Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 4A.258/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
4A_258/2010

Urteil vom 23. August 2010
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Bundesrichter Corboz,
Bundesrichterin Rottenberg Liatowitsch,
Gerichtsschreiber Luczak.

Verfahrensbeteiligte
X.________ AG,
vertreten durch Advokat Dr. Thomas Gelzer,
Beschwerdeführerin,

gegen

Y.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Matthias Miescher,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Arbeitsvertrag,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Solothurn,
Zivilkammer, vom 22. März 2010.
Sachverhalt:

A.
Y.________ (Beschwerdegegner) war seit dem 1. März 1998 bei der X.________ AG
(Beschwerdeführerin) als Techniker im Bereich Telematik angestellt. Gemäss
einem neuen Arbeitsvertrag vom 1. Januar 1999 hatte er bei derselben
Arbeitgeberin die Stellung eines Bereichsleiters A.________ inne. In einem
weiteren mit der der Beschwerdeführerin nahestehenden B.________ AG
abgeschlossenen Vertrag mit Wirkung ab 1. Januar 2004 wurde der
Beschwerdegegner unter anderem als Mitglied der Geschäftsleitung bezeichnet. Im
Oktober 2005 gründete der Beschwerdegegner mit drei Arbeitskollegen die
C.________ AG. Dieser in Gründung begriffenen Gesellschaft verkaufte die
Beschwerdeführerin den Fahrzeugpark und die B.________ AG Material, Werkzeuge
und Mobiliar. Das Arbeitsverhältnis endete am 31. Oktober 2005.

B.
Mit Klage vor Amtsgericht Thal-Gäu belangte der Beschwerdegegner die
Beschwerdeführerin sowie die B.________ AG im Wesentlichen auf Zahlung von Fr.
366'129.45 nebst Zins für Überstunden bzw. Überzeit, die er bis Ende 2003
geleistet hatte. Das Amtsgericht kam zum Ergebnis, der Beschwerdegegner habe
eine höhere leitende Tätigkeit ausgeübt, weshalb das Bundesgesetz vom 13. März
1964 über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel (Arbeitsgesetz, ArG; SR
822.11) nicht zur Anwendung gelange und keine Überzeitentschädigung geschuldet
sei. Auf Appellation des Beschwerdegegners und Anschlussappellation der
Beschwerdeführerin kam das Obergericht des Kantons Solothurn dagegen mit Urteil
vom 22. März 2010 zum Ergebnis, der Beschwerdegegner unterstehe dem
Arbeitsgesetz und habe grundsätzlich Anspruch auf Abgeltung der geleisteten
Überzeit, für welche eine Entschädigung von insgesamt Fr. 178'450.65 geschuldet
sei. Unter Berücksichtigung einer vor Bundesgericht nicht mehr umstrittenen
Gegenforderung verpflichtete das Obergericht die Beschwerdeführerin, dem
Beschwerdegegner brutto Fr. 163'962.65 nebst 5 % Zins seit dem 1. November 2005
zu bezahlen und beseitigte in diesem Umfang den Rechtsvorschlag in der
Betreibung Nr. 108 349 des Betreibungsamtes Thal-Gäu.

C.
Die Beschwerdeführerin beantragt dem Bundesgericht mit Beschwerde in
Zivilsachen, das Urteil des Obergerichts aufzuheben und die Klage abzuweisen.
Ferner sei der Beschwerdegegner zu verurteilen, ihr Fr. 10'278.60 nebst Zins zu
bezahlen. Eventuell sei das angefochtene Urteil aufzuheben und die Sache zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der Beschwerdegegner schliesst
auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Die Vorinstanz
beantragt unter Hinweis auf die Akten und die Urteilsmotive, die Beschwerde
abzuweisen, und verzichtet im Übrigen auf eine Vernehmlassung. Das Gesuch der
Beschwerdeführerin um aufschiebende Wirkung wurde abgewiesen.

Erwägungen:

1.
Die Vorinstanz hatte darüber zu befinden, ob der Beschwerdegegner Anspruch
darauf hat, für geleistete Überzeit im Sinne von Art. 12 ArG gemäss Art. 13 ArG
entschädigt zu werden. Diese Bestimmungen wären nach Art. 3 lit. d ArG nicht
anwendbar, sollte es sich beim Beschwerdegegner um einen Arbeitnehmer handeln,
der eine höhere leitende Tätigkeit ausübt. Unter diese Bestimmung fällt nach
Art. 9 der Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz vom 10. Mai 2000 (SR 822.111), wer
auf Grund seiner Stellung und Verantwortung sowie in Abhängigkeit von der
Grösse des Betriebes über weitreichende Entscheidungsbefugnisse verfügt oder
Entscheide von grosser Tragweite massgeblich beeinflussen und dadurch auf die
Struktur, den Geschäftsgang und die Entwicklung eines Betriebes oder
Betriebsteils einen nachhaltigen Einfluss nehmen kann. Nach der Rechtssprechung
des Bundesgerichts reicht dafür nicht aus, dass ein Arbeitnehmer eine
Vertrauensstellung im Unternehmen inne hat. Einzelne Aspekte, die auf eine
leitende Funktion hinweisen können wie Unterschrifts- oder Weisungsbefugnis
oder die Höhe des Lohnes sind für sich allein nicht ausschlaggebend. Wesentlich
ist das Gesamtbild der wirklich ausgeübten Tätigkeit mit Blick auf die
Unternehmensstruktur, ungeachtet der Funktionsbezeichnung oder der Ausbildung
der betreffenden Person. Entscheidend sind die Umstände des Einzelfalles. Nach
dem Sinn der für Arbeitnehmer mit höherer leitender Tätigkeit statuierten
Ausnahme ist die Vorschrift eng auszulegen (BGE 126 III 337 E. 5a S. 340 f. mit
Hinweisen). Ausschlaggebend sind die Entscheidbefugnisse auf Grund der Stellung
und Verantwortung im Betrieb (BGE 98 Ib 344 E. 2 S. 348 mit Hinweis), etwa mit
Bezug auf Einstellung und Einsatz des Personals, die Einteilung der
Arbeitszeiten im Unternehmen (nicht nur der eigenen und der unmittelbar
unterstellten Mitarbeiter), die Lohnpolitik oder die Möglichkeit, selbständig
die Jahresziele des Unternehmens oder eines Bereichs festzusetzen. Blosse
Kaderzugehörigkeit reicht jedenfalls nicht aus, um die Anwendung des
Arbeitsgesetzes auszuschliessen (GEISER, in: Geiser und andere [Hrsg.],
Handkommentar zum Arbeitsgesetz, 2005, N. 22 zu Art. 3 ArG, mit Hinweisen).

2.
Die Beschwerdeführerin wirft der Vorinstanz vor, mit Bezug auf die Kompetenzen
des Beschwerdegegners den Sachverhalt unrichtig festgestellt zu haben, weshalb
sie zu Unrecht eine höhere leitende Stellung des Beschwerdegegners verneint
habe.

2.1 Nach Art. 42 Abs. 2 BGG ist in der Beschwerdeschrift in gedrängter Form
darzulegen, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt. Grundsätzlich
unzulässig sind Rügen, die sich gegen die tatsächlichen Feststellungen des
angefochtenen Entscheides richten, sofern diese nicht offensichtlich unrichtig
sind oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruhen (Art. 97
Abs. 1 und 105 Abs. 2 BGG; BGE 135 III 127 E. 1.5 S. 130; 133 II 249 E. 1.4.3
S. 254 f.). Will ein Beschwerdeführer die Sachverhaltsfeststellungen der
Vorinstanz anfechten, muss er substanziiert darlegen, inwiefern die
Voraussetzungen gemäss Art. 105 Abs. 2 BGG gegeben sind (BGE 133 III 462 E. 2.4
S. 466). Er hat im einzelnen aufzuzeigen, weshalb die beanstandeten
Feststellungen offensichtlich unrichtig und demnach willkürlich sind, und zudem
aufzuzeigen, dass das Verfahren bei rechtskonformer Ermittlung des Sachverhalts
anders ausgegangen wäre. Ergänzungen des Sachverhalts haben nur zu erfolgen,
soweit sie entscheidwesentliche Tatsachen betreffen (Art. 97 Abs. 1 BGG).

2.2 Wer sich auf eine Ausnahme von der Bindung des Bundesgerichts an die
tatsächlichen Feststellungen der Vorinstanz beruft und den Sachverhalt gestützt
darauf berichtigt oder ergänzt wissen will, hat mit Aktenhinweisen darzulegen,
dass er entsprechende rechtsrelevante Tatsachen und taugliche Beweismittel
bereits bei den Vorinstanzen genannt hat (vgl. Botschaft zur Totalrevision der
Bundesrechtspflege, BBl 2001 S. 4339; BGE 115 II 484 E. 2a S. 485 f.). Neue
Vorbringen sind nur zulässig, soweit erst der angefochtene Entscheid dazu
Anlass gibt (Art. 99 Abs. 1 BGG), was wiederum näher darzulegen ist (BGE 134 V
223 E. 2.2.1 S. 226; 133 III 393 E. 3 S. 395).

2.3 Die Beschwerdeführerin beanstandet, dass die Vorinstanz feststellte, nicht
der Beschwerdegegner, sondern der delegierte des Verwaltungsrates habe darüber
entschieden, ob Offerten gestellt würden. Sie räumt aber selbst ein, dass der
Beschwerdegegner jedenfalls bei Grossaufträgen eine Genehmigung einholen
musste. Sie stellt in der Beschwerde einzig in Abrede, dass dies auch für
kleinere Offerten der Fall gewesen sein soll. Hatte der Beschwerdegegner aber
lediglich bei kleinen und mittleren Offerten alleinige Entscheidkompetenz,
spricht dies gerade nicht für eine leitende Stellung. Demnach ist auf die
Sachverhaltsrüge mangels Entscheiderheblichkeit nicht einzutreten.

2.4 Zur allgemeinen Entscheidkompetenz hinsichtlich der beiden Gesellschaften
hielt die Vorinstanz fest, der Beschwerdegegner habe lediglich über
Kollektivprokura für die B.________ AG verfügt, woraus sich ergibt, dass er für
die Beschwerdeführerin selbst nicht zeichnungsberechtigt war. Formeller
Geschäftsführer der beiden Gesellschaften war nach der insoweit unbestrittenen
Darstellung im angefochtenen Urteil der einzelzeichnungsberechtigte Delegierte
des Verwaltungsrats, D.________. Die Vorinstanz stellte fest, dieser sei in dem
beiden Firmen übergeordneten Lenkungsteam entscheidkompetent gewesen. Er habe
die Sitzungen einberufen und die Traktanden sowie die Gesprächsthemen
festgesetzt. Der Beschwerdegegner als Abteilungsleiter habe die Rechnungen zwar
visieren, diese daraufhin aber der Beschwerdeführerin nach E.________ senden
müssen, wo sie von D.________ genehmigt und bezahlt worden seien. Das Budget
sei vom Lenkungsteam erstellt worden. Der Beschwerdegegner habe es lediglich zu
erarbeiten und dem Lenkungsteam zu unterbreiten gehabt. In diesem Zusammenhang
schloss die Vorinstanz aus im Einzelnen wiedergegebenen Aussagen des
Beschwerdegegners und D.________, dieser habe "unbestrittenermassen das Sagen"
gehabt.
2.4.1 Unter Hinweis auf die Abläufe der Lenkungsteamsitzungen, an denen der
Beschwerdegegner als Mitglied des Lenkungsteams teilgenommen haben soll, sucht
die Beschwerdeführerin diese Feststellung als willkürlich auszugeben mit der
Begründung, die Vorinstanz habe die Aussage D.________ "ich hatte den
Stichentscheid" im Sinne dessen alleiniger Entscheidkompetenz aufgefasst statt
lediglich als Ausdruck eines allgemein üblichen Organisationsablaufs bei
Stimmengleichheit.
2.4.2 Eine offensichtlich unrichtige Sachverhaltsfeststellung vermag die
Beschwerdeführerin damit nicht aufzuzeigen. Aus dem angefochtenen Urteil geht
nicht hervor, wie sich das Lenkungsteam zusammensetzte. Insoweit geht die
Beschwerdeführerin ohne hinreichende Begründung über die tatsächlichen
Feststellungen im angefochtenen Entscheid hinaus (vgl. E. 2.2 hiervor).
Bezüglich der Entscheidabläufe im Lenkungsteam stellte die Vorinstanz zudem
nicht allein auf die Aussage betreffend den Stichentscheid ab, so dass von
Willkür keine Rede sein kann.

2.5 Im Weiteren rügt die Beschwerdeführerin, die Vorinstanz habe bei der
rechtlichen Beurteilung der Frage, ob der Beschwerdegegner eine höhere leitende
Tätigkeit ausgeübt habe, wichtige Elemente ignoriert. Indem die
Beschwerdeführerin dabei den Sachverhalt beliebig durch Sachumstände ergänzt,
ohne unter Aktenhinweis darzulegen, dass sie sich im kantonalen Verfahren
prozesskonform darauf berufen hat und zu Unrecht damit nicht gehört wurde,
verkennt sie wiederum weitgehend die Anforderungen an die Begründung von
Anträgen auf Sachverhaltsergänzung (vgl. E. 2.2 hiervor). Insoweit ist die
Beschwerdeführerin nicht zu hören. Im Übrigen ist nicht nachvollziehbar,
inwiefern die technischen Kenntnisse, über welche der Beschwerdegegner als
eidgenössisch diplomierter Elektroinstallateur verfügte und die ihn zum
Bereichsleiter befähigten, diesem auch Entscheidungsmacht über die strategische
Ausrichtung der Beschwerdeführerin und deren langfristige Marktpositionierung
verliehen hätten.

2.6 Was die Personalrekrutierung anbelangt, erwog die Vorinstanz, der
Beschwerdegegner habe zwar die Vorstellungsgespräche mit den Kandidaten geführt
und Anstellungsvorschläge unterbreitet. Über die Anstellung und die Festsetzung
des Lohnes habe jedoch D.________ entschieden. Nach Genehmigung der
Anstellungsvorschläge durch diesen habe der Beschwerdegegner alsdann die
Anstellungsverträge der ihm unterstellten Mitarbeiter unterzeichnet.
2.6.1 Die Beschwerdeführerin wendet ein, die Vorinstanz habe ausgeblendet, dass
der Beschwerdegegner umfassende Kompetenzen bei der Personalführung und
Weisungsbefugnisse gegenüber den bis zu 27 Arbeitnehmenden seines
Tätigkeitsbereichs gehabt habe. Zudem entnimmt die Beschwerdeführerin einer
protokollierten Aussage des Beschwerdegegners, dieser sei berechtigt gewesen,
ohne Rücksprache mit dem Verwaltungsratsdelegierten Kündigungen auszusprechen.
Die Beschwerdeführerin hebt im Weitern die Freiheit des Beschwerdegegners bei
der Abwicklung der einzelnen in seinem Verantwortungsbereich liegenden
Geschäfte hervor sowie die damit verbundene Weisungsbefugnis und die Kompetenz
zum dafür notwendigen Materialeinkauf, und sie betont, der Beschwerdegegner
habe durch seine Tätigkeit das Geschäftsergebnis beeinflusst.
2.6.2 Dass der Beschwerdegegner zur Abwicklung des sogenannten Tagesgeschäfts
einschliesslich Weisungsbefugnis und Materialeinkauf umfassend zuständig war,
erkannte auch die Vorinstanz. Dass der Beschwerdegegner bei guter Arbeit gute
Ergebnisse zu erzielen und dadurch die Geschicke der Beschwerdeführerin zu
beeinflussen vermochte, liegt auf der Hand. Entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführerin ist indes aus dem Umstand, dass der Beschwerdegegner durch
seine Tätigkeit den Umsatz mitbeeinflussen konnte, nicht auf eine höhere
leitende Tätigkeit zu schliessen. Andernfalls wäre jeder Verkäufer ohne
Weiteres als höherer leitender Angestellter einzustufen. Die Beeinflussung des
Geschäftsergebnisses ist indessen nicht gleichzusetzen mit der Bestimmung der
Geschäftspolitik zur strategischen Positionierung der Gesellschaft auf dem
Markt. Insoweit gehen die Ausführungen der Beschwerdeführerin, soweit sie
überhaupt zulässig sind, an der Sache vorbei.

2.7 Nach dem insoweit unbestrittenen Urteil der Vorinstanz bezog der
Beschwerdegegner in der massgeblichen Zeitspanne einen Lohn von Fr. 6'000.--
bis 6'500.-- brutto zuzüglich einer Erfolgsprämie nach einer von der
Beschwerdeführerin bestimmten Regelung, ab 1. Januar 2003 zuzüglich Fixspesen
von Fr. 500.-- und einer Provision von 0.2 % des Umsatzes. Dass die Höhe der
Lohnbezüge als solche eine leitende Stellung indiziert, macht die
Beschwerdeführerin nicht geltend. Sie ist aber der Auffassung, direkt vom
Umsatz abhängige Erfolgsprämien würden insbesondere gewählt, sofern der
Mitarbeiter den Umsatz mitbeeinflussen könne. Wenn die Vorinstanz dies nicht
als hinreichendes Indiz für eine höhere leitende Tätigkeit betrachtete, ist ihr
keine Bundesrechtsverletzung vorzuwerfen (E. 2.6.2 hiervor).

3.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Gesamtwürdigung der Vorinstanz
vor Bundesrecht standhält, wonach der Beschwerdegegner als Teilbereichsleiter
zwar eine sehr wichtige, teilweise mit Entscheidkompetenz versehene und
verantwortungsvolle Stelle inne hatte, dass ihm aber die für eine oberste
Entscheidungsebene nötigen Entscheidbefugnisse fehlten, weshalb die Ausnahme
vom persönlichen Geltungsbereich des Arbeitsgesetzes gemäss Art. 3 lit. d. ArG
auf ihn nicht zutrifft.

4.
4.1 Die Vorinstanz ging davon aus, der Beschwerdegegner habe sowohl die Anzahl
der geleisteten Überstunden als auch deren Anordnung bzw. betriebliche
Notwendigkeit nachgewiesen. Gestützt darauf hat die Vorinstanz die geleistete
Überzeit berechnet. Zu dem im kantonalen Verfahren vorgetragenen Einwand, der
Beschwerdegegner habe einen Teil der geltend gemachten Überzeit für seine
Weiterbildung/Schulung verwendet, hielt die Vorinstanz auf Grund von Aussagen
auch von D.________ fest, Weiterbildung/Schulung habe als Arbeitszeit gegolten,
nicht aber das eigentliche Lernen des Schulstoffes ausserhalb der Schule. Die
Vorinstanz stellte alsdann auf eine Präzisierung des Beschwerdegegners ab,
wonach er keine derartigen Lernzeiten in Rechnung gestellt habe.

4.2 Die Beschwerdeführerin stellt die Richtigkeit der vorinstanzlichen
Beweiswürdigung in Abrede und unterbreitet dem Bundesgericht mit Bezug auf den
Nachweis der geleisteten Überzeit sowie der dafür geschuldeten Entschädigung
weitgehend ihre eigene Sicht der Dinge, wobei sie den von der Vorinstanz
festgestellten Sachverhalt unter Aktenhinweisen beliebig erweitert.
Insbesondere macht sie geltend, der Beschwerdegegner habe entgegen der Meinung
der Vorinstanz auch Entschädigung für die vertraglich wegbedungenen Überstunden
verlangt. Sie zeigt aber nicht rechtsgenügend mit Aktenhinweisen auf, dass sie
entgegen der Annahme der Vorinstanz die Berechnungen in der Eingabe des
Beschwerdegegners substanziiert bestritten hätte. Soweit die Beschwerdeführerin
vorträgt, die Vorinstanz habe sich mit der Frage der Anwendbarkeit des
Gesamtarbeitsvertrages nicht auseinandergesetzt, legt sie nicht hinreichend
dar, inwiefern sich die Nichtanwendung des Gesamtarbeitsvertrages auf die
Überzeit- oder Entschädigungsberechnung ausgewirkt haben soll. Auch insoweit
verfehlt sie die Begründungsanforderungen. Auf ihre weitgehend appellatorische
Kritik am angefochtenen Urteil ist nicht einzutreten.

5.
5.1 Als Verletzung ihres Gehörsanspruchs rügt die Beschwerdeführerin, dass die
Vorinstanz auf ihren in der Klageantwort geltend gemachten Einwand nicht
eingegangen sei, wonach der Beschwerdegegner eine allenfalls berechtigte
Forderung auf Entschädigung der Überzeit durch sein rechtsmissbräuchliches
Verhalten verwirkt habe. Dieses Verhalten erblickt sie darin, dass der
Beschwerdegegner während der Dauer des Arbeitsverhältnisses die Abgeltung der
Überstunden und der Überzeit nie geltend gemacht oder auch nur angesprochen
habe. Sie ist der Auffassung, spätestens im Zeitpunkt der
Kaufvertragsverhandlungen wäre der Beschwerdegegner nach Treu und Glauben
gehalten gewesen, seine Ansprüche einzubringen, zumal Überstunden der von den
Käufern übernommenen Arbeitnehmer bei den Vertragsverhandlungen thematisiert
worden seien und die B.________ AG sich verpflichtet habe, die Überzeitguthaben
der Arbeitnehmer abzurechnen und auszubezahlen. In der entsprechenden Beilage
seien sämtliche Überzeitguthaben aufgeführt gewesen. Dem Beschwerdegegner habe
gemäss Kaufvertrag keine Überzeitentschädigung zugestanden, und er habe für
sich auch keine solche verlangt. Dem Beschwerdegegner sei bewusst gewesen, dass
er und seine Partner den Geschäftsbetrieb zu einem günstigen Preis hätten
übernehmen können, obwohl es Kaufinteressenten gegeben habe, die für den
Geschäftsbereich "B.________" einen höheren Preis bezahlt hätten. Spätestens in
diesem Zeitpunkt habe die Beschwerdeführerin davon ausgehen dürfen, dass der
Beschwerdegegner keine Überzeit habe bzw. sie nicht geltend mache.

5.2 Die Beschwerdeführerin behauptet selbst nicht, dass ihre
Sachverhaltsdarstellung, welche ein rechtsmissbräuchliches Verhalten darstellen
soll, unbestritten geblieben ist, sondern sie beruft sich in der Beschwerde zum
Beweis ihrer Sachvorbringen verschiedentlich auf den Kaufvertrag. Mithin geht
sie selbst davon aus, dass die Beurteilung ihrer Verwirkungseinrede durch die
Vorinstanz eine Sachverhaltsergänzung mit Beweiserhebungen erfordert hätte.
Eine solche hat sie jedoch nicht verlangt und namentlich keine weiteren
Beweisanträge gestellt, obwohl ihr vor Obergericht dazu explizit die
Gelegenheit geboten wurde, wie aus dem angefochtenen Urteil hervorgeht. Die
Beschwerdeführerin zeigt auch nicht auf, inwiefern die Vorinstanz ohne
spezifischen Antrag auf Sachverhaltsergänzung gehalten gewesen sein soll, eine
solche vorzunehmen. Ein Verstoss gegen Art. 29 Abs. 2 BV ist somit nicht
dargetan. Im Übrigen reicht unter den gegebenen Umständen das Zuwarten mit der
Geltendmachung zwingend vorgeschriebener Ansprüche für deren Verwirkung nicht
aus. Aus dem blossen Abschluss des Kaufvertrages durfte die Beschwerdeführerin
nicht in guten Treuen schliessen, der Beschwerdegegner werde auf die
Geltendmachung der Überzeitentschädigung verzichten. Sollte die
Beschwerdeführerin bei Abschluss des Kaufvertrages angenommen haben, sie habe
keine weiteren Forderungen zu gewärtigen, wäre davon allenfalls die Gültigkeit
des Kaufvertrages betroffen. Diese steht vorliegend jedoch nicht zur Debatte.

6.
Ohne darzulegen, dass sie bereits im kantonale Verfahren den Zinsenlauf gemäss
Rechtsbegehren des Beschwerdegegners bestritten hätte, bringt die
Beschwerdeführerin vor Bundesgericht vor, soweit dem Beschwerdegegner ein
Betrag zuzusprechen sei, wäre dieser frühestens ab dem 10. Juli 2006 zu
verzinsen, da vorher keine Mahnung erfolgt sei. Weshalb die Vorinstanz die
Frage des Zinsenlaufs überhaupt hätte prüfen müssen, legt die
Beschwerdeführerin nicht dar. Auch insoweit ist auf die Beschwerde nicht
einzutreten.

7.
Insgesamt erweist sich die Beschwerde als unbegründet, soweit darauf überhaupt
eingetreten werden kann. Bei diesem Verfahrensausgang wird die
Beschwerdeführerin kosten- und entschädigungspflichtig.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 5'500.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Die Beschwerdeführerin hat den Beschwerdegegner für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 6'500.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Solothurn,
Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 23. August 2010

Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Klett Luczak