Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Öffentlich-rechtliche Abteilung 2P.165/2006
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{T 0/2}
2P.165/2006 /leb

Urteil vom 7. Dezember 2006
II. öffentlich-rechtliche Abteilung

Bundesrichter Merkli, Präsident,
Bundesrichter Betschart,
Ersatzrichter Locher,
Gerichtsschreiber Fux.

A. ________,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Flückiger & Corvaglia AG,

gegen

Steuerverwaltung des Kantons Thurgau, Schlossmühlestrasse 15, 8510
Frauenfeld,
Steuerrekurskommission des Kantons Thurgau,
St. Gallerstrasse 1, 8510 Frauenfeld,
Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau, Frauenfelderstrasse 16, 8570
Weinfelden.
Steuerverwaltung des Kantons Schwyz,
Postfach 1232, 6431 Schwyz.

Art. 127 Abs. 3 BV (Doppelbesteuerung: Haupt- und Spezialsteuerdomizil ab 1.
Januar 1999),

Staatsrechtliche Beschwerde gegen den Entscheid
des Verwaltungsgerichts des Kantons Thurgau
vom 26. April 2006.

Sachverhalt:

A.
A. ________ (geb. 1963), in der hier interessierenden Steuerperiode noch
ledig, war Inhaber der Einzelfirma "X.________ Automaten", welche sich mit
dem Handel und Betrieb von Spielautomaten befasste. Gemäss
Handelsregisterauszug wurde der Firmensitz am 2. Oktober 1998 von
B.________/ZH nach C.________/SZ verlegt. Die Automaten wurden vorab im
Kanton Tessin sowie in der Westschweiz, aber auch in den Kantonen Zürich,
Aargau und Schaffhausen betrieben.

A. ________ meldete sich am 9. Januar 1997 von B.________/ZH nach
D.________/SZ ab, wo er bei einem Geschäftspartner wohnte; daneben behielt er
sein Reiheneinfamilienhaus in B.________/ZH. Ab 1. Oktober 1997 hielt er sich
eine 1?-Zimmer-Wohnung an der Y.________strasse in C.________/SZ zur
Verfügung (Mietzins pro Monat: Fr. 930.--, einschliesslich Nebenkosten). Als
Mieterin trat formell die Z.________ GmbH auf, an welcher A.________ zusammen
mit seinem Bruder E.________ beteiligt ist. Am 27. März 1998 erwarb er ein
geräumiges Einfamilienhaus mit 1'185m2 Umschwung für Fr. 810'000.-- in der
Gemeinde F.________/TG. Dieses liess er bis Ende 1998 für Fr. 257'746.80
ausbauen; im Jahr 1999 wurde eine Stützmauer und im Jahr 2000 ein
Aussenschwimmbad erstellt. Im August 2002 zog die heutige Ehefrau von
A.________ (Heirat am 4. Juli 2003) mit ihrer Tochter zu ihm nach
F.________/TG.

B.
Am 23. August 2000 nahm das Gemeindesteueramt F.________/TG eine
Steuerausscheidung unter den drei Steuerdomizilen G.________/ZH,
B.________/ZH und F.________/TG für die Steuerperiode 1999 vor. Dabei
betrachtete es F.________/TG nur als Belegenheitskanton und ermittelte ein in
diesem Kanton steuerbares Einkommen von Fr. 30'200.-- (zum Satz von Fr.
2'487'000.--) und ein steuerbares Vermögen von Fr. 621'500.-- (zum Satz von
Fr. 4'126'900.--). Mit definitiver Veranlagungsverfügung vom 16. Oktober 2000
stellte die Stadtgemeinde F.________/TG A.________ Rechnung für die Staats-
und Gemeindesteuern 1999. Diese Veranlagung blieb unangefochten und erwuchs
in Rechtskraft.
Mit Schreiben vom 8. Januar 2003 gelangte das Gemeindesteueramt F.________/TG
an A.________ und erklärte, nach Rücksprache mit der Steuerverwaltung des
Kantons Schwyz und in Anbetracht des Wohneigentumserwerbs in F.________/TG
befinde sich sein steuerrechtlicher Wohnsitz ab 1. Januar 1999 in
F.________/TG. Eine Einsprache gegen diesen Feststellungsentscheid wurde am
31. Juli 2003 und ein dagegen erhobener Rekurs wurde am 15. April 2004
abgewiesen.

In der Folge hiess das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau eine Beschwerde
gegen diesen Rekursentscheid insoweit gut, als es die Sache zwecks Vornahme
weiterer Abklärungen an die kantonale Steuerrekurskommission zurückwies.
Diese wies den Rekurs im zweiten Rechtsgang mit Entscheid vom 16. Juni 2005
(Versand am 21. November 2005) ab. Sie stellte fest, das Hauptsteuerdomizil
von A.________ befinde sich ab 1. Januar 1999 in F.________/TG, und ebenfalls
die "Betriebsstätte" der "X.________ Automaten" befinde sich daselbst.

Mit Urteil vom 26. April 2006 wies das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau
eine Beschwerde gegen diesen (zweiten) Rekursentscheid ab.

C.
Mit Veranlagungsverfügung vom 10. Juli 2006 (Versand am 8. August 2006)
setzte die Kantonale Steuerverwaltung Schwyz das im Kanton steuerbare
Einkommen und Vermögen von A.________ für die Veranlagungsperiode 1999/2000
auf Fr. 0.-- fest. Die Steuerverwaltung befand, dass angesichts des blossen
Scheindomizils eine Besteuerung im Kanton Schwyz entfalle.

Gegen diese Verfügung erhob A.________ am 7. September 2006 Einsprache. Das
Verfahren ist pendent.

D.
A.________ hat am 23. Juli 2006 staatsrechtliche Beschwerde wegen
interkantonaler Doppelbesteuerung gegen den Kanton Thurgau erhoben (Art. 127
Abs. 3 BV). Der Beschwerdeführer beantragt, das Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Thurgau vom 26. April 2006 betreffend
Steuerdomizil ab 1. Januar 1999 sei aufzuheben; zudem sei die Angelegenheit
an das Verwaltungsgericht zurückzuweisen mit der Weisung, eine
verfassungskonforme Feststellung des Wohn- und Geschäftssitzes für die Zeit
ab dem 1. Januar 1999 zu treffen. Im Weiteren rügt der Beschwerdeführer einen
Verstoss gegen Art. 8 Abs. 1 (Rechtsgleichheit), Art. 9 (Willkürverbot) und
Art. 29 Abs. 2 BV (Anspruch auf rechtliches Gehör).

E.
Die Kantonale Steuerverwaltung Thurgau sowie die Steuerrekurskommission und
das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau beantragen, die Beschwerde
abzuweisen. Den gleichen Antrag stellt die Steuerverwaltung des Kantons
Schwyz.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Der angefochtene Entscheid betrifft die Steuerperiode 1999 und damit
einen Sachverhalt, der vor die am 31. Dezember 2000 abgelaufene Frist fällt,
die den Kantonen zur Anpassung ihrer Gesetzgebung an das
Steuerharmonisierungsgesetz gewährt wurde (Art. 72 Abs. 1 des Bundesgesetzes
vom 14. Dezember 1990 über die Harmonisierung der direkten Steuern der
Kantone und Gemeinden, StHG; SR 642.14). In einem solchen Fall steht die
Verwaltungsgerichtsbeschwerde gemäss Art. 73 StHG nicht zur Verfügung, auch
wenn es sich beim angefochtenen Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons
Thurgau vom 26. April 2006 um einen Entscheid der letzten kantonalen Instanz
im Sinn von Art. 73 Abs. 1 StHG handelt (vgl. ASA 73, 170 E. 1.1 S. 171 f.,
mit Hinweisen).

