Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Öffentlich-rechtliche Abteilung 2P.84/2006
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{T 0/2}
2P.84/2006/bie

Urteil vom 3. November 2006
II. Öffentlichrechtliche Abteilung

Bundesrichter Merkli, Präsident,
Bundesrichter Betschart, Wurzburger, Müller, Bundesrichterin Yersin,
Gerichtsschreiber Hatzinger.

A. X.________ und B.X.________, Beschwerdeführer,
beide vertreten durch Rechtsanwalt Y.________,

gegen

Steuerverwaltung des Kantons Thurgau, Schlossmühlestrasse 15, 8510
Frauenfeld,
Steuerverwaltung des Kantons St. Gallen, Davidstrasse 41, Postfach, 9001 St.
Gallen.

Art. 127 Abs. 3 BV (Doppelbesteuerung),

Staatsrechtliche Beschwerde gegen den Einspracheentscheid des
Gemeindesteueramts C.________ vom
6. März 2006 und gegen die Veranlagungsverfügung
des Gemeindesteueramts D.________ vom 9. Februar 2006.

Sachverhalt:

A.
B. X.________, wohnhaft in D.________ (SG), besitzt mit seiner Ehefrau
A.X.________ im Kanton St. Gallen vier Liegenschaften im Privatvermögen (drei
in E.________ und eine in D.________) und in den Kantonen Thurgau bzw.
St. Gallen vier Liegenschaften im Geschäftsvermögen (drei in F.________,
G.________ und C.________, alle TG, und eine in H.________ SG); er wird als
Liegenschaftenhändler besteuert. Mit Veranlagungsverfügung vom 9. Februar
2006 legte das Gemeindesteueramt D.________ für die Staats- und
Gemeindesteuern des Jahres 2004 ein im Kanton St. Gallen steuerbares
Einkommen der Ehegatten X.________ von gesamthaft Fr. 218'600.-- und ein dort
steuerbares Gesamtvermögen von 1,41 Mio. Franken fest. Das Gemeindesteueramt
C.________ (TG) veranlagte die Eheleute X.________ am 20. Februar 2006 für
die Staats- und Gemeindesteuern 2004 mit einem steuerbaren Einkommen von
Fr. 90'100.-- zum Satz von Fr. 206'300.-- und einem steuerbaren Vermögen von
Fr. 1'806'800.-- zum Satz von Fr. 3'254'200.--. Eine hiergegen eingereichte
Einsprache hiess das Gemeindesteueramt C.________ am 6. März 2006 teilweise
gut und legte das steuerbare Einkommen auf total Fr. 16'700.-- zum Satz von
Fr. 206'300.-- fest. Es führte aus, die Liegenschaften im Kanton Thurgau
seien Geschäftsvermögen, wobei die Schuldzinsen nach Objekt übernommen werden
müssten. Die privaten Schuldzinsen seien zwar nach Lage der Aktiven auf das
Privatvermögen zu verteilen; die Geschäftsliegenschaften im Kanton Thurgau
müssten aber entgegen der Ansicht des Kantons St. Gallen keine privaten
Schuldzinsen übernehmen. Dementsprechend wurde das Ehepaar X.________ neu
veranlagt.

B.
A. und B.X.________ haben am 17. März 2006 gegen die Kantone Thurgau und
St. Gallen staatsrechtliche Beschwerde beim Bundesgericht eingereicht wegen
Verletzung des Doppelbesteuerungsverbots. Sie beantragen, den
Einspracheentscheid des Kantons Thurgau vom 6. März 2006 bzw. die neue
Veranlagung aufzuheben und die Sache zu neuem Entscheid an das
Gemeindesteueramt C.________ zurückzuweisen. Eventuell sei die
Veranlagungsverfügung des Kantons St. Gallen vom 9. Februar 2006 aufzuheben
und die Sache zum Neuentscheid an das Gemeindesteueramt D.________
zurückzuweisen.

Die Steuerverwaltung des Kantons Thurgau beantragt die Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 6. März 2006. Die Steuerverwaltung des Kantons St.
Gallen beantragt, die Beschwerde gegen ihren Kanton abzuweisen, soweit darauf
einzutreten sei.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Angefochten sind der Einspracheentscheid des Kantons Thurgau und die
st. gallische Veranlagungsverfügung. Der kantonale Instanzenzug braucht bei
Beschwerden wegen Verletzung des Doppelbesteuerungsverbots indes nicht
ausgeschöpft zu sein (Art. 86 Abs. 2 OG). Die Beschwerdeführer sind als
Steuerpflichtige zur staatsrechtlichen Beschwerde legitimiert (Art. 88 OG).
Eine Ausnahme vom Grundsatz der kassatorischen Natur dieses Rechtsmittels
besteht bei einer Verletzung des Doppelbesteuerungsverbots (statt vieler ASA
73 S. 247 E. 1.2). Daher kann das Bundesgericht den kantonalen Entscheid
aufheben, und wie hier beantragt, die Sache zum Neuentscheid zurückweisen.
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.

2.
2.1 Eine gegen Art. 127 Abs. 3 BV verstossende Doppelbesteuerung liegt vor,
wenn eine steuerpflichtige Person von zwei oder mehreren Kantonen für das
gleiche Steuerobjekt und für die gleiche Zeit zu gleichen Steuern
herangezogen wird (aktuelle Doppelbesteuerung); sie ist auch gegeben, wenn
ein Kanton die geltenden Kollisionsnormen verletzt, dadurch seine
Steuerhoheit überschreitet und eine Steuer erhebt, die einem anderen Kanton
zusteht (virtuelle Doppelbesteuerung). Ausserdem darf ein Kanton eine
steuerpflichtige Person grundsätzlich nicht deshalb stärker belasten, weil
sie nicht in vollem Umfang seiner Steuerhoheit untersteht, sondern wegen
ihrer territorialen Beziehungen auch noch in einem anderen Kanton
steuerpflichtig ist (Schlechterstellungsverbot; vgl. BGE 132 I 29 E. 2.1 S.
31 f.; 131 I 285 E. 2.1 S. 286).

2.2 Die Beschwerdeführer rügen insofern eine Verletzung des
Doppelbesteuerungsverbots, als der Kanton St. Gallen bei der interkantonalen
Steuerausscheidung die Schuldzinsen des Privatvermögens aufgrund sämtlicher
Aktiven verlegt, der Kanton Thurgau für diese Schuldzinsverlegung
demgegenüber nur die Aktiven des Privatvermögens berücksichtigt habe.
Aufgrund dieser unterschiedlichen Zuweisung seien die anteiligen privaten
Schuldzinsen von Fr. 62'691.-- für die gleiche Steuerperiode 2004 nicht
abgezogen worden. Gegen den Kanton Thurgau machen die Beschwerdeführer
namentlich geltend, ihr dortiges steuerbares Einkommen erhöhe sich zu Unrecht
um die anteiligen Privatschuldzinsen; der Kanton St. Gallen habe die
Schuldzinsen dem Kanton Thurgau zwar zugewiesen, dieser habe sie aber mangels
Privatvermögen in seinem Kanton nicht übernommen. Den Eventualantrag gegen
den Kanton St. Gallen begründen die Beschwerdeführer im Wesentlichen damit,
dass sich ihr Einkommen in diesem Kanton um die dem Kanton Thurgau
zugewiesenen Privatschuldzinsen (Fr. 62'691.-- von total Fr. 135'169.-- an
Privatschuldzinsen) erhöhe, was ebenfalls zu einer Doppelbesteuerung im
gleichen Steuerjahr führe.

3.
Grundsätzlich kann ein Steuerpflichtiger, der zwei Kantonen mit
Reinvermögenssteuer und Reineinkommenssteuer angehört, verlangen, dass beide
Kantone zusammen sämtliche Schulden und Schuldzinsen abziehen. Diese sind bei
Privatpersonen quotenmässig, im Verhältnis der in den einzelnen Kantonen
gelegenen Aktiven, zu verlegen (BGE 120 Ia 349 E. 2a S. 351 und E. 4 S. 353;
119 Ia 46 E. 4a S. 49). Bei Liegenschaftenhändlern sind Gewinne aus der
Veräusserung von Geschäftsliegenschaften ausschliesslich im
Liegenschaftskanton steuerbar. Dafür hat dieser sämtliche Aufwendungen zu
übernehmen, die mit der Veräusserung zusammenhängen. Dazu gehören u.a.
Schuldzinsen auf Fremdgeldern, die der Liegenschaftenhändler zur Finanzierung
des Geschäfts mit der im Kanton gelegenen Liegenschaft aufnahm. Abweichend
von dem für Nicht-Liegenschaftenhändler geltenden Grundsatz der
proportionalen Schuldzinsenverteilung hat nach der bisherigen Rechtsprechung
der Liegenschaftskanton beim Liegenschaftenhändler derartige Schuldzinsen
objektmässig ausgeschieden zum Abzug zuzulassen (BGE 111 Ia 318 E. 4a
S. 319 f., 220 E. 2d S. 226; StR 53/1998 S. 83, 2P.360/1995, E. 2b; ASA 56
S. 569 E. 4a und b; 45 S. 131 E. 3b; Urteil 2P.152/1996 vom 1. Oktober 1998,
E. 2b).

4.
4.1 Der Kanton St. Gallen hat eine objektmässige Ausscheidung der
geschäftlichen Schuldzinsen vorgenommen, indem er jeder in seinem Kanton und
im Kanton Thurgau gelegenen Geschäftsliegenschaft die  betreffenden
Schuldzinsen zugewiesen hat; zudem hat er die privaten Schuldzinsen
proportional zur Lage der gesamten Aktiven, insbesondere der Privat- und
Geschäftsliegenschaften, ausgeschieden. Er hat das Gesamt-Nettoeinkommen auf
Fr. 218'600.-- und das steuerbare Nettovermögen auf 1,41 Mio. Franken
festgesetzt, wobei sich dieses im Kanton St. Gallen steuerbare Nettoeinkommen
nach einem Abzug von Fr. 72'478.-- an privaten und Fr. 28'124.-- an
geschäftlichen Schuldzinsen ergab. Der Kanton St. Gallen teilte in seiner
Ausscheidung dem Kanton Thurgau ein Nettovermögen von Fr. 924'740.-- und ein
negatives Einkommen von Fr. 42'770.-- nach Abzug von Fr. 62'691.-- an
privaten und Fr. 226'136.-- an geschäftlichen Schuldzinsen zu. Der negative
Betrag wurde offenbar vom steuerbaren Einkommen im Kanton St. Gallen
abgezogen.

4.2 Die Ausscheidung des Kantons Thurgau ist nur schwer verständlich; dieser
beschränkt sich auf eine interkommunale Verteilung und nimmt keine kantonale
Ausscheidung vor. Er berechnet einzig das Gesamt-Nettoeinkommen und das
Gesamt-Nettovermögen, einschliesslich der Anteile des Kantons St. Gallen, und
führt sodann unmittelbar eine Ausscheidung unter den betreffenden Gemeinden
durch. Gemäss Einspracheentscheid vom 6. März 2006 ergibt sich in Bezug auf
die Gemeinde F.________ ein negatives Nettoeinkommen von Fr. 135'957.-- und
bezüglich der Gemeinden C.________ sowie G.________ jeweils ein positives
Nettoeinkommen von Fr. 72'786.-- bzw. Fr. 83'092.--; dies mache im Kanton ein
Nettoeinkommen von Fr. 19'921.-- aus. Nach der detaillierten Ausscheidung
gleichen Datums resultiert ein positives Nettoeinkommen von Fr. 19'921.-- für
G.________ und jeweils ein negatives Nettoeinkommen für F.________ von
Fr. 35'245.-- sowie für C.________ von Fr. 40'423.-- (nach Zuweisung der
privaten Schuldzinsen). Es ist nicht nachvollziehbar, wie sich im Kanton ein
positives Einkommen ergeben kann und die Beträge im Einspracheentscheid aus
denjenigen in der Berechnung der Ausscheidung resultieren. Ausserdem beträgt
das Einkommen in der Rubrik "Steuerfaktoren" 0.--.
4.3 Demnach sind die Taxationen im Kanton Thurgau als ungenügend anzusehen,
und der Einspracheentscheid vom 6. März 2006 ist aufzuheben, da insoweit
keine kantonale Ausscheidung vorgenommen worden ist. Art. 127 Abs. 3 BV
schützt nur vor interkantonaler Doppelbesteuerung (vgl. E. 2.1), unabhängig
von der Art, wie das dem Kanton zugeteilte Einkommen zwischen den Gemeinden
ausgeschieden wird. Indessen ist die Berechnung für den Kanton offenbar nicht
durchgeführt worden. Vielmehr hat der Kanton Thurgau eine objektmässige
Ausscheidung unter den Gemeinden vollzogen, ohne die teilweise negativen
Resultate zu berücksichtigen, zumindest gemäss der Berechnung der
Ausscheidung vom 6. März 2006.

5.
Die aktuelle Rechtsprechung kennt zwei Systeme der Ausscheidung von
Schuldzinsen: ein quotenmässiges und ein objektmässiges System (vgl. E. 3).

5.1 Im quotenmässigen System werden die Schuldzinsen proportional nach Lage
der Aktiven verteilt. Darunter ist die Gesamtheit der geschäftlichen und
privaten, beweglichen sowie unbeweglichen Aktiven zu verstehen (vgl. BGE 121
I 14 E. 6d S. 21; 97 I 36 E. 3 S. 42; siehe auch BGE 119 Ia 46 E. 5 S. 51).
Bei der proportionalen Verteilung der Schuldzinsen auf die Kantone im
Verhältnis der Aktiven sind die Schuldzinsen in erster Linie auf die
Vermögenserträge zu verlegen. Soweit der (nach Lage der Aktiven zu
übernehmende) Schuldzinsenanteil den Vermögensertrag in einem Kanton
übersteigt, ist dieser von den übrigen Kantonen zu tragen, die noch über
einen Nettoertrag aus Vermögen verfügen. Wenn die Passivzinsen im Ganzen den
Vermögensertrag übersteigen, ist der Überschuss auf das übrige Einkommen zu
verlegen (BGE 120 Ia 349 E. 5 S. 356; 119 Ia 46 E. 5 S. 51).

5.2 Dieses System wird im Normalfall angewandt bis auf zwei Ausnahmen: Die
erste betrifft die Kollektiv- und (einfachen) Kommanditgesellschaften, deren
Ergebnis für sich bestimmt und in Form eines Nettobetrags den verschiedenen
Gesellschaftern zugeteilt wird (vgl. ASA 73 S. 247 E. 4.1 und 4.2). Die
zweite Ausnahme betrifft die Liegenschaftenhändler: Bei diesen sind nach der
bisherigen Rechtsprechung Schuldzinsen betreffend die gehandelten
Liegenschaften objektmässig ausgeschieden zum Abzug zuzulassen oder, bei
fehlendem Einkommen, als Anlagekosten zu "aktivieren", somit also einzig im
Kanton der gelegenen Sache abziehbar. Dementsprechend haben der Sitzkanton
oder andere Liegenschaftskantone Aufwandüberschüsse, die andernorts wegen
überschiessenden Gewinnungskosten und Schuldzinsen über den (laufenden)
Ertrag entstehen, nicht zu übernehmen. Bei der Abgrenzung der Steuerhoheiten
zwischen Sitzkanton und Belegenheitskanton hat das Bundesgericht bei
Liegenschaftenhändlern bisher der Verrechnung von Aufwandüberschüssen in der
Zeit den Vorrang vor der Verrechnung als Verluste im Sitzkanton oder in
anderen Liegenschaftskantonen eingeräumt (vgl. E. 3 und dort zitierte
Urteile; BGE 131 I 249 E. 4.2 S. 255; Peter Locher, Einführung in das
interkantonale Steuerrecht, 2. Aufl., Bern 2003, S. 135; siehe auch BGE 121 I
14 E. 6b S. 20; ASA 45 S. 131 E. 3c). Die Regelung der objektmässigen
Verteilung stellt damit eine Ausnahme im Verhältnis zum allgemeinen System
dar. Technisch betrachtet werden die objektmässig zuzuteilenden Schuldzinsen
zuerst ermittelt, sodann von der Gesamtheit der Schuldzinsen abgezogen, und
schliesslich wird der Saldo proportional verteilt.

6.
Es stellt sich die Frage, ob die besondere Regelung für die
Liegenschaftenhändler betreffend den Abzug von Schuldzinsen noch
gerechtfertigt ist.

6.1 Das System der Zuteilung der Schuldzinsen im Liegenschaftskanton,
unabhängig davon, ob die Zinsen von einem Einkommen in diesem Kanton
abgezogen werden können oder nicht, passt zu einer Zeit, in welcher der
Immobilienhandel stets gewinnbringend ist (vgl. BGE 88 I 337 E. 2 S. 340;
Kurt Locher/Peter Locher, Die Praxis der Bundessteuern, III. Teil, Das
interkantonale Doppelbesteuerungsrecht, § 7 I D Nr. 33, E. 3c; Ferdinand
Zuppinger, Die Besteuerung des Liegenschaftenhändlers im interkantonalen
Verhältnis, Bern 1971, S. 79). Es geht bei diesem System wirtschaftlich
gesehen um einen Vortrag bzw. eine Verrechnung in der Zeit zum Zeitpunkt des
Abzugs, indem die Schuldzinsen während mehrerer Jahre bezahlt werden, ehe sie
abgezogen werden können. Die Marktentwicklung in den 90er-Jahren hat aber
gezeigt, dass Immobilienpreise auch über längere Perioden rückläufig sein
können. Es kann daher nicht mehr damit gerechnet werden, dass die
"aktivierten" Schuldzinsen bei einer Veräusserung in aller Regel wieder
eingebracht werden können. Vielmehr kann dieses System zu einem definitiven
Ausscheidungsverlust führen, indem nämlich der Steuerpflichtige, der die von
ihm bezahlten Schuldzinsen später nicht oder nicht vollständig abziehen kann,
in den betreffenden Jahren im Ergebnis zu einem höheren als dem erzielten
Einkommen besteuert wurde. Dass dem Abzug der Schuldzinsen in der Zeit im
Vergleich zu einem unmittelbaren Abzug mit allfälligem Übertrag auf andere
Kantone bis anhin der Vorzug gegeben worden ist, erscheint daher als
überprüfungsbedürftig, auch mit Blick auf die jüngste Rechtsprechung, die auf
eine Vermeidung von Ausscheidungsverlusten abzielt (vgl. E. 5.2; BGE 131 I
285 E. 3.5 S. 289 mit Hinweisen; BGE 132 I 220 E. 4.4 S. 226 f.).
6.2 Wenn auch grundsätzlich daran festzuhalten ist, dass dem
Liegenschaftskanton die Gesamtheit der Liegenschaftserträge und -gewinne zur
ausschliesslichen Besteuerung zusteht, so bedeutet dies nicht, dass er den
Steuerpflichtigen zu einem höheren als dem erzielten Einkommen besteuern
darf. Dem Liegenschaftskanton sind vielmehr nach neuer bundesgerichtlicher
Rechtsprechung insofern Grenzen gesetzt, als er auf die Situation des
Steuerpflichtigen (Unternehmung wie Privatperson) und dessen wirtschaftliche
Leistungsfähigkeit (vgl. Art. 127 Abs. 2 BV) Rücksicht nehmen muss: So kann
etwa der Belegenheitskanton den Wertzuwachs aus der Veräusserung einer
Betriebsliegenschaft ausschliesslich besteuern; er ist aber verpflichtet, den
Geschäftsverlust, den die Unternehmung im Sitzkanton (oder weiteren Kantonen
mit Betriebsliegenschaften) aufweist, mit dem Grundstückgewinn zu verrechnen
(vgl. BGE 131 I 249 E. 6.3 S. 261 f.). Das Bundesgericht hat diese neue Regel
zur Vermeidung von Ausscheidungsverlusten in der Folge mehrfach bestätigt und
sowohl auf Liegenschaften im Privatvermögen (BGE 131 I 285) als auch auf
Kapitalanlageliegenschaften einer Unternehmung ausgedehnt (BGE 132 I 220).
Ausserdem werden Schulden und die darauf entfallenden Schuldzinsen
quotenmässig, d.h. proportional nach Lage der Aktiven zwischen den
betroffenen Kantonen aufgeteilt (vgl. E. 5.1; siehe auch BGE 132 I 220 E. 3.1
S. 224 sowie Urteil 2P.65/2006 vom 31. August 2006, E. 2.3, je mit
Hinweisen).

6.3 Soll der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen
Rechnung getragen (Art. 127 Abs. 2 BV) und insbesondere sichergestellt
werden, dass im interkantonalen Verhältnis insgesamt sämtliche Schuldzinsen
abgezogen werden, so muss die für Liegenschaftenhändler bisher geltende
besondere Regelung betreffend den Abzug von Schuldzinsen (hiervor E. 6.1)
modifiziert werden. Als sachgerechte und praktikable Lösung bietet sich an,
das allgemeine (quotenmässige) System des Abzugs der Schuldzinsen
proportional zu den Aktiven auf die Gesamtheit der Schuldzinsen auszuweiten,
also einschliesslich derjenigen auf den Geschäftsaktiven der
Liegenschaftenhändler. Das bedeutet, dass auch diese Schuldzinsen nach der
allgemeinen Regel zu verteilen sind (hiervor E. 5.1): Soweit der nach der
Lage der Aktiven zu übernehmende Schuldzinsenanteil den Vermögensertrag im
Liegenschaftskanton übersteigt, ist er von den übrigen Kantonen mit einem
Netto-Vermögensertrag zu tragen; ist auch kein solcher Nettoertrag vorhanden,
ist der Überschuss auf das übrige Einkommen der Steuerpflichtigen zu
verlegen.

Diese Vorgehensweise ist nicht nur einfach zu handhaben, sondern sie hat
neben den soeben erwähnten Vorzügen den weiteren Vorteil, dass sie die
"Aktivierung" der Schuldzinsen beseitigt und damit indirekt auch die Gefahr
einer gesetzwidrigen Bilanzierung: Nach Gesetz sind Aktiven bei ihrer
Errichtung höchstens nach dem Wert anzusetzen, der ihnen im Zeitpunkt, auf
welchen die Bilanz errichtet wird, für das Geschäft zukommt (Art. 960 Abs. 2
OR; für Aktiengesellschaften: Art. 665 [Bewertung des Anlagevermögens] und
Art. 670 OR [Aufwertung, u.a. von Grundstücken]; vgl. StE 2002 B 72.13.1 Nr.
3, 2A.157/ 2001, E. 2c; Zuppinger, a.a.O., S. 79). Gemäss dem Grundsatz der
Massgeblichkeit der Handelsbilanz gelten die zwingenden Vorschriften des
Buchführungsrechts grundsätzlich auch im Steuerrecht (vgl. BGE 132 I 175
E. 2.2 S. 177 f. mit Hinweisen). Durch die "Aktivierung" von Schuldzinsen
wird buchhalterisch ein Mehrwert der Liegenschaft gegenüber ihrem Buchwert
ausgewiesen. Wenn aber der Wert der Liegenschaft die "aktivierten"
Schuldzinsen infolge einer negativen Preisentwicklung im Immobilienmarkt
nicht auszugleichen vermag, kann dies zu einer Verletzung der gesetzlichen
Höchstbewertungsvorschriften führen. Auch dies spricht dafür, von der
bisherigen Praxis abzurücken und den Schuldzinsenabzug bei
Liegenschaftenhändlern inskünftig ebenfalls nach dem quotenmässigen System,
d.h. proportional nach Lage der geschäftlichen und privaten Aktiven
vorzunehmen.

7.
7.1 Demnach sind die Taxationen sowohl des Kantons Thurgau
(Einspracheentscheid des Gemeindesteueramts C.________ vom 6. März 2006) als
auch des Kantons St. Gallen (Veranlagungsverfügung des Gemeindesteueramts
D.________ vom 9. Februar 2006) aufzuheben und die Sache ist jeweils zur
Neuveranlagung im Sinne der Erwägungen an die Gemeindesteuerämter
zurückzuweisen. Die Beschwerdeführer werden insofern doppelt besteuert, als
sie im Kanton St. Gallen auf dem Betrag von Fr. 218'600.-- und im Kanton
Thurgau auf dem Betrag von Fr. 16'700.-- taxiert werden, wobei beide Kantone
das steuerbare Einkommen auf Fr. 218'600.-- bzw. Fr. 206'300.-- festgesetzt
haben, ohne die Schuldzinsen zusammen im Ergebnis vollständig zum Abzug
zuzulassen.

7.2 Bei diesem Verfahrensausgang sind die Kosten den Kantonen Thurgau und
St. Gallen je zur Hälfte aufzuerlegen (Art. 153, 153a und 156 OG). Diese
haben den Beschwerdeführern überdies eine Parteientschädigung ebenfalls je
zur Hälfte auszurichten (Art. 159 Abs. 2 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die staatsrechtliche Beschwerde gegen den Kanton Thurgau und den Kanton St.
Gallen wird gutgeheissen. Der Einspracheentscheid des Gemeindesteueramts
C.________ vom 6. März 2006 und die Veranlagungsverfügung des
Gemeindesteueramts D.________ vom 9. Februar 2006 werden aufgehoben, und die
Sache wird je zur Neuveranlagung im Sinne der Erwägungen an die
Gemeindesteuerämter zurückgewiesen.

2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird dem Kanton Thurgau und dem Kanton
St. Gallen je zur Hälfte auferlegt.

3.
Der Kanton Thurgau und der Kanton St. Gallen haben die Beschwerdeführer für
das bundesgerichtliche Verfahren mit je Fr. 1'000.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Beschwerdeführern, der Steuerverwaltung des Kantons
Thurgau und der Steuerverwaltung des Kantons St. Gallen schriftlich
mitgeteilt.

Lausanne, 3. November 2006

Im Namen der II. öffentlichrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: