Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 4A.37/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
4A_37/2010

Urteil vom 13. April 2010
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Bundesrichterinnen Rottenberg Liatowitsch, Kiss,
Gerichtsschreiberin Sommer.

Verfahrensbeteiligte
A-Z.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Beat Rieder,
Beschwerdeführerin,

gegen

X.________ AG,
vertreten durch Advokat Dr. Richard Steiner,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Arbeitsvertrag; fristlose Entlassung,

Beschwerde gegen das Urteil des Kantonsgerichts
des Kantons Wallis, I. zivilrechtliche Abteilung,
vom 27. November 2009.
Sachverhalt:

A.
A-Z.________ (Beschwerdeführerin) trat am 17. Mai 2004 bei der X.________ AG
(Beschwerdegegnerin) eine 80 % Stelle als Redaktorin für die Zeitschrift
Y.________ an. Sie war in dieser Funktion unter anderem für Werbeaufträge und
für sogenannte Publireportagen zuständig. Das Gehalt betrug gemäss
Einzelarbeitsvertrag vom 30. August 2005 monatlich Fr. 4'320.-- brutto. Zudem
hatte die Beschwerdeführerin Anspruch auf einen 13. Monatslohn.
Gemäss Sachdarstellung der Beschwerdegegnerin musste die Geschäftsleitung
verschiedentlich feststellen, dass die Beschwerdeführerin durch fehlende
Kooperationsbereitschaft auffiel, Aufträge zurückwies und den Vorgesetzten und
Mitarbeitern mangelnden Respekt entgegenbrachte. Am 10. April 2006 lud
B.________, Mitglied der Geschäftsleitung und für die betriebswirtschaftliche
Seite der Verlagsmedien der Beschwerdegegnerin zuständig, die
Beschwerdeführerin in sein Büro. An dieser Sitzung nahmen auch N.X.________,
Geschäftsführer der Beschwerdegegnerin, und C.________, direkte Vorgesetzte der
Beschwerdeführerin, teil. Grund dieser Sitzung war gemäss Aussage von
B.________ ein Vorfall vom 4. April 2006, bei dem die Beschwerdeführerin ihm
gegenüber die Arbeit verweigert habe. Die Beschwerdeführerin räumte ein, dass
ihr B.________ am 4. April 2006 tatsächlich weitere Aufträge für
Publireportagen habe übertragen wollen. Sie habe diese aber wegen des damals
bestehenden Arbeitsanfalls nicht übernehmen können.
Nach Darstellung der Beschwerdeführerin soll ihr an dieser Sitzung - nachdem
B.________ den Vorfall vom 4. April 2006 thematisiert habe - von diesem
eröffnet worden sein, dass sie ihre "Sachen zusammenpacken und verreisen
solle". Sie sei daraufhin in ihr Büro gegangen, wo sie auf die Herren
D.________ und E.________ getroffen sei. Sie habe die beiden über die ihr
gegenüber ausgesprochene fristlose Kündigung orientiert. In der Befragung vor
dem Arbeitsgericht antwortete die Beschwerdeführerin auf die Frage, ob
arbeitgeberseits wirklich von einer fristlosen Vertragsauflösung die Rede
gewesen sei, sie kenne den genauen Wortlaut nicht mehr.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ersuchte die Beschwerdegegnerin mit
E-Mail vom 11. April 2006, den Grund für die Kündigung und die sofortige
Freistellung bekannt zu geben. Ausserdem wurde die Beschwerdegegnerin darauf
aufmerksam gemacht, dass die Beschwerdeführerin schwanger und "die Kündigung
auch aus diesem Grund nichtig" sei.
Mit Poststempel vom 12. April 2006 sandte die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin eine auf den 10. April 2006 datierte schriftliche
Verwarnung, in der unter anderem festgehalten wurde, dass die
Beschwerdeführerin aufgrund "fehlender Kooperationsbereitschaft, mangelnder
Einsicht und fehlender Akzeptanz" vorübergehend aus dem Team des Y.________
freigestellt werde. Die Woche vom 10. bis 14. April solle ihr dazu dienen, sich
über ihr Verhalten im Betrieb klar zu werden. Die bereits geplanten Ferien in
der Osterwoche dürfe sie beziehen. Man erwarte sie am Montag, den 24. April
2006, um 7.30 Uhr, an der O.________strasse 2 in P.________ zur Definition
ihrer neuen Aufgaben. Am 18. April 2006 erschien im Intranet der
Beschwerdegegnerin unter dem Titel "Verwarnung an A-Z.________" eine im Inhalt
mit dem Schreiben vom 12. April 2006 gleichlautende Meldung.
Die Beschwerdeführerin teilte der Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 13.
April 2006 mit, dass das Vorgehen der Beschwerdegegnerin vom 10. April 2006 ihr
als Arbeitnehmerin gegenüber unverständlich und unakzeptabel sei und de facto
einer fristlosen Kündigung gleichkäme, die nun seitens der Arbeitgeberin - in
Kenntnis der Schwangerschaft - in eine Verwarnung umgewandelt worden sei. Dies
akzeptiere sie so nicht.
Die Beschwerdegegnerin wiederholte in ihrem Schreiben vom 20. April 2006 ihren
Standpunkt, wonach zu keinem Zeitpunkt die Absicht bestanden habe, der
Beschwerdeführerin eine fristlose Kündigung auszusprechen. Sie sei jedoch per
sofort freigestellt worden und man erwarte sie am 24. April, 7.30 Uhr, zur
Arbeitsaufnahme zurück.
Der neue Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin reagierte mit Schreiben vom 21.
April 2006 und hielt fest, seine Mandantin habe in Anwesenheit des gesamten
Personals in demütigender Art und Weise ihren Arbeitsplatz räumen und die
Schlüssel abgeben müssen. Dies obwohl weder anlässlich der Freistellung noch in
den bisherigen Schreiben vom 10. und 20. April 2006 die Gründe für die
Freistellung hätten angegeben werden können. Das Vertrauensverhältnis sei
irreversibel zerstört und eine Wiederaufnahme der Arbeit nicht mehr zumutbar.
Die Beschwerdegegnerin nahm mit Schreiben vom 26. April 2006 zur Kenntnis, dass
die Beschwerdeführerin momentan krank geschrieben sei, und erklärte, sie werde
nach ihrer Genesung am Arbeitsplatz zurückerwartet.
Gemäss Arztzeugnis vom 20. April 2006 von Dr. med. F.________ war die
Beschwerdeführerin vom 20. bis und mit 28. April 2006 unverschuldet an der
Arbeitsleistung verhindert. Sie nahm nach dem 28. April 2008 die Arbeit bei der
Beschwerdegegnerin nicht wieder auf. Die Beschwerdegegnerin bezahlte ihr den
Lohn bis Ende Juni 2006.

B.
Die Beschwerdeführerin klagte am 29. September 2006 beim Arbeitsgericht des
Kantons Wallis. Sie verlangte von der Beschwerdegegnerin eine Entschädigung
wegen fristloser Entlassung von Fr. 25'139.--, ferner Fr. 2'160.-- als Anteil
des 13. Monatslohns resp. der Gratifikation sowie Fr. 2'700.-- als Ferienlohn.
Die Arbeitslosenkasse V.________ hinterlegte eine Subrogationsklage und meldete
Fr. 11'099.75 (an die Beschwerdeführerin ausbezahlte Taggelder) zur Verrechnung
an. Die Beschwerdeführerin präzisierte ihr Begehren dahingehend, dass die
Beschwerdegegnerin zu verpflichten sei, ihr Fr. 29'999.-- nebst Zins zu 5 %
seit dem 1. Juli 2006 zu bezahlen. Am 21. Februar 2008 wies das Arbeitsgericht
die Klagen der Beschwerdeführerin und der V.________ ab.
Die Beschwerdeführerin erhob Berufung an das Kantonsgericht des Kantons Wallis
und beantragte die Gutheissung der Klage. Mit Urteil vom 27. November 2009 wies
das Kantonsgericht die Berufung und die Klage ab. Wie schon das Arbeitsgericht
erkannte auch das Kantonsgericht, dass die Beschwerdeführerin eine fristlose
Kündigung durch die Beschwerdegegnerin nicht habe beweisen können. Vielmehr sei
davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Sitzung vom 10.
April 2006 vorübergehend freigestellt worden sei und nach Ablauf der im
Arztzeugnis festgehaltenen Arbeitsunfähigkeit ab dem 29. April 2006 wieder
hätte zur Arbeit erscheinen müssen. In ihrem Schreiben vom 21. April 2006 habe
sie jedoch unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass sie nicht mehr an den
Arbeitsplatz zurückkehren wolle. Mit dieser klaren Willensäusserung habe sie
das Arbeitsverhältnis faktisch und rechtlich beendet. Nachdem sie ihre
Arbeitskraft nicht länger angeboten habe, habe sie sämtliche Lohnansprüche über
den 29. April 2006 hinaus verloren. Mit der Bezahlung des Lohns bis zum 30.
Juni 2006 sei die Beschwerdegegnerin ihren Verpflichtungen vollumfänglich
nachgekommen.

C.
Die Beschwerdeführerin beantragt mit Beschwerde in Zivilsachen, das Urteil des
Kantonsgerichts vom 27. November 2009 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu
verpflichten, ihr den Betrag von Fr. 29'999.-- nebst Zins zu 5 % seit dem 1.
Juli 2006 zu bezahlen. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen.
Die Beschwerdegegnerin beantragt die Abweisung der Beschwerde und die
Bestätigung des angefochtenen Urteils. Die Vorinstanz verzichtete auf eine
Vernehmlassung.

Erwägungen:

1.
Das angefochtene Urteil des Kantonsgerichts ist ein verfahrensabschliessender
Endentscheid (Art. 90 BGG) einer letzten kantonalen Instanz (Art. 75 Abs. 1
BGG). Der Streitwert von Fr. 29'999.-- übersteigt die Grenze nach Art. 74 Abs.
1 lit. a BGG. Da die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen ebenfalls erfüllt sind,
ist unter Vorbehalt einer rechtsgenüglichen Begründung (Art. 42 Abs. 2 und Art.
106 Abs. 2 BGG) auf die Beschwerde einzutreten.

2.
Mit Beschwerde in Zivilsachen können Rechtsverletzungen gemäss Art. 95 und 96
BGG gerügt werden. Die Beschwerde ist hinreichend zu begründen, andernfalls
wird darauf nicht eingetreten. In der Beschwerdeschrift ist in gedrängter Form
darzulegen, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt (Art. 42 Abs. 2 BGG).
Die Verletzung von Grundrechten und von kantonalem und interkantonalem Recht
kann das Bundesgericht nur insofern prüfen, als eine solche Rüge in der
Beschwerde präzise vorgebracht und begründet worden ist (Art. 106 Abs. 2 BGG;
BGE 134 II 244 E. 2.2; 133 III 439 E. 3.2). Macht der Beschwerdeführer eine
Verletzung des Willkürverbots von Art. 9 BV geltend, genügt es nicht, wenn er
einfach behauptet, der angefochtene Entscheid sei willkürlich; er hat vielmehr
im Einzelnen aufzuzeigen, inwiefern dieser offensichtlich unhaltbar ist (BGE
134 II 349 E. 3 S. 352). Auf rein appellatorische Kritik am angefochtenen
Entscheid tritt das Bundesgericht nicht ein (BGE 135 I 313 E. 1.3; 133 II 396
E. 3.1 S. 399).
Die vorliegende Beschwerde vermag diesen Begründungsanforderungen in weiten
Teilen nicht zu genügen, wie in den nachstehenden Erwägungen aufgezeigt wird.

3.
Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die
Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Die Feststellung des
Sachverhalts kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder
auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und wenn die
Behebung des Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann
(Art. 97 Abs. 1 BGG). "Offensichtlich unrichtig" bedeutet dabei "willkürlich"
(BGE 135 III 397 E. 1.5).
Der Beschwerdeführer, der die Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz
anfechten will, kann sich nicht damit begnügen, den bestrittenen Feststellungen
eigene tatsächliche Behauptungen gegenüberzustellen oder darzulegen, wie die
Beweise seiner Ansicht nach zu würdigen gewesen wären. Vielmehr hat er klar und
substantiiert aufzuzeigen, inwiefern die gerügten Feststellungen bzw. die
Unterlassung von Feststellungen offensichtlich unrichtig sind oder auf einer
Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruhen. Soweit der Beschwerdeführer
den Sachverhalt ergänzen will, hat er zudem mit Aktenhinweisen darzulegen, dass
er entsprechende rechtsrelevante Tatsachen und taugliche Beweismittel bereits
bei den Vorinstanzen prozesskonform eingebracht hat (Urteile 4A_214/2008 vom 9.
Juli 2008 E. 1.2, nicht publ. in: BGE 134 III 570; 4A_470/2009 vom 18. Februar
2010 E. 1.2). Auf eine Kritik an den tatsächlichen Feststellungen der
Vorinstanz, die diesen Anforderungen nicht genügt, ist nicht einzutreten (BGE
133 II 249 E. 1.4.3).
Die Beschwerdeführerin verkennt diese Grundsätze über weite Strecken. Auf ihre
eigene Darstellung des Sachverhalts in der Beschwerde kann nicht abgestellt
werden, ebenso wenig auf die zahlreichen tatsächlichen Ausführungen in der
rechtlichen Begründung der Beschwerde, soweit diese im angefochtenen Urteil
keine Stütze finden und keine rechtsgenügliche Sachverhaltsrüge erhoben wird.

4.
Die Vorinstanz kam in Würdigung der Beweise zum Schluss, dass die
Beschwerdeführerin das Vorliegen einer fristlosen Kündigung nicht nachgewiesen
habe.
Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz habe Art. 8 ZGB verletzt, indem sie
ihr die Beweislast einseitig auferlegt habe. Zudem habe die Vorinstanz viel zu
hohe Anforderungen an das Beweismass gestellt und damit die Grundsätze des
Regelbeweismasses verletzt.

4.1 Nach Art. 8 ZGB hat, wo es das Gesetz nicht anders bestimmt, jene Partei
das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, die aus ihr Rechte
ableitet. Die Rüge einer falschen Beweislastverteilung geht daher fehl.
Entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin muss nicht die Beschwerdegegnerin
beweisen, dass sie nicht fristlos gekündigt hat. Da die Beschwerdeführerin aus
einer (ungerechtfertigten) fristlosen Kündigung Rechte ableiten will, hat sie
das Vorliegen einer fristlosen Kündigung zu beweisen. Dies hat die Vorinstanz
zutreffend erkannt.

4.2 Nach dem bundesrechtlichen Regelbeweismass gilt ein Beweis als erbracht,
wenn das Gericht nach objektiven Gesichtspunkten von der Richtigkeit einer
Sachbehauptung überzeugt ist und ihm allfällige Zweifel als unerheblich
erscheinen. Ausnahmen von diesem Regelbeweismass der vollen Überzeugung ergeben
sich einerseits aus dem Gesetz und sind anderseits durch Rechtsprechung und
Lehre herausgearbeitet worden. Danach wird insbesondere eine überwiegende
Wahrscheinlichkeit als ausreichend betrachtet, wo ein strikter Beweis nicht nur
im Einzelfall, sondern der Natur der Sache nach nicht möglich oder nicht
zumutbar ist und insofern eine "Beweisnot" besteht (BGE 133 III 153 E. 3.3 S.
162; 132 III 715 E. 3.1 S. 719 f.; 130 III 321 E. 3.2 S. 324; 128 III 271 E. 2b
/aa S. 275).
Für den Nachweis von Tatsachen und Umständen, aus denen auf eine fristlose
Entlassung geschlossen werden kann, ergibt sich weder aus dem Gesetz eine
Ausnahme noch besteht nach Massgabe der vorstehend wiedergegebenen
Rechtsprechung Veranlassung, vom Regelbeweismass im Sinne einer
Beweiserleichterung abzugehen. So lässt sich nicht sagen, dass ein strikter
Nachweis einer fristlosen Kündigung der Natur der Sache nach generell nicht
möglich oder zumutbar wäre. Dies gilt auch, wenn - wie vorliegend - eine
mündlich ausgesprochene fristlose Kündigung nachgewiesen werden soll. Die
Beschwerdeführerin vermag die von ihr behauptete Beweisnot nicht darzutun. Sie
kritisiert mit ihren Ausführungen vielmehr die vorinstanzliche Würdigung der in
den Akten liegenden Umstände und Beweise. Wenn die Vorinstanz - anders als die
Beschwerdeführerin dies möchte - nicht folgern konnte, der Beweis für eine
fristlose Kündigung sei erbracht, so verletzte sie damit nicht die Grundsätze
zum bundesrechtlichen Regelbeweismass.
Diese Grundsätze werden auch nicht durch die vorinstanzliche Erwägung verletzt,
wonach das Vorliegen einer fristlosen Kündigung nicht leichthin angenommen und
insbesondere nicht jedes Wegweisen vom Arbeitsplatz nach einer
Auseinandersetzung als fristlose Kündigung gewertet werden dürfe. Damit brachte
die Vorinstanz lediglich zutreffend zum Ausdruck, dass der Umstand, wonach die
Beschwerdeführerin nach der Sitzung vom 10. April 2006 vom Arbeitsplatz
gewiesen wurde, für sich allein nicht genügt, um auf eine fristlose Kündigung
zu schliessen. In der Tat muss der Ausspruch einer Kündigung als fristlos
unmissverständlich sein. Die Aufforderung, den Arbeitsplatz sofort zu räumen,
kann auch als Freistellung und ordentliche Kündigung verstanden werden
(Wolfgang Portmann, in: Basler Kommentar, Obligationenrecht, 4. Aufl. 2007, N.
15 zu Art. 337 OR; Streiff/von Kaenel, Arbeitsvertrag, 6. Aufl. 2006, N. 18 zu
Art. 337 OR; vgl. auch Manfred Rehbinder, in: Berner Kommentar, 1992, N. 6 zu
Art. 335 OR, nach dem im Verweis von der Arbeitsstelle im Zweifel keine
Kündigung liegt). Die Vorinstanz ging korrekt vor, indem sie die weiteren
Umstände und Beweise würdigte und nicht bloss aus dem Wegweisen vom
Arbeitsplatz auf eine fristlose Kündigung schloss. Damit stellte sie keine zu
hohen Anforderungen an das Beweismass. Die Rüge der Verletzung von Art. 8 ZGB
ist unbegründet.

5.
Weiter rügt die Beschwerdeführerin eine willkürliche Sachverhaltsfeststellung.
Die Vorinstanz habe die Beweise willkürlich gewürdigt.

5.1 Dem Sachgericht steht im Bereich der Beweiswürdigung ein erheblicher
Ermessensspielraum zu (BGE 120 Ia 31 E. 4b S. 40). Das Bundesgericht greift auf
Beschwerde hin nur ein, wenn das Sachgericht sein Ermessen missbraucht,
insbesondere offensichtlich unhaltbare Schlüsse zieht, erhebliche Beweise
übersieht oder solche willkürlich ausser Acht lässt (vgl. BGE 132 III 209 E.
2.1; 129 I 8 E. 2.1; 120 Ia 31 E. 4b S. 40). Inwiefern das kantonale Gericht
sein Ermessen im dargelegten Sinn missbraucht haben soll, ist in der Beschwerde
klar und detailliert aufzuzeigen (BGE 130 I 258 E. 1.3). Namentlich genügt es
nicht, einzelne Beweise anzuführen, die anders als im angefochtenen Entscheid
gewichtet werden sollen, und dem Bundesgericht in appellatorischer Kritik die
eigene Auffassung zu unterbreiten, als ob diesem die freie Prüfung aller Tat-
und Rechtsfragen zukäme (vgl. BGE 116 Ia 85 E. 2b).

5.2 Diese Begründungsanforderungen missachtet die Beschwerdeführerin
grösstenteils. Sie unterbreitet dem Bundesgericht weitgehend blosse
appellatorische Kritik unter freier Ergänzung des vorinstanzlich festgestellten
Sachverhalts, ohne rechtsgenüglich aufzuzeigen, inwiefern die Unterlassung von
Feststellungen offensichtlich unrichtig wäre. Sie wirft der Vorinstanz vor,
"die beigebrachten objektiven Beweisindizien im unmittelbaren Nachgang zur
Sitzung überhaupt nicht oder nur sehr knapp thematisiert" zu haben und
insbesondere den "Sachverhalt" der sich widersprechenden Schreiben vom 10.
April 2006 und vom 25. April 2006 "nicht mit einem Wort thematisiert" zu haben.
Sie legt aber nicht mit Aktenhinweisen dar, dass sie Behauptungen zu dieser
Thematik bereits bei den Vorinstanzen prozesskonform eingebracht hätte. Auf die
weitgehend appellatorischen Vorbringen der Beschwerdeführerin in diesem
Zusammenhang kann nicht eingegangen werden (Erwägungen 2 und 3).
Soweit wenigstens ansatzweise hinlänglich begründete Willkürrügen betreffend
die Beweiswürdigung auszumachen sind, ist dazu Folgendes auszuführen:
5.2.1 Nicht zutreffend ist der Vorhalt, die Vorinstanz habe mit keinem Wort
erwähnt, welche Bedeutung die Räumung des Arbeitsplatzes und die
Schlüsselabgabe habe.
Die Vorinstanz hielt diesbezüglich fest, dass das Vorliegen einer fristlosen
Kündigung nicht leichthin angenommen und insbesondere nicht jedes Wegweisen vom
Arbeitsplatz nach einer Auseinandersetzung als fristlose Kündigung aufgefasst
werden dürfe. Aus vorstehender Erwägung 4.2 ergibt sich, dass diese Auffassung
nicht zu beanstanden und insbesondere nicht willkürlich ist. Zudem ist im
angefochtenen Urteil nicht festgestellt, dass die Beschwerdegegnerin die Abgabe
"aller" Schlüssel verlangt habe. Gemäss der Aktenstelle (act. 235), auf welche
die Beschwerdeführerin verweist, gestand B.________ lediglich zu, dass er von
der Beschwerdeführerin "die Schlüssel" verlangt habe. Soweit sie an ihrem neuen
Arbeitsplatz gearbeitet hätte, hätte sie diese Schlüssel ohnehin nicht
benötigt. Bei dieser Beweislage ist es nicht willkürlich, dass sich die
Vorinstanz lediglich zum Wegweisen vom Arbeitsplatz äusserte.
5.2.2 Sodann wirft die Beschwerdeführerin der Vorinstanz Willkür bei der
Würdigung der Zeugenaussagen zum Sachverhalt betreffend den unmittelbaren
Nachgang zur Sitzung vor. Die Vorinstanz zitiere die entsprechenden
Zeugenaussagen falsch und interpretiere einzelne Zeugenaussagen in völlig
falscher Art und Weise sowie im Widerspruch zu den übrigen Zeugenaussagen.
Die Vorinstanz erwog diesbezüglich, die Zeugen D.________ und E.________,
welche die Beschwerdeführerin unmittelbar nach der Sitzung getroffen und über
die ausgesprochene Kündigung orientiert habe, hätten nicht persönlich
mitbekommen, dass B.________ angeblich eine fristlose Kündigung ausgesprochen
haben soll. D.________ habe die Erklärung der Beschwerdeführerin ihm gegenüber,
sie sei soeben fristlos entlassen worden, eher "als einen Witz" erachtet. Die
Vorinstanz führte mit Verweis auf Seite 217 der Akten weiter aus, E.________
habe gemäss seinen Aussagen gestützt auf das nachträgliche Verhalten von
B.________ nicht auf eine fristlose Kündigung schliessen können.
Die Beschwerdeführerin bemerkt an sich zutreffend, dass auf Seite 217 der Akten
keine Aussage von E.________ protokolliert ist, wonach dieser gestützt auf das
nachträgliche Verhalten von B.________ nicht auf eine fristlose Kündigung habe
schliessen können. Andererseits ergibt sich aus seinen dort protokollierten
Aussagen auch nicht das Gegenteil, dass er gestützt auf das nachträgliche
Verhalten von B.________ auf eine fristlose Kündigung geschlossen habe. Was den
Zeugen D.________ angeht, so versteht die Beschwerdeführerin dessen Aussage, er
habe eine fristlose Kündigung eher als Witz betrachtet, im Sinne, dass er in
der Walliser Umgangssprache habe zum Ausdruck bringen wollen, die fristlose
Kündigung sei völlig ungerechtfertigt und absurd. Demgegenüber interpretierte
die Vorinstanz diese Aussage dahingehend, dass der Zeuge die Eröffnung der
Beschwerdeführerin, sie sei soeben fristlos entlassen worden, nicht ernst
genommen und eher als Witz betrachtet habe. Diese Interpretation ist
naheliegender, jedenfalls nicht willkürlich, zumal sich die Beschwerdeführerin
veranlasst sah zu erwidern, dies (d.h. die Erklärung, sie sei soeben fristlos
entlassen worden) sei wahr. Weiter ist hervorzuheben, dass die Zeugen
D.________ und E.________, wie auch die Zeugen Z.________ und G.________, keine
unmittelbar eigenen Wahrnehmungen zur Sitzung vom 10. April 2006 äussern
konnten, sondern nur indirekt die Angaben und subjektiven Einschätzungen
wiedergaben, die ihnen die Beschwerdeführerin berichtet hatte. Dass die
Vorinstanz solchen Aussagen kein oder kein grosses Gewicht beimass, ist nicht
willkürlich.
5.2.3 Indem die Beschwerdeführerin behauptet, sämtliche zeitnahen Indizien zum
Vorfall vom 10. April 2006 deuteten auf eine fristlose Entlassung hin,
unterbreitet sie dem Bundesgericht lediglich ihre eigene Sicht der Dinge und
ihre Ansicht, wie die Beweise und Indizien zu würdigen wären. Die
diesbezüglichen Ausführungen erschöpfen sich in einer appellatorischen Kritik
am angefochtenen Entscheid, zeigen aber keine willkürliche Beweiswürdigung auf
(vgl. Erwägung 5.1). Namentlich vermag die Beschwerdeführerin die Erwägung der
Vorinstanz nicht als unhaltbar auszuweisen, wonach die Beschwerdeführerin in
ihren Schreiben den Standpunkt, es sei ihr am 10. April 2006 fristlos gekündigt
worden, selber mehrmals relativiert habe. Für das Bundesgericht besteht daher
kein Anlass, in die Beweiswürdigung der Vorinstanz einzugreifen.

5.3 Die Beschwerdeführerin führt schliesslich unter Verweis auf ein ärztliches
Zeugnis von Dr. med. F.________ vom 16. Mai 2006, wonach sie nur in einem nicht
belasteten Arbeitsumfeld mit reduziertem Stress voll arbeitsfähig sei, aus, es
sei ihr schlicht nicht zumutbar gewesen, weiterhin zur Arbeit zu erscheinen.
Diese Behauptung stützt die Beschwerdeführerin wiederum auf Umstände (insb.
Arztzeugnis vom 16. Mai 2006) ab, die im angefochtenen Urteil nicht
festgestellt sind. Entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin hat die
Vorinstanz im Übrigen die Frage der Unzumutbarkeit der Wiederaufnahme der
Arbeit nicht ausgeblendet. Vielmehr erachtete sie die im Zusammenhang mit der
Freistellung vom 10. April 2006 stehenden Ereignisse keineswegs als derart,
dass deswegen die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses für die
Beschwerdeführerin unzumutbar geworden wäre. Inwiefern die Vorinstanz mit
dieser Beurteilung Bundesrecht verletzen würde, wird in der Beschwerde nicht,
jedenfalls nicht rechtsgenüglich, begründet und ist nicht ersichtlich.

6.
Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Bei diesem
Ausgang des Verfahrens wird die Beschwerdeführerin kosten- und
entschädigungspflichtig (Art. 66 Abs. 1 i.V.m. Art. 65 Abs. 4 lit. c sowie Art.
68 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Die Beschwerdeführerin hat die Beschwerdegegnerin für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 2'500.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht des Kantons Wallis, I.
zivilrechtliche Abteilung, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 13. April 2010
Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin:

Klett Sommer