Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 4A.387/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
4A_387/2010

Urteil vom 14. Januar 2011
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Bundesrichter Kolly, Bundesrichterin Kiss,
Gerichtsschreiberin Sommer.

Verfahrensbeteiligte
X.________ AG,
vertreten durch Fürsprecher Peter Häberli,
Beschwerdeführerin,

gegen

A.________,
vertreten durch Fürsprecher Gerhard Lanz,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Haftpflicht; Forderung,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Bern, Appellationshof,
2. Zivilkammer, vom 19. Mai 2010.

Sachverhalt:

A.
A.________ (Beschwerdegegner) ist Eigentümer des Flugzeugs Q.________,
ausgerüstet mit einem Triebwerk des Typs R.________. Im Jahr 1996 liess der
Beschwerdegegner im Rahmen von Reparaturarbeiten bei der Firma Y.________ den
Motor des Flugzeugs totalrevidieren. Die Y.________ nahm die Totalrevision des
Motors jedoch nicht selber vor, sondern baute den Motor aus und liess ihn von
der X.________ AG (Beschwerdeführerin) revidieren. Am 16. Oktober 1996 wurde
der Motor durch die Y.________ wieder in das Flugzeug eingebaut. Die
Beschwerdeführerin bestreitet nicht, anlässlich dieser Motorrevision ungenügend
ausgerichtete Pleuel und ein zu knapp bemessenes Kolbenbolzenspiel übersehen zu
haben.
Anfangs Juni 1997 unternahmen der Beschwerdegegner, sein Bruder und deren
Freundinnen einen Ferienflug nach Griechenland. Auf dem Rückflug erreichten sie
am 11. Juni 1997 Skopje. Zuvor hatte der Beschwerdegegner in Istanbul beide
Tanks des Flugzeugs mit AFGAS volltanken lassen. Am Morgen des 12. Juni 1997
betankte ein Angestellter des Flughafens von Skopje den linken Tank des
Flugzeugs aus einem Kunststoffkanister mit 50 l Autobenzin. Der Bruder des
Beschwerdegegners überwachte den Einfüllvorgang und filterte das Benzin mit
einem Trichter und einem Sieb. Rund 1 ¼ Stunden nach dem Start in Skopje
Richtung Dubrovnik lief der Motor nach Aussagen des Beschwerdegegners plötzlich
unrund und er nahm ein Vibrieren des Flugzeugs wahr. Der Beschwerdegegner
entschied sich, den nächstgelegenen Flughafen (Tirana) anzufliegen. Als die
Küste im Sinkflug bereits erreicht war, stellte der Motor schlagartig ab und
der Propeller blieb in senkrechter Stellung stehen. Bei der anschliessenden
Notlandung auf einem Feld in der Nähe von Tirana verletzten sich der Pilot und
die Passagiere schwer.
Der Beschwerdegegner erlitt durch den Unfall ein schweres Polytrauma. Ein
schweres Hirntrauma führte zu neuropsychologischen Funktionsstörungen. Er
erlitt eine schwere Schädelverletzung mit Mittelgesichtsfraktur und einer
Trümmerfraktur eines Augenhöhlenbodens sowie Zahnkontusionen, -luxationen und
-frakturen, eine Fraktur der linken Hand sowie eine Trümmerfraktur des linken
Schienbeins/Sprunggelenks. Die Operation des Gesichtsbereichs im Inselspital
Bern dauerte 17 Stunden. Als Folge der Fraktur des Augenhöhlenbodens blieben
Sehstörungen zurück. Aufgrund der Tibia/OSG-Fraktur entwickelte sich eine
Sprunggelenkarthrose sowie chronische Hüft- und Rückenschmerzen und eine
dadurch beschränkte Gehfähigkeit. Er leidet auch heute nach wie vor an
Schmerzen im Bein, hat häufige Kopfschmerzen und Probleme mit den Augen und dem
Rücken. Seine selbständige Erwerbstätigkeit kann er insbesondere aufgrund der
massiven Einbussen seiner Konzentrationsfähigkeit nur noch sehr eingeschränkt
betreiben. Die Konzentrationsstörungen beeinträchtigen ihn auch in seinem
Privatleben und auch sein Geschmackssinn ist seit dem Unfall stark
eingeschränkt.

B.
Mit Teilklage vom 25. Februar 2005 belangte der Beschwerdegegner die
Beschwerdeführerin auf Zahlung eines gerichtlich zu bestimmenden, Fr. 50'000.--
erreichenden Betrags als Genugtuung, zuzüglich 5 % Zins seit dem Unfalltag. Er
forderte lediglich eine Genugtuung und behielt sich die Geltendmachung von
Schadenersatz für ein allfällig weiteres Verfahren vor.
Der Gerichtspräsident 4 des Gerichtskreises VIII Bern-Laupen kam zum Schluss,
dass sämtliche Voraussetzungen für die Zusprechung einer Genugtuung im Sinne
von Art. 47 OR vorliegen würden und erachtete die geltend gemachte Höhe als
angemessen. Am 21. Februar 2006 verurteilte er daher die Beschwerdeführerin,
dem Beschwerdegegner Fr. 50'000.-- zu bezahlen, zuzüglich Zins zu 5 % seit 12.
Juni 1997.
Gegen dieses Urteil appellierte die Beschwerdeführerin mit dem Begehren um
Aufhebung des angefochtenen Entscheids und Abweisung der Teilklage. Das
Obergericht des Kantons Bern, Appellationshof, 2. Zivilkammer, erachtete am 19.
Mai 2010 die Klage als begründet. Es verpflichtete die Beschwerdeführerin, dem
Beschwerdegegner Fr. 50'000.-- als Genugtuung zu bezahlen, zuzüglich Zins zu 5
% seit 12. Juni 1997.

C.
Mit Beschwerde in Zivilsachen beantragt die Beschwerdeführerin dem
Bundesgericht, das Urteil des Obergerichts vom 19. Mai 2010 aufzuheben und die
Klage des Beschwerdegegners abzuweisen. Eventuell sei die Sache zur neuen
Beurteilung an den Gerichtskreis VIII Bern-Laupen, subeventuell an das
Obergericht, zurückzuweisen.
Der Beschwerdegegner begehrt die Abweisung der Beschwerde. Die Vorinstanz liess
sich nicht vernehmen.

D.
Mit Präsidialverfügung vom 24. August 2010 wurde das Gesuch der
Beschwerdeführerin, der Beschwerde aufschiebende Wirkung zu erteilen,
abgewiesen.

Erwägungen:

1.
Mit dem angefochtenen Entscheid des Obergerichts wurde verfahrensabschliessend
über die Zusprechung einer Genugtuung entschieden. Er stellt einen Endentscheid
(Art. 90 BGG) einer letzten kantonalen Instanz (Art. 75 Abs. 1 BGG) dar. Der
Streitwert von Fr. 50'000.-- übersteigt die Grenze nach Art. 74 Abs. 1 lit. b
BGG. Da die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen ebenfalls erfüllt sind, ist
unter Vorbehalt einer rechtsgenüglichen Begründung (Art. 42 Abs. 2 und Art. 106
Abs. 2 BGG) auf die Beschwerde einzutreten.

2.
2.1 Das Bundesgericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 106 Abs. 1
BGG). Es ist folglich weder an die in der Beschwerde geltend gemachten
Argumente noch an die Erwägungen der Vorinstanz gebunden; es kann eine
Beschwerde aus einem anderen als dem angerufenen Grund gutheissen und es kann
eine Beschwerde mit einer von der Argumentation der Vorinstanz abweichenden
Begründung abweisen (vgl. BGE 134 II 235 E. 4.3.4 S. 241). Immerhin prüft das
Bundesgericht, unter Berücksichtigung der allgemeinen Begründungspflicht der
Beschwerde (Art. 42 Abs. 1 und 2 BGG), grundsätzlich nur die geltend gemachten
Rügen, sofern die rechtlichen Mängel nicht geradezu offensichtlich sind. Es ist
nicht gehalten, wie eine erstinstanzliche Behörde alle sich stellenden
rechtlichen Fragen zu untersuchen, wenn diese vor Bundesgericht nicht mehr
vorgetragen werden (BGE 134 III 102 E. 1.1 S. 105; 133 III 545 E. 2.2 S. 550;
133 II 249 E. 1.4.1 S. 254).
Mit Beschwerde in Zivilsachen können Rechtsverletzungen gemäss Art. 95 und 96
BGG gerügt werden. Die Beschwerde ist hinreichend zu begründen, andernfalls
wird darauf nicht eingetreten. In der Beschwerdeschrift ist in gedrängter Form
darzulegen, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt (Art. 42 Abs. 2 BGG).
Unerlässlich ist im Hinblick auf Art. 42 Abs. 2 BGG, dass die Beschwerde auf
die Begründung des angefochtenen Entscheids eingeht und im Einzelnen aufzeigt,
worin eine Verletzung von Bundesrecht liegt. Der Beschwerdeführer soll in der
Beschwerdeschrift nicht bloss die Rechtsstandpunkte, die er im kantonalen
Verfahren eingenommen hat, erneut bekräftigen, sondern mit seiner Kritik an den
als rechtsfehlerhaft erachteten Erwägungen der Vorinstanz ansetzen (vgl. BGE
134 II 244 E. 2.1 S. 245 f.). Auf rein appellatorische Kritik am angefochtenen
Entscheid tritt das Bundesgericht nicht ein (BGE 134 V 138 E. 2.1; 133 II 396
E. 3.1 S. 399), denn es ist keine letzte Appellationsinstanz, die von den
Parteien mit vollkommenen Rechtsmitteln angerufen werden könnte.
Eine qualifizierte Rügepflicht gilt hinsichtlich der Verletzung von
Grundrechten und von kantonalem und interkantonalem Recht. Das Bundesgericht
prüft solche Rügen nur insofern, als sie in der Beschwerde präzise vorgebracht
und begründet worden sind (Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 136 I 65 E. 1.3.1; 134 II
244 E. 2.2). Macht der Beschwerdeführer eine Verletzung des Willkürverbots
(Art. 9 BV) geltend, genügt es nicht, wenn er einfach behauptet, der
angefochtene Entscheid sei willkürlich. Er hat vielmehr im Einzelnen
aufzuzeigen, inwiefern dieser offensichtlich unhaltbar ist (BGE 134 II 349 E. 3
S. 352). Soweit die Beschwerdeschrift diesen Begründungsanforderungen nicht
genügt, ist darauf nicht einzutreten (BGE 136 I 65 E. 1.3.1).

2.2 Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die
Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Die Feststellung des
Sachverhalts kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder
auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und wenn die
Behebung des Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann
(Art. 97 Abs. 1 BGG). "Offensichtlich unrichtig" bedeutet dabei "willkürlich"
(BGE 135 III 397 E. 1.5).
Der Beschwerdeführer, der die Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz
anfechten will, kann sich nicht damit begnügen, den bestrittenen Feststellungen
eigene tatsächliche Behauptungen gegenüberzustellen oder darzulegen, wie die
Beweise seiner Ansicht nach zu würdigen gewesen wären. Vielmehr hat er klar und
substanziiert aufzuzeigen, inwiefern die gerügten Feststellungen bzw. die
Unterlassung von Feststellungen offensichtlich unrichtig sind oder auf einer
Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruhen. Soweit der Beschwerdeführer
den Sachverhalt ergänzen will, hat er zudem mit Aktenhinweisen darzulegen, dass
er entsprechende rechtsrelevante Tatsachen und taugliche Beweismittel bereits
bei den Vorinstanzen prozesskonform eingebracht hat (Urteile 4A_214/2008 vom 9.
Juli 2008 E. 1.2, nicht publ. in: BGE 134 III 570; 4A_470/2009 vom 18. Februar
2010 E. 1.2). Auf eine Kritik an den tatsächlichen Feststellungen der
Vorinstanz, die diesen Anforderungen nicht genügt, ist nicht einzutreten (BGE
133 II 249 E. 1.4.3).
Mit Blick auf diese Grundsätze kann auf die den rechtlichen Ausführungen
vorangestellte, eigene Sachverhaltsdarstellung der Beschwerdeführerin, in
welcher diese verschiedentlich vom vorinstanzlich festgestellten Sachverhalt
abweicht oder diesen erweitert, nicht abgestellt werden, zumal sie
diesbezüglich keine rechtsgenüglich begründete Sachverhaltsrüge erhebt.

3.
Die Beschwerdeführerin wendet sich dagegen, dass die Vorinstanz sie zur
Bezahlung einer Genugtuung verurteilte und bringt vor, trotz Bestreitung ihrer
Passivlegitimation habe die Vorinstanz diese zu Unrecht bejaht.

3.1 Vor der Vorinstanz bestritt die Beschwerdeführerin ihre Passivlegitimation
mit dem Argument, eine Haftung aus unerlaubter Handlung (Art. 41 OR) sei
gegenüber einer Vertragshaftung (Art. 97 OR) subsidiär. Die Vorinstanz erwog
mit Verweis auf Art. 50 und 51 OR, es stehe dem Beschwerdegegner frei, an
welchen der solidarisch haftenden Ersatzpflichtigen er sich halten wolle. Seien
die Voraussetzungen von Art. 41 OR erfüllt, hafte die Beschwerdeführerin dem
Beschwerdegegner direkt und originär. Ihre Passivlegitimation stehe somit
ausser Frage.
Die Beschwerdeführerin bringt vor Bundesgericht gegen diese Erwägungen der
Vorinstanz nichts vor, sondern macht neu geltend, Art. 41 OR sei auf
juristische Personen nicht anwendbar. In den vorinstanzlichen Verfahren seien
andere Haftungstatbestände als Art. 41 OR oder Zurechnungsnormen in
rechtsfehlerhafter Weise nicht überprüft worden. Dieses nicht weiter
begründete, pauschale Vorbringen stellt keine rechtsgenüglich motivierte Rüge
einer Bundesrechtsverletzung dar (vgl. Erwägung 2.1).
Die Rüge läuft ohnehin ins Leere. Die Vorinstanz hat den vom Beschwerdegegner
geltend gemachten Betrag von Fr. 50'000.-- für immaterielle Unbill gestützt auf
Art. 47 OR zugesprochen. Sie bejahte das Vorliegen einer immateriellen Unbill,
der Widerrechtlichkeit, des adäquaten Kausalzusammenhangs sowie eines
Verschuldens. Wie die Beschwerdeführerin zwar zutreffend vorbringt, äusserte
sich die Vorinstanz nicht zum Umstand, dass es sich bei der Beschwerdeführerin
um eine Aktiengesellschaft handelt, sowie zur Zurechenbarkeit des Verhaltens
der für die Beschwerdeführerin handelnden Personen. Die Beschwerdeführerin
vermag daraus jedoch nichts zu ihren Gunsten abzuleiten. Denn eine Haftung der
Beschwerdeführerin ergibt sich entweder - was nahe liegt - aus Art. 55 OR
(Geschäftsherrenhaftung bei einem Handeln von Arbeitnehmern oder anderen
Hilfspersonen in Ausübung ihrer dienstlichen oder geschäftlichen Verrichtungen
für die Beschwerdeführerin) oder gegebenenfalls aus Art. 55 ZGB i.V.m. Art. 47
OR (Organhaftung bei einem Handeln eines Organs der Beschwerdeführerin).
Die Beschwerdeführerin behauptet nicht explizit, dass sie weder nach der
Geschäftsherrenhaftung noch nach der Organhaftung haftbar wäre. Insbesondere
beruft sie sich nicht darauf, alle nach den Umständen gebotene Sorgfalt
aufgewendet zu haben, um eine immaterielle Unbill der eingetretenen Art zu
verhüten, oder dass die immaterielle Unbill auch bei Anwendung dieser Sorgfalt
eingetreten wäre (Art. 55 Abs. 1 OR). Ebenso bestreitet sie nicht, dass
verantwortliche Organe kein Verschulden treffen würde.

3.2 Die Rüge der Beschwerdeführerin, wonach der Sachverhalt im Zusammenhang mit
einer Zurechnungsnorm ungenügend abgeklärt worden sei, scheitert bereits
mangels rechtsgenüglicher Begründung. Da die Beschwerdeführerin mit keinem Wort
darlegt, welche Sachverhaltselemente ihrer Ansicht nach nicht festgestellt
worden wären, kann darauf nicht eingetreten werden (vgl. Erwägung 2).

4.
Die Parteien streiten sich im Wesentlichen über die Ursache des Motorausfalls.
Nach Ansicht des Beschwerdegegners geht der Motorschaden auf die ungenügende
Revision des Triebwerks durch die Beschwerdeführerin zurück, d.h. auf ihr
Übersehen der ungenügend ausgerichteten Pleuel und des zu knapp bemessenen
Kolbenbolzenspiels. Die Beschwerdeführerin stellt sich demgegenüber auf den
Standpunkt, dass qualitativ minderwertiger Benzinkraftstoff zu einer klopfenden
Verbrennung geführt habe und im Vergleich dazu die Nichtparallelität und
Verdrehung der Pleuel sowie das ungenügende Kolbenbolzenspiel unbedeutend, d.h.
nicht schadensverursachend, gewesen seien.

4.1 Gemäss Vorinstanz war die Unfallursache Gegenstand langjähriger Abklärungen
durch das Büro für Flugunfalluntersuchung (BFU) und die Eidgenössische
Flugunfallkommission (EFUK). Im Rahmen dieser Verfahren sowie der
erstinstanzlichen Hauptverhandlung wurden zahlreiche Gutachten und Berichte
eingeholt sowie der Beschwerdegegner und zahlreiche Zeugen angehört. In
Würdigung dieser Beweismittel kam der Gerichtspräsident zum Schluss, in
Übereinstimmung mit dem ETH-Gutachten sei die Nichtparallelität der Pleuel bzw.
das ungenügende Spiel zwischen Kolbenbolzen und Pleuelstange als Hauptursache
des Motorversagens zu betrachten.
Die Vorinstanz holte ein weiteres Gutachten zur Unfallverursachung ein. Sie
führte aus, es handle sich im Unterschied zu sämtlichen bisherigen Gutachten
und Expertenberichten um ein gerichtliches Gutachten, das nach den hierfür
geltenden Verfahrensregeln erstellt worden sei. Entsprechend sei ihm bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen würden. Die Vorinstanz setzte
sich in der Folge eingehend mit den Vorbringen der Beschwerdeführerin gegen das
gerichtliche Gutachten auseinander, so insbesondere mit dem Argument der
Beschwerdeführerin, die grösste Schwachstelle des Gutachtens sei die Verneinung
einer klopfenden Verbrennung. Sie befand auch die weiteren Argumente der
Beschwerdeführerin (Theorie der "Ausweitung" und Behauptung des
Schadenseintritts innert weniger Betriebsstunden nach der Revision, Bestreitung
der Ursächlichkeit der Revisionsmängel mit dem Verweis auf die unauffällig
verlaufenen Ölfilterkontrollen, Anpassung der Herstellertoleranzen) für nicht
überzeugend. Nach einer Würdigung verschiedener Zeugenaussagen, Berichte und
Gutachten kam die Vorinstanz zum Schluss, die Vorbringen der Beschwerdeführerin
vermöchten die Schlüssigkeit des gerichtlichen Gutachtens nicht zu erschüttern.
Sie befand, dieses Gutachten sei seriös und ausführlich ausgearbeitet, wirke
überzeugend und erkennbare Schwächen seien nicht ersichtlich. Demzufolge sah
sie keine Veranlassung, von den Schlussfolgerungen der gerichtlichen Gutachter
abzuweichen, wonach das Versagen des Motors auf eine ungenügende Bohrung des
Pleuelauges und damit verbunden auf ein zu geringes Spiel der Kolbenbolzen im
Pleuelauge zurückzuführen und ein Kraftstoffproblem als Ursache auszuschliessen
sei.

4.2 Die Beschwerdeführerin rügt vor Bundesgericht eine willkürliche
Beweiswürdigung und ungenügende Abklärung des Sachverhalts. Die Vorinstanz habe
willkürlich gehandelt, indem sie sich allein auf das gerichtliche Gutachten
abgestützt und ihre Beweisanträge hinsichtlich der Zeugen B.________,
C.________, D.________, E.________, F.________ und G.________ abgewiesen habe.
Zudem habe das Gericht den Zeitpunkt des Umschaltens vom rechten auf den linken
Tank unvollständig ermittelt.
4.3
4.3.1 Willkür im Sinne von Art. 9 BV liegt nach ständiger Rechtsprechung nicht
schon dann vor, wenn eine andere Lösung ebenfalls vertretbar erscheint oder gar
vorzuziehen wäre. Das Bundesgericht hebt einen kantonalen Entscheid wegen
Willkür nur auf, wenn er offensichtlich unhaltbar ist, zur tatsächlichen
Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen unumstrittenen
Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise dem
Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft. Willkür liegt zudem nur vor, wenn nicht
bloss die Begründung eines Entscheids, sondern auch das Ergebnis unhaltbar ist
(BGE 135 V 2 E. 1.3; 134 II 124 E. 4.1 S. 133; 134 I 140 E. 5.4 S. 148; je mit
Hinweisen). Die den Willkürvorwurf begründenden Elemente sind in der
Beschwerdeschrift im Einzelnen aufzuzeigen (vgl. Erwägung 2).
Zu beachten ist, dass dem Sachgericht im Bereich der Beweiswürdigung ein
erheblicher Ermessensspielraum zusteht (BGE 120 Ia 31 E. 4b S. 40). Das
Bundesgericht greift auf Beschwerde hin nur ein, wenn das Sachgericht sein
Ermessen missbraucht, insbesondere offensichtlich unhaltbare Schlüsse zieht,
erhebliche Beweise übersieht oder solche willkürlich ausser Acht lässt (vgl.
BGE 132 III 209 E. 2.1; 129 I 8 E. 2.1). Kommt das Sachgericht in antizipierter
Beweiswürdigung zum Schluss, ein angebotenes Beweismittel sei beweisuntauglich
oder vermöge die bereits gewonnene Überzeugung zum Sachverhalt von vornherein
nicht zu erschüttern, greift das Bundesgericht nur ein, wenn die antizipierte
Beweiswürdigung willkürlich und damit offensichtlich unhaltbar ist, namentlich
wenn sie eine prozessuale Vorschrift oder einen unumstrittenen Grundsatz des
Beweisrechts krass verletzt oder sonstwie in stossender Weise dem
Gerechtigkeitsgedanken zuwiderläuft (BGE 122 II 464 E. 4a S. 469; Urteil 4D_144
/2009 vom 4. Februar 2010 E. 3.1).
4.3.2 Der Richter weicht bei Gerichtsgutachten nach der Praxis nicht ohne
zwingende Gründe von der Einschätzung des Experten ab, dessen Aufgabe es ist,
seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen
bestimmten Sachverhalt zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen,
wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht
eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen
gelangt. Eine abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn
gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Richter als triftig
genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen,
sei es, dass er die Überprüfung durch einen Oberexperten für angezeigt hält,
sei es, dass er ohne Oberexpertise vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens
abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/aa; 118 V 286 E. 1b
S. 290, 112 V 30 E. 1a mit Hinweisen).

4.4 Die Beschwerdeführerin zeigt nicht auf, inwiefern die Vorinstanz anlässlich
ihrer Beweiswürdigung dem im Rahmen des Appellationsverfahrens durch das
Gericht eingeholten Gutachten vom 23. Februar 2009 sowie dem Zusatzgutachten
vom 16. Dezember 2009 der Experten H.________ und I.________ in Verletzung des
Willkürverbots gefolgt wäre. Insbesondere legt sie nicht dar, inwiefern die
Aussagen der von ihr beantragten Zeugen die Schlüssigkeit des
Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen vermöchten und sich anhand dieser
Zeugenaussagen der Schluss, die Gerichtsexpertise sei nicht widersprüchlich,
als willkürlich erweisen könnte. Die Vorinstanz durfte in antizipierter
Beweiswürdigung auf die von der Beschwerdeführerin beantragten Zeugen
verzichten. Inwiefern die Vorinstanz dabei willkürlich gehandelt hätte, zeigt
die Beschwerdeführerin nicht auf.
Ebenso unterlässt es die Beschwerdeführerin zu begründen, inwiefern der
Zeitpunkt des Umschaltens vom rechten auf den linken Tank von der Vorinstanz in
willkürlicher Weise unvollständig ermittelt worden und inwiefern dieses
Sachverhaltselement für den Ausgang des Verfahrens wesentlich wäre. Die
Vorinstanz erwog, dass das Umschalten bei Erreichen der Reiseflughöhe von
10'000 Fuss und damit drei Viertelstunden vor Eintreten des Motorausfalls
erfolgt sei. Wenn der Motor aber drei Viertelstunden lang mit dem fraglichen
Treibstoff habe betrieben werden können, sei "schlechter Most" als
Schadensursache auszuschliessen. Mit dieser Argumentation der Vorinstanz setzt
sich die Beschwerdeführerin nicht auseinander, weshalb auf die entsprechende
Rüge nicht eingetreten werden kann.

5.
Weiter rügt die Beschwerdeführerin, die Vorinstanz habe unter Verstoss gegen
die Dispositionsmaxime und in Verletzung von Art. 8 ZGB eigene
Internetrecherchen zur Feststellung des Sachverhalts angestellt. Sie erblickt
darin zugleich eine unzulässige antizipierte Beweiswürdigung.

5.1 Im vorinstanzlichen Verfahren richtete sich die Beschwerdeführerin dagegen,
dass das gerichtliche Gutachten eine klopfende Verbrennung verneinte. Im
Zusammenhang mit dieser Rüge bezog die Vorinstanz in ihre Beweiswürdigung
insbesondere die Steigrate des Flugzeugtyps mit Hinweis auf die Internetseite
der Q.________ ein und kam zum Schluss, schlechter Treibstoff und damit
zusammenhängend eine klopfende Verbrennung seien auch mit dem von der
Beschwerdegegnerin behaupteten Flugverlauf nicht in Einklang zu bringen.

5.2 Die Rügen der Beschwerdeführerin erweisen sich allesamt als unbehelflich.
Der angefochtene Entscheid erging am 19. Mai 2010 und somit noch vor dem
Inkrafttreten der Schweizerischen Zivilprozessordnung in Anwendung kantonalen
Zivilprozessrechts. Die Dispositionsmaxime gehörte (vor dem Inkrafttreten der
Schweizerischen Zivilprozessordnung) dem kantonalen Recht an (BGE 109 II 452 E.
5d S. 460). Die Anwendung kantonalen Rechts kann das Bundesgericht jedoch nur
unter dem Blickwinkel einer Verletzung von Bundesrecht, namentlich des
Willkürverbots, prüfen (BGE 133 III 462 E. 2.3 S. 466) und unter der
Voraussetzung, dass eine solche Rüge vorgebracht und rechtsgenüglich begründet
wird (Art. 106 Abs. 2 BGG; vgl. Erwägung 2.1). Da die Beschwerdeführerin bloss
eine Verletzung der Dispositionsmaxime rügt, ohne indessen geltend zu machen,
dass diese willkürlich angewendet worden wäre, kann auf die Rüge der Verletzung
kantonalen Rechts nicht eingetreten werden. Zudem verkennt die
Beschwerdeführerin, dass es sich vorliegend nicht um ein Problem der
Dispositions-, sondern der Verhandlungsmaxime gehandelt hätte.
Ebenso kann die Beschwerdeführerin mit ihrer pauschalen Rüge einer unzulässigen
antizipierten Beweiswürdigung nicht gehört werden. Sie unterlässt es
aufzuzeigen, inwiefern die von der Vorinstanz vorgenommene Beweiswürdigung
willkürlich wäre (vgl. Erwägungen 2 und 4.3.1).
Zudem ist keine Verletzung von Art. 8 ZGB ersichtlich. Art. 8 ZGB regelt nach
der Rechtsprechung einerseits für den Bereich des Bundeszivilrechts die
Beweislastverteilung und gibt andererseits der beweispflichtigen Partei einen
bundesrechtlichen Anspruch darauf, für rechtserhebliche Vorbringen zum Beweis
zugelassen zu werden, wenn ihr Beweisantrag nach Form und Inhalt den
entsprechenden Vorschriften entspricht (BGE 133 III 295 E. 7.1 S. 299; 130 III
591 E. 5.4 S. 601; 129 III 18 E. 2.6 S. 24 f.; je mit Hinweisen). Die
Vorinstanz hat mit Hinweis auf die Internetseite des Flugzeugherstellers die
Steigrate des betreffenden Flugzeugtyps in ihre Beweiswürdigung miteinbezogen.
Damit hat sie weder den bundesrechtlichen Beweisführungsanspruch verletzt noch
die Beweislast falsch verteilt.

6.
Weiter bringt die Beschwerdeführerin vor, die Vorinstanz habe eine unrichtige
Feststellung im Sinne von Art. 97 BGG begangen, indem sie das gerichtliche
Gutachten der Experten H.________ und I.________ aktenwidrig dahingehend
interpretiert habe, dass der von den Experten festgehaltene Revisionsfehler als
gravierend qualifiziert worden sei. Das Gutachten spreche in keiner Weise von
einem gravierenden Fehler.
Mit dieser Rüge kann die Beschwerdeführerin von vornherein nicht gehört werden,
da sie nicht darlegt, inwiefern die Behebung des von ihr gerügten Mangels für
den Verfahrensausgang entscheidend wäre (vgl. Erwägung 2.2). Zudem ist darauf
hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin mit ihrem Vorbringen - richtig besehen
- nicht eine falsche Sachverhaltsfeststellung rügt, sondern die vorinstanzliche
Würdigung der anlässlich der Motorrevision begangenen Fehler unter dem
Gesichtspunkt der Gewichtung des Verschuldens. Diesbezüglich erfolgt aber auch
keine rechtsgenügliche Anfechtung.

7.
Schliesslich rügt die Beschwerdeführerin, die Vorinstanz habe ein mögliches
Selbstverschulden des Beschwerdegegners im Sinne von Art. 44 OR nicht abgeklärt
und die Anrechnung der Betriebsgefahr nach Art. 64 Abs. 1 LFG, die der
Beschwerdegegner in seiner Eigenschaft als Flugzeughalter zu vertreten habe,
nicht berücksichtigt.
Mit ihrem Vorwurf der Nichtberücksichtigung eines möglichen Selbstverschuldens
des Beschwerdegegners geht die Beschwerdeführerin fehl. Sie verkennt, dass die
Vorinstanz die Erwägungen des erstinstanzlichen Richters betreffend die Höhe
der Genugtuung als überzeugend befand und der Gerichtspräsident zur Bemessung
und Festsetzung der Genugtuungsleistung insbesondere ausführte, die in Art. 44
OR erwähnten Herabsetzungsgründe könnten analog herangezogen werden. Ein
mögliches Selbstverschulden wurde somit erwogen. Indessen wurde keine Reduktion
der Genugtuung infolge Selbstverschuldens des Beschwerdegegners vorgenommen, da
ein solches nicht vorlag. Die Beschwerdeführerin zeigt im Übrigen in ihrer
Beschwerde nicht auf, worin sie ein Selbstverschulden des Beschwerdegegners
erblicken würde.
Auch das Vorbringen der Beschwerdeführerin, die Betriebsgefahr von Art. 64 Abs.
1 LFG sei nicht berücksichtigt worden, ist nicht stichhaltig. Diese Bestimmung
betrifft die Haftpflicht der Luftfahrzeughalter gegenüber Drittpersonen.
Inwiefern die Beschwerdeführerin daraus etwas zu ihren Gunsten ableiten könnte,
zeigt sie nicht auf und ist nicht ersichtlich.

8.
Aus diesen Gründen ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf eingetreten
werden kann. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend wird die
Beschwerdeführerin kosten- und entschädigungspflichtig (Art. 66 Abs. 1 und Art.
68 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 2'500.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Die Beschwerdeführerin hat die Beschwerdegegnerin für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 3'000.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Bern,
Appellationshof, 2. Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 14. Januar 2011

Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Die Gerichtsschreiberin:

Klett Sommer