Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Öffentlich-rechtliche Abteilung 2P.55/2006
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{T 0/2}
2P.55/2006
2P.193/2005 /bru

Urteil vom 5. Juli 2006
II. Öffentlichrechtliche Abteilung

Bundesrichter Merkli, Präsident,
Bundesrichter Hungerbühler, Ersatzrichter Rohner,
Gerichtsschreiber Fux.

X._______,
Beschwerdeführer,

gegen

Advokaturprüfungsbehörde Basel-Stadt,
c/o Appellationsgericht Basel-Stadt,
Bäumleingasse 1, 4051 Basel.
Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt
als Verwaltungsgericht, Bäumleingasse 1, 4051 Basel.

Art. 8, 9, 29 BV (Advokaturexamen),

Staatsrechtliche Beschwerden gegen den Entscheid
vom 17. Juni 2005 der Advokaturprüfungsbehörde
Basel-Stadt und gegen das Urteil vom 24. Oktober 2005 des
Appellationsgerichts des Kantons Basel-Stadt.

Sachverhalt:

A.
Dr. iur. X._______ legte im 1. Halbjahr 2005 das basel-städtische
Advokaturexamen ab. Am 17. Juni 2005 teilte ihm die Advokaturprüfungsbehörde
Basel-Stadt mit, dass er das Examen nicht bestanden habe. Unter anderem war
die von Prof. Dr. Y._______ gestellte Hausarbeit als ungenügend bewertet
worden.

B.
X._______ hat gegen den Prüfungsentscheid am 15. Juli 2005 staatsrechtliche
Beschwerde an das Bundesgericht erhoben (Verfahren 2P.193/2005). Der
Beschwerdeführer beantragt neben der Aufhebung des angefochtenen Entscheids,
die Sache sei an die Prüfungsbehörde zurückzuweisen mit der Vorgabe, seine
Hausarbeit durch einen unabhängigen, unbefangenen, prüfungserfahrenen und mit
Bezug auf das Thema fachkompetenten Sachverständigen bewerten zu lassen sowie
gestützt auf eine ordentlich und verfassungskonform begründete Neubewertung
der Hausarbeit einen neuen Prüfungsentscheid zu fällen. Er rügt eine
Verletzung der Art. 8, 9 sowie 29 Abs. 1 und 2 BV.

In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragt der Beschwerdeführer, das
bundesgerichtliche Verfahren sei zu sistieren, bis das in der gleichen Sache
angerufene Verwaltungsgericht Basel-Stadt einen Nichteintretensentscheid
gefällt oder den Rekurs abgewiesen haben werde. Im Fall einer Abweisung des
Rekurses sei ihm, dem Beschwerdeführer, im Hinblick auf die Prüfung des
kantonalen Gerichtsentscheids Gelegenheit zu geben, die staatsrechtliche
Beschwerde zu ergänzen.

Mit Verfügung des Abteilungspräsidenten vom 5. August 2005 wurde das
Verfahren 2P.193/2005 antragsgemäss sistiert.

C.
Das Verwaltungsgericht des Kantons Basel-Stadt trat mit Urteil vom 24.
Oktober 2005 auf den Rekurs nicht ein. Das Gericht erwog, zur Beurteilung von
Berufszulassungsprüfungen in der Sache selbst sei es nicht zuständig. Die vom
Beschwerdeführer als Verfahrensrügen deklarierten Mängel seien bei richtiger
Betrachtung nicht Verfahrensmängel, sondern inhaltliche Rügen, auf die es
nicht eintreten könne.

X._______ hat auch gegen dieses Urteil am 13. Februar 2006 staatsrechtliche
Beschwerde erhoben (Verfahren 2P.55/2006). Er macht eine Verletzung von Art.
8 sowie Art. 29 Abs. 1 und 2 BV geltend und beantragt, das angefochtene
Urteil aufzuheben.

In verfahrensrechtlicher Hinsicht stellt der Beschwerdeführer den Antrag, das
Verfahren 2P.193/2005 weiterhin zu sistieren, bis das Verfahren der zweiten
staatsrechtlichen Beschwerde (2P.55/2006) abgeschlossen sei bzw. ein
verfassungskonformes Urteil des Verwaltungsgerichts Basel-Stadt vorliege.
Ferner seien die Akten des Verfahrens 2P.193/2005 im vorliegenden Verfahren
beizuziehen und als Entscheidungsgrundlage zu berücksichtigen.

Mit Verfügung des Abteilungspräsidenten vom 16. Februar 2006 wurde das
Verfahren 2P.193/2005 wieder aufgenommen.

D.
Die Advokaturprüfungsbehörde Basel-Stadt beantragt im Verfahren 2P.193/2005,
die staatsrechtliche Beschwerde (vom 15. Juli 2005) abzuweisen, soweit darauf
einzutreten sei.

Das Verwaltungsgericht des Kantons Basel-Stadt schliesst im Verfahren
2P.55/2006 ebenfalls auf Abweisung der staatsrechtlichen Beschwerde (vom 13.
Februar 2006).

Der Beschwerdeführer hat dem Bundesgericht am 27. März 2006 unaufgefordert
eine weitere Stellungnahme eingereicht.

E.
Der Beschwerdeführer ersucht in beiden Verfahren um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Die staatsrechtlichen Beschwerden richten sich zwar nicht gegen das gleiche
Anfechtungsobjekt, jedoch liegt beiden Beschwerden der Entscheid der
Advokaturpüfungsbehörde Basel-Stadt vom 17. Juni 2005 zugrunde. Aus
prozessökonomischen Gründen ist es angezeigt, die Verfahren 2P.193/2005 und
2P.55/2006 zu vereinigen und die Beschwerden in einem einzigen Urteil zu
behandeln.

2.
Das Bundesgericht prüft die Zulässigkeit der bei ihm eingereichten
Beschwerden von Amtes wegen und mit freier Kognition (BGE 131 II 58 E. 1 S.
60, mit Hinweisen).

2.1 Der umstrittene Prüfungsentscheid erging in Anwendung von kantonalem
Recht. Als Rechtsmittel kommt deshalb ausschliesslich die staatsrechtliche
Beschwerde in Betracht. Insofern sind die Voraussetzungen von Art. 84 Abs. 1
und 2 OG erfüllt.

2.2 Die staatsrechtliche Beschwerde ist nur gegen letztinstanzliche kantonale
Entscheide zulässig (Art. 86 Abs. 1 OG).

Nach kantonalem Recht ist der Entscheid der Advokaturpüfungskommission
Basel-Stadt endgültig (§ 9 Abs. 3 des basel-städtischen Advokaturgesetzes vom
15. Mai 2002). Die gemäss Justizreform vorgesehene allgemeine
Rechtsweggarantie steht derzeit noch nicht in Kraft (vgl. de lege ferenda
Art. 29a BV). Hingegen ergibt sich nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung
aus Art. 6 Ziff. 1 EMRK ein Anspruch auf gerichtliche Überprüfung von
Examensentscheiden, soweit es um zivilrechtliche Ansprüche geht, das heisst,
soweit es sich um formelle Fragen der Rechtmässigkeit des Verfahrens handelt;
auf materielle Rügen gegen die Bewertung einer Prüfungsleistung findet Art. 6
Ziff. 1 EMRK dagegen keine Anwendung (BGE 131 I 467 E. 2.9 S. 472, mit
Hinweisen). Im gleichen Sinn und Umfang hat vorliegend das Verwaltungsgericht
des Kantons Basel-Stadt seine Zuständigkeit bejaht (angefochtenes Urteil, S.
3 E. 1.3.1).

Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die angefochtenen Entscheide kantonal
letztinstanzlich sind: das Urteil des Verwaltungsgerichts mit Bezug auf die
verfahrensrechtlichen und der Entscheid der Advokaturprüfungsbehörde mit
Bezug auf die materiellrechtlichen Fragen.

2.3 Die Frist für die Einreichung einer staatsrechtlichen Beschwerde beträgt
30 Tage (vgl. Art. 89 Abs. 1 OG). Ein zweiter Schriftenwechsel findet nur
ausnahmsweise statt (Art. 93 Abs. 3 OG). Die vom Beschwerdeführer nach Ablauf
der Beschwerdefrist unaufgefordert eingereichte Stellungnahme vom 27. März
2006 ist deshalb im vorliegenden Verfahren unbeachtlich.

2.4 Der Beschwerdeführer ist durch den negativen Prüfungsentscheid in seinen
rechtlich geschützten Interessen betroffen. Seine Legitimation zur
Beschwerdeführung ist in beiden Verfahren gegeben (vgl. Art. 88 OG).

2.5 Die staatsrechtliche Beschwerde ist - von hier nicht zutreffenden
Ausnahmen abgesehen - rein kassatorischer Natur, d.h. es kann mit ihr nur die
Aufhebung des angefochtenen Entscheids verlangt werden (statt vieler: BGE 132
I 21 E. 1, mit Hinweisen). Die darüber hinausgehenden Anträge, namentlich in
der Beschwerde vom 15. Juli 2005 (Verfahren 2P.193/2005), sind deshalb
unzulässig.

2.6 Die Beschwerdeschrift muss unter anderem die wesentlichen Tatsachen und
eine kurz gefasste Darlegung darüber enthalten, welche verfassungsmässigen
Rechte bzw. welche Rechtssätze und inwiefern sie durch den angefochtenen
Entscheid verletzt worden sind (Art. 90 Abs. 1 lit. b OG). Das Bundesgericht
prüft im Verfahren der staatsrechtlichen Beschwerde nur klar und detailliert
erhobene und, soweit möglich, belegte Rügen. Der Beschwerdeführer muss anhand
der angefochtenen Subsumtion im Einzelnen darlegen, inwiefern der kantonale
Entscheid willkürlich oder sonstwie verfassungswidrig sein soll; bloss
appellatorische Kritik reicht nicht aus (vgl. zu den Begründungsanforderungen
grundlegend: BGE 110 Ia 1 E. 2a S. 3 f.; 107 Ia 186, je mit Hinweisen; aus
der neueren Praxis statt vieler: BGE 130 I 258 E. 1.3 S. 261 f., mit
Hinweisen). Soweit die vorliegende Beschwerdeschrift diese Anforderungen
nicht erfüllt, ist auf sie nicht einzutreten.

3.
Das Verwaltungsgericht hat seine Zuständigkeit verneint und ist auf den
Rekurs des Beschwerdeführers nicht eingetreten, weil die gerügten Mängel sich
nicht auf formelle Verfahrensfehler, sondern auf die materielle Richtigkeit
der Prüfungsbewertung bezogen hätten. Die gegen dieses Urteil gerichtete
staatsrechtliche Beschwerde (Verfahren 2P.55/2006) erweist sich als
unbegründet, soweit darauf einzutreten ist:
3.1 Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, das Verwaltungsgericht
habe den Sinn der bei ihm erhobenen Rügen verkannt und diese pauschal in
Vorbringen inhaltlicher Art uminterpretiert. Er habe in der Rekursschrift
konkret und mit Beweisanträgen substanziiert den dringenden Verdacht
geäussert, dass Prof. Y._______ bei einzelnen Kandidaten mit seines Erachtens
ungenügenden Prüfungsleistungen rechtsmissbräuchlich im Reglement nicht
vorgesehene mündliche Prüfungen durchgeführt habe. Diese vermuteten
Unregelmässigkeiten berührten unmittelbar auch die Bewertung seiner eigenen
Hausarbeit, weil sie zeigten, dass Prof. Y._______ im Vergleich mit andern
Examinatoren übermässig strenge Massstäbe angewendet habe und deshalb bei
einzelnen Kandidaten zu mündlichen Prüfungen geschritten sei. Er, der
Beschwerdeführer, habe dieses Verhalten als Verletzung von Art. 8 und 29 Abs.
1 BV gerügt. Indem das Verwaltungsgericht die entsprechenden Beweisanträge
ignoriert habe und auf die Rügen nicht eingegangen sei, habe es seinerseits
Art. 29 BV verletzt.

3.2 Die Rüge vermag nicht durchzudringen: Die behauptete Verletzung des Art.
29 Abs. 1 BV bezieht sich auf Vorbringen, mit denen der Beschwerdeführer
sinngemäss geltend machte, andere Kandidaten hätten - anscheinend im
Gegensatz zu ihm - von Prof. Y._______ eine im Prüfungsreglement nicht
vorgesehene Gelegenheit zur Notenverbesserung erhalten (Rekurs an das
Verwaltungsgericht, S. 16). Im Kern geht es somit um die Rüge der
Rechts(un)gleichheit. Diese Rüge ist indessen nicht verfahrensrechtlicher,
sondern materieller Natur. Weshalb das Verwaltungsgericht auf die Rüge in der
Sache trotzdem hätte eintreten müssen, wird vom Beschwerdeführer nicht
substanziiert dargelegt. Betrifft aber die Rüge somit einen im Verfahren vor
Verwaltungsgericht nicht relevanten Gegenstand, so hat dieses auch den
Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör nicht verletzt, wenn es
ihr nicht nachgegangen ist; die Rüge der Verletzung von Art. 29 Abs. 2 BV
stösst damit ins Leere.

3.3 Der Beschwerdeführer macht ferner geltend, das Verwaltungsgericht habe
die Rüge, dass Prof. Y._______ seine Arbeit unsorgfältig und oberflächlich
korrigiert habe und in augenfällige Argumentationsfehler verfallen sei, zu
Unrecht nicht als Rüge der Verweigerung des rechtlichen Gehörs
entgegengenommen und daher dieses verfassungsmässige Recht seinerseits
verletzt. Zudem sei eine Prüfungskommission, wenn ihr ein Mitglied angehöre,
dem solche Fehler unterliefen, nicht korrekt besetzt.

Dem kann nicht gefolgt werden: Ausgangspunkt der Argumentation des
Beschwerdeführers ist, dass Prof. Y._______ bzw. die Prüfungskommission die
Hausarbeit nicht sachgerecht gewürdigt und bewertet hätten. Die gegenüber dem
angefochtenen Urteil und mittelbar gegenüber der Prüfungskommission und Prof.
Y._______ erhobenen Vorwürfe knüpfen an das Ergebnis dieser Bewertung an,
woraus dann Rückschlüsse auf pflichtwidriges Verhalten und mangelnde
Kompetenz des Examinators gezogen werden. Gerade dies zeigt aber, dass es
auch in diesem Zusammenhang letztlich um die materielle Würdigung der Arbeit
des Beschwerdeführers ging, auf die das Verwaltungsgericht nach dem Gesagten
nicht einzutreten hatte.

4.
In der staatsrechtlichen Beschwerde gegen den Entscheid der
Advokaturprüfungskommission (Verfahren 2P.193/2005) befasst sich der
Beschwerdeführer hauptsächlich mit der angeblich nicht sachgerechten,
willkürlichen Würdigung seiner Hausarbeit im Gutachten von Prof. Y._______,
das als Begründung des angefochtenen Entscheids anzusehen ist.

4.1 Hat das Bundesgericht auf staatsrechtliche Beschwerde hin die Bewertung
von Examensleistungen zu beurteilen, so prüft es die Handhabung der
einschlägigen kantonalen Verfahrensvorschriften - auf entsprechende,
ordnungsgemäss begründete Rügen hin - nur unter dem Gesichtswinkel der
Willkür. In erster Linie prüft es dabei, ob das vorgeschriebene Verfahren
unter Beachtung der verfassungsrechtlichen Minimalgarantien durchgeführt
wurde. Eine besondere Zurückhaltung auferlegt es sich bei der materiellen
Beurteilung, indem es erst einschreitet, wenn sich die Behörde von
sachfremden oder sonstwie offensichtlich unhaltbaren Erwägungen hat leiten
lassen, so dass ihr Entscheid unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten als
nicht mehr vertretbar und damit als willkürlich erscheint. Dies gilt auch in
Fällen, wo das Bundesgericht aufgrund seiner Fachkenntnisse sachlich zu einer
weitergehenden Überprüfung der Examensleistungen befähigt wäre, wie
beispielsweise bei Rechtsanwalts- oder Notariatsprüfungen (BGE 131 I 467 E.
3.1 S. 473, mit Hinweisen).

Willkür in der Rechtsanwendung liegt nach ständiger Praxis des Bundesgerichts
vor, wenn der angefochtene kantonale Entscheid offensichtlich unhaltbar ist,
mit der tatsächlichen Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder
einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise
dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft. Das Bundesgericht hebt einen
Entscheid jedoch nur auf, wenn nicht bloss die Begründung, sondern auch das
Ergebnis unhaltbar ist; dass eine andere Lösung ebenfalls als vertretbar oder
gar zutreffender erscheint, genügt nicht (statt vieler: BGE 131 I 467 E. 3.1
S. 473 f., mit Hinweisen).

4.2 Im Streit liegt ein Gutachten zur Arbeit des Beschwerdeführers über "Das
Verhältnis von Pfandrechten und Dienstbarkeiten am gleichen Grundstück in der
Zwangsverwertung". Im Gutachten wird unter anderem ausgeführt, der Teil über
die "Rangordnung unter Grundpfandrechten und Pfandstellensystem" (Ziff.
II/1/B; S. 15-18) enthalte  gravierende Fehler; die Aussagen seien teilweise
derart falsch, dass sie bereits für sich genommen die Arbeit als ungenügend
qualifizieren würden.

4.2.1 Im betreffenden Teil der Arbeit geht es um die Frage, ob der Grundsatz
der Alterspriorität bei den vertraglichen Pfandrechten lediglich modifiziert
gelte (so der Beschwerdeführer) oder aber "völlig unerheblich" sei und die
Ausführungen des Beschwerdeführers "grundfalsch" seien (so der Gutachter).
Nach Auffassung des Gutachters ist lediglich erheblich, "dass eine freie
Pfandstelle für das im entsprechenden Rang einzutragende Pfandrecht vorhanden
ist (Art. 813 Abs. 2 ZGB)"; das Prinzip der Alterspriorität gelte bei den
vertraglich begründeten Grundpfandrechten gerade nicht; deren Rang sei
vielmehr ein Essentiale des Pfandvertrags, das Datum der Anmeldung völlig
unerheblich.

4.2.2 Der Beschwerdeführer verteidigt seine Ausführungen vorab unter Hinweis
auf verschiedene Kommentare, Lehr- und Handbücher, auf die er die
kritisierten Sätze gestützt oder denen er sie unter Quellenangabe entnommen
habe. Die Ausführungen im Gutachten bewiesen, dass der Gutachter "den Inhalt
der relevanten Basisliteratur" nicht kenne, die "theoretischen Grundlagen
über die Entstehung der Rangverhältnisse unter Pfandrechten in ihrer gesamten
Tragweite nicht verstanden" habe und die Arbeit nur "nach seinen persönlichen
Rechtsvorstellungen beurteilt" habe, die "von den einschlägigen (in der
Arbeit zitierten) Lehrmeinungen abwichen". Damit handle der Gutachter
willkürlich und verletze den Anspruch auf rechtliches Gehör.

4.2.3 Mit diesen Vorbringen übt der Beschwerdeführer freilich nur
appellatorische Kritik am angefochtenen Entscheid oder erhebt allgemeine
Vorwürfe gegen den Gutachter. Er unterlässt es jedoch, sich mit den
Erwägungen im Gutachten fundiert auseinanderzusetzen und aufzuzeigen,
inwiefern diese geradezu unhaltbar sein sollen. Damit genügt seine
Willkürrüge den Begründungsanforderungen gemäss Art. 90 Abs. 1 lit. b OG
nicht (oben E. 2.6); auf die Beschwerde ist insoweit nicht einzutreten. Der
in diesem Zusammenhang erhobenen Rüge der Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör kommt neben dem Willkürvorwurf keine selbstständige
Bedeutung zu.

4.3 Der Beschwerdeführer erblickt ferner einen Verstoss gegen das
Willkürverbot darin, dass der angefochtene Entscheid bzw. das Gutachten sich
letztlich "nur mit einem Bruchteil der Entscheidungsgrundlagen", konkret mit
dem Thema Pfandrecht, auseinandersetze. Die Rüge erweist sich als begründet:
4.3.1 Das umstrittene Gutachten geht zunächst auf allgemeine Aspekte der
Arbeit des Beschwerdeführers ein. Es hält fest, dass die Arbeit in
sprachlicher und formeller Hinsicht in Ordnung und logisch aufgebaut sei,
dass aber häufig anstelle des Gesetzes willkürlich Literatur zitiert werde
und der einleitende allgemeine Teil im Verhältnis zur eigentlichen
Problemstellung eher breit geraten und wesentlich schwächer sei als der
zweite, die eigentliche Problemstellung behandelnde Teil; die Arbeit werde
immer besser, je weiter man "nach hinten" komme. Es fällt auf, dass die
ungenügende Note im Gutachten ausschliesslich mit Erwägungen zu demjenigen
Teil der 40-seitigen Arbeit begründet wird, die sich mit allgemeinen
Ausführungen zu den Grundprinzipien des Pfandrechts befassen (Ziff. II/1/B;
bis S. 18). Hingegen findet sich im Gutachten keine inhaltliche Würdigung der
andern, zentralen Teile der Arbeit: "Dienstbarkeiten" (Ziff. II/1/C; S. 18
ff.), "Vollstreckung grundpfandgesicherter Forderungen" (Ziff. II/2; S. 21
ff.) sowie "Verhältnis zwischen Pfandrechten und Servituten" (Ziff. II/3; S.
30 ff.) - ausser eben dem Hinweis, dass die Arbeit "nach hinten" immer besser
werde; auch das "Fazit" der Arbeit (Ziff. III; S. 38 f.) wird vom Gutachter
nur erwähnt, soweit dieses wiederum auf den von ihm kritisierten Teil (Ziff.
II/1/B) Bezug nimmt.

4.3.2 Diese Gegenüberstellung von Gutachten und Hausarbeit zeigt, dass der
Experte seine Beurteilung umfangmässig auf lediglich knapp einen Drittel der
40-seitigen Arbeit abstützt. Der Beschwerdeführer wendet denn auch zu Recht
ein, dass "eine detaillierte und konkret nachvollziehbare Begründung der
Bewertung (...) eigentlich nur mit Bezug auf die Pfandrechte, genaugenommen
auf die Seiten 12 bis 16 der Hausarbeit"  vorliege. Verschärft wird die
Problematik noch dadurch, dass es sich beim (einzig) bewerteten Abschnitt
bloss um einen Teil der etwas breit geratenen, hinsichtlich ihrer Bedeutung
aber eher untergeordneten Einleitung in das sachlich viel wichtigere Thema
der Arbeit ("Das Verhältnis von Pfandrechten und Dienstbarkeiten am gleichen
Grundstück in der Zwangsverwertung") handelt. Die weiteren Abschnitte,
darunter gerade der inhaltliche Kern der Arbeit, werden im Gutachten weder
gewürdigt noch gegen den als fehlerhaft qualifizierten Teil der Einleitung
abgewogen. Ein solches Vorgehen lässt die Beurteilung als methodisch derart
mangelhaft erscheinen, dass sie als unhaltbar und damit als willkürlich
qualifiziert werden muss. Der Entscheid der Advokaturprüfungsbehörde ist aus
diesem Grund aufzuheben. Damit erübrigt es sich, auf die weiteren Rügen
einzugehen, die in diesem Zusammenhang erhoben werden oder die sich gegen die
inhaltliche Beurteilung der Arbeit richten.

5.
5.1 Zusammengefasst ist die gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts
Basel-Stadt erhobene Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist
(Verfahren 2P.55/2006). Hingegen erweist sich die in der Beschwerde gegen den
Prüfungsentscheid vorgebrachte methodische Kritik am Gutachten als begründet.
Der Entscheid der Advokaturprüfungsbehörde Basel-Stadt vom 17. Juni 2005 ist
aufzuheben, soweit darauf einzutreten ist (Verfahren 2P.103/2005). Die
Advokaturprüfungsbehörde wird daher die Arbeit des Beschwerdeführers nochmals
zu beurteilen haben. Dabei bleibt der Entscheid ihr überlassen, ob unter den
gegebenen Umständen zweckmässigerweise der gleiche oder aber ein anderer, mit
der Sache bisher nicht befasster Gutachter amten soll.

5.2 Im Verfahren 2P.193/2005 sind keine Kosten zu erheben. Der obsiegende
Beschwerdeführer ist nicht anwaltlich vertreten und hat deshalb praxisgemäss
keinen Anspruch auf Parteientschädigung; im Übrigen hat er auch keinen
entsprechenden Antrag gestellt (Art. 159 OG).

Im Verfahren 2P.55/2006 unterliegt der Beschwerdeführer und würde deshalb
kostenpflichtig (Art. 156 Abs. 1 OG). Indes ist seinem Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege mit Blick auf die finanziellen Verhältnisse zu
entsprechen (Art. 152 Abs. 1 OG). Es werden auch in diesem Verfahren keine
Kosten erhoben, und es ist keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 159
OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Verfahren 2P.193/2005 und 2P.55/2006 werden vereinigt.

2.
Die staatsrechtliche Beschwerde 2P.193/2005 wird gutgeheissen, soweit darauf
einzutreten ist, und der Entscheid der Advokaturprüfungsbehörde des Kantons
Basel-Stadt vom 17. Juni 2005 wird aufgehoben.

3.
Die staatsrechtliche Beschwerde 2P.55/2006 wird abgewiesen, soweit darauf
einzutreten ist.

4.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird gutgeheissen.

5.
Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

6.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer und der Advokaturprüfungsbehörde
Basel-Stadt sowie dem Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt als
Verwaltungsgericht schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 05. Juli 2006

Im Namen der II. öffentlichrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: