Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Öffentlich-rechtliche Abteilung 2P.318/2006
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2P.318/2006/leb
2A.733/2006

Urteil vom 27. Juli 2007
II. öffentlich-rechtliche Abteilung

Bundesrichter Hungerbühler, präsidierendes Mitglied,
Bundesrichter Wurzburger, Karlen,
Gerichtsschreiber Häberli.

A. ________,
Beschwerdeführer, vertreten durch
Rechtsanwalt Hans Finsler,

gegen

Anwaltskammer des Kantons St. Gallen,
Klosterhof 1, 9001 St. Gallen,
Kantonsgericht St. Gallen, III. Zivilkammer,
Klosterhof 1, 9001 St. Gallen.

Disziplinaraufsicht über Rechtsanwälte (befristetes Berufsausübungsverbot),

Verwaltungsgerichtsbeschwerde und staatsrechtliche Beschwerde gegen den
Entscheid des Kantonsgerichts St. Gallen, III. Zivilkammer, vom 7. September
2006.

Sachverhalt:

A.
B. ________ gelangte am 9. Juni 2005 an die Anwaltskammer des Kantons St.
Gallen und erstattete Anzeige gegen Rechtsanwalt A.________. Im daraufhin
eröffneten Disziplinarverfahren wurde diesem ein sechsmonatiges
Berufsausübungsverbot auferlegt, weil er - insbesondere durch Abschluss einer
Honorarvereinbarung ohne Hinweis auf die abweichende kantonale
Honorarordnung, durch die Einforderung von Schuldanerkennungen für seine
Honorarrechnung und durch die Geltendmachung von zedierten
Krankentaggeldansprüchen seiner Mandantin bei deren Versicherung - gegen Art.
12 lit. a, lit. c und lit. i des Bundesgesetzes vom 23. Juni 2000 über die
Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte (Anwaltsgesetz, BGFA; SR 935.61)
verstossen habe (Entscheid vom 6. März 2006). Hiergegen gelangte Rechtsanwalt
A.________ ans Kantonsgericht St. Gallen, welches seinen Anträgen insoweit
entsprach, als es die von der Anwaltskammer vorgesehene Publikation des
Berufsausübungsverbots für unverhältnismässig erklärte, die eingereichte
Beschwerde im Übrigen aber abwies (Entscheid vom 7. September 2006).

B.
Am 4. Dezember 2006 hat Rechtsanwalt A.________ beim Bundesgericht sowohl
Verwaltungsgerichtsbeschwerde (2A.733/2006) als auch staatsrechtliche
Beschwerde (2P.318/2006) eingereicht. Mit ersterem Rechtsmittel beantragt er,
den Entscheid des Kantonsgerichts aufzuheben und die Sache zu neuem Entscheid
an dieses zurückzuweisen. Mit staatsrechtlicher Beschwerde verlangt er
demgegenüber die Aufhebung sowohl des Kantonsgerichtsentscheids als auch der
diesem zugrundeliegenden Verfügung der Anwaltskammer.
Die Anwaltskammer des Kantons St. Gallen und das Kantonsgericht St. Gallen
haben je auf Vernehmlassung zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde und zur
staatsrechtlichen Beschwerde verzichtet. Das Bundesamt für Justiz hat sich
vernehmen lassen, ohne einen Antrag zu stellen.

C.
Mit Verfügung vom 20. Dezember 2006 hat der Präsident der II.
öffentlichrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts beiden Beschwerden
aufschiebende Wirkung zuerkannt.

D.
Am 25. Januar 2007 ist der Beschwerdeführer unaufgefordert mit einem
Schreiben ans Bundesgericht gelangt, in welchem er - wie bereits in der
Beschwerdeschrift - das Fehlen des "Protokolls der Verhandlung der Vorinstanz
vom 6. März 2006" in den Verfahrensakten beanstandet.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Auf das vorliegende Verfahren findet noch das bis Ende 2006 geltende
Bundesgesetz vom 16. Dezember 1943 über die Organisation der
Bundesrechtspflege (OG) Anwendung (vgl. Art. 132 Abs. 1 des am 1. Januar 2007
in Kraft getretenen Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht
[BGG; SR 173.110]).

1.2 Die beiden Eingaben des Beschwerdeführers richten sich gegen den gleichen
Entscheid und stehen in einem derart engen prozessualen und sachlichen
Zusammenhang, dass die bundesgerichtlichen Verfahren zu vereinigen sind (Art.
24 BZP in Verbindung mit Art. 40 OG).

I.  Staatsrechtliche Beschwerde

2.
2.1 Am 1. Juni 2002 ist das eidgenössische Anwaltsgesetz in Kraft getreten,
welches neben den Berufspflichten (Art. 12 BGFA) insbesondere auch das
Disziplinarrecht (Art. 17 ff. BGFA) abschliessend regelt. Gegen
letztinstanzliche kantonale Disziplinarentscheide steht gestützt auf Art. 97
ff. OG in Verbindung mit Art. 5 VwVG die eidgenössische
Verwaltungsgerichtsbeschwerde offen (BGE 130 II 270 E. 1.1 S. 272 f.; 129 II
297 E. 1.1 S. 299). Weil mit diesem Rechtsmittel die Verletzung von
Bundesrecht - einschliesslich der Bundesverfassung - gerügt werden kann,
bleibt für die hier zusätzlich zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde eingereichte
staatsrechtliche Beschwerde grundsätzlich kein Raum mehr (vgl. Art. 84 Abs. 2
OG). Auf dieses Rechtsmittel ist deshalb nicht einzutreten, soweit der
Entscheid des Obergerichts wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs (Art. 29
Abs. 2 BV) und der Wirtschaftsfreiheit (Art. 27 BV) angefochten wird (vgl.
Art. 84 Abs. 2 OG). Die staatsrechtliche Beschwerde ist vorliegend einzig
insoweit zulässig, als die Verletzung individualrechtlicher Garantien der St.
Galler Kantonsverfassung geltend gemacht wird.

2.2 Die staatsrechtliche Beschwerde steht nur gegen letztinstanzliche
kantonale Entscheide zur Verfügung (Art. 86 Abs. 1 OG), weshalb auf dieses
Rechtsmittel nicht einzutreten ist, soweit der Beschwerdeführer damit neben
der Aufhebung des Entscheids des Kantonsgerichts auch jene des
erstinstanzlichen Disziplinarentscheids beantragt.

3.
3.1 Der Beschwerdeführer beruft sich zunächst auf Art. 78 Abs. 2 und Art. 80
lit. b KV/SG. Er verkennt dabei, dass diese Bestimmungen die kantonale
Gerichtsorganisation regeln (Einsetzung von zwei ordentlichen Instanzen in
Zivilsachen bzw. Stellung des Verwaltungsgerichts als oberstes Gericht in
"Staats- und Verwaltungssachen") und keine mit staatsrechtlicher Beschwerde
anrufbaren verfassungsmässigen Rechte des Einzelnen begründen.

3.2 Eine individualrechtliche Garantie enthält im vorliegenden Zusammenhang
allein der - allerdings vom Beschwerdeführer nicht ausdrücklich, sondern nur
indirekt angerufene - Art. 77 Abs. 1 KV/SG. Diese Bestimmung garantiert jeder
Person die Beurteilung von Rechtsstreitigkeiten durch eine richterliche
Behörde, wobei das Gesetz diesen Anspruch in öffentlich-rechtlichen
Streitigkeiten "in besonderen Fällen" ausschliessen kann. Inwiefern die
Garantie von Art. 77 Abs. 1 KV/SG vorliegend verletzt worden sein könnte, ist
jedoch nicht ersichtlich: Die Disziplinierung des Beschwerdeführers wurde vom
Kantonsgericht überprüft, weshalb dieser durchaus Zugang zu einer
richterlichen Behörde hatte. Soweit er die sachliche Zuständigkeit des
Kantonsgerichts in Frage stellen will, sind seine Ausführungen unbehelflich.
Die Zuständigkeit der kantonalen Gerichte wird im Rahmen der
verfassungsrechtlichen Vorgaben durch den Gesetzgeber bestimmt. In Art. 6
Abs. 2 des kantonalen Anwaltsgesetzes hat dieser das Kantonsgericht zuständig
erklärt, Beschwerden gegen Verfügungen der St. Galler Anwaltskammer zu
beurteilen. Weshalb die betreffende Regelung gegen die Kantonsverfassung
verstossen sollte, ist weder schlüssig dargetan noch ersichtlich. Gemäss Art.
80 KV/SG wird die Rechtspflege in "Staats- und Verwaltungssachen" durch die
kantonalen und kommunalen Verwaltungsbehörden (lit. a), durch das
Verwaltungsgericht (lit. b) sowie durch "weitere gerichtliche Instanzen"
(lit. c) wahrgenommen. Zu Letzteren zählt nach dem Gesagten für den Bereich
der Disziplinaraufsicht über die Rechtsanwälte auch das Kantonsgericht.

3.3 Mithin erweist sich die staatsrechtliche Beschwerde als unbegründet und
ist - soweit darauf einzutreten ist - abzuweisen.
II. Verwaltungsgerichtsbeschwerde

4.
Mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht,
einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, sowie die
unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht
werden (Art. 104 lit. a und lit. b OG). Hat - wie hier - eine richterliche
Behörde als Vorinstanz gewirkt, ist das Bundesgericht jedoch an deren
Sachverhaltsfeststellung gebunden, sofern diese nicht offensichtlich
unrichtig, unvollständig oder unter Verletzung wesentlicher
Verfahrensbestimmungen erfolgt ist (Art. 105 Abs. 2 OG). Mit
Verwaltungsgerichtsbeschwerde grundsätzlich nicht gerügt werden kann die
Unangemessenheit des angefochtenen Entscheids (vgl. Art. 104 lit. c OG).

5.
In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer zunächst eine Verletzung der
Garantie des verfassungsmässigen Richters gemäss Art. 30 Abs. 1 BV.

5.1 Er beanstandet, dass die Gerichtsschreiberin der Anwaltskammer vor
Einleitung des Disziplinarverfahrens mit der Anzeigerin in Kontakt gestanden
sei und dieser angeraten habe, neben der Aufsichtsanzeige auch Strafklage zu
erheben. Wenn das Kantonsgericht unter diesen Umständen verneine, dass die
Gerichtsschreiberin wegen Befangenheit in Ausstand hätte treten müssen, so
verletze dies Art. 30 Abs. 1 BV.

5.2 Das Kantonsgericht hat festgestellt, die Gerichtsschreiberin habe die
Anzeigerin nicht beraten, sondern sie im Rahmen einer einfachen behördlichen
Auskunft darauf hingewiesen, dass die Anwaltskammer nicht für die
Untersuchung von strafrechtlichen Vorwürfen zuständig sei. Wenn die
Anzeigerin in der anschliessend beim Untersuchungsrichteramt Gossau
eingereichten Strafklage ausführte, sie habe sich "auf Anraten" der
Gerichtsschreiberin zu diesem Schritt entschlossen, beruhe dies auf einem
"Missverständnis". An diese Feststellung ist das Bundesgericht gebunden,
zumal der Sachverhaltsermittlung kein Mangel im Sinne von Art. 105 Abs. 2 OG
anhaftet (vgl. E. 4). Mithin ist der Rüge des Beschwerdeführers die Grundlage
entzogen: Ein blosse Auskunft darüber, welche Behörde sachlich für die
Abklärung zuständig ist, ob eine Straftat verübt wurde, vermag die
betreffende Gerichtsschreiberin im anwaltsrechtlichen Aufsichtsverfahren
nicht befangen erscheinen zu lassen.

6.
Der Beschwerdeführer macht weiter verschiedene Verletzungen des Anspruchs auf
rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV; vgl. BGE 129 I 232 E. 3.2 S. 236)
geltend.

6.1 Zunächst rügt er, die Anwaltskammer hätte nicht auf eine Verletzung von
Art. 12 lit. c BGFA erkennen dürfen, ohne ihm vorgängig anzuzeigen, dass das
Disziplinarverfahren auf diesen Tatbestand ausgedehnt werde. Im angefochtenen
Entscheid hat sich das Kantonsgericht mit diesem Vorbringen ausführlich
befasst. Dessen ungeachtet beschränkt sich der Beschwerdeführer auf eine
knappe Wiederholung dessen, was er bereits im vorinstanzlichen Verfahren
vorgebracht hatte, ohne mit einem Wort auf die Erwägungen des Kantonsgerichts
einzugehen. Seine Einwendungen erweisen sich denn auch als unbegründet: Die
Anwaltskammer hat dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 10. Juni 2005
detailliert eröffnet, welchen Sachverhalt sie untersucht. Sie hat weiter
darauf hingewiesen, dass sie prüft, ob er "die Berufsregeln verletzt [...]
und insbesondere gegen Art. 12 lit. a BGFA (sorgfältige und gewissenhafte
Berufsausübung) und/oder Art. 12 lit. i BGFA (Aufklärung über
Rechnungsstellung und Honorar) verstossen" habe. Mit dieser Formulierung
wurde dem Beschwerdeführer zwar angezeigt, welche Berufspflichten im
Vordergrund standen; die eröffnete Disziplinaruntersuchung wurde aber
keineswegs auf die beiden ausdrücklich erwähnten Bestimmungen beschränkt.
Aufgrund der Ausführungen der Anwaltskammer im Schreiben vom 10. Juni 2005
musste dem Beschwerdeführer mithin klar sein, dass diese umfassend abzuklären
gedachte, ob er gegen Berufspflichten verstossen hatte.

6.2 Weiter beanstandet der Beschwerdeführer, dass ihn die Anwaltskammer vor
ihrem Entscheid nicht eigens zur "in Aussicht genommenen Sanktion" angehört
habe. Er vermag indessen keine kantonale Verfahrensbestimmung zu nennen,
welche die Aufsichtsbehörde verpflichten würde, dem zu disziplinierenden
Rechtsanwalt Gelegenheit zu einer (nochmaligen) expliziten Stellungnahme zu
Art und Mass der Sanktion zu geben. Allein aus dem Umstand, dass die
Anwaltskammer im Jahre 2002 - nach der Vereinigung dreier verschiedener gegen
den Beschwerdeführer eingeleiteter Disziplinarverfahren - entsprechend
vorgegangen ist, lässt sich nichts zu Gunsten des Beschwerdeführers ableiten.
Entgegen dessen Auffassung gewährt auch Art. 29 Abs. 2 BV keinen Anspruch auf
nochmalige Anhörung zum Sanktionsmass: Die möglichen Disziplinarmassnahmen
ergeben sich ohne weiteres aus dem Gesetz und sind mithin bekannt, so dass
der Beschwerdeführer hierüber auch von Verfassungs wegen nicht eigens
aufgeklärt werden musste. Dem Anspruch auf rechtliches Gehör, wie er sich aus
Art. 29 Abs. 2 BV ergibt, hat die Anwaltskammer mit Schreiben vom 10. Juni
2005 Genüge getan, indem sie den Beschwerdeführer detailliert über die
erhobenen Vorwürfe informiert und zu einer Stellungnahme eingeladen hat.

6.3 Schliesslich rügt der Beschwerdeführer, dass sich das "Protokoll der
Verhandlung der Vorinstanz vom 6. März 2006" nicht in den Akten finde. Er
verkennt, dass vor der Anwaltskammer keine "Verhandlung", sondern eine blosse
(nicht öffentliche) Urteilsberatung stattgefunden hat, deren Ergebnis nicht
in einem Protokoll, sondern im Entscheid vom 6. März 2006 zum Ausdruck
gebracht wurde.