Auf die fristgerecht erhobene staatsrechtliche Beschwerde wegen Verletzung
von Art. 127 Abs. 3 BV ist daher grundsätzlich einzutreten (vgl. Art. 84 Abs.
2, 86 Abs. 1 und 2, 89 Abs. 1 und 3 OG). Der Beschwerdeführer ist zur
Beschwerde legitimiert (Art. 88 OG).

1.2 Bezüglich der weiteren Rügen ist auf die staatsrechtliche Beschwerde nur
soweit einzutreten, als sie den Begründungsanforderungen gemäss Art. 90 Abs.
1 lit. b OG genügt. Danach muss die Beschwerdeschrift die wesentlichen
Tatsachen und eine kurz gefasste Darlegung darüber enthalten, welche
verfassungsmässigen Rechte bzw. welche Rechtssätze inwiefern durch den
angefochtenen Entscheid verletzt worden sind. Dabei genügt es nicht, wenn der
Beschwerdeführer bloss den angefochtenen Entscheid kritisiert wie in einem
appellatorischen Verfahren, in dem die Rechtsmittelinstanz die
Rechtsanwendung frei überprüfen kann. Er muss vielmehr deutlich dartun,
welche Vorschriften oder allgemein anerkannten Rechtsgrundsätze die
kantonalen Behörden verletzt haben sollen (grundlegend: BGE 110 Ia 1 E. 2a S.
3 f.; aus der seitherigen ständigen Rechtsprechung statt vieler: BGE 130 I
258 E. 1.3 S. 261 f., mit Hinweisen).

1.3 Mit der Doppelbesteuerungsbeschwerde gegen die Verfügung eines Kantons
kann innert der Beschwerdefrist auch die bereits rechtskräftige
Steuerveranlagung eines andern Kantons angefochten werden (vgl. Art. 89 Abs.
3 OG).

Im vorliegenden Fall erging die Verfügung des Kantons Schwyz als
zweitverfügenden Kantons erst nach der Eröffnung des angefochtenen Entscheids
bzw. nach der Einreichung der staatsrechtlichen Beschwerde. Gegen diese
Verfügung hat der Beschwerdeführer wohl Einsprache erhoben, er hat es jedoch
unterlassen, dagegen auch staatsrechtliche Beschwerde zu führen. Die
Veranlagung des Kantons Schwyz gehört deshalb nicht zum Streitgegenstand
dieses Verfahrens und kann somit auch nicht aufgehoben oder abgeändert
werden. Die staatsrechtliche Beschwerde richtet sich formell nur gegen den
Kanton Thurgau. Allerdings sind im Zusammenhang mit der Überprüfung der
Veranlagung des Kantons Thurgau diejenigen Angaben mit zu berücksichtigen,
welche gegenüber den Schwyzer Behörden gemacht wurden oder diesen bekannt
waren. Insofern richtet sich die Beschwerde materiell ebenso gegen den Kanton
Schwyz, dessen Haltung seit der Veranlagungsverfügung vom 10. Juli/ 8. August
2006 nunmehr feststeht. Dieser Kanton wurde denn auch zur Vernehmlassung
eingeladen.

1.4 Die staatsrechtliche Beschwerde ist grundsätzlich kassatorischer Natur,
das heisst, es kann mit ihr in der Regel nur die Aufhebung des angefochtenen
Entscheids verlangt werden (BGE 132 I 21 E. 1 S. 22, mit Hinweisen). Eine
Ausnahme gilt für Beschwerden wegen Verletzung des Doppelbesteuerungsverbots
(Art. 127 Abs. 3 BV): Hier kann das Bundesgericht zusammen mit der Aufhebung
des kantonalen Hoheitsakts auch Feststellungen treffen, den beteiligten
Kantonen verbindliche Anweisungen für die verfassungskonforme
Steuerausscheidung erteilen oder die Rückerstattung ungerechtfertigt
erhobener Steuern anordnen (ASA 73, 420 E. 1.3 S. 423, mit Hinweisen). Die
Rechtsbegehren des Beschwerdeführers sind daher grundsätzlich zulässig, auch
wenn damit mehr verlangt wird als die Aufhebung des angefochtenen Entscheids.
Geht es allerdings um die Festsetzung von Steuerdomizilen, so bestimmt sie
das Bundesgericht praxisgemäss selber.

2.
2.1 Bestreitet eine zur Veranlagung herangezogene Person die Steuerhoheit des
Kantons, muss grundsätzlich in einem Vorentscheid rechtskräftig über die
Steuerpflicht entschieden werden, bevor das Veranlagungsverfahren fortgesetzt
werden darf (BGE 131 I 145 E. 2.1 S. 147, mit Hinweisen; Kurt Locher/ Peter
Locher, Die Praxis der Bundessteuern, III. Teil, Das interkantonale
Doppelbesteuerungsrecht, § 1, III A, 1 Nr. 20, mit Hinweisen).

Im vorliegenden Fall wurde der Vorentscheid über die subjektive Steuerpflicht
rund zweieinhalb Jahre nach einer Veranlagungsverfügung im selben Kanton
erlassen, die von einer bloss beschränkten Steuerpflicht aufgrund von
Grundeigentum im Kanton ausgeht. Diese Verfügung ist in Rechtskraft
erwachsen. Es kann darauf nur noch zurückgekommen werden, wenn die
Voraussetzungen für ein Nachsteuerverfahren erfüllt sind (vgl. dazu Urteil
2A.585/2005 vom 8. Mai 2006, E. 3.2).
2.2 Ergibt sich aufgrund von Tatsachen oder Beweismitteln, die der
Steuerbehörde nicht bekannt waren, dass eine Veranlagung zu Unrecht
unterblieben oder eine rechtskräftige Veranlagung unvollständig ist, oder ist
eine unterbliebene oder unvollständige Veranlagung auf ein Verbrechen oder
ein Vergehen gegen die Steuerbehörde zurückzuführen, so wird die nicht
erhobene Steuer samt Zins als Nachsteuer eingefordert (§ 204 Abs. 1 des
Gesetzes vom 14. September 1992 über die Staats und Gemeindesteuern des
Kantons Thurgau in der Fassung vom 6. Mai 1998, in Kraft seit 1. Januar 1999
[StG/TG]; vgl. auch Art. 53 Abs. 1 Satz 1 StHG).

Die Veranlagungsbehörde hat die Steuererklärung zu überprüfen und die
erforderlichen Untersuchungen vorzunehmen (§ 161 StG/TG; Art. 46 Abs. 1
StHG). Die Steuerbehörde darf sich jedoch grundsätzlich darauf verlassen,
dass die Steuererklärung richtig und vollständig ist. Sie ist nicht
verpflichtet, ohne besonderen Anlass Quervergleiche mit Akten anderer
Steuerpflichtiger vorzunehmen oder im Steuerdossier nach ergänzenden
Unterlagen zu suchen. Die Steuerbehörde darf freilich auch nicht unbesehen
auf die Steuererklärung abstellen, wie wenn es sich um eine Selbstveranlagung
handeln würde. Sie muss insbesondere berücksichtigen, dass in den
Steuererklärungsformularen nicht nur Tatsachen einzutragen sind, sondern dass
sich dabei auch Rechtsfragen stellen. Eine Pflicht zu ergänzender
Untersuchung besteht für die Steuerbehörden aber nur dann, wenn die
Steuererklärung offensichtliche Fehler enthält. Bloss erkennbare Mängel
genügen nicht, um davon auszugehen, bestimmte Tatsachen oder Beweismittel
seien den Behörden schon zur Zeit der Veranlagung bekannt gewesen oder es
müsse diesen ein entsprechendes Wissen angerechnet werden (ASA 73, 482 E.
3.3.2 S. 488). Haben aber die Steuerbehörden bewusst davon abgesehen, einen
bestimmten, einfach zu erhellenden Umstand näher abzuklären, können sie keine
Nachsteuer mehr erheben, wenn sie nachträglich bessere Kenntnis von diesem
Umstand erhalten (Urteil 2A.585/2005 vom 8. Mai 2006, E. 3.2).
2.3 Im vorliegenden Fall hatte der Beschwerdeführer die Steuererklärung 1999B
für den Kanton Thurgau am 31. März 2000 eingereicht. (Der Kanton Thurgau hat
auf den 1. Januar 1999 zur Gegenwartsbemessung gewechselt; vgl. § 55 Abs. 1
StG/TG.) Dabei hatte er nur die liegenschaftsrelevanten Positionen deklariert
und im Übrigen eine Kopie der dem Gemeindesteueramt C.________/SZ am 4.
August 1999 eingereichten Steuererklärung 1999/2000 (Bemessungsjahre 1997/98)
für den Kanton Schwyz beigelegt.

Mit Schreiben vom 23. Mai 2000 verlangte das Gemeindesteueramt F.________/TG
vom Beschwerdeführer eine vollständig ausgefüllte Steuererklärung 1999B, weil
die eingereichten Unterlagen aufgrund der unterschiedlichen Steuersysteme
(Vergangenheitsbemessung im Kanton Schwyz - Gegenwartsbemessung im Kanton
Thurgau) ungenügend waren. Der Beschwerdeführer reichte in der Folge am 1.
Juli 2000 eine Steuererklärung 1999B nach (einschliesslich zweier
Hilfsblätter, u.a. zu seinem Liegenschaftsbesitz), wobei auf diesem Formular
die Adresse "Y.________strasse, C.________/SZ" vorgedruckt war. Erneut
deklarierte er nur die liegenschaftsrelevanten Positionen, gab nun aber auch
das hohe - angeblich im Kanton Schwyz steuerbare - übrige Einkommen 1999 bzw.
Vermögen (per Ende 1999) an. Gestützt darauf erstellte das Gemeindesteueramt
F.________/TG am 23. August 2000 die Steuerausscheidung zwischen den
Steuerdomizilen G.________/ZH, B.________/ZH und F.________/TG. Beim
Hauptsteuerdomizil "G.________/ZH" handelt es sich allerdings um ein
offensichtliches Versehen, denn eigentlich war damit C.________/SZ gemeint.
Dem Gemeindesteueramt F.________/TG ging es mit der Steuerausscheidung nur
darum, Erträge und Vermögen der Thurgauer Liegenschaft - zum Satz der hohen
übrigen Faktoren - zu erfassen.
Bei dieser Sachlage, wo das Hauptsteuerdomizil des Beschwerdeführers im
Kanton Schwyz scheinbar feststand, zumal er es in seinen persönlichen
Steuererklärungen mehrfach hervorgehoben hatte, bestand aber für die
Steuerbehörde des Kantons Thurgau zunächst kein Anlass, die Wohnsitzfrage
näher abzuklären. Es kann jedenfalls nicht gesagt werden, die Steuerbehörde
habe hier in voller Kenntnis von Ungereimtheiten davon abgesehen, zusätzliche
Abklärungen zu treffen, was wie gesagt die Erhebung einer Nachsteuer
ausschliessen würde. Die aufgrund neuer Tatsachen und Beweismittel
nachträglich verfügte unbeschränkte Steuerpflicht im Kanton Thurgau ab
Steuerperiode 1999 erweist sich damit - zumindest in formeller Hinsicht - als
rechtmässig (vgl. in diesem Zusammenhang auch § 206 Abs. 1 StG/TG).

3.
3.1 Eine gegen Art. 127 Abs. 3 BV verstossende Doppelbesteuerung liegt vor,
wenn eine steuerpflichtige Person von zwei oder mehreren Kantonen für das
gleiche Steuerobjekt und für die gleiche Zeit zu Steuern herangezogen wird
(aktuelle Doppelbesteuerung) oder wenn ein Kanton in Verletzung der geltenden
Kollisionsnormen seine Steuerhoheit überschreitet und eine Steuer erhebt, die
einem anderen Kanton zusteht (virtuelle Doppelbesteuerung). Ausserdem darf
ein Kanton eine steuerpflichtige Person grundsätzlich nicht deshalb stärker
belasten, weil sie nicht im vollen Umfang seiner Steuerhoheit untersteht,
sondern zufolge ihrer territorialen Beziehungen auch noch in einem andern
Kanton steuerpflichtig ist (Schlechterstellungsverbot; vgl. BGE 132 I 29 E.
2.1 S. 31 f.; 131 I 285 E. 2.1 S. 286; ASA 74, 684 E. 2.1 S. 685, je mit
Hinweisen).

3.2 Vorliegend sind das Haupt- und das Spezialsteuerdomizil (Geschäftsort)
des Beschwerdeführers für die Steuerperiode 1999 umstritten. Anders als in
früheren Jahren beansprucht der Kanton Schwyz nunmehr für die Steuerjahre
1999/2000 überhaupt keine subjektive Steuerpflicht mehr , so dass an sich
keine aktuelle Doppelbesteuerung des Beschwerdeführers für die Steuerperiode
1999/2000 gegeben ist. Dieses Einlenken des Kantons Schwyz vermag den
Beschwerdeführer freilich nicht zu binden (vgl. ASA 73, 247 E. 3;
Locher/Locher, a.a.O., § 8, V, Nr. 6). Nach seiner Auffassung befindet sich
das Hauptsteuerdomizil nicht im Kanton Thurgau, sondern im Kanton Schwyz.
Damit rügt er implizit einen Verstoss gegen das Verbot der virtuellen
Doppelbesteuerung.

4.
4.1 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 127 Abs. 3 BV ist der
steuerrechtliche Wohnsitz (Hauptsteuerdomizil) einer natürlichen Person
derjenige Ort, wo sie sich mit der Absicht dauernden Verbleibens aufhält bzw.
wo sich der Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen befindet (vgl. Art. 23 Abs. 1
ZGB; Art. 3 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte
Bundessteuer [DBG; SR 642.11]; Art. 3 Abs. 2 StHG; § 7 Abs. 1 und 2 StG/TG;
BGE 123 I 289 E. 2a S. 293; ASA 63, 836 ff.). Der Mittelpunkt der
Lebensinteressen bestimmt sich nach der Gesamtheit der objektiven, äusseren
Umstände, aus denen sich diese Interessen erkennen lassen, nicht nach den
bloss erklärten Wünschen der steuerpflichtigen Person; auf die gefühlsmässige
Bevorzugung eines Ortes kommt es nicht an. Der steuerrechtliche Wohnsitz ist
insofern nicht frei wählbar (BGE 132 I 29 E. 4.1 S. 36). Die Frage, zu
welchem der Aufenthaltsorte die steuerpflichtige Person die stärkeren
Beziehungen unterhält, ist jeweils auf Grund der Gesamtheit der Umstände des
Einzelfalls zu beurteilen. Dies gilt für unselbständig und selbständig
erwerbende Personen gleichermassen (Martin Arnold, Der steuerrechtliche
Wohnsitz natürlicher Personen im interkantonalen Verhältnis, in: ASA 68, 449
ff., insbesondere S. 485).

4.2 Ein Selbständigerwerbender, der sein Geschäft in einer
Geschäftsniederlassung mit ständigen Einrichtungen ausserhalb seines
Hauptsteuerdomizils führt, ist für das im Geschäft investierte Vermögen und
das daraus fliessende Einkommen im Kanton des Geschäftsortes zu besteuern.
Für das Vorhandensein einer Geschäftsniederlassung ausserhalb des
Hauptsteuerdomizils genügt allerdings eine bloss formale Erklärung durch
einen Handelsregistereintrag, ein blosser Briefkasten oder gar ein Postfach
nicht (ASA 57, 582 E. 4 S. 586, mit Hinweisen). Nur wenn die Tätigkeit auch
wirklich in den ständigen körperlichen Anlagen und Einrichtungen am Ort der
Geschäftsniederlassung ausgeübt wird, sind das dort auf eigene Rechnung
erzielte Einkommen und das der Berufsausübung dienende Vermögen am
Geschäftsort steuerbar. Wo dies nicht der Fall ist, sind Einkommen und
Vermögen am Hauptsteuerdomizil steuerbar, selbst wenn sich dort keine
spezifischen Einrichtungen befinden (Ernst Höhn/Peter Mäusli, Interkantonales
Steuerrecht, 4. Aufl., Bern/Stuttgart/Wien 2000, Rzn. 10 und 15 zu § 13).

4.3 Der Steuerwohnsitz als steuerbegründende Tatsache ist grundsätzlich von
der Steuerbehörde nachzuweisen. Der steuerpflichtigen Person kann allerdings
der Gegenbeweis für die von ihr behauptete subjektive Steuerpflicht an einem
neuen Ort auferlegt werden, wenn die von der Steuerbehörde angenommene
bisherige subjektive Steuerpflicht als sehr wahrscheinlich gilt (ASA 39, 284
E. 3c). Diese ursprünglich für das internationale Verhältnis aufgestellte
Regel ist nach der Praxis des Bundesgerichts auch im interkantonalen
Verhältnis anwendbar (Urteil 2P.186/2004 vom 15. Februar 2005, E. 2.3, mit
Hinweisen).

5.
5.1 Im Fall des Beschwerdeführers wird dessen subjektive Steuerpflicht in der
Zeit vor der hier massgebenden Steuerperiode 1999 (Veranlagungsperiode
1997/98) im Kanton Schwyz als fraglich angesehen. So erklärt die
Steuerverwaltung des Kantons Schwyz in ihrem "Amtsbericht" vom 18. April 2005
zuhanden der Steuerrekurskommission des Kantons Thurgau, die Unterlagen
deuteten darauf hin, dass A.________ bis zum Kauf und Umbau der Liegenschaft
in F.________/TG noch in B.________/ZH Wohnsitz gehabt habe und später in
F.________/TG. Die subjektive Steuerpflicht im Kanton Schwyz sei ohne nähere
Prüfung angenommen worden, aber die von ihr getroffene Veranlagung 1997 sei
in Rechtskraft erwachsen, während diejenige für 1998 noch offen sei.

Bei dieser Sachlage kann aus der angenommenen subjektiven Steuerpflicht im
Kanton Schwyz in der Veranlagungsperiode 1997 nichts für die hier
massgebenden Folgeperioden abgeleitet werden. Vielmehr ist aufgrund der
Gesamtheit der äusseren Umstände zu beurteilen, zu welchem der fraglichen
Aufenthaltsorte der Beschwerdeführer die stärkeren Beziehungen unterhielt
(vgl. BGE 108 Ia 252 E. 5b S. 256).

5.2 Es steht fest, dass der Beschwerdeführer sein Hauptsteuerdomizil in
B.________/ZH aufgegeben hat; ob dies entsprechend der polizeilichen
Abmeldung bereits anfangs 1997 geschah, ist hier nicht zu entscheiden.
Umstritten ist jedoch, ob ein Wechsel in den Kanton Schwyz (D.________ bzw.
C.________) oder in den Kanton Thurgau (F.________) vorgenommen wurde. Für
die Beurteilung der relevanten äusseren Umstände sind insbesondere die
Wohnverhältnisse von erheblicher Bedeutung (vgl. BGE 131 I 145 E. 5 S. 150
f.):

Während der Beschwerdeführer in F.________/TG nach dem Ausbau im Jahr 1998
über ein komfortables Einfamilienhaus an bevorzugter Lage verfügte, hielt er
sich in C.________/ SZ nur eine hauptsächlich für Bürozwecke eingesetzte
1?-Zimmer-Wohnung zur Verfügung. Zudem hielten sich sowohl der
Beschwerdeführer als auch seine neue Partnerin vielfach in diesem
Einfamilienhaus auf, was beweismässig hinreichend erstellt ist
(Stromverbrauch, rege benutzter Telefonfestnetzanschluss, Tankbelege aus der
Umgebung, Bareinzahlungen bei CS-Filialen in Schaffhausen usw.). Schon allein
diese Feststellung genügt, um die Beziehungen zu F.________/TG ab 1999 als
stärker zu gewichten und damit dort das Hauptsteuerdomizil anzunehmen. Es
kommt hinzu, dass F.________/TG nur rund 9 km von B.________/ZH entfernt ist,
womit der Beschwerdeführer seinen bisherigen Freundes- und Bekanntenkreis
problemlos weiter pflegen konnte. Die vom Beschwerdeführer dagegen erhobenen
Einwendungen überzeugen demgegenüber nicht (u.a. angebliche Unbewohnbarkeit
des Hauses während der Umgebungsarbeiten, Schriftverkehr mit der Credit
Suisse an die Adresse in C.________).

5.3 Weiter stellt sich die Frage, ob sich in C.________/SZ allenfalls das
Spezialsteuerdomizil des Geschäftsortes des Beschwerdeführers befand. Die
Frage ist zu verneinen: Gemäss Handelsregister des Kantons Schwyz hatte der
Beschwerdeführer den Sitz seiner Einzelfirma am 2. Oktober 1998 von
B.________/ZH nach C.________/SZ verlegt. Dort hielt er sich eine 40 m2
umfassende 1?-Zimmer-Wohnung zur Verfügung, die an sich als "ständige Anlage
oder Einrichtung" aufgefasst werden könnte, vorausgesetzt, dass die fragliche
Tätigkeit hauptsächlich dort ausgeübt worden wäre. Gerade dies war jedoch
zweifelhaft, verfügte doch diese Einrichtung nicht einmal über einen
Telefonfestnetzanschluss. Weiter lautete der Mietvertrag nicht auf den
Beschwerdeführer, sondern auf die Z.________ GmbH, an welcher er zur Hälfte
beteiligt ist; ein schriftlicher Untermietvertrag liegt offenbar nicht vor.
Ebenso wenig waren die beiden Angestellten dort beschäftigt, weil sie im
Aussendienst tätig waren.

Unter diesen Umständen ist die 1?-Zimmer-Wohnung in C.________/SZ steuerlich
mit einem blossen Briefkastendomizil vergleichbar und kann jedenfalls nicht
als Geschäftsniederlassung angesehen werden, wie die Steuerbehörden der
Kantone Schwyz und Thurgau zutreffend und übereinstimmend erkannt haben. Die
Einkünfte des Beschwerdeführers aus selbständiger Erwerbstätigkeit sind somit
an dessen Hauptsteuerdomizil steuerbar; ein Spezialsteuerdomizil
(Geschäftsort) entfällt.

6.
Die staatsrechtliche Beschwerde ist nach dem Gesagten unbegründet und deshalb
abzuweisen, soweit darauf eingetreten wird.

Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Kosten des
Verfahrens vor Bundesgericht zu tragen (Art. 156 Abs. 1 in Verbindung mit
Art. 153 und 153a OG). Eine Parteientschädigung ist nicht zu entrichten (Art.
159 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die staatsrechtliche Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten
ist.

2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, der Steuerverwaltung und der
Steuerrekurskommission des Kantons Thurgau, der Steuerverwaltung des Kantons
Schwyz und dem Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 7. Dezember 2006

Im Namen der II. öffentlichrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: