Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

II. Zivilabteilung 5C.269/2006
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{T 0/2}
5C.269/2006 /sat

Urteil vom 6. März 2007
II. zivilrechtliche Abteilung

Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichterinnen Nordmann, Escher,
Gerichtsschreiber Schett.

X. ________,
Berufungsklägerin,
vertreten durch Rechtsanwältin Marie-Christine Müller Leu,

gegen

Y.________,
Berufungsbeklagten.

Kindesschutz; persönlicher Verkehr,

Berufung gegen das Urteil des Kantonsgerichts
Basel-Landschaft, Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, vom 23. August
2006.

Sachverhalt:

A.
A.a X.________ und Y.________ lernten sich Ende 1998 kennen und unterhielten
bis im Februar 1999 eine Beziehung. Am 1. November 1999 gebar X.________ die
Tochter Z.________. Mit Urteil vom 26. September 2000 stellte das
Zivilgericht des Kantons Basel-Stadt die Vaterschaft von Y.________ fest.

A.b Trotz intensiver Bemühungen gelang es der Vormundschaftsbehörde
A.________ nicht, einen gangbaren Besuchsablauf zwischen dem Kindsvater und
der Tochter zu vermitteln. Sie wies daher die Kindsmutter am 28. Juli 2003
formell auf das Besuchsrecht des Kindsvaters hin und hielt sie unter anderem
an, diesen mindestens halbjährlich über die Entwicklung von Z.________ zu
informieren und dem Kind allfällige Briefe des Vaters in angemessener Weise
zur Kenntnis zu bringen sowie für die Aufrechterhaltung des telefonischen,
brieflichen oder eventuellen E-Mail-Kontaktes besorgt zu sein. Sollten die
Eltern bis zum Erreichen der ordentlichen Schulpflicht des Kindes keine
Lösung gefunden haben, diesem das persönliche Kennenlernen des Vaters zu
ermöglichen, werde die Vormundschaftsbehörde die zu ergreifenden Massnahmen
prüfen. Das kantonale Vormundschaftsamt wies die gegen diese Verfügung von
X._________ erhobene Beschwerde am 14. November 2003 ab und beauftragte die
Vormundschaftsbehörde, für das Kind Z.________ einen Beistand nach Art. 308
ZGB zu bestellen. Mit Urteil vom 14. Juli 2004 wies das Kantonsgericht
Basel-Landschaft die gegen diesen Entscheid eingereichte Beschwerde von
X._________ ebenfalls ab.

B.
B.a Am 31. Januar 2005 ernannte die Vormundschaftsbehörde R.________ per 1.
März 2005 zur Erziehungsbeiständin von Z.__________ und betraute sie mit der
Überwachung des persönlichen Verkehrs zwischen Vater und Kind. An der
entsprechenden Sitzung erklärte X.________, dass sie nie zulassen werde, dass
Y._________ ihre Tochter sehen würde, und dass eine Besuchsregelung vor dem
14. oder 15. Lebensjahr von Z.________ nicht in Frage käme. Auf Anweisung der
Vormundschaftsbehörde verbrachte die Erziehungsbeiständin am 8. September
2005 den Vormittag mit Z._________ im Kindergarten und übergab dem Kind nach
Informationen über den Vater Geschenke und las ihm Briefe vor. Es soll
glücklich gewirkt, sich nach den Vorlieben des Vaters erkundigt und die
Anwesenheit an seinem Geburtstag gewünscht haben. Zuvor hatte die
Erziehungsbeiständin auf eine solche Begegnung verzichtet, da X.________ dies
nicht wünschte und stattdessen in ihrem Bericht vom 27. Juli 2005 eine
Begutachtung von Z._________ empfohlen hatte.

B.b Am 14. September 2005 reichte X.________ bei der Vormundschaftsbehörde
eine Gefährdungsmeldung ein mit der Begründung, das Vorgehen der
Erziehungsbeiständin stelle das Kindswohl in Frage. Am 22. September 2005
gelangte X.________ gegen das Vorgehen der Erziehungsbeiständin mit
Beschwerde an die Vormundschaftsbehörde. Gegen deren abweisenden Entscheid
reichte sie eine Beschwerde beim kantonalen Vormundschaftsamt ein, welches
mit Entscheid vom 31. Januar 2006 auf ihre Begehren teilweise nicht eintrat
und zudem die Erstellung eines Gutachtens ablehnte.

B.c X.________ gelangte daraufhin an das Kantonsgericht, welches ihre
Beschwerde am 23. August 2006 abwies.

C.
X. ________ ist am 25. Oktober 2006 mit Berufung an das Bundesgericht
gelangt. Sie beantragt die Aufhebung des kantonsgerichtlichen Urteils und die
Anweisung an die zuständige Behörde, ein psychiatrisches Gutachten bezüglich
des persönlichen Verkehrs zwischen dem Kindsvater und ihrer Tochter in
Auftrag zu geben, wobei die persönlichen Differenzen der Eltern und deren
Auswirkungen auf das Kindeswohl zu thematisieren seien. Zudem sei die
zuständige Behörde anzuweisen, keine weiteren Schritte bezüglich der
Förderung des persönlichen Verkehrs zwischen dem Kindsvater und ihrer Tochter
zu unternehmen und keine diesbezüglichen Anweisungen an die
Erziehungsbeiständin oder eine Betreuungsperson zu erteilen, bevor das
Gutachten vorliege. Eventualiter sei die Sache zur Aktenergänzung und zu
neuem Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eine Berufungsantwort wurde
nicht eingeholt.

D.
Mit Urteil vom heutigen Tag ist das Bundesgericht auf die staatsrechtliche
Beschwerde nicht eingetreten (Verfahren 5P.453/2006).

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
1.1 Das angefochtene Urteil ist vor Inkrafttreten des Bundesgesetzes über das
Bundesgericht (BGG; SR 173.110) ergangen, womit die Bestimmungen des
Bundesrechtspflegegesetzes (aOG) weiterhin anzuwenden sind (Art. 132 Abs. 1
BGG).

1.2 Das angefochtene Urteil betrifft die Anordnungen über den persönlichen
Verkehr mit einem unmündigen Kind. Die Berufung richtet sich gegen den
Endentscheid eines oberen kantonalen Gerichts. Sie erweist sich damit als
zulässig (Art. 44 lit. d OG, Art. 48 Abs. 1 OG). Zwar verlangt die
Berufungsklägerin die vollständige Aufhebung des kantonsgerichtlichen
Urteils, aus ihrer Begründung ergibt sich indes, dass nur Ziff. 1 und 4
desselben Gegenstand der Berufung bilden. Da sich die Kostenverteilung nach
kantonalem und nicht nach eidgenössischem Recht richtet, wird sie in der
Berufung nicht überprüft (Art. 43 Abs. 1 Satz 1 OG). Die Berufungsklägerin
verlangt vom Bundesgericht Anweisungen an die zuständigen Behörden im
Hinblick auf den persönlichen Verkehr zwischen dem Kindsvater und ihrer
Tochter bis zum Vorliegen eines Gutachtens. Auf dieses Begehren ist nicht
einzutreten, da es nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet und
überdies nicht begründet wird.

1.3 Das Bundesgericht ist an die tatsächlichen Feststellungen der letzten
kantonalen Instanz gebunden, wenn sie nicht offensichtlich auf Versehen
beruhen, unter Verletzung bundesrechtlicher Beweisvorschriften zustande
gekommen (Art. 63. Abs. 2 OG) oder zu ergänzen sind (Art. 64 OG).
Ausführungen, die sich gegen die tatsächlichen Feststellungen im
angefochtenen Entscheid richten sowie das Vorbringen neuer Tatsachen,
Einreden, Bestreitungen und Beweismittel sind unzulässig (Art. 55 Abs. 1 lit.
c OG). Damit können die Hinweise der Berufungsklägerin auf die Schreiben von
Dr. S.________ vom 14. Juni 2004, vom 8. April 2005 und vom 24. Oktober 2005
nicht berücksichtigt werden.

2.
Anlass zur vorliegenden Berufung gibt das Vorgehen der Erziehungsbeiständin
zur Aufrechterhaltung des Kontaktes zwischen Kindsvater und Kind sowie die
Frage, ob im Hinblick auf das Besuchsrecht des Kindsvaters ein
psychiatrisches Gutachten über das Kind einzuholen sei.

2.1 Die Vorinstanz hielt fest, dass die Vormundschaftsbehörde der Tochter der
Berufungsklägerin auf Anweisung des kantonalen Vormundschaftsamtes per 1.
März 2005 eine Erziehungsbeiständin ernannt und deren Auftrag im Einzelnen
umschrieben habe. Diese Anordnung sei in Rechtskraft erwachsen. Die
Erziehungsbeiständin habe insbesondere dafür sorgen müssen, dass die
Berufungsklägerin ihre Pflicht erfülle, der Tochter allfällige Briefe des
Vaters in angemessener Weise zur Kenntnis zu bringen und einen telefonischen,
brieflichen oder E-Mail-Kontakt zwischen Vater und Tochter aufrecht zu
erhalten. Die Berufungsklägerin habe ihrem Kind die Briefe und Geschenke des
Vaters vorenthalten und keinen telefonischen und schriftlichen Kontakt
zugelassen, weshalb die Erziehungsbeiständin für die Einhaltung dieser
Pflicht habe sorgen müssen. Es habe für die Erziehungsbeiständin keine andere
Möglichkeit gegeben, als die Briefe und Geschenke des Vaters dem Kind selber
zu übergeben und vor allem ihm vom Vater zu berichten. In diesem Sinne sei
sie zur Ersatzvornahme befugt gewesen. Im Wesentlichen habe der Besuch im
Kindergarten aber dazu gedient, das Kind kennenzulernen, um beurteilen zu
können, ob im Hinblick auf den geplanten persönlichen Kontakt zum Vater ein
psychiatrisches Gutachten notwendig sei. Aus dem Bericht der
Erziehungsbeiständin vom 13. Oktober 2005 über den Besuch im Kindergarten
gehe zudem hervor, dass sie dabei durchaus kindergerecht vorgegangen sei. Das
Kind sei dadurch nicht gefährdet worden, weshalb das Vorgehen der
Erziehungsbeiständin nicht zu beanstanden sei.

2.1.1 Die Berufungsklägerin vertritt die Auffassung, dass die Vorinstanz in
diesem Punkt Bundesrecht verletze (Art. 308 ZGB). Die Erziehungsbeiständin
habe lediglich die Aufgabe gehabt, den persönlichen Verkehr von Vater und
Kind zu überwachen und die dafür nötigen Einzelheiten festzulegen. Hingegen
habe sie keinen Auftrag erhalten, Weisungen der Vormundschaftsbehörde zu
vollziehen, die sich an die Mutter richteten. Ein eigentlicher
Vollzugsauftrag habe so wenig vorgelegen wie eine allenfalls notwendige
Beschränkung der elterlichen Sorge. Der Beistand nach Art. 308 Abs. 2 ZGB sei
kein Vollstreckungsorgan, weshalb die Ersatzvornahme rechtswidrig und zudem
ohne anfechtbare Weisung erfolgt sei. Dass der Besuch der
Erziehungsbeiständin im Kindergarten auch dem Kennenlernen des Kindes gedient
habe und diese bei der Ersatzvornahme in einer kindergerechten Art
vorgegangen sei, ändere nichts daran, dass sie dazu nicht befugt gewesen sei.

2.1.2 Soweit die Berufungsklägerin das Pflichtenheft der Erziehungsbeiständin
in Frage stellt, ist sie auf die Verfügung der Vormundschaftsbehörde vom 28.
Juli 2003 zu verweisen, welche die Pflichten beider Elternteile
unmissverständlich umschreibt. Demnach haben sie alles zu unterlassen, was
das Verhältnis des Kindes zum andern Elternteil beeinträchtigt und
insbesondere dem Kind die Möglichkeit zu bieten, seinen Vater auch persönlich
kennenzulernen. Die Berufungsklägerin wird unter anderem dazu verpflichtet,
dem Kind allfällige Briefe des Vaters in angemessener Weise zur Kenntnis zu
bringen und dafür besorgt zu sein, dass ein telefonischer, brieflicher oder
allenfalls E-Mail-Kontakt zwischen Vater und Tochter aufrechterhalten bleibt.
Mit Verfügung vom 31. Januar 2005 wurde die per 1. März 2005 ernannte
Erziehungsbeiständin mit der Überwachung des persönlichen Verkehrs zwischen
Vater und Kind beauftragt. Sie hatte dafür besorgt zu sein, dass der (eben
erwähnten) Verfügung der Vormundschaftsbehörde vom 28. Juli 2003 nachgelebt
werde. Daraus ergibt sich unmissverständlich, dass die Erziehungsbeiständin
nötigenfalls anstelle der Berufungsklägerin für die Aufrechterhaltung des
Kontaktes zwischen Vater und Kind zu sorgen hatte. Die Berufungsklägerin
hatte einen solchen Kontakt seit jeher verhindert und an der Sitzung mit der
Vormundschaftsbehörde vom 31. Januar 2005 sogar festgehalten, dass sie eine
persönliche Begegnung des Kindsvaters mit ihrer Tochter nie zulassen werde
und eine Besuchsrechtsregelung vor dem 14. oder 15. Lebensjahr nicht in Frage
käme. Indem die Erziehungsbeiständin anlässlich des Besuchs im Kindergarten
mit dem Kind über seinen Vater gesprochen, ihm Briefe vorgelesen und
Geschenke überreicht hatte, hat sie nichts anderes getan, als die der
Berufungsklägerin auferlegten Pflichten wahrgenommen. Entgegen der Behauptung
der Berufungsklägerin war die Erziehungsbeiständin nicht nur mit der
Überwachung des persönlichen Verkehrs und der Festlegung der dazu notwendigen
Einzelheiten betraut worden, weshalb ihre allgemeinen Ausführungen zu den
Aufgaben eines Beistandes an der Sache vorbeigehen. Die Vormundschaftsbehörde
hatte sie konkret verpflichtet, für die Einhaltung der mütterlichen
Informationspflicht zu sorgen. Sie hatte diesen Auftrag bekräftigt und
konkretisiert, nachdem sich die Erziehungsbeiständin vorerst geweigert hatte,
gegen den Willen der Berufungsklägerin das Kind im Kindergarten zu besuchen.
Damit hatte die Erziehungsbeiständin auf Anordnung der Vormundschaftsbehörde
gehandelt. Da die Berufungsklägerin sich seit Jahren allen behördlichen
Weisungen in Bezug auf den Kontakt ihrer Tochter mit dem Vater widersetzt und
sogar der Erziehungsbeiständin einen Besuch im Kindergarten untersagt hatte,
durfte sie nicht davon ausgehen, dass die Vormundschaftsbehörde ihr vorerst
eine anfechtbare Verfügung zustellen würde. Damit kann offen gelassen werden,
ob die in Frage stehende Vorkehr überhaupt den Erlass einer Verfügung
voraussetzt, zumal es um die Durchsetzung bereits festgelegter Pflichten
geht. Die Berufungsklägerin war zudem gehalten, mit der Erziehungsbeiständin
zusammen zu arbeiten, und ihre elterliche Sorge über das Kind war insofern
beschränkt (Peter Breitschmid, Basler Kommentar, N. 2 zu Art. 308 ZGB). Von
einem Zusammenwirken im Interesse des Kindes kann angesichts der verfestigten
Haltung der Berufungsklägerin jedoch keine Rede sein. Der
Erziehungsbeiständin blieb somit keine andere Möglichkeit, als sich direkt an
das Kind zu wenden, um ihren Auftrag zu erfüllen. Der Hinweis der
Berufungsklägerin, die Erziehungsbeiständin sei kein Vollstreckungsorgan,
weshalb deren Ersatzvornahme rechtswidrig sei, geht an der Sache vorbei. Es
ging nämlich nicht um die Durchsetzung des Besuchsrechts des Kindsvaters,
sondern um ein Gespräch mit dem Kind, das Vorlesen von Briefen und die
Übergabe von Geschenken. Die Erziehungsbeiständin hat nichts anderes getan,
als ihre Vermittlerrolle wahrzunehmen (Yvo Biderbost, Die
Erziehungsbeistandschaft, Diss. Freiburg 1996, S. 314). Hinzu kommt, dass die
Vormundschaftsbehörde auf jeden Fall berechtigt ist, an den Elternteil,
welchem kein Besuchsrecht zusteht, Briefe des Kindes weiterzuleiten (BGE 126
III 219 E. 2c). Dies muss um so mehr gelten, wenn - wie im vorliegenden Fall
- dem Kindsvater das Besuchsrecht grundsätzlich eingeräumt und eine
Erziehungsbeistandschaft errichtet worden ist. Zudem war es angebracht, dass
die Erziehungsbeiständin das ihr anvertraute Kind persönlich kennenlernen
sollte, besteht doch ihre Aufgabe gerade darin, gegenüber Eltern und Kind als
vertraute Ansprechspartnerin zu wirken (Peter Breitschmid, a.a.O., N. 3 zu
Art. 308 ZGB). Bei dieser Gelegenheit konnte sich die Erziehungsbeiständin
auch eine Meinung über die Notwendigkeit eines psychiatrischen Gutachtens
bilden und die von der Vormundschaftsbehörde verlangte Stellungnahme hierzu
abgeben. Aus dieser Sicht war der Besuch der Erziehungsbeiständin im
Kindergarten nicht nur gerechtfertigt, sondern sogar notwendig.

2.2 Die Vorinstanz kam im Weiteren zum Schluss, es bestehe keine
Notwendigkeit, das Kind der Berufungsklägerin im Hinblick auf den
persönlichen Kontakt zu seinem Vater psychiatrisch begutachten zu lassen. Die
Erziehungsbeiständin habe einen solchen Vorschlag nicht in der Sorge um das
Wohl des Kindes gemacht, sondern aufgrund der Renitenz der Berufungsklägerin,
welche weder ihren Pflichten nachkomme noch die Bereitschaft zeige, sie ihre
Aufgabe erfüllen zu lassen. Die Berufungsklägerin mache die persönliche
Kontaktnahme des Kindsvaters zu ihrer Tochter von dessen vorgängiger
Entschuldigung abhängig, was nicht angehe. Zwar werde in der Lehre unter
anderem in den Fällen ein Gutachten empfohlen, in denen innert angemessener
Frist keine einvernehmliche Lösung über das Besuchsrecht gefunden werde. Die
Berufungsklägerin komme den von der Vormundschaftsbehörde und den Gerichten
auferlegten Pflichten gegenüber ihrem Kind nicht nach. Angesichts ihres
jahrelangen Widerstandes gegen einen Kontakt ihrer Tochter zum Vater sei
davon auszugehen, dass sie sich der Empfehlung eines Gutachters nur
anschliessen würde, sofern er ihre Position bestätige. Zwar sei das
Verhältnis der Eltern stark belastet, welcher Umstand zu einem
Loyalitätskonflikt des Kindes führen könne. Nach Angaben der Mutter sei das
Kind körperlich gesund. Die Kindergärtnerin attestiere ihm Intelligenz und
eine starke Persönlichkeit. Unter diesen Voraussetzungen stelle ein
allfälliger Loyalitätskonflikt keine Gefährdung des Kindes dar, zumal die
Berufungsklägerin durch ihr Verhalten einiges zur Beruhigung der Situation
beitragen könne.

2.2.1 Die Berufungsklägerin erachtet einen Kontakt zwischen Vater und Tochter
angesichts der enormen Spannungen zwischen den Eltern als nicht realistisch
und sieht darin eine Gefährdung des Kindeswohls. Sie bringt vor, durch die
Beziehungsgeschichte mit dem Kindsvater extrem traumatisiert worden zu sein.
Nun werde sie von der Vorinstanz noch massiv unter Druck gesetzt, indem diese
auf die Möglichkeit hinweise, künftige Verfügungen mit der Androhung von
Straffolgen zu versehen. Dadurch werde die Mutter-Kind-Einheit ernsthaft
gefährdet. Die Vorinstanz habe ihre Bedenken nicht beachtet, ohne fachliche
Abklärungen den persönlichen Verkehr einschliesslich des telefonischen oder
schriftlichen Kontakts zwischen Vater und Kind zuzulassen. Jeder weitere
Schritt im Hinblick auf die Beziehung des Kindes zum Vater sei zu
unterlassen, bis das Gutachten einer Fachperson vorliege. Der Fall sei derart
komplex, dass ohne Einholen einer Expertise die Untersuchungsmaxime verletzt
werde.

2.2.2 Soweit die Berufungsklägerin ihre Beziehung zum Kindsvater in den
Vordergrund rückt und in diesem Zusammenhang auf die Stellungnahmen von Dr.
S.________ verweist, welche von der Vorinstanz nicht berücksichtigt worden
sind, versucht sie in unzulässiger Weise den Sachverhalt zu erweitern (E.
1.3). Ebenfalls nicht berücksichtigt wird ihre wiederholte Kritik am
Verhalten des Kindesvaters.

2.2.3 Hingegen ist zu prüfen, inwieweit die Vorinstanz die
Untersuchungsmaxime verletzte, als sie auf die Anordnung eines Gutachtens
verzichtete. Gemäss Art. 145 Abs. 1 ZGB erforscht das Gericht den Sachverhalt
von Amtes wegen und würdigt die Beweise nach freier Überzeugung (BGE 128 III
411 E. 3.2). Nötigenfalls zieht es Sachverständige bei und erkundigt sich bei
der Vormundschaftsbehörde oder einer in der Jugendhilfe tätigen Stelle (Abs.
2). Dieser Grundsatz gilt nicht nur für sämtliche Kinderbelange im
Scheidungsprozess, sondern grundsätzlich für alle Zivilverfahren, welche die
unmündigen Kinder betreffen (Thomas Sutter/Dieter Freiburghaus, Kommentar zum
neuen Scheidungsrecht, N. 8 zu Art. 145 ZGB; vgl. auch BGE 130 I 180 E. 3.2).
Sind Fragen rund um den persönlichen Verkehr zwischen einem Elternteil und
seinem Kind zu beantworten, so liegt es im pflichtgemässen Ermessen des
Gerichts, ob ein kinderpsychiatrisches oder kinderpsychologisches Gutachten
einzuholen ist. Kann der massgebliche Sachverhalt auf andere Weise abgeklärt
werden, so erweist sich der Verzicht auf die Anordnung eines Gutachtens nicht
als bundesrechtswidrig (Urteil 5C.22/2005 vom 13. Mai 2005, in FamPra.ch
2005, S. 950; Urteil 5C.210/2000 vom 27. Oktober 2000 in FamPra.ch 2001, S.
606 je mit Hinweisen). Gemäss den Feststellungen der Vorinstanz geht es im
vorliegenden Fall um ein körperlich gesundes und intelligentes Mädchen mit
einer starken Persönlichkeit. Allfällige Loyalitätskonflikte aus dem Kontakt
mit dem Vater sind daher ihrer Ansicht nach nicht derart, dass sie eine
Gefährdung des Kindes darstellen würden. Zudem könne die Mutter einiges dazu
beitragen, dass ihre Tochter nicht in einen allzu grossen Loyalitätskonflikt
gerate. Diese hat überdies den Besuch der Erziehungsbeiständin im
Kindergarten gemäss den Feststellungen der Vorinstanz positiv erlebt, sich
über die Nachfrage des Vaters sowie die Geschenke und Briefe gefreut und
möchte den Vater persönlich kennen lernen. Weder der Entwicklungszustand des
ca. sieben Jahre alten Mädchens noch der indirekte Kontakt zum Vater
erfordern daher eine fachliche Begutachtung. Das Bild, welches sich die
Vorinstanz vom Kind und seinem Umfeld machen konnte, erfordert ebenfalls
keine zusätzlichen Abklärungen, insbesondere durch einen Experten. Der
Umstand, dass die Berufungsklägerin seit Jahren mit Erfolg ihr Kind vom Vater
abschottet, jede Zusammenarbeit mit der Erziehungsbeiständin verweigert und
behördlichen Entscheiden keine Folge leistet, rechtfertigt in keiner Weise
die von ihr geforderte Begutachtung des Kindes. Entgegen ihrer Behauptung
wird das Wohl des Kindes durch den Kontakt zum Vater auch nicht gefährdet.
Inwieweit die Berufungsklägerin unter der ganzen Situation allenfalls leidet
und sich von den Behörden unter Druck gesetzt fühlt, ist in diesem
Zusammenhang von untergeordneter Bedeutung. Es geht in erster Linie um das
Kind, welchem auch unter schwierigen Bedingungen das Recht zusteht, seinen
Vater kennenzulernen und zwar nicht erst ab einem bestimmten Alter (Art. 273
Abs. 1 ZGB; BGE 130 III 585 E. 2.2.2). Die Empfehlung der
Erziehungsbeiständin, ein Gutachten zu erstellen, beruht offenbar mehr auf
ihren eigenen Erfahrungen mit der Berufungsklägerin als den Erkenntnissen
über die Vater-Kind-Beziehung. Dass sie keine gangbare Möglichkeit mehr sah,
ihrem Auftrag gemäss den persönlichen Kontakt des Kindes zu seinem Vater
aufzubauen, mag nachvollziehbar sein, rechtfertigt aber nicht eine erneute
Verzögerung des Besuchsrechts, bis ein Gutachten erstellt ist (Urteil
5C.210/2000 vom 27. Oktober 2000, in FamPra.ch 2001, S. 606). Die Vorinstanz
hat damit ihr Ermessen im Hinblick auf die Notwendigkeit eines Gutachtes
nicht überschritten und den Untersuchungsgrundsatz nicht verletzt.

3.
Nach dem Gesagten ist der Berufung insgesamt kein Erfolg beschieden.
Ausgangsgemäss werden die Kosten der Berufungsklägerin auferlegt (Art. 156
Abs. 1 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Berufung wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'500.-- wird der Berufungsklägerin auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht Basel-Landschaft,
Abteilung Verfassungs- und Verwaltungsrecht, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 6. März 2007

Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident:  Der Gerichtsschreiber: