernder Natur (BGE 132 I 29 E. 4.2 S. 36;
125 I 54 E. 2b S. 56 ff. mit Hinweisen). Der Mittelpunkt der Lebensinteressen
bestimmt sich für die Steuerhoheit nach der Gesamtheit der objektiven,
äusseren Umstände, aus denen sich diese Interessen erkennen lassen, nicht
nach den bloss erklärten Wünschen der steuerpflichtigen Person. Auf die
gefühlsmässige Bevorzugung eines Ortes kommt es nicht an; der
steuerrechtliche Wohnsitz ist insofern nicht frei wählbar (BGE 132 I 29 E.
4.1 S. 36; 123 I 289 E. 2b S. 294). Die Frage, zu welchem der Aufenthaltsorte
die steuerpflichtige Person die stärkeren Beziehungen unterhält, ist jeweils
auf Grund der Gesamtheit der Umstände des Einzelfalles zu beurteilen.
Bei verheirateten Personen mit Beziehungen zu mehreren Orten werden die
persönlichen und familiären Kontakte zum Ort, wo sich ihre Familie (Ehegatte
und Kinder) aufhält, als stärker erachtet als diejenigen zum Arbeitsort, wenn
sie in nicht leitender Stellung unselbständig erwerbstätig sind und täglich
oder an den Wochenenden regelmässig an den Familienort zurückkehren. Demnach
unterstehen verheiratete Pendler oder Wochenaufenthalter grundsätzlich
ausschliesslich der Steuerhoheit desjenigen Kantons, in dem sich ihre Familie
aufhält (BGE 132 I 29 E. 4.2 S. 36 f.); anders verhält es sich nur, wenn sie
in leitender Stellung tätig sind (vgl. dazu BGE 132 I 29 E. 4 und 5 S. 37
ff.)
Diese Praxis findet auch auf ledige Personen Anwendung, zählt die
Rechtsprechung doch Eltern und Geschwister ebenfalls zur Familie des
Steuerpflichtigen. Allerdings werden die Kriterien, nach denen das
Bundesgericht entscheidet, wann anstelle des Arbeitsorts der Aufenthaltsort
der Familie als Hauptsteuerdomizil anerkannt werden kann, besonders streng
gehandhabt; dies folgt aus der Erfahrung, dass die Bindung zur elterlichen
Familie regelmässig lockerer ist als jene unter Ehegatten. Bei ledigen
Steuerpflichtigen ist vermehrt noch als bei verheirateten Personen zu
berücksichtigen, ob weitere als nur familiäre Beziehungen zum einen oder
anderen Ort ein Übergewicht begründen. Dadurch erhält der Grundsatz, wonach
das Hauptsteuerdomizil von Unselbständigerwerbenden am Arbeitsort liegt,
grösseres Gewicht: Selbst wenn ledige Steuerpflichtige allwöchentlich zu den
Eltern oder Geschwistern zurückkehren, können die Beziehungen zum Arbeitsort
überwiegen. Dies kann namentlich dann zutreffen, wenn sie sich am Arbeitsort
eine Wohnung eingerichtet haben oder dort über einen besonderen Freundes- und
Bekanntenkreis verfügen. Besonderes Gewicht haben in diesem Zusammenhang auch
die Dauer des Arbeitsverhältnisses und das Alter des Steuerpflichtigen
(Urteil 2P.179/2003 vom 17. Juni 2004, publ. in: RDAF 2004 II S. 281, E. 2.3
mit Hinweisen).

2.3 In Bezug auf die Beweisführung sind folgende Grundsätze massgebend: Der
Umstand, dass der unverheiratete Steuerpflichtige vom Ort aus, wo er sich
während der Woche aufhält, eine unselbständige Erwerbstätigkeit ausübt,
begründet nach der Rechtsprechung die natürliche Vermutung, dass der
Steuerpflichtige dort sein Hauptsteuerdomizil hat. Diese Vermutung lässt sich
nur entkräften, wenn er regelmässig, mindestens ein Mal pro Woche, an den Ort
zurückkehrt, wo seine Familie lebt, mit welcher er aus bestimmten Gründen
besonders eng verbunden ist, und wo er andere persönliche und
gesellschaftliche Beziehungen pflegt. Nur wenn der steuerpflichtigen Person
der Nachweis solcher familiärer und gesellschaftlicher Beziehungen am Ort, wo
die Familie wohnt, gelingt, obliegt es dem Kanton des Wochenaufenthalts- oder
Arbeitsorts nachzuweisen, dass die Person gewichtige wirtschaftliche und
allenfalls persönliche Beziehungen zu diesem Ort unterhält (Urteile
2P.260/2004 vom 28. April 2005, E. 2.3; 2P.179/2003 vom 17. Juni 2004, E.
2.4; BGE 125 I 54 E. 3a S. 58; publ. in: Locher/Locher, a.a.O., § 3, I B, 2b
Nr. 34, 32 und 27).

3.
Vorliegend ist zu prüfen, ob der Kanton Bern die unbeschränkte Steuerpflicht
des Beschwerdeführers für die Steuerperiode 2003 (Stichtag 31. Dezember 2003)
zu Recht beansprucht.

3.1 Der 1969 geborene Beschwerdeführer wohnt während der Woche in Bern, wo er
seit 1. Mai 2001 eine Stelle bei der Y.________ AG hat und dort für das
Qualitätsmanagement verantwortlich ist. Während der Woche wohnt er in einer
4-Zimmer-Wohnung in der Stadt Bern. In der Steuerperiode 2003 spricht die
natürliche Vermutung (vgl. 2.3) mithin für einen steuerrechtlichen Wohnsitz
des Beschwerdeführers in Bern.

3.2 Auf der andern Seite ist der Beschwerdeführer besonders eng mit
A.________/SO verbunden. Er verbringt die Wochenenden regelmässig im
Elternhaus in A.________, wo seine betagte Mutter lebt. In D.________/SO
wohnt auch sein Bruder, während die Schwester in E.________/LU lebt. Wenn der
Beschwerdeführer in einem - nicht bei den Akten liegenden - Schreiben vom 31.
August 2003 zuhanden der Steuerrekurskommission des Kantons Bern erklärt
haben soll, er habe sich vom Elternhaus "emanzipiert", so schliesst dies
familiäre Bindungen keineswegs aus. In der Gemeinde A.________ übt der
Beschwerdeführer zwei wichtige politische Ämter aus: Er ist sowohl Präsident
der Wasserversorgungskommission, welches Amt ihn etwa 6 Stunden pro Woche
beansprucht, wie auch Mitglied der Gemeindeorganisation. Zudem ist er
gesellschaftlich engagiert als Mitglied der örtlichen CVP und des dortigen
Schützenvereins sowie als Passivmitglied einer lokalen Musikgesellschaft. Um
diesen Engagements nachzukommen, begibt er sich häufig während der Woche nach
A.________, um dann am gleichen Abend wieder nach Bern zu fahren. An rund 20
Abenden pro Jahr unterrichtet er zudem in C.________ Umwelttechnik und
Qualitätsmanagement, um anschliessend ebenfalls wieder nach Bern zu fahren.
Sein privater Freundeskreis erstreckt sich ausschliesslich auf A.________ und
Umgebung. Im Übrigen bildet er sich fachlich weiter (MBA-Nachdiplomstudium),
was seine restliche Freizeit absorbiert. Seinen Hausarzt, seine Versicherung
und seine Bankverbindungen hat er in A.________, dazu den Zahnarzt in
C.________. Insbesondere aufgrund des grossen Engagements des
Beschwerdeführers für die Gemeinde A.________, das nur jemand auf sich nimmt,
der sich überaus stark mit einem Gemeinwesen verbunden fühlt, erweist sich
die natürliche Vermutung zugunsten der Stadt bzw. des Kantons Bern als
entkräftet. Damit stellt sich weiter die Frage, ob der Wochenaufenthalts-
bzw. Arbeitsort darzutun vermag, der Beschwerdeführer unterhalte gewichtige
wirtschaftliche oder allenfalls persönliche Beziehungen zu Bern.

3.3
3.3.1 Der Kanton Bern stellt einmal das Alter des Beschwerdeführers in den
Vordergrund, zumal dieser in der fraglichen Steuerperiode bereits 34-jährig
war. Bei allein stehenden Wochenaufenthaltern, welche das 30. Altersjahr
überschritten haben oder deren Wochenaufenthalt bereits mehr als fünf Jahre
andauert, sei anzunehmen, dass die persönlichen und wirtschaftlichen
Beziehungen am Arbeitsort überwiegen.
Einer solchen Betrachtungsweise hat das Bundesgericht eine gewisse
Berechtigung nicht abgesprochen, immerhin einschränkend festgehalten, bei der
Prüfung der Steuerhoheit sei die Gesamtheit der objektiven Umstände des
konkreten Einzelfalles zu würdigen (Urteil 2P.170/1996 vom 24. März 1998,
publ. in: Locher/Locher, a.a.O., § 3, I B, 2b Nr. 26, E. 2b; Urteil
2P.148/1993 vom 24. April 1995, publ. in: NStP 49/1995 S. 86, E. 3c; Urteil
2P.25/1993 vom 20. Januar 1994, publ. in: ASA 63 836, E. 3c; Urteil
2P.26/1993 vom 20. Januar 1994, publ. in: StR 54/1994 584, E. 3c). Der
Beschwerdeführer arbeitete am Stichtag 31. Dezember 2003 erst rund
zweieinhalb Jahre bei der Y.________ AG. Er hatte sein berufliches Rüstzeug
während all der Jahre ständig verbessert und absolviert auch heute noch ein
anspruchsvolles Nachdiplomstudium. Insoweit steht er mit seinen 34 Jahren
erst am Anfang einer erfolgversprechenden Karriere. Dazu behauptet der Kanton
Bern zu Recht nicht, der erst seit etwa zweieinhalb Jahren während der Woche
in Bern wohnende Beschwerdeführer unterhalte dort eine feste Beziehung bzw.
habe sich am Arbeitsort einen Freundeskreis aufgebaut und sei
gesellschaftlich aktiv. Im Übrigen vermag der Beschwerdeführer mangels
genügender Freizeit die kulturellen Einrichtungen in Bern und ganz allgemein
die lokale Infrastruktur nur wenig zu nutzen.

3.3.2 Weiter werden die Wohnverhältnisse des allein stehenden
Beschwerdeführers als Indiz für eine Verlagerung des Lebensmittelpunktes nach
Bern aufgeführt. In der Tat lebt er in Bern in einer 4-Zimmer-Wohnung für
eine Monatsmiete von Fr. 2'200.--. Hierbei handle es sich nicht mehr um ein
"pied-à-terre", welches bloss als Schlafgelegenheit diene.
Allerdings ging es dem Beschwerdeführer vor allem darum, möglichst nahe an
seinem Arbeitsplatz zu wohnen. Aufgrund seiner finanziellen Lage war er nicht
auf eine möglichst kleine und preisgünstige Wohnung angewiesen. Die Wohnung
verfügt über ein Schlaf- und ein Wohnzimmer, ein Büro sowie ein Gästezimmer
für gelegentliche Besuche von Kollegen aus A.________ und Umgebung. Einen
Telefonanschluss (Festnetz) hat die Wohnung nicht. Das Arbeitszimmer dürfte
dem Studium im Hinblick auf den MBA-Abschluss dienen. Wohl hat das
Bundesgericht im Urteil 2P.171/2005 vom 25. Januar 2006 (publ. in: NStP
60/2006 S. 1) der Miete einer günstigen 3?-Zimmer-Wohnung am Arbeitsort durch
eine allein stehende Person erhebliche Beachtung geschenkt. Allerdings waren
dort nicht vergleichbare politische und gesellschaftliche Bindungen zum
Familienort gegeben wie im vorliegenden Fall, weshalb am Ende die
Wohnsituation besonderes Gewicht erhielt (vgl. auch BGE 131 I 145 E. 5 S. 150
f.). Im vorliegenden Zusammenhang kommt jedoch diesem Aspekt nicht
gleichermassen Bedeutung zu. Andererseits kann der Beschwerdeführer in
A.________ im geräumigen Elternhaus wohnen, das er dereinst zu Alleineigentum
zu erwerben gedenkt.

3.3.3 Nach Auffassung der Berner Steuerverwaltung werde der Arbeitsort zum
Lebensmittelpunkt, wenn die tägliche Rückkehr an den Familienort (Pendeln)
aufgrund der kurzen Reisedauer vom Arbeits- zum Familienort (bis zu einer
Stunde Fahrt, vgl. BGE 113 Ia 465 E. 4d S. 467 f.) zumutbar erscheine. Die
Fahrzeit mit dem Auto betrage hier rund 45 Minuten und liege damit unter dem
bundesgerichtlichen Toleranzwert. In einem solchen Fall halte sich die
betroffene Person einzig aus persönlichen Gründen während der Woche am
Arbeitsort auf, was für den Lebensmittelpunkt spreche.
Allerdings zieht die Vorinstanz aus dem erwähnten Entscheid (BGE 113 Ia 465
ff.) unzutreffende Schlüsse bezogen auf den vorliegenden Fall. Dort zog es
eine allein stehende Frau vor, während der Woche den Abend und die Freizeit
in Basel zu verbringen statt im nahe gelegenen Familienort Binningen/BL, wo
sie übers Wochenende verweilte. Hier wählte der Beschwerdeführer den
Übernachtungsort Bern während der Woche kaum wegen des möglicherweise
besseren kulturellen Angebots und attraktiverer Möglichkeiten der
Freizeitbeschäftigung, sondern einzig im Interesse seiner anspruchsvollen
beruflichen Tätigkeit, nämlich um ausgeruhter zur Arbeit zu erscheinen. Denn
neben dem Beruf, der Weiterbildung und den politischen und gesellschaftlichen
Verpflichtungen in A.________ bleibt ihm nur wenig Zeit, um von den Angeboten
in Bern zu profitieren.
Was sodann die Frage anbetrifft, ob der Beschwerdeführer ein echter oder ein
unechter Wochenaufenthalter ist, weil ihm ein tägliches Pendeln zumutbar
wäre, weist das kantonale Steueramt Solothurn zu Recht darauf hin, dass
gemäss Twix Route für die Strecke vom Elternhaus in A.________ an den
Arbeitsort in Bern 43 Minuten notwendig sind. Rechnet man noch 15 Minuten
zwischen Parkhaus und Arbeitsort hinzu, steigt der Zeitaufwand auf 58
Minuten. Dabei bleibt der notorische Stau auf der Autobahn A1 während des
Morgen- bzw. Abendverkehrs unberücksichtigt. Wird eine obligate Stauzeit
miteinkalkuliert, beträgt die tägliche Fahrzeit zwischen Familien- und
Arbeitsort über eine Stunde und ist damit kaum mehr zumutbar. In diesem
Lichte ist auch der Umstand zu würdigen, dass der Beschwerdeführer selbst
dann in Bern übernachtet, wenn er an einem Abend während der Woche in
A.________ engagiert ist. Daraus sind keine besonders engen Verbindungen zu
Bern abzuleiten, vielmehr scheinen Effizienzüberlegungen, die im
Arbeitsverhältnis begründet sind, im Vordergrund zu stehen.
Ist für den Arbeitsort als Hauptsteuerdomizil massgebend, ob der
Beschwerdeführer die Stadt Bern durch neue persönliche und gesellschaftliche
Beziehungen zum Zentrum seiner Lebensinteressen gemacht hat, so ist dies
jedenfalls für die hier in Frage stehende Steuerperiode 2003 aufgrund der von
der Steuerverwaltung des Kantons Bern aufgeführten Gründe nicht der Fall.

4.
Das Hauptsteuerdomizil des Beschwerdeführers befand sich demnach in der
Steuerperiode 2003 im Kanton Solothurn, weshalb die staatsrechtliche
Beschwerde gegenüber dem Kanton Bern gutzuheissen und der Entscheid der
Steuerverwaltung des Kantons Bern vom 12. Mai 2006 aufzuheben ist.
Bei diesem Verfahrensausgang werden die bundesgerichtlichen Kosten dem Kanton
Bern, der Vermögensinteressen verfolgt, auferlegt (Art. 156 Abs. 1 und 2 OG
in Verbindung mit Art. 153 und 153a OG). Er hat dem Beschwerdeführer für das
bundesgerichtliche Verfahren eine Parteientschädigung auszurichten (Art. 159
OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die staatsrechtliche Beschwerde gegen den Kanton Bern wird gutgeheissen, und
der Feststellungsentscheid der Steuerverwaltung des Kantons Bern vom 12. Mai
2006 wird aufgehoben.

2.
Die staatsrechtliche Beschwerde gegen den Kanton Solothurn wird abgewiesen,
soweit darauf einzutreten ist.

3.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird dem Kanton Bern auferlegt.

4.
Der Kanton Bern hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von Fr.
2'000.-- auszurichten.

5.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, dem Steueramt des Kantons Solothurn
und der Steuerverwaltung des Kantons Bern schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 14. November 2006

Im Namen der II. öffentlichrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: