Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilabteilung 5C.261/2006
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{T 0/2}
5C.261/2006 /mou

Urteil vom 13. März 2007
II. zivilrechtliche Abteilung

Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichterin Nordmann, Bundesrichter Meyer,
Gerichtsschreiber Möckli.

X. ________ (Ehefrau),
Beklagte, Berufungsklägerin und Anschlussberufungsbeklagte,
vertreten durch Advokat Marco Albrecht,

gegen

Y.________ (Ehemann),
Kläger, Berufungsbeklagter und Anschlussberufungskläger, vertreten durch
Advokat Daniel Levy,

Ehescheidung; Unterhaltsbeitrag,

Berufung gegen das Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft, Abteilung
Zivil- und Strafrecht, vom 15. August 2006.

Sachverhalt:

A.
Die Parteien heirateten am 1. Juni 1989. Sie haben die gemeinsamen Kinder
R.________, geb. 1988, und S.________, geb. 1989. Seit Oktober 1999 leben die
Parteien getrennt.

B.
Am 27. Oktober 2003 reichte der Kläger die Scheidung ein, welcher die
Beklagte im Scheidungspunkt zustimmte.

Mit Urteil vom 20. September 2005 schied das Bezirksgericht Arlesheim die Ehe
und regelte die Nebenfolgen. Dabei verfügte es u.a. Kinderalimente von je Fr.
1'000.-- sowie nachehelichen Unterhalt von Fr. 1'650.-- bis Juni 2007, danach
von Fr. 1'965.-- bis zur Pensionierung des Klägers und anschliessend von Fr.
500.--.

Mit Bezug auf die vermögensrechtlichen Nebenfolgen erhoben beide Parteien
Appellation. In seinem Urteil vom 15. August 2006 bestimmte das
Kantonsgericht Basel-Landschaft den nachehelichen Unterhalt auf Fr. 1'650.--,
solange der Kläger an eines oder beide Kinder Alimente zu entrichten hat, und
danach bis zu seiner Pensionierung auf Fr. 1'000.--.

C.
Gegen dieses Urteil hat die Beklagte am 13. Oktober 2006 Berufung
eingereicht. Sie verlangt nachehelichen Unterhalt von Fr. 1'650.--, solange
der Kläger an eines oder beide Kinder Unterhaltsbeiträge zu entrichten hat,
danach Fr. 1'965.-- bis zu seiner Pensionierung und anschliessend Fr. 500.--
pro Monat. Eventualiter verlangt sie die Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz. Zudem ersucht sie um unentgeltliche Rechtspflege.

In seiner Anschlussberufung vom 15. Dezember 2006 verlangt der Kläger, von
nachehelichem Unterhalt sei abzusehen und die Kinderalimente seien auf je Fr.
800.-- festzusetzen.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
Am 1. Januar 2007 ist das Bundesgesetz über das Bundesgericht (BGG; SR
173.110) in Kraft getreten (AS 2006 1205, 1243). Der angefochtene Entscheid
ist vorher ergangen, so dass noch die Bestimmungen des
Bundesrechtspflegegesetzes (OG) anzuwenden sind (vgl. Art. 132 Abs. 1 BGG).

2.
Der Kläger macht in der Anschlussberufung unter anderem geltend, der Bonus
und die Schichtzulage dürften bei der Berechnung seines Einkommens nicht
berücksichtigt werden. Weil diese Frage Auswirkungen auch auf die Themen der
Berufung hat, ist es zweckmässig, die Anschlussberufung vorweg zu behandeln.

Mit seinen Behauptungen wendet sich der Kläger gegen den unumstrittenen
Grundsatz, wonach für die Berechnung der Leistungsfähigkeit vom realen
Nettoeinkommen auszugehen ist. Dazu gehören nicht nur effektiv bezahlte
Gratifikationen bzw. Boni, sondern auch Spesenentschädigungen, soweit ihnen
keine tatsächlichen Auslagen gegenüberstehen (vgl. Hausheer/Spycher, Handbuch
des Unterhaltsrechts, Bern 1997, N. 01.31; Sutter/Freiburghaus, Kommentar zum
neuen Scheidungsrecht, Zürich 1997, N. 40 zu Art. 125 ZGB).

Was den Bonus anbelangt, hat das Kantonsgericht erwogen, der bei der Bank
Z.________ angestellte Kläger habe diesen in den letzten Jahren regelmässig
erhalten. Nach dem Gesagten ist er somit zu berücksichtigen.

Mit Bezug auf die Spesenentschädigung hat das Kantonsgericht erwogen, bei der
Bedarfsberechnung würden für den Arbeitsweg Kosten von Fr. 600.--
berücksichtigt, welche die Benützung eines privaten Fahrzeuges infolge der
Schichtarbeit zum grossen Teil abdeckten, und der Kläger vermöge nicht
substanziiert darzulegen, welche darüber hinaus anfallenden Kosten die Fr.
874.-- betragende Schichtpauschale abdecke. Wenn der Kläger diesbezüglich
ausführt, aufgrund unregelmässiger Arbeitszeiten müsse er teilweise
zusätzliche Mahlzeiten auswärts einnehmen, versucht er, ein im angefochtenen
Urteil nicht festgestelltes Sachverhaltselement einzuführen, was im
Berufungsverfahren unzulässig ist (Art. 55 Abs. 1 lit. c und Art. 63 Abs. 2
OG); wenn schon hätte er mit staatsrechtlicher Beschwerde vortragen müssen,
das Kantonsgericht habe in willkürlicher Weise solche Auslagen nicht
berücksichtigt. Keine Bundesrechtsverletzung ist sodann darzutun mit dem
Argument, die Schichtpauschale würde weitere Unannehmlichkeiten wie die
gestrichene Überstundenentschädigung abgelten: Insoweit deckt die Pauschale
keine Auslagen ab, sondern eine Lohneinbusse.

Massgeblich ist somit das kantonal festgestellte Jahresnettoeinkommen von Fr.
98'607.--. Ausgehend von diesem Betrag fällt das weitere Vorbringen des
Klägers, die Kinderalimente von Fr. 1'000.-- pro Kind seien zu hoch, in sich
zusammen, entsprechen diese doch rund 24% des Nettoeinkommens und damit von
der Grössenordnung her einem Prozentsatz, den die Praxis bei zwei Kindern
anwendet und von dem in der Anschlussberufung auch der Kläger ausgeht.

3.
Der Kläger bringt in der Anschlussberufung weiter vor, von nachehelichem
Unterhalt sei mangels ehebedingter Nachteile abzusehen. Die Beklagte habe
eine Ausbildung als Sportartikelverkäuferin absolviert und arbeite heute
ebenfalls als Verkäuferin in der Lebensmittelbranche. Mit einem 50%-Pensum
verdiene sie Fr. 1'850.-- pro Monat und seit dem 16. Altersjahr des jüngeren
Kindes, also ab Juli 2005, hätte sie ihr Pensum praxisgemäss auf 100%
ausdehnen müssen, womit sie ein Einkommen von mindestens Fr. 3'750.--
erzielen und damit mehr als ihr Existenzminimum von Fr. 3'472.-- abdecken
könnte. Weder die Beklagte noch das Kantonsgericht würden nachweisen, dass
ihr Einkommen als Sportartikelverkäuferin heute höher wäre, wenn sie nicht
geheiratet hätte.

Der Kläger übergeht, dass die Ehegatten nur bei der nicht lebensprägenden Ehe
(kinderlose Kurzehe) so zu stellen sind, wie wenn diese nie geschlossen
worden wäre (Schwenzer, FamKomm Scheidung, Bern 2005, N. 48 zu Art. 125 ZGB;
Hausheer/Spycher, a.a.O., Bern 1997, N. 05.121, sowie Ergänzungsband, N.
05.110). Hat die Ehe demgegenüber mehr als zehn Jahre gedauert oder sind aus
ihr Kinder hervorgegangen und erscheint deshalb das Vertrauen des Ansprechers
auf Fortführung der ehelichen Lebensverhältnisse als schutzwürdig, ist
grundsätzlich von einer Lebensprägung auszugehen. Diesfalls ist für den
gebührenden Unterhalt nicht am vorehelichen, sondern grundsätzlich am zuletzt
gemeinsam gelebten Standard anzuknüpfen (Schwenzer, a.a.O., N. 48 zu Art. 125
ZGB; Hausheer/Spycher, a.a.O., N. 05.125, sowie Ergänzungsband, N. 05.116).

Vorliegend hat die Ehe 17 Jahre gedauert und sind aus ihr zwei Kinder
hervorgegangen; abgesehen davon hat die Beklagte ihre Arbeitstätigkeit
anlässlich der Heirat aufgegeben und haben die Parteien eine klassische
Hausgattenehe geführt. Die Ehe war somit lebensprägend und die klägerischen
Ausführungen stossen ins Leere. Auf die Frage der Höhe und der Dauer des
grundsätzlich geschuldeten nachehelichen Unterhalts wird im Folgenden bei der
Behandlung der Berufung zurückzukommen sein.

4.
Die Beklagte stellt in ihrer Berufung in verschiedener Hinsicht
Rückweisungsanträge und legt ihren Ausführungen mehrere neue bzw. nicht
festgestellte Sachverhaltselemente zugrunde.

4.1 Sie bringt im Einzelnen vor, der nacheheliche Unterhalt der "zweiten
Phase" (ab Wegfall des Kinderunterhalts bis zur Pensionierung des Klägers)
von Fr. 1'000.-- diene, soweit das angefochtene Urteil richtig verstanden
werde, dem Aufbau einer eigenen Vorsorge. Es fehlten aber die hierfür
erforderlichen Abklärungen. So stehe nicht fest, ab wann ihr eine
Vollzeitstelle zuzumuten sei. Sodann sei davon auszugehen, dass der Kläger
bei einer Bank wie der Bank Z.________ mit 60 Jahren pensioniert werde. Gehe
man von dieser Annahme und weiter davon aus, dass sie ab dem Jahr 2010 eine
Vollzeitstelle innehabe, so stünden ihr zum Ausbau der beruflichen Vorsorge
nicht die vorinstanzlich angenommenen vierzehn, sondern bloss sechs Jahre zur
Verfügung. Zur Klärung dieser Fragen dränge sich eine Rückweisung an die
Vorinstanz auf.

4.2 Das Kantonsgericht hat erwogen, beide Kinder hätten das sechzehnte
Altersjahr überschritten, weshalb von dieser Seite einer Ausdehnung auf ein
Vollzeitpensum nichts entgegenstehe. Auch die Tatsache, dass die Parteien
seit Oktober 1999 getrennt lebten, spreche für die Zumutbarkeit, das
Arbeitspensum aufzustocken. Im erstinstanzlichen Verfahren habe die Beklagte
ein ärztliches Zeugnis vorgelegt, welches ihr eine vorübergehende
Arbeitsunfähigkeit attestiert habe. Vor dem Kantonsgericht habe sie jedoch
ausgeführt, sie arbeite inzwischen wieder zu 50 bis 60 Prozent und ihr
Gesundheitszustand habe sich gebessert. Sodann seien keine ehebedingten
gesundheitlichen Nachteile ersichtlich, weshalb die Erhöhung des Pensums auf
eine Vollzeitstelle nach einer gewissen Übergangszeit zuzumuten sei.

4.3 Aus den Erwägungen des Kantonsgerichts gehen umfassend die Gründe hervor,
weshalb es die Ausdehnung auf eine Vollzeitstelle als zumutbar erachtet hat.
Sodann ist klar, dass das Kantonsgericht von einer relativ raschen Ausdehnung
ausgegangen ist, lässt doch die Ausdrucksweise der "gewissen Übergangszeit"
auf eine Umstellungszeit von einigen Monaten schliessen. Inwiefern ihr die
Ausdehnung in sachlicher oder zeitlicher Hinsicht nicht zuzumuten wäre, legt
die Beklagte in der Berufung nicht dar, weshalb diese insofern
unsubstanziiert bleibt. Der blosse Hinweis, sie habe im kantonalen Verfahren
immer behauptet, zu einer Ausdehnung der Arbeitstätigkeit nicht in der Lage
zu sein, reicht jedenfalls schon deshalb nicht aus aufzuzeigen, welcher
Bundesrechtssatz und inwiefern dieser verletzt worden ist (Art. 55 Abs. 1
lit. c OG), weil die Begründung in der Berufungsschrift selbst enthalten sein
muss und der blosse Verweis auf kantonale Akten ungenügend ist (BGE 116 II 92
E. 2 S. 93 f.; 126 III 198 E. 1d S. 201). Eine Rückweisung betreffend die
Fragen der Arbeitsfähigkeit und des Zeitraumes für die Ausdehnung der
Arbeitstätigkeit ist somit entbehrlich.

Nichts für ihren Standpunkt, die Sache sei zur Vervollständigung des
Sachverhaltes an die Vorinstanz zurückzuweisen, kann die Beklagte sodann mit
der Behauptung gewinnen, das Kantonsgericht habe nicht dargelegt, wie es auf
den angenommenen erzielbaren Monatslohn von Fr. 3'626.-- gekommen sei, ist
doch offensichtlich, dass es den unter Verweis auf die erstinstanzlichen
Feststellungen genannten Ausgangsbetrag von Fr. 1'813.-- (Seite 8 oben)
verdoppelt hat. Soweit die Beklagte sinngemäss vorbringen will, dieser Betrag
sei zu hoch, wendet sie sich gegen die kantonalen Sachverhaltsfeststellungen,
die im Berufungsverfahren verbindlich sind (Art. 63 Abs. 2 OG) und wenn schon
mit staatsrechtlicher Beschwerde wegen willkürlicher Beweiswürdigung hätten
angefochten werden müssen.

Was das angebliche Pensionsalter des Klägers von 60 Jahren anbelangt,
versucht die Beklagte, ihren Ausführungen ein neues Sachverhaltselement
zugrunde zu legen, was unzulässig ist (Art. 55 Abs. 1 lit. c und Art. 63 Abs.
2 OG). Das Kantonsgericht hat keine dahingehenden Feststellungen getroffen
und die Beklagte ist selbst davon ausgegangen, dass der Kläger nach der
Scheidung noch während 15 Jahren arbeitstätig sein kann (Appellationsantwort,
S. 7).

4.4 Die Beklagte macht sodann geltend, das Kantonsgericht gehe offensichtlich
davon aus, dass sie mit einer Verlängerung der "ersten Stufe" besser gestellt
werde und deshalb in der "zweiten Stufe" eine Reduktion auf Fr. 1'000.--
hinzunehmen habe; in Tat und Wahrheit fahre sie aber mit der
zweitinstanzlichen Lösung schlechter.

Abgesehen davon, dass mit einem blossen Urteilsvergleich keine
Bundesrechtsverletzung darzutun ist, übergeht die Beklagte, dass das
Kantonsgericht im Gegensatz zur ersten Instanz berücksichtigt hat, dass der
Kläger angesichts der aktuellen Situation an beide Kinder Mündigenunterhalt
wird leisten müssen (das eine Kind besucht das Gymnasium, das andere die
Fachmaturitätsschule). Es hat deshalb den nachehelichen Unterhalt auf einer
anderen Basis als die erste Instanz berechnet, und es wird im Folgenden zu
prüfen sein, ob das kantonsgerichtliche Urteil als solches vor Bundesrecht
standhält.

5.
Auch ausgehend vom kantonal festgestellten Sachverhalt hält die Beklagte den
für die "zweite Phase" zugesprochenen Unterhaltsbeitrag von Fr. 1'000.-- für
zu tief.

5.1 Die Beklagte macht im Einzelnen geltend, dass nach den kantonalen
Erwägungen die Fr. 1'000.-- zum Ausbau ihrer Altersvorsorge gedacht seien,
weshalb ihr für das tägliche Leben bei einem Existenzminimum von Fr. 3'472.--
nur gerade ein Überschuss von Fr. 154.-- verbleibe, während der Kläger nach
Wegfall der Kinderalimente über freie Mittel von rund Fr. 4'500.-- verfüge.
Eine derart krasse Differenz gehe nach fast 20-jähriger Ehe mit Kindern nicht
an.

5.2 Nach den verbindlichen kantonalen Sachvehaltsfeststellungen hat die Ehe
17 Jahre gedauert, sind aus ihr zwei Kinder hervorgegangen und hat die
Beklagte ihre Arbeitstätigkeit zugunsten der Kindererziehung aufgegeben. Das
Kantonsgericht hat daraus den zutreffenden Schluss gezogen, die Ehedauer und
vor allem die Kindererziehung hätten die Lebenslage der Beklagten entschieden
geprägt und verändert. Es hat sodann erwogen, dass sie 50 Jahre alt sei, was
für eine nacheheliche Unterhaltspflicht des Klägers spreche.

Für die Berechnung des Unterhaltsbeitrages ist das Kantonsgericht auf der
Seite des Klägers von einem Einkommen von Fr. 8'217.-- und einem
Existenzminimum von Fr. 4'165.--, seitens der Beklagten von einem
hypothetischen Einkommen von Fr. 3'626.-- (Verdoppelung des realen Einkommens
durch Ausdehnung der Erbeitstätigkeit von 50 auf 100 %) und einem
Existenzminimum von Fr. 3'472.-- ausgegangen.

5.3 Bei der lebensprägenden Ehe ist nach dem in E. 3 Gesagten für den
gebührenden Unterhalt grundsätzlich am zuletzt gemeinsam gelebten Standard
anzuknüpfen. Diesen hat das Kantonsgericht zwar nicht im eigentlichen Sinn
festgestellt, aber aus den Zahlen, auf welche die Vorinstanz abgestellt hat,
ist offensichtlich, dass die in einem Haushalt lebende vierköpfige Familie
vor der Trennung einen weit über dem Existenzminimum liegenden Lebensstil
pflegen konnte. Auf diesen Standard - welcher zusammen mit den
scheidungsbedingten Mehrkosten den gebührenden Unterhalt ergibt -  haben
beide Ehegatten Anspruch, soweit es die finanziellen Mittel erlauben (BGE 132
III 593 E. 3.2 S. 594 f.). Dass dies vorliegend der Fall ist, steht
angesichts des von der seinerzeit nicht erwerbstätigen Beklagten nunmehr
zusätzlich zu generierenden Einkommens ausser Zweifel.

Nun ist es wenig einsichtig, weshalb die Vorinstanz den nachehelichen
Unterhalt auf den Zeitpunkt, ab welchem der Kläger bereits von der
Unterhaltspflicht gegenüber den Kindern entbunden wird, herabsetzen und damit
den Kläger zusätzlich entlasten will. Aus den verbindlich festgestellten
Eckdaten zu Einkommen und Existenzminima wird klar, dass die Beklagte
lediglich ein hypothetisches Einkommen in der Grössenordnung ihres
Existenzminimums erzielen und damit den ehelichen Lebensstandard nicht
erreichen können wird, während dem Kläger nach Wegfall der Kinderalimente ein
Überschuss in der Grössenordnung von Fr. 4'000.-- verbleiben würde.

Davon hat der Kläger nach dem angefochtenen Urteil zwar einen
Unterhaltsbeitrag von Fr. 1'000.-- an die Beklagte zu leisten. Dieser Betrag
ist aber nach den Erwägungen des angefochtenen Urteils im Wesentlichen für
den Ausbau ihrer Altersvorsorge zu verwenden, während diejenige des Klägers
bereits aus den Abzügen vom Bruttoeinkommen finanziert ist, die zu dem für
die Festsetzung des nachehelichen Unterhalts massgeblichen Nettoeinkommen von
Fr. 8'217.-- führen. Das heisst mit anderen Worten, dass der Beklagten in der
"zweiten Phase" für ihr tägliches Leben nicht viel mehr als das
Existenzminimum zur Verfügung stünde, während sich der Überschuss beim Kläger
auf Fr. 3'000.-- belaufen würde.

Dieses Ergebnis ist bei einer langjährigen Ehe mit Kindern und beruflichen
Einschränkungen zwecks Kindererziehung nicht mit Bundesrecht vereinbar, umso
weniger als es von der Vorinstanz an die Zufälligkeit geknüpft worden ist,
wie lange die Ausbildung der Kinder dauert, und es deshalb unter Umständen
schon sehr bald eintreten kann. Unter Würdigung aller Umstände erscheint
vielmehr ein Unterhaltsbeitrag in der Grössenordnung von Fr. 2'000.-- als
angemessen; die Ehegatten verfügen dann über ähnliche Überschüsse, wobei die
Beklagte hieraus noch ihre berufliche Vorsorge zu äufnen hat. Der Beklagten
ist somit für die "zweite Phase" der von ihr verlangte Unterhaltsbeitrag von
Fr. 1'965.-- zuzusprechen.

5.4 Ist für die "zweite Phase" nachehelicher Unterhalt geschuldet, versteht
sich von selbst, dass dies - entgegen den Anträgen in der Anschlussberufung -
schon für die "erste Phase" der Fall ist. Den vom Kantonsgericht
festgesetzten Betrag von Fr. 1'650.-- vermag der Kläger bei einem Einkommen
von Fr. 8'217.--, einem Existenzminimum von Fr. 4'165.-- und
Unterhaltsbeiträgen von Fr. 2'000.-- bzw. von Fr. 1'000.--, wenn nur noch ein
Kind in Ausbildung ist, offensichtlich zu tragen.

6.
Mit Bezug auf die "dritte Phase" (nach der Pensionierung des Klägers)
verlangt die Beklagte einen Unterhaltsbetrag von Fr. 500.-- mit der
Begründung, infolge der Einkommensunterschiede der Parteien und der daraus
resultierenden Differenz der Pensionskassenleistungen müsse ihr weiterhin ein
Ausgleich zugesprochen werden.

6.1 Die Beklagte scheint davon auszugehen, dass sie bei einer lebensprägenden
Ehe einen Anspruch auf lebenslängliche finanzielle Gleichstellung mit dem
abgeschiedenen Ehegatten hat. Dies trifft indes in dieser absoluten Form
nicht zu. Massgeblich sind vielmehr die in Art. 125 Abs. 2 ZGB aufgezählten
Faktoren, auf deren Basis der gebührende Unterhalt der Ehegatten und der
hierfür vom leistungsfähigeren an den bedürftigeren Teil zu leistende
angemessene Beitrag im Sinn von Art. 125 Abs. 1 ZGB zu berechnen sind.

6.2 Im vorliegenden Fall ergibt sich, dass die Beklagte für die Zeit der Ehe
im Rahmen des Vorsorgeausgleichs gemäss Art. 122 ZGB die Hälfte der Differenz
zwischen den Austrittsleistungen erhält bzw. erhalten hat und sie zudem
während noch rund 14 Jahren aus eigenem Einkommen und Teilen der
Unterhaltsbeiträge von Fr. 1'650.-- bzw. 1'965.-- ihr Vorsorgeguthaben wird
äufnen können. Sie sollte damit auf ein ähnliches Rentenbetreffnis wie der
Kläger kommen.
Auf der Gegenseite ist zu berücksichtigen, dass die verfügbaren Mittel in
aller Regel sinken, sobald der Leistungspflichtige das Rentenalter erreicht,
so dass der während der Aktivitätsphase gepflegte Lebensstandard nicht
uneingeschränkt fortgesetzt werden kann. Die Praxis pflegt diesem Umstand
denn auch dadurch Rechnung zu tragen, dass das Ende der Unterhaltspflicht
zumeist an das Erreichen des AHV-Alters des Unterhaltspflichtigen geknüpft
wird.

6.3 Aufgrund des Gesagten erscheint es nicht als unbillig, wenn der
nacheheliche Unterhalt auf die Zeit bis zur ordentlichen Pensionierung des
Klägers begrenzt wird, und der angefochtene Entscheid hält deshalb jedenfalls
unter Berücksichtigung des weiten kantonalen Ermessens bei der Festsetzung
des angemessenen Unterhaltsbeitrages (Art. 4 ZGB; BGE 127 III 136 E. 3a S.
141; Botschaft, BBl 1996 I S. 115 f.), bei dessen Überprüfung das
Bundesgericht sich eine gewisse Zurückhaltung auferlegt (BGE 127 III 310 E. 3
S. 313 f.; 128 III 428 E. 4 S. 432; 129 III 380 E. 2 S. 382), vor Bundesrecht
stand.

7.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Berufung dahingehend gutzuheissen ist,
dass der Beklagten für die "zweite Phase" ein Unterhaltsbeitrag von Fr.
1'965.-- statt von Fr. 1'000.-- zuzusprechen ist. Im Übrigen sind Berufung
und Anschlussberufung abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.

Die Beklagte ist im Grundsatz vollständig und betragsmässig zum grossen Teil
durchgedrungen, so dass sich keine Kostenausscheidung rechtfertigt und die
Gerichtsgebühren für das Berufungs- sowie das Anschlussberufungsverfahren und
die Parteikosten der Beklagten für das Berufungsverfahren dem Kläger
aufzuerlegen sind (Art. 156 Abs. 1 und 159 Abs. 2 OG). Das Gesuch der
Beklagten um unentgeltliche Rechtspflege wird damit gegenstandslos.

Die Liquidation der Kosten des kantonalen Prozesses entsprechend dem neuen
Ausgang des Verfahrens ist durch das Kantonsgericht vorzunehmen (Art. 157 und
159 Abs. 6 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Das Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft vom 15. August 2006 wird in
diesbezüglicher Gutheissung der Berufung dahingehend modifiziert, dass der
Kläger verpflichtet wird, der Beklagten ab Wegfall jeglichen Kinderunterhalts
bis zu seiner ordentlich erfolgten Pensionierung einen monatlich im Voraus
zahlbaren Unterhaltsbeitrag von Fr. 1'965.-- zu leisten.

Im Übrigen werden Berufung und Anschlussberufung abgewiesen, soweit darauf
einzutreten ist.

2.
Die Gerichtsgebühren von je Fr. 2'000.-- für die Berufung und die
Anschlussberufung werden dem Kläger auferlegt.

3.
Der Kläger hat die Beklagte für das Berufungsverfahren mit Fr. 3'000.-- zu
entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht Basel-Landschaft,
Abteilung Zivil- und Strafrecht, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 13. März 2007

Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: