Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 4A.229/2010
Zurück zum Index I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 2010
Retour à l'indice I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 2010


Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
4A_229/2010

Urteil vom 7. Oktober 2010
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Bundesrichter Corboz,
Bundesrichterin Rottenberg Liatowitsch,
Bundesrichter Kolly,
Bundesrichterin Kiss,
Gerichtsschreiber Widmer.

Verfahrensbeteiligte
X.________ AG,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Hanspeter Geissmann,
Beschwerdeführerin,

gegen

Y.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Michael Wehrli,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Agenturvertrag,

Beschwerde gegen das Urteil des Handelsgerichts des Kantons Aargau, 1. Kammer,
vom 12. Januar 2010.
Sachverhalt:

A.
Die X.________ AG (Beschwerdeführerin) mit Sitz in A.________ ist eine
Aktiengesellschaft, welche die Entwicklung, die Herstellung und den Vertrieb
von sowie Handel mit elektrischen und elektronischen Komponenten, Modulen und
Sensoren mit Schwergewicht auf Dünnfilmtechnik bezweckt. Y.________
(Beschwerdegegner) mit Wohnsitz in Frankreich, war laut Vereinbarung vom 1.
Januar 1993 exklusiver Vermittlungsagent der Beschwerdeführerin für deren
Produkte in Frankreich. Am 29./31. März 2005 schlossen die Parteien einen neuen
Agenturvertrag, der am 1. Januar 2005 in Kraft trat. Nach Ziffer 2 dieses
Vertrages war der Beschwerdegegner neu exklusiver Vermittlungsagent der
Beschwerdeführerin für deren erweiterte Produktepalette für das Gebiet von
Frankreich, der Beneluxländer und Dänemark.
Spätestens im April oder Mai 2007 entstanden Spannungen zwischen dem
Beschwerdegegner und dem neuen Verkaufsleiter der Beschwerdeführerin,
Z.________. Die Beschwerdeführerin forderte den Beschwerdegegner mit Schreiben
vom 22. Juni 2007 auf, seinen vertraglichen Pflichten nachzukommen,
insbesondere betreffend Förderung der beklagtischen Produkte und intensiver
Pflege der Kundenkontakte sowie Information der Beschwerdeführerin über seine
Aktivitäten und diejenige der Konkurrenz.
Am 19. Juli 2007 fand eine Verwaltungsratssitzung der Beschwerdeführerin statt,
an welcher der Beschwerdegegner ebenfalls teilweise anwesend war. Laut dem
Protokoll der Sitzung wurde dem Beschwerdegegner im Wesentlichen vorgeworfen,
trotz Abmahnungen eine teilweise inexistente bzw. ungenügende Agenturtätigkeit
entfaltet und sich geweigert zu haben, seine Geschäftsaktivitäten zu
rapportieren, mit der Beschwerdeführerin abzusprechen und zu koordinieren sowie
mit der neuen Verkaufsorganisationsleitung in A.________ zusammenzuarbeiten.
Mit Schreiben vom 26. Juli 2007 kündigte die Beschwerdeführerin den
Agenturvertrag unter Nennung von Gründen fristlos.

B.
Mit Klage vom 7. Dezember 2007 stellte der Beschwerdegegner beim Handelsgericht
des Kantons Aargau die Begehren, die Beschwerdeführerin sei zu verpflichten,
ihm die Beträge von Fr. 515'650.--, unter Nachklagevorbehalt, und von Fr.
148'449.--, je nebst Zins zu bezahlen. Ferner beantragte er, der
Beschwerdeführerin sei zu befehlen, ihm verschiedene Umsatzzahlen und
Bestellungen durch Herausgabe von Kopien von Büchern und Belegen bekannt zu
geben.
Das Handelsgericht verpflichtete die Beschwerdeführerin mit Urteil vom 12.
Januar 2010 in teilweiser Gutheissung der Klage zur Bezahlung von Fr. 14'429.40
betreffend noch nicht ausbezahlte Provisionen für den Monat Juli 2007 bis zur
fristlosen Vertragsauflösung und von Fr. 299'931.20 als Schadenersatz wegen
ungerechtfertigter fristloser Vertragsauflösung, je nebst Zins. Im Übrigen wies
es die Klage ab.

C.
Die Beschwerdeführerin beantragt mit Beschwerde in Zivilsachen, das Urteil des
Handelsgerichts aufzuheben und die Klage abzuweisen, eventuell die Sache zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Der Beschwerdegegner schliesst auf Abweisung der Beschwerde und Bestätigung des
angefochtenen Urteils. Die Vorinstanz verzichtete unter Verweis auf das
angefochtene Urteil auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:

1.
1.1 Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen einen Endentscheid (Art. 90
BGG) in einer Zivilsache (Art. 72 Abs. 1 BGG), der von einem oberen kantonalen
Gerichts erging, das als Fachgericht für handelsrechtliche Streitigkeiten und
einzige kantonale Instanz eingesetzt ist (Art. 75 Abs. 2 lit. b BGG). Auch die
weiteren Sachurteilsvoraussetzungen der Beschwerde in Zivilsachen sind erfüllt
und geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Unter Vorbehalt zulässiger
Beschwerdegründe (Art. 95 ff. BGG) und einer rechtsgenüglichen Begründung (Art.
42 Abs. 2 und Art. 106 Abs. 2 BGG) ist somit auf die Beschwerde einzutreten.

1.2 Die Beschwerde ist hinreichend zu begründen, andernfalls wird darauf nicht
eingetreten. In der Beschwerdeschrift ist in gedrängter Form darzulegen,
inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt (Art. 42 Abs. 2 BGG). Es ist
unerlässlich, dass die Beschwerde auf die Begründung des angefochtenen
Entscheids eingeht und im Einzelnen aufzeigt, worin eine Verletzung von
Bundesrecht liegt. Der Beschwerdeführer soll in der Beschwerdeschrift nicht
bloss die Rechtsstandpunkte, die er im kantonalen Verfahren eingenommen hat,
erneut bekräftigen, sondern mit seiner Kritik an den als rechtsfehlerhaft
erachteten Erwägungen der Vorinstanz ansetzen (BGE 134 II 244 E. 2.1 S. 245 f.;
133 IV 286 E. 1.4 S. 287; 134 V 53 E. 3.3). Die Verletzung von Grundrechten und
von kantonalem und interkantonalem Recht kann das Bundesgericht nur insofern
prüfen, als eine solche Rüge in der Beschwerde präzise vorgebracht und
begründet worden ist (Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 134 II 244 E. 2.2; 133 III 439
E. 3.2).

1.3 Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die
Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Die Feststellung des
Sachverhalts kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder
auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und wenn die
Behebung des Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann
(Art. 97 Abs. 1 BGG). "Offensichtlich unrichtig" bedeutet dabei "willkürlich"
(BGE 133 II 249 E. 1.2.2). Der Beschwerdeführer, der die
Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz anfechten will, kann sich nicht damit
begnügen, den bestrittenen Feststellungen eigene tatsächliche Behauptungen
gegenüberzustellen oder darzulegen, wie die Beweise seiner Ansicht nach zu
würdigen gewesen wären. Vielmehr hat er klar und substanziiert aufzuzeigen,
inwiefern die gerügten Feststellungen bzw. die Unterlassung von Feststellungen
offensichtlich unrichtig sind oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art.
95 BGG beruhen (vgl. BGE 133 II 249 E. 1.4.3; 133 III 350 E. 1.3, 393 E. 7.1,
462 E. 2.4). Soweit der Beschwerdeführer den Sachverhalt ergänzen will, hat er
zudem mit Aktenhinweisen darzulegen, dass er entsprechende rechtsrelevante
Tatsachen und taugliche Beweismittel bereits bei den Vorinstanzen
prozessrechtskonform eingebracht hat (Urteile 4A_214/2008 vom 9. Juli 2008 E.
1.2, nicht publ. in: BGE 134 III 570; 4A_526/2008 vom 21. Januar 2009 E. 3.2).
Neue (d.h. im angefochtenen Entscheid nicht festgehaltene [Bernard Corboz,
Commentaire de la LTF, in: Corboz und andere [[Hrsg.]], 2009, N. 13 zu Art. 99
BGG]) Tatsachen und Beweismittel dürfen nur soweit vorgebracht werden, als der
Entscheid der Vorinstanz dazu Anlass gibt, was in der Beschwerde ebenfalls
näher darzulegen ist (Art. 99 Abs. 1 BGG; Urteil 4A_223/2007 vom 30. August
2007 E. 3.2; BGE 130 III 28 E. 4.4 S. 34; 129 III 135 E. 2.3.1 S. 144).
Die vorliegende Beschwerde vermag diesen Anforderungen in weiten Teilen nicht
zu genügen, wie in den nachfolgenden Erwägungen aufzuzeigen ist. Die
Beschwerdeführerin weicht in ihrer Beschwerdebegründung in zahlreichen Punkten
von den tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz ab oder erweitert diese,
ohne substanziiert Ausnahmen von der Sachverhaltsbindung im beschriebenen Sinn
geltend zu machen. Ihre Vorbringen haben insoweit unbeachtet zu bleiben.

2.
Da der Beschwerdegegner seinen Wohnsitz in Frankreich hat, liegt ein
internationaler Sachverhalt vor. Nach den vorinstanzlichen Feststellungen haben
die Parteien den Agenturvertrag vom 29./31. März 2005 dem schweizerischen Recht
unterstellt und war es im vorinstanzlichen Verfahren unbestritten, dass die
Streitigkeit nach Schweizer Recht zu beurteilen ist. Davon ist auch vorliegend
auszugehen (Art. 116 IPRG; vgl. BGE 130 III 417 E. 2.2.1).

3.
Die Vorinstanz qualifizierte das Vertragsverhältnis zwischen den Parteien als
Agenturvertrag im Sinne von Art. 418a ff. OR. Diese Qualifikation blieb hier
unbestritten, so dass die strittigen Fragen auch im vorliegenden Verfahren ohne
Prüfung der Rechtsnatur des Vertrages (vgl. BGE 129 III 664 E. 3.1; 84 II 493
E. 2 S. 496) nach Agenturvertragsrecht zu beurteilen sind (vgl. BGE 133 II 249
E. 1.4.1 S. 254).

4.
Ein Agenturvertrag kann aus wichtigen Gründen sowohl vom Auftraggeber als auch
vom Agenten jederzeit mit sofortiger Wirkung aufgelöst werden (Art. 418r Abs. 1
OR). Art. 418r Abs. 2 OR verweist für die Kündigung des Agenturvertrages aus
wichtigen Gründen auf "die Bestimmungen über den Dienstvertrag", d.h. über den
Arbeitsvertrag (Art. 337 ff. OR). Nach Art. 337 Abs. 2 OR gilt als wichtiger
Grund namentlich jeder Umstand, bei dessen Vorhandensein dem Kündigenden nach
Treu und Glauben die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr zugemutet
werden darf. Über das Vorhandensein solcher Umstände entscheidet der Richter
nach seinem Ermessen (Art. 337 Abs. 3 OR).

4.1 Die Beschwerdeführerin brachte im handelsgerichtlichen Verfahren vor, sie
habe aufgrund der schwierigen Situation auf dem Markt für Dünnfilmtechnologie
als zweites Standbein die sogenannte B.________ Technologie eingeführt. Um
damit wirtschaftlich erfolgreich sein zu können, seien grosse Absatzvolumina
erforderlich, was deutlich verstärkte Verkaufs- und Marketinganstrengungen
bedeutet habe. Daher habe sie die Abläufe im Verkauf neu organisiert und die
Stelle eines Verkaufsleiters geschaffen. Die fristlose Auflösung des
Agenturverhältnisses mit dem Beschwerdegegner sei erfolgt, weil dieser sich
geweigert habe, so tätig zu werden, wie er es anlässlich der
Vertragsverhandlungen für den neuen Agenturvertrag vom 29./31. März 2005
zugesichert habe. Unter anderem habe er es insbesondere abgelehnt, mit ihrer
neuen Verkaufsorganisation unter dem anfangs 2007 eingestellten Verkaufsleiter
Z.________ zusammenzuarbeiten.

4.2 Die Vorinstanz verneinte, dass im Verhalten des Beschwerdegegners ein
Verstoss gegen vertragliche Pflichten zu erkennen sei, der die fristlose
Vertragsauflösung zu rechtfertigen vermag.
Sie stellte dazu in tatsächlicher Hinsicht Folgendes fest: Die Stelle des
Verkaufsleiters wurde erstmals anfangs 2007 mit Z.________ besetzt. Die erste
aktenkundige Korrespondenz zwischen dem Beschwerdegegner und dem Verkaufsleiter
vom 16./17. April 2007 zeigt auf, dass die beiden unterschiedliche Erwartungen
hinsichtlich des künftigen Zusammenwirkens hatten. Während die
Beschwerdeführerin davon Kenntnis hatte, dass der Beschwerdegegner zur
Vervollständigung seiner Aktivitäten die Anstellung eines Verkäufers für
Deutschland und England wünschte, schuf sie die Stelle eines Verkaufsleiters.
Als dieser in der Folge auf den Beschwerdegegner Einfluss nehmen wollte,
entwickelten sich zwischen den beiden Spannungen, die darin gipfelten, dass der
Beschwerdegegner die Zusammenarbeit mit dem Verkaufsleiter verweigerte.
Zur Begründung ihres Schlusses, dass im Verhalten des Beschwerdegegners kein
Verstoss gegen vertragliche Pflichten zu erkennen sei, führte die Vorinstanz
aus, ein Agent sei nicht weisungsgebunden und stehe nicht in einem
Subordinationsverhältnis zum Auftraggeber. Dem streitbetroffenen Agenturvertrag
lasse sich nichts über neue Marketing- und Verkaufsabläufe, die Schaffung der
Stelle eines Verkaufsleiters oder die Einbettung des Beschwerdegegners in neue
Strukturen entnehmen. Die Beschwerdeführerin unterlasse sodann substanziierte
Behauptungen dazu, dass dem Beschwerdegegner die im Jahre 2007 installierten
Strukturen bereits zur Zeit des Vertragsabschlusses im März 2005 bekannt
gewesen seien und dass er diesen zugestimmt hätte.

4.3 Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz habe damit zu Unrecht verneint,
dass der Beschwerdegegner in schwerwiegender Weise gegen seine von Gesetzes
wegen bestehenden Pflichten verstossen und damit einen wichtigen Grund zur
sofortigen Auflösung des Agenturvertrags gesetzt habe. Die Freiheit des Agenten
als selbständiger Gewerbetreibender finde ihre Grenzen in der
Interessenwahrungspflicht nach Art. 418c OR. Insbesondere komme dem
Auftraggeber nach der Rechtsnatur des Agenturvertrags gegenüber dem Agenten ein
Weisungsrecht zu, wie die Abwicklung der Zusammenarbeit zu erfolgen habe. Es
liege in der Natur von Dauerschuldverhältnissen, dass diese durch äussere
Einflüsse Veränderungen unterworfen seien. Insbesondere solche von
betrieblichen oder organisatorischen Strukturen aber auch personelle Wechsel
bei einem Vertragspartner könnten sich dabei auf ein langjähriges
Agenturverhältnis auswirken. Aus der Interessenwahrungs- und Treuepflicht des
Agenten resultiere seine Pflicht, sich bei äusseren Veränderungen kooperativ zu
verhalten. Dabei stehe dem Auftraggeber bei unverändertem Agenturverhältnis das
Recht zu, ohne in das organisatorische Selbstbestimmungsrecht des Agenten
einzugreifen, konkretisierend die Art und Weise der veränderten Zusammenarbeit
sowie des notwendigen Informationsaustausches festzulegen. Einer individuellen
vertraglichen Abrede, wie sie von der Vorinstanz vorausgesetzt werde, bedürfe
es dabei nicht.

4.4 Die bundesgerichtliche Rechtsprechung äusserte sich zur Frage der
Weisungsgebundenheit des Agenten bisher nur im Rahmen der Abgrenzung des
Agenturvertrages gegenüber dem Arbeitsvertrag, insbesondere in seiner Form als
Handelsreisendenvertrag (vgl. BGE 129 III 664 E. 3.2 S. 667). Insoweit hielt
das Bundesgericht fest, dass zwischen den Vertragsparteien des Agenturvertrags,
im Gegensatz zu denen des Arbeitsverhältnisses, kein Subordinationsverhältnis
besteht und dass der Arbeitnehmer im Gegensatz zum Agenten an Instruktionen und
Weisungen des Vertragspartners gebunden ist (BGE 129 III 664 E. 3.2 S. 668; 99
II 314). In einem neueren Entscheid führte das Bundesgericht sodann
präzisierend aus, es sei zwar für das Bestehen eines
Subordinationsverhältnisses entscheidend, dass der Arbeitnehmer in eine fremde,
hierarchische Arbeitsorganisation eingegliedert werde und damit von bestimmten
Vorgesetzten Weisungen erhalte. Die Schwierigkeit liege allerdings darin, dass
auch bei anderen Verträgen auf Arbeitsleistung, zum Beispiel beim Auftrag, ein
Weisungsrecht bestehe. Es komme deshalb auf das Mass der Weisungsgebundenheit
an. Im konkreten Fall schloss das Bundesgericht angesichts einer schwach
ausgeprägten Weisungsgebundenheit, dem hohen Mass an Selbständigkeit des
Beauftragten in der Ausführung seiner Arbeit im Bereich der Finanz- und
Wirtschaftsberatung sowie in Berücksichtigung aller weiteren massgeblichen
Umstände (insbesondere keine Eingliederung in eine fremde Arbeitsorganisation
in zeitlicher und örtlicher Hinsicht, weitgehend fehlende wirtschaftliche
Abhängigkeit) auf das Vorliegen eines Auftrags bzw. Agenturvertrags, wenn auch
der Beauftragte regelmässige Besprechungen mit der Geschäftsführung der
Auftraggeberin an deren Sitz hatte und verpflichtet war, sämtliche
Arbeitsunterlagen der Beklagten zur Verfügung zu halten, damit diese ein
einheitliches Auftreten kontrollieren konnte; ferner bestanden klare Weisungen
bezüglich des Datenschutzes und der Vorkehren gegen Geldwäscherei, wobei sich
dies zwingend aus der Art der Geschäfte und den dafür geltenden gesetzlichen
Bestimmungen ergab (Urteil 4C.276/2006 vom 25. Januar 2007 E. 4.3 und 5).
In der Literatur besteht soweit ersichtlich Einigkeit darüber, dass der Agent
zwar in einem gewissen Mass weisungsgebunden ist und die übernommenen Geschäfte
vertragsgemäss und weisungsgemäss zu besorgen hat (GEORG GAUTSCHI, Berner
Kommentar, 2. Aufl. 1964, N. 6a zu Art. 418c OR; DOMINIQUE DREYER, Commentaire
Romand, Code des obligations, 2003, N. 9 f. zu Art. 418c OR; vgl. auch ANDRÉ
THOUVENIN, Das Agenturvertragsrecht in der Schweiz, in: Internationes
Handelsrecht 5/2007 S. 193; ERNST SONTAG, Kommentar zum Bundesgesetz über den
Agenturvertrag, 1949, N. 1 zu Art. 418a; GUIDO MEISTER, Bundesgesetz über den
Agenturvertrag, 1949, S. 23). Dabei sind auch einseitige Ausführungsanweisungen
des Auftraggebers möglich, namentlich was die Einhaltung der Vertrags- und
Zahlungsbedingungen für die vermittelten Geschäfte angeht. Dem Weisungsrecht im
Agenturvertrag sind indessen relativ enge Grenzen gezogen, ist doch der Agent
selbständiger Gewerbetreibender und kommt er für die Kosten seines
Geschäftsbetriebes selber auf. Oneröse Weisungen, insbesondere solche, die dem
Agenten die Erreichung des Auftragserfolgs erschweren, sind unzulässig
(GAUTSCHI, a.a.O., N. 6a und c zu Art. 418c OR; SUZANNE WETTENSCHWILER, in:
Basler Kommentar, Obligationenrecht, 4. Aufl. 2007, N. 3 zu Art. 418c OR;
DREYER, a.a.O., N. 9 f. zu Art. 418c OR). Organisatorisch ist der Agent
weisungsungebunden, verfügt über seine Arbeitszeit frei, beschäftigt eigenes
Hilfspersonal oder beauftragt in den Schranken von Art. 399 Abs. 2 OR
Unteragenten. Diese Freiheit findet ihre Grenzen in der Pflicht zur
sorgfältigen Geschäftserledigung sowie in Parteivereinbarungen (WETTENSCHWILER,
a.a.O., N. 3 zu Art. 418a OR; THEODOR BÜHLER, Zürcher Kommentar, 4. Aufl. 2000,
N. 17, 32 zu Art. 418a OR; GAUTSCHI, a.a.O., N. 6 zu Art. 418c OR; MEISTER,
a.a.O., S. 23).
Von der Weisungsgebundenheit ist die Treuepflicht zu unterscheiden, die
namentlich in Art. 418c OR umschrieben und begrenzt wird. Danach hat der Agent
die Interessen des Auftraggebers (mit der Sorgfalt eines ordentlichen
Kaufmannes) zu wahren (Art. 418c Abs. 1 OR). Sofern nichts anderes schriftlich
vereinbart ist, darf er auch für andere Auftraggeber tätig sein (Art. 418c Abs.
2). Die gesetzliche Treuepflicht kann dem Agenten aber insbesondere verbieten,
für einen Konkurrenten des Auftraggebers tätig zu werden oder den Auftraggeber
selber zu konkurrenzieren. Ferner ist ihm verboten, eine Doppelvermittlung zu
betreiben (Provisionsbezug sowohl vom Auftraggeber als auch vom Kunden). Sodann
gebietet ihm die Treuepflicht, Interessenkollisionen zu vermeiden oder bei
solchen sein Interesse vor dem des Auftraggebers zurücktreten zu lassen
(WETTENSCHWILER, a.a.O., N. 4 f. zu Art. 418c OR; DREYER, a.a.O., N. 14 f. zu
Art. 418 OR; GAUTSCHI, a.a.O., N. 3c zu Art. 418c OR, N. 4c zu Art. 418d OR;
BÜHLER, a.a.O., N. 5 zu Art. 418c OR; PIERRE ENGEL, Contrats de droit suisse,
2. Aufl. 2000, S. 543 Ziff. 3 und S. 545 Ziff. 10; TERCIER/FAVRE/CONUS, Les
contrats spéciaux, 4. Aufl. 2009, Rz. 5745 ff.; SONTAG, a.a.O., N. 11 zu Art.
418a OR, N. 1 zu Art. 418c OR und Kommentierung zu Abs. 2 von Art. 418c OR).
Aus der Treuepflicht des Agenten lässt sich dagegen nicht auf eine weitere
Weisungsgebundenheit schliessen, als sie vorstehend umschrieben wurde.
Es bleibt somit auch bei Berücksichtigung der Treuepflicht des Agenten dabei,
dass den Weisungsbefugnissen des Auftraggebers im Rahmen des Agenturvertrags
enge Grenzen gezogen sind. Insbesondere ist es ohne gegenteilige
Parteivereinbarung Sache des Agenten, auf welche Weise er für den Auftraggeber
Geschäfte vermittelt und muss er sich die zu verfolgende Strategie nicht vom
Auftraggeber vorschreiben lassen. Ebenso wenig kann vom Agenten verlangt
werden, gegen seinen Willen mit einer neu geschaffenen Verkaufsorganisation des
Auftraggebers zusammenzuarbeiten, wie dies der Beschwerdeführerin nach ihren
Vorbringen im vorinstanzlichen Verfahren vorschwebt, wenn dies im Vertrag nicht
vorgesehen ist. Darin läge ein nicht unerheblicher Eingriff in seine Freiheit
zur organisatorischen und zeitlichen Gestaltung seiner Tätigkeit oder gar eine
mehr oder weniger starke Eingliederung in eine fremde Arbeitsorganisation. Dies
ist dem Agenturvertrag fremd und braucht sich der Agent nicht gefallen zu
lassen. Da der Beschwerdegegner nach den vorinstanzlichen Feststellungen keine
vertragliche Verpflichtung eingegangen war, sich an einer neuen
Vermarktungsstrategie der Beschwerdeführerin für das B.________ Produkt zu
beteiligen und mit deren hierfür geschaffenen Verkaufsorganisation
zusammenzuarbeiten oder sich in eine solche einbetten zu lassen, kann ihm keine
Vertragsverletzung vorgeworfen werden, wenn er eine entsprechende
Zusammenarbeit verweigerte. Dies erkannte die Vorinstanz zu Recht. Der
Beschwerdeführerin wäre es bei Vertragsabschluss frei gestanden, auf einer
zweiseitigen Regelung zu bestehen, die eine Einbindung des Beschwerdegegners in
eine neu zu schaffende Verkaufsorganisation vorgesehen hätte. Nachdem sie dies
nicht tat, kann sie sich nicht darauf berufen, ihr wäre die Weiterführung des
Agenturverhältnisses bis zum vertraglichen Beendigungstermin nicht zumutbar
gewesen, weil die Weigerung des Agenten, mit der neu geschaffenen
Verkaufsorganisation zusammenzuarbeiten, für sie fatal gewesen wäre und im
Ergebnis dazu geführt hätte, dass der Agent geradezu das Recht gehabt hätte,
organisatorische Massnahmen der Auftraggeberin zu genehmigen, mithin dieser
Weisungen zu erteilen. Ohnehin können die entsprechenden Vorbringen
grösstenteils nicht gehört werden, weil sie sich weitgehend auf
Sachverhaltselemente stützen, hinsichtlich der die Vorinstanz keine
Feststellungen traf, ohne dass die Beschwerdeführerin dazu taugliche
Sachverhaltsrügen erheben würde (Erwägung 1.3 vorne).
Nach dem Ausgeführten ist der Vorinstanz von vornherein keine Rechtsverletzung
vorzuwerfen, wenn sie keine weitergehenden Sachverhaltsfeststellungen dazu
traf, worin die vom neuen Verkaufsleiter gewünschte kooperative Zusammenarbeit
mit dem Beschwerdegegner im Einzelnen bestanden hätte. Ohnehin erhebt die
Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit den dazu vorgebrachten, über den
vorinstanzlich festgestellten Sachverhalt hinausgehenden Tatsachenbehauptungen,
keine rechtsgenüglich substanziierten Sachverhaltsrügen, die zur Ergänzung des
von der Vorinstanz festgestellten Sachverhalts durch das Bundesgericht oder zur
Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz zur Sachverhaltsergänzung führen könnten (Erwägung 1.3).

4.5 Die Vorinstanz schloss damit zutreffend, die fristlose Kündigung des
Vertragsverhältnisses sei mangels Vertragsverletzung durch den Beschwerdegegner
zu Unrecht erfolgt.
Es erübrigt sich damit, auf die vorinstanzliche Eventualbegründung (und die
dagegen erhobenen Einwendungen) einzugehen, dass selbst wenn im Verhalten des
Beschwerdegegners eine Vertragsverletzung läge, diese jedenfalls nicht die
Intensität gehabt hätte, um eine sofortige Vertragsauflösung ohne Abmahnung zu
rechtfertigen, und dass vorliegend keine rechtsgenügliche Abmahnung erfolgt
sei.
Bei der gegebenen Sachlage stellt sich auch die von der Beschwerdeführerin
aufgeworfene Frage nicht, ob die fristlose Kündigung als unrechtmässig
erscheinen könnte, weil sie nach den vorinstanzlichen Feststellungen über den
Kündigungszeitpunkt verspätet ausgesprochen worden sein könnte.

4.6 Die Beschwerdeführerin begründet die fristlose Vertragsauflösung allerdings
weiter mit der Behauptung, der Beschwerdegegner habe anlässlich einer
Verwaltungsratssitzung kein Interesse mehr daran gezeigt, sie in den "neu
aufzubauenden" Benelux-Ländern und in Dänemark zu vertreten. Die entsprechenden
Vorbringen finden indessen in den tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz
keine Stütze und die Beschwerdeführerin substanziiert auch dazu keine
hinreichenden Sachverhaltsrügen, indem sie bloss bemerkt, die Vorinstanz habe
sich nicht dazu geäussert, inwiefern das gezeigte Desinteresse des
Beschwerdegegners ein Grund für die fristlose Vertragsauflösung gewesen sei,
und sie habe dazu keinerlei Beweiswürdigung vorgenommen. Insoweit ist daher auf
die Beschwerde nicht einzutreten.

5.
Das Agenturverhältnis ist durch eine fristlose Kündigung des Vertrages auch
dann als sofort beendet zu betrachten, wenn sich die fristlose Auflösung
nachträglich als ungerechtfertigt erweist (BGE 125 III 14 E. 2a; 120 II 243 E.
3b). Die ungerechtfertigte Auflösung des Vertrags hat zur Folge, dass der
Auftraggeber dem Agenten Schadenersatz im Sinne von Art. 337c Abs. 1 und 2 OR
zu leisten hat (Art. 418r Abs. 2 OR; BGE 125 III 14 E. 2a; 135 III 405 E. 3.1).
Danach hat der Arbeitnehmer Anspruch auf Ersatz dessen, was er verdient hätte,
wenn das Arbeitsverhältnis unter Einhaltung der ordentlichen Kündigungsfrist
beendigt worden wäre. Der Agent muss sich daran anrechnen lassen, was er
infolge der Beendigung des Agenturverhältnisses erspart hat und was er durch
anderweitige Arbeit verdient oder zu verdienen absichtlich unterlassen hat
(Art. 418r Abs. 2 in Verbindung mit Art. 337 Abs. 1 und 2 OR).

5.1 Strittig ist zunächst, ob in diesem Sinn von der dem Beschwerdegegner
zugesprochenen Entschädigung ein Ersatzeinkommen abzuziehen ist. Die
Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz habe zu Unrecht verneint, dass dem
Beschwerdegegner ein (monatliches) Nettoeinkommen anzurechnen sei, das
mindestens so hoch wäre wie der Schadenersatzanspruch, der auf einer
durchschnittlichen Monatsprovision abzüglich Gewinnungskosten beruhen würde.
Der Beschwerdegegner habe damit gar keinen Schadenersatzanspruch.
5.1.1 Die Vorinstanz erachtete es zum einen als erstellt, dass der
Beschwerdegegner, der kurz vor der Pensionierung stand, kein Ersatzeinkommen
generiert und nach der Auflösung des Agenturvertrags nicht gearbeitet habe. Zum
anderen hielt sie fest, dass die Beschwerdeführerin im Verfahren keinerlei
substanziierte Behauptungen unterbreitet habe, die einen Hinweis darauf geben
könnten, ob es der Beschwerdegegner absichtlich unterlassen habe, ein mögliches
bzw. zumutbares Ersatzeinkommen zu erzielen. Dies obwohl der Beschwerdeführerin
diesbezüglich die Beweislast und damit einhergehend die Behauptungslast
obliege. Entsprechend brachte sie kein Ersatzeinkommen zum Abzug.
5.1.2 Die Beschwerdeführerin rügt unter Hinweis auf BGE 97 II 218, die
Vorinstanz habe ihr damit unter Verletzung von Bundesrecht eine Behauptungslast
auferlegt, die sich nicht aus der Beweislast von Art. 8 ZGB ergebe; anders als
die Beweislast sei die Behauptungslast nämlich vom kantonalen Recht bestimmt.
Diese Rüge geht fehl. In BGE 97 II 218 und in den Entscheiden, auf die in
diesem Urteil verwiesen wird, wurde nur entschieden, nicht Art. 8 ZGB, sondern
das kantonale Prozessrecht bestimme, ob eine anspruchsbegründende Tatsache zu
behaupten sei oder von Amtes wegen berücksichtigt werden dürfe (vgl. BGE 97 II
339 E. 1b S. 343). Wenn und soweit das kantonale Prozessrecht eine
Behauptungspflicht kennt, kann sie aber von Bundesrechts wegen nur die
beweispflichtige Partei, nicht ihren Prozessgegner treffen (BGE 131 III 186 E.
4 S. 191 und E. 5.1; 97 II 339 E. 1b S. 343). Dass sie gemäss dem von der
Vorinstanz zitierten BGE 78 II 441 E. 6c S. 444 (bestätigt in Urteil 4C.14/1997
vom 20. August 1997 E. 4, nicht publ. in: BGE 123 III 466) die Beweislast
trägt, bestreitet die Beschwerdeführerin nicht. Mithin legte ihr die Vorinstanz
zu Recht die kantonalrechtliche Behauptungslast auf.
5.1.3 Die Beschwerdeführerin rügt sodann, die Vorinstanz habe zu Unrecht
verneint, dass sie ihren Reduktionsanspruch rechtsgenügend substanziiert habe.
Zur Begründung dieser Rüge zitiert sie in freier Ergänzung der vorinstanzlichen
Feststellungen im angefochtenen Urteil, was sie und der Beschwerdegegner in den
Rechtsschriften des vorinstanzlichen Verfahrens und anlässlich der
Instruktionsverhandlung vom 8. Oktober 2009 angeblich vorgebracht hätten. Damit
und mit den daraus gezogenen Schlüssen in tatsächlicher Hinsicht kann sie
mangels dazu erhobener, tauglicher Sachverhaltsrügen (Erwägung 1.3 vorne) nicht
gehört werden. Denn zu dem von der Vorinstanz grundsätzlich verbindlich
festgestellten Sachverhalt gehören nicht nur die Feststellungen über den
Lebenssachverhalt, der dem Streitgegenstand zugrunde liegt, sondern auch jene
über den Ablauf des vorinstanzlichen Verfahrens, also die Feststellungen über
den Prozesssachverhalt, wie namentlich die erhobenen Tatsachenbehauptungen.
Welche Behauptungen zur Substanziierung eines Anspruchs erhoben wurden, stellt
eine Tatfrage dar, hinsichtlich der das Bundesgericht grundsätzlich an die
Feststellungen der Vorinstanz gebunden ist (Urteile 4A_210/2009 vom 7. April
2010 E. 2; 4A_306/2009 vom 8. Februar 2010 E. 6.1 in fine; 4C.327/2005 vom 24.
November 2006 E. 3.3.3; 4C.256/2004 vom 28. Februar 2005 E. 8; 4C.222/1998 vom
14. Januar 1999 E. 9).
Auf die entsprechend begründete Rüge, die Vorinstanz habe die Anforderungen an
die Substanziierung überspannt, kann demnach nicht eingetreten werden. Ist mit
der Vorinstanz davon auszugehen, dass substanziierte Behauptungen zur Frage
fehlten, ob es der Beschwerdegegner absichtlich unterliess, ein Ersatzeinkommen
zu erzielen, ist es bundesrechtlich auch nicht zu beanstanden, dass die
Vorinstanz dazu keine Feststellungen traf. Da mangels substanziierter
Vorbringen keine Beweiserhebung zur strittigen Frage möglich war (vgl. BGE 127
III 365 E. 2b S. 368), stösst auch die weitere Rüge der Beschwerdeführerin, die
Vorinstanz habe zu Unrecht unberücksichtigt gelassen, dass der Beschwerdegegner
seine Pflicht zur Mitwirkung bei der Beweiserhebung verletzt habe, ins Leere.
5.1.4 Die Vorinstanz verletzte damit Art. 418r Abs. 2 in Verbindung mit Art.
337c Abs. 2 OR nicht, indem sie mangels substanziierter Behauptungen darüber,
dass und inwiefern der Beschwerdegegner es absichtlich unterlassen haben soll,
ein Ersatzeinkommen zu erzielen, keine positiven tatsächlichen Feststellungen
zu dieser Frage traf und in der Folge vom zugesprochenen entgangenen Verdienst
des Beschwerdegegners kein fiktives Ersatzeinkommen in Abzug brachte. Damit
fehlt es auch an der tatsächlichen Grundlage dafür, dass das Bundesgericht
einen allfällig vom entgangenen Verdienst abzuziehenden Betrag in sinngemässer
Anwendung von Art. 42 Abs. 2 OR festsetzen kann (vgl. dazu BGE 122 III 219 E.
3a S. 221).
5.1.5 Nicht nachvollziehbar ist schliesslich auch der Vorwurf, der
Beschwerdegegner verhalte sich widersprüchlich (Art. 2 ZGB), indem er sein
Alter als Grund dafür anführe, weshalb kein Ersatzverdienst durch zumutbare
andere Arbeit möglich gewesen wäre, indessen Schadenersatzansprüche aus einem
noch lange Zeit andauernden Agenturverhältnis geltend mache, in dem die
Vertragsleistung hätte erbracht werden können. Wenn ein gekündigter Agent
aufgrund seines Alters keine vergleichbare Beschäftigung mehr findet, muss dies
nicht heissen, dass er bei weiterbestehendem Vertragsverhältnis seine bisherige
Funktion nicht mehr hätte wahrnehmen bzw. die bisherige Leistung während der
Vertragsdauer nicht mehr hätte erbringen können und ihm damit durch die
Kündigung kein daraus resultierendes Einkommen entging. Die Rüge ist
unbegründet, soweit sie sich überhaupt auf im angefochtenen Urteil
festgestellte Sachverhaltselemente stützen kann und damit zu hören ist.

5.2 Weiter beanstandet die Beschwerdeführerin die Festsetzung des nach Art.
337c Abs. 2 OR anrechenbaren, monatlich ersparten Betrages für die
weggefallenen Gewinnungskosten des Beschwerdegegners durch die Vorinstanz.
Die Vorinstanz setzte im Rahmen des richterlichen Ermessens und der freien
Beweiswürdigung Fr. 6'000.-- als monatliche Gewinnungskosten ein. Dies
entspreche in etwa dem Mittelwert der von den Parteien genannten monatlichen
Kosten und liege auch mit Blick auf die monatliche Durchschnittsprovision (von
Fr. 20'996.56) durchaus im Rahmen des Üblichen.
Die Beschwerdeführerin wirft der Vorinstanz in diesem Punkt eine willkürliche
Beweiswürdigung vor. Sie rügt, es sei offensichtlich unhaltbar, einen
ungefähren arithmetischen Mittelwert der voneinander abweichenden
Parteibehauptungen, ohne diesen zu würdigen, als Beweisergebnis einzusetzen.
Dies ist unbehelflich. Die Beschwerdeführerin übersieht, dass die Vorinstanz
den angenommenen Mittelwert sehr wohl beweismässig gewürdigt hat, indem sie
feststellte, dieser liege durchaus im Rahmen des Üblichen, und die
Beschwerdeführerin legt nicht dar, inwiefern sie damit in Willkür verfallen
sein soll. Auf ihre Rüge kann daher mangels hinreichender Begründung nicht
eingetreten werden.

6.
Die Beschwerdeführerin rügt sodann, die Vorinstanz habe den Betrag von Fr.
14'429.40 für noch nicht ausbezahlte Provisionen für den Monat Juli 2007 bis
zur fristlosen Vertragsauflösung in willkürlicher Verletzung der
Dispositionsmaxime nach Art. 75 Abs. 2 ZPO/AG zugesprochen. Sie macht dazu
geltend, der Beschwerdegegner habe erst durch die Klageantwort und
Klageantwortbeilage 12 von den falsch abgerechneten Provisionen für den Monat
Juli 2007 Kenntnis genommen bzw. davon, dass der Provisionsanspruch für den
Juli 2007 gemäss Darstellung der Beschwerdeführerin höher ausfallen würde, als
er dies in der Klageschrift und in Klagebeilage 18 geltend gemacht habe. Er
habe es in der Folge aber versäumt, einen entsprechenden Anspruch im
vorinstanzlichen Behauptungsverfahren (Replik) geltend zu machen. Die
Vorinstanz habe aus eigenem Antrieb die aus Klagebeilage 18 und
Klageantwortbeilage 12 resultierende Diskrepanz von Fr. 14'429.40 ermittelt und
damit die Dispositionsmaxime verletzt.
Die Rüge ist unbegründet, soweit darauf überhaupt eingetreten werden kann, weil
die Beschwerdeführerin ihre Rüge mit Sachverhaltselementen begründet, die im
angefochtenen Urteil nicht festgestellt wurden, ohne die Zulässigkeit ihrer
Berücksichtigung im vorliegenden Verfahren zu begründen (Erwägung 1.3 vorne).
Laut der angerufenen Bestimmung von § 75 Abs. 2 ZPO/AG darf der Richter einer
Partei weder mehr noch anderes zusprechen, als sie selbst verlangt, noch
weniger, als der Gegner anerkannt hat. Massgebend für die Anwendung der damit
umschriebenen Dispositionsmaxime ist die Fassung der Rechtsbegehren. Lauten
diese auf Geldzahlung, die dem Saldo verschiedener Rechnungs- und
Abrechnungspositionen entspricht, ist das Gericht nur an den insgesamt
eingeklagten Betrag gebunden. Es kann in diesem Rahmen willkürfrei für eine
einzelne Position mehr und für eine andere weniger zusprechen, als die klagende
Partei selbst angegeben hat (Urteil 4P.189/2002 vom 9. Dezember 2002 E. 2, in:
Pra 2003 Nr. 130 S. 689). Die Beschwerdeführerin macht zu Recht nicht geltend,
dass die Vorinstanz die eingeklagte Forderung für ausstehende Provisionen in
einem das Rechtsbegehren übersteigenden Betrag geschützt habe, forderte doch
der Beschwerdegegner nach den vorinstanzlichen Feststellungen für noch nicht
ausbezahlte Provisionen betreffend den Zeitraum von Beginn des Agenturvertrags
bis zur fristlosen Kündigung Fr. 148'449.--, mithin einen wesentlich höheren
Betrag als die zugesprochenen Fr. 14'429.40. Sodann legt die Beschwerdeführerin
nicht dar, weshalb es im vorliegenden Fall offensichtlich unhaltbar sein soll,
wenn die Vorinstanz den Rahmen der vom Beschwerdegegner in der Klagebegründung
genannten Monatsbetreffnisse der Provisionen nicht beachtete (vgl. BGE 119 II
396 E. 2 mit Hinweisen). Hinzu kommt, dass die Vorinstanz nach den Vorbringen
der Beschwerdeführerin über das in ihrer Klageantwort Ausgeführte willkürfrei
davon ausgehen durfte, die Beschwerdeführerin habe den ausstehenden
Provisionsbetrag für den Monat Juli 2007 im Sinne von § 75 Abs. 2 ZPO/AG
anerkannt. Eine willkürliche Anwendung der Dispositionsmaxime ist nicht
dargetan.

7.
Zusammenfassend ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
Bei diesem Verfahrensausgang wird die Beschwerdeführerin kosten- und
entschädigungspflichtig (Art. 66 Abs. 1 und Art. 68 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 6'500.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Die Beschwerdeführerin hat den Beschwerdegegner für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 7'500.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Handelsgericht des Kantons Aargau, 1.
Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 7. Oktober 2010

Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Klett Widmer