7.
In der Sache macht der Beschwerdeführer in verschiedener Hinsicht eine
unrichtige Anwendung von Bundesrecht geltend; er bestreitet, gegen die
Berufsregeln verstossen zu haben, und schliesst auf eine Verletzung der
Wirtschaftsfreiheit. Es geht dabei um folgende Vorfälle:

8.
Der Beschwerdeführer hat die Anzeigerin in einem Rechtsmittelverfahren vor
der Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen vertreten, wobei
Verfahrensgegenstand die Anordnung einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung
bildete. Für das betreffende Vertretungsverhältnis hat er mit der Anzeigerin
ein Honorar von 300 Franken pro Stunde vereinbart. Im bundesgerichtlichen
Verfahren macht der Beschwerdeführer nicht mehr geltend, seine Klientin
vorgängig auf die kantonale Honorarordnung für Rechtsanwälte und
Rechtsagenten (HonO/SG) hingewiesen zu haben. Mithin ist die Feststellung des
Kantonsgerichts verbindlich (vgl. E. 4), wonach es der Beschwerdeführer
unterlassen hat, über den nach kantonalem Recht anwendbaren Pauschaltarif
(750 bis 7'500 Franken; vgl. Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO/ SG) bzw. den
mittleren Ansatz von 200 Franken pro Stunde (vgl. Art. 24 Abs. 1 HonO/SG) zu
informieren; dieses Vorgehen wertete die Vorinstanz als Verstoss gegen Art.
12 lit. i BGFA.

8.1 Art. 12 lit. i BGFA verpflichtet den Rechtsanwalt, seinen Klienten über
die Grundsätze der Rechnungsstellung aufzuklären und ihn periodisch über die
Höhe des geschuldeten Honorars zu informieren. Dabei regelt das
eidgenössische Anwaltsgesetz jedoch nicht, wie das Anwaltshonorar im
konkreten Fall zu bestimmen ist; die anwendbaren Grundsätze ergeben sich
einerseits aus der zivilrechtlichen Regelung des Auftragsverhältnisses (vgl.
Walter Fellmann, in: Fellmann/Zindel [Hrsg.], Kommentar zum Anwaltsgesetz,
Zürich/Basel/Genf 2005, N 158 zu Art. 12) und andererseits aus den
allfälligen kantonalen Vorschriften über das Anwaltshonorar. Gemäss dem
einschlägigen St. Galler Anwaltsgesetz (AnwG/SG) bemisst sich das Honorar
nach Art und Umfang der Bemühungen des Rechtsanwalts sowie nach dem
Streitwert und der Schwierigkeit des Falls; berücksichtigt werden weiter die
wirtschaftlichen Verhältnisse der Beteiligten (Art. 31 AnwG/SG). Betrifft das
Vertretungsverhältnis die Vorbereitung und die Durchführung einer
Gerichtsverhandlung, so findet die staatliche Honorarordnung Anwendung (Art.
30 AnwG/SG). Deren Bestimmungen sind sowohl für die Gerichte und die
Verwaltungsbehörden als auch für die Rechtsanwälte grundsätzlich bindend
(Art. 2 Abs. 1 HonO/SG). Abweichende Einzelabreden zwischen Rechtsanwalt und
Klient über die Bemessung des Honorars nach Zeitaufwand zu einem bestimmten
Stundenansatz werden jedoch ausdrücklich als zulässig erklärt, sofern zuvor
auf die Bestimmungen der Honorarordnung hingewiesen wurde (Art. 2 Abs. 3
HonO/SG).

8.2 Aufgrund der geschilderten Rechtslage hat der Beschwerdeführer gegen die
Berufspflichten verstossen, als er mit der Anzeigerin ohne Hinweis auf die
niedrigeren Ansätze der subsidiär geltenden Honorarordnung einen
Stundenansatz von 300 Franken vereinbarte: Die bundesrechtlichen Berufsregeln
in Honorarbelangen werden durch die dargestellte kantonale Regelung
konkretisiert. Eine harmonisierte, für alle Rechtsanwälte gleichermassen
geltende Berufspflicht besteht im vorliegenden Zusammenhang nur hinsichtlich
der Information über das geschuldete Honorar; der materielle Inhalt dieser
Informationspflicht wird einerseits durch das Auftragsrecht und andererseits
durch allfällige kantonalen Vorschriften über das Anwaltshonorar bestimmt
(vgl. E. 8.1; vgl. auch unten E. 8.3.1). Hier ergeben sich die Grundsätze,
über welche der Beschwerdeführer gemäss Art. 12 lit. i BGFA zu informieren
hatte, aus Art. 31 AnwG/SG und Art. 2 Abs. 3 HonO/SG. Die betreffende
Regelung schliesst zwar im Einzelfall die Vereinbarung eines von der
Honorarordnung abweichenden Entgelts nicht aus, verlangt aber - wie gesehen -
einen vorgängigen Hinweis auf das Honorar, welches gemäss der (subsidiär
geltenden) Honorarordnung geschuldet wäre. Indem es der Beschwerdeführer
unterlassen hat, die Anzeigerin entsprechend zu informieren, verstiess er
gegen Art. 30 f. AnwG/SG in Verbindung mit Art. 2 Abs. 3 HonO/SG und damit
gleichzeitig gegen Art. 12 lit. i BGFA.

8.3 Was der Beschwerdeführer hiergegen vorbringt, ist unbehelflich:
8.3.1 Zunächst macht er geltend, das eidgenössische Anwaltsgesetz schliesse
aus, dass der kantonale Gesetzgeber in Vereinbarungen des Rechtsanwalts mit
seinem Klienten über das geschuldete Honorar eingreife. Mit dieser
Argumentation verkennt der Beschwerdeführer, dass bei Erlass des
eidgenössischen Anwaltsgesetzes bewusst auf eine einheitliche Regelung von
Honorarfragen verzichtet worden ist (vgl. insbesondere die Botschaft des
Bundesrats zum BGFA, BBl 1999 6040 f.). Für entsprechende Vorschriften sind
deshalb weiterhin die Kantone zuständig, auch wenn Art. 3 BGFA, welcher das
Verhältnis des eidgenössischen Anwaltsgesetzes zum kantonalen Recht regelt,
als den Kantonen verbleibende Kompetenzen nur die Festlegung der
Anforderungen für den Erwerb des Anwaltspatents sowie für die Zulassung von
Inhabern des kantonalen Patents vor den eigenen Gerichtsbehörden ausdrücklich
erwähnt. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers dürfen die Kantone in
Honorarbelangen nicht nur Bestimmungen über jene Entschädigungen erlassen,
deren rechtssatzmässige Regelung (wie das Honorar des unentgeltlichen
Rechtsbeistands bzw. des amtlichen Verteidigers sowie die Parteientschädigung
im Falle des Obsiegens) unumgänglich ist. Vielmehr können sie auch - wie
schon vor Inkrafttreten des eidgenössischen Anwaltsgesetzes - innerhalb der
Schranken der Bundesverfassung allgemeine Vorschriften über die Bemessung des
Anwaltshonorars aufstellen. Von einer Verletzung des Grundsatzes des Vorrangs
des Bundesrechts (vgl. Art. 49 BV), auf den sich der Beschwerdeführer
implizit beruft, kann deshalb im vorliegenden Zusammenhang keine Rede sein.

8.3.2 Es liegt weiter auch keine Verletzung der Wirtschaftsfreiheit (Art. 27
BV) vor, wobei hier nicht abschliessend geprüft zu werden braucht, inwieweit
der Staat bezüglich der Honorarfestsetzung in das Vertragsverhältnis zwischen
Rechtsanwalt und Klient eingreifen darf: Der Beschwerdeführer verkennt
insbesondere, dass die streitige Regelung des Kantons St. Gallen den
Rechtsanwalt keineswegs zwingt, stets den "mittleren Ansatz" von 200 Franken
pro Stunde zu verrechnen, sondern ihm lediglich vorschreibt, seine Klienten
darauf hinzuweisen, wenn die konkret getroffene Honorarvereinbarung von der
staatlichen Honorarordnung abweicht. Indem Letztere nur unter dem Vorbehalt
von Einzelabreden Geltung beansprucht, bleibt die Vertragsfreiheit im
Grundsatz respektiert. Auch wenn sich diese Freiheit in der Möglichkeit
erschöpft, ein Honorar gemäss Zeitaufwand zu einem bestimmten Stundenansatz
zu vereinbaren (und damit - neben der durch Art. 12 lit. e BGFA ohnehin
verbotenen Beteiligung am Prozessgewinn - auch andere denkbare Formen von
Honorarabreden ausschliesst), führt die subsidiär geltende kantonale
Honorarordnung nicht zu einem derart einschneidenden Eingriff in die
Wirtschaftsfreiheit, dass zumindest ihre Grundzüge von Bundesverfassungs
wegen in einem formellen Gesetz zu regeln wären. Die Vorschrift von Art. 2
Abs. 3 HonO/SG stellt mithin eine ausreichende gesetzliche Grundlage im Sinne
von Art. 36 Abs. 1 BV dar, obschon es sich nur um eine Verordnungsbestimmung
handelt. Dass ein öffentliches Interesse an einer Honorarordnung besteht, die
bei Fehlen einer gültigen besonderen Vereinbarung zwischen Rechtsanwalt und
Klient subsidiär zur Anwendung kommt, ist offensichtlich. Der entsprechende
(leichte) Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit ist zudem - entgegen der
(unsubstantiierten) Behauptung des Beschwerdeführers - auch nicht
unverhältnismässig.

8.3.3 Nach dem Gesagten kann offen bleiben, ob die von der St. Galler
Honorarordnung vorgesehenen Ansätze ausreichend sind, zumal die Verabredung
eines höheren Honorars zulässig ist. Es darf vom Beschwerdeführer jedenfalls
verlangt werden, die Regelung der Honorarordnung einzuhalten, wenn keine
gültige Einzelabrede über die geschuldete Entschädigung besteht. An einer
solchen fehlt es hier gemäss Anwaltskammer und Kantonsgericht darum, weil der
Beschwerdeführer die Anzeigerin vor Vereinbarung des Stundenansatzes von 300
Franken nicht auf die abweichende Regelung der kantonalen Honorarordnung
hingewiesen habe. Hierzu nimmt der Beschwerdeführer mit keinem Wort Stellung,
weshalb vom Fehlen einer gültigen Einzelabrede auszugehen ist.

9.
Obschon seine Honorarforderung mit insgesamt 4'279.90 Franken im vom
Pauschaltarif vorgegebenen Rahmen von 750 bis 7'500 Franken (vgl. Art. 22
Abs. 1 lit. b HonO/SG) lag, hielt die Vorinstanz dafür, der Beschwerdeführer
habe sich einer Gebührenüberforderung schuldig gemacht. Zu diesem Schluss kam
sie aufgrund des Umstands, dass er ein Honorar von 300 Franken pro Stunde
verlangt hatte, obschon der maximal zulässige Stundenansatz - auch im
Anwendungsbereich des Pauschaltarifs - 250 Franken betrage (vgl. Art. 24 Abs.
2 HonO/SG). Der Beschwerdeführer hat zwar die gänzliche Aufhebung des
angefochtenen Entscheids beantragt, in seiner Eingabe aber zur Verletzung der
Berufspflichten durch Einforderung eines überhöhten Honorars mit keinem Wort
Stellung genommen. Mithin ist der entsprechende Vorwurf unbestritten bzw.
fehlt es der Beschwerde diesbezüglich an einer sachbezogenen Begründung (vgl.
Art. 108 Abs. 2 OG), so dass insoweit nicht weiter auf sie einzugehen ist
(vgl. BGE 118 Ib 134; vgl. auch BGE 131 II 449 E. 1.3 S. 452). Gleiches gilt
für die Verletzung der Pflicht zur sorgfältigen und gewissenhaften
Berufsausübung (Art. 12 lit. a BGFA), welche die Vorinstanz im Umstand
erblickt hat, dass der Beschwerdeführer die Anzeigerin eine Schuldanerkennung
für seine Honorarrechnung hat unterzeichnen lassen.

10.
Der Beschwerdeführer hatte sich von der Anzeigerin zweimal deren Ansprüche
auf Krankentaggelder der Versicherung zedieren lassen; am 8. März 2005 einen
Betrag von 3'000 Franken (offenbar im Sinne eines Vorschusses) und am 15.
März 2005 einen Betrag von 3'350.45 Franken zur Begleichung der Teilrechnung
gleichen Datums. Die Anwaltskammer wertete dieses Vorgehen als Versuch des
Beschwerdeführers, sich für seine Bemühungen doppelt bezahlen zu lassen, und
schloss insoweit auf eine Verletzung der Pflicht zur sorgfältigen und
gewissenhaften Berufsausübung gemäss Art. 12 lit. a BGFA (in Frage käme
diesbezüglich wohl eher einer Verletzung der Treuepflicht gemäss Art. 12 lit.
c BGFA; vgl. E. 11). Demgegenüber erachtete das Kantonsgericht nicht als
erstellt, dass der Beschwerdeführer in entsprechender Absicht gehandelt habe.
Entgegen dessen Behauptungen hat es jedoch insoweit nicht etwa auf ein mit
den Berufspflichten konformes Verhalten geschlossen: Zwar liess es
ausdrücklich offen, ob der Beschwerdeführer durch die Anmeldung beider
Zessionen bei der Versicherung (und nicht nur der zweiten) wider die mit
seiner Klientin getroffenen Abreden gehandelt und sich insoweit "eine
flagrante Treuepflichtverletzung" habe zu Schulden kommen lassen. Das
allerdings insbesondere darum, weil es ohnehin Art. 12 lit. i BGFA für
verletzt hielt, zumal der Beschwerdeführer die Anzeigerin nicht darüber
aufgeklärt habe, wie er bezüglich der im Sinne eines Vorschusses vereinbarten
ersten Zession vom 8. März 2005 zu verfahren gedenke. Zu dieser
festgestellten Berufspflichtverletzung nimmt der Beschwerdeführer ebenso
wenig Stellung wie zu den beiden oben erwähnten Verstössen (vgl. E. 9);
seiner Beschwerde fehlt es mithin auch insoweit an einer sachbezogenen
Begründung.

11.
Im Zusammenhang mit der Geltendmachung der zedierten Forderungen erkannte die
Vorinstanz schliesslich auch auf einen Verstoss gegen Art. 12 lit. c BGFA:
Der Beschwerdeführer habe seine eigenen Honorarinteressen in pflichtwidriger
Weise über die Interessen seiner Mandantin gestellt, weil er sich dagegen zur
Wehr gesetzt habe, dass die zedierten Krankentaggelder an die Anzeigerin
ausbezahlt würden, als Letztere dies wegen ihrer angespannten Finanzlage
verlangte.

11.1 Gemäss Art. 12 lit. c BGFA haben die Rechtsanwälte "jeden Konflikt
zwischen den Interessen ihrer Klientschaft und den Personen, mit denen sie
geschäftlich oder privat in Beziehung stehen" zu meiden. Obschon im
Gesetzestext nicht ausdrücklich erwähnt, erfasst diese Berufsregel auch
allfällige Konflikte zwischen eigenen Interessen des Rechtsanwalts und
solchen seiner Klientschaft (vgl. etwa Walter Fellmann, in: Fellmann/Zindel
[Hrsg.], Kommentar zum Anwaltsgesetz, Zürich/Basel/Genf 2005, N 92 zu Art.
12). Zwar ist vorliegend betreffend das eigentliche Mandat - die Vertretung
im Verfahren auf fürsorgerische Freiheitsentziehung - kein Interessenkonflikt
ersichtlich. Die Treuepflicht des Rechtsanwalts gegenüber seinem Klienten ist
jedoch umfassender Natur (vgl. Martin Sterchi, Kommentar zum bernischen
Fürsprechergesetz, Bern 1992, N 1 zu Art. 13) und erstreckt sich auf alle
Aspekte des Mandatsverhältnisses.

11.2 Der Beschwerdeführer hat sich Krankentaggeldansprüche der Anzeigerin
abtreten lassen, wobei die Zessionen nichts mit dem eigentlichen Mandat zu
tun hatten, sondern allein der Sicherung seiner Honorarforderungen dienten.
Eine derartige Forderungsabtretung ist nicht per se unstatthaft, auch nicht
mit Blick auf den Liquiditätsengpass, in dem sich die Anzeigerin offenbar
befunden hat. Weiter ist der mandatierte Rechtsanwalt nicht etwa gehalten,
mit der Durchsetzung seines Honoraranspruchs zuzuwarten, bis der Klient
allfällige anderweitige Schulden bezahlt hat, und so mit seiner eigenen
Forderung hinter jene der anderen Gläubiger zurückzutreten. Er wird gerade
auch von Leuten mit der Interessenwahrung betraut, die bereits in
finanziellen Problemen stecken, und muss deshalb - soweit nicht eine
unentgeltliche Prozessführung in Frage kommt - sicherstellen dürfen, dass er
seine Dienstleistungen nicht entschädigungslos zu erbringen hat. Er hat dabei
allerdings in geeigneter Weise vorzugehen und gegebenenfalls auf die
besonderen Verhältnisse des Einzelfalls Rücksicht zu nehmen. Was der
Beschwerdeführer im vorliegenden Zusammenhang zur angeblichen
Unvermeidbarkeit von Interessenkollisionen ausführt, wenn der Rechtsanwalt
für seinen Mandanten Zahlungen in Empfang nehme, ist unerheblich, zumal es
hier gerade nicht um einen derartigen Fall geht.

11.3 Am 10. April 2005 hat der Beschwerdeführer von der Versicherung die
Auszahlung der zedierten Krankentaggelder verlangt. Gemäss den verbindlichen
Feststellungen der Vorinstanz (vgl. E. 4) kam er auf diesen Entscheid nicht
zurück, obschon er in der Folge von der Anzeigerin darauf aufmerksam gemacht
wurde, dass sie neben dem Taggeldanspruch über kein weiteres Einkommen
verfüge und deshalb zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts auf die Auszahlung
angewiesen sei. Durch dieses Verhalten hat der Beschwerdeführer gegen seine
Treuepflicht gemäss Art. 12 lit. c BGFA verstossen, wobei offen bleiben kann,
ob und inwieweit er im konkreten Fall tatsächlich auf die Auszahlung der
zedierten Krankentaggelder hätte verzichten müssen; im Ergebnis ist dem
Kantonsgericht so oder anders zuzustimmen: Der Beschwerdeführer wäre nämlich
jedenfalls gehalten gewesen, sich mit seiner Klientin eingehend zu
besprechen, bevor er ihr zur Befriedigung seiner Honorarforderung die einzige
Einkommensquelle (gänzlich) entzog. Dass der Anzeigerin wenigstens ein -
allerdings offensichtlich ungenügender - Betrag von 1'076 Franken verblieben
ist (der Grundpauschale entsprechend, welche im Kanton Freiburg für die
Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums einer alleinstehenden
Person zur Anwendung kommt), geht auf die Eigeninitiative der zuständigen
Sachbearbeiterin der Versicherung und nicht etwa auf eine dahingehende
Anweisung des Beschwerdeführers zurück. Es finden sich zwar in den Akten
gewisse Hinweise darauf, dass Beschwerdeführer und Anzeigerin im Zusammenhang
mit dem geplanten Verkauf einer Letzterer gehörenden Eigentumswohnung über
andere Wege zur Tilgung der Honorarforderung diskutiert haben. Allerdings
ergibt sich diesbezüglich nichts Schlüssiges und weder macht der
Beschwerdeführer selber geltend, er habe erfolglos eine andere Lösung zur
Sicherung seines Honorars gesucht, noch hat die Vorinstanz dahingehende
Feststellungen getroffen. Mithin hat das Bundesgericht davon auszugehen, dass
der Beschwerdeführer - ohne die elementarsten Interessen seiner Klientin
mitzuberücksichtigen - auf der Auszahlung der Krankentaggelder an sich selber
beharrte. Seine Behauptung, diesbezüglich erst nach der Niederlegung des
Mandats aktiv geworden zu sein, grenzt an Mutwilligkeit: Der Beschwerdeführer
hat sein Mandat mit Schreiben vom 24. Mai 2005 niedergelegt und beschwert
sich in einem an die Versicherung gerichteten Brief gleichen Datums, dass die
Überweisung der zedierten Gelder trotz mehrerer telefonischer Kontakte mit
der zuständigen Sachbearbeiterin noch nicht veranlasst worden sei.

12.
Der Beschwerdeführer bestreitet nicht nur den Verstoss gegen die
Berufspflichten, sondern macht am Rand auch geltend, die Auferlegung eines
sechsmonatigen Berufsausübungsverbots gemäss Art. 17 Abs. 1 lit. d BGFA sei
unverhältnismässig.

12.1 Bei der Verhältnismässigkeitsprüfung ist zu beachten, dass die
Bestimmung von Art und Mass der zu ergreifenden Disziplinarsanktion vorab
Sache der zuständigen Aufsichtsbehörde ist. Anders als bei der Frage, ob ein
disziplinarwidriges Verhalten vorliegt, welche das Bundesgericht mit freier
Kognition prüft, auferlegt sich dieses Zurückhaltung, wenn es um die
anzuordnende Massnahme geht. Insoweit greift das Bundesgericht nur ein, wenn
die angefochtene Sanktion den Rahmen des pflichtgemässen Ermessens sprengt
und damit als klar unverhältnismässig und geradezu willkürlich erscheint.
Hinsichtlich der Disziplinarmassnahme des (befristeten) Berufsverbots gilt es
zu beachten, dass es sich dabei um die schwerstmögliche Sanktion handelt. Als
solche ist sie grundsätzlich erst im Wiederholungsfall zu ergreifen, wenn
sich gezeigt hat, dass der Betroffene sich durch mildere Massnahmen nicht zum
Einhalten der Berufsregeln bewegen lässt (vgl. Urteil 2A.177/2005 vom 24.
Februar 2006, E. 4.1, Publikation im Zentralblatt für Staats- und
Verwaltungsrecht vorgesehen).

12.2 Der Beschwerdeführer musste bereits früher wegen zweier schwerer
Verletzungen der Berufspflichten diszipliniert werden: Am 26. August 2002
belegte ihn die Anwaltskammer des Kantons St. Gallen mit einem auf sechs
Monate befristeten Berufsausübungsverbot, weil er zum einen eine Urkunde
gefälscht und zum andern von seiner Mandantin ein Honorar eingefordert hatte,
obschon er als - vom Kanton bezahlter - unentgeltlicher Rechtsbeistand
eingesetzt war (vgl. Urteil 2P.103/2003 vom 2. Mai 2003). Zuvor war er wegen
der erwähnten Urkundenfälschung bereits von den Strafbehörden zu einer
(bedingt vollziehbaren) Gefängnisstrafe von 14 Tagen verurteilt worden (vgl.
Urteil 6S.376/2001 vom 13. November 2001). Eine weitere Verletzung der
Berufspflichten hat er begangen, indem er sich in zwei Telefonverzeichnissen
unter einer täuschenden und irreführenden Bezeichnung hat eintragen lassen;
mit Blick auf das verhängte Berufsausübungsverbot wurde diesbezüglich jedoch
keine zusätzliche Disziplinarmassnahme ergriffen (Urteil des Kantonsgerichts
St. Gallen vom 26. Juni 2003). Nunmehr hat sich der Beschwerdeführer einen
ganzen Komplex von Regelverstössen zu Schulden kommen lassen, wobei er ganz
offensichtlich verkennt, dass - auch wenn jede Berufspflichtverletzung für
sich allein genommen nur mittelschwerer Natur sein mag - diese insgesamt doch
schwer wiegen. Mit Blick auf das geschilderte bisherige berufliche Verhalten
des Beschwerdeführers sowie dessen völlige Uneinsichtigkeit ist das Verhängen
eines befristeten Berufsausübungsverbots nicht zu beanstanden.

12.3 Gemäss Art. 17 Abs. 1 lit. d BGFA kann ein befristetes
Berufsausübungsverbot für längstens zwei Jahre ausgesprochen werden. Eine
Dauer von sechs Monaten mag im vorliegenden Fall zwar hart erscheinen, ist
aber nicht bundesrechtswidrig: Der Beschwerdeführer hat sich durch das 2002
(ebenfalls für sechs Monate) ausgesprochene Berufsausübungsverbot nicht
beeindrucken lassen und nur eineinhalb Jahre, nachdem diese
Disziplinarmassnahme im Herbst 2003 vollzogen war, erneut massiv gegen die
Berufspflichten verstossen. Besonders ins Gewicht fällt, dass es sich dabei
wieder um Verfehlungen handelt, welche, wie schon die Urkundenfälschung und
die Missachtung der Regeln der unentgeltlichen Prozessführung, ernsthafte
Zweifel an der charakterlichen Eignung des Beschwerdeführers für den
Anwaltsberuf wecken. Die hier zu beurteilenden Berufspflichtverletzungen -
das Verschweigen der (für die Klientin vorteilhafteren) subsidiären Regelung
der kantonalen Honorarordnung, die übersetzte Honorarforderung, die für die
Honorarrechnung einverlangte Schuldanerkennung sowie das Vorgehen im
Zusammenhang mit den Zessionen der Krankentaggelder - waren letztlich alle
auch darauf ausgerichtet, die Anzeigerin zu übervorteilen. Gegenüber einer
Klientin, welche mit einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung konfrontiert
ist und sich deshalb auch psychisch in einer schwierigen Lage befindet, ist
ein solches Verhalten eines Rechtsanwalts besonders unwürdig. Der
Beschwerdeführer vermag denn auch nicht näher zu begründen, weshalb die
verfügte Disziplinarmassnahme unverhältnismässig sein sollte: Er argumentiert
insoweit lediglich mit der - wie gesehen - unzutreffenden Behauptung, die
Vorinstanz habe den Vorwurf, er habe sich doppelt bezahlen lassen wollen,
"gänzlich fallen gelassen" (vgl. E. 10). Auch wenn der Verstoss gegen Art. 12
lit. i BGFA, den sich der Beschwerdeführer nach den Erwägungen des
angefochtenen Entscheids hat zu Schulden kommen lassen, weniger schwer wiegen
mag als der ursprüngliche Vorwurf der Anwaltskammer, erscheint die verhängte
Sanktion deswegen nicht als offensichtlich übersetzt und willkürlich.

13.
Nach dem Gesagten erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist
abzuweisen. Bei diesem Verfahrensausgang wird der Beschwerdeführer
kostenpflichtig (vgl. Art. 156 in Verbindung mit Art. 153 und Art. 153a OG).
Eine Parteientschädigung ist nicht auszurichten (vgl. Art. 159 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Verfahren 2A.733/2006 und 2P.318/2006 werden vereinigt.

2.
Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde wird abgewiesen.

3.
Die staatsrechtliche Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten
ist.

4.
Die Gerichtsgebühr von insgesamt Fr. 5'000.-- wird dem Beschwerdeführer
auferlegt.

5.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, der Anwaltskammer des Kantons St.
Gallen und dem Kantonsgericht St. Gallen, III. Zivilkammer, sowie dem
Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 27. Juli 2007

Im Namen der II. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Das präsidierende Mitglied:  Der Gerichtsschreiber: