Sammlung der Entscheidungen des Schweizerischen Bundesgerichts
Collection des arrêts du Tribunal fédéral suisse
Raccolta delle decisioni del Tribunale federale svizzero

I. Zivilrechtliche Abteilung, Beschwerde in Zivilsachen 4A.444/2010
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Bundesgericht
Tribunal fédéral
Tribunale federale
Tribunal federal

{T 0/2}
4A_444/2010

Urteil vom 22. März 2011
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Bundesrichter Corboz,
Bundesrichterin Rottenberg Liatowitsch,
Bundesrichter Kolly,
Bundesrichterin Kiss,
Gerichtsschreiber Luczak.

Verfahrensbeteiligte
A.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Michael Bader und Rechtsanwältin Esther Scheitlin,
Beschwerdeführer,

gegen

X.________ AG,
vertreten durch Fürsprecher Franz Müller,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Haftpflichtrecht; Schadensberechnung,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Bern, Appellationshof,
1. Zivilkammer, vom 3. März 2010.
Sachverhalt:

A.
Am 28. Juni 1996 kam es auf dem Zürichsee zu einer Kollision zwischen zwei
Motorbooten. Ein ruhendes Boot, auf dem sich A.________ (Beschwerdeführer),
geb. 1965, mit seiner damaligen Freundin befand, wurde von einem anderen
Motorboot in voller Fahrt gerammt. Der für den Unfall verantwortliche Lenker,
der das Motorboot des Beschwerdeführers übersehen hatte, war bei der
Rechtsvorgängerin der X.________ AG (Beschwerdegegnerin) haftpflichtversichert.
Der Beschwerdeführer und seine damalige Freundin retteten sich durch einen
Sprung ins Wasser. Der Beschwerdeführer sprang vom Heck des Bootes ab. Ob er
mit dem rammenden Boot zusammenstiess und eine Hirnerschütterung erlitt, ist
umstritten.

B.
Gemäss dem Arztbericht der Klinik, in welche der Beschwerdeführer direkt nach
dem Unfall verbracht wurde, kam es auf der Notfallstation zu generalisierten
tonisch-klonischen Krampfanfällen sowie zu intermitierenden Absenzen
(Bewusstlosigkeit) kurzer Dauer. Diagnostiziert wurde ein akutes
HWS-Schleudertrauma. Nach der Überführung in eine andere Klinik und von dort
aufgrund eines Schwächezustandes in ein anderes Spital wurde eine commotio
cerebri (Gehirnerschütterung) diagnostiziert. Daneben kam es zu stuporösen
Anfällen mit initial Lähmungserscheinungen an beiden Armen, welche von einem
weiteren beigezogenen Arzt als posttraumatische Stressreaktion klassifiziert
wurden. Ab dem 2. Dezember 1996 bis zum 24. Juni 1999 arbeitete der
Beschwerdeführer zunächst wieder 100 %. Im Frühjahr 1999, also fast drei Jahre
nach dem Bootsunfall, meldete sich der Beschwerdeführer bei seinem Hausarzt
wegen einer massiven Zunahme der Schmerzen. In der Folge kam es zu
Klinikaufenthalten und einer Operation. Der Beschwerdeführer wurde zu 100 %
arbeitsunfähig geschrieben. Versuche, die Arbeit wieder aufzunehmen,
scheiterten.

C.
Am 17. Oktober 2007 erhob der Beschwerdeführer Klage gegen die
Beschwerdegegnerin und verlangte Fr. 4'000'000.-- nebst Zins. Während der
Gerichtspräsident des Gerichtskreises VIII Bern-Laupen die Klage im Umfang von
Fr. 3'370'193.-- guthiess, wies das Obergericht des Kantons Bern die Klage mit
Urteil vom 3. März 2010 ab. Der Beschwerdeführer war vor dem Bootsunfall
bereits Opfer eines Autounfalls geworden (28. Oktober 1994), bei welchem er
gemäss Bericht der Notfallstation ein mittelschweres
Halswirbelsäulen-Schleudertrauma erlitten hat. Eine MRI-Untersuchung habe eine
Diskushernie auf der Höhe C5/6 links mit fraglicher Beeinträchtigung der Wurzel
C6 gezeigt. Am 29. April 1996 war der Beschwerdeführer sodann auf dem Parkett
ausgerutscht und mit der linken Schulter auf der Treppenkante aufgeschlagen. Am
8. Mai 1996, also rund eineinhalb Monate vor dem Bootsunfall, musste er sich
der Operation einer Diskushernie unterziehen. Es wurde ihm empfohlen, für 6-8
Wochen einen steifen Kragen (sog. Schanzkragen) zu tragen. Diesen Kragen hatte
der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Kollision vorübergehend abgelegt. Vor
diesem Hintergrund kam das Obergericht zum Schluss, der Nachweis des
natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall und den zur
Arbeitsunfähigkeit führenden Beschwerden sei nicht gelungen.

D.
Mit Beschwerde in Zivilsachen wiederholt der Beschwerdeführer im Wesentlichen
das vor erster Instanz gestellte Rechtsbegehren. Seinem Gesuch um Gewährung der
aufschiebenden Wirkung gab das Bundesgericht am 22. September 2010 statt. Die
Beschwerdegegnerin schliesst auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde, soweit
darauf einzutreten ist, während das Obergericht auf Vernehmlassung verzichtet.
Das Bundesgericht hat die Angelegenheit an einer Sitzung beraten.

Erwägungen:

1.
In seiner umfangreichen Beschwerdeschrift rügt der Beschwerdeführer mit
einlässlichen Aktenhinweisen offensichtlich unrichtige
Sachverhaltsfeststellungen, Rechtsverletzungen bei der Sachverhaltsfeststellung
und Willkür in der Beweiswürdigung. Er thematisiert dabei allerdings oft
dieselben Aspekte mehrfach.

1.1 Das Bundesgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den die
Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG). Die Feststellung des
Sachverhaltes kann nur gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist
oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht und wenn die
Behebung des Mangels für den Ausgang des Verfahrens entscheidend sein kann
(Art. 97 Abs. 1 BGG). "Offensichtlich unrichtig" bedeutet dabei "willkürlich"
(BGE 135 III 127 E. 1.5 S. 130, 397 E. 1.5 S. 401; 133 II 249 E. 1.2.2 S. 252).
Unter der Geltung des BGG besteht mithin entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers kein relevanter Unterschied zwischen offensichtlich
unrichtigen Tatsachenfeststellungen und Willkür in der Beweiswürdigung. Unter
diesen Gesichtspunkt erweisen sich die Vorbringen des Beschwerdeführers als
unnötig repetitiv.

1.2 Soweit die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid abgeklärt hat, ob eine
Behauptung beweismässig erstellt ist, liegt Beweiswürdigung vor. Ist der
Beschwerdeführer mit dem Ergebnis dieser Beweiswürdigung nicht einverstanden,
hat er darzulegen, dass das Ergebnis offensichtlich unhaltbar und damit
willkürlich ist. Ist er der Auffassung, die Vorinstanz habe bei der
Beweiswürdigung prozesskonform angebotene Beweismittel zu Unrecht nicht
abgenommen oder abgenommene Beweismittel zu Unrecht nicht berücksichtigt, hat
er dies mit Aktenhinweisen aufzuzeigen. Neue Beweismittel können nur
berücksichtigt werden, soweit erst der angefochtene Entscheid zu deren
Vorbringen Anlass gab (Art. 99 Abs. 1 BGG). Ob die Vorinstanz aus dem
Beweisergebnis in rechtlicher Hinsicht die richtigen Schlüsse gezogen hat, ist
dagegen Rechtsfrage, welche das Bundesgericht frei und von Amtes wegen prüfen
kann (Art. 106 Abs. 1 BGG).

1.3 Nicht hinreichend festgestellt ist der Sachverhalt, wenn die Vorinstanz
zufolge falscher Rechtsanwendung nicht abgeklärt hat, ob rechtlich wesentliche,
korrekt in den Prozess eingeführte Behauptungen, für welche prozesskonform
Beweise angeboten wurden, beweismässig erstellt sind. Die rechtliche Relevanz
einer Tatsache ist Rechtsfrage, welche das Bundesgericht frei prüft. Es ist
grundsätzlich aber Sache der Parteien, mit Aktenhinweis darzutun, dass im
kantonalen Verfahren prozesskonform entsprechende Behauptungen aufgestellt
wurden, oder aufzuzeigen, dass erst der angefochtene Entscheid zum Vorbringen
der Behauptungen Anlass gegeben hat (Art. 99 BGG).

2.
Die Feststellung darüber, ob ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht,
beschlägt die tatsächlichen Verhältnisse und beruht auf Beweiswürdigung (BGE
132 III 715 E. 2.2 S. 718; 130 III 591 E. 5.3 S. 601 mit Hinweisen). Als
Rechtsfrage prüft das Bundesgericht aber frei, ob die Vorinstanz ihren
Feststellungen den korrekten Begriff des natürlichen Kausalzusammenhangs zu
Grunde gelegt hat (BGE 128 III 22 E. 2d S. 25; Urteil des Bundesgerichts 4C.106
/2005 vom 7. Oktober 2005 E. 5), was der Beschwerdeführer in Abrede stellt.

2.1 Ein natürlicher Kausalzusammenhang ist gegeben, wenn das schadensstiftende
Verhalten eine notwendige Bedingung (conditio sine qua non) für den
eingetretenen Schaden ist (BGE 132 III 715 E. 2.2 S. 718; 128 III 180 E. 2d S.
184 mit Hinweisen), d.h. das fragliche Verhalten nicht weggedacht werden kann,
ohne dass auch der eingetretene Erfolg entfiele bzw. nicht als in gleicher
Weise bzw. zur gleichen Zeit als eingetreten gedacht werden könnte.
Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen
Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder
unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das
schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder
geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit
andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene
gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen).
Soweit der Kausalzusammenhang nicht mit wissenschaftlicher Genauigkeit
nachgewiesen werden kann, genügt, dass er als überwiegend wahrscheinlich
erscheint (BGE 107 II 269 E. 1b S. 272 f.; 128 III 271 E. 2b/aa S. 275 f.; je
mit Hinweisen). Dies ist zu verneinen, wenn nach den besonderen Umständen des
Falles neben den behaupteten weitere Ursachen ebenso ernst in Frage kommen oder
sogar näher liegen (BGE 107 II 269 E. 1b S. 272 f.; vgl. auch BGE 130 III 321
E. 3.3 S. 325).

2.2 Eine Wertungsgesichtspunkten unterliegende Rechtsfrage ist demgegenüber, ob
zwischen der Ursache und dem Schadenseintritt ein adäquater Kausalzusammenhang
besteht (BGE 132 III 715 E. 2.2 S. 718 mit Hinweisen). Ein Ereignis gilt als
adäquate Ursache eines Erfolgs, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge
und der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der
Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt des Erfolgs also durch das
Ereignis als allgemein begünstigt erscheint. Rechtspolitischer Zweck der
Adäquanz bildet die Begrenzung der Haftung; es soll aufgrund sämtlicher
Umstände im Einzelfall (Art. 4 ZGB) entschieden werden, ob eine Schädigung
billigerweise noch dem Haftpflichtigen zugerechnet werden kann (BGE 123 III 110
E. 3a S. 112 mit Hinweisen). Dabei genügt haftpflichtrechtlich, dass der
Schädiger eine Ursache gesetzt hat, die nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge
geeignet war, den Schaden herbeizuführen, und ohne die es nicht zum Schaden
gekommen wäre, während Mitursachen wie etwa die konstitutionelle Prädisposition
der geschädigten Person den adäquaten Kausalzusammenhang in der Regel weder zu
unterbrechen noch auszuschliessen vermögen (BGE 123 III 110 E. 3c S. 114 f.;
113 II 86 E. 1b S. 89 f.).

3.
Aufgrund der fehlenden äusserlichen Verletzungen und des Absprungorts des
Beschwerdeführers am Heck des Bootes erachtete es die Vorinstanz als nicht
erwiesen, dass der Beschwerdeführer mit dem rammenden Boot kollidierte, sondern
ging davon aus, der Beschwerdeführer habe sich mit einem Standsprung ins Wasser
gerettet. Aus diesem Grund stellte sie grundsätzlich nicht auf jene
medizinischen Gutachten ab, welche auf einem anderen Sachverhalt beruhten. Eine
commotio cerebri direkt nach dem Bootsunfall erachtete die Vorinstanz nicht als
erwiesen.

3.1 Der Beschwerdeführer beanstandet diese Annahmen als willkürlich und macht
überdies geltend, die Vorinstanz habe gegen die bundesrechtliche Regelung des
Beweismasses verstossen. Was er zur Begründung der Rügen anführt, genügt
indessen nicht, um eine Verletzung von Bundesrecht oder Willkür in der
Beweiswürdigung aufzuzeigen. Angesichts der Tatsache, dass beim
Beschwerdeführer keine äusseren Verletzungen festgestellt wurden, ist es nicht
willkürlich, davon auszugehen, es habe keine Kollision mit dem rammenden Boot,
welches sich in voller Fahrt befand, stattgefunden. Die erste Instanz mass
insoweit einem Uhrglas, das beschädigt wurde, entscheidende Bedeutung zu. Es
ist aber nicht offensichtlich unhaltbar, wenn die Vorinstanz es für
unwahrscheinlich hält, dass von einem Zusammenstoss präzis die Armbanduhr
erfasst worden wäre, ohne dass sonst am Körper des Beschwerdeführers Spuren
eines Zusammenstosses festgestellt worden wären. Damit ist der Schluss, die Uhr
könne auch erst bei der Rettung beschädigt worden sein, im Ergebnis nicht
willkürlich, so dass den Ausführungen der Vorinstanz, der Beschwerdeführer,
habe die Uhr allenfalls gar nicht getragen, keine Entscheidrelevanz zukommt.

3.2 Der Beschwerdeführer macht zwar geltend, der Zusammenstoss hätte auch
zwischen ihm und seinem eigenen Boot stattfinden können oder mit abgeborstenen
Bootsteilen. Auch bei einer derartigen Kollision, der genügend Kraft innewohnt,
um die Uhr zu beschädigen, wäre zu erwarten, dass den behandelnden Ärzten am
Körper des Beschwerdeführers Spuren des Aufpralls aufgefallen wären. Da in den
Arztberichten nichts Derartiges festgehalten ist, erweist sich die
Beweiswürdigung der Vorinstanz im Ergebnis nicht als willkürlich.

3.3 Auch bezüglich der von einem Arzt diagnostizierten, von der Vorinstanz aber
nicht als erwiesen erachteten commotio cerebri hält der angefochtene Entscheid
dem Willkürvorwurf stand. Die Vorinstanz stützte sich auf die Stellungnahme der
Rheumaklinik Y.________ vom 20. September 2002, gemäss welcher als Ursache für
die Bewusstlosigkeit in erster Linie ein Hyperventilationssyndrom in Frage
komme, und eine commotio cerebri nach dem Bootsunfall wenig wahrscheinlich sei.
Vor diesem Hintergrund ist es nicht offensichtlich unhaltbar, den Beweis einer
commotio cerebri nicht als erbracht anzusehen.

4.
Mit Bezug auf den Unfallhergang ist die Beweiswürdigung der Vorinstanz nicht zu
beanstanden. Ihre Beurteilung des natürlichen Kausalzusammenhangs erweist sich
dagegen als problematisch:

4.1 Die Vorinstanz stützte sich auf die im Sozialversicherungsrecht ergangene
Rechtsprechung zum Schleudertrauma (BGE 134 V 109 E. 9.4 f.) und dabei unter
dem Titel "Eingehende medizinische inter- bzw. polydisziplinäre Abklärung durch
Gutachter, welche über zuverlässige Vorakten verfügen" auf diverse Gutachten.
4.1.1 In diesem Sinne zitierte die Vorinstanz ein Gutachten von Dr. B.________
vom 9. Februar 2001, welches die Situation nach dem Unfall allgemein als
posttraumatische Belastungsstörung beschrieb, die nach einem Jahr abgeklungen
sei. Die heutige Anpassungsstörung sei Folge der Schmerzen und
neuropsychologischen Beeinträchtigungen und somit nur indirekte Unfallfolge der
Bootskollision.
4.1.2 Die Vorinstanz führt weiter ein neurologisches Gutachten von Dr.
C.________ vom 25. September 2001 an, welches den Kausalzusammenhang zwischen
den Beschwerden und dem Treppensturz klar bejaht. Bezüglich Bootsunfall sei der
Kausalzusammenhang nur bedingt unmittelbar (an der genannten Stelle
unterschlägt die Vorinstanz das Wort unmittelbar, was der Beschwerdeführer
beanstandet; zuvor gibt sie das Zitat indessen korrekt wieder) auf jenes
Ereignis zurückzuführen, weil weder Verletzungen des zentralen noch des
peripheren Nervensystems vorhanden seien. Zur weiteren Klärung bedürfe es einer
rheumatologischen Beurteilung.
4.1.3 Schliesslich erwähnt die Vorinstanz ein rheumatologisches Gutachten der
Rheumaklinik Y.________ vom 15. Mai 2002, in welchem der Anteil des
Treppensturzes mit 70 % (was gemäss Zusatzauskunft vom 20. September 2002 noch
tief bemessen sei), jener des Bootsunfalls mit 30 % bemessen wurde. Die 1999
nachgewiesene Diskushernie C6/7 ist nach diesem Gutachten mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit auf den Treppensturz zurückzuführen, die heutigen
Beschwerden vor allem auf die Schmerzen mit Chronifizierung der Diskushernie C6
/7 rechts.

4.2 Nachdem die Vorinstanz gestützt auf die Stellungnahme der Rheumaklinik vom
20. September 2002 festgehalten hat, eine commotio cerebri direkt nach dem
Bootsunfall sei nicht nachgewiesen (vgl. E. 3.3. hiervor), schliesst sie mit
der Feststellung, eine zweite Diskushernie sei unmittelbar nach dem Unfall
nicht festgestellt, sondern erst drei Jahre später diagnostiziert worden. Ihr
Auftreten werde in den Gutachten mehrheitlich mit dem Treppensturz in
Verbindung gebracht. Nach dem Abklingen der posttraumatischen
Belastungsstörung, ein halbes Jahr nach dem Bootsunfall, sei der
Beschwerdeführer beschwerdefrei und voll arbeitsfähig gewesen. Da auch andere
Möglichkeiten für die heutigen Beschwerden ernsthaft in Betracht fielen,
misslinge der Beweis der natürlichen Kausalität, selbst wenn man vom Beweismass
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausgehe.

4.3 Mit Bezug auf die Frage, ob der Beschwerdeführer nach dem Unfall
beschwerdefrei war, widerspricht die Vorinstanz zum einen den eigenen
Feststellungen, wonach der Beschwerdeführer sich im Frühjahr 1999 bei seinem
Hausarzt mit einer massiven Zunahme der Schmerzen meldete. Dies impliziert,
dass bereits Schmerzen vorhanden waren. Überdies hält, wie der Beschwerdeführer
zutreffend geltend macht, das Gutachten B.________ fest: "Anfangs versuchte
A.________, seine damals noch leichteren Beeinträchtigungen 'nicht
wahrzunehmen'. Er forcierte, bis er zusammenbrach." Dies widerspricht der
These, der Beschwerdeführer sei beschwerdefrei gewesen. Obwohl die Vorinstanz
auf das Gutachten abstellt, setzt sie sich mit dieser Aussage in keiner Weise
auseinander.

4.4 Auch in ihrer übrigen Beweiswürdigung betreffend den Beweis des
Kausalzusammenhangs setzt sich die Vorinstanz nicht hinreichend mit den vor ihr
herangezogenen Gutachten auseinander. Dass die heutigen Beschwerden auch oder
sogar überwiegend auf vor dem Bootsunfall eingetretene Ereignisse
zurückzuführen sind, ist mit Blick auf die natürliche Kausalität nicht
massgeblich, da nicht verlangt wird, dass der Bootsunfall alleinige Ursache der
Beschwerden ist (vgl. BGE 134 V 109 E. 9.5 S. 125 f. mit Hinweisen). Die
Gewichtung mehrerer zusammenwirkender Ursachen ist für die Frage des
natürlichen Kausalzusammenhanges nicht relevant. Jede Ursache, deren Mitwirkung
zum Erreichen des Endzustandes nicht hinweggedacht werden kann, ist natürlich
kausal. Die Kausalität entfällt nur, soweit derselbe Schaden auch ohne die
betreffende Ursache (den Bootsunfall) eingetreten wäre. Denn nur wenn der
Schaden in vollem oder geringerem Umfang auch ohne den Unfall eingetreten wäre,
ist er insoweit keine Folge davon, dem Haftpflichtigen folglich nicht
zurechenbar und von der Schadensberechnung auszunehmen (BGE 113 II 86 E. 3b S.
93 mit Hinweisen).
4.4.1 Nun hält das Gutachten B.________ fest, die heutige Anpassungsstörung sei
Folge der Schmerzen und neuropsychologischen Beeinträchtigungen und somit nur
indirekt Unfallfolge der Bootskollision. Für den natürlichen Kausalzusammenhang
genügt indessen, dass der Schaden mittelbare, also indirekte Folge des Unfalls
ist (BGE 129 V 177 E. 3.1 S. 181 mit Hinweisen). Auf diesen Punkt geht die
Vorinstanz nicht ein.
4.4.2 Aus dem neurologischen Gutachten kann zum Kausalzusammenhang in der Tat
nichts Entscheidendes abgeleitet werden, da es rheumatologische Abklärungen
ausdrücklich vorbehält. Dass der Gutachter die Beschwerden nur "bedingt"
unmittelbar auf den Bootsunfall zurückführt, schliesst allerdings eine
mittelbare, für die Annahme des Kausalzusammenhangs genügende Beeinflussung
nicht aus.
4.4.3 Das rheumatologische Gutachten schliesslich beziffert den Anteil des
Bootsunfalles mit 30 %, wobei in den Zusatzerklärungen eingeräumt wird, dass
dies hoch gegriffen sei.
4.4.3.1 Für die Frage der natürlichen Kausalität ist massgeblich, wie sich der
Gesundheitszustand beziehungsweise die Arbeitsunfähigkeit des Geschädigten ohne
Bootsunfall entwickelt hätte. Selbst wenn die eine Ursache der Beschwerden zu
weniger als 30 % und die andere zu über 70 % beziehungsweise vorwiegend für
einen Schaden ursächlich war, bleibt dies für die Frage der natürlichen
Kausalität (beziehungsweise die Verantwortlichkeit des Schädigers; BGE 131 III
12 E. 4 S. 14) ohne Relevanz, es sei denn, die vorwiegend verantwortliche
Ursache hätte auch für sich allein denselben Schaden bewirkt.
4.4.3.2 Mit Bezug auf den Kausalzusammenhang führt das rheumatologische
Gutachten gemäss den Feststellungen der Vorinstanz aus, die objektiven Befunde
des Beschwerdeführers seien überwiegend wahrscheinlich auf jeden der beiden
Unfälle (i.e. Treppensturz und Bootsunfall) zurückzuführen. Im Gutachten wird
zudem festgehalten: "Der Status quo sine wird nicht mehr erreicht, da sich
durch die beiden Unfälle eine richtungsgebende Verschlimmerung des Vorzustandes
ergeben hat". Das Gutachten geht mithin davon aus, die Chronifizierung der
Beschwerden sei Folge des Zusammenspiels beider Unfälle.

4.5 Zwar äussern sich die Gutachten nicht mit der wünschbaren Deutlichkeit zur
Frage, ob der Beschwerdeführer auch ohne den Bootsunfall heute an denselben
Beeinträchtigungen leiden würde oder nicht. Die Vorinstanz verneint aber den
Kausalzusammenhang, ohne sich mit den Passagen der Gutachten, die den
Bootsunfall als (indirekte) Teilursache der heutigen Probleme zu betrachten
scheinen, auseinanderzusetzen. Insoweit beanstandet der Beschwerdeführer die
Beweiswürdigung zu Recht. Die Sache ist daher an die Vorinstanz zurückzuweisen,
damit sie die von ihr herangezogenen Gutachten bezüglich der Frage, ob der
Bootsunfall allenfalls eine (indirekte) Teilursache für die heutigen
Beschwerden bildet, einlässlich würdigt. Sofern sie die Gutachten nicht für
beweiskräftig hält oder davon abweicht, ist dies im Einzelnen zu begründen. Es
steht der Vorinstanz auch frei, allfällige Zweifel über die Tragweite der
Gutachten auszuräumen, indem sie den Gutachtern die konkrete Frage
unterbreitet, ob der Beschwerdeführer heute auch ohne den Bootsunfall unter
denselben Beschwerden leiden würde. Nur diesfalls wäre der natürliche
Kausalzusammenhang zu verneinen.

5.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und die Sache an
die Vorinstanz zu neuer Entscheidung zurückzuweisen. Sollte der natürliche
Kausalzusammenhang gegeben sein, wird die Vorinstanz die weiteren
Haftungsvoraussetzungen zu prüfen haben. Dem Ausgang des Verfahrens
entsprechend erscheint es gerechtfertigt, die Gerichtskosten den Parteien je
zur Hälfte aufzuerlegen und die Parteikosten wettzuschlagen.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Die Beschwerde wird teilweise gutgeheissen, das angefochtene Urteil aufgehoben
und die Sache zur Ergänzung des Sachverhalts und zu neuer Entscheidung an die
Vorinstanz zurückgewiesen.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 23'000.-- werden den Parteien je zur Hälfte
auferlegt.

3.
Für das bundesgerichtliche Verfahren wird keine Parteientschädigung
zugesprochen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Bern,
Appellationshof, 1. Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 22. März 2011

Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Klett Luczak