Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 4A.219/2010
Zurück zum Index I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 2010
Retour à l'indice I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 2010


Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
4A_219/2010

Urteil vom 28. September 2010
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Bundesrichter Corboz,
Bundesrichterin Rottenberg Liatowitsch,
Bundesrichter Kolly,
Bundesrichterin Kiss,
Gerichtsschreiber Luczak.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Prof. Dr. Franco Lorandi und Rechtsanwältin Regina
Lehner-Höhener,
Beschwerdeführer,

gegen

Y.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Philipp Känzig,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Schuldanerkennung,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich, II.
Zivilkammer, vom 2. März 2010.

Sachverhalt:

A.
Y.________ (Beschwerdegegner) brachte sein erhebliches Vermögen in zwei
Stiftungen und einen Trust ein. Diese Einrichtungen betrauten ihrerseits
anfangs 1999 eine Aktiengesellschaft, welche der von X.________
(Beschwerdeführer) gegründeten X.________-Gruppe angehörte, mit der Verwaltung
diverser Accounts, während für andere Konti nur eine Beratung bezüglich der
Anlagestrategie erfolgen sollte. Nachdem der Beschwerdegegner Mitte November
2002 erfahren hatte, dass auf dem Konto einer der Stiftungen wesentlich weniger
Vermögen lag als seiner Meinung nach hätte vorhanden sein müssen (statt rund
Fr. 22 Millionen nur noch knapp Fr. 6.5 Millionen), gelangte er an den
Beschwerdeführer. Dieser unterzeichnete am 20. November 2002 ein erstes als
"Acknowledgment of debt" betiteltes Dokument, in welchem er sich verpflichtete,
Fr. 15'620'000.-- an den Beschwerdegegner zu bezahlen und für die Zahlung
Pfandsicherheiten zu stellen, unter anderem (soweit notwendig) auch sein Haus
in A.________. Gleichzeitig schlossen die Parteien eine Zusatzvereinbarung,
worin der Beschwerdegegner erklärte, auf rechtliche Schritte zu verzichten, die
dem Ruf des Beschwerdeführers oder seiner Gesellschaften schaden könnten. Der
Beschwerdegegner war damit einverstanden, dass der Beschwerdeführer den
anerkannten Betrag nicht sofort bezahlte, verlangte aber vom Beschwerdeführer,
die Schuld durch ein Grundpfand auf dem Haus des Beschwerdeführers
sicherzustellen.

B.
In der Folge bezahlte der Beschwerdeführer einen Teilbetrag der anerkannten
Schuld. Die Bestellung des Grundpfandes verzögerte sich. Die Parteien schlossen
eine Vereinbarung über die Abzahlung der Schuld, bei deren Abwicklung es ebenso
wie bei der Errichtung des Schuldbriefs zu Problemen kam. Nachdem der
Beschwerdegegner eine Betreibung eingeleitet und wieder zurückgezogen hatte,
unterzeichneten die Parteien am 2. November 2003 ein mit "Agreement"
überschriebenes Dokument, in welchem zunächst festgehalten wird, es ersetze die
am 20. November 2002 unterzeichnete Schuldanerkennung. Nach Abzug der erfolgten
Zahlungen verblieben nach diesem Agreement Fr. 11'398'575.--, welche der
Beschwerdeführer binnen zweier Jahre (mit der Möglichkeit der Verlängerung um
ein Jahr) zurückzuzahlen versprach, während der Beschwerdegegner für diese
Zeitspanne auf das Ergreifen rechtlicher Schritte verzichtete. Eine während der
Stillhaltefrist angestrengte Klage zur Eintreibung der Schuld sollte zum
Dahinfallen der Vereinbarung führen. Neben anderen Abreden zur Sicherung des
Beschwerdegegners wurde festgehalten:

"X.________ has the intention to sell his house in A.________ and guarantees
Y.________ that at least CHF 3 Million will be paid out to Y.________ if the
sales amount permits this."

Am 10. Mai 2004 verkaufte der Beschwerdeführer seine Liegenschaft in A.________
zu einem Preis von Fr. 8'250'000.--. Eine Zahlung an den Beschwerdegegner
leistete er trotz entsprechender Aufforderung nicht.

C.
Mit Zahlungsbefehl vom 21. Oktober 2004 leitete der Beschwerdegegner eine
Betreibung auf Sicherheitsleistung ein und erhielt für den Betrag von Fr.
3'000'000.-- provisorische Rechtsöffnung. Die vom Beschwerdeführer angestrengte
Aberkennungsklage wies das Bezirksgericht Meilen ab. Gleich entschied mit
Urteil vom 2. März 2010 das Obergericht des Kantons Zürich. Mit Beschwerde in
Zivilsachen beantragt der Beschwerdeführer dem Bundesgericht, es sei
festzustellen, dass die in Betreibung gesetzte Pflicht zur Sicherstellung nicht
bestehe, eventuell sei die Streitsache zur Neubeurteilung an das Obergericht
zurückzuweisen. Sein Gesuch um Gewährung der aufschiebenden Wirkung wies das
Bundesgericht am 6. Mai 2010 ab. Der Beschwerdegegner schliesst auf
kostenfällige Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten ist, während
das Obergericht auf Vernehmlassung verzichtet. Das Bundesgericht hat die
Angelegenheit am 28. September 2010 an einer öffentlichen Sitzung beraten.

Erwägungen:

1.
Der Beschwerdeführer macht zunächst geltend, die Vorinstanz habe die
getroffenen Vereinbarungen nach dem Vertrauensprinzip nicht korrekt ausgelegt,
was das Bundesgericht als Rechtsfrage prüfen könne. Nach Treu und Glauben sei
die Vereinbarung nicht dahingehend zu verstehen, dass eine Sicherstellung
vereinbart worden sei, sondern vielmehr direkt die Zahlung des entsprechenden
Betrages. Der Einwand ist unbegründet. Das Bundesgericht kann zwar die
Auslegung nach dem Vertrauensprinzip als Rechtsfrage überprüfen, es bleibt aber
grundsätzlich (vgl. zu den Ausnahmen Art. 97 Abs. 1 und Art. 105 Abs. 2 BGG) an
die tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz gebunden (BGE 133 III 61 E.
2.2.1 S. 67; 132 III 24 E. 4 S. 28, 268 E. 2.3.2 S. 274 f., 626 E. 3.1 S. 632).
Darauf, dass der Beschwerdegegner die Vereinbarung nach Treu und Glauben als
Pflicht zur Zahlung und nicht zur Sicherstellung hätte verstehen müssen, darf
sich der Beschwerdeführer nur berufen, sofern er sie selbst tatsächlich so, und
nicht wie der Beschwerdegegner im Sinne einer Sicherstellung, verstanden hat
(vgl. BGE 105 II 16 E. 3a S. 19; KRAMER, in: Berner Kommentar, 1986, N. 122 ff.
und N. 146 zu Art. 1 OR). Dass er im kantonalen Verfahren Entsprechendes
prozesskonform behauptet hätte, legt der Beschwerdeführer nicht dar und ergibt
sich auch nicht aus dem angefochtenen Entscheid, der vielmehr festhält, der
Beschwerdeführer stelle die rechtliche Beurteilung dieser Klausel
beziehungsweise den daraus abgeleiteten Sicherheitsanspruch als solchen nicht
in Frage. Unter diesen Umständen verletzte die Vorinstanz kein Bundesrecht,
wenn sie die Klausel in diesem Sinne interpretierte (Art. 18 OR).

2.
Der Beschwerdeführer ist sodann der Auffassung, der Beschwerdegegner habe mit
Einleitung der Betreibung auf Sicherstellung seine Pflicht, während der Dauer
des Agreements keine feindseligen Handlungen und keine gerichtlichen Verfahren
einzuleiten, verletzt. Widerhandlung habe das Dahinfallen des Vertrages zur
Folge.

2.1 Mit den getroffenen Vereinbarungen haben die Parteien zusätzlich zum
bereits bestehenden Verwaltungs- und Beratungsauftrag ein direktes
Schuldverhältnis zwischen den Parteien begründet. Ziel der Vereinbarungen war
es überdies, ein gerichtliches Vorgehen gegen die Gesellschaften des
Beschwerdeführers und diesen selbst zu vermeiden. Zu diesem Zweck gab der
Beschwerdeführer eine förmliche Schuldanerkennung ab und verpflichtete sich,
dem Beschwerdegegner Sicherheiten zu leisten. Dadurch wurde die Position des
Beschwerdegegners verstärkt, indem eine spätere Vollstreckung des Anspruchs
durch die Schuldanerkennung erleichtert und die Befriedigung allfälliger
Ansprüche durch die Sicherheiten gewährleistet wurde.

2.2 Diese Verstärkung der Position des Beschwerdegegners kann nach Treu und
Glauben einzig als "Gegenleistung" für Risiken verstanden werden, welche der
Beschwerdegegner mit dem Zuwarten mit der Geltendmachung allfälliger Ansprüche
einging. Dieser Ausgleich bildet die Voraussetzung für das Zuwarten des
Beschwerdegegners. Fordert er die Einhaltung der Bedingungen, unter denen er
sich zum Stillhalten verpflichtet, gerichtlich ein, verstösst er nicht gegen
das Stillhalteabkommen. Dem Beschwerdeführer musste vielmehr bewusst sein, dass
sich die Stillhalteverpflichtung nur auf das Eintreiben der anerkannten
Forderung und auf das Vorgehen gegenüber den zur Firmengruppe des
Beschwerdeführers gehörenden Gesellschaften bezog, nicht aber auf die
Sicherstellungsabreden, welche die Modalitäten mitbestimmen, unter denen der
Beschwerdegegner bereit war, vorerst mit der Durchsetzung allfälliger Ansprüche
zuzuwarten. Die Auslegung des Beschwerdeführers würde dazu führen, dass der
Beschwerdegegner ohne Sicherheiten mit der Vollstreckung seiner Forderung
zuwarten müsste. Dass der Beschwerdegegner das Stillhalteabkommen unter solchen
Bedingungen abgeschlossen hätte, durfte der Beschwerdeführer nicht in guten
Treuen annehmen. Eine derartige Auslegung lässt sich mit dem Vertrauensprinzip
nicht vereinbaren. Die Geltendmachung der als "Gegenleistung" für das
Stillhalten vereinbarten Ansprüche verstösst mithin nicht gegen das
Stillhalteabkommen. Der Beschwerdegegner ist vielmehr berechtigt, die
Einhaltung der vereinbarten Modalitäten zu verlangen und gerichtlich
durchzusetzen.

3.
Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei bei Abgabe der Schuldanerkennung
über die Höhe der Schuld getäuscht worden, jedenfalls habe er sich in einem
Grundlagenirrtum befunden. Folglich resultiere aus dem entsprechenden Vertrag
weder eine Zahlungs- noch eine Sicherstellungspflicht. Zudem habe die zu
sichernde Forderung nicht existiert, weshalb auch keine Pflicht zur
Sicherstellung der entsprechenden Forderung bestehen könne.

3.1 Die Vorinstanz ging wie das Bezirksgericht davon aus, Forderungen würden
naturgemäss gerade deswegen sichergestellt, weil sie sich in irgendeiner Weise
noch in der Schwebe befänden oder strittig seien. Daher entfalle die Pflicht
zur Sicherstellung nur, wenn die zu sichernde Forderung offensichtlich nicht
bestehe. Dasselbe gilt nach Auffassung der Vorinstanz auch für eine allfällige
Täuschung oder einen Irrtum mit Bezug auf die Hauptschuld. Die Vorinstanz
erachtete die Vorbringen des Beschwerdeführers als unwahrscheinlich. Sie
verzichtete indessen auf die Durchführung eines Beweisverfahrens und liess
offen, ob die betreffenden Ausführungen überhaupt zulässig waren. Mangels
Offensichtlichkeit erachtete sie den Einwand des Nichtbestands der zu
sichernden Forderung beziehungsweise einer diesbezüglichen Täuschung oder eines
Irrtums für unerheblich. Der Beschwerdeführer ist demgegenüber der Auffassung,
es bestehe keine Grundlage dafür, die erwähnten Einwände nur zuzulassen, wenn
sie offensichtlich zutreffen würden. Vielmehr hätte von Bundesrechts wegen ein
Beweisverfahren durchgeführt werden müssen.

3.2 Das Verfahren der Betreibung auf Sicherstellung verläuft grundsätzlich
gleich wie jenes auf Geldzahlung (Art. 38 SchKG; AMONN/WALTHER, Grundriss des
Schuldbetreibungs- und Konkursrechts, 8. Aufl., § 7 Rz. 9 S. 73; FRITZSCHE/
WALDER, Schuldbetreibung und Konkurs nach schweizerischem Recht, Bd. 1, 1984, §
10 Rz. 25 ff. S. 98 f.), wobei für die Fortsetzung der Betreibung allerdings
nur die Spezialexekution in Frage kommt (Art. 43 Ziff. 3 SchKG). Die Betreibung
wird allein aufgrund der Behauptungen des Gläubigers angehoben, weshalb der
Schuldner sie mit dem Rechtsvorschlag ohne Weiteres zum Stillstand bringen kann
(AMONN/WALTHER, a.a.O., § 18 Rz. 1 S. 132). Die provisorische Rechtsöffnung
wird aufgrund der Schuldanerkennung erteilt, da diese mit einer gewissen
Wahrscheinlichkeit für den Bestand der Forderung spricht. Materiell wird über
die Forderung aber nicht abschliessend geurteilt (AMONN/WALTHER, a.a.O., § 19
Rz. 65 ff. S. 154). Wurde die provisorische Rechtsöffnung erteilt, gibt die
Aberkennungsklage dem Schuldner die Möglichkeit, die materielle Berechtigung
der in Betreibung gesetzten Forderung beurteilen zu lassen (AMONN/WALTHER,
a.a.O., § 19 Rz. 93 S. 161). Der Schuldner kann alles vorbringen, was gegen die
in Betreibung gesetzte Forderung (hier auf Sicherstellung) spricht (AMONN/
WALTHER, a.a.O., § 19 Rz. 101 S. 163). Aus der Natur der Betreibung auf
Sicherstellung lässt sich diesbezüglich keine Einschränkung ableiten. Alle
Einwände, die gegen die Pflicht zur Sicherstellung sprechen, sind grundsätzlich
umfassend zu prüfen.

3.3 Der Beschwerdeführer behauptet, die sicherzustellende Forderung bestehe
nicht. Mit Blick darauf bestreitet er die Sicherstellungspflicht. Indessen
können auch bloss mögliche oder zukünftige Forderungen sichergestellt werden.
Erst wenn feststeht, dass die Forderung, zu deren Sicherstellung sich ein
Schuldner verpflichtet hat, nicht (oder nicht mehr) besteht und auch in Zukunft
nicht entstehen kann, entfällt das Rechtsschutzinteresse an der Sicherstellung.
Im Streitfall kann sich der Schuldner zwar seiner Pflicht zur Sicherstellung
entschlagen, indem er gerichtlich feststellen lässt, dass die zu sichernde
Schuld nicht besteht, aber nicht in einem Verfahren, das ausschliesslich die
Sicherstellungspflicht betrifft, denn das Urteil über die anbegehrte
Sicherstellung erwächst bezüglich Vorfragen (hier den Bestand der zu sichernden
Forderung) nicht in Rechtskraft (BGE 121 III 474 E. 4a S. 478 mit Hinweis).
Solange über den Bestand der Forderung nicht rechtskräftig entschieden ist,
bleibt aber der Anspruch auf Sicherstellung bestehen. Ist jedoch
offensichtlich, dass keine zu sichernde Forderung existiert, erwiese sich die
anbegehrte Sicherstellung als schikanöse, nutzlose Rechtsausübung, die nach
Art. 2 Abs. 2 ZGB keinen Rechtsschutz beanspruchen kann (BGE 123 III 200 E. 2b
S. 203 mit Hinweis). Im Ergebnis hat die Vorinstanz daher zu Recht ihre Prüfung
darauf beschränkt, ob die sicherzustellende Forderung offensichtlich nicht
besteht.

3.4 Der Beschwerdeführer macht weiter geltend, er habe sich über die Höhe der
sicherzustellenden Forderung geirrt, beziehungsweise habe ihn der
Beschwerdegegner darüber getäuscht. Ob dies zutrifft, liess die Vorinstanz
offen. Auch diesbezüglich prüfte sie nur, ob die Voraussetzungen der Anfechtung
wegen Irrtums oder Täuschung offensichtlich gegeben seien.
3.4.1 Ein Vertrag ist für denjenigen unverbindlich, der sich beim Abschluss in
einem wesentlichen Irrtum befunden hat (Art. 23 OR). Ein wesentlicher Irrtum
ist der so genannte Grundlagenirrtum. Auf einen solchen kann sich die Partei
berufen, die sich über einen bestimmten Sachverhalt geirrt hat, der für sie
notwendige Vertragsgrundlage war, und den sie zudem nach Treu und Glauben im
Geschäftsverkehr als eine notwendige Grundlage des Vertrages betrachten durfte
(Art. 24 Abs. 1 Ziff. 4 OR; BGE 132 II 161 E. 4.1 S. 165 f.; 123 III 200 E. 2
S. 202). Neben der subjektiven Wesentlichkeit ist damit erforderlich, dass der
zu Grunde gelegte Sachverhalt auch objektiv, vom Standpunkt oder nach den
Anforderungen des loyalen Geschäftsverkehrs als notwendige Grundlage des
Vertrages erscheint (BGE 118 II 58 E. 3b S. 62; Urteil des Bundesgerichts
4C.219/2004 vom 25. Oktober 2004 E. 3.3.1 mit Hinweisen).
3.4.2 Wenn ein Vertragschliessender durch absichtliche Täuschung seitens des
anderen zum Vertragsabschluss verleitet worden ist, so ist der Vertrag für den
Getäuschten gemäss Art. 28 Abs. 1 OR auch dann nicht verbindlich, wenn der
erregte Irrtum kein wesentlicher war (BGE 132 II 161 E. 4.1 S. 165). Der
Tatbestand der absichtlichen Täuschung setzt einerseits voraus, dass der
Vertragspartner - durch positives Verhalten oder durch Schweigen (vgl. BGE 132
II 161 E. 4.1 S. 166; 116 II 431 E. 3a S. 434) - absichtlich getäuscht wurde;
für die Täuschungsabsicht genügt Eventualvorsatz (BGE 53 II 143 E. 1a S. 150).
Andererseits ist erforderlich, dass der Vertragspartner durch die Täuschung zum
Vertragsabschluss verleitet wurde. Der durch die Täuschung hervorgerufene
Irrtum muss somit kausal für den Abschluss des Vertrages gewesen sein (BGE 132
II 161 E. 4.1 S. 166; 106 II 346 E. 4b S. 352).

3.5 Dem Beschwerdeführer ging es primär darum, seine Gesellschaften vor
Vollstreckungsmassnahmen zu schonen. Dafür unterzeichnete er die
Schuldanerkennung und erklärte sich als Ausgleich für das Risiko, welches der
Beschwerdegegner durch das Zuwarten mit der Durchsetzung seiner Forderungen
einging (vgl. E. 2.2 hiervor ), bereit, die Zahlung der anerkannten Schuld
abzusichern. Ursprünglich sollte das Haus in A.________ als Pfandsicherheit
dienen. Vor dem Hintergrund des geplanten Verkaufes vereinbarten die Parteien
mit der nun streitigen Vertragsklausel, zur Sicherung solle stattdessen bis zu
einem bestimmten Betrag der Verkaufserlös dienen. Die Vereinbarung betrifft
mithin lediglich die Modalität der Sicherstellung, da der Beschwerdegegner im
Ergebnis an der hinterlegten Summe ein einem Pfandrecht analoges Recht erhält
(GILLIÉRON, Commentaire de la loi fédérale sur la poursuite pour dettes et la
faillite, 1999, Bd. 1, N. 31 zu Art. 38 SchKG). Die Sicherstellung sollte
offensichtlich verhindern, dass das zuvor in der Liegenschaft gebundene
Vollstreckungssubstrat dem Beschwerdegegner entzogen wird, während ihm der
Zugriff darauf zufolge des Stillhalteabkommens versagt ist.
3.5.1 Mit Blick auf diesen Zweck der Sicherstellung wird ohne Weiteres klar,
dass mit der Sicherstellung nicht zugewartet werden kann, bis rechtskräftig
entschieden ist, ob der Beschwerdeführer bei Abgabe der Schuldanerkennung
getäuscht wurde oder sich in einem wesentlichen Irrtum befand. Der
Beschwerdeführer musste nach Treu und Glauben erkennen, dass die Sicherstellung
als "Gegenleistung" für das Stillhalten selbst bei Zweifeln oder Streit über
Bestand oder Höhe der Hauptschuld zu leisten war. Anders lässt sich nicht
verhindern, dass dem Beschwerdegegner aus dem Zuwarten mit der Geltendmachung
seiner Ansprüche ein Nachteil erwächst, falls seine Forderung besteht. Selbst
wenn der Beschwerdegegner die Schuldanerkennung durch eine Täuschung erlangt
haben sollte, hätte er gestützt auf die Anerkennung Massnahmen zur
Vollstreckung der anerkannten Schuld einleiten können. Auch in diesem Fall
profitierte der Beschwerdeführer vom Stillhalteabkommen. Er hat daher als
Gegenleistung die Forderung zu sichern, bis über die Frage des Irrtums oder der
Täuschung entschieden ist.
3.5.2 Der Beschwerdeführer kann mithin die Leistung der Sicherheit nicht wegen
Irrtum oder Täuschung bezüglich der Hauptschuld verweigern. Nach dem Sinn der
Vereinbarung ist vielmehr die Sicherheitsleistung vorab zu erbringen und bleibt
so lange geschuldet, bis die diesbezügliche Auseinandersetzung rechtskräftig
entschieden ist. Sollte sich dabei herausstellen, dass die anerkannte Schuld
nicht besteht oder die Pflicht zu Sicherstellung infolge Irrtums oder Täuschung
unverbindlich ist, könnte der Beschwerdeführer den Sicherungsbetrag
herausverlangen und allenfalls Schadenersatz geltend machen. Indem er diese
Fragen vorab geklärt haben will, versucht er, vom Stillhalteabkommen zu
profitieren, ohne die als "Gegenleistung" versprochene Sicherheit zu leisten.
Dies ist nicht zulässig.

3.6 Im Ergebnis ist daher nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz nur geprüft
hat, ob offensichtlich ein Irrtum oder eine Täuschung bezüglich der Höhe der
anerkannten Forderung vorlag, denn in diesem Fall bestünde wiederum kein
schützenswertes Interesse an der Sicherstellung (Art. 2 Abs. 2 ZGB). Da dies
nicht der Fall war, hat die Vorinstanz die Aberkennungsklage zu Recht
abgewiesen. Der Streit über die materielle Berechtigung der anerkannten
Forderung oder die Rechtsverbindlichkeit der Schuldanerkennung ist unter den
gegeben Umständen nicht im Verfahren über die Sicherstellung auszutragen.

4.
Nach dem Gesagten erweist sich die Beschwerde als unbegründet, soweit darauf
einzutreten ist. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wird der
Beschwerdeführer kosten- und entschädigungspflichtig.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 20'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Der Beschwerdeführer hat den Beschwerdegegner für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 22'000.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Zürich, II.
Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 28. September 2010
Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Klett Luczak