Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 4A.144/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 1/2}
4A_144/2010

Urteil vom 28. September 2010
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Bundesrichter Corboz,
Bundesrichterin Rottenberg Liatowitsch,
Bundesrichter Kolly,
Bundesrichterin Kiss,
Gerichtsschreiber Leemann.

Verfahrensbeteiligte
Claudia Pechstein,
vertreten durch Advokaten Dr. Philippe Nordmann und Eva Senn,
Gesuchstellerin,

gegen

International Skating Union (ISU),
vertreten durch Rechtsanwalt Jean-Cédric Michel,
Gesuchsgegnerin.

Gegenstand
Internationales Schiedsgericht; Revision,

Revision des Schiedsentscheids des Tribunal Arbitral du Sport (TAS) vom 25.
November 2009.
Sachverhalt:

A.
A.a Claudia Pechstein, Diensdorf/Deutschland, (Gesuchstellerin) ist eine
deutsche Eisschnellläuferin.
Die International Skating Union (Gesuchsgegnerin) ist ein Verein
schweizerischen Rechts mit Sitz in Lausanne. Sie ist als Weltverband für die
Sportarten Eiskunstlauf und Eisschnelllauf anerkannt.
A.b Die Gesuchstellerin unterzog sich zwischen dem 4. Februar 2000 und dem 30.
April 2009 zahlreichen Dopingkontrollen, die keine Hinweise auf verbotene
Substanzen ergaben. Im gleichen Zeitraum erhob die Gesuchsgegnerin im Rahmen
ihres Blutprofilprogramms mehr als neunzig Blutproben der Gesuchstellerin.
Insbesondere wurden zwischen dem 20. Oktober 2007 und dem 30. April 2009
siebenundzwanzig Blutproben der Athletin entnommen, die letzten zwölf zwischen
Januar und April 2009.
Die im Rahmen des Blutprofilprogramms der Gesuchsgegnerin erhobenen und
aufgezeichneten Blutparameter beinhalten unter anderem Hämoglobin, Hämatokrit
und den prozentualen Anteil unreifer roter Blutzellen (Retikulozyten). Der
Retikulozytenwert ermöglicht als Blutparameter eine aktuelle Beurteilung der
Bildung roter Blutkörperchen im menschlichen Organismus.
Während die Gesuchsgegnerin einen Retikulozytenwert zwischen 0.4 % und 2.4 %
für normal erachtet, ergaben die Resultate der Blutuntersuchungen bei der
Gesuchstellerin Retikulozytenwerte, die weit über 2.4 % lagen und danach
jeweils stark abfielen.
Am 7./8. Februar 2009 fand die von der Gesuchsgegnerin organisierte
Eisschnelllauf-Weltmeisterschaft in Hamar (Norwegen) statt. Am Morgen vor
Wettkampfbeginn, also am 6. Februar 2009, wurden von sämtlichen Athleten
Blutproben entnommen. Der Retikulozytenwert der Gesuchstellerin wurde auf 3.49
% gemessen.
Als Folge dieses Resultats erhob die Gesuchsgegnerin am Morgen bzw. am
Nachmittag des 7. Februar 2009 zwei weitere Blutproben bei der Gesuchstellerin.
Die gemessenen Retikulozytenwerte betrugen 3.54 % bzw. 3.38 %. An den Rennen
des nächsten Tages nahm die Gesuchstellerin nicht mehr teil.
Am 18. Februar 2009 wurde bei der Athletin ausserhalb des Wettkampfs eine
weitere Blutprobe entnommen. Diese zeigte einen Retikulozytenwert von 1.37 %
an.

B.
B.a Nach Überprüfung des Blutprofils leitete die Gesuchsgegnerin bei ihrer
Disziplinarkommission ein Verfahren gegen die Gesuchstellerin ein. Nach einem
in Bern abgehaltenen Hearing vom 29./30. Juni 2009 stellte die
Disziplinarkommission der Gesuchsgegnerin mit Entscheid vom 1. Juli 2009 ein
Dopingvergehen in Form von Blutdoping fest, aberkannte die anlässlich der
Weltmeisterschaft vom 7. Februar 2009 erzielten Resultate und sprach eine
zweijährige Sperre ab 9. Februar 2009 gegen die Gesuchstellerin aus.
B.b Am 21. Juli 2009 erklärte die Gesuchstellerin beim Tribunal Arbitral du
Sport (TAS) Berufung gegen den Entscheid der Disziplinarkommission vom 1. Juli
2009.
Mit Eingabe vom 3. August 2009 reichte die Gesuchstellerin dem TAS ihre
Berufungsbegründung ein.
Am 16. September 2009 beantragte die Gesuchstellerin, es sei ihr zu gestatten,
schriftlich zur Berufungsantwort der Gesuchsgegnerin Stellung zu nehmen. Diese
sprach sich gegen einen weiteren Schriftenwechsel aus. Mit Schreiben vom 23.
September 2009 teilte das TAS den Parteien mit, dass es in Anwendung von
Artikel R56 des TAS-Code einen weiteren Schriftenwechsel nicht zulasse. Es
gewährte der Athletin jedoch ausnahmsweise die Möglichkeit, bis spätestens acht
Tage vor dem auf den 22./23. Oktober 2009 angesetzten Hearing unter anderem
neue Beweise aus medizinischen Untersuchungen an ihrer Person sowie
entsprechende Bemerkungen dazu einzureichen ("to present any new evidence
deriving from medical investigations performed on her, with comments thereto").
Am Hearing, das am 22. und 23. Oktober 2009 in Lausanne stattfand, wurden
insgesamt zwölf von den Parteien bezeichnete Sachverständige angehört. Die
Parteien hatten jeweils die Möglichkeit, Fragen an die Experten zu richten.
Nach den letzten Parteivorträgen und der Schlusserklärung der Gesuchstellerin
schloss das Schiedsgericht das Hearing.
Mit Faxschreiben vom 23. und 24. November 2009 reichte die Gesuchstellerin dem
Schiedsgericht einen dringlichen Antrag für die Wiedereröffnung des Verfahrens
ein, um im Rahmen eines Kreuzverhörs Fragen an Prof. Sottas zu stellen, der am
Hearing vom 22./23. Oktober 2009 nicht teilgenommen hatte. Der Antrag wurde
damit begründet, dass einer der Rechtsvertreter der Gesuchstellerin vernommen
habe, dass Prof. Sottas seine ursprüngliche Meinung aufgrund der von ihr am 14.
Oktober 2009 vorgelegten Beweise offenbar geändert habe, und dass er von der
Gesuchsgegnerin aus diesem Grund nicht für das Hearing aufgeboten worden sei.
Das TAS wies den Antrag um Wiedereröffnung des Verfahrens und die Berufungen
der Gesuchstellerin mit Schiedsentscheid vom 25. November 2009 ab und
bestätigte die zweijährige Sperre der Athletin, mit der geringfügigen Änderung,
dass die Sperre bereits ab dem 8. Februar 2009 gelte.
B.c Eine von der Gesuchstellerin gegen den Schiedsspruch des TAS vom 25.
November 2009 eingereichte Beschwerde in Zivilsachen wies das Bundesgericht mit
Urteil vom 10. Februar 2010 ab, soweit es darauf eintrat.

C.
Mit Revisionsgesuch vom 4. März 2010 beantragt die Gesuchstellerin dem
Bundesgericht, es sei der Entscheid des TAS vom 25. November 2009 aufzuheben
und die Sache zur Neubeurteilung an das TAS zurückzuweisen.
Die Gesuchsgegnerin beantragt die Abweisung des Revisionsgesuchs. Das TAS hat
auf eine Stellungnahme verzichtet.
Am 6. Juli 2010 reichte die Gesuchstellerin dem Bundesgericht eine Replik ein.
Dazu nahm die Gesuchsgegnerin mit Duplik vom 3. September 2010 Stellung.

D.
Mit Verfügung vom 23. April 2010 wies das Bundesgericht den Antrag der
Gesuchstellerin um Anordnung einer vorsorglichen Massnahme ab.
Mit Verfügung vom 28. Juli 2010 wies das Bundesgericht das
Wiedererwägungsgesuch vom 22. Juli 2010, mit dem die Gesuchstellerin wiederum
die Anordnung einer vorsorglichen Massnahme verlangte, ab.
Erwägungen:

1.
Die Gesuchstellerin macht geltend, nach dem Urteil des TAS vom 25. November
2009 habe Dr. Lutz, der Arzt des deutschen Nationalverbands, am 27. November
2009 "von Kollegen den Hinweis erhalten, dass es gegebenenfalls neue, bislang
unbekannte Möglichkeiten der Spezialdiagnostik gebe, mit denen das Blutbild der
Gesuchstellerin untersucht werden könnte". Dr. Lutz habe unverzüglich mit Dr.
Andreas Weimann vom CharitéCentrum für diagnostische und präventive
Labormedizin Kontakt aufgenommen, der dies habe bestätigen können. Es handle
sich genau genommen um erst im Jahre 2009 von einem belgischen Doktoranden
entwickelte und bislang zum Teil noch nicht publizierte Auswertungs-Algorithmen
zur Erfassung abortiv-milder bis schwerer Formen von Kugelzellen-Anämie. Dr.
Weimann sei auf den Sphärozytose-Quotienten erstmals auf einem Fachkongress in
Istanbul im Mai 2009 aufmerksam geworden. Er sei an dieser bislang nur mündlich
in Fachkreisen publizierten Methodik hoch interessiert gewesen und habe ab
November 2009 über die Verfasser der dann eingereichten (aber noch nicht
publizierten) Studie die Möglichkeit erhalten, den Quotienten für eigene
Forschungszwecke zu erproben.
Dr. Weimann habe Anfang Dezember 2009 mittels der neuen Methodik an fünf Tagen
sechs Blutproben der Gesuchstellerin analysiert. Zusätzlich sei die Familie der
Gesuchstellerin mit der neuen Messmethode untersucht worden. Die Ergebnisse der
durchgeführten Untersuchungen seien der Gesuchstellerin zum ersten Mal am 7.
Dezember 2009 übermittelt worden. Dr. Weimann halte zusammenfassend fest, dass
sich die "Diagnose einer hereditären Membranopathie in Form einer
abortiv-milden Form von hereditärer Sphärozytose" ergebe. Diese Konstellation
könne "dauerhaft oder intermittierend - also bisweilen auftretend - mit auch
deutlich erhöhten Retikulozyten-Werten einhergehen, was durch die erhöhten
MCHC-Werte bestätigt" werde.
Nach Erhalt der Diagnose habe sich die Gesuchstellerin am 15. Dezember 2009
entschlossen, die in Hamar gemessenen Blutwerte auf ihrer Internetseite zu
veröffentlichen. Hierauf hätten sich zahlreiche Gutachter bei ihr gemeldet, so
unter anderem Prof. Winfried Gassmann, Chefarzt der Klinik für Hämatologie und
internistische Onkologie am St. Marienkrankenhaus, Siegen, und Mitglied der
Arbeitsgemeinschaft Labor in der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und
Onkologie.
Basierend auf den Untersuchungen von Dr. Weimann hätten sich weitere
renommierte Experten gutachterlich zu den angeblich neuen Erkenntnissen
geäussert und die Diagnose bestätigt.

2.
Das Bundesgesetz über das internationale Privatrecht vom 18. Dezember 1987
(IPRG; SR 291) enthält keine Bestimmungen betreffend die Revision von
Schiedsentscheiden im Sinne von Art. 176 ff. IPRG. Nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts, das diese Gesetzeslücke gefüllt hat, steht den Parteien eines
internationalen Schiedsverfahrens das ausserordentliche Rechtsmittel der
Revision zur Verfügung, für das die Zuständigkeit des Bundesgerichts gegeben
ist. Heisst das Bundesgericht ein Revisionsgesuch gut, entscheidet es nicht
selbst in der Sache, sondern weist diese an das Schiedsgericht, das entschieden
hat, oder an ein neu zu bildendes Schiedsgericht zurück (BGE 134 III 286 E. 2
S. 286 f. mit Hinweisen).
2.1
2.1.1 Unter der Verfahrensordnung des OG konnten sich die Parteien auf die in
Art. 137 OG vorgesehenen Revisionsgründe berufen, und auf das Verfahren fanden
die Art. 140 - 143 OG sinngemäss Anwendung (BGE 118 II 199 E. 4 S. 204; Urteil
4P.120/2002 vom 3. September 2002 E. 1.1, publ. in Pra 2002 Nr. 199 S. 1041
ff.). Dies gilt grundsätzlich weiterhin für die geltende Regelung des BGG,
namentlich für den Revisionsgrund gemäss Art. 123 Abs. 2 lit. a BGG, der
demjenigen von Art. 137 lit. b OG entspricht (BGE 134 III 45 E. 2.1 S. 47, 286
E. 2.1 S. 287).
2.1.2 Nach Art. 123 Abs. 2 lit. a BGG kann die Revision verlangt werden, wenn
die ersuchende Partei nachträglich erhebliche Tatsachen erfährt oder
entscheidende Beweismittel auffindet, die sie im früheren Verfahren nicht
beibringen konnte, unter Ausschluss von Tatsachen und Beweismitteln, die erst
nach dem Entscheid entstanden sind.
Die neuen Tatsachen müssen erheblich sein, das heisst sie müssen geeignet sein,
die tatsächliche Grundlage des angefochtenen Urteils zu verändern, so dass sie
bei zutreffender rechtlicher Würdigung zu einer anderen Entscheidung führen
können. Neue Beweismittel haben entweder dem Beweis der die Revision
begründenden neuen erheblichen Tatsachen oder dem Beweis von Tatsachen zu
dienen, die zwar im früheren Verfahren bekannt waren, aber zum Nachteil des
Gesuchstellers unbewiesen geblieben sind. Sollen bereits vorgebrachte Tatsachen
mit den neuen Mitteln bewiesen werden, so hat der Gesuchsteller darzutun, dass
er die Beweismittel im früheren Verfahren nicht beibringen konnte. Erheblich
ist ein Beweismittel, wenn anzunehmen ist, es hätte zu einem anderen Urteil
geführt, falls das Gericht im Hauptverfahren davon Kenntnis gehabt hätte.
Ausschlaggebend ist, dass das Beweismittel nicht bloss der
Sachverhaltswürdigung, sondern der Sachverhaltsermittlung dient. Ein
Revisionsgrund ist nicht schon dann gegeben, wenn das Gericht bereits im
Hauptverfahren bekannte Tatsachen unrichtig gewürdigt hat. Notwendig ist
vielmehr, dass die unrichtige Würdigung erfolgte, weil für den Entscheid
wesentliche Tatsachen unbewiesen geblieben sind (BGE 127 V 353 E. 5b S. 358 mit
Hinweisen; 110 V 138 E. 2 S. 141; vgl. auch BGE 121 IV 317 E. 2 S. 322; 118 II
199 E. 5 S. 205).
Wird die Revision eines internationalen Schiedsgerichtsurteils beantragt, hat
das Bundesgericht gestützt auf die in diesem Urteil aufgeführten
Entscheidgründe zu beurteilen, ob die Tatsache erheblich ist und - wäre sie
bewiesen worden - wahrscheinlich zu einem anderen Entscheid geführt hätte
(Urteile 4A_42/2008 vom 14. März 2008 E. 4.1, nicht publ. in BGE 134 III 286
ff.; 4P.102/2006 vom 29. August 2006 E. 2.1).

2.2 Die Gesuchstellerin reicht dem Bundesgericht zur Begründung ihres
Revisionsgesuchs verschiedene neue Gutachten ein, so unter anderem von Dr.
Weimann, Prof. Dr. Heimpel, Prof. Dr. Schrezenmeier, Prof. Dr. Winfried
Gassmann, Prof. Dr. Anjo Veerman sowie Prof. Dr. André Tichelli, die zwischen
Februar und März 2010 erstellt wurden. Ob die nunmehr vorliegenden, allesamt
erst nach dem Schiedsspruch des TAS vom 25. November 2009 ausgefertigten
medizinischen Gutachten als nachträglich aufgefundene Beweismittel im Sinne von
Art. 123 Abs. 2 lit. a BGG zu betrachten sind, erscheint im Hinblick auf den
klaren Gesetzeswortlaut (vgl. letzter Teilsatz) als fraglich (vgl. Elisabeth
Escher, in: Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, 2008, N. 6 f. zu Art. 123
BGG; Yves Donzallaz, Loi sur le Tribunal fédéral, 2008, Rz. 4710; Pierre
Ferrari, in: Bernard Corboz et al. [Hrsg.], Commentaire de la LTF, 2009, N. 22
zu Art. 123 BGG). Dies gilt auch, wenn davon ausgegangen wird, wie dies die
Gesuchstellerin vorbringt, dass der nunmehr ins Feld geführte Algorithmus
grundsätzlich bereits seit Mai 2009 zur Verfügung gestanden habe, zumal der
Algorithmus für sich allein kaum als Beweismittel geeignet wäre, sondern nach
Darstellung der Gesuchstellerin auch Dr. Weimann erst "ab November 2009" die
Möglichkeit erhalten habe, "den Quotienten für eigene Forschungszwecke zu
erproben" und eine angebliche Diagnose erst Anfang Dezember 2009 mit Hilfe
zahlreicher erneut entnommener Blutproben gestellt werden konnte. Die Frage
braucht jedoch nicht abschliessend geprüft zu werden, da das Revisionsgesuch
aus anderen Gründen abzuweisen ist.

2.3 Die Gesuchstellerin bringt in ihrem Revisionsgesuch keine neu entdeckten
Tatsachen vor, sondern beruft sich vielmehr auf angeblich neu entdeckte
Beweismittel zum Beleg ihres bereits im Schiedsverfahren vorgebrachten
Einwands, sie leide unter einer Blutanomalie. Wie die Gesuchstellerin selber
vorbringt, versuchte sie sowohl vor der Disziplinarkommission als auch vor dem
angerufenen Schiedsgericht vergeblich, ihre Behauptung, die erhöhten
Retikulozytenwerte seien auf eine Blutabnormalität zurückzuführen, durch
medizinische Gutachten zu erhärten. Der Gesuchstellerin wurde im
Schiedsverfahren die Möglichkeit eingeräumt, bis acht Tage vor dem am 22./23.
Oktober 2009 stattfindenden Hearing neue medizinische Erkenntnisse vorzulegen.
Die Frage, ob bei der Gesuchstellerin eine hereditäre Sphärozytose vorliege,
die allenfalls die in Hamar festgestellten abnormalen Blutwerte erklären
könnte, wurde anlässlich des Verhandlungstermins auch nach der Darstellung im
Revisionsgesuch intensiv diskutiert, und sie wurde vom TAS auf Grundlage der
verschiedenen von den Parteien eingereichten Gutachten sowie der Anhörung
zahlreicher Experten anlässlich des Hearings vom 22./23. Oktober 2009 eingehend
geprüft. Das Schiedsgericht hat den Einwand der Gesuchstellerin verworfen und
hat es aufgrund des durchgeführten Beweisverfahrens für erwiesen erachtet, dass
die abnormalen Blutwerte der Gesuchstellerin vom 6. und 7. Februar 2009 sowie
der am 18. Februar 2009 festgestellte starke Rückgang des Retikulozytenwerts
nicht durch eine angeborene oder erworbene Anomalie erklärt werden könnten,
sondern auf eine Blutmanipulation zurückzuführen seien.
Die Revision ist ein ausserordentliches Rechtsmittel und dient nicht einfach
der Weiterführung des Verfahrens. Es obliegt den Prozessparteien, rechtzeitig
und prozesskonform zur Klärung des Sachverhalts entsprechend ihrer
Beweispflicht beizutragen. Dass es ihnen unmöglich war, Tatsachen und
Beweismittel bereits im früheren Verfahren beizubringen, ist nur mit
Zurückhaltung anzunehmen (ESCHER, a.a.O., N. 8 zu Art. 123 BGG). Dies gilt ganz
besonders, wenn im Revisionsverfahren mit angeblich neu entdeckten
Beweismitteln bereits im Schiedsverfahren aufgestellte Behauptungen belegt
werden sollen, die vom Schiedsgericht aufgrund eines aufwändigen
Beweisverfahrens mit zahlreichen Gutachtern als unzutreffend erachtet wurden.
Entsprechend hat der Gesuchsteller im Revisionsgesuch darzutun, dass er die
Beweismittel im früheren Verfahren trotz hinreichender Sorgfalt nicht
beibringen konnte (BGE 127 V 353 E. 5b S. 358 mit Hinweisen; Urteile 4A_42/2008
vom 14. März 2008 E. 4.1, nicht publ. in BGE 134 III 286 ff.; 4P.102/2006 vom
29. August 2006 E. 2.1).
Die Gesuchstellerin bringt lediglich vor, sie habe erst am 27. November 2009 -
mithin zwei Tage nach dem Urteil des Schiedsgerichts - Kenntnis davon erhalten,
dass seit Mai 2009 ein neuer Algorithmus zur Verfügung stehe, der "eine
genauere Diagnose als bisher ermöglichen könnte". Darauf will sie von Dr. Lutz,
dem Arzt des Nationalverbands, aufmerksam gemacht worden sein, der seinerseits
"von Kollegen" einen entsprechenden Hinweis erhalten haben soll. Mit diesen
vagen Behauptungen legt die Gesuchstellerin nicht hinreichend dar, weshalb es
ihr nicht bereits während des Schiedsverfahrens möglich gewesen wäre, sich auf
die angeblich neu entdeckte Diagnosemöglichkeit zu berufen, genauer bis Mitte
Oktober 2009, als die Gesuchstellerin dem Schiedsgericht noch neue medizinische
Erkenntnisse hätte vorlegen können. Die Erklärung der Gesuchstellerin dafür,
dass sie zwei Tage nach Abweisung ihrer Berufung durch das TAS durch blossen
Hinweis des Verbandsarztes eine bisher unbekannte Methode entdeckt haben will,
auf die sie sich nur wenige Wochen früher vor dem TAS bei sorgfältiger
Beweisführung unmöglich hätte berufen können, erscheint nicht plausibel.
Es kann nicht angehen, sich in einem Schiedsverfahren zunächst auf
wissenschaftlich anerkannte Methoden zu verlassen und entsprechende
medizinische Gutachten und Experten zum Beweis anzubieten, um sich nach einem
negativ ausgefallenen Schiedsurteil im Rahmen des Revisionsverfahrens nunmehr
auf unpublizierte und wissenschaftlich noch wenig erhärtete Methoden zu
berufen. Hätte sich die Gesuchstellerin zur Untermauerung ihres
Prozessstandpunkts auf weitere denkbare Diagnosemöglichkeiten stützen wollen,
wären ihr entsprechende Bemühungen zur Beibringung solcher Beweismittel
zumutbar gewesen. Sie zeigt in ihrem Revisionsgesuch jedoch nicht auf, welche
konkreten Schritte sie in diese Richtung unternommen hätte (vgl. Urteil 4P.213/
1998 vom 11. Mai 1999 E. 3b/aa; JEAN-FRANÇOIS POUDRET, Commentaire de la loi
fédérale d'organisation judiciaire, Bd. V, 1992, N. 2.2.5 zu Art. 137 OG, S.
30; ANTONIO RIGOZZI/MICHAEL SCHÖLL, Die Revision von Schiedssprüchen nach dem
12. Kapitel des IPRG, 2002, S. 44 und 46). Auch wäre es der Gesuchstellerin
unbenommen gewesen, ihre in Hamar gemessenen Blutwerte bereits während des
Schiedsverfahrens weiteren Sachverständigen zugänglich zu machen oder etwa auf
ihrer Internetseite zu veröffentlichen, wie sie dies nach eigenen Angaben nach
erfolgtem Schiedsentscheid tat, worauf sich zahlreiche Gutachter bei ihr
gemeldet hätten. Es wäre ihr während des Schiedsverfahrens sodann
freigestanden, Blutanalysen bei Familienmitgliedern zu veranlassen, wie sie
dies nur wenige Tage nach dem Schiedsspruch des TAS getan hat.

2.4 Schliesslich erscheint auch fraglich, ob die nunmehr im Revisionsverfahren
vorgebrachten Beweismittel angesichts der im Schiedsspruch des TAS vom 25.
November 2009 aufgeführten Entscheidgründe als erheblich zu erachten wären. Das
TAS hat gestützt auf die Aussage von Prof. d'Onofrio nämlich erwogen, dass
selbst die (unwahrscheinliche) Diagnose einer hereditären Sphärozytose die bei
der Gesuchstellerin festgestellten Schwankungen in Form von abnormal hohen
Werten während der Weltmeisterschaft vom 6./7. Februar 2009 sowie dem
anschliessend starken Abfall nicht erklären könnten. Die von der
Gesuchstellerin im Rahmen des Revisionsverfahrens angeblich auf einen neu
entdeckten Algorithmus gestützte Diagnose einer hereditären Sphärozytose könnte
daher lediglich die schiedsgerichtliche Feststellung in Frage stellen, wonach
eine solche vererbte Blutanomalie bei der Gesuchstellerin nicht habe
nachgewiesen werden können. Vom angeblich neuen Beweismittel unberührt bliebe
jedoch die für den Entscheid wesentliche Erwägung des TAS, selbst eine solche
Diagnose vermöge die konkreten Schwankungen der Blutwerte nicht zu erklären.
Die Gesuchstellerin behauptet nun zwar, auch dieser Einwand des TAS sei durch
die Gutachten von Dr. Weimann, Prof. Gassmann und Prof. Schrezenmeier aus dem
Weg geräumt. Die von ihr angeführten Experten bestätigen auch, dass die nunmehr
angeblich erfolgte Diagnose mit erhöhten Retikulozytenwerten einhergehen könne.
Dass die festgestellten Schwankungen der Blutwerte durch eine Sphärozytose
erklärbar seien, wurde allerdings von den von der Gesuchstellerin bezeichneten
Gutachtern bereits im Schiedsverfahren vertreten, vom TAS jedoch aufgrund
seiner Beweiswürdigung abweichend beurteilt. Die Gesuchstellerin zeigt in ihrem
Revisionsgesuch nicht auf, inwiefern die angeblich neu entdeckte Methode über
die Diagnose einer Blutanomalie hinaus auch - bisher unbekannte - Rückschlüsse
hinsichtlich der festgestellten Schwankungen zulassen soll. Wenn die
angeführten Gutachter erklärten, die anhand neuer Blutproben angeblich
diagnostizierte Sphärozytose könne zu erhöhten Retikulozytenwerten führen, so
ist damit noch keineswegs dargelegt, welche neuen Schlüsse die angeblich neue
Methode hinsichtlich der konkret festgestellten Schwankungen im Zusammenhang
mit der Weltmeisterschaft in Hamar zulassen soll. In dieser Hinsicht zielen die
Vorbringen der Gesuchstellerin bloss auf eine erneute Sachverhaltswürdigung ab.
Ein Revisionsgrund ist jedoch nicht schon dann gegeben, wenn das Schiedsgericht
bereits im Hauptverfahren bekannte Tatsachen unrichtig gewürdigt haben sollte.
Ob die Erwägung des Schiedsgerichts, selbst eine hereditäre Sphärozytose könne
die konkreten Schwankungen der Blutwerte nicht erklären, zutrifft oder nicht,
kann das Bundesgericht auf Grundlage der Vorbringen der Gesuchstellerin von
vornherein nicht überprüfen. Damit erscheinen die nunmehr vorgebrachten
Beweismittel unter revisionsrechtlichen Gesichtspunkten als nicht erheblich.

3.
Das Revisionsgesuch ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann. Bei
diesem Verfahrensausgang wird die Gesuchstellerin kosten- und
entschädigungspflichtig (Art. 66 Abs. 1 und Art. 68 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Das Revisionsgesuch wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 5'000.-- werden der Gesuchstellerin auferlegt.

3.
Die Gesuchstellerin hat die Gesuchsgegnerin für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 6'000.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Tribunal Arbitral du Sport (TAS)
schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 28. September 2010

Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Klett Leemann