Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 4A.405/2010
Zurück zum Index I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 2010
Retour à l'indice I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 2010


Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
4A_405/2010

Urteil vom 21. Oktober 2010
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Bundesrichterin Rottenberg Liatowitsch,
Bundesrichter Kolly,
Gerichtsschreiber Gelzer.

Verfahrensbeteiligte
A.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Martino Luminati,
Beschwerdeführer,

gegen

X.________ AG,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Walter Studer,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Haushaltschaden,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau, Zivilgericht,
1. Kammer, vom 1. Juni 2010.
Sachverhalt:

A.
Am 19. August 1997 verunfallte A.________ (Beschwerdeführer) bei seiner Arbeit
als Freileitungsmonteur. Als er Arbeiten an einem Hochspannungsmasten
verrichtete, liess der Chefmonteur der X.________ AG (Beschwerdegegnerin) die
Leitung unter Strom schalten. Es entstand ein Flammenbogen zwischen der Leitung
und dem Beschwerdeführer, welcher Verbrennungen zweiten und dritten Grades am
Körper und eine Schädigung der Hornhaut erlitt. Aufgrund dieses Unfalles war er
vom 19. August bis 1. September 1997 hospitalisiert und danach bis zum 5.
Oktober 1997 zu 100 % arbeitsunfähig. Ab dem 6. Oktober 1997 arbeitete er mit
Unterbrüchen bis zum 22. März 1999 in seiner früheren Tätigkeit. Seither übt er
keine Erwerbstätigkeit mehr aus. Er bezieht eine SUVA und eine IV-Rente. Zudem
hat ihm die SUVA eine Integritätsentschädigung von Fr. 29'160.-- ausgerichtet.

B.
Am 24. September 2004 klagte der Beschwerdeführer vor dem Bezirksgericht
Bremgarten gegen die Beschwerdegegnerin auf Zahlung von Fr. 711'482.-- für
Haushaltschaden, Ersatz für den Ausfall der Spesenentschädigung des
Arbeitgebers, diverse Kosten sowie Genugtuung, eventuell eines Betrages nach
richterlichem Ermessen. Der Gerichtspräsident beschränkte das Beweisthema
zunächst auf die Frage des Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall und den
gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers. Nach Abnahme von
Beweisen, namentlich der Einholung eines Gutachtens bei der psychiatrischen
Klinik Königsfelden (PKF), und nach Eingang der Stellungnahmen der Parteien kam
das Bezirksgericht zum Ergebnis, dass der Bescherdeführer zwar unfallbedingt an
einer somatoformen Schmerzstörung leide, er jedoch ab dem 6. Oktober 1997 in
der Lage gewesen sei, zu 100 % einer angepassten Erwerbstätigkeit nachzugehen.
Am 12. Februar 2009 wies das Bezirksgericht die Klage ab. Der Beschwerdeführer
appellierte an das Obergericht des Kantons Aargau mit den Hauptanträgen, das
Urteil des Bezirksgerichts aufzuheben, ein Obergutachten anzuordnen und ihm Fr.
1'843'382.-- nebst Zins und Zinseszins seit dem 1. September 2009 zuzusprechen.
Das Obergericht wies die Appellation am 1. Juni 2010 ab, soweit es darauf
eintrat.

C.
Der Beschwerdeführer beantragt dem Bundesgericht mit einer in italienischer
Sprache verfassten Beschwerde in Zivilsachen, das angefochtene Urteil
aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zur Durchführung eines ordentlichen
Verfahrens zurückzuweisen. Sollte keine Rückweisung erfolgen, sei die
Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerdeführer Fr. 1'680'037.-- nebst
Zins und Zinseszins seit dem 1. September 2009 zu bezahlen. Die
Beschwerdegegnerin, deren Begehren um Zustellung einer auf Deutsch übersetzten
Beschwerde abgewiesen worden war, schliesst auf Abweisung der Beschwerde,
soweit darauf einzutreten sei. Die Vorinstanz hat auf Vernehmlassung
verzichtet. Der Beschwerdeführer hat von sich aus am 30. September 2010 eine
Replik eingereicht, welche der Gegenpartei zur Kenntnisnahme zugestellt wurde.

Erwägungen:

1.
Das Verfahren wird in der Regel in der Sprache des angefochtenen Entscheids
geführt (Art. 54 Abs. 1 BGG). Davon abzuweichen besteht kein Anlass, auch wenn
die Beschwerde in italienischer Sprache abgefasst ist.

2.
Nach Art. 42 Abs. 2 BGG ist in der Beschwerdeschrift in gedrängter Form
darzulegen, inwiefern der angefochtene Akt Recht verletzt. Soweit das
Bundesgericht das Recht von Amtes wegen anwendet (Art. 106 Abs. 1 BGG), ist
zwar eine ausdrückliche Nennung bestimmter Gesetzesartikel nicht erforderlich,
falls aus den Vorbringen hervorgeht, gegen welche Regeln des Bundesrechts die
Vorinstanz verstossen haben soll. Unerlässlich ist aber, dass auf die
Begründung des angefochtenen Urteils eingegangen und dargetan wird, worin eine
Verletzung von Bundesrecht liegen soll (BGE 134 V 53 E. 3.3 S. 60; 133 IV 286
E. 1.4; vgl. auch BGE 121 III 397 E. 2a S. 400). Soweit eine Verletzung von
Grundrechten und kantonalem oder interkantonalem Recht geltend gemacht wird,
findet der Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen keine Anwendung,
sondern es gilt das Rügeprinzip (Art. 106 Abs. 2 BGG). Es ist im Einzelnen
darzulegen, inwiefern verfassungsmässige Rechte missachtet wurden oder der
Entscheid offensichtlich unhaltbar ist. Das Gericht untersucht den
angefochtenen Entscheid nicht von sich aus umfassend auf seine
Verfassungsmässigkeit, sondern beschränkt sich auf die Prüfung der in der
Beschwerde rechtsgenüglich vorgebrachten Rügen (Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 133
III 393 E. 6 S. 397 mit Hinweis).

Soweit der Beschwerdeführer diese Anforderungen missachtet, kann auf die
Beschwerde nicht eingetreten werden.

3.
3.1 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör.
Daraus leitet die Rechtsprechung insbesondere das Recht der Parteien ab, sich
vor Erlass des in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu
äussern, erhebliche Beweise beizubringen und Einsicht in die Akten zu nehmen
(BGE 133 I 270 E. 3.1 mit Hinweis).

3.2 Die Vorinstanz stellte fest, das erstinstanzliche Gericht habe in zweierlei
Hinsicht den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt.
3.2.1 Das Bezirksgericht habe der PKF das Gutachten zur Klärung der Frage in
Auftrag gegeben, ob der Unfall für die gesundheitlichen Beschwerden kausal
gewesen sei, und es habe das Prozessthema einstweilen auf diese Frage
beschränkt. Das Gutachten der PKF habe keinen Zweifel daran gelassen, dass die
gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers auf den Unfall vom
19. August 1997 zurückzuführen seien. Das Bezirksgericht habe sich dieser
Auffassung widerspruchlos angeschlossen und sowohl den natürlichen als auch den
adäquaten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und den gesundheitlichen
Beeinträchtigungen bejaht. In der Folge habe das Bezirksgericht nach dem
Scheitern der Vergleichsverhandlungen den Parteien keine Gelegenheit zur
Beweiswürdigung und zu Rechtserörterungen gegeben. Es habe die Parteien auch
über das weitere Vorgehen nicht informiert, obwohl der Beschwerdeführer
ausdrücklich darum gebeten habe. Der Gerichtspräsident habe daher den Anspruch
auf rechtliches Verhör verletzt, indem er entgegen seiner Ankündigung den
Prozess im Laufe des Verfahrens nicht mehr auf die Frage der Kausalität
beschränkt habe, ohne dies den Parteien mitzuteilen.
3.2.2 Darüber hinaus habe das Bezirksgericht den verfassungsrechtlichen
Anspruch des Beschwerdeführers auf Akteneinsicht verletzt, indem es auf seinen
Brief vom 24. August 2009, mit dem er nach Erhalt des erstinstanzlichen
Entscheids die Zustellung der Akten gewünscht hatte, nicht reagiert habe.

3.3 Die Vorinstanz hielt jedoch dafür, die Gehörsverletzungen seien geheilt
worden, denn der Beschwerdeführer habe im Rahmen der Appellation, welche ein
vollkommenes Rechtsmittel mit umfassender Überprüfungsbefugnis des Obergerichts
in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht darstelle, die Gelegenheit erhalten,
seine Anliegen erneut vorzutragen. Der Beschwerdeführer habe sich in der
Appellation uneingeschränkt zum erstinstanzlichen Urteil äussern können. Er
hätte vor Obergericht auch erneut die Zustellung der Akten verlangen und sich
gleichzeitig eine Ergänzung bzw. Änderung seiner Rechtsschrift nach deren
Sichtung vorbehalten, d.h. eine Wiederherstellung der Rechtsmittelfrist nach §
98 ZPO/AG verlangen können. Dass er dies nicht getan habe, ändere nichts daran,
dass es grundsätzlich möglich gewesen wäre, den Prozessfehler im
Rechtsmittelverfahren zu heilen.

3.4 Der Beschwerdeführer stellt in Abrede, dass die von ihm erlittenen
Gehörsverletzungen im Appellationsverfahren geheilt werden konnten. Er bringt
vor, die am 24. August 2009 angeforderten Akten hätten ihm dazu dienen sollen,
die Appellationsschrift exakt auszuarbeiten. Der von der Vorinstanz angeführte
Devolutiveffekt setze voraus, dass der Appellant die Möglichkeit habe, alle
erforderlichen Argumente geltend zu machen. Um dies zu tun, sei er darauf
angewiesen, in sämtliche Akten Einsicht zu nehmen, welche Möglichkeit ihm
verweigert worden sei. Die Rechtsverweigerung habe daher entgegen der Annahme
der Vorinstanz im Appellationsverfahren nicht geheilt werden können. Daran
ändere auch der Hinweis auf § 98 ZPO/AG nichts. Diese Bestimmung betreffe einen
gänzlich anderen Sachverhalt, nämlich den Fall, in welchem eine Partei oder ihr
Rechtsvertreter ohne jegliche mitwirkende Schuld daran gehindert ist, eine
Frist zu wahren. Eine Heilung des verletzten Gehörsanspruchs komme nur in
Frage, wo die Offizialmaxime gelte.

3.5 Nach der Rechtsprechung kann eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn der Betroffene die Möglichkeit erhält,
sich vor einer oberen Instanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die
Rechtslage frei überprüfen kann (BGE 133 I 201 E. 2.2; 127 V 431 E. 3d/aa S.
437 f. mit Hinweis). Die Beschwerde nach aargauischem Prozessrecht entfaltet
Devolutiveffekt. Demgemäss kann die Streitsache dem Obergericht zur umfassenden
Prüfung in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht übertragen werden (§ 320
i.V.m. § 342 ZPO/AG; BÜHLER/EDELMANN/KILLER, Kommentar zur aargauischen
Zivilprozessordnung, 2. Aufl. 1998, N. 15 zu § 335 ZPO). Unter diesem
Gesichtspunkt wären somit die vor Erlass des erstinstanzlichen Urteils
begangenen Gehörsverletzungen grundsätzlich heilbar, sofern der
Beschwerdeführer die Gelegenheit hatte, im Rahmen des Appellationsverfahrens
sämtliche ihm aufgrund von Art. 29 Abs. 2 BV zustehenden Rechte vollumfänglich
wahrzunehmen. Ob dies dem Beschwerdeführer mangels Akteneinsicht verwehrt war,
ist nachstehend zu prüfen.

3.6 Dass die Vorinstanz § 98 ZPO/AG willkürlich angewendet haben soll, zeigt
der Beschwerdeführer nicht hinreichend auf, indem er lediglich den Wortlaut der
betreffenden Bestimmung wiedergibt. Ob die Vorinstanz § 98 ZPO/AG willkürlich
angewendet hat, ist jedoch nicht ausschlaggebend. Denn nach § 329 ZPO/AG findet
im Falle der Appellation gegen den Entscheid eines Bezirksgerichts eine
Verhandlung statt, sofern nicht beide Parteien den Verzicht darauf erklären.
Der mündliche Vortrag ergänzt die schriftliche Appellationsbegründung und kann
Sachverhaltsdarstellung, Beweiswürdigung und Rechtserörterungen umfassen
(BÜHLER/EDELMANN/KILLER, a.a.O., N. 3 und 4 zu § 329 ZPO/AG). Aus den
kantonalen Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer auf der Durchführung
einer mündlichen Appellationsverhandlung beharrte, welche am 1. Juni 2010
stattfand. Gemäss den Plädoyernotizen erwähnte der Beschwerdeführer anlässlich
dieser Verhandlung eingangs, er werde seine Appellation vom 4. September 2009
ergänzen. Bis zu dieser Verhandlung standen dem Beschwerdeführer acht Monate
zur Verfügung, um erneut um Akteneinsicht zu ersuchen. Der Beschwerdeführer
legt indes nicht dar, dass er sich beim Obergericht um Akteneinsicht bemüht
hätte, um die Appellation an der mündlichen Verhandlung zu ergänzen. Aus diesem
Verhalten hätte die Vorinstanz ohne Weiteres schliessen dürfen, der
Beschwerdeführer fühle sich nicht mehr daran gehindert, das Rechtsmittel
sachgerecht zu formulieren und betrachte seine Vorbringen als vollständig. Im
Ergebnis nahm die Vorinstanz daher verfassungskonform an, die festgestellte
Gehörsverletzung durch fehlende Reaktion des Bezirksgerichts auf das Begehren
um Aktenzustellung habe ihre Bedeutung verloren, und der Beschwerdeführer habe
seine aus Art. 29 Abs. 2 BV fliessenden Mitwirkungsrechte im
Appellationsverfahren hinreichend wahren können. Entgegen der Meinung des
Beschwerdeführers hätte die von der Vorinstanz festgestellten Gehörsverletzung
von vornherein nicht zur Aufhebung des erstinstanzlichen Entscheides führen
können, nachdem das erstinstanzliche Urteil bereits gefällt und zugestellt war,
als der Beschwerdeführer vom Bezirksgericht die Aktenzustellung verlangte und
die beanstandete Gehörsverletzung erfolgte. Zur Debatte steht vielmehr einzig,
ob der Beschwerdeführer daran gehindert war, sich im Appellationsverfahren
gehörig zu äussern.

3.7 Im Ergebnis beging die Vorinstanz keine Verfassungsverletzung, wenn sie
annahm, die Gehörsverletzungen seien geheilt. Der Vorwurf des
Beschwerdeführers, die Vorinstanz sei in Willkür verfallen, weil sie die Sache
nicht an das Bezirksgericht zurückgewiesen habe, erweist sich damit als
unbegründet.

4.
4.1
4.1.1 Was den vom Beschwerdeführer beantragten Ersatz für Haushaltschaden
anbelangt, stellte die Vorinstanz gestützt auf die Ausführungen des
Beschwerdeführers vor Bezirksgericht fest, es sei erstellt, dass der
Beschwerdeführer zu keinem Zeitpunkt Hausarbeiten verrichtet habe und dass er -
unabhängig von seinem Gesundheitszustand - weder kochen noch putzen, waschen
oder Gartenarbeiten verrichten würde. Im Übrigen wäre die diesbezügliche
Forderung auch abzuweisen, wenn der Beschwerdeführer nachweislich Hausarbeiten
verrichtet hätte, denn er stelle für die Berechnung seines Haushaltschadens auf
die SAKE-Tabelle Nr. 2 für einen Zwei-Personenhaushalt ab, ohne substanziiert
darzulegen, welche Aufgaben ihm im gemeinsamen Haushalt mit seiner Mutter
zugefallen wären. Dass er vor dem Unfall sogar mehr als 66 Stunden pro Monat im
Haushalt geholfen habe, entspreche offensichtlich nicht den Tatsachen.
Angesichts der vom Beschwerdeführer kundgegebenen ablehnenden Haltung zur
Haushaltsarbeit könne nicht unbesehen der tatsächlichen Verhältnisse auf die
SAKE-Tabelle abgestellt werden. Zudem sei der Beschwerdeführer, wie aus dem
PKK-Gutachten hervorgehe, auch nach dem Unfall in der Lage, Einkäufe und
Administrativarbeiten selbständig zu erledigen. Diesbezüglich sei von
vornherein kein Schaden auszumachen. Die Forderung betreffend Haushaltschaden
sei nicht hinreichend substanziiert.
4.1.2 Zur Situation ab dem Zeitpunkt, in welchem die Mutter des
Beschwerdeführers die Arbeit im Haushalt nicht mehr würde erledigen können,
wäre - so die Vorinstanz weiter - die Tabelle für einen Ein-Personenhaushalt
einschlägig. Es gehe dabei um Mahlzeitenzubereitung, Abwaschen, Tischdecken,
Einkaufen, chemische Reinigung, Putzen, Aufräumen, Waschen, Bügeln,
handwerkliche Tätigkeiten, Haustiere, Pflanzenpflege, Garten sowie um
administrative Tätigkeiten. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers
bedeute die ihm von der SUVA und IV bescheinigte Invalidität nicht ohne
Weiteres, dass diese auch seine Fähigkeit, Haushaltsarbeiten auszuführen,
erfasse. Massgebend seien einzig die konkreten Auswirkungen der
gesundheitlichen Beschwerden auf die Fähigkeit zur Hausarbeit. Diese sei
gestützt auf die Angaben des PKK-Gutachters nach wie vor gegeben.

4.2 Der Beschwerdeführer rügt, zufolge der Beschränkung des Beweisthemas auf
den Kausalzusammenhang habe er nicht damit rechnen müssen, anlässlich seiner
Befragung zu seiner Haushaltstätigkeit Auskunft geben zu müssen. Nicht
ordnungsgemäss erhobene Beweismittel dürften aber nicht verwendet werden.

4.3 Die Rüge ist unbegründet. Geht es darum, abzuklären, ob gesundheitliche
Beeinträchtigungen bestehen, welche dem Unfall zuzuordnen sind, bedingt dies,
dass zunächst erhoben wird, welche Tätigkeiten ein Geschädigter nicht mehr oder
nicht mehr gleichermassen zu erledigen imstande ist, die er vor dem
schädigenden Ereignis unbeeinträchtigt ausführen konnte und auch ausgeführt
hat. Da der Beschwerdeführer Ersatz für Haushaltschaden forderte, muss er damit
rechnen, zu seinen Aktivitäten im Haushalt vor und nach dem Unfall befragt zu
werden.

5.
5.1 Im Appellationsverfahren rügte der Beschwerdeführer, das Bezirksgericht
habe Im Zusammenhang mit der Anordnung des gerichtlichen Gutachtens der PKK
prozessuale Regeln, namentlich § 254 und 255 ZPO/AG, verletzt. Die Vorinstanz
hat den betreffenden Einwand verworfen und festgehalten, das Bezirksgericht
habe bei der Einholung des Gutachtens die formellen Anforderungen beachtet. Es
habe nach Aufforderung seitens des Klägers Abklärungen hinsichtlich der Person
des Gutachters getroffen. Der gerichtlich beauftragte Sachverständige, Dr. med.
B.________, habe im Schreiben vom 4. Mai 2007 den Beizug von Hilfspersonen
angekündigt und begründet. Die Verantwortung für das Gutachten habe er
ausdrücklich übernommen. Über diese Sachlage seien die Parteien in Kenntnis
gesetzt und es sei ihnen Gelegenheit eingeräumt worden, innert Frist
Einwendungen zu erheben. Beanstandungen seien ausgeblieben. Selbst nach
Zustellung des Gutachtens, in welchem die von Dr. med. B.________ beigezogenen
Hilfspersonen namentlich genannt worden seien, habe der Beschwerdeführer
keinerlei Rügen erhoben. Da er somit hinreichend Zeit und Gelegenheit zur
Äusserung allfälliger Bedenken hinsichtlich des Experten und dessen
Hilfspersonen gehabt habe, sei die erstmalige Rüge im Appellationsverfahren zu
spät erfolgt, habe der Beschwerdeführer doch nicht dargetan, weshalb es ihm
nicht möglich gewesen wäre, seine Beanstandungen früher vorzubringen.

5.2 Mit dem zuletzt erwähnten Argument setzt sich der Beschwerdeführer nicht
auseinander. Ist somit davon auszugehen, er habe seine Kritik, wonach das
Gerichtsgutachten in Verletzung kantonaler Verfahrensvorschriften zustande kam,
nicht rechtzeitig vorgebracht, ist nicht zu prüfen, ob die angeführten
prozessualen Regeln willkürlich angewendet wurden, wie der Beschwerdeführer
sinngemäss vorbringt.

6.
Für den Fall, dass keine Rückweisung zur Durchführung eines ordentlichen
Verfahrens erfolgen sollte, verlangt der Beschwerdeführer die Zusprechung von
Fr. 944'097.-- als Ersatz für Haushaltschaden. Er zeigt aber nicht
rechtsgenügend auf, inwiefern die Vorinstanz aufgrund willkürlicher
Beweiswürdigung zum Ergebnis gelangte, dem Beschwerdeführer sei kein
wirtschaftlich relevanter Haushaltschaden entstanden. Auf seine appellatorische
Kritik am angefochtenen Urteil, welche nicht auf einer substanziierten
Auseinandersetzung mit dessen Erwägungen beruht, ist nicht einzutreten.

7.
7.1 Der Beschwerdeführer hat im kantonalen Verfahren Ersatz für entfallene
Spesenentschädigung seitens seines Arbeitgebers geltend gemacht, welche Fr.
30.-- pro Kalendertag, bzw. Fr. 85.-- pro Arbeitstag betrug. An der Verhandlung
vor Obergericht führte er dazu aus, er hätte während der Woche nicht für
Mahlzeiten, Strom, Gas und Heizung aufkommen müssen, wäre er Leitungsmonteur
geblieben, denn diese Kosten wären durch die Spesen gedeckt gewesen. Für diesen
Schaden habe er in Anlehnung an Art. 11 AHVV (SR 831.101) eine pauschale
Entschädigung von Fr. 30.-- pro verlorenen Arbeitstag verlangt. Dazu erwog die
Vorinstanz, es sei nicht klar, ob das Spesenreglement, auf welches sich der
Beschwerdeführer berufe, im Zeitpunkt des Unfalls bereits in Kraft gestanden
sei. Zudem handle es sich um Auslagenersatz, mit welchem der Arbeitnehmer für
Unterkunft und Mahlzeiten persönlich habe aufkommen müssen. Zusätzlich hätten
die Spesen die Benutzung des Privatfahrzeugs für die Fahrten zur Baustelle
abgelten sollen. Abgesehen davon, dass gemäss den Lohnabrechnungen nicht für
jeden Tag Fr. 85.-- bzw. Fr. 30.-- ausgerichtet worden seien, liesse sich
daraus nicht ableiten, in welchem Umfang die betreffenden Beträge nebst
Unterkunft und Reisespesen vollständig oder nur teilweise der Deckung
effektiver Mehrkosten gedient hätten. Diese Unklarheit gehe zu Lasten des
beweispflichtigen Beschwerdeführers, weshalb dessen Forderung auf Spesenersatz
abzuweisen sei.

7.2 Vor Bundesgericht beruft sich der Beschwerdeführer sinngemäss erneut
darauf, es seien ihm für jeden Arbeitstag Fr. 30.-- übrig geblieben, die er
effektiv nicht für Spesen habe aufwenden müssen. Damit zeigt er indessen nicht
auf, und es ist nicht ersichtlich, inwiefern die Vorinstanz Bundesrecht
verletzt hätte, indem sie die pauschale Berechnung nicht genügen liess, sondern
eine substanziierte Behauptung verlangte. Ebenso wenig ist den Ausführungen des
Beschwerdeführers eine prozesskonform begründete Willkürrüge zu entnehmen.
Mangels hinreichender Begründung bleibt die Rüge ausser Acht.

8.
8.1 Die Vorinstanz hat die Frage der Genugtuung einlässlich erörtert. Sie hat
unter der Hypothese, der Beschwerdeführer sei zu 100% arbeitsunfähig "die
Basisgenugtuung" auf Fr. 48'600.-- festgelegt. Anschliessend berücksichtigte
die Vorinstanz die konkreten Umstände, welche zu einer Erhöhung der Genugtuung
führen können und hielt insgesamt eine Erhöhung der Basisgenugtuung um 50 % für
angemessen. Dabei erwog sie unter anderem, der Beschwerdeführer habe zwar
dargelegt, dass der Unfall durch das Verschulden der Beschwerdegegnerin
verursacht worden sei, diesbezüglich jedoch keine genaueren Angaben gemacht und
insbesondere die Sicherheitsvorschriften nicht bezeichnet, welche krass
missachtet worden sein sollen. Die Schwere der Verschuldens der
Beschwerdegegnerin am Unfall lasse sich somit nicht beurteilen.

8.2 Der Beschwerdeführer rügt, das Verschulden ergebe sich aus der unter
Beilage 2 zur Klage eingereichten Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft
des Kantons Aargau. Danach hätte sich der Chefmonteur der Beschwerdegegnerin
vor dem Einschalten des Stromes darüber vergewissern müssen, dass sich keine
Leute mehr auf dem betroffenen Mast befänden. Es verstehe sich von selbst, dass
unter dem Titel Genugtuung noch Fr. 120'840.-- zu bezahlen seien.

8.3 Da der Beschwerdeführer nicht unter Aktenhinweis aufzeigt, dass er sich im
kantonalen Verfahren prozesskonform auf die betreffende Aktenstelle berufen
hat, ist er damit nicht zu hören.

9.
Schliesslich behauptet der Beschwerdeführer, ohne sich mit der Zinsberechnung
der Vorinstanz auseinander zu setzen, es stünden ihm bis 31. August 2009 nebst
dem bis zu diesem Tage aufgelaufenen Betrag von Fr. 589'685.-- Zins und
Zinseszins von insgesamt Fr. 469'304.-- zu. Auf diese nicht weiter begründete
Behauptung ist nicht einzutreten.

10.
Insgesamt erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist abzuweisen,
soweit darauf einzutreten ist. Bei diesem Verfahrensausgang wird der
Beschwerdeführer kosten- und entschädigungspflichtig.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 10'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Der Beschwerdeführer hat die Beschwerdegegnerin für das bundesgerichtliche
Verfahren mit Fr. 12'000.-- zu entschädigen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau,
Zivilgericht, 1. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 21. Oktober 2010

Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Klett Gelzer